Fünf Rei­hen über die gan­ze Brei­te des Haupt­schif­fes benö­ti­gen sie: Die Main­zer Dom­chö­re bie­ten für „Ein deut­sches Requi­em“ von Brahms alles auf. Und den­noch stimmt das Sprich­wort „Mas­se statt Klas­se“ sel­ten so wenig wie an die­sem Nach­mit­tag. Denn der Dom­ka­pell­meis­ter Mathi­as Breit­schaft kann bei­des ver­ei­nen: Mas­se mit gro­ßer Klasse.

Der Dom-Akus­tik mag es geschul­det sein, dass er vor allem auf die gro­ßen Bögen setzt, die weit an- und abschwel­len­den Span­nungs­ver­läu­fe. Vor allem in den Anfän­gen spen­det das nur wenig Trost, dafür aber ganz viel Trau­er: Und je tie­fer die Trau­er, des­to gewich­ti­ger ist auch die Erlö­sung im Glau­ben, die die­ses Musik ver­spricht. Eine tie­fe Ernst­haf­tig­keit und vol­le Hin­ga­be prä­gen die­ses deut­sche Requi­em. Sei­ne extre­me Expres­si­vi­tät der über­wäl­ti­gen­den Gefüh­le wird im Dom mit star­ken Kon­tras­ten beson­ders weit aus­ge­lo­tet. Scha­de nur, dass Breit­schaft dem Main­zer Kam­mer­or­ches­ter so wenig Auf­merk­sam­keit wid­met. Oder dass die Instru­men­ta­lis­ten ihn so wenig beach­ten. Jeden­falls ist das deut­sche Requi­em im Dom ganz und gar eine Chor­mu­sik – mit bloß beglei­ten­den­dem Orches­ter. Und mit zwei Solis­ten: Der Bari­ton Bert­hold Pos­se­mey­er gibt alles, setzt jedes Quänt­chen Kraft und Druck sei­ner Stim­me ein. So schafft er im drit­ten Satz eine phä­no­me­nal wuch­ti­ge Beleh­rung: Jeder Buch­sta­be ist hier deut­lich arti­ku­liert und prä­gnant geformt. Und dann ist das Gan­ze auch noch zu einer kla­ren Linie ver­bun­den, schwingt sich ganz har­mo­nisch mit dem Chor zusam­men zu neu­en Höhen auf. Sei­ne Kol­le­gin Katha­ri­na Woll­witz konn­te die­ses Niveau nicht mehr ganz errei­chen. In dem mitt­ler­wei­le emo­tio­nal sehr auf­ge­la­de­nen Kon­text blieb sie doch zu zurück­hal­tend und unschein­bar. Zumin­dest beim Brahms. Die ein­lei­ten­de Bach-Kantate“Ich hat­te viel Beküm­mer­nis“ – für die das Publi­kum aller­dings erst noch auf den Orga­nis­ten war­ten muss­te – lag ihr hör­bar mehr. Auch John Pier­ce, der kurz­fris­tig für den erkran­ten Mar­tin Erhard ein­sprang, brach­te dort sei­ne gewohn­ten Qua­li­tä­ten ins Spiel. Doch auch bei die­sem Auf­takt war der Chor, zwar noch in redu­zier­ter Beset­zung, schon ein­deu­tig die Haupt­sa­che. Die Chor­sät­ze über­zeu­gen beson­ders, weil sich die Sän­ger von Mathi­as Breit­schaft spür­bar mit­rei­ßen las­sen und die Schluss­fu­ge mit einem wahr­haft begeis­ter­ten „Alle­lu­ja“ krönten.