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Kategorie: kritik Seite 11 von 15

klaviermusik aus argentinien

gut, es gibt den tan­go – der aber auch kei­ne genui­ne kla­vier­mu­sik ist. aber sonst? da kennt man eigent­lich nix wei­ter. vom kon­zert des main­zer pia­nis­ten oscar vet­re war auch mir vie­les nicht bekannt – was ja nichts über die qua­li­tät aussagt.

wer argen­ti­ni­en sagt, muss auch tan­go sagen. das geht ein­fach nicht anders. also muss­te oscar vet­re auch tan­gos mit in sein kon­zert argen­ti­ni­scher kla­vier­mu­sik auf­neh­men. er hat­te aber noch wesent­lich mehr zu bie­ten: viel musik aus dem spä­ten 19. jahr­hun­dert, als sich in argen­ti­ni­en eine eigen­stän­di­ge musik­kul­tur entwickelte.
euro­pä­isch geprägt blieb sie aller­dings noch eine wei­le – fast alle kom­po­nis­ten wur­den in frank­reich oder spa­ni­en aus­ge­bil­det. und so wun­dert es kaum, dass etwa alber­to wil­liams klei­ne kla­vier­stü­cke zwar argen­ti­ni­sche land­schaf­ten und melo­dien auf­grei­fen, im grun­de aber von frü­hen impres­sio­nis­ti­schen wer­ken aus frank­reich kaum zu unter­schei­den sind. oscar vet­re, in bue­nos aires gebo­ren und seit eini­gen jah­ren kla­vier­pro­fes­sor an der main­zer musik­hoch­schu­le, ist nicht nur bio­gra­phisch bes­tens vor­be­rei­tet für die­se musik. er ist zwar nur ein klei­ner mann, aber sei­ne kraft reicht alle­mal, das foy­er der lbs mit sei­ner gräß­li­chen akus­tik zum bers­ten zu brin­gen. die fens­ter­schei­ben hal­ten stand­haft den schall der atta­cken aus dem flü­gel im raum, das publi­kum wird vom kla­vier­klang umtost wie im zen­trum eines orkans. es geht aller­dings auch so man­ches mal wild zur sache in der argen­ti­ni­schen musik. juan joa­se cas­tros „toc­ca­ta“ war dafür ein ganz beson­ders deut­li­ches bei­spiel: aben­teu­er­lich und unge­bän­digt for­dert der kom­po­nist den pia­nis­ten zu einer unwahr­schein­li­chen expe­di­ti­on in die wild­nis her­aus. wild sind nicht nur die anfor­de­run­gen an die vir­tuo­si­tät, wild ist auch die klang­li­che expres­si­vi­tät, die auf­ge­wühl­te stim­mung. vet­re gibt sich aber auch alle mühe, die­se fast besin­nungs­lo­se getau­mel in aller schär­fe zu zei­gen: da ist selbst im absur­des­ten noten­ge­tüm­mel noch jeder ton klar und deut­lich, nichts über­sieht er und über nichts lässt er die zuhö­rer im ungewissen.
vetres chir­ur­gen­mes­ser des glas­kla­ren, ana­ly­ti­schen spiels, das sich in fas­zi­nie­ren­der wei­se mit der lei­den­schaft der musik ver­bin­det, machen dann auch die tan­gos zum genuss. natür­lich darf da astor piaz­zolla nicht feh­len. forsch stürzt sich der pia­nist auch in bekann­te stü­cke wie „sent­i­do úni­co“ oder „ver­ano por­teno“. am bes­ten zeigt sich sein drauf­gän­ge­ri­sches krafspiel bei alber­to ginas­te­ras „tres danz­as argen­ti­nas“, in denen sich moder­nis­men mit folk­lo­re­ein­flüs­sen ver­bin­den. die­se viel­schich­ti­ge musik gibt vet­re zum schluss noch ein­mal gele­gen­heit, die aus­drucks­pa­let­te ganz aus­zu­rei­zen und sei­ne befä­hi­gung zum uni­ver­sal­pia­nis­ten noch ein­mal zu bekräftigen.

das cello und die neue musik

wahr­schein­lich sind alle künst­ler auf der suche. viel­leicht nicht nach dem hei­li­gen gral, aber zumin­dest nach der idea­len aus­drucks­mög­lich­keit. musi­ker haben des­halb immer wie­der exo­tis­men für sich ent­deckt: die volks­mu­sik des eige­nen oder frem­der län­der zum bei­spiel. oder die ver­mi­schung von e- und u‑musik. heu­te ist es vor allem die klang­li­che kom­po­nen­te der musik, die vie­le kom­po­nis­ten reizt. doch auch wenn alle das sel­be machen, ist es noch lan­ge nicht das gleiche.der jun­ge wies­ba­de­ner cel­list jan-filip ?uba woll­ten in der alten patro­ne eigent­lich das zei­gen: wie kom­po­nis­ten mit frem­den ele­men­ten umge­hen. dazu hat er sich noch den kom­po­nis­ten fer­nan­dez bol­lo ein­ge­la­den, um ein wenig über die musik zu erzäh­len. demons­triert haben sie, dass im bes­ten fall jeder sei­ne urei­gens­te kom­po­si­ti­ons­wei­se hat. bernd alo­is zim­mer­mann etwa schrieb ganz ande­re musik als györ­gy ligeti.
zim­mer­manns sona­te für cel­lo reiht immer neue aus­schnit­te der wirk­lich­keit und der phan­ta­sie zu einem ver­such, mit der viel­falt der auf uns ein­stür­zen­den welt fer­tig zu wer­den, ohne die form ganz zu ver­lie­ren – ein ver­such, der heu­te noch bei jeder auf­füh­rung genau­so unge­wiss ist wie bei sei­ner ent­ste­hung vor fast 50 jah­ren. in der alten patro­ne bot jan-filip ?uba eine beei­dru­cken­de rea­li­sie­rung die­ser phan­tas­te­rei­en: tech­nisch unglaub­lich sicher navi­gier­te er durch die noten und fand immer wie­der genü­gend frei­raum, das auch klang­lich außer­or­dent­lich ein­neh­mend umzusetzen.
gegen so eine tour de force ist lige­tis sona­te fast harm­los. hier konn­te ?uba sei­ner roman­ti­schen ader frei­en lauf las­sen: mit viel volu­men und mäch­tig auf­quel­len­dem ton erober­te er die räu­me die­ses werks, flog rasant von einem extrem ins ande­re, von ver­hut­schen, schat­tig-mys­te­ri­ös gehauch­ten figu­ren zu auf­dring­lich extrem aus­buch­sta­bier­ten, quiet­schen­den und dröh­nen­den klang­fol­gen. dage­gen erschie­nen die für ?uba kom­po­nier­ten „anab­chro­nic­les“ von man­fred stahn­ke nur noch als ein wil­des samm­sel­su­ri­um von klang­far­ben­for­schun­gen, deren gestalt sich dem hörer nicht mit­teilt. dafür gibt es sehr ver­spiel­te ent­de­ckun­gen der klang­li­chen mög­lich­kei­ten des cel­lo mit natur­ton­rei­hen, blues­ele­men­ten und fingergetrommel.
noch ein­mal ganz anders: fer­nan­dez bol­los „solos“, vom kom­po­nis­ten als unspiel­ba­res stück geschrie­ben und von ?uba nach einem jahr tüf­telns zum klin­gen gebracht. im ewi­gen krei­sen die­ser hyper­vir­tuo­sen spie­le­rei um weni­ge moti­ve ändert sich vor allem eines: die klang­far­be. die wird per­ma­nent vom sat­ten wohl­klang zum gedämpft ange­zupf­ten zir­pen, vom elek­tro­nisch klin­gen­den schwir­ren zu lär­men­den klang­bal­lun­gen ver­formt. und zeigt damit, dass die suche nach dem klang an sich, der idea­len aus­drucks­form noch lan­ge nicht abge­schlos­sen ist.

streichquartett ganz klassisch: mozart und beethoven

da ist mei­ner zei­tungs­kri­tik eigent­lich nix hinzuzufügen:

urück zu den wur­zeln zu gehen muss nicht unbe­dingt ein rück­schritt sein. ab und an müs­sen etwa auch die dozen­ten der vil­la musi­ca sich von den aus­ge­feil­ten extra­va­gan­ten kon­zept­pro­gram­men erho­len und zu den grund­la­gen zurück­keh­ren. zum bei­spiel zu mozart und beet­ho­ven. erho­lung ist in sol­chen fäl­len natür­lich rela­tiv – so rich­tig ent­span­nend ist das weder für die musi­ker noch für das publi­kum. dafür hat­te sich das streich­quar­tett der vil­la musi­ca viel zu anspruchs­vol­le wer­ke aus­ge­sucht: beet­ho­vens opus 127 und das b‑dur-quar­tett kv 589 von mozart – zwei spät­wer­ke, die sich an kom­ple­xi­tät und grö­ße wenig schenken.
und außer­dem spiel­ten die vier erwar­tungs­ge­mäß mit vol­len ernst und vor allem, was noch viel wich­ti­ger ist, mit gan­zem ein­satz und ihrem gesam­ten kön­nen. nicht uner­heb­lich ist natür­lich auch ihre erfah­rung. das zeig­te sich ganz neben­säch­lich am fast blin­den ver­trau­en der musi­ker: sie müs­sen sich kei­ne zei­chen geben, sie kön­nen ganz in ruhe und kon­zen­triert stets stur in ihre noten bli­cken – und trotz­dem unter­ein­an­der und mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren. musik, die so ein­ver­nehm­lich im gleich­klang gemacht wird schlägt ohne wei­te­res die brü­cke von podi­um ins publikum.
ein wesent­li­cher grund dafür ist ihre ehr­lich­keit: sie sind eben grund­so­li­de musi­ker. und sowohl die geschlos­sen­heit des ensem­bles als auch die schein­bar uner­schöpf­li­che kraft kom­pri­mie­ren beet­ho­vens streich­quar­tett hier zu einem aus­ge­spro­chen dich­ten klang­ge­we­be. neben­bei gelingt es ihen sogar noch, in die groß­di­men­sio­nier­ten anla­ge, die sie in vor­treff­li­cher klar­heit auf­schei­nen lie­ßen, auch den esprit. den witz die­ses wer­ke ganz selbst­ver­ständ­lich zu integrieren.
bei mozarts quar­tett ver­scho­ben sich die schwer­punk­te dann ein wenig: das klang­bild lös­te sich auf, schon durch die kom­po­si­to­ri­sche gestal­tung, aber auch durch die locke­re spiel­hal­tung des quar­tetts. dabei ver­zich­te­ten sie aller­dings kei­nes­wegs auf ihre unbe­ding­ten, kraft­vol­len impul­se: immer wie­der explo­dier­ten sie bei­na­he vor taten­drang. zwang­haf­te dis­zi­plin leg­ten sie hier eben­so wenig an den tag wie blo­ßes stre­ben nach tech­ni­scher per­fek­ti­on hör­bar stand viel­mehr das tönen­de gestal­ten einer oft aus­ge­spro­chen glut­voll geleb­ten klang­welt im vor­der­grund. ganz so, wie die­se musik ursprüng­lich gedacht war.

ja, ja, das gibt’s immer noch: musik, die am bes­ten dazu genutzt wird, ein­zu­schla­fen. tord gus­tav­sens trio ist so etwas…: schön sen­ti­men­tal, garan­tiert nicht stö­rend, nie­man­den ver­stö­rend, immer schön brav geradeaus…

drei män­ner mitt­le­ren alters schlen­dern auf die büh­ne, machen hun­dert minu­ten musik und gehen wie­der. unspek­ta­ku­lä­rer geht es kaum.
genau das ist aber auch das ziel des tord gus­tav­sen tri­os: sich nicht ablen­ken las­sen und den zuhö­rern pure und rei­ne musik schen­ken. eine musik, die in bes­ter roman­ti­scher manier auch auf dem gebiet des kam­mer­mu­si­ka­li­schen trio-jazz immer noch und wie­der auf der suche nach inni­gen momen­ten ist. und sie fin­den fast erschre­ckend vie­le davon. denn bei ihnen scheint das gar nich so sehr auf­wän­dig zu sein: sie machen ein­fach ihre musik. und sie ver­sen­ken sich ganz dar­in. tord gus­tav­sen etwa will anschei­nend immer wie­der in sei­nen flü­gel hin­ein­krie­chen, der kör­per krümmt sich um die tas­ta­tur bis die nase fast an die fin­ger stößt. das ergeb­nis gibt ihnen aber immer wie­der recht. ohne sich in irgend­ei­ner wei­se um die zumu­tun­gen der moder­ne zu küm­mern, träu­men und phan­ta­sie­ren sie vor sich hin. frei­lich geschieht das nie völ­lig los­ge­löst, eine gewis­se ord­nung bleibt immer gewahrt: die aus­ge­wo­ge­nen melo­dien blei­ben schön im vor­der­grund, kein plötz­li­cher aus­bruch stört die kom­pak­ten for­men des arran­ge­ments, kei­ne wider­bors­ti­ge ecke, noch nicht ein­mal eine schar­fe kan­te kann in die­ser insel der glück­se­lig­keit auf­merk­sam­keit for­dern. ihre musik wird dadurch zwar nicht unbe­dingt span­nen­der, durch das ewi­ge ver­wei­len in engen har­mo­ni­schen räu­men und gleich­blei­ben­den mus­tern aber auf eine sehr inspie­ren­de und anre­gen­de wei­se ent­las­tend: der ver­stand und das den­ken haben jetzt ruhe­pau­se, nun darf die see­le ganz in ruhe, ohne ablen­kung, bau­meln. und die drei nor­we­ger wer­den sie ruck­zuck in ein har­mo­ni­sches gleich­ge­wicht versetzen.
ihre musik, durch­weg eigen­kom­po­si­tio­nen, wälzt und schlän­gelt sich durch die zeit wie ein gro­ßer mahl­strom, ein ein­zig­ar­ti­ger fluß in unab­läs­si­ger bewe­gung, ohne stau­stu­fen, plötz­li­che kni­cke oder sons­ti­ge hin­der­nis­se – das was­ser bleibt an der ober­flä­che immer schön glatt. immer­hin gibt das trio dem publi­kum wenigs­tens ab und an gele­gen­heit, sei­ne begeis­te­rung kund zu tun. und die main­zer lausch­ten ange­strengt und hoch kon­zen­triert, eine fast sakra­le atmo­sphä­re herrscht im lücken­haft besetz­ten frank­fur­ter hof. eine fei­er des gut­mü­ti­gen und posi­ti­ven den­kens setzt die­se musik in gang, die nur das voll­kom­me­ne auf­ge­hen in die­sem zustand der fei­er­li­chen schwe­be akzeptiert.

und noch einmal: mozarts requiem

so etwas sieht st. peter sel­ten: eine lan­ge schlan­ge win­det sich noch weni­ge minu­ten vor beginn über den vor­platz. die kir­che ist schon lan­ge dicht besetzt, selbst die steh­plät­ze auf der empo­re sind heu­te begehrt: mozarts requi­em ist es, dass die leu­te in mas­sen anzieht. oder sind es doch eher die chö­re des peter-cor­ne­li­us-kon­ser­va­to­ri­ums und der main­zer fachhochschule?
aus wel­chem grund auch immer die zuhö­rer gekom­men waren, sie hat­ten ein durch­wach­se­nen kon­zert­abend vor sich. zur ein­stim­mung gab es ein erst ein mal eine dröh­nen­de ver­si­on des „te deum“ von marc antoine char­pen­tier, das der diri­gent roland r. pel­ger erstaun­lich blass und nichts­sa­gend abwick­len ließ. und vom himm­li­chen lob­preis ging es dann im bru­ta­len schnitt hin­ein in das dun­kel des requi­ems. aber so nach und nach stell­te sich her­aus, dass der wech­sel von char­pen­tier zu mozart doch nicht ganz so hart war: immer stär­ker ließ pel­ger das requi­em näm­lich auch wie­der eine rie­si­ge ruhe aus­strah­len und schuf damit eine stim­mung gläu­bi­ger gelas­sen­heit, die sich trotz aller ver­zweif­lung und todes­not umfan­gen und gebor­gen weiß. nicht, dass pel­ger damit ein rei­nes kuschel-requi­em abge­lie­fert hät­te. die mar­ki­ge pathos-keu­le wird von ihm und sei­nen mit­strei­tern durch­aus wuch­tig geschwun­gen. dabei fehl­te aber oft das gespür für das rech­te quan­tum. im beginn des dies irae zum bei­spiel erschlug er damit kon­se­quent jede nuan­cie­rung und fein­heit. was dann aber doch ent­täu­schen muss­te, war die schnel­lig­keit, mit der sich sol­che grund­sätz­lich posi­ti­ven ansät­ze immer wie­der in belang­lo­sen all­ge­mein­plät­zen ver­lo­ren. doch da pel­ger das feu­er immer wie­der neu ent­fa­chen konn­te, pen­del­te das requi­em stän­dig zwi­schen inten­siv gefühl­ter span­nung und lascher par­ti­tur-exe­ku­ti­on. immer­hin ver­füg­te er über gut prä­pa­rier­te chö­re, die mit ihrer jugend­li­chen geschmei­dig­keit leich­tes spiel hat­ten. auch die solis­ten sind durch­weg bewähr­te kräf­te: die klar strah­len­de nico­le tam­bu­ro genau­so wie bar­ba­ra arne­ke, die ihre kraft­vol­le stim­me erfreu­lich genau dosier­te. dazu noch der soli­de, unbe­irr­ba­re bass von dani­el böhm und der hell her­au­ste­chen­de dani­el sans: die sän­ger füg­ten sich fast zu unauf­fäl­lig ein. denn wesent­li­che impul­se konn­ten sie nicht bei­steu­ern, das steu­ern über­lie­ßen sie ganz und gar pel­ger. der hat­te damit auch kei­ne pro­ble­me und hielt kla­ren kurs – nur sein antrieb schwä­chel­te eben von zeit zu zeit.

ja, sie kön­nen. und nicht ein­mal schlecht. gut, das reper­toire ist recht ein­ge­schränkt – ech­te meis­ter­wer­ke gibt es wohl nicht. und der klang wird auch sehr leicht bloß flä­chig und ein­tö­nig. aber die bratschen­grup­pe des main­zer phil­har­mo­ni­schen orches­ters hat das trotz­dem nicht schlecht gemacht – sehr unter­halt­sam mode­riert von mal­te schae­fer, ein net­ter abend (auch wenn die zuga­be, an der schö­nen blau­en donau, etwas über­pro­por­tio­nal lang war…)

es sind dann doch ein paar mehr gewor­den. eigent­lich woll­te mal­te schae­fer ja kei­ne wit­ze erzäh­len, son­dern sein publi­kum in die unbe­kann­te welt der musik für drei bis acht brat­schen ein­füh­ren. aber irgend­wie muss­te der solo­brat­scher des phil­har­mo­ni­schen orches­ters im klei­nen haus ja die vie­len umbau­pau­sen über­brü­cken. und die aus­wahl an brat­schen­wit­zen ist ja auch sehr groß. ganz im gegen­satz zum reper­toire für meh­rer vio­len ohne irgend wel­che ande­ren, stö­ren­den beglei­ter. und das weni­ge, das es gibt, ist selbst­ver­ständ­lich voll­kom­men unbe­kannt, nicht ein­mal die namen ihrer schöp­fer sind geläu­fig. wer tut sich auch frei­wil­lig so etwas wan, acht brat­schen pur und ohne ablen­kung? vie­le scheint so etwas nicht zu inter­es­sie­ren, weder kom­po­nis­ten noch zuhörer.
aber denen ent­geht doch eini­ges. zum bei­spiel die „fan­ta­sia for four vio­las“ des eng­li­schen erz­ro­man­ti­kers york bowen. nein, den muss man wirk­lich nicht ken­nen. aber sei­ne fan­ta­sia ist trotz­dem bedrü­ckend schön – vor allem, weil sie sich der klang­welt der vio­la voll und ganz aus­lie­fert. es ist aber auch ein span­nen­der hör­kri­mi bei nacht und nebel, mit ver­fol­guns­jag­den, hit­zi­gen ver­hö­ren und müh­sa­mer spu­ren­su­che. die vier musi­ker spie­len das aber auch mit einer sol­chen hin­ga­be und tie­fen, aus­drucks­vol­len ver­sen­kung, das man ihren ver­füh­run­gen und über­zeu­gungs­küns­ten voll­ends aus­ge­lie­fert ist. fast genau­so ver­lo­ckend prä­sen­tie­ren sie auch max rit­ter von wein­zier­ls „nacht­stück“. das ist in den meis­ten tei­len sei­nes epi­so­den­haf­ten ver­laufs wun­der­bar zart, luf­tig und son­nig – das brat­schen so unbe­schwert klin­gen kön­nen, ist hier noch eine über­ra­schung. es wur­de dann aber schnell zur selbst­ver­ständ­lich­keit. denn die main­zer bratschen­grup­pe mach­te wirk­lich ernst und zog auch musik der leich­te­ren fas­son her­an: leo­nard ber­steins „some­whe­re“ etwa, oder jean paul mar­ti­ni­nis „plai­sir d’amour“ – für sol­che schmacht­fet­zen ist der war­me, fül­li­ge klang der vio­la natür­lich bes­tens geeignet.
damit war das oktett aber noch lan­ge nicht zufrie­den. sie haben dem chor­di­rek­tor sebas­ti­an her­nan­dez-laver­ny auch noch eine kom­po­si­ti­on ganz spe­zi­ell für ihre beset­zung ent­lockt: „intro­duk­ti­on, can­ta­bi­le und phan­tas­ti­sche fuge“ heißt die urauf­füh­rung. und sie hat es wirk­lich in sich. im leich­ten spiel der ver­satz­stü­cke wer­den die tech­ni­schen fähig­kei­ten der strei­cher außer­or­dent­lich gefor­dert. und auch die zuhö­rer muss­ten sich anstren­gen, in der acht­stim­mi­gen fuge nicht den über­blick zu ver­lie­ren. ver­wick­lun­gen gibt es in die­ser phan­tas­ti­schen mix­tur mehr als genug – aber ein publi­kum, das sich frei­wil­lig acht brat­schen anhört, hält auch das aus.

mal wieder ein sinfoniekonzert

dies­mal darf im main­zer thea­ter der kapell­meis­ter ran – und er macht sei­ne sache nicht schlecht, bei einem ziem­lich anspruchs­vol­len programm…

das träu­men ist das vor­recht der jugend. kein wun­der also, das beim zwei­ten sin­fo­nie­kon­zert, das aus­drück­lich den jugend­li­chen kom­po­nis­ten gewid­met war, ganz viel ver­träum­te roman­tik zu hören war – aus dem 19., dem 20. und dem 21. jahr­hun­dert. im mit­tel­punkt dabei: zwei orches­ter­wer­ke von anno schrei­er, des­sen oper „kein ort. nir­gends“ gera­de im klei­nen haus auf dem spiel­plan steht. und die ver­ra­ten schon in den titeln ihre nähe zu den ideen der roman­tik: nacht­stück heißt das eine, frag­men­te ist das ande­re überschrieben.
schrei­ers orches­ter­stü­cke sind eine art von musik, die alles auf ein­mal sein will und des­halb kaum eine chan­ce hat, irgend­et­was bestimm­tes tat­säch­lich zu sein. das rie­si­ge orches­ter beherrscht er sou­ve­rän, ver­an­stal­tet mit ihm ein ent­spre­chen­des getüm­mel und zuwei­len recht auf­dring­li­ches klang­li­ches gewu­sel: fes­te zustän­de gibt es hier nie, selbst das sowie­so stän­dig sich ver­än­dern­de klang­ge­sche­hen wird immer wie­der unter­bro­chen und mit einer art kom­men­tar ver­se­hen – sehr gekonnt, aber irgend­wie auch unge­heu­er ziel­los und belie­big beim ers­ten hören. ganz ähn­lich erschei­nen die vier frag­men­te, die in mainz in ihrer revi­dier­ten fas­sung zum ers­ten mal erklan­gen. die sind so sehr voll­ge­stopft mit moti­vi­schen und sti­lis­ti­schen zita­ten und anklän­gen, dass es ihnen nur sel­ten gelingt, einen eige­nen ton­fall zu ent­wi­ckeln. tho­mas dorsch schaff­te es immer­hin, die­se mischung aus kra­chen­der gro­tes­ke und gefüh­li­ger see­len­schau sehr plas­tisch und mit groß­zü­gig dimen­sio­nier­tem kraft­ein­satz auch sehr packend zu gestalten.
als zuver­läs­si­ger klang­ver­wal­ter trat er auch mit hans wer­ner hen­zes „la sel­va incan­ta­ta“ auf: prä­zi­se misch­te er hier die mat­ten strei­ch­er­klän­ge mit den beein­dru­cken holz­blä­sern, ver­bin­det schwe­re­lo­se träu­me und gewich­ti­ge ernst­haf­tig­keit in sehr kla­ren, über­sicht­li­chen abläu­fen. aber er konn­te noch mehr. bei men­dels­sohn-bar­thol­dys ers­ter sin­fo­nie, auch ein ech­tes jugend­werk des zwan­zig­jäh­ri­gen kom­po­nis­ten, griff er näm­lich noch ein­mal ganz tief in die trick­kis­te. im ver­gleich zu dem bro­deln­den feu­er­topf, des­sen deckel er im ers­ten satz mit gro­ßer ges­te bei­sei­te schleu­der­te und die gan­ze gewalt der grim­mi­gen atta­cke auf das publi­kum los lies, war der rest des kon­zer­tes auf ein­mal nur noch vor­ge­plän­kel. und er konn­te die­sen ein­druck auch wei­ter­hin behaup­ten: geschmei­dig zele­brier­te er den zwei­ten satz, blieb auch im scher­zo ein uner­müd­lich wir­bel­wind, der das orches­ter immer wie­der an die gren­zen trieb und pfef­fer­te das fina­le so sehr mit lei­den­schaft, dass die musi­ker noch ein­mal wirk­lich auf­blüh­ten und ech­te klas­se zeigten.

die buschtrommelt wirbelt im patat herum

die busch­trom­mel ist nicht nur ein kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­um, son­dern macht auch eine men­ge krach. einen bes­se­ren namen kann sich ein kaba­rett-trio also eigent­lich gar nicht geben. denn die drei män­ner, die da wie­der ein­mal im patat auf der büh­ne ste­hen, hau­en denn auch so rich­tig auf die pau­ke. sie tun dies schon seit fünf­zehn jah­ren – also noch län­ger als die michel­städ­ter klein­kunst­büh­ne. aber immer­hin kön­nen sie gemein­sam fei­ern. und die­ses dop­pel­te jubi­lä­ums­pro­gramm hat es in sich. denn die busch­trom­mel ist ein ech­ter wir­bel­sturm. die drei män­ner schlüp­fen geschmei­dig von einer rol­le in die nächs­te: schau­spie­le­ri­sche ver­wand­lungs­küns­te sind ohne zwei­fel das größ­te an die­sem trio. wie etwa andre­as brei­ing den engel adolf hit­ler gibt, der sich bei den deut­schen ent­schul­di­gen möch­te und dabei unun­ter­bro­chen unter auf­bie­tung absur­der zun­gen­akro­ba­tik damit zu kämp­fen hat, sein fal­schen bärt­chen am rich­ti­gen platz zu hal­ten, ist wun­der­bar gro­tesk. oder wie jörg fabri­zi­us als auf­schwung­be­auf­tra­ger für die not­wen­di­ge posi­ti­ve grund­hal­tung in der bevöl­ke­rung sorgt, indem er den ewi­gen nörg­lern und pes­si­mis­ten seri­en­wei­se das lebens­licht aus­pus­tet – aber immer auf ganz indi­vi­du­el­le art! – das hat ein­fach klas­se. und natür­lich lud­ger wil­helm, der bei sei­ner geburt 15 minu­ten, nein 20, ach was, fast 30 minu­ten ohne sau­er­stoff aus­kom­men muss­te. man merkt es aber fast gar nicht. ande­rer­seits wäre sonst aber wohl nie so ein treff­li­cher assi aus dem ruhr­pott aus ihm gewor­den, der unter auf­bie­tung aller sei­ner bescheid­nen krea­ti­ven kräf­te ver­sucht, eine mög­lichst bil­li­ge beer­di­gung für sei­ne oma zu orga­ni­sie­ren– bei ihm wird das frei­lich schnell zu einer rechen­auf­ga­be und endet natür­lich in der total maka­bren ent­sor­gung mit­ten auf der düs­sel­dor­fer kö.

so kalau­ern sich die drei müns­te­ra­ner durch die „gefühl­ten höhe­punk­te“ ihre letz­ten jah­re. doch gefüh­le sind nicht immer die bes­ten pro­gramm­ma­na­ger. vor allem nach der pau­se hat­te das trio näm­lich so eini­ge durch­hän­ger: die wit­ze über ulla schmidt – lie­be­voll als todes­en­gel apo­stro­phiert – sind eben nicht mehr so ganz brand­neu. und auch zum rest­li­chen ber­li­ner per­so­nal fällt ihnen nicht all­zu viel neu­es ein. die beob­ach­tung der „mer­kel­sche unschär­fe­re­la­ti­on“ ist da noch ein ech­tes high­light. bes­ser sind die drei aber sowie­so da, wo es nicht um genu­in poli­ti­sche, son­dern um gesell­schaft­li­che phä­no­me­ne geht. als zyni­sche beob­ach­ter und kom­men­ta­to­ren des sozia­len elends, die sich immer brav aus allem her­aus­hal­ten und mun­ter wet­ten abschlie­ßen, wann der jun­kie von gegen­über wohl end­lich auf­hört, sich zu bewe­gen, sind sie nicht zu schla­gen. und ihre ulti­ma­ti­ve lösung des schul­den­pro­blems der brd hat auch eini­ges für sich: sie über­tra­gen die paar bil­lio­nen euro mie­se dem unter­neh­men „omer­tà“, das zwar auch nicht viel geld ein­trei­ben kann, mit don pas­qua­le und der schlag­kräf­ti­gen unter­stüt­zung von lui­gi aber immer­hin den ernst der lage ver­deut­lich ver­mag. von dort ist es dann auch nur noch ein klit­ze­klei­ner schritt zum inter­na­tio­na­len ter­ror. der besteht wahl­wei­se aus dem ver­fas­sungs­schutz, der längst alle ehe­mals ter­ro­ris­ti­schen zel­len unter­wan­dert hat, der spd, die immer über­all ihre fäden zieht, oder der neu­en cd von tokio hotel. sich selbst hät­ten sie eigent­lich auch gleich noch dazu zäh­len kön­nen. aber die busch­trom­mel singt doch wesent­lich bes­ser als die tee­nie-band. und ist auch erwach­se­ner. zumin­dest ein bisschen.

Der Erlöser und Erretter ist da – Messias in der Christuskirche

also, ich hal­te davon ja nicht so viel, jetzt auch noch die gan­zen bear­bei­tun­gen gezielt auf­zu­füh­ren, als eigen­stän­di­ge kunst­wer­ke sozu­sa­gen. zumal ich mozarts ver­si­on weder not­wen­dig noch – aus heu­ti­ger zuhö­rer­sicht, mit den mög­lich­kei­ten und erfol­gen (–> paul mccree­shs her­aus­ra­gen­de ein­spie­lung bei der archiv-pro­duk­ti­on etwa!) im ohr und kopf, – für gelun­gen erach­te – aus der heu­ti­gen sicht, wohl­ge­merkt und betont. denn zu mozarts zei­ten mag das durch­aus ein ehren­wer­ter ver­such gewe­sen sein, zumal er ja in die makro­struk­tur erfreu­lich wenig ein­ge­grif­fen hat. aber das völ­lig neue orches­ter, die umin­stru­men­tie­run­gen und neu­en stim­men, ändern doch (fast) alles. der bach­chor macht sei­ne sache trotz­dem wun­der­bar, auch wenn ich mich wie so oft für den mes­si­as die­ses mal wie­der nicht unbe­dingt begeis­tern kann – das schaff­te bis­her nur mccree­sh. ok, soviel zum auf­wär­men, jetzt geht es zur sache:

gewöhn­lich wird der „mes­si­as“ von hän­del im advent oder even­tu­ell noch vor den oster­fei­er­ta­gen musi­ziert. ihn am tag der deut­schen ein­heit aufs pro­gramm zu set­zen, führt des­halb zu eini­gen unge­wohn­ten asso­zia­tio­nen. aber es gibt ja jetzt auch schon leb­ku­chen, weih­nach­ten kann also nicht mehr weit sein. ralf otto lässt sich von sol­chen äußer­lich­kei­ten sowie­so nicht beson­ders beein­dru­cken. und gera­de beim „mes­si­as“, den er für das dies­jäh­ri­ge kon­zert des bach­chors am deut­schen natio­nal­fei­er­tag aus­wähl­te, hat er damit ganz beson­ders recht. denn hän­dels ora­to­ri­um ist ja über­haupt kei­ne kir­chen­mu­sik und außer­dem der­ma­ßen abs­trakt und – zumin­dest was den text angeht – so undra­ma­tisch, dass man es für fast jeden anlass nut­zen kann. zumal in der chris­tus­kir­che gar nicht der ori­gi­na­le mes­si­as – von dem es ja auch schon mehr als genü­gend ver­sio­nen gibt – zu hören war, son­dern die von mozart ange­fer­tig­te bear­bei­tung: das ist his­to­ri­sche auf­füh­rungs­pra­xis auf meta-ebe­ne. die­se fas­sung hat aber jeden­falls den vor­teil, dass sie immer schon deutsch ist.

sie klingt dann auch gleich von beginn an völ­lig anders. das liegt vor allem an der geän­der­ten orches­trie­rung, hier hat mozart am stärks­ten ein­ge­grif­fen und ergänzt. in der chris­tus­kir­che ist tat­säch­lich auch ein kom­plet­tes moder­nes sin­fo­nie­or­ches­ter, die staats­phil­har­mo­nie rhein­land-pfalz, am werk – und gar nicht so schlecht. davor ste­hen natür­lich die vier obli­ga­to­ri­schen solis­ten: tenor dani­el sans bleibt in jeder sekun­de sou­ve­rän, die mez­zo­so­pra­nis­tin ger­hild rom­ber­ger, die die­ses mal aller­dings etwas farb­los blieb, lässt sich genau­so wenig aus der ruhe brin­gen wie die bieg­sa­me stim­me der sopra­nis­tin moni­ka mauch. so rich­tig umwer­fend war von den solis­ten allein der bass: aus­ge­rech­net klaus mer­tens, der eigent­lich nur eine recht beschei­de­ne rol­le hat, über­zeug­te mit aus­neh­mend prä­zi­ser und fes­seln­der dar­bie­tung beson­ders. denn damit lag er voll auf der linie von ralf otto. der heiz­te wie­der ein­mal kräf­tig ein: star­ke akzen­te for­der­te er, bau­te die chö­re wun­der­bar zur erha­be­nen grö­ße auf und ent­liess doch das ein­zel­ne wort nie aus sei­ner ver­ant­wor­tung. mit jedem schub­ser, den er sei­nen musi­kern ver­ab­reich­te, setz­te er einen wei­te­ren bau­stein in die sorg­fäl­tig geplan­te archi­tek­tur des klang­doms von hän­del und mozart, hiev­te mäch­ti­ge bro­cken mit viel kraft genau­so sicher an ihren platz wie er feins­te zise­lie­run­gen her­aus­ar­bei­te­te. kunst und dra­ma, hand­werk und inspi­ra­ti­on gin­gen so eine frucht­ba­re ver­bin­dung ein –- egal, ob jetzt gera­de weih­nach­ten, ostern oder der tag der deut­schen ein­heit ist.

schon wieder mozart: notturni und divertimenti

das ist aber, wenn es schon immer mozart sein muss, wenigs­tens ein­mal etwas, was sonst nicht zu fin­den ist: die not­tur­ni für drei sing­stim­men und drei bas­set­hör­ner. ulf roden­häu­ser hat damit wie­der ein­mal ein typi­sches vil­la-musi­ca-pro­gramm gestrickt: klug und schön gleichermaßen…

nachts ist alles anders. was sonst ver­schie­den ist, erscheint nun plötz­lich gleich: die kat­zen sind alle grau. das ist ein per­fek­tes umfeld für mozarts not­tur­ni und die kat­zen­wie­gen­lie­der von igor stra­win­sky. in der vil­la musi­ca war es aller­dings noch hel­ler nach­mit­tag, als die stu­den­ten – sti­pen­dia­ten der vil­la und teil­neh­mer der sin­ging-sum­mer-kur­se – die büh­ne betra­ten. aber hin­der­nis war das kei­nes, sie kön­nen es trotz­dem errei­chen, das klas­sen­ziel – die ver­schmel­zung von mensch­li­cher stim­me und instru­men­ten der kla­ri­net­ten­fa­mi­lie zu einem klang.

die kla­ri­net­te, vor allem aber die bas­sett­hör­ner, ihre tie­fe­ren ver­wand­ten, die man in frei­er wild­bahn kaum mehr antrifft , war schon zu mozarts zei­ten ein scheu­es tier. der hat sie aber trotz­dem geliebt und ihnen nicht nur instru­men­ta­les wie die diver­ti­men­ti kv 439b geschrie­ben, er hat sie auch mit leib­haf­ti­gen sän­gern zusam­men gebracht. schon zu sei­ner zeit sag­te man die­sen blas­in­stru­men­ten beson­de­re nähe zur gesangs­stim­me nach. und genau das war auch in der vil­la musi­ca zu beob­ach­ten: die jun­gen stu­den­ten bemüh­ten sich unter der lei­tung ihrer dozen­ten, ulf roden­häu­ser für die musi­ker und clau­dia eder für die sän­ger, aus­ser­or­den­lich um das mischen der klang­far­ben. und in den sechs minia­tur­dra­men der not­tur­ni, den aufs höchs­te ein­ge­dampf­ten opern­sze­nen, gelang ihnen nicht nur das, sie bewahr­ten sich und ihrem publi­kum aus­ser­dem auch noch ein ganz kla­res klang­bild, dass es den sän­gern leicht mach­te und neben­bei für die zuhö­rer die text­hef­te auch noch über­flüs­sig machte.

auch ohne die sän­ger zeig­ten die kla­ri­net­tis­ten, dass man auch ohne sen­ti­men­ta­len kitsch emo­tio­na­le musik machen kann: mit ver­stand und kön­nen nut­zen sie die rei­chen mög­lich­kei­ten, blei­ben dabei immer gelas­sen und ohne auf­re­gung: so wünscht man sich den mozart: zart anschmieg­sa­mer wohl­klang mit rück­grat sozu­sa­gen, beson­ders berüh­rend aus­ge­führt im ada­gio kv 580a. stra­win­skys kat­zen­wie­gen­lie­der sind genau­so kurz, vor allem aber sehr humor­voll – und das geniesst die mez­zo­so­pra­nis­tis regi­na pät­zer sichtlich.

damit es nicht bei den klei­nig­kei­ten aus der nacht blieb, stand auch noch jens-peter osten­dorfs „1791“ auf dem pro­gramm, eine hom­mage an mozart aus anlass des letz­ten jubi­lä­ums, vor allem aber ein zeug­nis des spie­le­ri­schen umgangs mit klang­ma­te­ria­len aus der musik­ge­schich­te, mit viel­fach gebro­che­nen und reflek­tier­ten motiv­tei­len, die mit gros­sen effek­ten den anspruch auf gross­ar­tig­keit erhe­ben. und die in ermü­den­der aus­führ­lich­keit bis zum ver­stum­mend er musik füh­ren – was roden­häu­ser aber nie dar­an hin­dert, sei­ne schü­ler immer wie­der neu zu gröss­ter musi­ka­li­scher exakt­heit anzutreiben.

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