»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

die killeranwendung des web 2.0

end­lich habe ich sie gefun­den, die abso­lu­te top-kil­ler­an­wen­dung, die jeden noch so trä­gen netz­muf­fel von der not­wen­dig­keit und der außer­or­dent­lich hilf- und segens­rei­chen gut­heit des web 2.0 über­zeu­gen wird: http://​www​.alleinr​.de/ . am bes­ten sofort aus­pro­bie­ren, auf sich wir­ken las­sen und mit viel ruhe genie­ßen – so etwas kommt so schnell nicht wieder.
die alte, damit über­hol­te und obli­ga­te web‑1.0‑version davon gibt es übri­gens auch immer noch, bei www​.online​wahn​.de.

ein recht gewöhn­li­ches pro­gramm und auch ein recht durch­schnitt­li­ches ergeb­nis: nicht schlecht war das meis­ter­kon­zert in der rhein­gold­hal­le, aber auch nicht außer­ge­wöhn­lich gut, kei­ne über­ra­schun­gen, nix neu­es – wie’s bei sol­chen abon­nen­ten­kon­zer­ten halt so ist.…

Die Ver­wand­lung geschah erst am Ende des Kon­zerts. Irgend­et­was muss mit Tamás Vásá­ry, dem Diri­gen­ten der Koblen­zer Staats­phil­har­mo­nie, in der Pau­se pas­siert sein. Denn in der zwei­ten Hälf­te des Meis­ter­kon­zer­tes in der Rhein­gold­hal­le stand ein ganz ande­rer Musi­ker auf dem Podest. Zunächst zeig­te er sich aber als ver­sier­ter Diri­gier­hand­wer­ker. Die Sin­fo­nie Nr. 22 von Haydn miss­brauch­te er zwar, ent­ge­gen den Kon­zert­ge­wohn­hei­ten, nicht als blo­ßes Ein­spiel­stück. Vásá­ry ließ das Orches­ter in fast sto­isch anmu­ten­der Gelas­sen­heit beschwingt tän­zeln und blieb dabei immer in flie­ßen­der Bewe­gung. Die­ses Gleich­maß, gepaart mit einer Pri­se tro­cke­nem Humor und den knap­pen, prä­zi­sen Ges­ten pass­te ein­fach. Nach die­sem viel­ver­spre­chen­den Auf­takt war das Vio­la­kon­zert von Béla Bar­tók zu bewäl­ti­gen. Von Bar­tók selbst ist hier aller­dings nur der kleins­te Teil, sein Tod ver­hin­der­te die Voll­endung. Und das merkt man auch: Irgend­wie fehlt genau die Kraft und Ein­drück­lich­keit, die sei­ne ande­re Kon­zer­ten so sehr prägt. Dem­entspre­chend blieb das Orches­ter noch ein­mal auf­fal­lend unauf­fäl­lig, ledig­lich hier und da etwas zu mäch­tig. Der Solist Maxim Rys­a­nov schwang sich viel offen­her­zi­ger hin­ein: Mit ehr­li­cher Hin­ga­be wid­me­te er sich den Gefühls­ge­hal­ten der Musik und über­zeug­te mit viel­sei­ti­ger und aus­drucks­star­ker Gestal­tung – sei­ne man­cher­orts etwas nach­läs­si­ge Tech­nik ver­zieh man ihm da ger­ne. Aber dann eben, nach der Pau­se, die eigent­lich Haupt­sa­che. Schu­berts vier­te Sym­pho­nie wur­de jetzt von einem ganz neu­em Diri­gen­ten auf­ge­führt: Denn Vásá­ry mutier­te ganz unver­se­hens zum Tän­zer – nicht nur mit den Hän­den, son­dern mit sei­nem gan­zem Kör­per zele­brier­te er die Musik, form­te er jeden Ein­satz vor, schrieb er jede Phra­se mit allen Fasern sei­nes schmäch­ti­gen Kör­pers in die Luft. Das Orches­ter reagier­te zunächst ver­hal­ten und nahm die unbe­ding­te Empha­se des Diri­gen­ten nur zöger­lich auf. Des­halb bestand der ers­te Satz eigent­lich nur aus schö­nen Stel­len ohne ech­ten Zusam­men­hang. Das ist bei die­ser Sin­fo­nie immer eine Gefahr, denn Schu­bert pen­delt hier noch sehr stark zwi­schen eige­nen For­men und Beet­ho­ven­schen Model­len. Ab dem zwei­ten Satz wur­de es dann aber spür­bar bes­ser. Die Klang­re­li­efs wur­den von Takt zu Takt greif­bar plas­ti­scher und dras­ti­scher. Vor allem im ganz stark lako­nisch kon­zen­trier­ten Menu­ett ent­wi­ckel­te Vásá­ry immer mehr Dras­tik. Und im Fina­le stei­ger­te er das noch ein wei­te­res Mal zu einer mit­rei­ßend dra­ma­ti­schen, in vita­ler Kraft gera­de­zu explo­diernd Freu­de an die­ser Musik. 

nun ja, der gan­ze oden­wald ist es noch nicht … aber immer­hin, einen gro­ßen teil des oden­wald­krei­ses habe ich am sams­tag lau­fend (d.h. ren­nend) umrun­det. die neu aus­ge­dach­te run­de star­tet natür­lich in erbach, führt über den buch­wald­s­kopf und son­nen­weg zum bullau­er bild hin­auf. von dort geht es dann zur geb­hardtshüt­te, vor­bei an den frei­lau­fen­den zie­gen wie­der in den wald in rich­tung kräh­berg. der wird knapp unter­halb des gip­fels (und des schlos­ses) halb umrun­det, um dann hin­ab zum reu­ßen­kreuz zu ren­nen. von dort führt der wan­der­weg über den ein­gang des sen­s­bach­tals zurück ins müm­ling­tal, wo der abstieg, der ganz schön lang und ganz schön tief wird, in rich­tung beer­fel­den beginnt. vor­bei am ski­lift geht es dann über die bun­des­stra­ße durch den ort zum metz­keil, den man noch ein stück hin­un­ter­lau­fen muss. dann führt der weg wie­der aus beer­fel­den hin­aus – die­ses mal aber auf der ande­ren sei­te, näm­lich in rich­tung etze­an. bis dort­hin sind es aber noch ein­mal ein paar höhen­me­ter. durch etze­an schnell hin­durch, geht es wei­ter in rich­tung mar­bach, vor­bei am hetz­bach­er golf­platz und dann wie­der steil hin­ab. ab der vil­la son­nen­schein die letz­ten meter bis zur mar­bach auf der bun­des­stra­ße, die dann über­quert wird, um auf der ande­ren sei­te wie­der den – ver­dammt stei­len – hang in rich­tung hais­ter­bach hin­auf­zu­klet­tern. oder zu gehen … der hügel ist dann doch wie­der recht hoch, aber man ist ja jetzt schon auf dem heim­weg … über hais­ter­bach geht es, in einer klei­nen schlei­fe, nach gün­ter­fürst. dort noch schnell durch den ort, am sport­platz vor­bei und damit wie­der auf die nächs­te kup­pe. die wird aber schnell wie­der ver­las­sen, denn es geht hin­ab nach lau­er­bach – wie­der­um ver­flixt steil hin­ab. dann wird’s aber ein­fach: nur noch die b45 durch erbach und fix nach hau­se. auf der kar­te sieht das so aus (die kar­te ist mit sport­tracks aus mei­nen gps-daten und dem kar­ten­ma­te­ri­al von goog­le-maps erstellt worden):

erbach-beerfelden-erbach-17032007.jpg

beim ers­ten ver­such für die­se 34 km habe ich am sams­tag 3:21:00 gebraucht – und war ganz schön geschafft. bis beer­fel­den lief es ziem­lich gut, der abstieg vom reu­ßen­kreuz hin­un­ter hat aller­dings schon ziem­lich genervt. über­haupt sind die berg­ab­pas­sa­gen ganz schön kräf­te­zeh­rend. ab etze­an hat es dann auch noch mehr oder weni­ger stark gereg­net, das war natür­lich kein beson­de­rer genuss. von hais­ter­bach aus wur­de es dann wirk­lich anstren­gend – nach gün­ter­fürst hin­über noch ein­mal kräf­ti­ger gegen­wind. durch erbach dann schwer gekämpft, um nicht kurz vom ziel doch auf­zu­ge­ben … gestört hat vor allem der lin­ke fuß: schon ab kurz vor bull­au hat­te ich näm­lich leich­te krämp­fe in der fuß­un­ter­sei­te. die haben das lau­fen zwar nicht ver­hin­dert, aber immer wie­der unan­gehm gemacht. heu­te habe ich auch gemerkt, was beson­ders unge­wohnt war: die an- und abstie­ge. denn mei­ne ober­schen­kel sind noch nicht wie­der ganz erholt von der tor­tur, die waden sind aller­dings bereits wie­der schön locker gewe­sen beim heu­ti­gen klei­nen lauf.

5. mono-ski.org-treffen in galtür

es war das ers­te mal für mich, das fünf­te ins­ge­samt: das dies­jäh­ri­ge tref­fen der mono​-ski​.org in gal­tür. ich war übri­gens nicht der ein­zi­ge, der zum ers­ten mal dabei war. aber die meis­ten die­ser aus­ge­pro­chen net­ten trup­pe (d.h. streng genom­men sogar alle) fah­ren schon län­ger mono­ski als ich. so konn­te ich mir noch eini­ges an- und abschauen.

die anrei­se am 3.3.nach gal­tür war zwar lang­wie­rig (v.a. der bus ab dem bahn­hof lan­deck-zams braucht eine ziem­li­che wei­le – das paz­naun­tal ist halt ein­fach ewig lang), aber voll­kom­men unpro­ble­ma­tisch. auch mein zim­mer habe ich schnell gefun­den – sehr schön, geräu­mig, nett ein­ge­rich­tet mit couch …

am nächs­ten tag ging es dann gleich um 9 uhr auf die pis­te – schließ­lich woll­te ich die ande­ren mono­is­ten tref­fen. und es war ein herr­li­cher ski­tag: wun­der­bar son­ni­ges wet­ter (was sich in mei­nem gesicht deut­lich bemerk­bar mach­te, da ich mor­gens ver­ges­sen hat­te, die son­nen­creme auf­zu­tra­gen), fri­scher schnee, schön locker und leicht, trotz sonn­tag aus­ge­spro­chen wenig betrieb auf den pis­ten – also alles, was das ski­fah­rer­herz begehrt. unter­wegs war ich vor allem an der breit­spitz­bahn, wo es eine sehr schö­ne schwar­ze abfahrt hat. dort traf ich auch die ande­ren gegen mit­tag, wor­auf wir unse­re kräf­te ver­ein­ten und die pis­ten unsi­cher machten.

auch am mon­tag, 5.3., war das wet­ter zunächst wie­der wun­der­bar. ab mit­tag zogen aller­dings zuneh­mend wol­ken auf, die die gip­fel des ski­ge­biets in nebel hüll­ten. es war ein weit­ge­hend gemüt­li­ches ski­fah­ren an die­sem tag: selbst mor­gens waren die pis­ten wun­der­bar, über­haupt nicht hart – kein wun­der bei den früh­lings­haf­ten tem­pe­ra­tu­ren. nach­mit­tags haben wir dann die schwar­ze pis­te an der birk­hahn­bahn für uns ent­deckt – sehr schö­ne, kräf­ti­ge steil­stü­cke mit fla­chem aus­lauf am ende.

am diens­tag, 6.3., ging es selbst­ver­ständ­lich auch gleich mor­gens auf die pis­te. wie­der hat­ten wir schö­nes wet­ter mit wech­seln­der bewöl­kung und wei­chem, nas­sen schnee, den wir für aus­ge­spro­chen ange­neh­me abfahr­ten (vor allem an der breit­spitz­bahn) nutz­ten. dort habe ich dann auch die ers­ten ver­su­che im unprä­pa­rier­ten gelän­de gemacht, die aber fast alle frü­her oder spä­ter schei­ter­ten (was aller­dings auch kaum anders zu erwar­ten war, bei mei­ner reich­hal­ti­gen erfah­rung auf die­sem gebiet ;-)). doch nach­dem ich gese­hen hat­te, das selbst für schlei­bi an den ers­ten bei­den tagen jede (aber auch wirk­lich jede) fahrt in den tief­schnee mit einem sturz ende­te (oder ihren höhe­punkt fand – je nach stand­punkt halt – für uns war das immer eine mords­gau­di, wes­halb er ja auch zu recht den drop­man-award erhielt), konn­te ich wohl kaum hin­ten­an­ste­hen. und irgend­wann muss ich es ja auch mal ler­nen. und dass geht halt nicht ohne übung und die ent­spre­chen­den miss­erfol­ge. zum abschluss gab es dann noch zwei sehr har­mo­ni­sche abfahr­ten auf der roten pis­te von der ball­un­spit­ze bis in die alm­hof-ten­ne. die run­de lös­te sich dann nur sehr kurz­zei­tig auf, um sich im klei­nen kreis zum gemein­sa­men ski-prä­pa­rie­ren im hotel wie­der zu tref­fen. und abends gab es dann noch das außer­or­dent­lich amü­san­te (zumin­dest für die zuschau­er) fassdaubenrennen.

am 7.3., mitt­woch, war das wet­ter dann nicht mehr so gut. zwar war es immer noch aus­ge­spro­chen mild, aber sehr neb­lig und vor­mit­tags schnei­te es auch noch ein wenig. des­halb fuh­ren wir meis­tens unten an der alp­ko­gel­bahn, mit kur­zen abste­chern bei klei­nen auf­hei­te­run­gen hoch zur ball­un­spit­ze. nach­mit­tags locker­te die nied­rig hän­gen­de bewöl­kung zeit­wei­se etwas auf und wir konn­ten die wun­der­ba­re pis­te an der breit­spit­ze noch eini­ge male fah­ren. und wir konn­ten dort schon ein­mal anfan­gen, das for­ma­ti­ons­fah­ren für die ski-show im rah­men des nacht­s­ki­fah­rens zu üben. das hat bei ingo und mir erstaun­lich (zumin­dest für mich erstaun­lich, ich hab so etwas ja noch nie gemacht) schnell ganz gut geklappt, nur schlei­bi und mal­colm hat­ten eini­ge pro­ble­me bei der syn­chro­ni­sa­ti­on, ihre fahr­wei­se war zu unter­schied­lich. mit mar­kus als ersatz für mal­colm klapp­te das dann aber auch. dum­mer­wei­se konn­ten wir das dann gar nicht vor­füh­ren, denn die ski­show wur­de – wohl wegen der um 19 uhr wie­der kas­ta­stro­pha­len sicht – abge­sagt. zum nachts­ki­lauf sind wir aber natür­lich trotz­dem – schließ­lich hat­te tilo die kar­ten orga­ni­siert. und es war auch ein gro­ßer spaß. bei der ers­ten abfahrt lag die gelb-oran­ge beleuch­te­te pis­te noch ganz im nebel. im ses­sel­lift sah man kaum bis zum vor­her­ge­hen­den ses­sel. aber inzwi­schen kann­ten wir die abfahrt ja schon und so fuh­ren wir unver­dros­sen los. aber der zwei­ten abfahrt riss die bewöl­kung aller­dings rasant auf, die sicht wur­de immer bes­ser. und die pis­ten waren herr­lich leer – frisch prä­pa­riert, noch wun­der­bar weich. und so sind wir immer schnel­ler und schnel­ler die pis­te hin­un­ter­ge­düst – bis wir nach zwei stun­den die not­brem­se zogen und in die ten­ne abbo­gen (das letz­te stück auch ohne licht kein pro­blem). nur alex und baro, die bei­de erst am abend ange­kom­men waren, nutz­ten noch die letz­te hal­be stun­de. auf jeden fall war’s eine mords-gau­di, so im dun­keln (naja, rich­tig dun­kel war es nicht ein­mal auf den unbe­leuch­te­ten pis­ten) ski zu fahren.

der don­ners­tag war dann ent­spre­chend anstren­gend, die zwei zusätz­li­chen stun­den rase­rei mach­ten sich in den ober­schen­keln bemerk­bar. außer­dem war das wet­ter noch ein­mal extrem neb­lig, meist auch noch mit leich­tem schnee­fall. des­we­gen waren wir fast aus­schließ­lich an der alp­ko­gel­bahn unter­wegs. dort hat­te es zwar aus­ge­spro­chen wei­chen schnee, aller­dings gar kei­ne sicht. und es wur­de eher schlim­mer als bes­ser. kurz habe ich in die­ser sup­pe auch noch den tigershark von schlei­bi getes­tet (sie­he unten). aber so im blind­flug strengt das ski­fah­ren doch deut­lich mehr an, wes­halb wir schon gegen halb drei schluss machten.

dafür hat uns dann der frei­tag, 9.3., aber wie­der voll­kom­men ent­schä­digt: strah­len­der son­nen­schein von mor­gens bis abends, nicht mehr so sehr warm (mor­gens um minus 5 grad). ent­spre­chend hart waren denn auch die pis­ten, beson­ders dort, wo die son­ne mor­gens (noch) nicht hin­kam, wir aber fah­ren woll­ten: an der breit­spitz­bahn. aus­ge­rech­net eine der bes­ten stel­len der schwar­zen pis­te, die schma­le rin­ne in der unte­ren hälf­te, war heu­te aus­ge­spro­chen schlecht prä­pa­riert: fast nur dicke, gefro­re­ne schnee­bro­cken. dafür habe ich mich nun, nach einer wei­te­ren woche der zuneh­men­den ver­traut­heit mit dem mono­ski, mehr aus den pis­ten ins unprä­pa­rier­te gelän­de gewagt. und das ging auch immer bes­ser – bis ich mei­nen tt ham­mer bei­na­he den tief­schnee-göt­tern geop­fert hät­te: irgend­wann blieb er mir näm­lich auf ein­mal im schnee ste­cken, kata­pul­tier­te mich mir­nix dir­nix aus der bin­dung und mach­te sich dann allein auf den weg. als ich mich gera­de aus dem schnee auf­rap­pel­te, sah ich in rich­tung pis­te und stau­see los­zie­hen und schrie nur noch „mein ski!“. zum glück hör­te baro, der wei­ter unten auf der sei­te des tief­schnee­fel­des stand das, und stopp­te mei­nen ski (wobei er es zum ers­ten mal schaff­te, sei­ne bin­dun­gen zu lösen …). das hat mir dann erst ein­mal gereicht, nach­mit­tags habe ich monobla­de und nor­dic­board getes­tet (und bin mit vor allem mit dem monobla­de noch sehr schön abseits der pis­te unter­wegs gewe­sen). abends konn­ten wir uns dann im hotel noch so eini­ge groß- und schand­ta­ten auf video und foto anschau­en – sehr inter­es­sant, die unter­schied­li­chen fahr­sti­le mal so direkt im ver­gleich zu sehen.

das ski­ge­biet gal­tür war eine ange­neh­me über­ra­schung für mich. gemüt­lich trifft es ganz gut: kein hal­li-gal­li, sehr zurück­hal­ten­des aprés-ski. kei­ner­lei war­te­zei­ten an lif­ten. wenig betrieb auf den pis­ten. aller­dings auch kei­ne extre­men pis­ten, kei­ne aus­ge­spro­chen stei­le hän­ge etwa. dafür wie­der­um vie­le mög­lich­kei­ten, mal eben von der pis­te weg­zu­kom­men. und, was mich auch über­rascht hat: die pis­ten sind wirk­lich (fast) alle sehr gut und schön, es gibt lan­ge nicht so vie­le aus­fäl­le, lang­wei­ler, wie in ande­ren, grö­ße­ren ski­ge­bie­ten. die prä­pa­rie­rung war auch in ord­nung, nur an weni­gen stel­len manch­mal etwas schlam­pig (und am letz­ten tag, da hat­ten sie es zu eilig und hin­ter­lie­ßen zu vie­le klum­pi­ge, mor­gens sehr hart gefro­re­ne stellen).

gefah­ren bin ich – neben mei­nem tt ham­mer von snow­shark – in die­ser woche dank der vie­len net­ten leu­te, die mir ihre ski gelie­hen haben, unter ande­rem fol­gen­de mono­skier:

  • duret best off: ein angeh­mer car­ver. nicht zu sehr auf die gecarv­ten bögen fixiert, lässt er sich doch recht leicht auf die kan­te set­zen und ist dort nicht so extrem wie monobla­de oder nor­dic­board. dafür lässt er sich auch recht ange­nehm und unpro­ble­ma­tisch mit kurz­schwün­gen fah­ren, ohne je bös­ar­tig zu wer­den – dafür ist das brett ein­fach viel zu weich abgestimmt.
  • snow­shark tigershark: kommt nicht ganz an mei­nen tt ham­mer her­an. zumin­dest für mei­ne fahr­wei­se nicht. weil er etwas här­ter und (in schlei­bis ver­si­on) län­ger ist. das merkt man näm­lich recht deut­lich: wesent­lich weni­ger agil, braucht mehr schub, vor allem die front hing mir immer schwer auf dem schnee, die muss­te ich immer kräf­tig her­um­schie­ben. dafür schluckt er mehr uneben­hei­ten – was ich nicht unbe­dingt mag, ich bevor­zu­ge den direk­te­ren zugang zur piste.
  • monobla­de: ein lus­ti­ges gerät. als ein­zi­ger ski frei­lich nicht zu gebrau­chen, weil er auf der pis­te für zügi­ges, schnel­les, nach unten ori­en­tier­tes gerät über­haupt nicht funk­tio­niert. auf har­tem unter­grund lei­tet er jede uneben­heit bis in den rücken wei­ter, was nach einer wei­le ziem­lich anstren­gend wird. dafür lässt sich das, wofür er gemacht ist, aber gut ver­wirk­li­chen: rum­spie­len. und off-pist fand ich ihn aus­ge­spro­chen leicht und gut­mü­tig. wegen der gro­ßen fle­xi­bi­li­tät und der sym­me­trie von front und heck ver­zeiht er unheim­lich viel, ins­be­son­de­re unbe­ab­sich­tig­te wech­sel von front- in rück­la­ge (oder umge­kehrt). als zweit- oder dritt­ski könn­te ich ihn mir schon vor­stel­len. dann müss­te ich mich frei­lich an die fes­ten bin­dun­gen ohne aus­lö­se­mög­lich­keit gewöh­nen – so ganz behagt mir das nicht.
  • nor­dic­board: nicht mein ski (und das nicht nur wegen des lei­der viel zu hohen prei­ses). aber des­we­gen nicht unbe­dingt schlecht: sehr dreh­freu­dig, denoch äußerst sta­bil, sehr guter kan­ten­griff – aber in ers­ter linie ein car­ver. und das will ich (zumin­dest im moment noch) nicht. beim kur­zen test off-pist hat er mich auch nicht beson­ders über­zeugt, da hat er viel kraft zum dre­hen ge/​verbraucht. ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob der enor­me auf­wand mit der ver­bin­dung von einer sicher­heits­bin­dung und den zwei fes­ten bin­dun­gen wirk­lich not­wen­dig ist. und ob die kon­struk­ti­on, wie es otto eder wohl beab­sich­tig hat (wenn ich rich­tig ver­stan­den hab), dem mono­ski zu neu­er popu­la­ri­tät ver­hilft, scheint mir auch eher frag­lich. aber das ist ja eine ande­re baustelle.
[VWKGJ]

Dies­mal habe ich sogar etwas … Also, eigent­lich woll­te ich ja die letz­te Woche für inten­si­ves Trai­ning in den Alpen nut­zen, um so rich­tig auf mei­nen ers­ten Berg­lauf vor­be­rei­tet zu sein. In Gal­tür habe ich aber schon mal gar kei­ne ordent­li­chen Stre­cken dafür gefun­den: Die weni­gen Pfa­de, die an den Sei­ten des Tals hoch­gin­gen, waren alle noch so tief ver­schneit oder unten so mat­schig, das ich da über­haupt kei­ne Lust drauf hat­te. Außer­dem kam noch dazu: Das Ski­fah­ren mit den ande­ren Mono­is­ten vom Mono­ski-Tref­fen hat natür­lich auch eini­ges an Kraft gekos­tet. Und beim Lau­fen hat­te ich dann selt­sa­mer­wei­se jeden Tag gro­ße Pro­ble­me mit der Atmung, ich bekam immer wie­der, selbst bei eigent­lich ganz gemüt­li­chem Tem­po, Sei­ten­ste­chen – das habe ich sonst nie. Ob das schon an der Höhen­luft lag? Und dann hat sich ges­tern auch noch ein leich­ter Schnup­fen ein­ge­schli­chen. Ich war also sehr skeptisch.

[Wett­kampf­tag]

Schon wie­der so früh auf­ste­hen … Dann habe ich noch so lan­ge über­legt, was ich zum Lau­fen anzie­he, das ich bei­na­he mei­ne S‑Bahn nach Wies­ba­den ver­passt hät­te. Denn die Son­ne scheint zwar vom wol­ken­lo­sen Him­mel, aber um 7 Uhr ist es doch noch ziem­lich frisch. Ich ent­schei­de mit für die dün­ne, 3/​4‑Hose und ein dün­nes lang­ärm­li­ges Shirt – nicht ganz ver­kehrt, ein T‑Shirt hät­te es aber auch getan. Die Anrei­se war dann gera­de noch so gesi­chert, der Bus war auch pünkt­lich und hat mich mit zwei Mit­läu­fern zur Tal­sta­ti­on der Ner­oberg­bahn gebracht. Dort dann das Mel­de­bü­ro gesucht – ein­fach den Mas­sen nach -, mein Start­geld bezahlt (für die 6 Euro gab’s im Ziel eine Tafel Scho­ko­la­de (die ich jetzt bis Ostern auf­he­ben muss …), schön süßen war­men Tee und Was­ser, lei­der nur mit Koh­len­säu­re, sowie den Trans­port des Klei­der­beu­tels ins Ziel und den Rück­trans­port der Läu­fer mit dem Bus in den Start­be­reich) und die Num­mer in Emp­fang genom­men. Selt­sa­mer­wei­se war ich 896 bei einem Teil­neh­mer­li­mit von 500 Läu­fern … Dann den Ruck­sack im Bus depo­niert, ein wenig (sehr wenig) ein­ge­lau­fen und lang­sam zum Start getrabt.

[Wett­kampf]

So, nun geht’s end­lich zur Haupt­sa­che ;-). Den Start hät­te ich bei­na­he ver­passt, weil ich vor­her schnell noch einen Baum bewäs­sern muss­te. Des­halb stand ich dann fast ganz hin­ten. Eigent­lich fan­ge ich ja ger­ne etwas lang­sa­mer an, hier war das aber nicht so prak­tisch. Denn nach einem kur­zen Stück abwärts ging es den engen Wald­weg in Ser­pen­ti­nen auf den Ner­oberg hoch. Und da war ich dann stän­dig am Über­ho­len, was zu eini­ger unnö­ti­ger Kraft­ver­schwen­dung führ­te. Aber bis­her ging es mir wun­der­bar: Der ers­te Berg war über­haupt nicht schlimm, ich bin ziem­lich flott und locker hoch­ge­kom­men. Lei­der habe ich erst bei Kilo­me­ter 4 gemerkt, dass ich ja eine Stopp­uhr am Arm habe und die Zwi­schen­zei­ten hät­te neh­men kön­nen – aber dann hab’ ich es halt ganz gelas­sen. Nach dem Ner­oberg geht es erst­ein­mal gemäch­lich und bald weni­ger gemäch­lich berg­ab – da wur­de ich natür­lich wie­der über­holt, weil ich mit mei­ne Knie mit mei­nem Über­ge­wicht beim Berg­ab­lau­fen nicht all­zu sehr belas­ten mag und des­halt immer etwas ver­hal­ten unter­wegs bin. Aber es kamen ja noch eini­ge Höhen­me­ter nach oben auf uns zu – bei jedem Kilo­me­ter­schild haben die freund­li­chen Hel­fer vom LC Olym­pia die noch zu erklim­men­den Meter notiert. Und die wur­den selt­sa­mer­wei­se nur sehr lang­sam weni­ger. Denn es ging erst­mal recht gemüt­lich und sanft berg­auf – bis kurz nach Kilo­me­ter 7. Da knickt die Stre­cke ab und wen­det sich dem End­spurt auf die Plat­te zu. Und da hängt noch ein net­tes Schild: „Jetzt geht’s los”. Los­geht näm­lich die so genann­te Rodel­bahn: Unter der Strom­lei­tung senk­recht den Hang hoch. Zum Glück war es nicht über­mä­ßig rut­schig (die Stre­cke war auch sonst fast ganz tro­cken, das war in den letz­ten Jah­ren wohl auch schon anders, mit Schnee und Eis und so …). Die ers­te Hälf­te bin ich noch gelau­fen, dann aber doch ins schnel­le Gehen über­ge­gan­gen. Das ist bei dem Stück, wie ich bald merk­te, auch sinn­vol­ler. Denn selbst gehend hab’ ich noch zwei unver­dros­sen den Steil­hang hin­auf­lau­fen­de Mit­kämp­fer über­holt. Oben ange­kom­men, geht es dann noch die letz­ten Meter bis auf die Kup­pe der Plat­te – für mich das schlimms­te Stück, weil nach sol­chen Steil­hän­gen mein Kreis­lauf immer erst ein­mal kräf­tig ein­sackt. So keuch­te ich dann noch schnell ins Ziel nach 8,2 km und ca. 450 Höhen­me­tern, wo ich selbst­ver­ständ­lich völ­lig ver­gaß, mei­ne Stopp­uhr anzu­hal­ten. Nun ja, dafür gibt es ja die offi­zi­el­le Zeit­mes­sung: 46:59. Mein Ziel war es, mög­lichst weit unter 50 Minu­ten zu blei­ben – das hat ja ganz gut hin­ge­hau­en. Und ganz beschei­den muss ich sagen: Ich hät­te durch­aus schnel­ler sein kön­nen – wenn ich die Stre­cke bes­ser im Kopf gehabt hät­te und mei­ner Form mehr getraut hät­te. Aber über­haupt schei­nen so „kur­ze” Stre­cken im Moment nicht so das rich­ti­ge für mich zu sein … Aber es war ein wun­der­ba­rer Lauf bei herr­li­chem Wetter.

rainald goetz ist wieder im internet unterwegs

eigent­lich ste­he ich unter­neh­mun­gen, die die signa­tur „rai­nald goetz” tra­gen, ja sehr auf­ge­schlos­sen und posi­tiv gegen­über. „abfall für alle”, sein ers­tes gro­ßes inter­net­pro­jekt – mit dem er ja auch der zeit eher vor­aus war – hat mich begeis­tert (übri­gens auch noch als buch!). 

aber sein neu­es­tes pro­jekt, der bei vani­ty fair unter­ge­schlüpf­te „klage“-blog lässt mich etwas rat­los zurück. schon war­um er aus­ge­rech­net bei vani­ty fair unter­ge­schlüpft ist, ver­ste­he ich nicht ganz (aber na gut, auch ein rai­nald goetz muss von irgend etwas leben).

dort prä­sen­tiert er also: erra­ti­sche tex­te, deren zusam­men­hang für mich noch völ­lig offen ist. das wird jetzt ja auch offi­zi­ell ein blog genannt. manch­mal scheint es mir, als ver­su­che er ver­zwei­felt, sich von „nor­ma­len” blog­gern abzu­set­zen. mal sehen, was da noch bei her­aus­kommt. immer­hin, da schlägt der ech­te goetz eben unbe­dingt durch (zum glück, möch­te ich sagen), ver­or­tet er sich ein­deu­tig auf der sei­te des tex­tes – ganz all­ge­mein und auch im medi­um inter­net (wie sich hier nach­le­sen lässt)

ali g vs. noam chomsky = 0:1

ein kla­rer sieg nach punk­ten für die intelligenz:

hier sieht man sehr schön, was pas­siert, wenn ali g mal auf ech­te intel­li­genz trifft: er läuft total ins lee­re. und das ist doch auch mal ganz nett anzusehen …
gefun­den dank den hard blog­gin’ scientists

hofmannsthal gemalt

ulrich wein­zierl behaup­tet, „skiz­zen” zum „bild“ hugo von hof­manns­thal geschrie­ben zu haben. mei­ne über­zeu­gung nach der lek­tü­re: das sind nur stu­di­en zum hin­ter­grund des por­träts. und ein bild ohne sei­nen gegen­stand ist ziem­lich lang­wei­lig. dazu passt, dass er aus hof­manns­thal einen schrift­stel­ler ohne werk macht. lite­ra­ri­sches kommt in die­sem rund­gang durch hof­mannst­hals epis­to­lo­gra­phi­sches werk näm­lich so gut wie gar nicht vor.

dafür hat wein­zierl alles an brie­fen und zeug­nis­sen gele­sen, was es zu hof­manns­thal gibt, und auch ganz flei­ßig exzer­piert. und dann hat er sei­nen zet­tel­kas­ten abge­schrie­ben. bezeich­nend für die­se arbeits­wei­se ist das freun­de-kapi­tel, zugleich der haupt­teil der nicht gera­de umfang­rei­chen stu­die: dort erfährt man im end­ef­fekt mehr über die freun­de als über den eigent­li­chen gegen­stand, hugo von hof­manns­thal. so ent­ste­hen knapp 230 sei­ten, dafür aber fast 1000 fuß­no­ten, die aus­schließ­lich zitat­nach­wei­se bie­ten (mit aus­nah­me einer quel­le hat der autor näm­lich alles in die end­no­ten gepackt).

das wesent­li­che fehlt aber. hof­manns­thal bleibt blass: kein mensch wird hier beschrie­ben, kei­ne per­son – nur äuße­run­gen wer­den refe­riert. noch nicht ein­mal einen mini­ma­len bio­gra­phi­schen abriss leis­tet sich wein­zierl – für wen ist das buch denn dann eigent­lich gedacht? denn sei­ner ansicht nach gibt es ja über­haupt gar kei­ne taug­li­che bio­gra­phie des autors. auch weder die epo­che wird ein­ge­hend cha­rak­te­ri­siert noch der mensch. gut, in bezug auf die epo­che gibt es immer­hin ansät­ze – was das gesell­schaft­li­che leben angeht vor allem, in hin­blick auf poli­ti­sche oder gar kul­tu­rel­le zusam­men­hän­ge gibt sich wein­zierl bedeckt.

die for­schung bleibt immer anonym, mit for­mu­lie­run­gen wie „neu­es­te for­schun­gen” mogelt sich wein­zierl da durch. ande­re bio­gra­phien oder deren ver­su­che hat er kaum zur kennt­nis genom­men bzw. kaum ver­wer­tet. zumin­dest spie­gelt der text kei­ner­lei aus­ein­an­der­set­zung wider. sei­ne eige­nen urtei­le erschei­nen mir – der ich kein exper­te auf die­sem gebiet bin – dann immer etwas frei­schwe­bend, sozu­sa­gen feuil­le­to­nis­tisch: poin­tiert bis ins extrem, aber ohne wirk­lich sach­hal­ti­ge nach­wei­se oder bele­ge. dafür mokiert sich wein­zierl aus­ge­spro­chen gern über jeden ein­zel­nen schreib­feh­ler in den brie­fen, beson­ders wenn er den absen­der in sei­nem ver­hält­nis zu hof­manns­thal sowie­so nega­tiv zeich­nen will.

selt­sam und befremd­lich fand ich auch sei­ne marot­te, zwi­schen homo­phi­lie, homo­ero­tik und homo­se­xua­li­tät belie­big hin- und her­zu­wech­seln – je nach bedarf. eigent­lich erscheint mir ja schon die gern gebrauch­te wen­dung der homo­ero­tik als hal­be korin­then­ka­cke­rei und augen­wi­sche­rei, wird sie doch in der regel – ins­be­son­de­re bei tho­mas mann – gebraucht, um eine nicht prak­ti­zier­te, nicht offen und umfas­send aus­ge­leb­te homo­se­xua­li­tät zu beschrei­ben. das mag ja noch ange­hen, aber dann noch eine homo­phi­lie – die, wenn ich das rich­tig sehe, vor allem eine jugend­li­che schwär­me­rei sein soll – zu kon­stru­ie­ren, ist doch irgend­wie lächer­lich: ent­we­der geht es um eine (sexu­el­le) ori­en­tie­rung oder um freundschaft.

ins­ge­samt hin­ter­lässt mich wein­zierl zutiefst unbe­frie­digt: die rät­sel­haf­tig­keit, das sprung­haf­te wesen hof­manns­thal, wie es sich gera­de in der Pfle­ge (oder Zer­stö­rung) sei­ner Freund­schaft zeigt, den zahl­rei­chen brüs­kie­run­gen eben­so wie den fle­hen­den bit­ten um ver­ge­bung, las­sen wein­zierl (und damit sei­ne leser auch) aus­ge­spro­chen rat­los zurück. viel mehr als blo­ßes refe­rie­ren leis­tet er da, wo es um das eigent­lich der bio­gra­phie, die erfor­schung des cha­rak­ters, gehen soll­te, nicht. dafür zieht er sich, je wei­ter er im text fort­schrei­tet, immer mehr auf ein äußerst sim­pli­zis­ti­sches erklä­rungs­mo­dell zurück: hof­manns­thal war halt ein genie und hat ent­spre­chend uner­klär­lich gehan­delt. das gip­felt dann in solch absur­den und idio­ti­schen sät­zen wie die­sem: „hat hugo von hof­manns­thal sei­ne frau see­lisch miß­han­delt? kei­nes­wegs mehr, als jedes ande­re genie das eben tut.” (210) mehr braucht man dazu wirk­lich nicht sagen.

ulrich wein­zierl: hof­manns­thal. skiz­zen zu sei­nem bild. darm­stadt: wis­sen­schaft­li­che buch­ge­sell­schaft 2006 (wien: zsol­nay 2005).

31,17 km sind eine ganze menge

bin­gen – mainz: das sind genau die­se 31,17 km. für mich sind das 2:41:03 lau­fen – lau­fen, lau­fen, lau­fen ohne ende. naja, zwei klei­ne pau­sen gab es schon, zum pin­keln in der nähe von buden­heim und dann lei­der ein ampel­stopp in mainz. da war so etwas näm­lich schon etwas schmerz­haft. aber der rei­he nach. zuerst die kar­te mit route:

strecke bingen-mainz

und jetzt der text: ich bin mit dem zug nach bin­gen gefah­ren – 30 minu­ten, fährt jede stun­de, ein­fa­cher geht es kaum. in bin­gen-stadt bin ich dann los­ge­zo­gen: immer direkt am rhein ent­lang (also nicht den aus­ge­schil­der­ten fahr­rad­weg, den hat­te ich nur sehr kurz­zei­tig), den wirt­schafts­weg des was­ser-dings­bums-amtes. der hat den vor­teil, nicht gepflas­tert oder geteert zu sein. heu­te war er aller­dings stel­len­wei­se auch etwas mat­schig. und an einer stel­le von baum­fäll­ar­bei­tern blo­ckiert (gesperrt war natür­lich nur die ande­re rich­tung …), aber über den deich konn­te ich mich gera­de noch so durch­schlän­geln. an zwei oder drei stel­len lagen auch noch bäu­me auf dem weg, aber irgend­wie kam man immer vor­bei. mein plan war, mög­lichst kon­stant zwi­schen 5er und 5:30er schnitt zu blei­ben. und wenn ich mir die auf­zeich­nung mei­ner tim­ex so anschaue, hat das (von weni­gen aus­rei­ßern abge­se­hen), auch ganz gut geklappt. am auf­fäl­ligs­ten ist noch, dass die vari­anz auf den letz­ten kilo­me­tern doch etwas grö­ßer wur­de. gemerkt hab’ ich das beim lau­fen nicht so sehr.

tempodiagramm bingen-mainz

so lief ich denn also am rhein ent­lang, immer schön im tra­ben blei­ben. pau­sen hab’ ich kei­ne gemacht, das liegt mir nicht so, danach kom­me ich meist nur schlecht wie­der in den rhyth­mus. ich hat­te mei­nen camel­bak dabei, der vor allem auf den letz­ten kilo­me­tern, so ab der 20er mar­ke, immer schnel­ler leer wur­de, aber gut gereicht hat. mei­ne power-bars habe ich lan­ge in der tasche gelas­sen (waren ja auch nur als not­ver­pfle­gung dabei), beim mom­ba­cher krei­sel habe ich dann aber doch den bana­ne-rie­gel mal ange­knap­pert. das ging aber gar nicht gut, der war von der käl­te (so ca. 5–6° C, manch­mal auch käl­ter gefühlt) der­ma­ßen hart. aber er hat sowie­so schnell sehr eklig geschmeckt, das meis­te ist im müll­ei­mer gelan­det. aber gegen das flaue gefühl im magen hat er immer­hin geholfen.

zum glück hat­te ich doch lan­ges shirt und jacke ange­zo­gen. das erschien mir beim bahn­fah­ren zwar etwas warm, auf der stre­cke war es aber ange­nehm – ok, in’s schwit­zen bin ich doch recht ordent­lich gekom­men, aber viel weni­ger hät­te ich nicht ger­ne anha­ben mögen.

tja, und wie lief’s? über­ra­schend pro­blem­los. bis km 20 kei­ne beson­de­ren vor­komm­nis­se (außer das mir die ers­ten 10 sehr lan­ge vor­ka­men). so gegen km 25 fin­gen sich die bei­ne dann schon an, bemerk­bar zu machen. und die letz­ten zwei bis drei kilo­me­ter auf der rhein­al­lee haben dann noch ein biss­chen weh getan. inter­es­san­ter­wei­se waren es vor allem die ober­schen­kel (innen und außen, weni­ger die vor­der­sei­ten), die mir leich­ten kum­mer berei­te­ten. gut, die waden waren danach natür­lich auch ordent­lich ver­kürzt, deh­nen ging über­haupt nicht gut, haben auch gar nicht geschmerzt. die­se mus­keln schei­nen das lau­fen inzwi­schen doch geübt zu sein. wohin­ge­gen die ober­schen­kel bei mir sonst, bei den kur­zen oder mit­tel­lan­gen läu­fen gera­de in mainz, ohne jeden berg, nicht beson­ders gefor­dert wer­den. wahr­schein­lich lag es dar­an, dass sie – zusam­men mit den zwi­schen­zeit­lich etwas ner­ven­den knö­cheln (aber das ist bei mir eigent­lich bis­her bei jedem län­ge­ren lauf so gewe­sen) die haupt-beschwer­de­stel­le waren. ins­ge­samt war ich aber selbst über­rascht, wie gut das alles lief, wie spät ich über­haupt erst ermü­dungs­er­schei­nun­gen bemerk­te. die trepp­pen in mei­ne woh­nung im vier­ten stock waren natür­lich die letz­te qual – aber das ken­ne ich ja schon …

und so neben­bei: gewun­dert hat mich, wie wenig läu­fer auf der stre­cke unter­wegs waren. auch in der nähe der orte, wo die hun­de­be­sit­zer mas­siv auf­tra­ten – kein ein­zi­ger läu­fer. erst in mainz, beim zoll­ha­fen, habe ich zwei oder drei sich­ten kön­nen. aller­dings waren auch die rad­fah­rer kaum ver­tre­ten – fast­nacht­diens­tag nach­mit­tag ist wohl für die meis­ten alkohl­ab­bau und nicht sport angesagt.

heu­te ist es mir zum ers­ten mal so rich­tig auf­ge­fal­len: rosen­mon­tag in mainz erin­nert mich immer ein wenig an krieg. oder bes­ser gesagt dar­an, wie ich mir den kriegs­zu­stand in einer stadt vor­stel­le (natür­lich, das sei gleich gesagt, ist das tat­säch­li­che gesche­hen selbst in mainz unver­gleich harm­los im kon­trast zu einem ech­ten krieg). wie ich dar­auf kom­me? es sind die umstände:

  • die geschäf­te sind (fast) alle geschlos­sen, wer wert­vol­le­res im schau­fens­ter hat, hat auch die glas­schei­ben mit holz- und span­plat­ten geschützt.
  • über der stadt krei­sen fast den gan­zen tag die hubschrauber.
  • man traut sich als zivi­list kaum auf die stra­ße – nicht nur wegen der v.a. nach­mit­tags fast durch­weg mehr oder min­der alko­hol­o­sier­ten men­schen. son­dern auch wegen des zustan­des der stra­ßen – gehen ist nur mit fes­tem schuh­werk mög­lich, selt­sa­me, uniden­ti­fi­zier­ba­re sub­stan­zen bede­cken asphalt und pflas­ter. über­all dreck, schutt, glas­scher­ben – die res­te der zivi­li­sa­ti­on sozusagen.
  • es stinkt: mainz riecht sel­ten so schlecht – kein wun­der, die gan­zen flüs­sig­kei­ten müs­sen ja auch irgend­wo wie­der heraus.
  • außer­dem: wer nicht uni­for­miert ist, fällt auf – und wird ent­spre­chend behandelt.
  • poli­zei und hilfs­diens­te, ret­tungs­kräf­te über­all: nor­ma­le (verkehrs-)regeln sind auf­ge­ho­ben. die „trup­pen” ver­su­chen, das cha­os zu bän­di­gen: sire­nen heu­len immer wie­der auf. an jedem halb­wegs geeig­ne­ten platz sind not- und behelfs­la­za­ret­te aufgebaut.
  • die frei­schär­ler-grup­pen – aus dem umzug ent­las­sen, aber ohne hei­mat und sinn­vol­ler auf­ga­be zie­hen sie lär­mend und kra­kee­lend durch die straßen.
  • „nor­ma­le” men­schen sind ent­we­der geflüch­tet (wie ich das sonst auch zu tun pfleg­te – die­ses jahr muss ich lei­der arbei­ten) oder blei­ben den tag über zuhau­se – auf der stra­ße sind zivi­lis­ten kaum zu sehen. und die weni­gen drü­cken sich mög­lichst unauf­fäl­lig und schnell vor­über­hu­schend an den besat­zungs­trup­pen vorüber
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