in der esg-kir­che geschah es – ein schö­ner abend, mit eini­gen lie­dern von den schreib­ti­schen der main­zer komponisten …

Das Lied und die Roman­tik sind untrenn­bar ver­bun­den. Im 20. Jahr­hun­dert wur­de es des­halb auch ziem­lich ver­nach­läs­sigt. Aber nicht so in Mainz: Wie sich beim Kon­zert zum Semes­ter­be­ginn der Hoch­schu­le für Musik zeig­te, gibt es bei den Ton­set­zern unter den Dozen­ten gleich meh­re­re Lied­kom­po­nis­ten, die auch vor ein wenig Roman­tik nicht scheu­en. Zu den jün­ge­ren unter ihnen gehört Tobi­as Rokahr. Der hat für den Abend in der ESG-Kir­che zwei Mal drei Lie­der bei­gesteu­ert. Bereits etwas älter und noch sehr jugend­lich geprägt sind sei­ne Höl­der­lin-Gesän­ge. Vor allem sind sie aber zutiefst roman­tisch geprägt: Weit­schwei­fig geben sie dem über­mü­tig stür­men­den Drang des emp­fin­den­den Her­zens unge­zähm­ten Aus­druck. Der Bari­ton Kyoung-Suk Baek hat­te aller­dings ab und an Mühe, sich gegen die über­bor­den­de Fül­le des Kla­vier­sat­zes zu behaup­ten, der Micha­el Staudt viel Raum gab. Wesent­lich kar­ge­res Mate­ri­al nutz­te Rokahr bei der Ver­to­nung drei­er Gedich­te von Rei­ner Kun­ze. Mit sei­ner Vor­lie­be für dicht gesetz­te Akkor­de und weit aus­ho­len­de Melo­dien mar­kiert er immer wie­der ein­zel­ne Wor­te in den ohne­hin sehr knap­pen Gedich­ten. Und Johan­na Ross­kopp ließ sich auch von den Span­nun­gen zwi­schen ihrem Part und der Kla­vier­be­glei­tung nicht irri­tie­ren, son­dern behaup­te­te mit ihrem mar­kan­ten Sopran die Vor­macht des Wortes. 
Unter der vie­len neu­en Musik gab es auch eine Urauf­füh­rung: Die drei Lie­der nach Gedich­ten von Ulla Hahn von Jür­gen Blu­me. Auch ihnen sind roman­ti­sche Gefüh­le und berüh­ren­de Klän­ge über­haupt nicht fremd. Nicht nur die schon fast fle­hen­de Bit­ten im „Win­ter­re­gen“ mit sei­ner aus weni­gen Ele­men­ten geschickt und aus­drucks­stark auf­ge­bau­ten Kla­vier­be­glei­tung, auch die weit aus­ho­len­de Dra­ma­tik und der hohe Ton von „Selig sind die War­ten­den“ ver­hehl­ten ihre Her­kunft kein biss­chen. Johan­na Ross­kopp sang das sehr bestimmt und mit der ange­mes­se­nen Mischung aus Ernst­haf­tig­keit und Mitgefühl.
Nur ein Kom­po­nist brach die Serie: Lutz Drey­er. Anne Shih wir­bel­te durch sein „Capric­cio über FD“ – ein ech­tes Kunst­stück vol­ler spru­deln­der Ein­fäl­le und rast­los durch­ein­an­der jagen­den Spiel mit Erwar­tun­gen und Einfällen. 
Und das pass­te dann auch zum ande­ren grö­ße­ren Instru­men­tal­stück: Dem Blä­ser­quin­tett „… aus den Fugen …“ von Jür­gen Blu­me, das in weni­gen Minu­ten schnell mal alle Fugen­the­men aus Bachs Wohl­tem­pe­rier­tem Kla­vier über­ein­an­der und inein­an­der­türmt, die Musi­ker der Main­zer Blä­ser­so­lis­ten auch noch zu ihren eige­nen Kom­men­ta­to­ren wer­den lässt und über­haupt eine Men­ge Spaß macht. Und so ganz neben­bei auch noch den Beweis erbringt, dass erns­te Musik auch ganz unkom­pli­ziert und hei­ter erfreu­en kann.