mrr bekommt jetzt noch einen ehrendoktor (wofür eigentlich?), den neunten (bzw. den sechsten in deutschland), wie er, stolz wie oskar, unbedingt erwähnen muss im interview, dass die „welt” aus diesem anlass mit ihm führte. schön und gut, wenn die humboldt-universität meint, mrr müsse unbedingt geehrt werden, soll sie doch … aber dann kommt gleich wieder so ein typischer reich-ranicki-satz: „Berlin, das war für mich der damals verpönte Heinrich Heine. Das war für mich selbstverständlich Thomas Mann.” berlin = thomas mann? in den 1930ern? wie kommt man denn bitte darauf? dafür gibt es doch nun wirklich keinerlei anlass, weder biographischen noch literarischen: thomas mann war lübeck und/oder münchen, aber doch nicht berlin. weder spielt die stadt in seinen werken noch in seinem leben eine größere rolle. und umgekehrt schon gar nicht. der rest ist dann nur noch das übliche nichtssagende geblubber: ein kritiker, der sich weigert, position zu beziehen; hochtrabendes gewäsch über die rolle der juden in der zeitgenössischen deutschen literatur etc: mrr eben.
dafür habe ich auch noch ein paar spezielle schuhe: die puma trailfox, die es vor kurzem bei walmart im sonderangebot für 39 euro gab (120 hätte ich halt nicht für einen reinen schlechtwetterschuh ausgegeben). die passform ist nicht ganz 100%ig meine sache, eigentlich sind sie im vorderfuß ein wenig schmal. nach ein paar minuten hatte ich mich aber gestern, bei meinem ersten testlauf (gleich über 20 km) daran gewöhnt. das design ist dagegen mal ohne tadel, zum glück auch nicht im obligatorischen weiß – bei solchen schuhen, die dezidiert für matsch, schlamm und schnee gebaut sind, wäre das ja auch noch blödsinniger als es sowieso schon ist. gekauft habe ich mir die füchse vor allem, weil ich in diesem winter im odenwald, in den wäldern und auf den wiesen, einige male bös herumgeschlittert bin – nicht weil so viel schnee gelegen hätte, sondern weil es so matschig war. gestern durften die neuen schuhe dann ihre qualitäten gleich vielfältig unter beweis stellen: nach dem kurzen anlauf bis zum kreisel am kreuzweg auf der straße – mit diesen schuhen kein spaß, dafür ist die sohle natürlich viel zu sehr profiliert und die dämpfung für mein geschmack auch ein wenig zu gering – ging es gleich über die wiesen zum buchwaldskopf. obwohl der boden nach den regenfällen der letzen tage/wochen wirklich mehr als aufgeweicht war – überhaupt kein problem, der grip mit diesen schuhen ist unwahrscheinlich. im buchwaldskopf und auf dem weg übers bullauer bild nach würzberg ging es dann weiter: downhillspuren, reiterpfade, rückwege, verschlammte forstwege und knöcheltiefe matschlöcher – alles überhaupt kein problem. auch die dichtigkeit ist überraschend angenehm: besonders viel mehr als schonst schwitzt man nicht – und es ist schon etwas luxuriöser zu laufen, wenn der fuß nicht bei jeder pfütze zwangsgekühlt wird. jetzt fehlt nur noch der schnee, um sie auch damit zu testen – aber überzeugt bin ich von dem trailfox schon jetzt: für wirkliche schlechtwetter-bedingungen bin ich noch keinen besseren schuh gelaufen.
mein diesjähriger skiurlaub – zugleich test- und eingewöhnungswoche mit dem neuen monoski – führte mich ins montafon in vorarlberg. gewohnt habe ich in tschagguns. oder besser gesagt, leicht oberhalb des eigentlichen ortes, mit skibushaltestelle direkt vor der haustür. das war auch wichtig, denn die skigebiete des montafon (vier große und noch ein paar pille-palle-lifte) liegen recht verteilt, so dass man ohne bus oder pkw ziemlich aufgeschmissen ist.
am ersten tag, 28–1, ging es auf die golm, das lag praktisch direkt vor der haustür (5 minuten mit dem bus). die erste enttäuschung stellte sich allerdings schon gleich am beginn heraus: das berührungslose ticketsystem im montafon ist ausgesprochen schlecht. gleich an der ersten schranke zur golmerbahn, die mich auf den berg bringen sollte, hab‘ ich ewig rumgezoppelt, bis der mein skipass, der in der jackentasche steckte, endlich mal gelesen hatte. und das ging den ganzen tag so weiter … aber so etwas ist irgendwie typisch, service-mäßig reißen die im montafon sich überhaupt kein bein aus. die lifttypen etwa hocken, oft genug auch noch zu zweit, schön bequem in ihren abgeschirmten kabäuzchen, bewegen sich möglichst wenig. die ein- und ausstiege waren, obwohl es gar nicht so wahnsinnig voll war, ziemlich schnell ziemlich schlecht – das blieb die ganze woche so. auch etwa die gitter an den einstiegen waren immer wieder nicht ordentlich aufgestellt, man blieb ständig irgendwo hängen. die pisten waren auf der golm schlecht präpariert – es hatte über nacht geschneit. das war für den ersten tag nicht gerade optimal, zumal die pisten – fast nur rotes, die schwarze diabolo war mitsamt dem außergolm-lift geschlossen – doch ziemlich heftige steilstücke drin hatten, bei denen – oder bevorzugt nach denen – ich ziemlich oft hingeknallt bin. denn auf der harten (kunst-)schnee grundlage bildete der trockene neuschnee ziemlich schnell die schönsten buckelpisten mit wandernden buckeln.
vormittags war ich vor allem an der rätikonbahn, neben der die sogenannte „weltcup-abfahrt“ verläuft – schön schmal und sakrisch steil. später bin ich vor allem an der matschwitzbahn unterwegs gewesen, da war weniger los. die blaue piste dort allerdings ist sehr langweilig, die rote aber hat auch anspruchsvolle seiten. kurz war ich auch am 2er-sessel der hüttenkopfbahn, doch die rote piste dort war schon in sehr schlechtem zustand: oben eisig, unten kein schnee, sondern steine.
am zweiten tag, 29–1, ging es dann auf die andere talseite ins hochjoch. morgens war ich noch ziemlich kaputt gewesen, aber auf dem ski ging’s dann doch sehr ordentlich. ich bin über die zamangbahn hochgefahren (das war bustechnisch am einfachsten), die war um kurz nach neun noch ganz leer – auch auf der piste noch nix los – hier kommen die leute erst später … leider war das kreuzjoch geschlossen – der verbindungslift hatte einen getriebeschaden. deshalb war ich fast den ganzen tag am seebliga-sesellift. der hat zwei sehr schöne rote varianten, deren eine oben einen supersteilen, tiefschwarzen einstieg hat: direkt am lift herunter. das erste mal bin ich wieder umgekehrt … später dann aber doch einige male da runter, bis es zu glatt wurde. einen ausflug hab‘ ich auch zum kropfen-sessellift gemacht. eine lange blaue abfahrt führt dahin (zur mittelstation der hochjoch-bahn), die offensichtlich am abend zuvor präpariert wurde, auf der dann aber wohl die ganze nacht schnee gemacht wurde, der nicht mehr befestigt worden ist – mit den entsprechenden ergebnissen. und der lift braucht ewig, bis er oben ist …
am 30–1 hatte ich dann einen herrlichen skitag an der silvretta nova: sonne pur, nur viel zu warm, gute pisten: vor allem viele carver-autobahnen. denn hier in der silvretta ist eindeutig am meisten planiert worden. schön anzusehen ist das nicht. aber die leute verteilen sich so ganz gut. morgens zunächst am älpli unterwegs gewesen, auch zur mittelstation der valiserabahn (aber das war nicht sehr schön: die blaue biste erstaunlich schmal und erstaunlich steil). nicht sehr interessant auch der ausflug auf die nova, wo ich für diesen tag allerdings die schwarzen pisten ausgelassen habe. auch die rückseite von der rinderhütte (dort eine ganz nette abfahrt, oben leider erste ein stück weg), die heimspitzbahn, konnte mich nicht begeistern: ein ewig langer ziehweg für eine kurze, unspektakuläre piste.
gargellen hieß das ziel am wiederum wunderbar sonnigen 31–1. das ist von tschagguns noch ein ganzes stück (liegt aber auch doppelt so hoch, nämlich auf über 1400 m), der skibus braucht mit umsteigen fast eine stunde dahin. dafür war ich dann vom eigentlichen skigebiet, das sonst immer so hoch gelobt wird, eher enttäuscht. zwar war sehr wenig los, aber viel auswahl gibt es nicht und vor allem nur wenig spannendes für mich. die rote piste neben dem vierersessel, dem hauptlift dort, ist im oberen teil sehr sehr schräg, dafür aber ziemlich flach. erst unterhalb des sesselliftes, zum schlepper hin, wird es knackiger. sonst gibt es da oben vorwiegend blaue, flache und breite bisten (und einige skirouten, die ich aber nicht erkundet habe). die talabfahrt war vormittags noch in ordnung, aber auch ziemlich langweilig. und obwohl ich schon ziemlich gebrettert bin, musste ich dann doch noch ein stücken schieben. nachmittags war ich dann öfters zwischen den pisten unterwegs – wenn ich schon einen monoski hab … und kurz vor schluss, als kaum noch jemand auf der piste war, hab‘ ich den ski auch noch zum carven gebracht – saugeil, super schnell und anstrengend …
am 1–2 war ich noch einmal in der silvretta, diesmal bei weitesgehend bedecktem himmel (warm war’s trotzdem). es war kaum jemand da. diesmal noch ausgiebiger den nova-teil erkundet – aber dort ist nur kurzes rotes oder lahmes blaues mit vielen wegen zu finden – also nix für mich. dafür bin ich mehrmals die schwarze piste direkt am sessellift hinunter – die ist nicht übermäßig schwer, hatte allerdings etwas viel steinzeug im schnee, was dann doch für abwechselung sorgte. nachmittags war ich vor allem wieder an madrisella und dem 3er-sessel nebendran ind allen varianten.
zum schluss, am 2–2, bin ich noch einmal ins hochjoch. schließlich warteten kreuz- und grasjoch noch auf die erkundung. dazu muss man zunächst über den sennigrät-lift, der ganz seltsam schräg über den hang läuft, hinauf. und bis man endlich drüben ist, sitzt man eine gute weile im lift. dafür gibt es dann aber gar nicht so viel so erkunden: da hinten nur blaue pisten, lauter sehr hügelige, wellige bänder, die immer wieder schussfahrten benötigen – das macht mit dem monoski nicht so sehr viel spaß. deshalb bin ich dann nach einer weile doch wieder zum seebliga-lift und hab mich da vergnügt – im steten wechsel zwischen harten, kurzen bögen und weiten, sehr temporeichen schwüngen. immer mehr kam allerdings das eis raus – und immer mehr unterschied sich die spreu vom weizen: einige sehr gute fahrer bretterten über die piste, andere rutschten ziemlich seltsam herum oder landeten im akia und hubschrauber, den ich in dieser woche jeden tag mindestens einmal gesehen hab. schnee war halt doch sehr wenig – im tal wurden die hänge von tag zu tag immer grüner.
er heißt ja auch so: der „tt hammer“ von snowshark in den usa, mein neuer monoski. das ist ein echtes präzisioninstrument, bei jeder geschwindigkeit – nur zu langsam darf’s nicht werden. für angsthasen ist das nichts, mit ordentlich tempo lässt er sich eindeutig am besten fahren. fehler darf man allerdings auch nicht machen, fahrfehler verzeiht er kaum bis gar nicht. als echtes präzisionsinstrument macht er genau das, was er soll. und wenn’s falsch ist, dann macht er es auch – verzeihen, verschlucken tut er nix. man merkt auch jeden huckel der piste dementsprechend. das ist eben ein hochgezüchtetes sportgerät. und das heißt v.a.: er braucht kraft und konzentration – entspanntes gleiten ist damit nicht an der tagesordnung. schon kleine nachlässigkeiten, etwa in der haltung der knie, können sich unangenehm bemerkbar machen – das war für mich zunächst sehr gewöhnungsbedürftig. dafür belohnt er mit hervorragender stabilität bei jedem tempo: genauigkeit eben.
ganz unverdrossen und wie selbstverständlich beißt er sich aber an jedem hang fest. selbst bei den für monoski eher ungünstigen verhältnissen im montafon (sehr harte grundlage, teilweise eisig) bleibt er überraschend gut zu kontrollieren und beherrschen. und auch carven kann er – wenn der fahrer es sich traut. ich schaffte das nur kurz: denn so zu fahren, ist anstrengend und brutal schnell – eigentlich schon fast waffenscheinpflichtig. denn dann dürfen weder andere skifahrer in die quere kommen noch unvorhergesehene löcher oder kanten in der piste auftauchen. echte carver-monos können das allerdings besser (und einfacher).
leider taugt die bei mir montierte tyrolia-bindung für diesen einsatzweck nur wenig (aber ich war ja noch nie ein großer freund der tyrolia …): immer wieder hatte ich das problem – obwohl ich sie fast am anschlag der einstellung habe – dass bei (beinah-)stürzen ein schuh an der spitze ein wenig verrutscht – noch in der bindung hält, aber nach außen verschoben ist. damit lässt sich dann, wenn man es nicht merkt und gleich korrigiert, wunderbar wieder auf die nase fallen, denn die nächste kurve wird dann zur echten überraschung. außerdem hat der monteur beim einen teil auch noch zu tief gebohrt – absoluter mist also. aber das wird sich hoffentlich bald ändern.
ein geniales konzert, das mich wirklich sehr berührt hat viel braucht es nicht: ein instrument, am besten ein historisch auch passendes, einen kleinen stapel noten, etwa von robert schumann, und einen pianisten, zum beispiel andreas staier. und schon ist frankfurter hof alles versammelt, was für ein wunderbares, außerordentlich bewegendes konzert notwendig ist.
denn staier gelingt an diesem abend eigentlich alles. das ist für einen pianisten seines rufes zwar fast zu erwarten, aber berührend ist es trotzdem. dabei ist von ihm selbst kaum etwas zu spüren. gerade das ist aber sein großes erfolgsgeheimnis. denn was hier im frankfurter hof zu erleben ist, das ist sozusagen schumann pur. sicher, so genau weiß niemand wie sich der komponist das alles vorstellte, als er die noten aufs papier warf. aber das, was staier hier dem zierlichen instrument entlockt, scheint eine vollkommen plausible annahme, wie es damals gedacht worden sein mag. dazu trägt natürlich auch der flügel, ein historisches instrument, bei. denn sein klang unterscheidet sich noch erheblich von den heute üblichen. viel stärker ist der perkussive anteil noch zu spüren, viel mehr schwingen andere saiten mit und verleihen jedem klang eine hauchzarte, silbrige hülle. der anschein der authentizität mag trügen, aber das ist belanglos. denn staier zaubert mit den möglichkeiten des instruments, so beschränkt sie uns heute vorkommen mögen. er lässt die töne zu zarten nebelschleiern verwischen, lässt den bass rumpelnd grollen um wenige augenblicke die brillantesten perlenketten aus dem diskant aufsteigen zu lassen. und aus jeder tonfolge, jedem noch so unscheinbaren nebengedanken, spricht die neugier des pianisten auf diese musik. denn das ist noch so ein erfolgsrezept von andreas staier: selbst wenn er aus dem album für die jugend spielt oder gar die kinderszenen, mit träumerei und all den anderen abgenutzten preziosen immer wieder schafft er es, ohne großen aufwand den eindruck absoluter freiheit und spontaneität zu erwecken. und wie genau er dann jede dieser kleinen miniaturen zur vollendung bringt, wie präzise und feinsinnig er immer wieder den letzten tönen besondere beachtung schenkt, sie mit ungeheurer intensität und bedeutung auflädt und das ganze so wunderbar in sein klangliches konzept einbindet, das man als zuhörer mit dem träumen gar nicht mehr aufhört: das ist einfach erstklassig. nur mit dem immer wieder sehr vorsichtig und zögernd einsetzenden applaus kann sich das publikum da wieder in die gegenwart zurückholen.
es ist ja immer so eine sache mit den texten von botho strauß: sie liegen mir nicht unbedingt. aber sie lassen qualitäten erkennen. das gilt auch für die nacht mit alice, als julia ums haus schlich. ein seltsames traumbuch ist das, beherrscht von der ödnis der städte bzw. der stadt, nämlich berlins. und schon sind wir mitten im problem: der topos der öden, kalten, leeren stadt – das ist schon ziemlich vorgestrig …
verblasste, schemenhafte menschengestalten schweben durch den text, die oft mehr schatten als fleisch und blut sind, lose über zufällige und angeordnete begegnungen miteinander verknüpft. strauße schreibt hier seine sicht der gegenwart nach der postmoderne ‑die war ja im „partikular“ und vor allem der „beginnlosigkeit“ an der reihe gewesen. jetzt ist alles leer und frei von alten sinngaranten, die nicht einmal mehr als zitat oder material für collagen o.ä. vorkommen – ödnis eben. statt dessen, statt der wahren welt, herrscht eine traumwelt, weitab der realität. vor allem verschwindet und verschwimmt die grenze zwischen der phantastischen welt des traumes und den spärlichen resten der realität zunehmend.
der text, das sind nur noch fragmente und bruchstücke: die kohäsion wird, so scheint es mir im moment, von text zu text, von buch zu buch, niedriger: das schwebt aneinander vorbei, wie große blasen in einem geschlossenen raum: ab und an verbinden sich welche, teilen sich irgendwo und irgendwann auch wieder, feste zustände gibt es einfach nicht mehr. dazu kommt dann noch, dass strauß unbestreitbar ein großartiger stilist ist (auch das scheint sich immer mehr auszuprägen …): permanent herrscht ein verhalten durchscheinender zarter, leichter apokalyptischer grundton – am stärksten wohl in den eindeutigen traumteilen – denn die traumsequenzen sind in differenzierter evidenz montiert. und wunderbare beschreibung, herrlich altmodisch anmutende vergleiche:
„wie lange noch dastehn? in dieser universalratlosigkeit. aussichtslos.“ (147, hier total aus dem zusammenhang gerissen)
und es ist erschreckend, wie ignorant das verhältnis von seiten der großmacht gepflegt oder eben nicht gepflegt wird: man muss sich nur einmal das hier anschauen – oder die hier (für mich) entscheidende zusammenfassung im language log lesen (geht auch ganz schnell ;-)).
eigentlich wollte ich ja nix zu dem großen blödsinn, den das studivz und seine mehr oder weniger gehirnamputierten benutzer (die, falls sie noch restkapazitäten zwischen den ohren haben, zumindest den kritischen teil davon abgeschaltet haben: das urteilsvermögen, die medienkompetenz und was weiß ich noch alles) so treiben. aber heute steht sogar in der faz (!) was dazu. und das ist gar nicht schlecht. denn der artikel von jürgen kaube beleuchtet nicht nur die technischen hintergründe (wie don alphonso, der auch gebührend erwähnt wird) oder die, um es einmal so zu sagen, merkwürdigen verhaltensweisen des gründers, sondern vor allem die sozialen und intellektuellen komponenten und folgen einer solchen plattform – für leute wie mich, die in solchen dingen durchaus traditionalistisch denken, eine ziemliche katastrophe…
die erste „richtige” wanderung 2006: ein teilstück des lahnhöhenweges.
weg: lahnhöhenweg (rechts und links der lahn)
strecke: limburg – lahnstein
karte: naturpark lahn nassau. 1:50000. isbn 3−89637−305−6
etappen:
- limburg – schloss langenau
- schloss langenau – fachbach
- fachbach – lahnstein
beschreibung
1. etappe: aufgrund meiner schlechten planung geriet gleich der erste tag ein wenig lang. je nachdem, welchen schildern ich glauben schenke, sind das ca. 28 oder ca. 33 km. auf jeden fall sind einige höhemeter dabei – in form ziemlich knackiger anstiege. limburg ist zwar mit der bahn gut zu erreichen, als start empfiehlt es sich aber nicht unbedingt, der linksseitige lahnhöhenweg führt zunächst v.a. über asphaltierte feldwege nach diez, dort quer durch den ort und an der straße entlang nach fachingen, durch das man auch noch durch muss.
dann wird es interessanter: mit dem ersten kräftigen anstieg auf engen kehren von der lahn auf die höhe, ein wunderschöner weg durch den wald am steilhang nach balduinstein. da geht es erst mal wieder zügig hinunter zur lahn und im ort balduinstein. dann auch gleich wieder hinauf in richtung schloss schaumburg – ein muster, das auf dem lahnhöhenweg noch öfters begegnet. dann geht es in einem großen bogen um das ebenso große schloss, wobei zum erstenmal auffällt, dass die markierung des lahnhöhenweges nicht immer optimal ist: auf dem weg von schaumburg wieder hinab fehlen mehrere markierungen – oder sie waren so gut versteckt, dass ich sie nicht fand. dann geht es schön durch die felder und über steinsberg in richtung bahnhaus. dort muss man sich dann einen kilometer direkt an den gleisen entlang quetschen, um den aufstieg vom hauserhof durch eine wunderschöne, aber die beinmuskel strapazierende klamm zur runine brunnenburg zu nehmen. von dort aus führt der weg über den sogenannten vierseenblick auf ungefähr halber höhe weiter bis kurz vor obernhof. der abstieg in den ort ist zunächst recht steil, wird zum schluss aber glücklicherweise etwas flacher. an der lahn dann, nach neun stunden marsch, die böse überraschung: der campingplatz ist heute nicht besetzt – und die sanitären anlagen sind alle gut verriegelt. also wechsele ich gleich hier die lahnseite und stapfe an der bundesstraße entlang zum nächsten campingplatz in schloss langenau, der immerhin offen ist. dadurch ändern sich allerdings meine pläne. denn weil ich sowieso ziemlich fertig bin, entscheide ich mich, am nächsten tag nicht wieder zurück nach obernhof und von dort auf der linken seite durch das jammertal dem lahnhöhenweg bis nassau zu folgen. statt dessen beginne ich gleich morgens mit der nächsten etappe.
2. etappe: auf der rechten lahnseite – eine glückliche fügung. denn hier ist ein wunderschöner wanderweg, zum großen teil nur ein schmaler pfad. der führt zunächst von schloss langenau über die paar häuser miedziankit an den hang der hohen lay hinüber nach nassau. dort darf man dann wieder einmal quer durch den gesamten ort – das zieht sich doch recht weit hin – und natürlich wieder in der vollen sonne eine schön steile straße aufsteigen, um wieder auf die höhe und in den wald zu kommen. so kommt man hinüber nach dausenau – und da muss man unbedingt die karte benutzen, da mindestens an zwei abzweigen die markierungen fehlen. und auch nach dausenau gilt wieder: aufpassen und das weiße l suchen. denn es geht auch so schon steil genug hinauf zum höhenhaus – ich hab’ das ganze noch ein wenig verschärft, sonst wäre es ja zu langweilig geworden. vom höhenhaus geht es dann wieder weitgehend ohne markierungen über die felders des repselskopf zum concordiaturm. dort wird es dann wieder anstrengend: ein sehr steiler abstieg auf dem offenliegenden schiefer nach bad ems, wo der weg ins treppenhaus eines parkhauses mündet. dann geht es nach dem obligatorischen aufstieg am oberen rand von bad ems in richtung fachbach. dort ist man auch gleich auf dem campingplatz direkt an der lahn – schön gelegen, aber der reinste abzockerverein.
3. etappe: das war dann nur noch ein spaziergang: von fachbach geht es recht gemütlich am hang über den geierkopf und den mehrsberg auf wald-autobahnen in die ruppertsklamm. die wird zwar immer wahnsinnig gelobt, ist aber ziemlich langweilig – v.a. im vergleich zu den tälern der 2. etappe. dafür sind die wege schön fest geschottert, das auch jedes auto den weg findet … meine füße fingen langsam an zu schmerzen, die blasen an den fußballen an zu nerven. aber von hier aus ist es nicht mehr weit nach lahnstein – dort muss man allerdings noch einmal ein gutes stück durch die stadt schreiten, um zum bahnhof zu kommen. immerhin war das wetter an diesen drei tagen klasse: morgens jeweils strahlend blauer himmel, der sich gegen nachmittag etwas bewölkte. am ersten tag fielen auch noch ein paar tropfen regen, aber das war nichts zum nasswerden. viel wärmer sollte es allerdings nicht sein, dann werden die stellenweise eben sehr sonnigen aufstiege doch übermäßig anstrengend.
und reißt das schloss waldthausen mit.…
können vier musiker ein trio sein? man braucht keine höhere mathematik, um diese frage zu bejahen. man muss nur eine kleine zeitreise unternehmen. denn in der musik des barock, also im 17. und 18. jahrhundert, war genau das üblich: vier musiker sind die standardbesetzung für eine triosonate. zwei von ihnen spielen allerdings die gleiche stimme. so eine zeitreise konnte man nun im schloss waldthausen mit eigenen ohren erleben. denn london baroque ist pilot, reisebegleiter und organisator zugleich. vor allem sind die vier spezialisten für historische aufführungspraxis aber große verführer zum guten geschmack, zum empfinden des italienischen barock. denn genau dahin geht die imaginäre reise vom schloss waldthausen: zu den triosonaten italiens, zu einer der wichtigsten gattungen der barockmusik. nebenbei fungiert london baroque aber auch noch als unterhalter für die reisegesellschaft. im gegensatz zum heutigen, neuzeitlichen animateur allerdings mit niveau. dafür stehen schon die großen namen: arcangelo corelli, antonio vivaldi und georg friedrich händel zum beispiel. es gibt aber auch einige abstecher in kaum besuchte, dafür umso reizvollere gebiete. etwa zu maurizi cazzatis ciacona in d‑moll: eine derart tänzerische musik, dass es immer wieder scheint, als könne man allein mit zwei geigen, einem cello und dem cembalo die schwerkraft besiergen. so locker und geschmeidig, so beweglich in jedem augenblick können nicht alle ensembles auf alten instrumenten spielen. da merkt man dann doch die fast dreißigjährige erfahrung der londoner. überhaupt lässt sich das gemeinsame spiel dieser gruppe kaum genug loben. natürlich kennen sie sich auch bestens aus mit der aufführungspraxis des 18. jahrhunderts und wissen die verzierungen mit takt und geschmack zu setzen. und selbstverständlich lassen sie diese alte musik ganz frisch und unverbraucht klingen, zetteln mit gewagt hohen tempi rasante jagden über die griffbretter an. und fast in fleisch und blut übergegangen scheint ihnen die schwungvolle, atmende artikulation. aber was sie über die nonchalance, mit der sie das pflichtenheft für zeitreisen in den barock abhaken, hinaus noch mehr auszeichnet, ist die fantastische sicherheit und gewandtheit, mit der sie das zuammenspiel des ensembles organisieren. das gleichgewicht zwischen cembalo und cello auf der einen, den beiden violinen auf der anderen seite bleibt stets fragil und deshalb so spannend, aber doch nie so labil, dass es zusammenbräche. ur:vielleicht doch außerirdische wer sonst könnte denn eine zeitreise so perfekt organisieren und so unbeschwert-vergnüglich gestalten?
