»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

in der esg-kir­che geschah es – ein schö­ner abend, mit eini­gen lie­dern von den schreib­ti­schen der main­zer komponisten …

Das Lied und die Roman­tik sind untrenn­bar ver­bun­den. Im 20. Jahr­hun­dert wur­de es des­halb auch ziem­lich ver­nach­läs­sigt. Aber nicht so in Mainz: Wie sich beim Kon­zert zum Semes­ter­be­ginn der Hoch­schu­le für Musik zeig­te, gibt es bei den Ton­set­zern unter den Dozen­ten gleich meh­re­re Lied­kom­po­nis­ten, die auch vor ein wenig Roman­tik nicht scheu­en. Zu den jün­ge­ren unter ihnen gehört Tobi­as Rokahr. Der hat für den Abend in der ESG-Kir­che zwei Mal drei Lie­der bei­gesteu­ert. Bereits etwas älter und noch sehr jugend­lich geprägt sind sei­ne Höl­der­lin-Gesän­ge. Vor allem sind sie aber zutiefst roman­tisch geprägt: Weit­schwei­fig geben sie dem über­mü­tig stür­men­den Drang des emp­fin­den­den Her­zens unge­zähm­ten Aus­druck. Der Bari­ton Kyoung-Suk Baek hat­te aller­dings ab und an Mühe, sich gegen die über­bor­den­de Fül­le des Kla­vier­sat­zes zu behaup­ten, der Micha­el Staudt viel Raum gab. Wesent­lich kar­ge­res Mate­ri­al nutz­te Rokahr bei der Ver­to­nung drei­er Gedich­te von Rei­ner Kun­ze. Mit sei­ner Vor­lie­be für dicht gesetz­te Akkor­de und weit aus­ho­len­de Melo­dien mar­kiert er immer wie­der ein­zel­ne Wor­te in den ohne­hin sehr knap­pen Gedich­ten. Und Johan­na Ross­kopp ließ sich auch von den Span­nun­gen zwi­schen ihrem Part und der Kla­vier­be­glei­tung nicht irri­tie­ren, son­dern behaup­te­te mit ihrem mar­kan­ten Sopran die Vor­macht des Wortes. 
Unter der vie­len neu­en Musik gab es auch eine Urauf­füh­rung: Die drei Lie­der nach Gedich­ten von Ulla Hahn von Jür­gen Blu­me. Auch ihnen sind roman­ti­sche Gefüh­le und berüh­ren­de Klän­ge über­haupt nicht fremd. Nicht nur die schon fast fle­hen­de Bit­ten im „Win­ter­re­gen“ mit sei­ner aus weni­gen Ele­men­ten geschickt und aus­drucks­stark auf­ge­bau­ten Kla­vier­be­glei­tung, auch die weit aus­ho­len­de Dra­ma­tik und der hohe Ton von „Selig sind die War­ten­den“ ver­hehl­ten ihre Her­kunft kein biss­chen. Johan­na Ross­kopp sang das sehr bestimmt und mit der ange­mes­se­nen Mischung aus Ernst­haf­tig­keit und Mitgefühl.
Nur ein Kom­po­nist brach die Serie: Lutz Drey­er. Anne Shih wir­bel­te durch sein „Capric­cio über FD“ – ein ech­tes Kunst­stück vol­ler spru­deln­der Ein­fäl­le und rast­los durch­ein­an­der jagen­den Spiel mit Erwar­tun­gen und Einfällen. 
Und das pass­te dann auch zum ande­ren grö­ße­ren Instru­men­tal­stück: Dem Blä­ser­quin­tett „… aus den Fugen …“ von Jür­gen Blu­me, das in weni­gen Minu­ten schnell mal alle Fugen­the­men aus Bachs Wohl­tem­pe­rier­tem Kla­vier über­ein­an­der und inein­an­der­türmt, die Musi­ker der Main­zer Blä­ser­so­lis­ten auch noch zu ihren eige­nen Kom­men­ta­to­ren wer­den lässt und über­haupt eine Men­ge Spaß macht. Und so ganz neben­bei auch noch den Beweis erbringt, dass erns­te Musik auch ganz unkom­pli­ziert und hei­ter erfreu­en kann.

das bot das sieb­te sin­fo­nie­kon­zert im main­zer staats­thea­ter. und so sah mei­ne reak­ti­on aus:

Kar­frei­tag und Ostern in einem – das Thea­ter macht’s mög­lich. Die Musik des sieb­ten Sin­fo­nie­kon­zerts dreh­te sich ganz und gar um die Säku­la­ri­sie­rung des­sen, was die Kir­che an die­sen Tagen fei­ert. Frei­lich mit einer klei­nen, aber bedeut­sa­men Ver­schie­bung: Statt um Opfer, Tod und Erlö­sung ging es hier um Tod und Ver­klä­rung, um mys­ti­sche Meta­mor­pho­sen. Wie das funk­tio­nie­ren soll, mach­te schon der kur­ze Auf­takt mit Samu­el Bar­bers „Muta­ti­ons from Bach“ deut­lich: Der Cho­ral „Chris­te, du Lamm Got­tes“ wird recht umstands­los aus dem reli­giö­sen Umfeld in die Sphä­re der mehr oder min­der rei­nen Kunst über­führt. Übrig bleibt dann in den getra­gen vari­ier­ten Ver­sio­nen des Cho­rals eine mys­tisch erha­be­ne Fei­er des Gefühls der Erhö­hung. Und die zele­brier­te der est­ni­sche Diri­gent Tonu Kal­jus­te mit den Blech­blä­sern des Phil­har­mo­ni­schen Staats­or­ches­ter ganz vor­treff­lich mit aske­ti­scher Stren­ge und schar­fer Prä­zi­si­on. Auch bei den nächs­ten Meta­mor­pho­sen, „…durch einen Spie­gel …“ von Joo­nas Kok­ko­nen, drang der Gast­di­ri­gent im Main­zer Thea­ter vor allem auf Ord­nung. So ver­lieh er die­ser Musik eine ganz aus­drück­li­che Klar­heit – und das war sehr geschickt. Denn dadurch blieb die wie­der­um um mys­ti­sche Ver­klä­rung bemüh­te Medi­ta­ti­on – dies­mal aus­schließ­lich für die Strei­cher – über ein Wort aus dem Korin­ther­brief frei von Belie­big­keit. Im Gegen­teil, gera­de im Schluss sprach die­se sonst gern mys­te­ri­ös erschei­nen­de Musik mit größ­ter Gewiss­heit: Empha­tisch und groß­ar­tig behaup­te­te sie nach den fühl­ba­ren Mühen der Suche den Augen­blick der Erkenntnis.
So tas­te­te sich Tonu Kal­jus­te in Mainz an das Zen­trum sei­nes Kon­zer­tes immer näher her­an. Denn nach der Pau­se ging es, durch die vie­len Ver­wand­lun­gen bes­tens vor­be­rei­tet, mit gro­ßem Spek­ta­kel und unter Auf­bie­tung aller orches­tra­len Kräf­te hin­ein in Arvo Pärts „Como cier­va sedien­ta“ – eine Sopran­kan­ta­te mit Tex­ten aus dem 42. und 43. Psalm. Der wird aller­dings von dem est­ni­schen Groß­kom­po­nis­ten in alt­spa­nisch ver­tont – der Text an sich ist ihm also offen­bar nicht so wich­tig. Das ist scha­de, denn Ker­rie Shepp­ard war ein­fach groß­ar­tig anzu­hö­ren. Mit Bestimmt­heit ließ sie immer wie­der leich­te Trau­er und Ver­zweif­lung mit­schwin­gen. Und auch Kal­jus­te steu­er­te sei­nen Teil zum Gelin­gen bei: Ihm war es vor allem zu ver­dan­ken, dass sich die oft­mals wild zer­klüf­te­ten Tei­le die­ser Par­ti­tur zu einem aus­drucks­star­ken, viel­schich­ti­gem Klang­bild form­ten. Den von der reduk­tio­nis­ti­schen Stren­ge des frü­he­ren Pärt-Stils ist in die­sem über­bor­den­dem Phan­tas­ma nur noch wenig zu spü­ren. Genau das Rich­ti­ge, um das Main­zer Orches­ter mal wie­der zu prä­zi­sem und far­ben­rei­chen Spiel zu animieren.

die vias und die deutsche sprache

ja, das scheint eine schwie­ri­ge bezie­hung zu sein … anders kann ich mir ein sol­ches schild, wie es mas­sen­haft in den neu­en zügen klebt, nicht erklären:

verschmutzung in der vias

irgend­wie erfüllt das schild sei­ne funk­ti­on nicht rich­tig. ich muss­te jeden­falls eine wei­le über­le­gen, bis mir klar war, wie das gedacht war (was es bewir­ken soll, war mir natür­lich schon klar …) abge­se­hen von der untaug­li­chen gestal­tung ist durch den arg ver­un­glück­ten satz doch aus­ge­spro­chen unklar, woge­gen sich die „zuwi­der­hand­lung” denn nun genau richtet.

sylvie courvoisier: lonelyville

lonely­ville heißt das neu­es­te album der schwei­zer pia­nis­tin syl­vie cour­voi­ser. aber ein­sam ist es über­haupt nicht. im gegen­teil, die­se cd ist geprägt von einer unheim­lich durch­drin­gen­den kom­mu­ni­ka­ti­on des quin­tetts. lau­ter aus­ge­spro­chen viel­sei­ti­ge, klang­phan­ta­sie-begab­te musi­ker sind betei­ligt: syl­vie cour­voi­sier natür­lich, mark feld­man mit vio­li­ne auch so ein urge­stein und über­flie­ger, der irgend­wie alles kann. dann ist noch dabei und auf die­ser auf­nah­me ganz und gar unver­zicht­bar: ikue mori mit ver­hal­te­nen elec­tro­nics, die lücken per­fekt aus­fül­len und über­lei­tun­gen gene­rie­ren wie kaum sonst jemand. außer­dem noch gerald clea­ver am schlag­zeug, der bleibt auf­fal­lend zurück­hal­tend – lan­ge pas­sa­gen des schwei­gens, dann sehr zart und lei­se spie­le­risch tum­melnd. und schließ­lich noch der cel­list vin­cent cour­tois, der das gan­ze­als bin­de­glied zwi­schen vio­li­ne und schlag­werk, grun­die­rend, ohne im bass-kel­ler zu ver­schwin­den, auch ein­grei­fend, nicht nur fun­da­men­te bau­end, ergänzt. 

der ers­te track, „tex­turo­lo­gie” beginnt mit einem lang­sa­men ein­schlei­chen und scheint sehr weit­ge­hend kom­po­niert. ein ele­gi­sches vio­lin-solo mit leich­ten pia­no-ein­wür­fen mar­kiert den ers­ten teil. aber dann legen die fünf so rich­tig los: sie über­wäl­ti­gen den hörer, ohne ihn zu über­fah­ren – die klar­heit der gedan­ken ist fas­zi­nie­rend. und der wal­ter-quin­tus-ein­fluss ist nicht zu über­hö­ren in die­ser trans­pa­renz des klang­ge­sche­hens. wun­der­bar ist auch die inte­gra­ti­on der elec­tro­nics von ikue mori – sel­ten so per­fekt ein­ge­passt erlebt, als so wun­der­ba­re atmo­sphä­ri­sche ergän­zung (leich­tes zwit­schern und plät­schern, das nie belang­los und gedan­ken­los abge­spult daher­kommt, son­dern gera­de in sei­ner feins­ten, dafür ganz unauf­fäl­li­gen gestal­tung über­zeugt). die­se musik lebt von reduk­ti­on und vom wech­sel: nicht immer alle drauf­los, son­dern sehr leben­di­ge gestal­tung durch wech­seln­de beset­zun­gen – faszinierend. 

der track 2 mit dem titel „cos­mo­ra­ma” ist wie­der ein stark kom­po­niert auf­tre­ten­der, sehr ver­dich­te­ter beginn, der sich nur sehr lang­sam auf­löst in rich­tung der mehr swin­gen­den bewe­gung, die hier stär­ker bestimm­tend ist als die atmo­sphä­ri­sche nach­denk­li­che aus­lo­tung des ers­ten tracks. aber auch hier die auf­lö­sung so weit getrie­ben, dass irgend­wann die her­kunft der klän­ge voll­kom­men ver­schlei­ert wird: ist das im kla­vier, auf der gei­ge, dem cel­lo oder doch elek­tro­nisch ent­stan­den? aber genau das ist ja voll­kom­men egal – es passt ein­fach perfekt.

der drit­te track, „con­tras­te 2005“, zeigt sich dann viel stär­ker frag­men­tiert, stark epi­so­disch struk­tu­riert, aber mit ganz gro­ßemn finale.

„lonely­ville“ schließ­lich, mit abstand das kür­zes­te stück, ver­dich­tet das ein wei­te­res mal. dump­fes grol­len und zwit­schern­des gef­ri­ckel sind die rah­men, in denen sich die geball­te ener­gie der gut sechs minu­ten ent­lädt – ohne gro­ße ruhe­punk­te, frei­lich immer noch sorg­sam struk­tu­riert und ver­liert sich im dunk­len rumpeln.

ins­ge­samt ist die cd damit stark geprägt von einer­seits cour­voi­siers kom­po­si­tio­nen, ande­rer­seits die­sem spe­zi­el­len ensem­ble und sei­nen fähig­kei­ten – was wie­der­um eng zusam­men­hängt, da die stü­cke genau für die­se grup­pie­rung von men­schen und musi­kern geschrie­ben wur­den. beson­ders auf­fal­lend sind die gewis­se nach­denk­lich­keit, kein auf­ge­setz­ter aktio­nis­mus, nichts vor­der­grün­di­ges, kein fal­scher, unehr­li­cher ton – auch wenn es hang zur melan­cho­lie hat: wun­der­ba­re musik – ganz typisch für intakt mal wieder.

syl­vie cour­voi­sier: lonely­ville. intakt 2007.

floating around (and around and around …)

nach der gest­ri­gen hör­pro­be (jochen bal­des sub­no­der, the moholo songs) liegt heu­te gleich die nächs­te, dies­mal ganz fri­sche cd nr. 17 aus der jazzt­hing-rei­he „next gene­ra­ti­on“ im cd-play­er: floa­ting around von tim rodig 5. und im grun­de gilt dafür genau das, was ich ges­tern auch schon geschrie­ben habe: lang­wei­lig, aber dafür gut gemacht. ok, das fließt alles schön – aber eben immer nur im kreis her­um. ziel oder rich­tung? – fehl­an­zei­ge, das führt nir­gends­wo hin. und es scheint den musi­kern auch kein bedürf­nis zu sein, irgend­et­was zu errei­chen, eine ver­än­de­rung zu bewir­ken. letzt­lich ist das kein jazz mehr, son­dern nur eine ande­re form von easy lis­tening. was das soll? kei­ne ahnung, da bin ich immer noch genau­so rat­los wie ges­tern … auf­ge­fal­len ist mir aber schon, dass die­se rei­he ger­ne quin­tet­te oder sex­tet­te bevor­zugt – immer in mehr oder min­der klas­si­scher beset­zung mit kla­vier, bass, schlag­zeug und dem rest an den blas­in­stru­men­ten. auch elek­tro­nik kommt so gut wie gar nicht vor, höchs­tens mal ein fen­der Rho­des oder so etwas … – also genau wie schon vor drei­ßig jah­ren … rei­ne klas­si­sche tri­os sind wohl zu ris­kant. und unge­wohn­te kom­bi­na­tio­nen, neue kon­stel­la­tio­nen könn­ten ja mög­li­cher­wei­se ver­stö­ren, nicht nur den hin­ter­grund, son­dern die gan­ze auf­merk­sam­keit bean­spru­chen. und das darf hier wohl nicht sein.

tim rodig 5: floa­ting around. dou­ble moon records 2007 (= jazzt­hing, next gene­ra­ti­on, vol. 17)

jochen baldes subnoder: the moholo songs

eine cd aus der rei­he jazzt­hing-next gene­ra­ti­on, die sech­zehn­te, um genau zu sein. und wie­der ein­mal typisch für die rei­he, ihr pro­fil, und den grund, wes­halb ich sie nicht abon­niert habe. das ist, das muss man umbe­dingt zuge­ben, immer alles aus­ge­spro­chen pro­fes­sio­nell gemach­te musik: gekonnt kom­po­niert, arran­giert, gespielt und auf­ge­nom­men. von die­ser sei­te gibt es also nichts zu meckern. aber das ent­schei­den­de ist eben immer noch, was da eigent­lich so pro­fes­sio­nell ver­an­stal­tet wird. und das ist, ehr­lich gesagt, aus­ge­spro­chen lang­wei­lig. im ein­zel­fall genau­so wie im gesam­ten. denn immer wie­der gibt es klas­si­schen modern-jazz, aus­ge­spro­chen zeit­los, harm­los, nett anzu­hö­ren – aber nicht mehr. was dar­an jung ist – kei­ne ahnung. war­um sol­che musik und ihre her­stel­ler eine zukunft haben soll – kei­ne ahnung. sie haben ja noch nicht ein­mal eine gegen­wart. denn im eigent­li­chen sin­ne ist zeit­los für jazz viel­leicht noch mehr als für jede kunst ein schimpf­wort, eine abgrund­tie­fe ver­dam­mung. denn, und das ist eben – neben der gäh­nen­den lan­ge­wei­le, die mich beim hören immer wie­der über­fällt -, mein haupt­pro­blem mit jochen bal­des’ ensem­ble und deren musik: das hat mit mir und mit der heu­ti­gen zeit (in ihrer gesamt­heit) irgend­wie gar nix zu tun. dass er sei­ne cd auch nach dem free-jazz-schlag­zeu­ger lou­is moholo benannt hat, leuch­tet mir eben­falls über­haupt nicht ein. denn free ist hier eigent­lich nichts. das bes­te an die­ser cd ist zwei­fel­los ihre klang­ge­stalt – klang­lich haben die jungs (war­um über­rascht es mich über­haupt nicht, das wie­der­ein­mal kei­ne frau invol­viert ist? [ich glau­be, eine chau­vi­nis­ti­sche­re und mehr männ­lich domi­nier­te kunst als den jazz gibt es gar nicht mehr …]) eini­ges zu bie­ten, da fin­den sich schö­ne kon­stel­la­tio­nen. und um nicht zu abwei­send und bes­ser­wis­se­risch zu schei­nen: schlecht ist das alles nicht. nur nicht beson­ders span­nend. und lei­der sagen sie halt über­haupt nichts aus und sind damit mehr oder weni­ger wert­los, blo­ßes übungs­ge­du­del, vor­ar­bei­ten oder was auch immer. wem’s gefällt, der kann mein exem­plar bei dis­kloo­ker kau­fen …

jochen bal­des sub­no­der: the moholo songs. dou­ble moon records 2006 (= jazzt­hing, next gene­ra­ti­on, vol. 16)

heute war so ein herrliches laufwetter …

… da muss­te ich ein­fach lau­fen. und da es drau­ßen so herr­lich war (ca. 15 °C, kei­ne wol­ke am him­mel, leich­ter bis mitt­le­rer wind), bin ich etwas län­ger gelau­fen als ich eigent­lich geplant hat­te. es wur­den dann fast 27 km (laut gmap-pedo­me­ter, wo man sich die stre­cke auch anschau­en kann (mein gps hat­te ich näm­lich nicht dabei)). denn kurz ent­schlos­sen bin ich ein­fach immer wei­ter am rhein ent­lang gerannt, bis ich in nacken­heim ange­langt war (dort, wo wir ges­tern mit­tags­pau­se mach­ten). da reich­te es mir dann doch und ich bin gera­de­wegs umge­kehrt und den sel­ben weg zurück. der kam mir zunächst viel kür­zer vor. doch ab der wei­sen­au­er auto­bahn­brü­cke wur­de es dann ziem­lich plötz­lich aus­ge­spro­chen anstren­gend. die let­zen kilo­me­ter ab dem win­ter­ha­fen sogar rich­tig schwer. wahr­schein­lich lag das vor allem dar­an, dass ich wie­der ein­mal recht schnell unter­wegs war: 2:17:02 habe ich für die gesam­te stre­cke gebraucht – ein schnitt von ca. 5:10 und damit eigent­lich zu schnell. aber es hat, bis kurz vor schluss, ein­fach so viel spaß gemacht, dass ich mich kaum brem­sen konn­te. denn der weg ist eigent­lich sehr schön. nur lei­der lie­gen da immer noch sehr vie­le gefäll­te bäu­me. mehr­mals war der weg des­halb offi­zi­ell gesperrt, was aber offen­bar nie­mand küm­mert. denn um die absperr­git­ter und um die auf dem weg lie­gen­den bäu­me waren bereits rich­ti­ge klei­ne tram­pel­pfa­de. gegen ende merk­te ich dann auch die spon­ta­nei­tät ziem­lich: aus­ge­trock­net und aus­ge­hun­gert kam ich zuhau­se an und benö­tig­te eine wei­le, bis ich wie­der halb­wegs fit war.

es ist angepaddelt.

ja, tat­säch­lich, es ist schon wie­der so weit. pünkt­lich zum früh­jahrs­an­fang und der zeit­um­stel­lung hat heu­te das ofi­zi­el­le anpad­deln des main­zer kanu-ver­eins und des kanu­ver­bands rhein­hes­sen statt­ge­fun­den: von gun­ters­blum nach mainz ging es. und es war zum glück auch ein schö­ner tag. der regen hat­te glück­li­cher­wei­se in der nacht auf­ge­hört, ab und an kam sogar die son­ne her­aus. der wind blies zwar recht ordent­lich, aber das macht ja nix – dafür gibt es ja pad­del­ja­cken. ich war – zum ers­ten mal in mei­nem leben – im 7er kana­di­er unter­wegs. ganz inter­es­sant, so ein pott – erstaun­lich, wie flüs­sig und doch recht leicht sich so ein schiff bewe­gen und steu­ern lässt. aber so ein einer-kajak ist mir doch ange­neh­mer. sehr sport­lich waren wir damit aber auch nicht unter­wegs. zunächst hieß es zwar früh auf­ste­hen – der zug ver­ließ mainz bereits um 7.52 uhr – aber dann pas­sier­te eigent­lich erst ein­mal recht wenig. in gun­ters­blum muss­ten wir natür­lich noch vom bahn­hof zum rhein kom­men, das meis­te davon sind wir gelau­fen. dann gab es erst ein­mal früh­stück – eine recht lang­wie­ri­ge sache. um punkt 10.30 uhr – und auch ja kei­ne minu­te frü­her – ging es dann los, den rhein hin­ab. nach knapp andert­halb stun­den waren wir bereits in nacken­heim, wo wir für die mit­tags­pau­se ein­kehr­ten. danach ging es dann auf die rest­li­chen 11 km – immer kreuz und quer über den rhein, inklu­si­ve des einen oder ande­ren kehr­was­sers und dem kur­zen sur­fen auf einer ste­hen­den wel­le. als wir über die blei­aue in den acker ein­ge­fah­ren sind, hat­ten wir noch eine kur­ze, uner­freu­lich begeg­nung mit der was­ser­po­li­zei, die plötz­lich wis­sen woll­te, dass wir nicht hät­ten in die blei­aue ein­fah­ren dür­fen, weil das schild „a1” dies uns ver­weh­ren soll­te. immer­hin konn­ten wir noch in erfah­rung brin­gen, dass „a1” das üblich „einfahrt-verboten”-schild ist. aber gese­hen hat es von uns auch kei­ner. abge­se­hen davon wuss­te auch im mkv nie­mand davon – nur von dem ver­bot der ein­fahrt für moto­ri­sier­te boo­te – aber selbst ein c7er hat halt kei­nen motor, son­dern nur sie­ben padd­ler (im unse­ren fall sogar nur sechs). nun­ja, die was­ser­po­li­zei ließ uns dann gnä­dig von dan­nen ziehen …

der winter ist doch noch gekommen!

zumin­dest ganz kurz, aber immer­hin halb­wegs kna­ckig. in erbach hat­te es don­ners­tag und frei­tag ordent­lich geschneit. es war zwar viel zu warm, es tau­te und tropf­te an allen ecken und enden. aber für einen lauf im unbe­rühr­ten schnee hat es dann ges­tern doch noch gereicht. und das war wie­der ein­mal herr­lich. ich habe mir ein­fach die trail­füch­se ange­schnallt und bin den buch­wald­s­kopf hin­auf­ge­stürmt. da oben war dann zunächst noch ein jäger gewe­sen (natür­lich mit dem auto!), der hat aber nur den weg zu sei­nem hoch­sitz gebahnt. danach war unbe­rühr­ter, fri­scher schnee – immer­hin gut 10 zen­ti­me­ter. ok, an eini­gen stel­len, dort, wo die son­ne etwas stär­ker ein­ge­strahlt hat­te, war vom schnee nur noch der bis zum kinn sprit­zen­de matsch übrig. aber es war trotz­dem wun­der­bar, so ganz allein – unter­wegs war natür­lich auch über­haupt nie­mand – im ver­schnei­ten wald umher­zu­ren­nen. das gab es in die­sem win­ter ein­fach viel zu selten …

endlich: die rolle klappt!

nun ist die win­ter­sai­son ja (fast) vor­über, das eski­mo­tier­trai­ning im hal­len­bad been­det. und pünkt­lich im letz­ten trai­ning hab’ ich es end­lich gepackt: die eski­mo­rol­le klappt jetzt halb­wegs sicher. das heißt, eigent­lich ist es bis jetzt nur die stütz­rol­le rechts, die wirk­lich funk­tio­niert. aber das ist ja immer­hin schon ein­mal ein anfang … der größ­te witz dabei: irgend­wann hat’s ein­fach klick gemacht und es ging – ohne dass ich wüss­te, was ich wesent­lich anders gemacht habe als zuvor, wo es immer wie­der nur fast zum hoch­rol­len gereicht hat und ich immer wie­der schön zurück­ge­kippt bin. wahr­schein­lich lag’s vor allem an der posi­tio­nie­rung des pad­dels, das ich noch ein wenig näher an die was­ser­ober­flä­che gebracht habe – und das war dann die men­ge an stüt­ze, die mir vor­her ein­fach immer wie­der gefehlt hat.

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