also, ich hal­te davon ja nicht so viel, jetzt auch noch die gan­zen bear­bei­tun­gen gezielt auf­zu­füh­ren, als eigen­stän­di­ge kunst­wer­ke sozu­sa­gen. zumal ich mozarts ver­si­on weder not­wen­dig noch – aus heu­ti­ger zuhö­rer­sicht, mit den mög­lich­kei­ten und erfol­gen (–> paul mccree­shs her­aus­ra­gen­de ein­spie­lung bei der archiv-pro­duk­ti­on etwa!) im ohr und kopf, – für gelun­gen erach­te – aus der heu­ti­gen sicht, wohl­ge­merkt und betont. denn zu mozarts zei­ten mag das durch­aus ein ehren­wer­ter ver­such gewe­sen sein, zumal er ja in die makro­struk­tur erfreu­lich wenig ein­ge­grif­fen hat. aber das völ­lig neue orches­ter, die umin­stru­men­tie­run­gen und neu­en stim­men, ändern doch (fast) alles. der bach­chor macht sei­ne sache trotz­dem wun­der­bar, auch wenn ich mich wie so oft für den mes­si­as die­ses mal wie­der nicht unbe­dingt begeis­tern kann – das schaff­te bis­her nur mccree­sh. ok, soviel zum auf­wär­men, jetzt geht es zur sache:

gewöhn­lich wird der „mes­si­as“ von hän­del im advent oder even­tu­ell noch vor den oster­fei­er­ta­gen musi­ziert. ihn am tag der deut­schen ein­heit aufs pro­gramm zu set­zen, führt des­halb zu eini­gen unge­wohn­ten asso­zia­tio­nen. aber es gibt ja jetzt auch schon leb­ku­chen, weih­nach­ten kann also nicht mehr weit sein. ralf otto lässt sich von sol­chen äußer­lich­kei­ten sowie­so nicht beson­ders beein­dru­cken. und gera­de beim „mes­si­as“, den er für das dies­jäh­ri­ge kon­zert des bach­chors am deut­schen natio­nal­fei­er­tag aus­wähl­te, hat er damit ganz beson­ders recht. denn hän­dels ora­to­ri­um ist ja über­haupt kei­ne kir­chen­mu­sik und außer­dem der­ma­ßen abs­trakt und – zumin­dest was den text angeht – so undra­ma­tisch, dass man es für fast jeden anlass nut­zen kann. zumal in der chris­tus­kir­che gar nicht der ori­gi­na­le mes­si­as – von dem es ja auch schon mehr als genü­gend ver­sio­nen gibt – zu hören war, son­dern die von mozart ange­fer­tig­te bear­bei­tung: das ist his­to­ri­sche auf­füh­rungs­pra­xis auf meta-ebe­ne. die­se fas­sung hat aber jeden­falls den vor­teil, dass sie immer schon deutsch ist.

sie klingt dann auch gleich von beginn an völ­lig anders. das liegt vor allem an der geän­der­ten orches­trie­rung, hier hat mozart am stärks­ten ein­ge­grif­fen und ergänzt. in der chris­tus­kir­che ist tat­säch­lich auch ein kom­plet­tes moder­nes sin­fo­nie­or­ches­ter, die staats­phil­har­mo­nie rhein­land-pfalz, am werk – und gar nicht so schlecht. davor ste­hen natür­lich die vier obli­ga­to­ri­schen solis­ten: tenor dani­el sans bleibt in jeder sekun­de sou­ve­rän, die mez­zo­so­pra­nis­tin ger­hild rom­ber­ger, die die­ses mal aller­dings etwas farb­los blieb, lässt sich genau­so wenig aus der ruhe brin­gen wie die bieg­sa­me stim­me der sopra­nis­tin moni­ka mauch. so rich­tig umwer­fend war von den solis­ten allein der bass: aus­ge­rech­net klaus mer­tens, der eigent­lich nur eine recht beschei­de­ne rol­le hat, über­zeug­te mit aus­neh­mend prä­zi­ser und fes­seln­der dar­bie­tung beson­ders. denn damit lag er voll auf der linie von ralf otto. der heiz­te wie­der ein­mal kräf­tig ein: star­ke akzen­te for­der­te er, bau­te die chö­re wun­der­bar zur erha­be­nen grö­ße auf und ent­liess doch das ein­zel­ne wort nie aus sei­ner ver­ant­wor­tung. mit jedem schub­ser, den er sei­nen musi­kern ver­ab­reich­te, setz­te er einen wei­te­ren bau­stein in die sorg­fäl­tig geplan­te archi­tek­tur des klang­doms von hän­del und mozart, hiev­te mäch­ti­ge bro­cken mit viel kraft genau­so sicher an ihren platz wie er feins­te zise­lie­run­gen her­aus­ar­bei­te­te. kunst und dra­ma, hand­werk und inspi­ra­ti­on gin­gen so eine frucht­ba­re ver­bin­dung ein –- egal, ob jetzt gera­de weih­nach­ten, ostern oder der tag der deut­schen ein­heit ist.