endlich habe ich sie gefunden, die absolute top-killeranwendung, die jeden noch so trägen netzmuffel von der notwendigkeit und der außerordentlich hilf- und segensreichen gutheit des web 2.0 überzeugen wird: http://www.alleinr.de/ . am besten sofort ausprobieren, auf sich wirken lassen und mit viel ruhe genießen – so etwas kommt so schnell nicht wieder.
die alte, damit überholte und obligate web‑1.0‑version davon gibt es übrigens auch immer noch, bei www.onlinewahn.de.
ein recht gewöhnliches programm und auch ein recht durchschnittliches ergebnis: nicht schlecht war das meisterkonzert in der rheingoldhalle, aber auch nicht außergewöhnlich gut, keine überraschungen, nix neues – wie’s bei solchen abonnentenkonzerten halt so ist.…
Die Verwandlung geschah erst am Ende des Konzerts. Irgendetwas muss mit Tamás Vásáry, dem Dirigenten der Koblenzer Staatsphilharmonie, in der Pause passiert sein. Denn in der zweiten Hälfte des Meisterkonzertes in der Rheingoldhalle stand ein ganz anderer Musiker auf dem Podest. Zunächst zeigte er sich aber als versierter Dirigierhandwerker. Die Sinfonie Nr. 22 von Haydn missbrauchte er zwar, entgegen den Konzertgewohnheiten, nicht als bloßes Einspielstück. Vásáry ließ das Orchester in fast stoisch anmutender Gelassenheit beschwingt tänzeln und blieb dabei immer in fließender Bewegung. Dieses Gleichmaß, gepaart mit einer Prise trockenem Humor und den knappen, präzisen Gesten passte einfach. Nach diesem vielversprechenden Auftakt war das Violakonzert von Béla Bartók zu bewältigen. Von Bartók selbst ist hier allerdings nur der kleinste Teil, sein Tod verhinderte die Vollendung. Und das merkt man auch: Irgendwie fehlt genau die Kraft und Eindrücklichkeit, die seine andere Konzerten so sehr prägt. Dementsprechend blieb das Orchester noch einmal auffallend unauffällig, lediglich hier und da etwas zu mächtig. Der Solist Maxim Rysanov schwang sich viel offenherziger hinein: Mit ehrlicher Hingabe widmete er sich den Gefühlsgehalten der Musik und überzeugte mit vielseitiger und ausdrucksstarker Gestaltung – seine mancherorts etwas nachlässige Technik verzieh man ihm da gerne. Aber dann eben, nach der Pause, die eigentlich Hauptsache. Schuberts vierte Symphonie wurde jetzt von einem ganz neuem Dirigenten aufgeführt: Denn Vásáry mutierte ganz unversehens zum Tänzer – nicht nur mit den Händen, sondern mit seinem ganzem Körper zelebrierte er die Musik, formte er jeden Einsatz vor, schrieb er jede Phrase mit allen Fasern seines schmächtigen Körpers in die Luft. Das Orchester reagierte zunächst verhalten und nahm die unbedingte Emphase des Dirigenten nur zögerlich auf. Deshalb bestand der erste Satz eigentlich nur aus schönen Stellen ohne echten Zusammenhang. Das ist bei dieser Sinfonie immer eine Gefahr, denn Schubert pendelt hier noch sehr stark zwischen eigenen Formen und Beethovenschen Modellen. Ab dem zweiten Satz wurde es dann aber spürbar besser. Die Klangreliefs wurden von Takt zu Takt greifbar plastischer und drastischer. Vor allem im ganz stark lakonisch konzentrierten Menuett entwickelte Vásáry immer mehr Drastik. Und im Finale steigerte er das noch ein weiteres Mal zu einer mitreißend dramatischen, in vitaler Kraft geradezu explodiernd Freude an dieser Musik.
nun ja, der ganze odenwald ist es noch nicht … aber immerhin, einen großen teil des odenwaldkreises habe ich am samstag laufend (d.h. rennend) umrundet. die neu ausgedachte runde startet natürlich in erbach, führt über den buchwaldskopf und sonnenweg zum bullauer bild hinauf. von dort geht es dann zur gebhardtshütte, vorbei an den freilaufenden ziegen wieder in den wald in richtung krähberg. der wird knapp unterhalb des gipfels (und des schlosses) halb umrundet, um dann hinab zum reußenkreuz zu rennen. von dort führt der wanderweg über den eingang des sensbachtals zurück ins mümlingtal, wo der abstieg, der ganz schön lang und ganz schön tief wird, in richtung beerfelden beginnt. vorbei am skilift geht es dann über die bundesstraße durch den ort zum metzkeil, den man noch ein stück hinunterlaufen muss. dann führt der weg wieder aus beerfelden hinaus – dieses mal aber auf der anderen seite, nämlich in richtung etzean. bis dorthin sind es aber noch einmal ein paar höhenmeter. durch etzean schnell hindurch, geht es weiter in richtung marbach, vorbei am hetzbacher golfplatz und dann wieder steil hinab. ab der villa sonnenschein die letzten meter bis zur marbach auf der bundesstraße, die dann überquert wird, um auf der anderen seite wieder den – verdammt steilen – hang in richtung haisterbach hinaufzuklettern. oder zu gehen … der hügel ist dann doch wieder recht hoch, aber man ist ja jetzt schon auf dem heimweg … über haisterbach geht es, in einer kleinen schleife, nach günterfürst. dort noch schnell durch den ort, am sportplatz vorbei und damit wieder auf die nächste kuppe. die wird aber schnell wieder verlassen, denn es geht hinab nach lauerbach – wiederum verflixt steil hinab. dann wird’s aber einfach: nur noch die b45 durch erbach und fix nach hause. auf der karte sieht das so aus (die karte ist mit sporttracks aus meinen gps-daten und dem kartenmaterial von google-maps erstellt worden):
beim ersten versuch für diese 34 km habe ich am samstag 3:21:00 gebraucht – und war ganz schön geschafft. bis beerfelden lief es ziemlich gut, der abstieg vom reußenkreuz hinunter hat allerdings schon ziemlich genervt. überhaupt sind die bergabpassagen ganz schön kräftezehrend. ab etzean hat es dann auch noch mehr oder weniger stark geregnet, das war natürlich kein besonderer genuss. von haisterbach aus wurde es dann wirklich anstrengend – nach günterfürst hinüber noch einmal kräftiger gegenwind. durch erbach dann schwer gekämpft, um nicht kurz vom ziel doch aufzugeben … gestört hat vor allem der linke fuß: schon ab kurz vor bullau hatte ich nämlich leichte krämpfe in der fußunterseite. die haben das laufen zwar nicht verhindert, aber immer wieder unangehm gemacht. heute habe ich auch gemerkt, was besonders ungewohnt war: die an- und abstiege. denn meine oberschenkel sind noch nicht wieder ganz erholt von der tortur, die waden sind allerdings bereits wieder schön locker gewesen beim heutigen kleinen lauf.
es war das erste mal für mich, das fünfte insgesamt: das diesjährige treffen der mono-ski.org in galtür. ich war übrigens nicht der einzige, der zum ersten mal dabei war. aber die meisten dieser ausgeprochen netten truppe (d.h. streng genommen sogar alle) fahren schon länger monoski als ich. so konnte ich mir noch einiges an- und abschauen.
die anreise am 3.3.nach galtür war zwar langwierig (v.a. der bus ab dem bahnhof landeck-zams braucht eine ziemliche weile – das paznauntal ist halt einfach ewig lang), aber vollkommen unproblematisch. auch mein zimmer habe ich schnell gefunden – sehr schön, geräumig, nett eingerichtet mit couch …
am nächsten tag ging es dann gleich um 9 uhr auf die piste – schließlich wollte ich die anderen monoisten treffen. und es war ein herrlicher skitag: wunderbar sonniges wetter (was sich in meinem gesicht deutlich bemerkbar machte, da ich morgens vergessen hatte, die sonnencreme aufzutragen), frischer schnee, schön locker und leicht, trotz sonntag ausgesprochen wenig betrieb auf den pisten – also alles, was das skifahrerherz begehrt. unterwegs war ich vor allem an der breitspitzbahn, wo es eine sehr schöne schwarze abfahrt hat. dort traf ich auch die anderen gegen mittag, worauf wir unsere kräfte vereinten und die pisten unsicher machten.
auch am montag, 5.3., war das wetter zunächst wieder wunderbar. ab mittag zogen allerdings zunehmend wolken auf, die die gipfel des skigebiets in nebel hüllten. es war ein weitgehend gemütliches skifahren an diesem tag: selbst morgens waren die pisten wunderbar, überhaupt nicht hart – kein wunder bei den frühlingshaften temperaturen. nachmittags haben wir dann die schwarze piste an der birkhahnbahn für uns entdeckt – sehr schöne, kräftige steilstücke mit flachem auslauf am ende.
am dienstag, 6.3., ging es selbstverständlich auch gleich morgens auf die piste. wieder hatten wir schönes wetter mit wechselnder bewölkung und weichem, nassen schnee, den wir für ausgesprochen angenehme abfahrten (vor allem an der breitspitzbahn) nutzten. dort habe ich dann auch die ersten versuche im unpräparierten gelände gemacht, die aber fast alle früher oder später scheiterten (was allerdings auch kaum anders zu erwarten war, bei meiner reichhaltigen erfahrung auf diesem gebiet ;-)). doch nachdem ich gesehen hatte, das selbst für schleibi an den ersten beiden tagen jede (aber auch wirklich jede) fahrt in den tiefschnee mit einem sturz endete (oder ihren höhepunkt fand – je nach standpunkt halt – für uns war das immer eine mordsgaudi, weshalb er ja auch zu recht den dropman-award erhielt), konnte ich wohl kaum hintenanstehen. und irgendwann muss ich es ja auch mal lernen. und dass geht halt nicht ohne übung und die entsprechenden misserfolge. zum abschluss gab es dann noch zwei sehr harmonische abfahrten auf der roten piste von der ballunspitze bis in die almhof-tenne. die runde löste sich dann nur sehr kurzzeitig auf, um sich im kleinen kreis zum gemeinsamen ski-präparieren im hotel wieder zu treffen. und abends gab es dann noch das außerordentlich amüsante (zumindest für die zuschauer) fassdaubenrennen.
am 7.3., mittwoch, war das wetter dann nicht mehr so gut. zwar war es immer noch ausgesprochen mild, aber sehr neblig und vormittags schneite es auch noch ein wenig. deshalb fuhren wir meistens unten an der alpkogelbahn, mit kurzen abstechern bei kleinen aufheiterungen hoch zur ballunspitze. nachmittags lockerte die niedrig hängende bewölkung zeitweise etwas auf und wir konnten die wunderbare piste an der breitspitze noch einige male fahren. und wir konnten dort schon einmal anfangen, das formationsfahren für die ski-show im rahmen des nachtskifahrens zu üben. das hat bei ingo und mir erstaunlich (zumindest für mich erstaunlich, ich hab so etwas ja noch nie gemacht) schnell ganz gut geklappt, nur schleibi und malcolm hatten einige probleme bei der synchronisation, ihre fahrweise war zu unterschiedlich. mit markus als ersatz für malcolm klappte das dann aber auch. dummerweise konnten wir das dann gar nicht vorführen, denn die skishow wurde – wohl wegen der um 19 uhr wieder kastastrophalen sicht – abgesagt. zum nachtskilauf sind wir aber natürlich trotzdem – schließlich hatte tilo die karten organisiert. und es war auch ein großer spaß. bei der ersten abfahrt lag die gelb-orange beleuchtete piste noch ganz im nebel. im sessellift sah man kaum bis zum vorhergehenden sessel. aber inzwischen kannten wir die abfahrt ja schon und so fuhren wir unverdrossen los. aber der zweiten abfahrt riss die bewölkung allerdings rasant auf, die sicht wurde immer besser. und die pisten waren herrlich leer – frisch präpariert, noch wunderbar weich. und so sind wir immer schneller und schneller die piste hinuntergedüst – bis wir nach zwei stunden die notbremse zogen und in die tenne abbogen (das letzte stück auch ohne licht kein problem). nur alex und baro, die beide erst am abend angekommen waren, nutzten noch die letzte halbe stunde. auf jeden fall war’s eine mords-gaudi, so im dunkeln (naja, richtig dunkel war es nicht einmal auf den unbeleuchteten pisten) ski zu fahren.
der donnerstag war dann entsprechend anstrengend, die zwei zusätzlichen stunden raserei machten sich in den oberschenkeln bemerkbar. außerdem war das wetter noch einmal extrem neblig, meist auch noch mit leichtem schneefall. deswegen waren wir fast ausschließlich an der alpkogelbahn unterwegs. dort hatte es zwar ausgesprochen weichen schnee, allerdings gar keine sicht. und es wurde eher schlimmer als besser. kurz habe ich in dieser suppe auch noch den tigershark von schleibi getestet (siehe unten). aber so im blindflug strengt das skifahren doch deutlich mehr an, weshalb wir schon gegen halb drei schluss machten.
dafür hat uns dann der freitag, 9.3., aber wieder vollkommen entschädigt: strahlender sonnenschein von morgens bis abends, nicht mehr so sehr warm (morgens um minus 5 grad). entsprechend hart waren denn auch die pisten, besonders dort, wo die sonne morgens (noch) nicht hinkam, wir aber fahren wollten: an der breitspitzbahn. ausgerechnet eine der besten stellen der schwarzen piste, die schmale rinne in der unteren hälfte, war heute ausgesprochen schlecht präpariert: fast nur dicke, gefrorene schneebrocken. dafür habe ich mich nun, nach einer weiteren woche der zunehmenden vertrautheit mit dem monoski, mehr aus den pisten ins unpräparierte gelände gewagt. und das ging auch immer besser – bis ich meinen tt hammer beinahe den tiefschnee-göttern geopfert hätte: irgendwann blieb er mir nämlich auf einmal im schnee stecken, katapultierte mich mirnix dirnix aus der bindung und machte sich dann allein auf den weg. als ich mich gerade aus dem schnee aufrappelte, sah ich in richtung piste und stausee losziehen und schrie nur noch „mein ski!“. zum glück hörte baro, der weiter unten auf der seite des tiefschneefeldes stand das, und stoppte meinen ski (wobei er es zum ersten mal schaffte, seine bindungen zu lösen …). das hat mir dann erst einmal gereicht, nachmittags habe ich monoblade und nordicboard getestet (und bin mit vor allem mit dem monoblade noch sehr schön abseits der piste unterwegs gewesen). abends konnten wir uns dann im hotel noch so einige groß- und schandtaten auf video und foto anschauen – sehr interessant, die unterschiedlichen fahrstile mal so direkt im vergleich zu sehen.
das skigebiet galtür war eine angenehme überraschung für mich. gemütlich trifft es ganz gut: kein halli-galli, sehr zurückhaltendes aprés-ski. keinerlei wartezeiten an liften. wenig betrieb auf den pisten. allerdings auch keine extremen pisten, keine ausgesprochen steile hänge etwa. dafür wiederum viele möglichkeiten, mal eben von der piste wegzukommen. und, was mich auch überrascht hat: die pisten sind wirklich (fast) alle sehr gut und schön, es gibt lange nicht so viele ausfälle, langweiler, wie in anderen, größeren skigebieten. die präparierung war auch in ordnung, nur an wenigen stellen manchmal etwas schlampig (und am letzten tag, da hatten sie es zu eilig und hinterließen zu viele klumpige, morgens sehr hart gefrorene stellen).
gefahren bin ich – neben meinem tt hammer von snowshark – in dieser woche dank der vielen netten leute, die mir ihre ski geliehen haben, unter anderem folgende monoskier:
- duret best off: ein angehmer carver. nicht zu sehr auf die gecarvten bögen fixiert, lässt er sich doch recht leicht auf die kante setzen und ist dort nicht so extrem wie monoblade oder nordicboard. dafür lässt er sich auch recht angenehm und unproblematisch mit kurzschwüngen fahren, ohne je bösartig zu werden – dafür ist das brett einfach viel zu weich abgestimmt.
- snowshark tigershark: kommt nicht ganz an meinen tt hammer heran. zumindest für meine fahrweise nicht. weil er etwas härter und (in schleibis version) länger ist. das merkt man nämlich recht deutlich: wesentlich weniger agil, braucht mehr schub, vor allem die front hing mir immer schwer auf dem schnee, die musste ich immer kräftig herumschieben. dafür schluckt er mehr unebenheiten – was ich nicht unbedingt mag, ich bevorzuge den direkteren zugang zur piste.
- monoblade: ein lustiges gerät. als einziger ski freilich nicht zu gebrauchen, weil er auf der piste für zügiges, schnelles, nach unten orientiertes gerät überhaupt nicht funktioniert. auf hartem untergrund leitet er jede unebenheit bis in den rücken weiter, was nach einer weile ziemlich anstrengend wird. dafür lässt sich das, wofür er gemacht ist, aber gut verwirklichen: rumspielen. und off-pist fand ich ihn ausgesprochen leicht und gutmütig. wegen der großen flexibilität und der symmetrie von front und heck verzeiht er unheimlich viel, insbesondere unbeabsichtigte wechsel von front- in rücklage (oder umgekehrt). als zweit- oder drittski könnte ich ihn mir schon vorstellen. dann müsste ich mich freilich an die festen bindungen ohne auslösemöglichkeit gewöhnen – so ganz behagt mir das nicht.
- nordicboard: nicht mein ski (und das nicht nur wegen des leider viel zu hohen preises). aber deswegen nicht unbedingt schlecht: sehr drehfreudig, denoch äußerst stabil, sehr guter kantengriff – aber in erster linie ein carver. und das will ich (zumindest im moment noch) nicht. beim kurzen test off-pist hat er mich auch nicht besonders überzeugt, da hat er viel kraft zum drehen ge/verbraucht. ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob der enorme aufwand mit der verbindung von einer sicherheitsbindung und den zwei festen bindungen wirklich notwendig ist. und ob die konstruktion, wie es otto eder wohl beabsichtig hat (wenn ich richtig verstanden hab), dem monoski zu neuer popularität verhilft, scheint mir auch eher fraglich. aber das ist ja eine andere baustelle.
Diesmal habe ich sogar etwas … Also, eigentlich wollte ich ja die letzte Woche für intensives Training in den Alpen nutzen, um so richtig auf meinen ersten Berglauf vorbereitet zu sein. In Galtür habe ich aber schon mal gar keine ordentlichen Strecken dafür gefunden: Die wenigen Pfade, die an den Seiten des Tals hochgingen, waren alle noch so tief verschneit oder unten so matschig, das ich da überhaupt keine Lust drauf hatte. Außerdem kam noch dazu: Das Skifahren mit den anderen Monoisten vom Monoski-Treffen hat natürlich auch einiges an Kraft gekostet. Und beim Laufen hatte ich dann seltsamerweise jeden Tag große Probleme mit der Atmung, ich bekam immer wieder, selbst bei eigentlich ganz gemütlichem Tempo, Seitenstechen – das habe ich sonst nie. Ob das schon an der Höhenluft lag? Und dann hat sich gestern auch noch ein leichter Schnupfen eingeschlichen. Ich war also sehr skeptisch.
[Wettkampftag]Schon wieder so früh aufstehen … Dann habe ich noch so lange überlegt, was ich zum Laufen anziehe, das ich beinahe meine S‑Bahn nach Wiesbaden verpasst hätte. Denn die Sonne scheint zwar vom wolkenlosen Himmel, aber um 7 Uhr ist es doch noch ziemlich frisch. Ich entscheide mit für die dünne, 3/4‑Hose und ein dünnes langärmliges Shirt – nicht ganz verkehrt, ein T‑Shirt hätte es aber auch getan. Die Anreise war dann gerade noch so gesichert, der Bus war auch pünktlich und hat mich mit zwei Mitläufern zur Talstation der Nerobergbahn gebracht. Dort dann das Meldebüro gesucht – einfach den Massen nach -, mein Startgeld bezahlt (für die 6 Euro gab’s im Ziel eine Tafel Schokolade (die ich jetzt bis Ostern aufheben muss …), schön süßen warmen Tee und Wasser, leider nur mit Kohlensäure, sowie den Transport des Kleiderbeutels ins Ziel und den Rücktransport der Läufer mit dem Bus in den Startbereich) und die Nummer in Empfang genommen. Seltsamerweise war ich 896 bei einem Teilnehmerlimit von 500 Läufern … Dann den Rucksack im Bus deponiert, ein wenig (sehr wenig) eingelaufen und langsam zum Start getrabt.
[Wettkampf]So, nun geht’s endlich zur Hauptsache ;-). Den Start hätte ich beinahe verpasst, weil ich vorher schnell noch einen Baum bewässern musste. Deshalb stand ich dann fast ganz hinten. Eigentlich fange ich ja gerne etwas langsamer an, hier war das aber nicht so praktisch. Denn nach einem kurzen Stück abwärts ging es den engen Waldweg in Serpentinen auf den Neroberg hoch. Und da war ich dann ständig am Überholen, was zu einiger unnötiger Kraftverschwendung führte. Aber bisher ging es mir wunderbar: Der erste Berg war überhaupt nicht schlimm, ich bin ziemlich flott und locker hochgekommen. Leider habe ich erst bei Kilometer 4 gemerkt, dass ich ja eine Stoppuhr am Arm habe und die Zwischenzeiten hätte nehmen können – aber dann hab’ ich es halt ganz gelassen. Nach dem Neroberg geht es ersteinmal gemächlich und bald weniger gemächlich bergab – da wurde ich natürlich wieder überholt, weil ich mit meine Knie mit meinem Übergewicht beim Bergablaufen nicht allzu sehr belasten mag und deshalt immer etwas verhalten unterwegs bin. Aber es kamen ja noch einige Höhenmeter nach oben auf uns zu – bei jedem Kilometerschild haben die freundlichen Helfer vom LC Olympia die noch zu erklimmenden Meter notiert. Und die wurden seltsamerweise nur sehr langsam weniger. Denn es ging erstmal recht gemütlich und sanft bergauf – bis kurz nach Kilometer 7. Da knickt die Strecke ab und wendet sich dem Endspurt auf die Platte zu. Und da hängt noch ein nettes Schild: „Jetzt geht’s los”. Losgeht nämlich die so genannte Rodelbahn: Unter der Stromleitung senkrecht den Hang hoch. Zum Glück war es nicht übermäßig rutschig (die Strecke war auch sonst fast ganz trocken, das war in den letzten Jahren wohl auch schon anders, mit Schnee und Eis und so …). Die erste Hälfte bin ich noch gelaufen, dann aber doch ins schnelle Gehen übergegangen. Das ist bei dem Stück, wie ich bald merkte, auch sinnvoller. Denn selbst gehend hab’ ich noch zwei unverdrossen den Steilhang hinauflaufende Mitkämpfer überholt. Oben angekommen, geht es dann noch die letzten Meter bis auf die Kuppe der Platte – für mich das schlimmste Stück, weil nach solchen Steilhängen mein Kreislauf immer erst einmal kräftig einsackt. So keuchte ich dann noch schnell ins Ziel nach 8,2 km und ca. 450 Höhenmetern, wo ich selbstverständlich völlig vergaß, meine Stoppuhr anzuhalten. Nun ja, dafür gibt es ja die offizielle Zeitmessung: 46:59. Mein Ziel war es, möglichst weit unter 50 Minuten zu bleiben – das hat ja ganz gut hingehauen. Und ganz bescheiden muss ich sagen: Ich hätte durchaus schneller sein können – wenn ich die Strecke besser im Kopf gehabt hätte und meiner Form mehr getraut hätte. Aber überhaupt scheinen so „kurze” Strecken im Moment nicht so das richtige für mich zu sein … Aber es war ein wunderbarer Lauf bei herrlichem Wetter.
eigentlich stehe ich unternehmungen, die die signatur „rainald goetz” tragen, ja sehr aufgeschlossen und positiv gegenüber. „abfall für alle”, sein erstes großes internetprojekt – mit dem er ja auch der zeit eher voraus war – hat mich begeistert (übrigens auch noch als buch!).
aber sein neuestes projekt, der bei vanity fair untergeschlüpfte „klage“-blog lässt mich etwas ratlos zurück. schon warum er ausgerechnet bei vanity fair untergeschlüpft ist, verstehe ich nicht ganz (aber na gut, auch ein rainald goetz muss von irgend etwas leben).
dort präsentiert er also: erratische texte, deren zusammenhang für mich noch völlig offen ist. das wird jetzt ja auch offiziell ein blog genannt. manchmal scheint es mir, als versuche er verzweifelt, sich von „normalen” bloggern abzusetzen. mal sehen, was da noch bei herauskommt. immerhin, da schlägt der echte goetz eben unbedingt durch (zum glück, möchte ich sagen), verortet er sich eindeutig auf der seite des textes – ganz allgemein und auch im medium internet (wie sich hier nachlesen lässt)
ein klarer sieg nach punkten für die intelligenz:
hier sieht man sehr schön, was passiert, wenn ali g mal auf echte intelligenz trifft: er läuft total ins leere. und das ist doch auch mal ganz nett anzusehen …
gefunden dank den hard bloggin’ scientists
ulrich weinzierl behauptet, „skizzen” zum „bild“ hugo von hofmannsthal geschrieben zu haben. meine überzeugung nach der lektüre: das sind nur studien zum hintergrund des porträts. und ein bild ohne seinen gegenstand ist ziemlich langweilig. dazu passt, dass er aus hofmannsthal einen schriftsteller ohne werk macht. literarisches kommt in diesem rundgang durch hofmannsthals epistolographisches werk nämlich so gut wie gar nicht vor.
dafür hat weinzierl alles an briefen und zeugnissen gelesen, was es zu hofmannsthal gibt, und auch ganz fleißig exzerpiert. und dann hat er seinen zettelkasten abgeschrieben. bezeichnend für diese arbeitsweise ist das freunde-kapitel, zugleich der hauptteil der nicht gerade umfangreichen studie: dort erfährt man im endeffekt mehr über die freunde als über den eigentlichen gegenstand, hugo von hofmannsthal. so entstehen knapp 230 seiten, dafür aber fast 1000 fußnoten, die ausschließlich zitatnachweise bieten (mit ausnahme einer quelle hat der autor nämlich alles in die endnoten gepackt).
das wesentliche fehlt aber. hofmannsthal bleibt blass: kein mensch wird hier beschrieben, keine person – nur äußerungen werden referiert. noch nicht einmal einen minimalen biographischen abriss leistet sich weinzierl – für wen ist das buch denn dann eigentlich gedacht? denn seiner ansicht nach gibt es ja überhaupt gar keine taugliche biographie des autors. auch weder die epoche wird eingehend charakterisiert noch der mensch. gut, in bezug auf die epoche gibt es immerhin ansätze – was das gesellschaftliche leben angeht vor allem, in hinblick auf politische oder gar kulturelle zusammenhänge gibt sich weinzierl bedeckt.
die forschung bleibt immer anonym, mit formulierungen wie „neueste forschungen” mogelt sich weinzierl da durch. andere biographien oder deren versuche hat er kaum zur kenntnis genommen bzw. kaum verwertet. zumindest spiegelt der text keinerlei auseinandersetzung wider. seine eigenen urteile erscheinen mir – der ich kein experte auf diesem gebiet bin – dann immer etwas freischwebend, sozusagen feuilletonistisch: pointiert bis ins extrem, aber ohne wirklich sachhaltige nachweise oder belege. dafür mokiert sich weinzierl ausgesprochen gern über jeden einzelnen schreibfehler in den briefen, besonders wenn er den absender in seinem verhältnis zu hofmannsthal sowieso negativ zeichnen will.
seltsam und befremdlich fand ich auch seine marotte, zwischen homophilie, homoerotik und homosexualität beliebig hin- und herzuwechseln – je nach bedarf. eigentlich erscheint mir ja schon die gern gebrauchte wendung der homoerotik als halbe korinthenkackerei und augenwischerei, wird sie doch in der regel – insbesondere bei thomas mann – gebraucht, um eine nicht praktizierte, nicht offen und umfassend ausgelebte homosexualität zu beschreiben. das mag ja noch angehen, aber dann noch eine homophilie – die, wenn ich das richtig sehe, vor allem eine jugendliche schwärmerei sein soll – zu konstruieren, ist doch irgendwie lächerlich: entweder geht es um eine (sexuelle) orientierung oder um freundschaft.
insgesamt hinterlässt mich weinzierl zutiefst unbefriedigt: die rätselhaftigkeit, das sprunghafte wesen hofmannsthal, wie es sich gerade in der Pflege (oder Zerstörung) seiner Freundschaft zeigt, den zahlreichen brüskierungen ebenso wie den flehenden bitten um vergebung, lassen weinzierl (und damit seine leser auch) ausgesprochen ratlos zurück. viel mehr als bloßes referieren leistet er da, wo es um das eigentlich der biographie, die erforschung des charakters, gehen sollte, nicht. dafür zieht er sich, je weiter er im text fortschreitet, immer mehr auf ein äußerst simplizistisches erklärungsmodell zurück: hofmannsthal war halt ein genie und hat entsprechend unerklärlich gehandelt. das gipfelt dann in solch absurden und idiotischen sätzen wie diesem: „hat hugo von hofmannsthal seine frau seelisch mißhandelt? keineswegs mehr, als jedes andere genie das eben tut.” (210) mehr braucht man dazu wirklich nicht sagen.
ulrich weinzierl: hofmannsthal. skizzen zu seinem bild. darmstadt: wissenschaftliche buchgesellschaft 2006 (wien: zsolnay 2005).
bingen – mainz: das sind genau diese 31,17 km. für mich sind das 2:41:03 laufen – laufen, laufen, laufen ohne ende. naja, zwei kleine pausen gab es schon, zum pinkeln in der nähe von budenheim und dann leider ein ampelstopp in mainz. da war so etwas nämlich schon etwas schmerzhaft. aber der reihe nach. zuerst die karte mit route:
und jetzt der text: ich bin mit dem zug nach bingen gefahren – 30 minuten, fährt jede stunde, einfacher geht es kaum. in bingen-stadt bin ich dann losgezogen: immer direkt am rhein entlang (also nicht den ausgeschilderten fahrradweg, den hatte ich nur sehr kurzzeitig), den wirtschaftsweg des wasser-dingsbums-amtes. der hat den vorteil, nicht gepflastert oder geteert zu sein. heute war er allerdings stellenweise auch etwas matschig. und an einer stelle von baumfällarbeitern blockiert (gesperrt war natürlich nur die andere richtung …), aber über den deich konnte ich mich gerade noch so durchschlängeln. an zwei oder drei stellen lagen auch noch bäume auf dem weg, aber irgendwie kam man immer vorbei. mein plan war, möglichst konstant zwischen 5er und 5:30er schnitt zu bleiben. und wenn ich mir die aufzeichnung meiner timex so anschaue, hat das (von wenigen ausreißern abgesehen), auch ganz gut geklappt. am auffälligsten ist noch, dass die varianz auf den letzten kilometern doch etwas größer wurde. gemerkt hab’ ich das beim laufen nicht so sehr.
so lief ich denn also am rhein entlang, immer schön im traben bleiben. pausen hab’ ich keine gemacht, das liegt mir nicht so, danach komme ich meist nur schlecht wieder in den rhythmus. ich hatte meinen camelbak dabei, der vor allem auf den letzten kilometern, so ab der 20er marke, immer schneller leer wurde, aber gut gereicht hat. meine power-bars habe ich lange in der tasche gelassen (waren ja auch nur als notverpflegung dabei), beim mombacher kreisel habe ich dann aber doch den banane-riegel mal angeknappert. das ging aber gar nicht gut, der war von der kälte (so ca. 5–6° C, manchmal auch kälter gefühlt) dermaßen hart. aber er hat sowieso schnell sehr eklig geschmeckt, das meiste ist im mülleimer gelandet. aber gegen das flaue gefühl im magen hat er immerhin geholfen.
zum glück hatte ich doch langes shirt und jacke angezogen. das erschien mir beim bahnfahren zwar etwas warm, auf der strecke war es aber angenehm – ok, in’s schwitzen bin ich doch recht ordentlich gekommen, aber viel weniger hätte ich nicht gerne anhaben mögen.
tja, und wie lief’s? überraschend problemlos. bis km 20 keine besonderen vorkommnisse (außer das mir die ersten 10 sehr lange vorkamen). so gegen km 25 fingen sich die beine dann schon an, bemerkbar zu machen. und die letzten zwei bis drei kilometer auf der rheinallee haben dann noch ein bisschen weh getan. interessanterweise waren es vor allem die oberschenkel (innen und außen, weniger die vorderseiten), die mir leichten kummer bereiteten. gut, die waden waren danach natürlich auch ordentlich verkürzt, dehnen ging überhaupt nicht gut, haben auch gar nicht geschmerzt. diese muskeln scheinen das laufen inzwischen doch geübt zu sein. wohingegen die oberschenkel bei mir sonst, bei den kurzen oder mittellangen läufen gerade in mainz, ohne jeden berg, nicht besonders gefordert werden. wahrscheinlich lag es daran, dass sie – zusammen mit den zwischenzeitlich etwas nervenden knöcheln (aber das ist bei mir eigentlich bisher bei jedem längeren lauf so gewesen) die haupt-beschwerdestelle waren. insgesamt war ich aber selbst überrascht, wie gut das alles lief, wie spät ich überhaupt erst ermüdungserscheinungen bemerkte. die trepppen in meine wohnung im vierten stock waren natürlich die letzte qual – aber das kenne ich ja schon …
und so nebenbei: gewundert hat mich, wie wenig läufer auf der strecke unterwegs waren. auch in der nähe der orte, wo die hundebesitzer massiv auftraten – kein einziger läufer. erst in mainz, beim zollhafen, habe ich zwei oder drei sichten können. allerdings waren auch die radfahrer kaum vertreten – fastnachtdienstag nachmittag ist wohl für die meisten alkohlabbau und nicht sport angesagt.
heute ist es mir zum ersten mal so richtig aufgefallen: rosenmontag in mainz erinnert mich immer ein wenig an krieg. oder besser gesagt daran, wie ich mir den kriegszustand in einer stadt vorstelle (natürlich, das sei gleich gesagt, ist das tatsächliche geschehen selbst in mainz unvergleich harmlos im kontrast zu einem echten krieg). wie ich darauf komme? es sind die umstände:
- die geschäfte sind (fast) alle geschlossen, wer wertvolleres im schaufenster hat, hat auch die glasscheiben mit holz- und spanplatten geschützt.
- über der stadt kreisen fast den ganzen tag die hubschrauber.
- man traut sich als zivilist kaum auf die straße – nicht nur wegen der v.a. nachmittags fast durchweg mehr oder minder alkoholosierten menschen. sondern auch wegen des zustandes der straßen – gehen ist nur mit festem schuhwerk möglich, seltsame, unidentifizierbare substanzen bedecken asphalt und pflaster. überall dreck, schutt, glasscherben – die reste der zivilisation sozusagen.
- es stinkt: mainz riecht selten so schlecht – kein wunder, die ganzen flüssigkeiten müssen ja auch irgendwo wieder heraus.
- außerdem: wer nicht uniformiert ist, fällt auf – und wird entsprechend behandelt.
- polizei und hilfsdienste, rettungskräfte überall: normale (verkehrs-)regeln sind aufgehoben. die „truppen” versuchen, das chaos zu bändigen: sirenen heulen immer wieder auf. an jedem halbwegs geeigneten platz sind not- und behelfslazarette aufgebaut.
- die freischärler-gruppen – aus dem umzug entlassen, aber ohne heimat und sinnvoller aufgabe ziehen sie lärmend und krakeelend durch die straßen.
- „normale” menschen sind entweder geflüchtet (wie ich das sonst auch zu tun pflegte – dieses jahr muss ich leider arbeiten) oder bleiben den tag über zuhause – auf der straße sind zivilisten kaum zu sehen. und die wenigen drücken sich möglichst unauffällig und schnell vorüberhuschend an den besatzungstruppen vorüber
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