ja, sie können. und nicht einmal schlecht. gut, das repertoire ist recht eingeschränkt – echte meisterwerke gibt es wohl nicht. und der klang wird auch sehr leicht bloß flächig und eintönig. aber die bratschengruppe des mainzer philharmonischen orchesters hat das trotzdem nicht schlecht gemacht – sehr unterhaltsam moderiert von malte schaefer, ein netter abend (auch wenn die zugabe, an der schönen blauen donau, etwas überproportional lang war…)
es sind dann doch ein paar mehr geworden. eigentlich wollte malte schaefer ja keine witze erzählen, sondern sein publikum in die unbekannte welt der musik für drei bis acht bratschen einführen. aber irgendwie musste der solobratscher des philharmonischen orchesters im kleinen haus ja die vielen umbaupausen überbrücken. und die auswahl an bratschenwitzen ist ja auch sehr groß. ganz im gegensatz zum repertoire für mehrer violen ohne irgend welche anderen, störenden begleiter. und das wenige, das es gibt, ist selbstverständlich vollkommen unbekannt, nicht einmal die namen ihrer schöpfer sind geläufig. wer tut sich auch freiwillig so etwas wan, acht bratschen pur und ohne ablenkung? viele scheint so etwas nicht zu interessieren, weder komponisten noch zuhörer.
aber denen entgeht doch einiges. zum beispiel die fantasia for four violas des englischen erzromantikers york bowen. nein, den muss man wirklich nicht kennen. aber seine fantasia ist trotzdem bedrückend schön vor allem, weil sie sich der klangwelt der viola voll und ganz ausliefert. es ist aber auch ein spannender hörkrimi bei nacht und nebel, mit verfolgunsjagden, hitzigen verhören und mühsamer spurensuche. die vier musiker spielen das aber auch mit einer solchen hingabe und tiefen, ausdrucksvollen versenkung, das man ihren verführungen und überzeugungskünsten vollends ausgeliefert ist. fast genauso verlockend präsentieren sie auch max ritter von weinzierls nachtstück. das ist in den meisten teilen seines episodenhaften verlaufs wunderbar zart, luftig und sonnig das bratschen so unbeschwert klingen können, ist hier noch eine überraschung. es wurde dann aber schnell zur selbstverständlichkeit. denn die mainzer bratschengruppe machte wirklich ernst und zog auch musik der leichteren fasson heran: leonard bersteins somewhere etwa, oder jean paul martininis plaisir damour für solche schmachtfetzen ist der warme, füllige klang der viola natürlich bestens geeignet.
damit war das oktett aber noch lange nicht zufrieden. sie haben dem chordirektor sebastian hernandez-laverny auch noch eine komposition ganz speziell für ihre besetzung entlockt: introduktion, cantabile und phantastische fuge heißt die uraufführung. und sie hat es wirklich in sich. im leichten spiel der versatzstücke werden die technischen fähigkeiten der streicher außerordentlich gefordert. und auch die zuhörer mussten sich anstrengen, in der achtstimmigen fuge nicht den überblick zu verlieren. verwicklungen gibt es in dieser phantastischen mixtur mehr als genug aber ein publikum, das sich freiwillig acht bratschen anhört, hält auch das aus.

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