Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Kategorie: literatur Seite 36 von 38

ja ja, diese jugend …

was machen wir bloß mit der …, wohin soll die ewig par­ty und das stän­di­ge abhän­gen nur füh­ren? das muss doch end­lich – und zwar ganz gewal­tig bald – im tota­len absturz, im end­gül­ti­gen nie­der­gang und cha­os deutsch­lands enden. joa­chim lott­mann schlägt sich damit ja immer wie­der ger­ne rum: die jugend von heu­te. ihr zustand, ihre plä­ne, ihr beneh­men, ihre orte, ihre musik, ihre was-auch-immer… las­sen ihn auch im mitt­ler­wei­le recht fort­ge­schrit­te­nen alter nicht los. das ist immer etwas erklä­rungs­be­dürf­tig, und das weiß lott­mann auch sehr genau. nur kann oder will er es nicht recht klar machen, war­um sein erzäh­ler immer noch den jun­gen leu­ten hin­ter­her­he­chelt, in ihnen immer noch die erlö­ser vom all­tag sucht.das gilt natür­lich für kein text weni­ger als für „die jugend von heute“mischung aus rai­nald goetz auf der einen und ben­ja­min lebert sowie stuck­rad-bar­re auf der ande­ren sei­te. nur eben bei wei­tem nicht so kon­se­quent wie goetz (auch lan­ge nicht so fähig zur ana­ly­se), aber lei­der auch nicht so leicht und harm­los wie die ande­ren pseu­do-pop­per. des­halb bleibt das weit­ge­hend indif­fe­rent und nichts­sa­gend – egal, von wel­chem blick­win­kel aus man das büch­lein betrachtet.

vor allem aber ist es eine fund­gru­be für lust­bar­kei­ten und schö­ne aus­sprü­che, die ich zwar gera­de abge­tippt hat­te, die mir word­press aber jetzt geklaut hat und die des­halb hier nicht mehr ste­hen. über­ig geblie­ben ist nur:

  • „unser kul­tur, also die jugend­kul­tur, war erkennt­nis­im­mun.“ (81)
  • „die­se gan­ze musik­in­dus­trie war für kin­der gemacht, für men­schen zumin­dest, die noch nie­mals vom baum der erkennt­nis genascht hat­ten und es auch nie tun würden.“

jolo (wie der autor sei­nen stell­ver­tre­ter, die erzäh­ler­fi­gur im buch nennt) wür­de sich wahr­schein­lich krumm und sche­ckig lachen über all die, die die­sen text auf irgend eine art und wei­se ernst neh­men… – vor sati­re- und iro­nie­merk­ma­len wim­melt es ja nur so im text…

man könn­te ihn natür­lich einen bor­der­line-jour­na­lis­ten nen­nen, aber das wäre blöd­sinn. denn damit wür­de man lott­mann natür­lich voll­kom­men miss­ver­ste­hen – was lott­mann wie­der­um freu­en wür­de, denn genau dar­auf spe­ku­liert er ja, dar­auf legt er es an. es geht natür­lich um etwas ande­res: wahr­heit – was ist das? eine über­flüs­si­ge, ana­chro­nis­ti­sche, in die irre füh­ren­de idee, deren haupt­man­gel es natur­ge­mäß ist, dass sie mit der wirk­lich­keit nicht zuran­de kommt, nichts mit dem erle­ben des lebens, dem „wah­ren“ leben also (ha, was für ein witz…) ein­fach kei­ne ver­bin­dung mehr ein­ge­hen kann. bzw. mög­li­cher­wei­se eh‘ nie konn­te… er selbst for­mu­liert das dann so: „Die Jugend von heu­te hat einen erwei­ter­ten Wirk­lich­keits­be­griff. […] Mei­nen. Sie glau­ben an nichts mehr, also an alles. Sie unter­schei­den nicht zwi­schen wahr und unwahr oder gut und böse. Sie däm­mern einem offe­nen Zukunfts­feld ent­ge­gen. Wo ande­re noch eine Schä­del­de­cke haben, hat die Jugend von heu­te eine weit offe­ne Tür. So ein cra­zy Lott­mann-Text kommt da gera­de recht.“
(aus der taz, wo holm frie­be, der als chef­den­ker der zen­tra­len intel­li­genz-agen­tur auch mehr­fach im text auf­taucht, dann dazu meint: „Alles Teil der Lottmann’schen Verschleierungstaktik.“)

das pro­blem mit lott­mann ist halt nur, dass er damit über­haupt nicht weit kommt. ihm fehlt ein­fach nicht nur die ana­ly­ti­sche schär­fe, son­dern auch die gestal­te­ri­sche kraft, die fähig­keit des for­mes unter ästhe­ti­schen gesichts­punk­ten – da hat ihm halt ein autor wie rai­nald goetz (übri­gens in bei­den kate­go­rien) eini­ges vor­aus … er selbst sieht das (vgl. taz-bericht) nicht als nach­teil: als „eth­no­lo­ge“ schrei­be er eben nur auf, ohne wer­tung. das ist frei­lich schon wie­der blöd­sinn, denn etwas auf­schrei­ben ohne wer­tung – wie soll das denn gehen? er hät­te halt bes­ser mal bei hubert fich­te nach­le­sen sol­len, wie so etwas aus­se­hen und (sogar unter ver­schie­de­nen gesichts­punk­ten) funk­tio­nie­ren kann. olaf kar­nik bewun­dert das dann: „sein umher­schwei­fen­des Schrei­ben, sei­ne unver­fro­re­ne Auf­zeich­nung bana­ler All­tags­be­ob­ach­tun­gen, moti­viert von kecker Selbst­er­mäch­ti­gung.“ aber das sind auch wie­der nur lee­re hül­sen: was ist an der auf­zeich­nung, die natür­lich über­haupt kei­ne rei­ne auf­zeich­nung ist, so unver­fro­ren? und was ist an der selbst­er­mäch­ti­gung (mal abge­se­hen davon, dass die wohl jeder autor auf­zu­wei­sen hat…) so keck? immer­hin ist das noch tref­fen­der als die behaup­tun­gen auf sin​gle​-gene​ra​ti​on​.de. „Mit sei­nem neu­en Buch wird er zum Avant­gar­dis­ten des Anti-Pop.“ steht da – aber stimmt das? nein, denn er bleibt natür­lich pop. nur ist der pop halt nicht mehr der der 80er – das kann man bedau­ern oder fei­ern, aber es ist halt ein­fach so…

joa­chim lott­mann: die jugend von heu­te. köln: kie­pen­heur & witsch 2004.
eine web­sei­te zum buch gibt es auch, frei­lich fast ohne inhalt, dafür mit film­chen: www​.young​-kraut​.de

die textfabrik von marlene streeruwitz

die­se autorin schät­ze ich eigent­lich sehr. ihre roma­ne sind nicht nur sprach­li­che her­vor­ra­gend gear­bei­te­te kunst­wer­ke, son­dern auch in ihrer for­ma­len gestal­tung. und nicht zuletzt auch inhalt­lich, in ihren zie­len, nicht bloß hoch­in­ter­es­sant, son­dern auch gut und rich­tig, um ein­n­mal die­se gro­ßen wor­te zu bemü­hen. die novel­le mor­i­re in levi­ta­te (2004) aller­dings zählt nicht dazu. das ist nichts, was mich irgend­wie beein­dru­cken könn­te. mög­li­cher­wei­se hat­te ich auch gera­de nur kei­ne lust, mich mit dem ster­ben über­haupt und im beson­de­ren zu beschäf­ti­gen – das müss­te eine zwei­te lek­tü­re noch ein­mal kon­trol­lie­ren. jetzt hat­te ich auf jeden fall den ein­druck, das hier nur, ohne all­zu gro­ße inspi­ra­ti­on und vor allem ohne dring­lich­keit, ohne den drang, etwas sagen/​gestalten/​machen zu müs­sen (der bei stre­eru­witz sonst durch­aus soli­de aus­ge­prägt ist – gera­de das schät­ze ich ja so an ihr) – ok, wo war ich? – ach ja, der ein­druck, das hier ohne inne­re not­wen­dig­keit die text­fa­brik arbei­ten muss­te, um leer­lauf zu ver­mei­den. viel­leicht war es ja die äuße­re not­wen­dig­keit, auf dem markt und in der öffent­lich­keit prä­sent zu blei­ben, die hin­ter der ver­öf­fent­li­chung die­ser novel­le stand. aber jeden­falls erscheint das alles sehr abge­nutzt, die sti­lis­ti­schen mit­tel ohne kon­se­quenz, ohne not­wen­di­ge ver­bin­dung mit dem text und sei­nem the­ma, die bil­der vage und blass – kurz, mich hat es ziem­lich gelang­weilt. also ab in die wie­der­vor­la­ge in 1,2 jahren.

mar­le­ne stre­eru­witz: mor­i­re in levi­ta­te. novel­le. frankfurt/​main: fischer taschen­buch 2006. (ers­te aus­ga­be im s. fischer ver­lag 2004)

paul ingendaay liest …

… und zwar aus sei­nem buch „war­um du mich ver­las­sen hast“. inter­es­san­ter als die lesung – nix beson­de­res, soli­de, über­legt, aber ohne inspi­ra­ti­on (wie wohl auch das buch in die­se rich­tung zu ten­die­ren scheint) – aber die beob­ach­tung, wie er mit dem publi­kum umgeht. zunächst ein­mal wird es immer gründ­lich zuge­tex­tet: so viel gela­ber und geschwal­le habe ich von einem „dich­ter“ oder autor oder text­pro­du­zent (was wohl am bes­ten passt) sel­ten erlebt. und fast schon zu bewun­dern, die fähig­keit des ein­schlei­mens, in so viel gere­de um nich­tig­kei­ten und bana­li­tä­ten ver­packt, dass es fast gar nicht auf­fällt. naja, nicht mein fall eben, so eine medio­kre dich­ter­le­sung – da fra­ge ich mich doch immer, wozu das gut sein soll…

paul ingen­da­ay liest. er macht das, weil er ein buch geschrie­ben hat. und er möch­te das ger­ne an ganz vie­le leu­te ver­kau­fen. auch in mainz. des­halb setzt er sich abends in die klei­ne buch­hand­lung „shake­speare und so“ und liest. sein buch heißt „war­um du mich ver­las­sen hast“. und es ist ziem­lich dick. er kann also nur ganz wenig dar­aus vor­le­sen. denn sonst säßen sei­ne hörer, die hof­fent­lich auch bald sei­ne leser sind, ziem­lich lan­ge da her­um. und sie müss­ten nichts tun als zuhörern.

aber das wäre ja nicht das schlimms­te. denn paul ingen­da­ay kann gut vor­le­sen. mit wenig auf­wand macht er das. nüch­tern und sach­lich klingt sei­ne stim­me ange­nehm durch die buch­hand­lung. aber er weiß auch genau, was bei den lesern und zuhö­re­ren gut ankommt. denn das hier in mainz ist ja nicht sei­ne ers­te lesung. er weiß also genau, wo er die lacher auf sei­ner sei­te hat. oder wo er die stim­me ein wenig heben muss. oder das es schön ist, dass er zwi­schen­durch mal eine wei­le ste­hend liest.

sein buch erzählt mit viel witz und sen­si­bi­li­tät von mar­ko. mar­ko ist 15 und lebt in den sieb­zi­gern in einem katho­li­schen inter­nat. das ist auch schon fast alles. denn es geht um „mäd­chen, bücher und gott“. die mäd­chen feh­len mar­ko und sei­nen freun­den sehr. das gibt anlass zu aller­lei lus­ti­gen und trau­ri­gen ver­zweif­lungs­ta­ten. bücher dage­gen gibt es mehr als genug. die kann man lesen und dann lan­ge dar­über reden. ob es genug gott gibt, ist hin­ge­gen nicht so ganz klar.

das ist also eine men­ge stoff. eben 500 sei­ten dick. zum vor­le­sen hat der autor sich ein paar pas­sa­gen aus dem anfang her­aus gesucht. da gibt es näm­lich ganz viel zu lachen. spä­ter tau­chen noch span­nen­de ver­wick­lun­gen und hoch­dra­ma­ti­sche vor­gän­ge auf. aber die will paul ingen­da­ay noch nicht ver­ra­ten. denn das buch soll man ja noch lesen.

dafür beant­wor­tet er nach dem lesen auch noch die fra­gen der hörer. mit viel geduld. denn bestimmt ist er schon ganz oft gefragt wor­den, was in sei­nem buch wahr­heit und dich­tung ist. oder wie es ihm in sei­ner jugend im katho­li­schen inter­nat erging.

kau­fen darf und kann man das buch natür­lich auch gleich. und wenn man will, unter­schreibt paul ingen­da­ay das auch noch – damit auch jeder glaubt, dass er es selbst geschrie­ben hat. und das man ihn ein­mal leib­haf­tig gese­hen hat. das kann man dann sei­nen enkeln erzäh­len, spä­ter, wenn man alt ist. aber ob dann noch jemand weiß, wer paul ingen­da­ay ist? viel­leicht wird er dann ja gera­de wie­der­ent­deckt. als ein mus­ter­bei­spiel des form­voll­ende­ten erzäh­lens, dass dem leser freu­de berei­tet. oder so ähnlich.

paul ingen­day: war­um du mich ver­las­sen hast. mün­chen: schirm­er­graf 2006.

Westrand: Dieter M. Gräfs vagabundierende Lyrik

tja, das ist das ergeb­nis des mani­schen bücher­kau­fens aus den rest­pos­ten – so etwas rutscht auch immer wie­der hin­ein. denn mit die­sen gedich­ten kann ich nicht viel anfan­gen. das hat meh­re­re grün­de – viel­leicht war ich ja auch nur nicht in der rich­ti­gen stim­mung. aber ein­wän­de habe ich folgende:

  • die stän­di­gen enjam­be­ments: ich ver­ste­he die­se über­frach­tung der gedich­te damit ein­fach nicht, das ist längst vom stil­mit­tel und aus­drucks­form zum manie­ris­mus verkommen
  • die for­cier­te her­me­tik der bil­der: das ist nicht nur voll­kom­men bemüht, son­dern auch so ziel­los, ergeb­nis­los – es erge­ben sich meist nicht ein­mal inter­es­san­te fügun­gen aus der krampf­haf­ten anstren­gung, mög­lichst ver­que­re meta­phern zu bilden…
  • klar, die „ein­fa­che“ lek­tü­re wird durch die dunk­len, ver­blass­ten, ver­schat­te­ten bil­der absicht­lich erschwert, ver­hin­dert und ver­lang­samt bzw. auch nur unter­bro­chen, abge­bro­chen – jeden­falls irgend­wie verbaut
  • das ner­ven­de dar­an ist aber vor allem, dass sich aus den fast nur in zwei­zei­lern (zudem fast immer super kur­zen zei­len) daher­kom­men­den gedich­ten eigent­lich nie ein fluss ein­stellt, schon gar nicht so etwas wie ein flow
  • und die ewi­gen anspie­lun­gen (die er zudem noch meint im appen­dix erklä­ren zu müs­sen, weil sie solo eben doch nicht immer funk­tio­nie­ren) auf helden(-sagen) fan­gen auch nach weni­gen sei­ten an zu nerven
  • kurz­ge­sagt: bil­dungs­hu­be­rei, pseu­do-anspruchs­voll, ohne (erkenn­ba­ren) sinn und zweck und zusam­men­hang – das fängt schon mit dem mot­to (von giord­a­no bru­no, bezeich­nen­der­wei­se zitiert nach rolf die­ter brink­manns rom, bli­cke) an und hört eigent­lich erst mit dem appen­dix (auch der kann natür­lich nicht ein­fach anmer­kun­gen oder anhang hei­ßen) auf.

also: ein­fach ziel­los umher­schwei­fen­de, sich mög­lichst klug geben­de, die bemü­hung dazu aber nie ver­heh­len­de lyrik – ziem­lich lang­wei­lig und spröde…

die­ter m. gräf: west­rand. gedich­te. frankfurt/​main: suhr­kamp 2002.

benjamin lebert kann nicht

das war wohl nichts. dem kri­ti­ker so eine steil­vor­la­ge zu lie­fern mit die­sem titel, das ist wohl das mutigs­te an die­sem büch­lein. natür­lich (alles ande­re hät­te zumin­dest mich sehr über­rascht) „kön­nen“ weder lebert noch sein held und alter ego tim grä­bert. zumin­dest nicht in dem sinn, in dem es hier ver­wen­det wird: näm­lich schrei­ben kön­nen. zumin­dest die lite­ra­ri­sche figur kann ande­rer­seits doch – sex haben. sonst treibt sie aller­dings auch nicht viel an. ein jun­ger schrift­stel­ler, der vor eini­gen jah­ren einen gro­ßen erfolg hat­te mit sei­nem ers­ten roman und nun nichts mehr zu papier bringt – wen das an ben­ja­min lebert erin­nert, der ist nicht völ­lig schief gewi­ckelt. und ent­spre­chend geht es wei­ter: er vögelt lus­tig vor sich hin, ist aber – kli­schee, kli­schee – trotz­dem und immer noch nur ein armer ein­sa­mer hund… der kerl trifft über eine bekann­te (natür­lich aus dem ver­lag, wo anders als im medi­en­zir­kus treibt er sich gar nicht her­um) ein noch jün­ge­res mäd­chen, abitu­ri­en­tin aus bre­men, die gera­de in ber­lin prak­ti­kan­tin ist und die sich wohl inein­an­der ver­lie­ben sol­len (was natür­lich nicht so ganz klar wer­den darf, weder den prot­ago­nis­ten noch den lesern). gemein­sam gehen sie auf eine rei­se durch skan­di­na­vi­en, eti­ket­tiert als ruck­sack­trip, fah­ren aber mun­ter die gan­ze zeit taxi oder wenigs­tens bus… das gan­ze endet in einem ziem­li­chen fias­ko: das mäd­chen dreht immer mehr durch, ist offen­bar schwer geschä­digt durch abwe­sen­den vater und über­ehr­gei­zi­ge mut­ter, was schließ­lich in einer selbst­ver­stüm­me­lungs­or­gie endet, die wie­der­um über ein paar ver­wick­lun­gen dazu führt, das der „held“ grä­bert sich mit einem ande­ren („gro­ßen“) schrift­stel­ler anlegt und selbst von einem schwert ver­letzt wird. und danach end­lich kein bock mehr hat, nach ams­ter­dam fährt und sich fröh­lich oder trau­rig bei den pro­sti­tu­ier­ten dort ver­gnüg um schließ­lich sei­ne freun­din bei deren eltern abzu­lie­fern, damit er das pro­blem end­lich los ist.

das lek­to­rat hat sich dann tat­säch­lich erblö­det, das gan­ze „ein roman über ein­sam­keit und hel­den­haf­te ver­su­che, die­se zu über­win­den“ zu titu­lie­ren – auf so einen schmarrn muss man erst­mal kom­men. was mich aber viel mehr geär­gert hat (und schließ­lich las ich das auf­grund einer posi­ti­ven rezen­si­on, deren tenor unge­fähr war: jetzt ist lebert end­lich zu einem ernst zu neh­men­den schrift­stel­ler gereift), das der gan­ze ser­mon ein­fach unglaub­lich schlecht geschrie­ben ist. lebert kann weder ver­nünf­tig beob­ach­ten noch ordent­lich beschrei­ben – ver­steht also noch nicht ein­mal sein hand­werk. das ist alles schreck­lich blass und unspe­zi­fisch, die figu­ren reden furcht­bar gestelz­tes zeug daher etc. etc. for­mal ist das sowie­so der­ma­ßen pri­mi­tiv – schön hübsch der rei­he nach erzählt, ein paar völ­lig durch­schau­ba­re andeu­tun­gen sol­len wohl so etwas wie span­nung auf­bau­en (etwa der strang mit dem bru­der des hel­den, der behin­dert ist – rein zufäl­lig natür­lich genau­so wie der held von „cra­zy„…. – und sich kürz­lich umge­bracht hat), in 47 kapi­teln, die aber auch nur eine struk­tur sug­ge­rie­ren, die gar nicht vor­han­den ist, weil sie voll­kom­men will­kür­lich gesetzt sind.

ach ja, das „kannst du“ ist übri­gens ein zitat aus „mise­ry“ von ste­phen king (womit der refe­renz­rah­men ja auch geklärt wäre…) und bezieht sich hier ganz kon­kret auf die fähig­kei­ten der haupt­fi­gur, für sei­ne freun­din eine lie­bes­ge­schich­te zu schrei­ben. das miss­lingt – wen über­rascht es – natür­lich auch wie­der äußerst wort­reich. genau­so wie leberts text ein schreck­li­cher fehl­griff ist – das war wohl nichts.

ben­ja­min lebert: kanst du. köln: kie­pen­heu­er & witsch 2006.

und ich muss mir den schmarrn auch noch anhö­ren – und mit mei­nem stu­ren pflicht­be­wusst­sein blei­be ich auch noch bis zum ende – man hofft ja doch, dass es nohc bes­ser wer­den könn­te. wur­de es aber über­haupt nicht: der charme der sin­gen­den kreis­sä­ge war eh’ schon nach weni­gen sekun­den ver­braucht… und das pro­gramm war so ama­teur­haft zusam­men­ge­stüm­pert, das könn­te wahr­schein­lich sogar ich bes­ser hin­be­kom­men – obwohl ich ja kein gro­ßer show-pro­gramm-ent­wick­ler bin… naja, die meis­ten main­zer waren ver­nünf­tig genug, sich das nicht anzu­tun (wahr­schein­lich aber vor allem, weil sie’s gar nicht mit­be­kom­men haben…). ok, soweit das inof­fi­zi­el­le gejam­me­re, jetzt der offi­zi­el­le teil (in dem ich aller­dings auch noch ordent­lich zur sache kom­men musste)

passt das über­haupt zusam­men – der unbarm­her­zigs­te gesell­schafts­kri­ti­ker unter den dich­tern des zwan­zigs­ten jahr­hud­nerts und eine musi­ka­li­sche revue? amy leve­renz und mar­kus flei­scher mei­nen schon, die main­zer sind da offen­bar eher gegen­tei­li­ger auf­fas­sung. und sie haben in gewis­ser wei­se recht.

„die kunst­ken­ner blie­ben weg“ heißt es in einem der gedich­te brechts, die leve­renz sich aufs noten­pult gelegt hat. und trifft damit auf die main­zer situa­ti­on zu. als hät­ten sie es vor­her gewusst, waren zu die­ser revue im frank­fur­ter hof, ver­an­stal­tet vom main­zer lite­ra­tur­bü­ro und dem kul­tur­som­mer rhein­land-pfalz, ziem­lich wenig leu­te gekom­men und noch weni­ger bis zum ende geblie­ben. ein „hap­py end“ soll­te das sein, so behaup­te­te der titel. und die hoff­nung dar­auf war wohl so das ein­zi­ge, was die ver­streu­ten zuhö­rer auf­recht hielt.

denn die­ser revue fehlt so ziem­lich alles, was sie zu einem span­nen­den, unter­halt­sa­men oder wenigs­tens inter­es­san­ten abend gemacht hät­te. zum bei­spiel eine dramt­ur­gie – fehl­an­zei­ge: leve­renz stol­pert sich durch brechts leben, ver­fehlt dabei auch noch wich­ti­ge sta­tio­nen und ver­trö­delt sich dann im ame­ri­ka-teil mit neben­säch­li­chen schla­gern. die musik – vor­wie­gend belang­lo­se arran­ge­ments. mar­kus flei­scher bemüht sich, mög­lichst wenig zu stö­ren und sorgt mit sei­ner ana­chro­nis­ti­schen strom­gi­tar­re für wei­chen klang­tep­pich ohne höhen oder tie­fen. die sän­ge­rin und ihre stim­me – ein ganz gro­ßes pro­blem. denn die passt viel bes­ser in ver­rauch­ten club als in die nüch­tern-kon­zen­trier­te atmo­sphä­re des frank­fur­ter hofs. hier offen­ba­ren sich alle unzu­läng­lich­kei­ten, alle brü­chig­kei­ten und quä­le­rei­en viel zu erbar­mung­los. und auch die büh­nen­prä­senz – nur noch eine wei­te­re leerstelle.

und wenn man das nun addiert, bleibt ledig­lich die fra­ge: wie­so hat nie­mand der sän­ge­rin die­se pein­lich­keit erspart? oder um es mit brecht zu sagen: „ich rate lie­ber mehr zu kön­nen als man macht, als mehr zu machen als man kann“ – hät­te amy lever­nez des meis­ters rat doch nur befolgt.

kugelblitze sausen quer durch die lüfte und mittenhinein in mein literarisches nervenzentrum

noch eine frucht des wochen­en­des: end­lich habe ich ulri­ke draes­ners letz­ten gedicht­band mit dem titel kugel­blitz (mün­chen: luch­ter­hand 2005) gele­sen – er lag ja schon eine wei­le bereit und hat auch schon zwei anläu­fe hin­ter sich gehabt, die aller­dings bei­de ins lee­re lie­fen. auch die­ses mal reich­te die begeis­te­rung nicht für den gan­zen band, der in drei gro­ße abschnit­te (mit vor­spiel und nach­spiel) unter­teilt ist: „(lie­ben)“, „(krie­ge)“ und „(spä­ter)“. fas­zi­niert hat mich vor allem der ers­te teil, im zwei­ten abschnitt fand ich viel mehr rou­ti­ne und lan­ge­wei­le für den leser, der drit­te teil zeigt aber dann wie­der stark nach oben.

das ist wirk­lich zeit­ge­nös­si­sche, moder­ne (oder schon zwei­te moder­ne?) lyrik. wesent­li­ches, immer wie­der auf­tau­chen­des moment ist die erfah­rung der natur bezie­hungs­wei­se die pro­ble­me mit der erfahr­bar­keit von natur, mit dem kon­takt zwi­schen mensch und natur, v.a. die unfä­hig­keit des ver­ste­hens ihrer zei­chen und die uner­klär­lich­keit ihrer vor­gän­ge: „nie /​sag­te jemand /​ein beg­re­fi­li­ches /​wort dazu“ (9). eben­so wie­der­keh­rend: die gemacht­heit der natur­er­fah­rung. dazu pas­sen die dunk­len ver­glei­che natur – technik/​zivilisation, wie sie in der „enten­brust“ der stra­ßen­bahn auf­taucht. und fol­ge­rich­tig heißt ein gedicht dann auch „novo e raro mira­col di natura“.

natur ist dabei (natür­lich [!]) nie ein­fach nur noch natur, son­dern erst in abgren­zung vom men­schen zur natur gewor­den. dabei wird sie aber gera­de in ihrer zwit­ter­stel­lung inter­es­sant: natur scheint hier als das ande­re auf, das gro­ße gegen­über – aber (zumin­dest schein­bar) befin­det es sich auch als sol­ches wenigs­tens teil­wei­se in der ver­fü­gungs­ge­walt des men­schen – die elek­tri­zi­tät ist, beim titel des buches nicht ver­wun­der­lich, ein gern genutz­tes bild dafür: „hüh­ner säu­bern ihr ei wäh­rend du dir bereits /​einen ihrer schen­kel in den mund“ (16, novo e raro micaol di natura)

das vor­drin­gen der (noch unge­bän­dig­ten) natur in den zivi­li­sa­ti­ons­raum, das hoheits­ge­biet des men­schen als ver­nunft­be­gab­tem tier – dafür steht natür­lich schon das titel­ge­ben­de bild des kugel­blit­zes: als blitz ist er zwar ein ele­men­ta­res und voll­kom­men unmit­tel­ba­res natur­er­eig­nis. aber er ist es nicht in nor­ma­ler erschei­nung, son­dern qua­si geformt, in behaup­te­ter (näm­lich vom men­schen) kugel-form, also einer geo­me­trisch „per­fek­ten“ form, d.h. der blitz wird zu einer rein nach ver­nunft­grün­den geform­ten erschei­nung (gedeu­tet). nicht nur natur wird zur zivi­li­sa­ti­on, son­dern auch und vor allem geschieht der trans­for­ma­ti­ons­vor­gang in ent­ge­gen­ge­setz­ter rich­tung, vom men­schen in die natur. aber das führt zu rei­bun­gen, zu zusam­men­stö­ßen: die natur bleibt eben auch dann noch, wenn men­schen sie nach eige­nen „ideen“ for­men wol­len, „ver­schlos­sen“, dun­kel und unver­ständ­lich: “ er dach­te auf ihn. /​so ver­ste­hen wir ‚natur‘. ist toll­wut /​wenn einer sich wehrt? ach, es bud­delt /​nach zufall, pfeift auf gedächt­nis, mischt.“ (77)

dazu wird dann vor draes­ner als kunst­voll erdach­ter und aus­ge­führ­ter kon­tra­punkt das dia­lo­gi­sche moment der gedich­te (in der ers­ten und der drit­ten per­son, im indi­ka­tiv und kon­junk­tiv), die anre­de des „du“ ein­ge­führt: der ver­such, die lie­be zu beschrei­ben, zu kon­sta­tie­ren, zu behaup­ten und selbst­ver­ständ­lich auch wie­der zu for­men – samt den not­wen­dig dam­ti ein­her­ge­hen­den zwei­feln. der ers­te gro­ße teil des buches heißt nicht umsonst „(lie­be)“. und spä­ter heißt es ein­mal: „falls dies stimmt /​/​wird auch das paar eine ver­mu­tung sein“ (22). die lie­be, also die ver­bin­dung von ich und du zum wir, steht dabei genau wie schon das sub­jekt für sich, immer in fra­ge, ist nicht mehr ohne wei­te­res als gelin­gen­de vor­aus­zu­set­zen: „das röhr­chen der lie­be (ver­lo­ren)“ (28), „siche­rer auch /​/​du?“ (30)

das gan­ze geschieht eigent­lich immer in sehr geziel­tem auf­bau und mehr­deu­tig­kei­ten: über­lap­pen­de sät­ze ohne glie­de­rungs­zei­chen, per­fek­ti­on des enjam­be­ments, sei­ner mehr­deu­tig­keit im syn­tak­ti­schen sinn sind mit­tel, die draes­ner per­fek­tio­niert hat. dazu passt auch der hohe grad an refle­kiert­heit – nie etwas unbe­dach­tes, kein wort, über das nicht nach­ge­dacht wur­de – genau das, was lyrik eben aus­ma­chen (soll­te). das wie­der­um ent­spricht der unmög­lich­keit der unmit­tel­ba­ren erfah­rung, von der eigent­lich auch jedes gedicht berich­tet – das wah­re träu­men: „sie dach­te wie solch ein tier wohl schläft mit dem blu­men­topf­rü­cken /​und sah mit brau­nem zucker bestreut all das ver­täum­te tra­ra /​(angeb­lich des traums) aber sofort war er wach (die ohren) sofort /​/​fiel er wie­der um wie ein kind – wie es weint – alle /​gefüh­le also sei­en erlernt“ (19). schuld an die­ser grund­le­gen­den ent­frem­dung des men­schen von sei­ner umge­bung und sei­ner selbst ist z.b. die „nähe von maschi­nen“ (19, so heißt das gedicht)

wie es sich für echt moder­ne lyrik gehört (und das ver­ges­sen ja vie­le autoren und ande­re lei­der immer wie­der) wird außer­dem auch die gene­rel­le pro­ble­ma­tik des sub­jek­tes, sei­ner iden­ti­tät und die der ande­rer men­schen (als adres­sa­ten – der spra­che, der lyrik, der lie­be) the­ma­ti­siert. „dies löch­ri­ge tuch ich spre­che /​/​dich /​/​durch es. wenn ich sage ‚du‘. wenn /​cih sage ‚ich woll­te …‘ ‚ich …‘ ein /​kin­der­ge­sicht. oh gesperrt! löch­ri­ger /​/​busch: so sprech ich dich wenn. /​ich sage: du, eben, lüs­tern“ an ande­rer stel­le heißt es dann: „du bist. doch wo? /​[…] du bist nicht /​wo nicht wen, du /​gehst, der wald steht still. /​[…] /​[…] ein /​schat­ten ruft. was altes /​weiß von dir. die keh­le /​streckt sich schon. der /​wolf liebt sei­nen satz. /​das rudel ruft.“ (81, vor gram­ma­tik). und damit wird auch der nächs­te gro­ße the­men­kom­plex die­ser lyrik deut­lich: außer­dem in fra­ge gestellt wer­den die wor­te in all­ge­mei­nen. genau­er gesagt, wird auch hier nur die grund­le­gen­de erfah­rung der moder­ne, das alles in fra­ge steht, nur noch bekräf­tigt, auf­ge­nom­men und ver­ar­bei­tet. beson­ders gilt dies natür­lich für die ver­bin­dung wort – ding: „das eich­hörn­chen dreh­te /​die nuss eif­rig wie wir das wort ‚nuss‘ /​im gehirn“ (23). auch ein titel greift das auf: „tau­cher, rade­brech /​(vom vier­fa­chen sinn der schrift)“ (82). die ver­ge­gen­wär­ti­gung der schil­ler­schen bal­la­de geht dann unge­fähr so: „anzü­ge mit füßen hin­gen /​am gelän­der, im trock­ner /​hin­gen köp­fe /​/​je wei­ter ein boot ent­fernt ist /​umso tie­fer nach unten muss man /​um es zu hören /​/​mit dem andrang der schwär­ze /​gegen die mas­ke vorm gesicht. /​/​ertrinken.verstehen“ (82) – das ist natür­lich die tra­gik über­haupt: erst ertrin­ken, dann ver­ste­hen … die bei­den letz­ten gedich­te füh­ren das noch ein­mal alles zusam­men. da heißt es dann „sehn­sucht rief mich /​hast du ner­ven /​gern kom­me ich gern /​bin dei­ner stim­me ich /​gefolgt /​immer so blu­men /​blit­zend, ver­wirrt (84), wäh­rend die letz­ten zei­len, das post­skrip­tum (außer­halb der drei gro­ßen tei­le) die schrift­form schon nahe­zu voll­stän­dig ver­lo­ren ist und nur noch spra­che ist – in laut­schrift notiert, auf eng­lisch – wenn ich das rich­tig ent­zif­fert habe, steht da: „you too /​loved you /​was invented“

der zwei­te teil, „(krie­ge)“, blieb mir zumin­dest bei der ers­ten lek­tü­re jetzt ver­schlos­se­ner, nüch­ter­ner und oft auch deut­lich gewoll­ter. die poli­ti­sche absicht etwa lässt sich zu leicht spü­ren und fas­sen – das tut der (kunst-)erfahrung der lyrik nicht gut. dabei ver­lie­ren die gedich­te glei­cher­ma­ßen an deut­lich­keit wie an der so fas­zi­nie­rend, weil stu­pend beherrsch­ten mehrdeutigkeit.
„mit eige­nen augen sehen: getrimmt /​zoo­men begrif­fe weg. bis wir tröp­felnd /​vor sehn­sucht und glau­ben dalie­gen wie /​der kopf einer gelieb­ten kat­ze unter /​einer hand, die uns strei­chelt oder streicht,“ (62f)

das ist alles zusam­men natür­lich ein fast wahn­sin­ni­ges pro­gramm. wer glaubt, ob all die­ser fra­gen, die­ser theo­re­tisch-reflek­tie­ren­den gedan­ken­gän­gen gin­ge der kunst­cha­rak­ter der gedich­te ver­lo­ren, der itt. denn es ist kein wahn, kei­ne hybris. denn die gedich­te blei­ben trotz der gefahr der theo­re­ti­schen über­las­tung meist, d.h. in ihren über­wie­gen­den tei­len, immer auch sinn­li­che gebil­de. eine unmit­tel­ba­re qua­li­tät der fügung ihrer wor­te (weni­ger der rhyth­men, mehr aus dem klang und den ver­misch­ten, kreuz und quer geschich­te­ten bild­lich­kei­ten gear­bei­tet) fes­selt das lesen­de auge und hirn, die vor­stel­lungs­kraft. und sie zeu­gen von der fas­zi­nie­ren­den kon­zen­tra­ti­on, die die­se gedich­te bestimmt. mehr lässt sich von lyrik eigent­lich kaum noch ver­lan­gen. man­ches ist dabei durch­aus grenz­wer­tig – qua­li­täts­mä­ßig gese­hen: wenn genau die­se kon­zen­tra­ti­on sich ver­liert, wirkt das gan­ze sehr schnell nur noch manie­ris­tisch. aber es bleibt fest­zu­hal­ten: das sind 85 sei­ten pure poe­sie unse­rer zeit mit der ver­hei­ßung, die­se auch zu über­dau­ern. w

dunkle bilder und düstere texte

das soll jetzt nicht den ein­druck erwe­cken, bei peter schü­ne­manns klei­nem, aber fei­nem band mit erzäh­lun­gen: dunk­les bild (mün­chen: han­ser 2005) han­de­le es sich um depres­si­ve pro­sa. aber die erfah­rung der dun­kel­heit in ver­schie­de­nen gra­den, der düs­ter­nis (gera­de im kon­trast mit den auf­schei­nen­den licht(blitzen)) ist doch ein pär­gen­des ele­ment die­ser drei herr­li­chen tex­te. ihre dun­kel­heit, sprach­macht und ja, auch ihre men­schen­lie­be, sowie natür­lich ihre bild­lich­keit erin­nern mich teil­wei­se (v.a. im dunk­len bild) doch recht deut­lich an tex­te von chris­toph rans­mayr, beson­ders des­sen letz­te welt.

zwei tex­te haben mich beson­ders beein­druckt: zunächst der die samm­lung eröff­nen­den und titel­ge­ben­de, dunk­les bild. schü­ne­mann erzählt in andeu­tun­gen, sorg­fäl­tig gesteu­er­te infor­ma­ti­ons­ver­ga­be (d.h. vor allem infor­ma­ti­ons­kon­trol­le: das ist einer die­ser ganz sel­te­nen tex­te, die nur ganz wenig und nur ganz all­mäh­lich mit­tei­len, aber den­noch unge­heu­er leben­dig und fas­zi­nie­rend sind), der erzählt also von einem maler, der vor­über­ge­hend (die grün­de und umstän­de sind nicht so ganz klar), ein blin­des kind bei sich auf­ge­nom­men hat. zusam­men erfah­ren sie vor allem die käl­te (und den man­gel über­haupt). der maler ist auf der suche, auf der rei­se zu einem unge­mal­ten und unge­se­he­nen bild – er wird es erst im moment sei­nes selbst­mor­des erken­nen, der so zu einem wah­ren und wirk­li­chen moment der erlö­sung und der schau der rei­nen wahr­heit (was natür­lich auch einen anspie­lung auf nova­lis, der jüng­ling zu sais, ist) wird (übri­gens ist der tod (absicht­lich her­bei­ge­führt oder nicht) zen­tra­les motiv von schü­ne­manns erzäh­lun­gen): „dann ließ ich los; un in der ver­hal­len­den sekun­de sah ich end­lich das bild, es waren nicht mehr die kal­ten augen der sta­tu­en, jahr­tau­send­alt, es war das klei­ne gesicht, weiß, die ver­brann­te hoff­nung in der licht­lo­sen nacht, nur sehr fern und allein das zar­te leuch­ten in der tie­fe sei­ner augen, das bild nun, nach dem ich geforscht, und der lei­se laut, der micht im sturz noch traf. “ (24)

im zitat wird die qua­li­tät der schü­ne­mann­schen pro­sa schon ziem­lich deut­lich: expres­sio­nis­tisch beein­flusst, man könn­te es fast eine bil­der­or­gie nen­nen. die spra­che lebt von der kraft ihrer bild­lich­keit, d.h. ihrer meta­phern und ver­glei­che. beson­ders in der mas­sie­rung wirkt das gera­de in dunk­les bild unge­heu­er kon­zen­triert – obwohl die­se erzäh­lung nur ein kur­zes stück ist, so ist sie doch von fes­seln­der, unbe­zwun­ge­ner und unge­zähm­ter, also unmit­tel­ba­rer kraft. aller­dings eben nicht so, wie das im moment eher zeit­ge­mäß wäre, als schein­ba­re rea­li­täts­na­he, unmit­tel­ba­re spra­che ohne stil­wil­len. gera­de der enor­me stil­wil­len, die enor­me geformt­heit der spra­che, der wor­te und ihrer ver­knüp­fun­gen zu sät­zen und absät­zen, ist es erst, was mich beim lesen so unge­heu­er fes­selt. dazu kommt dann die bereits ange­spro­che­ne rei­che meta­pho­rik und die post­fi­gu­ra­ti­ve motivik.

die treibt vor allem in der zwei­ten erzäh­lung, zwie­land. eine büch­ner suite, ihre spiel­chen mit dem leser. denn die­ser text ist bis zum über­quel­len voll­ge­stopft mit anspie­lun­ge­nen, wie­der­auf­nah­men, abwan­deln­dem auf­grei­fen von bestimm­ten for­mu­lie­run­gen, moti­ven, ideen aus büch­ners tex­ten – aus dem dan­ton, aus leon­ce und lena, natür­lich aus dem lenz, aber auch aus den brie­fen und vie­lem ande­ren mehr. die erzähl­si­tua­ti­on ist recht ein­fach: eine betrach­tung der letz­ten tage georg büch­ners. der autor liegt mit faul­fie­ber in sei­ner eige­nen vari­an­te der matra­zen­gruft, wird von caro­li­ne und wil­helm schulz gepflegt, von min­na besucht. das gan­ze sowohl in der eigen­per­spek­ti­ve büch­ners als auch beob­ach­tend, mit gro­ßer klar­heit als auch im fie­ber­traum eine para­dies der post­fi­gu­ra­tio­nen im quer­gang durch rück­blick, bio­gra­phie und werkschau.

der drit­te text in die­sem band, die novel­le zen­ons spur, scheint mir gegen die­se bei­den erzäh­lun­gen etwas abzu­fal­len. jetzt ist es vor allem die auf­lö­sung des (künst­le­ri­schen) lebens in das nichts, das erzählt wird: ein bru­der­paar, maler und schrift­stel­ler, an der schwel­le zum tod. der maler, epi­lep­ti­ker, erliegt einer krank­heit, hat zuvor noch sämt­li­che über­res­te sei­ner künst­le­ri­schen tätig­keit getilgt. sein bru­der, schrift­stel­ler, folgt ihm offen­bar in den tod. mir aller­dings fehlt die­ser novel­le die spann­kraft, das fes­seln­de moment oder ein­fach die kon­zen­tra­ti­on der bei­den ande­ren erzäh­lun­gen. es kann frei­lich auch sein, dass ich nur noch nicht den pas­sen­den zugang, den rich­ti­gen moment der lek­tü­re erwischt habe.

als gan­zes mag das zwar zunächst wie ein reich­lich ana­chro­nis­ti­sches unter­neh­men erschei­nen, was schü­ne­mann hier vor­legt. aber jen­seits von plat­tem aktua­li­täts­drang, von pseu­do-kunst und gewoll­ter bedeut­sam­keit, ist das offen­sicht­lich ein ver­such der ver­schmel­zung: das durch­aus in hohen dosen vor­han­den pathos die­ser expres­sio­nis­tisch ange­hauch­ten spra­che und ihrer väter wie kleist, nova­lis, höl­der­lin (büch­ner natür­lich auch) zeigt sei­ne über­zeit­lich­keit, stellt sei­ne wei­ter­hin mög­li­che funk­ti­on auch im 20. (alle tex­te sind nicht mehr ganz tau­frisch) bzw. natür­lich auch im 21. jahr­hun­dert zumin­dest zur dis­kus­si­on, wenn nicht gar unter beweis. zumin­dest ich möch­te das behaup­ten, denn der ver­such, das echo, den ruf ver­gan­ge­ner zei­ten hier ein­zu­fan­gen und leben­dig und vor allem wirk­mäch­tig zu machen, ist schü­ne­mann offen­sicht­lich gelun­gen. das sagt nun aller­dings wenig über die all­ge­mei­ne ver­füg­bar­keit die­ser art von spra­che (die auch eine bestimm­te art des den­kens, vor allem aber der wahr­neh­mung der welt und des sub­jek­tes impli­ziert) aus – peter schü­ne­mann kann dar­über gebie­ten, und das ist ein glor­rei­cher sieg für den autor, aber auch für den leser, der dafür noch ein paar offe­ne ner­ven­enden hat.

deutsche literaturgeschichte in einer stunde

auch wenn kla­bund der ver­fas­ser der jetzt als nach­druck der zwei­ten auf­la­ge von 1921 beim tex­tem-ver­lag erschie­nen deut­schen lite­ra­tur­ge­schich­te in einer stun­de. von den ältes­ten zei­ten bis zur gegen­wart istdie auto­ri­tät des schrift­stel­lers reicht in die­sem fal­le nicht aus, über die män­gel sol­cher unter­neh­men hin­weg­zu­täu­schen. das sind natür­lich zufor­derst ganz prin­zi­pi­el­le – eine sol­che „lite­ra­tur­ge­schich­te“ kann weder lite­ra­tur noch geschich­te sein, sie ist bloß eine knap­pe ver­samm­lung der höhen­kamm­li­te­ra­tur, eine auf­zäh­lung des kanons. auch wenn kla­bund sein ziel noch anders ver­fehlt – in einer stun­de wird der text kaum zu schaf­fen sein, ich brauch­te fast drei dafür (und habe nicht sehr getrö­delt). auf­fal­lend an kla­bunds unter­neh­mung sind eher die immer wie­der ein­ge­streu­ten unbe­kann­ten namen – z.b. johann chris­ti­an gün­ther, zu dem ihm ein­fällt: „wie ein sturm­wind braust [er], der göt­ter­bo­te einer neu­en zeit, in die deut­sche dich­tung.“ (35) anläss­lich eines ande­ren unbe­kann­ten schwingt er sich zu wah­ren groß­ta­ten auf: salo­mon „geß­ner war ein­mal eine euro­päi­sche berühmt­heit. es wird nicht bes­ser wer­den in der welt, ehe es geß­ner nicht wie­der ist. wir wer­den erst dann ewi­gen frie­den haben, wenn arka­di­sche dich­ter wie er wahr­haft popu­lär gewor­den sind.“ (41)

und damit sind wir ja auch schon beim eigent­li­chen pro­blem: kla­bund ist ein beken­nen­der und gna­den­lo­ser empha­ti­ker, um eine kürz­lich auf­ge­brach­te unter­schei­dung hier anzu­wen­den. als autor hat er natür­lich jedes recht, ein sol­cher zu sein – als lite­r­ar­his­to­ri­ker mei­nes erach­tens aber über­haupt kei­nes. und es ist natür­lich sehr pas­send, dass aus­ge­rech­net vol­ker wei­der­mann, an des­sen „licht­jah­re“ sich die von hubert win­kels (zeit vom 30.3.) ein­ge­führ­te unter­schei­dung der lite­ra­tur­kri­ti­ker zwi­schen empha­ti­kern und gnos­ti­kern über­haupt ent­zün­de­te, das vor­wort zu die­sem nach­druck bei­steu­ert: eine rück­ver­ge­wis­se­rung des eige­nen unter­neh­mens – seht her, auch der gro­ße kla­bund war (wie ich) ein empha­ti­ker! und die „licht­jah­re“ sind dann auf ein­mal so etwas wie eine fort­set­zung von kla­bunds werk, der ja zu beginn des 20. jahr­hun­derts auf­hört zu lesen und sich zu begeis­tern (und schon ab der zwei­ten hälf­te des 19. jahr­hun­derts gehö­rig ins schwim­men gerät und kaum noch sor­tiert bzw. zwi­schen gut und schlecht unter­schei­det und des­halb not­ge­drun­gen auch nichts mehr wirk­lich beschreibt, son­dern alles nur noch gehetzt anrei­ßen kann).

als sol­cher prä­sen­tiert kla­bund natur­ge­mäß einen voll­kom­men sub­jek­ti­ven blick auf die geschich­te der deut­schen lite­ra­tur und tut doch gleich­zei­tig so, als sei dies eine rich­ti­ge lite­ra­tur­ge­schich­te. dazu pas­send ist sein ansatz viel zu sehr per­so­nal geprägt, um wirk­lich zu rele­van­ten ein­schät­zun­gen zu kom­men – per­so­nal inso­fern, als er bedeu­tung zunächst an sei­ner eige­nen lese­er­fah­rung misst und per­so­nal auch inso­fern, als er lite­ra­tur­ge­schich­te als geschich­te von autoren­per­so­nen schreibt (die fast durch­weg männ­lich sind, natür­lich). das ergibt ein ziem­li­ches misch-masch, geprägt von einer fast aus­schließ­lich iden­ti­fi­ka­to­ri­schen lek­tü­re. epo­chen, geis­ti­ge ver­bin­dungs­li­ni­en, tra­di­tio­nen etc. kom­men bei ihm allen­falls am ran­de vor. und solch ein ansatz führt natur­ge­mäß zu eini­gen gerech­ten, aber auch zu eini­gen unge­rech­ten urtei­len und feh­lern (z.b. das hier: „fried­rich schil­ler ist der dich­ter der jugend“ (53) – dazu muss man schon eini­ges aus dem werk schil­lers aus­blen­den) – immer­hin unter­nimmt kla­bund nicht noch den ver­such, das zu ver­ber­gen: die (selbst-)sicherheit des urtei­lens hat schon fast etwas groß­ar­ti­ges. als zeit­do­ku­ment und in sei­ner aus­gra­bung gera­de zu die­sem zeit­punkt heu­te, wo sich immer mehr lite­ra­tur­kri­ti­ker als empha­ti­ker genü­gen und dar­auf auch noch stolz sind (was natür­lich in der tra­di­ti­on des gro­ßen grau­en­haf­ten anti-kri­ti­kers reich-rani­cki steht), ist das immer­hin eine ergötz­li­che lek­tü­re – für his­to­ri­sche wahr­heit und gerech­tig­keit ist kla­bund hier halt nicht zuständig.

ganz viele zeichen – zu viele?

macht die anein­an­der­rei­hung von ganz vie­len zei­chen einen text zum roman? „die gar­ni­tur“, eine art textagen­tur mit dem anspruch beson­de­rer inno­va­ti­vi­tät, scheint der idee nicht abge­neigt zu sein. ihre chefs mat­thi­as edling und jörg stein­leit­ner haben die 205.293 zei­chen einen roman genannt. so vie­le zei­chen sind das aber gar nicht – im groß­zü­gi­gen druck gut 150 seiten.wie das buch auf mei­ne lese­lis­te gekom­men ist – ich habe kei­ne ahnung, das ist eben manch­mal der nach­teil so exten­si­ver lis­ten­füh­re­rei­en… – gelohnt hat es sich jeden­falls nicht, noch nicht ein­mal als unter­hal­tung ist es wirk­lich brauch­bar. es ist so ein ver­such, die ame­ri­ka­ni­sche gangs­ter­sto­ry oder eher den gangs­ter­film nach euro­pa zu ver­le­gen. weil die autoren (oder, wie sie sich selbst benen­nen, das „autoren­team“) dafür aber über zu wenig krea­ti­vi­tät, vor­stel­lungs­kraft, stil­ge­fühl und ästhe­ti­sche urteils­si­cher­heit ver­fügt, klappt das nicht so rich­tig – ist auch alles eine stu­fe harm­lo­ser: stu­dent, der im pfle­ge­heim arbei­te­te, schnappt sich das vie­le bar­geld einer sei­ner gera­de ver­stor­be­nen pati­en­tin­nen, haut in den süden ab, nimmt auf dem weg noch eine hei­ße frau mit, die sich auch noch als klug her­aus­stellt, erlebt ver­schie­de­ne „aben­teu­er“ etc. etc. – kommt natür­lich reich, wenn auch etwas ver­sehrt, mit sei­ner traum­frau aus dem schla­mas­sel heraus.
so ein text ist wohl das unaus­weich­ba­re ergeb­nis, wenn krea­ti­ve beson­ders krea­tiv und auch noch inno­va­tiv oder avant­gar­dis­tisch sein wol­len: eine außer­or­dent­lich bemüh­te plot-kon­struk­ti­on (deut­lich zu mer­ken der kon­struk­ti­ons­plan…), ein grau­en­haft bana­ler sti­lis­ti­scher brei, total plat­te und abge­lut­sche moti­ve und so wei­ter. – ande­re erklä­rungs­mög­lich­keit: so etwas pas­siert, wenn krea­ti­ve kur­se für krea­ti­ves schrei­ben besu­chen. der kunst­wil­len führt aber nur zur pseu­do­kunst – etwa im nach­rich­ten­ti­cker, der unten über die sei­ten läuft. viel­leicht ist das ja als beson­de­re rea­li­täts­ver­si­che­rung gemeint, es bringt aber über­haupt nichts
das bes­te noch der titel oder eigent­lich der gesam­te para­text, etwa auch das mot­to von nico­las cage (klar, deut­li­cher ver­weis auf das refe­renz­sys­tem die­ses tex­tes: frü­her stand hier ein bon­mot eines dich­ters, eine sen­tenz oder so etwas ähn­li­ches, jetzt ist es halt das ergeb­nis eines halb­wegs hel­len augen­blicks eines schau­spie­lers): „es gibt zu vie­le schwät­zer, zu vie­le lüg­ner, zu vie­le die­be. das beschleu­ni­gungs­tem­po unse­rer kul­tur [!!] ist so hoch, das bie­tet güns­ti­ge bedin­gun­gen für arsch­lö­cher. nur wer die his­to­rie kenn, kann sich eine kor­rek­te mei­nung bil­den.“ oder auch die auf­ma­chung – wirkt fast wie real­sa­ti­re (titel mit prä­sen­ta­tor, auf­ruf zur text­ein­sen­dung „aller gewichts­klas­sen“), über­treibt es damit aber („stab“, inkl. „per­for­mance-musik“, cate­ring von „mama&mama“ – sehr wit­zig…) so weit, dass es offen­bar doch tat­säch­lich ernst gemeint war (natür­lich wohl mit dem zwin­kern­den auge – es gibt kaum schlim­me­res als so ent­stan­de­ne tex­te – die sind näm­lich fast nie wirk­lich wit­zig und schon gar nicht gut)

macht die anein­an­der­rei­hung von ganz vie­len zei­chen einen text zum roman? „die gar­ni­tur“, eine art textagen­tur mit dem anspruch beson­de­rer inno­va­ti­vi­tät, scheint der idee nicht abge­neigt zu sein. ihre chefs mat­thi­as edling und jörg stein­leit­ner haben die 205.293 zei­chen einen roman genannt. so vie­le zei­chen sind das aber gar nicht – im groß­zü­gi­gen druck gut 150 seiten.wie das buch auf mei­ne lese­lis­te gekom­men ist – ich habe kei­ne ahnung, das ist eben manch­mal der nach­teil so exten­si­ver lis­ten­füh­re­rei­en… – gelohnt hat es sich jeden­falls nicht, noch nicht ein­mal als unter­hal­tung ist es wirk­lich brauch­bar. es ist so ein ver­such, die ame­ri­ka­ni­sche gangs­ter­sto­ry oder eher den gangs­ter­film nach euro­pa zu ver­le­gen. weil die autoren (oder, wie sie sich selbst benen­nen, das „autoren­team“) dafür aber über zu wenig krea­ti­vi­tät, vor­stel­lungs­kraft, stil­ge­fühl und ästhe­ti­sche urteils­si­cher­heit ver­fügt, klappt das nicht so rich­tig – ist auch alles eine stu­fe harm­lo­ser: stu­dent, der im pfle­ge­heim arbei­te­te, schnappt sich das vie­le bar­geld einer sei­ner gera­de ver­stor­be­nen pati­en­tin­nen, haut in den süden ab, nimmt auf dem weg noch eine hei­ße frau mit, die sich auch noch als klug her­aus­stellt, erlebt ver­schie­de­ne „aben­teu­er“ etc. etc. – kommt natür­lich reich, wenn auch etwas ver­sehrt, mit sei­ner traum­frau aus dem schla­mas­sel heraus.
so ein text ist wohl das unaus­weich­ba­re ergeb­nis, wenn krea­ti­ve beson­ders krea­tiv und auch noch inno­va­tiv oder avant­gar­dis­tisch sein wol­len: eine außer­or­dent­lich bemüh­te plot-kon­struk­ti­on (deut­lich zu mer­ken der kon­struk­ti­ons­plan…), ein grau­en­haft bana­ler sti­lis­ti­scher brei, total plat­te und abge­lut­sche moti­ve und so wei­ter. – ande­re erklä­rungs­mög­lich­keit: so etwas pas­siert, wenn krea­ti­ve kur­se für krea­ti­ves schrei­ben besu­chen. der kunst­wil­len führt aber nur zur pseu­do­kunst – etwa im nach­rich­ten­ti­cker, der unten über die sei­ten läuft. viel­leicht ist das ja als beson­de­re rea­li­täts­ver­si­che­rung gemeint, es bringt aber über­haupt nichts
das bes­te noch der titel oder eigent­lich der gesam­te para­text, etwa auch das mot­to von nico­las cage (klar, deut­li­cher ver­weis auf das refe­renz­sys­tem die­ses tex­tes: frü­her stand hier ein bon­mot eines dich­ters, eine sen­tenz oder so etwas ähn­li­ches, jetzt ist es halt das ergeb­nis eines halb­wegs hel­len augen­blicks eines schau­spie­lers): „es gibt zu vie­le schwät­zer, zu vie­le lüg­ner, zu vie­le die­be. das beschleu­ni­gungs­tem­po unse­rer kul­tur [!!] ist so hoch, das bie­tet güns­ti­ge bedin­gun­gen für arsch­lö­cher. nur wer die his­to­rie kenn, kann sich eine kor­rek­te mei­nung bil­den.“ oder auch die auf­ma­chung – wirkt fast wie real­sa­ti­re (titel mit prä­sen­ta­tor, auf­ruf zur text­ein­sen­dung „aller gewichts­klas­sen“), über­treibt es damit aber („stab“, inkl. „per­for­mance-musik“, cate­ring von „mama&mama“ – sehr wit­zig…) so weit, dass es offen­bar doch tat­säch­lich ernst gemeint war (natür­lich wohl mit dem zwin­kern­den auge – es gibt kaum schlim­me­res als so ent­stan­de­ne tex­te – die sind näm­lich fast nie wirk­lich wit­zig und schon gar nicht gut)

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