»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

und noch einmal etwas zum lieben marcel

mrr bekommt jetzt noch einen ehren­dok­tor (wofür eigent­lich?), den neun­ten (bzw. den sechs­ten in deutsch­land), wie er, stolz wie oskar, unbe­dingt erwäh­nen muss im inter­view, dass die „welt” aus die­sem anlass mit ihm führ­te. schön und gut, wenn die hum­boldt-uni­ver­si­tät meint, mrr müs­se unbe­dingt geehrt wer­den, soll sie doch … aber dann kommt gleich wie­der so ein typi­scher reich-rani­cki-satz: „Ber­lin, das war für mich der damals ver­pön­te Hein­rich Hei­ne. Das war für mich selbst­ver­ständ­lich Tho­mas Mann.” ber­lin = tho­mas mann? in den 1930ern? wie kommt man denn bit­te dar­auf? dafür gibt es doch nun wirk­lich kei­ner­lei anlass, weder bio­gra­phi­schen noch lite­ra­ri­schen: tho­mas mann war lübeck und/​oder mün­chen, aber doch nicht ber­lin. weder spielt die stadt in sei­nen wer­ken noch in sei­nem leben eine grö­ße­re rol­le. und umge­kehrt schon gar nicht. der rest ist dann nur noch das übli­che nichts­sa­gen­de geblub­ber: ein kri­ti­ker, der sich wei­gert, posi­ti­on zu bezie­hen; hoch­tra­ben­des gewäsch über die rol­le der juden in der zeit­ge­nös­si­schen deut­schen lite­ra­tur etc: mrr eben.

im matsch spielen

dafür habe ich auch noch ein paar spe­zi­el­le schu­he: die puma trail­fox, die es vor kur­zem bei walm­art im son­der­an­ge­bot für 39 euro gab (120 hät­te ich halt nicht für einen rei­nen schlecht­wet­ter­schuh aus­ge­ge­ben). die pass­form ist nicht ganz 100%ig mei­ne sache, eigent­lich sind sie im vor­der­fuß ein wenig schmal. nach ein paar minu­ten hat­te ich mich aber ges­tern, bei mei­nem ers­ten test­lauf (gleich über 20 km) dar­an gewöhnt. das design ist dage­gen mal ohne tadel, zum glück auch nicht im obli­ga­to­ri­schen weiß – bei sol­chen schu­hen, die dezi­diert für matsch, schlamm und schnee gebaut sind, wäre das ja auch noch blöd­sin­ni­ger als es sowie­so schon ist. gekauft habe ich mir die füch­se vor allem, weil ich in die­sem win­ter im oden­wald, in den wäl­dern und auf den wie­sen, eini­ge male bös her­um­ge­schlit­tert bin – nicht weil so viel schnee gele­gen hät­te, son­dern weil es so mat­schig war. ges­tern durf­ten die neu­en schu­he dann ihre qua­li­tä­ten gleich viel­fäl­tig unter beweis stel­len: nach dem kur­zen anlauf bis zum krei­sel am kreuz­weg auf der stra­ße – mit die­sen schu­hen kein spaß, dafür ist die soh­le natür­lich viel zu sehr pro­fi­liert und die dämp­fung für mein geschmack auch ein wenig zu gering – ging es gleich über die wie­sen zum buch­wald­s­kopf. obwohl der boden nach den regen­fäl­len der let­zen tage/​wochen wirk­lich mehr als auf­ge­weicht war – über­haupt kein pro­blem, der grip mit die­sen schu­hen ist unwahr­schein­lich. im buch­wald­s­kopf und auf dem weg übers bullau­er bild nach würz­berg ging es dann wei­ter: downhill­spu­ren, rei­ter­pfa­de, rück­we­ge, ver­schlamm­te forst­we­ge und knö­chel­tie­fe matsch­lö­cher – alles über­haupt kein pro­blem. auch die dich­tig­keit ist über­ra­schend ange­nehm: beson­ders viel mehr als schonst schwitzt man nicht – und es ist schon etwas luxu­riö­ser zu lau­fen, wenn der fuß nicht bei jeder pfüt­ze zwangs­ge­kühlt wird. jetzt fehlt nur noch der schnee, um sie auch damit zu tes­ten – aber über­zeugt bin ich von dem trail­fox schon jetzt: für wirk­li­che schlecht­wet­ter-bedin­gun­gen bin ich noch kei­nen bes­se­ren schuh gelaufen.

ski fahren im montafon 2007

mein dies­jäh­ri­ger ski­ur­laub – zugleich test- und ein­ge­wöh­nungs­wo­che mit dem neu­en mono­ski – führ­te mich ins mon­ta­fon in vor­arl­berg. gewohnt habe ich in tschag­guns. oder bes­ser gesagt, leicht ober­halb des eigent­li­chen ortes, mit ski­bus­hal­te­stel­le direkt vor der haus­tür. das war auch wich­tig, denn die ski­ge­bie­te des mon­ta­fon (vier gro­ße und noch ein paar pil­le-pal­le-lif­te) lie­gen recht ver­teilt, so dass man ohne bus oder pkw ziem­lich auf­ge­schmis­sen ist.

am ers­ten tag, 28–1, ging es auf die golm, das lag prak­tisch direkt vor der haus­tür (5 minu­ten mit dem bus). die ers­te ent­täu­schung stell­te sich aller­dings schon gleich am beginn her­aus: das berüh­rungs­lo­se ticket­sys­tem im mon­ta­fon ist aus­ge­spro­chen schlecht. gleich an der ers­ten schran­ke zur golm­erbahn, die mich auf den berg brin­gen soll­te, hab‘ ich ewig rum­ge­zop­pelt, bis der mein ski­pass, der in der jacken­ta­sche steck­te, end­lich mal gele­sen hat­te. und das ging den gan­zen tag so wei­ter … aber so etwas ist irgend­wie typisch, ser­vice-mäßig rei­ßen die im mon­ta­fon sich über­haupt kein bein aus. die lift­ty­pen etwa hocken, oft genug auch noch zu zweit, schön bequem in ihren abge­schirm­ten kabäuz­chen, bewe­gen sich mög­lichst wenig. die ein- und aus­stie­ge waren, obwohl es gar nicht so wahn­sin­nig voll war, ziem­lich schnell ziem­lich schlecht – das blieb die gan­ze woche so. auch etwa die git­ter an den ein­stie­gen waren immer wie­der nicht ordent­lich auf­ge­stellt, man blieb stän­dig irgend­wo hän­gen. die pis­ten waren auf der golm schlecht prä­pa­riert – es hat­te über nacht geschneit. das war für den ers­ten tag nicht gera­de opti­mal, zumal die pis­ten – fast nur rotes, die schwar­ze dia­bo­lo war mit­samt dem außer­golm-lift geschlos­sen – doch ziem­lich hef­ti­ge steil­stü­cke drin hat­ten, bei denen – oder bevor­zugt nach denen – ich ziem­lich oft hin­ge­knallt bin. denn auf der har­ten (kunst-)schnee grund­la­ge bil­de­te der tro­cke­ne neu­schnee ziem­lich schnell die schöns­ten buckel­pis­ten mit wan­dern­den buckeln.

vor­mit­tags war ich vor allem an der räti­kon­bahn, neben der die soge­nann­te „welt­cup-abfahrt“ ver­läuft – schön schmal und sakrisch steil. spä­ter bin ich vor allem an der mat­schwitz­bahn unter­wegs gewe­sen, da war weni­ger los. die blaue pis­te dort aller­dings ist sehr lang­wei­lig, die rote aber hat auch anspruchs­vol­le sei­ten. kurz war ich auch am 2er-ses­sel der hüt­ten­kopf­bahn, doch die rote pis­te dort war schon in sehr schlech­tem zustand: oben eisig, unten kein schnee, son­dern steine.

am zwei­ten tag, 29–1, ging es dann auf die ande­re tal­sei­te ins hoch­joch. mor­gens war ich noch ziem­lich kaputt gewe­sen, aber auf dem ski ging’s dann doch sehr ordent­lich. ich bin über die zamang­bahn hoch­ge­fah­ren (das war bus­tech­nisch am ein­fachs­ten), die war um kurz nach neun noch ganz leer – auch auf der pis­te noch nix los – hier kom­men die leu­te erst spä­ter … lei­der war das kreuz­joch geschlos­sen – der ver­bin­dungs­lift hat­te einen getrie­be­scha­den. des­halb war ich fast den gan­zen tag am seebli­ga-sesel­lift. der hat zwei sehr schö­ne rote vari­an­ten, deren eine oben einen supers­tei­len, tief­schwar­zen ein­stieg hat: direkt am lift her­un­ter. das ers­te mal bin ich wie­der umge­kehrt … spä­ter dann aber doch eini­ge male da run­ter, bis es zu glatt wur­de. einen aus­flug hab‘ ich auch zum krop­fen-ses­sel­lift gemacht. eine lan­ge blaue abfahrt führt dahin (zur mit­tel­sta­ti­on der hoch­joch-bahn), die offen­sicht­lich am abend zuvor prä­pa­riert wur­de, auf der dann aber wohl die gan­ze nacht schnee gemacht wur­de, der nicht mehr befes­tigt wor­den ist – mit den ent­spre­chen­den ergeb­nis­sen. und der lift braucht ewig, bis er oben ist …

am 30–1 hat­te ich dann einen herr­li­chen ski­tag an der sil­vret­ta nova: son­ne pur, nur viel zu warm, gute pis­ten: vor allem vie­le car­ver-auto­bah­nen. denn hier in der sil­vret­ta ist ein­deu­tig am meis­ten pla­niert wor­den. schön anzu­se­hen ist das nicht. aber die leu­te ver­tei­len sich so ganz gut. mor­gens zunächst am älpli unter­wegs gewe­sen, auch zur mit­tel­sta­ti­on der vali­se­ra­bahn (aber das war nicht sehr schön: die blaue bis­te erstaun­lich schmal und erstaun­lich steil). nicht sehr inter­es­sant auch der aus­flug auf die nova, wo ich für die­sen tag aller­dings die schwar­zen pis­ten aus­ge­las­sen habe. auch die rück­sei­te von der rin­der­hüt­te (dort eine ganz net­te abfahrt, oben lei­der ers­te ein stück weg), die heim­spitz­bahn, konn­te mich nicht begeis­tern: ein ewig lan­ger zieh­weg für eine kur­ze, unspek­ta­ku­lä­re piste.

gar­gel­len hieß das ziel am wie­der­um wun­der­bar son­ni­gen 31–1. das ist von tschag­guns noch ein gan­zes stück (liegt aber auch dop­pelt so hoch, näm­lich auf über 1400 m), der ski­bus braucht mit umstei­gen fast eine stun­de dahin. dafür war ich dann vom eigent­li­chen ski­ge­biet, das sonst immer so hoch gelobt wird, eher ent­täuscht. zwar war sehr wenig los, aber viel aus­wahl gibt es nicht und vor allem nur wenig span­nen­des für mich. die rote pis­te neben dem vie­rer­ses­sel, dem haupt­lift dort, ist im obe­ren teil sehr sehr schräg, dafür aber ziem­lich flach. erst unter­halb des ses­sel­lif­tes, zum schlep­per hin, wird es kna­cki­ger. sonst gibt es da oben vor­wie­gend blaue, fla­che und brei­te bis­ten (und eini­ge ski­rou­ten, die ich aber nicht erkun­det habe). die tal­ab­fahrt war vor­mit­tags noch in ord­nung, aber auch ziem­lich lang­wei­lig. und obwohl ich schon ziem­lich gebret­tert bin, muss­te ich dann doch noch ein stü­cken schie­ben. nach­mit­tags war ich dann öfters zwi­schen den pis­ten unter­wegs – wenn ich schon einen mono­ski hab … und kurz vor schluss, als kaum noch jemand auf der pis­te war, hab‘ ich den ski auch noch zum car­ven gebracht – sau­geil, super schnell und anstrengend …

am 1–2 war ich noch ein­mal in der sil­vret­ta, dies­mal bei wei­tes­ge­hend bedeck­tem him­mel (warm war’s trotz­dem). es war kaum jemand da. dies­mal noch aus­gie­bi­ger den nova-teil erkun­det – aber dort ist nur kur­zes rotes oder lah­mes blau­es mit vie­len wegen zu fin­den – also nix für mich. dafür bin ich mehr­mals die schwar­ze pis­te direkt am ses­sel­lift hin­un­ter – die ist nicht über­mä­ßig schwer, hat­te aller­dings etwas viel stein­zeug im schnee, was dann doch für abwech­se­lung sorg­te. nach­mit­tags war ich vor allem wie­der an madri­sel­la und dem 3er-ses­sel neben­dran ind allen varianten.

zum schluss, am 2–2, bin ich noch ein­mal ins hoch­joch. schließ­lich war­te­ten kreuz- und gras­joch noch auf die erkun­dung. dazu muss man zunächst über den sen­ni­grät-lift, der ganz selt­sam schräg über den hang läuft, hin­auf. und bis man end­lich drü­ben ist, sitzt man eine gute wei­le im lift. dafür gibt es dann aber gar nicht so viel so erkun­den: da hin­ten nur blaue pis­ten, lau­ter sehr hüge­li­ge, wel­li­ge bän­der, die immer wie­der schuss­fahr­ten benö­ti­gen – das macht mit dem mono­ski nicht so sehr viel spaß. des­halb bin ich dann nach einer wei­le doch wie­der zum seebli­ga-lift und hab mich da ver­gnügt – im ste­ten wech­sel zwi­schen har­ten, kur­zen bögen und wei­ten, sehr tem­po­rei­chen schwün­gen. immer mehr kam aller­dings das eis raus – und immer mehr unter­schied sich die spreu vom wei­zen: eini­ge sehr gute fah­rer bret­ter­ten über die pis­te, ande­re rutsch­ten ziem­lich selt­sam her­um oder lan­de­ten im akia und hub­schrau­ber, den ich in die­ser woche jeden tag min­des­tens ein­mal gese­hen hab. schnee war halt doch sehr wenig – im tal wur­den die hän­ge von tag zu tag immer grüner.

dieser ski ist der hammer!

er heißt ja auch so: der „tt ham­mer“ von snow­shark in den usa, mein neu­er mono­ski. das ist ein ech­tes prä­zi­sion­in­stru­ment, bei jeder geschwin­dig­keit – nur zu lang­sam darf’s nicht wer­den. für angst­ha­sen ist das nichts, mit ordent­lich tem­po lässt er sich ein­deu­tig am bes­ten fah­ren. feh­ler darf man aller­dings auch nicht machen, fahr­feh­ler ver­zeiht er kaum bis gar nicht. als ech­tes prä­zi­si­ons­in­stru­ment macht er genau das, was er soll. und wenn’s falsch ist, dann macht er es auch – ver­zei­hen, ver­schlu­cken tut er nix. man merkt auch jeden huckel der pis­te dem­entspre­chend. das ist eben ein hoch­ge­züch­te­tes sport­ge­rät. und das heißt v.a.: er braucht kraft und kon­zen­tra­ti­on – ent­spann­tes glei­ten ist damit nicht an der tages­ord­nung. schon klei­ne nach­läs­sig­kei­ten, etwa in der hal­tung der knie, kön­nen sich unan­ge­nehm bemerk­bar machen – das war für mich zunächst sehr gewöh­nungs­be­dürf­tig. dafür belohnt er mit her­vor­ra­gen­der sta­bi­li­tät bei jedem tem­po: genau­ig­keit eben.

ganz unver­dros­sen und wie selbst­ver­ständ­lich beißt er sich aber an jedem hang fest. selbst bei den für mono­ski eher ungüns­ti­gen ver­hält­nis­sen im mon­ta­fon (sehr har­te grund­la­ge, teil­wei­se eisig) bleibt er über­ra­schend gut zu kon­trol­lie­ren und beherr­schen. und auch car­ven kann er – wenn der fah­rer es sich traut. ich schaff­te das nur kurz: denn so zu fah­ren, ist anstren­gend und bru­tal schnell – eigent­lich schon fast waf­fen­schein­pflich­tig. denn dann dür­fen weder ande­re ski­fah­rer in die que­re kom­men noch unvor­her­ge­se­he­ne löcher oder kan­ten in der pis­te auf­tau­chen. ech­te car­ver-monos kön­nen das aller­dings bes­ser (und einfacher).

lei­der taugt die bei mir mon­tier­te tyro­lia-bin­dung für die­sen ein­satzweck nur wenig (aber ich war ja noch nie ein gro­ßer freund der tyro­lia …): immer wie­der hat­te ich das pro­blem – obwohl ich sie fast am anschlag der ein­stel­lung habe – dass bei (beinah-)stürzen ein schuh an der spit­ze ein wenig ver­rutscht – noch in der bin­dung hält, aber nach außen ver­scho­ben ist. damit lässt sich dann, wenn man es nicht merkt und gleich kor­ri­giert, wun­der­bar wie­der auf die nase fal­len, denn die nächs­te kur­ve wird dann zur ech­ten über­ra­schung. außer­dem hat der mon­teur beim einen teil auch noch zu tief gebohrt – abso­lu­ter mist also. aber das wird sich hof­fent­lich bald ändern.

andreas staier schafft es: schumann pur – aber ohne langeweile

ein genia­les kon­zert, das mich wirk­lich sehr berührt hat viel braucht es nicht: ein instru­ment, am bes­ten ein his­to­risch auch pas­sen­des, einen klei­nen sta­pel noten, etwa von robert schu­mann, und einen pia­nis­ten, zum bei­spiel andre­as stai­er. und schon ist frank­fur­ter hof alles ver­sam­melt, was für ein wun­der­ba­res, außer­or­dent­lich bewe­gen­des kon­zert not­wen­dig ist.

denn stai­er gelingt an die­sem abend eigent­lich alles. das ist für einen pia­nis­ten sei­nes rufes zwar fast zu erwar­ten, aber berüh­rend ist es trotz­dem. dabei ist von ihm selbst kaum etwas zu spü­ren. gera­de das ist aber sein gro­ßes erfolgs­ge­heim­nis. denn was hier im frank­fur­ter hof zu erle­ben ist, das ist sozu­sa­gen schu­mann pur. sicher, so genau weiß nie­mand wie sich der kom­po­nist das alles vor­stell­te, als er die noten aufs papier warf. aber das, was stai­er hier dem zier­li­chen instru­ment ent­lockt, scheint eine voll­kom­men plau­si­ble annah­me, wie es damals gedacht wor­den sein mag. dazu trägt natür­lich auch der flü­gel, ein his­to­ri­sches instru­ment, bei. denn sein klang unter­schei­det sich noch erheb­lich von den heu­te übli­chen. viel stär­ker ist der per­kus­si­ve anteil noch zu spü­ren, viel mehr schwin­gen ande­re sai­ten mit und ver­lei­hen jedem klang eine hauch­zar­te, silb­ri­ge hül­le. der anschein der authen­ti­zi­tät mag trü­gen, aber das ist belang­los. denn stai­er zau­bert mit den mög­lich­kei­ten des instru­ments, so beschränkt sie uns heu­te vor­kom­men mögen. er lässt die töne zu zar­ten nebel­schlei­ern ver­wi­schen, lässt den bass rum­pelnd grol­len um weni­ge augen­bli­cke die bril­lan­tes­ten per­len­ket­ten aus dem dis­kant auf­stei­gen zu las­sen. und aus jeder ton­fol­ge, jedem noch so unschein­ba­ren neben­ge­dan­ken, spricht die neu­gier des pia­nis­ten auf die­se musik. denn das ist noch so ein erfolgs­re­zept von andre­as stai­er: selbst wenn er aus dem „album für die jugend“ spielt oder gar die „kin­der­sze­nen“, mit „träu­me­rei“ und all den ande­ren abge­nutz­ten pre­zio­sen – immer wie­der schafft er es, ohne gro­ßen auf­wand den ein­druck abso­lu­ter frei­heit und spon­ta­nei­tät zu erwe­cken. und wie genau er dann jede die­ser klei­nen minia­tu­ren zur voll­endung bringt, wie prä­zi­se und fein­sin­nig er immer wie­der den letz­ten tönen beson­de­re beach­tung schenkt, sie mit unge­heu­rer inten­si­tät und bedeu­tung auf­lädt und das gan­ze so wun­der­bar in sein klang­li­ches kon­zept ein­bin­det, das man als zuhö­rer mit dem träu­men gar nicht mehr auf­hört: das ist ein­fach erst­klas­sig. nur mit dem – immer wie­der sehr vor­sich­tig und zögernd ein­set­zen­den – applaus kann sich das publi­kum da wie­der in die gegen­wart zurückholen.

botho strauß träumt und phantasiert

es ist ja immer so eine sache mit den tex­ten von botho strauß: sie lie­gen mir nicht unbe­dingt. aber sie las­sen qua­li­tä­ten erken­nen. das gilt auch für die nacht mit ali­ce, als julia ums haus schlich. ein selt­sa­mes traum­buch ist das, beherrscht von der ödnis der städ­te bzw. der stadt, näm­lich ber­lins. und schon sind wir mit­ten im pro­blem: der topos der öden, kal­ten, lee­ren stadt – das ist schon ziem­lich vorgestrig …

ver­blass­te, sche­men­haf­te men­schen­ge­stal­ten schwe­ben durch den text, die oft mehr schat­ten als fleisch und blut sind, lose über zufäl­li­ge und ange­ord­ne­te begeg­nun­gen mit­ein­an­der ver­knüpft. strau­ße schreibt hier sei­ne sicht der gegen­wart nach der post­mo­der­ne ‑die war ja im „par­ti­ku­lar“ und vor allem der „beginn­lo­sig­keit“ an der rei­he gewe­sen. jetzt ist alles leer und frei von alten sinn­ga­ran­ten, die nicht ein­mal mehr als zitat oder mate­ri­al für col­la­gen o.ä. vor­kom­men – ödnis eben. statt des­sen, statt der wah­ren welt, herrscht eine traum­welt, weit­ab der rea­li­tät. vor allem ver­schwin­det und ver­schwimmt die gren­ze zwi­schen der phan­tas­ti­schen welt des trau­mes und den spär­li­chen res­ten der rea­li­tät zunehmend.

der text, das sind nur noch frag­men­te und bruch­stü­cke: die kohä­si­on wird, so scheint es mir im moment, von text zu text, von buch zu buch, nied­ri­ger: das schwebt anein­an­der vor­bei, wie gro­ße bla­sen in einem geschlos­se­nen raum: ab und an ver­bin­den sich wel­che, tei­len sich irgend­wo und irgend­wann auch wie­der, fes­te zustän­de gibt es ein­fach nicht mehr. dazu kommt dann noch, dass strauß unbe­streit­bar ein groß­ar­ti­ger sti­list ist (auch das scheint sich immer mehr aus­zu­prä­gen …): per­ma­nent herrscht ein ver­hal­ten durch­schei­nen­der zar­ter, leich­ter apo­ka­lyp­ti­scher grund­ton – am stärks­ten wohl in den ein­deu­ti­gen traum­tei­len – denn die traum­se­quen­zen sind in dif­fe­ren­zier­ter evi­denz mon­tiert. und wun­der­ba­re beschrei­bung, herr­lich alt­mo­disch anmu­ten­de vergleiche:

„wie lan­ge noch dastehn? in die­ser uni­ver­sal­rat­lo­sig­keit. aus­sichts­los.“ (147, hier total aus dem zusam­men­hang gerissen)

auch so ein dauerbrenner: die usa und der irak

und es ist erschre­ckend, wie igno­rant das ver­hält­nis von sei­ten der groß­macht gepflegt oder eben nicht gepflegt wird: man muss sich nur ein­mal das hier anschau­en – oder die hier (für mich) ent­schei­den­de zusam­men­fas­sung im lan­guage log lesen (geht auch ganz schnell ;-)).

auch mal was zum studivz

eigent­lich woll­te ich ja nix zu dem gro­ßen blöd­sinn, den das stu­divz und sei­ne mehr oder weni­ger gehirn­am­pu­tier­ten benut­zer (die, falls sie noch rest­ka­pa­zi­tä­ten zwi­schen den ohren haben, zumin­dest den kri­ti­schen teil davon abge­schal­tet haben: das urteils­ver­mö­gen, die medi­en­kom­pe­tenz und was weiß ich noch alles) so trei­ben. aber heu­te steht sogar in der faz (!) was dazu. und das ist gar nicht schlecht. denn der arti­kel von jür­gen kau­be beleuch­tet nicht nur die tech­ni­schen hin­ter­grün­de (wie don alphon­so, der auch gebüh­rend erwähnt wird) oder die, um es ein­mal so zu sagen, merk­wür­di­gen ver­hal­tens­wei­sen des grün­ders, son­dern vor allem die sozia­len und intel­lek­tu­el­len kom­po­nen­ten und fol­gen einer sol­chen platt­form – für leu­te wie mich, die in sol­chen din­gen durch­aus tra­di­tio­na­lis­tisch den­ken, eine ziem­li­che katastrophe…

der lahnhöhenweg

die ers­te „rich­ti­ge” wan­de­rung 2006: ein teil­stück des lahnhöhenweges.

weg: lahn­hö­hen­weg (rechts und links der lahn) 
stre­cke
: lim­burg – lahnstein 
kar­te: natur­park lahn nas­sau. 1:50000. isbn 3−89637−305−6
etap­pen
:

  1. lim­burg – schloss langenau
  2. schloss lan­ge­nau – fachbach
  3. fach­bach – lahnstein

beschrei­bung
1. etap­pe
: auf­grund mei­ner schlech­ten pla­nung geriet gleich der ers­te tag ein wenig lang. je nach­dem, wel­chen schil­dern ich glau­ben schen­ke, sind das ca. 28 oder ca. 33 km. auf jeden fall sind eini­ge höhe­me­ter dabei – in form ziem­lich kna­cki­ger anstie­ge. lim­burg ist zwar mit der bahn gut zu errei­chen, als start emp­fiehlt es sich aber nicht unbe­dingt, der links­sei­ti­ge lahn­hö­hen­weg führt zunächst v.a. über asphal­tier­te feld­we­ge nach diez, dort quer durch den ort und an der stra­ße ent­lang nach fach­in­gen, durch das man auch noch durch muss. dann wird es inter­es­san­ter: mit dem ers­ten kräf­ti­gen anstieg auf engen keh­ren von der lahn auf die höhe, ein wun­der­schö­ner weg durch den wald am steil­hang nach bal­du­in­stein. da geht es erst mal wie­der zügig hin­un­ter zur lahn und im ort bal­du­in­stein. dann auch gleich wie­der hin­auf in rich­tung schloss schaum­burg – ein mus­ter, das auf dem lahn­hö­hen­weg noch öfters begeg­net. dann geht es in einem gro­ßen bogen um das eben­so gro­ße schloss, wobei zum ersten­mal auf­fällt, dass die mar­kie­rung des lahn­hö­hen­we­ges nicht immer opti­mal ist: auf dem weg von schaum­burg wie­der hin­ab feh­len meh­re­re mar­kie­run­gen – oder sie waren so gut ver­steckt, dass ich sie nicht fand. dann geht es schön durch die fel­der und über steins­berg in rich­tung bahn­haus. dort muss man sich dann einen kilo­me­ter direkt an den glei­sen ent­lang quet­schen, um den auf­stieg vom hau­ser­hof durch eine wun­der­schö­ne, aber die bein­mus­kel stra­pa­zie­ren­de klamm zur runi­ne brun­nen­burg zu neh­men. von dort aus führt der weg über den soge­nann­ten vier­seen­blick auf unge­fähr hal­ber höhe wei­ter bis kurz vor obern­hof. der abstieg in den ort ist zunächst recht steil, wird zum schluss aber glück­li­cher­wei­se etwas fla­cher. an der lahn dann, nach neun stun­den marsch, die böse über­ra­schung: der cam­ping­platz ist heu­te nicht besetzt – und die sani­tä­ren anla­gen sind alle gut ver­rie­gelt. also wech­se­le ich gleich hier die lahn­sei­te und stap­fe an der bun­des­stra­ße ent­lang zum nächs­ten cam­ping­platz in schloss lan­ge­nau, der immer­hin offen ist. dadurch ändern sich aller­dings mei­ne plä­ne. denn weil ich sowie­so ziem­lich fer­tig bin, ent­schei­de ich mich, am nächs­ten tag nicht wie­der zurück nach obern­hof und von dort auf der lin­ken sei­te durch das jam­mer­tal dem lahn­hö­hen­weg bis nas­sau zu fol­gen. statt des­sen begin­ne ich gleich mor­gens mit der nächs­ten etap­pe.
2. etap­pe
: auf der rech­ten lahn­sei­te – eine glück­li­che fügung. denn hier ist ein wun­der­schö­ner wan­der­weg, zum gro­ßen teil nur ein schma­ler pfad. der führt zunächst von schloss lan­ge­nau über die paar häu­ser mied­zian­kit an den hang der hohen lay hin­über nach nas­sau. dort darf man dann wie­der ein­mal quer durch den gesam­ten ort – das zieht sich doch recht weit hin – und natür­lich wie­der in der vol­len son­ne eine schön stei­le stra­ße auf­stei­gen, um wie­der auf die höhe und in den wald zu kom­men. so kommt man hin­über nach dau­s­e­nau – und da muss man unbe­dingt die kar­te benut­zen, da min­des­tens an zwei abzwei­gen die mar­kie­run­gen feh­len. und auch nach dau­s­e­nau gilt wie­der: auf­pas­sen und das wei­ße l suchen. denn es geht auch so schon steil genug hin­auf zum höhen­haus – ich hab’ das gan­ze noch ein wenig ver­schärft, sonst wäre es ja zu lang­wei­lig gewor­den. vom höhen­haus geht es dann wie­der weit­ge­hend ohne mar­kie­run­gen über die fel­ders des rep­sel­s­kopf zum con­cor­dia­turm. dort wird es dann wie­der anstren­gend: ein sehr stei­ler abstieg auf dem offen­lie­gen­den schie­fer nach bad ems, wo der weg ins trep­pen­haus eines park­hau­ses mün­det. dann geht es nach dem obli­ga­to­ri­schen auf­stieg am obe­ren rand von bad ems in rich­tung fach­bach. dort ist man auch gleich auf dem cam­ping­platz direkt an der lahn – schön gele­gen, aber der reins­te abzockerverein. 
3. etap­pe
: das war dann nur noch ein spa­zier­gang: von fach­bach geht es recht gemüt­lich am hang über den gei­er­kopf und den mehrs­berg auf wald-auto­bah­nen in die rup­perts­klamm. die wird zwar immer wahn­sin­nig gelobt, ist aber ziem­lich lang­wei­lig – v.a. im ver­gleich zu den tälern der 2. etap­pe. dafür sind die wege schön fest geschot­tert, das auch jedes auto den weg fin­det … mei­ne füße fin­gen lang­sam an zu schmer­zen, die bla­sen an den fuß­bal­len an zu ner­ven. aber von hier aus ist es nicht mehr weit nach lahn­stein – dort muss man aller­dings noch ein­mal ein gutes stück durch die stadt schrei­ten, um zum bahn­hof zu kom­men. immer­hin war das wet­ter an die­sen drei tagen klas­se: mor­gens jeweils strah­lend blau­er him­mel, der sich gegen nach­mit­tag etwas bewölk­te. am ers­ten tag fie­len auch noch ein paar trop­fen regen, aber das war nichts zum nass­wer­den. viel wär­mer soll­te es aller­dings nicht sein, dann wer­den die stel­len­wei­se eben sehr son­ni­gen auf­stie­ge doch über­mä­ßig anstrengend.

london baroque reist nach italien

und reißt das schloss waldt­hau­sen mit.…

kön­nen vier musi­ker ein trio sein? man braucht kei­ne höhe­re mathe­ma­tik, um die­se fra­ge zu beja­hen. man muss nur eine klei­ne zeit­rei­se unter­neh­men. denn in der musik des barock, also im 17. und 18. jahr­hun­dert, war genau das üblich: vier musi­ker sind die stan­dard­be­set­zung für eine trio­so­na­te. zwei von ihnen spie­len aller­dings die glei­che stim­me. so eine zeit­rei­se konn­te man nun im schloss waldt­hau­sen mit eige­nen ohren erle­ben. denn „lon­don baro­que“ ist pilot, rei­se­be­glei­ter und orga­ni­sa­tor zugleich. vor allem sind die vier spe­zia­lis­ten für his­to­ri­sche auf­füh­rungs­pra­xis aber gro­ße ver­füh­rer – zum guten geschmack, zum emp­fin­den des ita­lie­ni­schen barock. denn genau dahin geht die ima­gi­nä­re rei­se vom schloss waldt­hau­sen: zu den trio­so­na­ten ita­li­ens, zu einer der wich­tigs­ten gat­tun­gen der barock­mu­sik. neben­bei fun­giert „lon­don baro­que“ aber auch noch als unter­hal­ter für die rei­se­ge­sell­schaft. im gegen­satz zum heu­ti­gen, neu­zeit­li­chen ani­ma­teur aller­dings mit niveau. dafür ste­hen schon die gro­ßen namen: arc­an­ge­lo corel­li, anto­nio vival­di und georg fried­rich hän­del zum bei­spiel. es gibt aber auch eini­ge abste­cher in kaum besuch­te, dafür umso reiz­vol­le­re gebie­te. etwa zu mau­ri­zi caz­z­a­tis cia­co­na in d‑moll: eine der­art tän­ze­ri­sche musik, dass es immer wie­der scheint, als kön­ne man allein mit zwei gei­gen, einem cel­lo und dem cem­ba­lo die schwer­kraft besier­gen. so locker und geschmei­dig, so beweg­lich in jedem augen­blick kön­nen nicht alle ensem­bles auf alten instru­men­ten spie­len. da merkt man dann doch die fast drei­ßig­jäh­ri­ge erfah­rung der lon­do­ner. über­haupt lässt sich das gemein­sa­me spiel die­ser grup­pe kaum genug loben. natür­lich ken­nen sie sich auch bes­tens aus mit der auf­füh­rungs­pra­xis des 18. jahr­hun­derts und wis­sen die ver­zie­run­gen mit takt und geschmack zu set­zen. und selbst­ver­ständ­lich las­sen sie die­se alte musik ganz frisch und unver­braucht klin­gen, zet­teln mit gewagt hohen tem­pi rasan­te jag­den über die griff­bret­ter an. und fast in fleisch und blut über­ge­gan­gen scheint ihnen die schwung­vol­le, atmen­de arti­ku­la­ti­on. aber was sie über die non­cha­lance, mit der sie das pflich­ten­heft für zeit­rei­sen in den barock abha­ken, hin­aus noch mehr aus­zeich­net, ist die fan­tas­ti­sche sicher­heit und gewandt­heit, mit der sie das zuam­men­spiel des ensem­bles orga­ni­sie­ren. das gleich­ge­wicht zwi­schen cem­ba­lo und cel­lo auf der einen, den bei­den vio­li­nen auf der ande­ren sei­te bleibt stets fra­gil und des­halb so span­nend, aber doch nie so labil, dass es zusam­men­brä­che. ur:vielleicht doch außer­ir­di­sche – wer sonst könn­te denn eine zeit­rei­se so per­fekt orga­ni­sie­ren und so unbe­schwert-ver­gnüg­lich gestalten?

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