das bot das siebte sinfoniekonzert im mainzer staatstheater. und so sah meine reaktion aus:
- Karfreitag und Ostern in einem – das Theater macht’s möglich. Die Musik des siebten Sinfoniekonzerts drehte sich ganz und gar um die Säkularisierung dessen, was die Kirche an diesen Tagen feiert. Freilich mit einer kleinen, aber bedeutsamen Verschiebung: Statt um Opfer, Tod und Erlösung ging es hier um Tod und Verklärung, um mystische Metamorphosen. Wie das funktionieren soll, machte schon der kurze Auftakt mit Samuel Barbers „Mutations from Bach“ deutlich: Der Choral „Christe, du Lamm Gottes“ wird recht umstandslos aus dem religiösen Umfeld in die Sphäre der mehr oder minder reinen Kunst überführt. Übrig bleibt dann in den getragen variierten Versionen des Chorals eine mystisch erhabene Feier des Gefühls der Erhöhung. Und die zelebrierte der estnische Dirigent Tonu Kaljuste mit den Blechbläsern des Philharmonischen Staatsorchester ganz vortrefflich mit asketischer Strenge und scharfer Präzision. Auch bei den nächsten Metamorphosen, „…durch einen Spiegel …“ von Joonas Kokkonen, drang der Gastdirigent im Mainzer Theater vor allem auf Ordnung. So verlieh er dieser Musik eine ganz ausdrückliche Klarheit – und das war sehr geschickt. Denn dadurch blieb die wiederum um mystische Verklärung bemühte Meditation – diesmal ausschließlich für die Streicher – über ein Wort aus dem Korintherbrief frei von Beliebigkeit. Im Gegenteil, gerade im Schluss sprach diese sonst gern mysteriös erscheinende Musik mit größter Gewissheit: Emphatisch und großartig behauptete sie nach den fühlbaren Mühen der Suche den Augenblick der Erkenntnis.
- So tastete sich Tonu Kaljuste in Mainz an das Zentrum seines Konzertes immer näher heran. Denn nach der Pause ging es, durch die vielen Verwandlungen bestens vorbereitet, mit großem Spektakel und unter Aufbietung aller orchestralen Kräfte hinein in Arvo Pärts „Como cierva sedienta“ – eine Soprankantate mit Texten aus dem 42. und 43. Psalm. Der wird allerdings von dem estnischen Großkomponisten in altspanisch vertont – der Text an sich ist ihm also offenbar nicht so wichtig. Das ist schade, denn Kerrie Sheppard war einfach großartig anzuhören. Mit Bestimmtheit ließ sie immer wieder leichte Trauer und Verzweiflung mitschwingen. Und auch Kaljuste steuerte seinen Teil zum Gelingen bei: Ihm war es vor allem zu verdanken, dass sich die oftmals wild zerklüfteten Teile dieser Partitur zu einem ausdrucksstarken, vielschichtigem Klangbild formten. Den von der reduktionistischen Strenge des früheren Pärt-Stils ist in diesem überbordendem Phantasma nur noch wenig zu spüren. Genau das Richtige, um das Mainzer Orchester mal wieder zu präzisem und farbenreichen Spiel zu animieren.

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