so etwas sieht st. peter selten: eine lange schlange windet sich noch wenige minuten vor beginn über den vorplatz. die kirche ist schon lange dicht besetzt, selbst die stehplätze auf der empore sind heute begehrt: mozarts requiem ist es, dass die leute in massen anzieht. oder sind es doch eher die chöre des peter-cornelius-konservatoriums und der mainzer fachhochschule?
aus welchem grund auch immer die zuhörer gekommen waren, sie hatten ein durchwachsenen konzertabend vor sich. zur einstimmung gab es ein erst ein mal eine dröhnende version des te deum von marc antoine charpentier, das der dirigent roland r. pelger erstaunlich blass und nichtssagend abwicklen ließ. und vom himmlichen lobpreis ging es dann im brutalen schnitt hinein in das dunkel des requiems. aber so nach und nach stellte sich heraus, dass der wechsel von charpentier zu mozart doch nicht ganz so hart war: immer stärker ließ pelger das requiem nämlich auch wieder eine riesige ruhe ausstrahlen und schuf damit eine stimmung gläubiger gelassenheit, die sich trotz aller verzweiflung und todesnot umfangen und geborgen weiß. nicht, dass pelger damit ein reines kuschel-requiem abgeliefert hätte. die markige pathos-keule wird von ihm und seinen mitstreitern durchaus wuchtig geschwungen. dabei fehlte aber oft das gespür für das rechte quantum. im beginn des dies irae zum beispiel erschlug er damit konsequent jede nuancierung und feinheit. was dann aber doch enttäuschen musste, war die schnelligkeit, mit der sich solche grundsätzlich positiven ansätze immer wieder in belanglosen allgemeinplätzen verloren. doch da pelger das feuer immer wieder neu entfachen konnte, pendelte das requiem ständig zwischen intensiv gefühlter spannung und lascher partitur-exekution. immerhin verfügte er über gut präparierte chöre, die mit ihrer jugendlichen geschmeidigkeit leichtes spiel hatten. auch die solisten sind durchweg bewährte kräfte: die klar strahlende nicole tamburo genauso wie barbara arneke, die ihre kraftvolle stimme erfreulich genau dosierte. dazu noch der solide, unbeirrbare bass von daniel böhm und der hell heraustechende daniel sans: die sänger fügten sich fast zu unauffällig ein. denn wesentliche impulse konnten sie nicht beisteuern, das steuern überließen sie ganz und gar pelger. der hatte damit auch keine probleme und hielt klaren kurs nur sein antrieb schwächelte eben von zeit zu zeit.

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