Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Kategorie: kleinkram Seite 1 von 44

Sterben

Laßt eine müde See­le dem grim­mi­gen Tode ent­kom­men,
 wenn, schon gestor­ben zu sein, einem das Ster­ben erspart!

Publi­us Ovi­di­us Naso (aus: Lie­der der Trau­er. Die Tris­ti­en. Aus dem Latei­ni­schen von Vol­ker Ebers­bach, 1997, S. 23, Ers­tes Buch, Ele­gie IV)

Gleichgewicht

Die Natur erhältt alles in einem schwer­ben­den Gleich­ge­wicht. Der Geist wird nicht müde, ihm nachzusinnen.

Wil­helm Leh­mann, Buko­li­sches Tage­buch (2. Febru­ar 1931)

Gebirge

              The­re are the Alps,
fools! Sit down and wait for them to crumble!

Basil Bun­ting, On the Fly­le­af of Pound’s Cantos

Erzählt-Werden

Kann es sein, daß das Leben kei­nen ande­ren Sinn hat, als erzählt zu wer­den und im Erzählt-Wer­den immer wie­der neu zu ent­ste­hen? Daß also das Erzählt-Wer­den einer der vie­len Wege der Fort­pflan­zung ist, die das Leben kennt?

Anne Weber, Luft und Lie­be, 184

Er ist’s.

Früh­ling läßt sein blau­es Band
Wie­der flat­tern durch die Lüf­te;
Süße, wohl­be­kann­te Düf­te
Strei­fen ahnungs­voll das Land.
Veil­chen träu­men schon,
Wol­len bal­de kom­men.
– Horch, von fern ein lei­ser Har­fen­ton!
  Früh­ling, ja du bist’s!
Dich hab’ ich vernommen!

Edu­ard Mörike

Taglied 3.2.2023

Jür­gen Paa­pes „So weit wie noch nie“, habe ich durch Tho­mas Meine­ckes Play­list kennengelernt:

Jür­gen Paa­pe – So Weit Wie Noch Nie

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Zitat

Ein Zitat
ist kei­ne Abschrift.
Ein Zitat
ist eine Zika­de.
Es läßt sich nicht
zum Schwei­gen brin­gen.
Hat es sich erst
eing­stimmt,
hört es nicht mehr auf.

—Ossip Man­del­s­tam, Gepräch über Dan­ke (TItel)

Worte

O ihr abge­holz­ten Bür­ger, ver­nehmt mei­ne Worte.

— Archil­a­chos (52 D./109 W.)

Herbst

Der dunk­le Herbst kehrt ein voll Frucht und Fül­le,
Ver­gilb­ter Glanz von schö­nen Som­mer­ta­gen.
Ein rei­nes Blau tritt aus ver­fal­le­ner Hül­le;
Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.
Gekel­tert ist der Wein, die mil­de Stil­le
Erfüllt von lei­ser Ant­wort dunk­ler Fragen

[…]—Georg Tra­kl, Der Herbst des Einsamen

Herbstbild

Dies ist ein Herbst­tag, wie ich kei­nen sah!
Die Luft ist still, als atme­te man kaum,
Und den­noch fal­len raschelnd, fern und nah,
Die schöns­ten Früch­te ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Fei­er der Natur!
Dies ist die Lese, die sie sel­ber hält,
Denn heu­te löst sich von den Zwei­gen nur,
Was vor dem mil­den Strahl der Son­ne fällt. 

Fried­rich Hebbel

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