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Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

gar nicht schlecht: „ein deutsches requiem“ von brahms in michelstadt

Die Kon­kur­renz ist nicht gera­de klein. Land­auf, land­ab steht es momen­tan auf dem Pro­gramm, die CD-Rega­le quil­len über von Ein­spie­lun­gen. Und doch wagt es der Michel­städ­ter Deka­nats­kir­chen­mu­si­ker Hans-Joa­chim Dum­ei­er, „Ein deut­sches Requi­em“ von Johan­nes Brahms auf­zu­füh­ren. Das ist nie ein leich­tes Unter­fan­gen. Denn nicht nur ist die­se Trau­er­mu­sik aus­ge­spro­chen bekannt, son­dern auch noch dazu recht schwie­rig – für Chor und Orches­ter genau­so wie für die bei­den Solis­ten. Des­halb haben sich in der Michel­städ­ter katho­li­schen Kir­che die Kan­to­rei­en aus den bei­den Deka­na­ten Oden­wald und Rein­heim zu einem gro­ßen Kon­zert­chor zusam­men­ge­tan, um das Groß­werk gemein­sam zu stem­men. Und sie haben noch die Hei­del­ber­ger Kur­pfalz­phil­har­mo­nie gemie­tet sowie zwei Solis­ten enga­giert. Die Stim­mung am Toten­sonn­tag ist ent­spre­chend ange­spannt und erwar­tungs­voll: Schon früh sind die Bän­ke der katho­li­schen Kir­che St. Sebas­ti­an voll besetzt.

Und dann geht es end­lich los: Die groß­ar­ti­gen ers­ten Tak­te des deut­schen Requi­ems erklin­gen, mit den tie­fen Strei­chern schleicht sich Dum­ei­er ganz sacht und fle­xi­bel hin­ein in die Welt des deut­schen Requi­ems, in das Gebiet der Trau­er, in den Bereich von Tod und ewi­gen Leben. Ein gemäch­li­ches Tem­po schlägt er an. Und formt den ers­ten Satz damit zu einer Musik von gro­ßer Ruhe und Kraft. Mit Hin­ga­be kos­tet er gemein­sam mit den Cho­ris­ten jeden Takt voll aus – und dar­über kann es auch schon mal pas­sie­ren, dass er den Über­blick ein klei­nes biss­chen zu ver­lie­ren scheint.Das ist aller­dings weit weni­ger stö­rend als die man­geln­de Sorg­falt und das holz­schnitt­ar­ti­ge Gedu­del des Orches­ters, das sich an die­sem Tag wahr­lich nicht mit Ruhm bekle­ckert. Der zwei­te Satz erfüllt die imma­nen­te Gän­se­haut-Garan­tie wie­der­um ganz pro­blem­los. Nur scha­de, dass die Kur­pfalz­phil­har­mo­nie den Anfeue­run­gen Dum­ei­ers wie­der kaum fol­gen mag. Der gab hier näm­lich alles: Mit Faust­schlä­gen, Stö­ßen, und Haken malt, zeich­net und formt er sei­ne Klang­vor­stel­lung in die Luft. Und der Chor folgt ihm dabei wun­der­bar: Herr­li­che Kon­tras­te und kräf­ti­ge Impul­se ver­bin­den sich zu wun­der­bar geform­ten gro­ßen Bögen und schwin­gen breit im schö­nen Abschluss aus: Eine Musik vol­ler Gewiss­heit einer Zeit der Erlö­sung von Leid und Schmerz.

Auch wei­ter­hin ist es vor allem der Chor, der die beson­de­ren Akzen­te setzt. Die bei­den Solis­ten kamen da nicht so recht her­an: Peter Ares­tov sang aus­ge­spro­chen pathe­ta­isch-thea­tra­lisch – aber nie so beseelt und begeis­tert wie die Ama­teu­re. Und die etwas ange­strengt-schril­le Stim­me der Sopra­nis­tin Sig­run Haa­ser war nicht nur kaum zu ver­ste­hen, son­dern auch recht ein­di­men­sio­nal in der Klanggestaltung.

Sol­che Pro­ble­me hat­te der Chor über­haupt nicht. Die Sorg­falt der Erar­bei­tung, die vie­le Pro­ben­zeit, die ein sol­ches Groß­pro­jekt erfor­dert, wur­den von den Sän­ge­rin­nen und Sän­gern immer wie­der nicht nur in sorg­fäl­ti­ge Klän­ge, son­dern vor allem in enga­gier­ten Aus­druck umge­setzt. Bes­tes Bei­spiel dafür: Der hoch­dra­ma­tisch ange­leg­te sechs­te Satz mit den groß­ar­ti­gen Chor­pas­sa­gen, die hier schon fast höh­nisch fra­gen: „Tod, wo ist dein Sta­chel?“. Das ist ohne Zwei­fel der abso­lu­te Kul­mi­na­ti­ons­punkt an die­sem Sonn­tag­nach­mit­tag: Die unge­bro­che­ne Gewiss­heit, dass der Tod kei­nes­wegs das letz­te Wort haben wird.

(so stand es am 27.11.2007 im oden­wäl­der echo und hat eini­ge reak­tio­nen her­vor­ge­ru­fen, zu denen ich mich hier im blog noch ein­mal geäu­ßert habe)

gewagt und gewonnen: die rheinische orchesterakademie spielt webern, schubert und strauss

Es ist wie­der ein­mal ein aus­ge­spro­chen anspruchs­vol­les Pro­gramm, dass sich die Rhei­ni­sche Orches­ter­aka­de­mie Mainz (ROAM) für ihre ach­te Arbeits­pha­se vor­ge­nom­men hat­te. Wer ein Kon­zert mit Anton Weberns Pas­sa­ca­glia eröff­net, beweist zumin­dest ein­mal ordent­li­ches Selbst­ver­trau­en. Aber das Wag­nis lohnt sich, wie das Abschluss­kon­zert im Schloss zeig­te. Denn die Mischung aus for­ma­ler Kon­zen­tra­ti­on und Schwel­gen im noch spät­ro­man­ti­schen Klang gelang den jun­gen Musi­kern erstaun­lich gut. Vor allem dank der stren­gen Hand des Diri­gen­ten Manu­el Nawri blieb das Opus 1 Weberns trotz sei­ner kom­ple­xen Struk­tu­ren klar und über­schau­bar: Pure Span­nung und rei­ne Inten­si­tät – ein wirk­lich beein­dru­cken­der und ver­hei­ßungs­vol­ler Auf­takt. Und es ging auf hohem Niveau wei­ter: Mit den „Vier letz­ten Lie­dern“ von Richard Strauss führ­te der Weg ein Stück zurück in die „ech­te“ Spät­ro­man­tik. Die Orcehster­lie­der sind zwar erheb­lich spä­ter als die Pas­sa­ca­glia kom­po­niert wor­den, leben aber noch ganz aus und im Geist der spä­ten Romantik.

Die Solis­tin Bet­sy Hor­ne sang das über wei­te Pas­sa­gen sehr zurück­ge­nom­men und wun­der­bar in den Orches­ter­klang inte­griert. Nie exal­tiert, aber doch immer ange­spannt, klar fokus­siert und so natür­lich, wie solch kunst­vol­le Lie­der über­haupt noch zu sin­gen sind. Fein­sin­nig gestal­tet und sen­si­bi­li­siert für feins­te Nuan­cen: In die­ser fast über­spann­ten ner­vö­sen Emp­find­lich­keit traf sie sich genau mit dem Orches­ter. Das hat­te jetzt sei­ne Klang­dich­te und vor allem die beweg­li­che Geschmei­dig­keit noch ein­mal spür­bar gestei­gert. Alle waren aller­dings auch fest ent­schlos­sen, nicht zu über­trei­ben, der Emp­find­sam­keit nicht voll­ends nach­zu­ge­ben – das macht die­se Lie­der in ihrer sanf­te Form- und Klang­ge­bung zu wun­der­ba­ren Juwe­len des Abschie­des, die in ihren letz­ten Tönen doch noch viel Zukunft verheißen.

Die ROAM ließ die­se Ver­hei­ßung aller­dings erst ein­mal hin­ter sich und mach­te sich noch ein gutes Stück wei­ter in die Ver­gan­gen­heit auf: Zu Schu­berts vier­ter Sin­fo­nie, der „Tra­gi­schen“. Jetzt wech­sel­ten sich fei­ne Ara­bes­ken immer wie­der mit aus­ge­spro­chen mas­si­ve Klän­gen. Manu­el Nar­wi sorg­te für ein ein­fühl­sa­mes Glei­ten durch die Par­ti­tur. Selt­sam nur, dass bei­de Mit­tel­sät­ze so deut­lich abfie­len – da fehl­te schlicht zuviel inne­re Span­nung als Antriebs­fe­der. Die Eck­sät­ze dage­gen lie­fen wie am Schnür­chen: Die­se vita­le Musik spiel­te die ROAM mit hör­ba­rer Freu­de und Enthusiasmus.

Fünf Rei­hen über die gan­ze Brei­te des Haupt­schif­fes benö­ti­gen sie: Die Main­zer Dom­chö­re bie­ten für „Ein deut­sches Requi­em“ von Brahms alles auf. Und den­noch stimmt das Sprich­wort „Mas­se statt Klas­se“ sel­ten so wenig wie an die­sem Nach­mit­tag. Denn der Dom­ka­pell­meis­ter Mathi­as Breit­schaft kann bei­des ver­ei­nen: Mas­se mit gro­ßer Klasse.

Der Dom-Akus­tik mag es geschul­det sein, dass er vor allem auf die gro­ßen Bögen setzt, die weit an- und abschwel­len­den Span­nungs­ver­läu­fe. Vor allem in den Anfän­gen spen­det das nur wenig Trost, dafür aber ganz viel Trau­er: Und je tie­fer die Trau­er, des­to gewich­ti­ger ist auch die Erlö­sung im Glau­ben, die die­ses Musik ver­spricht. Eine tie­fe Ernst­haf­tig­keit und vol­le Hin­ga­be prä­gen die­ses deut­sche Requi­em. Sei­ne extre­me Expres­si­vi­tät der über­wäl­ti­gen­den Gefüh­le wird im Dom mit star­ken Kon­tras­ten beson­ders weit aus­ge­lo­tet. Scha­de nur, dass Breit­schaft dem Main­zer Kam­mer­or­ches­ter so wenig Auf­merk­sam­keit wid­met. Oder dass die Instru­men­ta­lis­ten ihn so wenig beach­ten. Jeden­falls ist das deut­sche Requi­em im Dom ganz und gar eine Chor­mu­sik – mit bloß beglei­ten­den­dem Orches­ter. Und mit zwei Solis­ten: Der Bari­ton Bert­hold Pos­se­mey­er gibt alles, setzt jedes Quänt­chen Kraft und Druck sei­ner Stim­me ein. So schafft er im drit­ten Satz eine phä­no­me­nal wuch­ti­ge Beleh­rung: Jeder Buch­sta­be ist hier deut­lich arti­ku­liert und prä­gnant geformt. Und dann ist das Gan­ze auch noch zu einer kla­ren Linie ver­bun­den, schwingt sich ganz har­mo­nisch mit dem Chor zusam­men zu neu­en Höhen auf. Sei­ne Kol­le­gin Katha­ri­na Woll­witz konn­te die­ses Niveau nicht mehr ganz errei­chen. In dem mitt­ler­wei­le emo­tio­nal sehr auf­ge­la­de­nen Kon­text blieb sie doch zu zurück­hal­tend und unschein­bar. Zumin­dest beim Brahms. Die ein­lei­ten­de Bach-Kantate“Ich hat­te viel Beküm­mer­nis“ – für die das Publi­kum aller­dings erst noch auf den Orga­nis­ten war­ten muss­te – lag ihr hör­bar mehr. Auch John Pier­ce, der kurz­fris­tig für den erkran­ten Mar­tin Erhard ein­sprang, brach­te dort sei­ne gewohn­ten Qua­li­tä­ten ins Spiel. Doch auch bei die­sem Auf­takt war der Chor, zwar noch in redu­zier­ter Beset­zung, schon ein­deu­tig die Haupt­sa­che. Die Chor­sät­ze über­zeu­gen beson­ders, weil sich die Sän­ger von Mathi­as Breit­schaft spür­bar mit­rei­ßen las­sen und die Schluss­fu­ge mit einem wahr­haft begeis­ter­ten „Alle­lu­ja“ krönten.

„Nicht der Bey­fall des gegen­wär­ti­gen Jahr­hun­derts, das wir sehen, son­dern des künf­ti­gen, das uns unsicht­bar ist, soll uns begeis­tern.” (j. g. hamann an i. kant, dezem­ber 1759 [zitiert nach ecke­hard schu­ma­cher, die iro­nie der unver­ständ­lich­kiet, 155])

lyrimail – den tag mit einem gedicht beginnen

heu­te hat lyrik­mail – über­haupt ein aus­ge­spro­chen net­ter und emp­feh­lens­wer­ter, noch dazu kos­ten­lo­ser ser­vice, den ich mit freu­den jeden tag genie­ße – mir eine gro­ße freu­de gemacht: ich durf­te den tag mit einer klei­nen por­ti­on schil­ler beginnen:

Majes­tas populi.

Majes­tät der Men­schen­na­tur! dich soll ich beim Haufen
Suchen? Bei Weni­gen nur hast du von jeher gewohnt.
Ein­zel­ne Weni­ge zäh­len, die Übri­gen alle sind blinde
Nie­ten; ihr lee­res Gewühl hül­let die Tref­fer nur ein.

„Die­se Beob­ach­tung erschüt­tert uns, wenn wir mit Ärz­ten zusam­men sind, daß sie in voll­kom­me­ner Unwis­sen­heit prak­ti­zie­ren, sagt Oeh­ler. Aber unter den Ärz­ten ist die Unwis­sen­heit eine Gewohn­heit, an die sie sich in Jahr­hun­der­ten gewöhnt haben, sagt Oeh­ler. Von Aus­nah­men abge­se­hen, sagt Oeh­ler.” (Tho­mas Bern­hard, Gehen)

„if you under­stand, you are wrong.” (jac­ques lacan, zitiert nach ecke­hard schu­ma­cher, die iro­nie der unver­ständ­lich­keit, 18)

heute ist wieder so ein tag

es war klar, dass es ein stres­si­ger tag wer­den wür­de: ab acht uhr an der uni (zu spät kom­men geht heu­te nicht, sonst bekommt man kei­nen sitz­platz mehr), nach­mit­tags dann frü­her aus der übung und direkt zum bahn­hof, um in den oden­wald zu fah­ren (was trotz lok­füh­rer-streik klap­pen soll­te), dort wie­der direkt vom bahn­hof zum auf­tritt und danach irgend­wann in der nacht nach hau­se kom­men. also war klar: lau­fen muss ich mor­gens – denn jetzt, so kurz vor dem errei­chen der 365 tage des täg­li­chen lau­fens, woll­te ich die serie nicht rei­ßen las­sen. schon gar nicht wegen so einer lap­pa­lie. also stell­te ich den wecher auf vier­tel nach sechs. gut, bis ich dann aus dem war­men bett gekro­chen und in die lauf­sa­chen geschlüpft war, war es schon halb sie­ben. und ich ver­fluch­te mich mal wie­der für die schnaps­idee mit dem unbe­ding­ten täg­li­chen lau­fen … drau­ßen war es zwar nach dämm­rig und nach der kla­ren nacht ver­dammt kalt (so 0 °C sind in mainz schon fast extrem ;-)). aber sobald ich am rhein war, wur­de es doch wie­der rich­tig schön: der son­nen­auf­gang sorg­te für herr­li­ches mor­gen­rot, dass sich ganz aus­ge­zeich­net in den blass­blau­grau­en him­mel ver­lief, in dem sich auch noch ganz male­risch ein­zel­ne ver­wisch­te wölk­chen her­um­trie­ben – ein­fach herr­lich. also immer­hin eine klei­ne ent­schä­di­gung dafür, dass ich so tap­fer war, zu die­ser unchrist­li­chen zeit mei­ne klei­ne haus­run­de zu absol­vie­ren. gemei­ner als die frü­he stun­de war aller­dings der umstand, dass mein mit­be­woh­ner sich offen­bar heu­te mor­gen nach der rück­kehr von sei­ner par­ty­tour noch ein paar eier gebra­ten hat – zumin­dest roch das so. und das ist auf lee­rem magen eine gemein­heit. nach­dem ich also schön eine gute hal­be stun­de getrabt war, gedehnt und geduscht, war es auch schon fast zeit, an die uni zu fah­ren. dort war­te­te dann die ers­te unage­neh­me über­ra­schung: die mor­gen-vor­le­sung fällt aus. na super. da ich danach sowie­so freie zeit hat­te, bin ich halt wie­der heim geti­gert. und kam immer­hin dazu, dass hier zu schrei­ben. mal sehen, wie der tag sich noch so entwickelt …

ich bin also ein „feingeistiger bewahrer“

nun ja. das meint zumin­dest das shop­o­skop von shop​pen​.com (gefun­den über die rie­sen­ma­schi­ne, aus der werk­statt der „zen­tra­len intel­li­genz agen­tur”). und schreibt dazu:

Noch gibt es sie, die guten Din­ge. Aber nur, solan­ge sich jemand küm­mert. Und die­ser jemand: das sind Sie. Denn das Alt­her­ge­brach­te liegt Ihnen am Her­zen – genau­so wie die Umwelt. Lie­ber nach­hal­tig und bewusst leben, als jeder Mode hin­ter­her ren­nen, so lau­tet Ihre Devi­se. Doch ver­ges­sen Sie dabei eins nicht: Stil und Under­state­ment. Zwar win­keln Sie nicht Ihren klei­nen Fin­ger ab, wenn Sie eine Bana­ne essen – ein kul­ti­vier­ter Kopf­mensch sind Sie aber den­noch. Nicht außen vor blei­ben soll dabei, dass Sie sich durch­aus dafür inter­es­sie­ren, was ’so ein Gerät denn kann’. Auch wenn U/​min und GB nicht ihre gro­ße Lie­be sind – an dezen­tem Tech­nik­quar­tett­wis­sen haben Sie doch Ihre Freude.

ok ok, den kar­ton strümp­fe („fal­ke geschenk­set”) oder die ray-ban-son­nen­bril­le kau­fe ich mir trotz­dem nicht … aber trotz­dem eine ganz net­te idee. und bis weih­nach­ten ist es ja auch nicht mehr lan­ge hin.

20. arque-lauf 2007: gemeinsam zum ziel

das wet­ter hat in die­sem jahr nicht so ganz mit­ge­spielt. der 20. arque-lauf von kelk­heim nach mainz war aber trotz­dem eine schö­ne sache. gut, petrus schickt unfreund­li­ches feucht-kal­tes wet­ter. aber eigent­lich war es gar nicht so sehr kalt, nur ein sehr fie­ser, schnei­den­der wind von beträcht­li­cher geschwin­dig­keit in böen, der einen dann doch zum frie­ren brach­te – vor dem start und auch unter­wegs so eini­ge male. vor allem auf den brü­cken blies der wind – natür­lich immer von vorn oder wenigs­tens schräg von vor­ne. vor hoch­heim ver­sucht die son­ne, die wol­ken bei­sei­te zu schie­ben, hat­te damit aber nur sehr momen­tan ein wenig erfolg. na ja, das ist alles nicht so schlimm – es ist schließ­lich novem­ber. und rich­tig gereg­net hat es erst, als wir auf dem main­zer dom­platz hin­ter dem ziel unse­re geträn­ke tank­ten … da wur­de es dann lei­der ziem­lich unge­müt­lich, wes­halb ich bald ab nach hau­se bin – wie vie­le ande­re auch.

die stre­cke des arque-laufs hat eine etwas selt­sa­me län­ge: 17.248 €meter = 33.735 Meter, denn ein euro­me­ter ist logi­scher­wei­se 1,95583 Meter lang. das sind 80% eines mara­thons. zum ers­ten mal gab es die­se jahr auch die mög­lich­keit, kür­ze­re teil­stre­cken zu lau­fen und ent­spre­chend spä­ter ein­zu­stei­gen. das waren dann noch 10.848 €m = 21.218 Meter (sprint l genannt), 6.948 €m = 13.590 Meter (sprint m) und 4.048 €m = 7.918 Meter (sprint s). so arg vie­le habe ich da aber nicht gese­hen. das geschah jeweils an den ver­pfle­gungs­stel­len, wo es reich­lich bana­nen, war­men tee, und bei den spä­te­ren auch cola, was­ser etc. gab. gelau­fen wer­den alle stre­cken in fes­ten grup­pen, die von pace­ma­kern in einem kilo­me­ter-schnitt von 4:30 auf­wärts in abstän­den von 30 sekun­den geführt wer­den und zeit­ver­setzt star­ten. etwas unsi­cher war ich vor­her nur, wie ich die ver­pfle­gungs­stel­len über­ste­hen wür­den. denn hier hält die grup­pe geschlos­sen an und macht sozu­sa­gen rast – aber zum glück ging es immer zügig wei­ter. und obwohl ich sonst eigent­lich lie­ber durch­lau­fe, ging das wie­der anlau­fen ohne pro­blem vonstatten.

der lauf führt von zwei start­plät­zen in kelk­heim (ich star­te­te vom sport­ge­län­de reis aus, weil der dom-shut­tle nur dort­hin fuhr) zunächst hin­un­ter in den ort, wo wir uns mit den weni­gen läu­fern der grup­pe b des ande­ren start­plat­zes ver­ei­nig­ten und dann wie­der den berg hin­auf – immer­hin ist kelk­heim schon tau­nus ;-) – sehr schön fand ich dann das stück durch den gun­del­hard-wald hin­un­ter nach hof­heim. von dort führt die stre­cke auf der stra­ße nach marx­heim (zur ers­ten ver­pfle­gungs­stel­le) und wei­ter über die a66 nach weil­bach. dann geht es noch über die a3 und nun wei­ter auf feld­we­gen ober­halb von flörs­heim vor­bei. kurz vor hoch­heim trifft die stre­cke dann auf den main (ich hat­te mir aus irgend­ei­nem grund ein­ge­bil­det, das gesche­he schon viel frü­her und die gan­ze zeit dar­auf gewar­tet) und folgt die­sem bis kurz vor die mün­dung in den rhein, biegt dort aber ab und geht durch kost­heim über die theo­dor-heuss-brü­cke nach mainz. dort haben wir die ver­spreng­ten fast­nach­ter und die paar weni­gen main­zer noch gehö­rig mit unse­ren sprech­chö­ren – „erbar­men! zu spät! die hes­se kom­me!” – ver­schreckt und sind dann mit die­sem schlacht­ruf auch über den lieb­frau­en­platz um den dom bis ins ziel auf den dom­platz gebret­tert (die letz­ten ver­su­che der pace­ma­ker, das tem­po zu dros­seln, waren zum schei­tern ver­ur­teilt – vor allem, weil sie selbst ein­fach nicht lang­sa­mer wur­den), den wir nach 2 stun­den und 47 minu­ten (rei­ne lauf­zeit, ohne die pau­sen) erreichten.

der arque-lauf hat wirk­lich eine aus­ge­spro­chen schö­ne stre­cken­füh­rung. vie­le wald- und feld­we­ge (die in deutsch­land ja dum­mer­wei­se fast alle asphal­tiert sind), er führt durch die aus­läu­fer des tau­nus und die wein­ber­ge am main (und knapp vor­bei am tor zum rhein­gau). bei schö­nem wet­ter ist das bestimmt eine herr­li­che tour. wir wur­den dabei fast stän­dig von poli­zei und kran­ken­wa­gen (der lei­der auch ein­mal zum ein­satz kam) beglei­tet, die für einen wirk­lich rei­bungs­lo­sen ablauf sorg­ten – so müss­te man immer lau­fen kön­nen: die auto­fah­rer müs­sen war­ten, bis man über die kreu­zung ist und man hat die gan­ze stra­ße für sich allein.

und es gibt hier gute tem­po­ma­cher: klei­ne schwan­kun­gen sind natür­lich dabei, aber alles in allem fand ich das vor­ge­ge­be­ne tem­po ange­nehm kon­stant und auch an den auf- und abstie­gen gut zu lau­fen. sehr schön, das lau­fen mit tem­po­mat – auch eine neue erfah­rung für mich. mei­ne beden­ken, ob ein 5er-schnitt auf die­ser stre­cke nicht zu schnell sei, waren da bald ver­flo­gen. gut, die ers­ten kilo­me­ter lie­fen noch etwas holp­rig – ich war halt wie­der zu faul, mich ein­zu­lau­fen. um kilo­me­ter 22–25 etwa ging’s auch mal etwas zäher. aber danach lief es wie­der ganz und gar pro­blem­los. denn ganz aus­ge­powert war ich jetzt immer nicht – woh­lig erschöpft schon … die grup­pe ist auch erstaun­lich gut zusam­men geblie­ben – das hät­te ich nicht so erwar­tet. erst recht spät zog sie sich etwas aus­ein­an­der. und ich muss sagen, mit so einem vor­ge­ge­be­nen tem­po und in der grup­pe läuft es sich doch aus­ge­spro­chen ange­nehm und leicht. das tem­po war nie ein pro­blem für mich – obwohl ich mir auf der län­ge im moment nicht so beson­ders viel mehr zutraue. den 4:49er-schnitt, den mir mein trai­nings­plan vic­sys­tem vor­schlug, hät­te ich – wäre ich das als wett­kampf gelau­fen – viel­leicht noch geschafft. aber viel mehr sicher­lich nicht.

auch sonst fand ich die orga­ni­sa­ti­on ein­fach wun­der­bar – da kann man wirk­lich nichts sagen. und dass am start­platz reis nur zwei toi­let­ten zur ver­fü­gung ste­hen, lässt sich auch ver­schmer­zen. mei­ne start­num­mer – die gab es in die­sem jahr zum ers­ten mal auch – konn­te ich aller­dings nicht befes­ti­gen, weil ich in mei­ner tüte kei­ne sicher­heits­na­deln fand und selbst kei­ne dabei hat­te. aber die brauch­te man eigent­lich auch nur, um sei­nen klei­der­beu­tel im ziel wie­der­zu­fin­den. doch 9899 kann ich mir sogar beim lau­fen 3 stun­den mer­ken. und ich war nicht der ein­zi­ge ohne num­mer: in mei­ner grup­pe lief tat­säch­lich einer mit nack­tem ober­kör­per (bei knapp 10 °C) und kur­zen hosen. dafür aber mit son­nen­bril­le (ich fra­ge mich aller­dings, wie so jemand im som­mer bei 30 °C läuft – noch weni­ger kann er ja kaum anzie­hen, ohne anstoss zu erregen).

und etwas gutes tut man auch noch: das start­geld von 27 euro (mit groß­zü­gi­ger ver­pfle­gung an drei sta­tio­nen und t‑shirt, das man sogar anzie­hen kann, ohne augen­krebs zu bekom­men) ist eine spen­de für die namens­ge­ben­de arque, die „die Inter­es­sen von Men­schen mit ange­bo­re­ner Quer­schnitt­läh­mung (Spi­na bifi­da) und Stö­rung des Gehirn­was­ser­kreis­lau­fes (Hydro­ze­pha­lus)” ver­tritt. und es gibt außer­dem auch noch bus­trans­fers – sogar vom ziel zum start mor­gens, für mich sehr prak­tisch. da muss man zwar früh auf­ste­hen, denn abfahrt ist schon um 7.15. aber das ist wun­der­bar bequem. nach dem lauf dann noch die drei minu­ten heim spa­ziert und die herr­lich hei­ße dusche genos­sen. und weil’s mir so gut gefal­len hat, habe ich mir den nächs­ten arque-lauf schon wie­der fest vorgenommen.

und so sieht sie aus (nicht von den pfei­len ver­wir­ren las­sen, die hat sport­tracks dies­mal sehr selt­sam gesetzt):

strecke des arque-lauf

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