…, die rücksichtsvoll und entspannt mit ihresgleichen und anderen Verkehrsteilnehmern umgehen – das sind die Amsterdamer Radfahrer:
– nach Copenhagenize kommt jetzt eben Amsterdamize (via itstartedwithafight)
Schlagwort: fahrrad Seite 6 von 8
Ins Netz gegangen am 7.11.:
- The war diaries of Dieter Finzen in both world wars: Ende – Das Tagebuch von Dieter Finzen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ist vollständig online – mit dem 23. Oktober 1940 enden die Eintragungen, und damit ist auch das Blog mit den zeitversetzten Veröffentlichungen seiner Tageseinträge zu einem Ende gekommen. Spannend ist die Lektüre trotzdem …
- Twitter /usmanm: This is a ship-shipping ship, … – total verrückt: RT @usmanm: This is a ship-shipping ship, shipping shipping ships.
- Bedeutungsverlust des „Spiegel“: Genug der Dickhodigkeit – taz.de – Daran liegt es also – die taz hat den Grund für die Misere des Spiegels gefunden:
die Anzahl der Romane, die mittlerweile von Spiegel-Redakteuren neben ihrem Job verfasst werden, korreliert auffällig mit dem Qualitätsverlust im Blatt.
- BMW i3: Carsharing bestimmt das Autofahren von morgen – SPIEGEL ONLINE – Margret Hucko interviewt für den Spiegel den Verkehrsplaner Konrad Rothfuchs, der halbwegs optimistisch ist, dass die Situation in den Städten sich in nächster Zeit doch allmählich ändern wird – nicht so sehr aus ökologischen oder ökonomischen Gründen, sondern weil Zeit und Raum knapper werden:
aber schauen Sie mal mit welcher Selbstverständlichkeit die Autos die Straßen dominieren. Es ist ja nicht nur Raum weg. Autos stellen ein großes Unsicherheitsproblem dar
[…] Die derzeit noch relativ hohe Durchschnittsgeschwindigkeit in deutschen Städten sinkt weiter kontinuierlich. Damit wird ein Umstieg oder ein Rückschritt aufs Auto eher unwahrscheinlich. Weniger der ökologische Gedanke veranlasst uns, Bus und Bahn zu nehmen. Vielmehr zählt der Faktor Zeit. […] Dem öffentlichen Nahverkehr gehört die Zukunft. - Alter Affe Männlichkeit – Mann könnte ja mal … – dieStandard.at › Alltag – Nils Pickert arbeitet sich an den Maskulinisten – hier v.a. Leon de Winter – ab (leider mal wieder aus aktuellem Anlass):
Eigentlich hat der alte Affe Männlichkeit nur Angst. Wenn er ein Mann wäre, wüsste er, dass das in Ordnung ist. Aber so wird er manchmal ziemlich fies. Dann sagt er Sachen wie „Feminismus ist hasserfüllt und verhasst – lasst ihn uns töten!“ und merkt nicht einmal, wie sehr er sich damit entlarvt. Denn spätestens dann weiß man ganz genau, wie man mit ihm umzugehen hat: Gib dem Affen keinen Zucker!/
- Liegefahrräder aus Kriftel: Am Anfang ging das Licht aus – Rhein-Main – FAZ – Ein netter kleiner Bericht über HP-Verlotechnik:
„Am Anfang bekam die ganze Gemeinde mit, wenn wir Metallrahmen herstellten“, erzählt Hollants. „Die Maschine brauchte so viel Spannung, dass immer kurz das Licht ausging, wenn wir sie eingeschaltet haben.“
Ins Netz gegangen am 3.11.:
- Facebook History of the World | CollegeHumor – großartig und ziemlich cool (auch wenn’s etwas Amerika-lastig ist): Eine kurze Geschichte der Welt im Facebook-Style
- Sibylle Berg über Kulturpessimismus – hach, Sibylle Berg hat mal wieder sehr recht – und bringt das ausgzeichnet auf den Punkt:
All die Texte, in denen wir, Jahrgang vor 1990, das Verschwinden der kulturellen Werte beweinen, sind für die Toilette geschrieben. Oder noch nicht mal dafür, wir schreiben ja online. Es ist das Jammern Sterbender, die dummerweise zwischen zwei Zeiten leben.
- Bilder im digitalen Zeitalter – Abgeschossen – Süddeutsche.de – Peter Richter denkt in der Süddeutschen über den Umgang mit dieversen Formen von Porträtfotos nach – beim Erstellen wie beim Anschauen und – willentlichen oder unwillentlichen – Verbreiten
Halbwüchsige mailen wie wild Selfies herum, Frauen wehren sich auf Revenge Porn gegen im Web kursierende freizügige Bilder von sich selbst und Hugh Grant fungiert als Mona Lisa der Mugshots. Neue digitale Bildformate zerstören unseren Ruf, setzen ganze Existenzen aufs Spiel. Das Phänomen ist nicht neu. Aber Wegschauen hilft nicht.
- Wacken-Festival nutzt Cargo-Bikes « Velophil – Nicht nur das Wacken-Festival, auch ökonomisch kalkulierende Unternehmen entdecken die Vorteile von Lastenrädern:
In großen Industrieanlagen werden Lastenräder bereits seit Jahrzehnten eingesetzt. Timo Messerschmidt von der Firma Wisag machte auf der Lastenradtagung in Hamburg deutlich, dass Unternehmer mit den Cargo-Bikes auch richtig Geld sparen.
- Edward Snowden: Ein Flüchtling, wie er im Buche steht – Politik – Süddeutsche.de – Heribert Prantl spricht in seinem Kommentar mal wieder deutliche und wahre Worte (die vermutlich an den entscheidenen Stellen aber wieder mal nicht gehört und beachtet werden werden):
Man kann die Art von Spionage, die der NSA betrieben hat und wohl immer noch betreibt, als Staatskriminalität beschreiben. Snowdens Handeln mag in den USA strafbar sein, weil er US-Gesetze verletzt hat; wirklich kriminell sind die Zustände und die Machenschaften, die er anprangert.[…] Deutschland braucht Aufklärung über die umfassenden Lauschangriffe der USA. Dieser Aufklärung ist nur mit der Hilfe von Snowden möglich. Und Aufklärung ist der Ausgang aus selbstverschuldeter Unmündigkeit.
Mainz – Stahringen: Eine kleine Mehrtagestour mit meinem „Tsunami“ genannten Liegerad (so wild ist es aber gar nicht …) von Mainz bis (fast) an den Bodensee. Das war zugleich meine längste Fahrt mit dem Liegerad: 360 Kilometer in drei Tagen, so viel habe ich noch nie gemacht. Geplant habe ich die Strecke mit zwei praktischen Seiten für Radler: radweit.de und radreise-wiki.de. Ulrich Lamm hat auf Radweit eine sehr gute und umfangreiche Sammlung von erprobten Routen. Die haben gegenüber den „normalen“ Radwegen den Vorteil, dass sie wo immer möglich auf asphaltierte Wege oder Straßen setzen, bei fehlenden Radwegen Routen mit möglichst geringer Verkehrsbelastung auf Nebenstraßen nutzen und das ganze in eine ziemlich augeklügelte Karte übertragen. Da ich fürs Fahrrad kein vernünftiges GPS-Routensystem habe, schien mir das die beste Navigationsmöglichkeit. Und es hat auch ziemlich gut geklappt. Benutzt habe ich die Routen Mainz-Heidelberg, Heidelberg-Karlsruhe und Karlsruhe-Konstanz von Radweit, ergänzt um die Heidelberg-Umfahrung aus dem Radreise-Wiki.
Tag 1: Mainz-Karlsruhe
Am langen ersten Tag mit einer flachen Etappe, die dafür die meisten Kilometer hat – nach meiner Rechnung 140 Kilometer – ging es nach einem lockeren und kurzen Morgenlauf um 8.15 in Mainz los. Das Wetter war noch verhalten freundlich: Wolken mit einigen kurzen Sonnenfenstern, aber immerhin kein Regen. Und mit um die 15 °C am Morgen auch angenehme Temperaturen.
Den Anfang der Strecke kannte ich immerhin schon, so dass ich zunächst meine Karte gar nicht brauchte. Die steckte praktisch und griffbereit in der Oberschenkeltasche – auf dem Liegerad kann ich die ja nicht so einfach am Lenker befestigen …
So ging es also los: Über Mainz-Kostheim nach Gustavsburg, wo ich mich erst einmal durch eine riesige, aber langsame Radlergruppe drängeln musste, die auf mein Klingeln so überhaupt nicht reagierte, nach Ginsheim, wo ich den Rheinradweg schon wieder verließ. Denn meine Route kürzte sozusagen ab, um erst in Erfelden wieder auf den (Alt-)Rhein zu stoßen. Von dort ging es ohne Probleme weiter nach Stockstadt, Gernsheim in Richtung Bergstraße. Bei Erfelden, wo ich eine kleine Früstückspause machte, merkte ich dann auch: Mist, das Handy ist gar nicht in der Packtasche! Das lag friedlich noch in Mainz auf dem Schreibtisch … Blöd, damit hatte ich nicht nur keinen Foto, sondern auch meine „Not-Navigation“ fiel aus.
In Lorsch hatte ich das erste kleine Navigationsproblem, weil ich wohl einfach zu schnell durch die Innenstadt rauschte und dabei den Abzweig verpasste. Das konnte ich aber schnell korrigieren und den Radweg nach Hüttenfeld und Viernheim wieder finden. Da passierte wieder ähnliches: In den Städten ist die Navigation mit einer Karte im Maßstab 1:100.000 gewöhnungsbedürftig, das hatte ich noch nicht so recht raus. Auch in Viernheim verpasste ich jedenfalls wieder einen Abzweig, merkte das aber zum Glück auch sehr bald, so dass ich nur wenig zurückfahren musste. Hinter Viernheim war es dann einfach, durch die Felder vorbei an Muckensturm, durch Heddesheim nach Ladenburg, wo ich am Neckar erst einmal Mittagspause machte. Von dort folgte ich dann der Radreise-Wiki-Route, die mich über Plankstadt und Oftersheim nach Walldorf führte, wo ich wieder auf eine Radreise-Route (Heidelberg-Karlsruhe) stoßen wollte. Zwischen Oftersheim und Walldorf musste ich noch einmal kurz pausieren, weil ich den Wolkenbruch abwarten wollte. Das war ziemlich heftig, dauerte aber zum Glück nicht lange, so dass ich bald wieder auf dem Rad saß und durch Walldorf radelte. Das erwies sich aber als schwierig, weil das Ortszentrum von Walldorf eine große Baustelle war, die mich ziemlich durcheinander brachte. Dann waren die Radweg-Schilder auch noch so seltsam aufgestellt, dass ich an der SAP vorbei komplett in die falsche Richtung radelte und mir wieder ein bisschen Umkehrweg einfing. Aus der anderen Richtung kommend waren die Radweg-Schilder durch die SAP-AG etwas besser zu erkennen, auch wenn die Wegführung eine große Katastrophe war – kreuz und quer durch das Firmengelände bzw. seine Ränder, mit ständigen Richtungswechseln und Abzweigungen … Aber nachdem ich da durch war, ging es dann wieder etwas voran – durch St. Leon-Rot (mit einer kurios-katastrophalen Brücke über die A6), und dann erste einmal lange – kilometerweit – schnurgeradeaus.
Karlsdorf und Spöck (wo ich noch einmal kurz pausierte und meine Getränkevorräte auffrischte) sorgten noch einmal für ein paar Kurven, bevor es von Friedrichsthal aus wieder kilometerweit geradeaus durch den Wald nach Karlsruhe ging. Dort stieß ich dann auf den Konrad-Adenauer-Ring und versuchte mein Glück, den Hauptbahnhof zu finden. Wäre die entscheidende Kreuzung (wo ich abbiegen musste) nicht wieder eine große Baustelle gewesen, hätte ich das vielleicht ohne Nachfragen geschafft. Aber auch so ging es dann und ich landete am Bahnhof, wo mein Bett im A&O‑Hostel wartete. Das ist zwar vergleichsweise günstig, aber auch sehr laut (durch die Straßenbahnen vor allem) und ein bisschen abzockerisch: Statt dem gebuchten 4er-Zimmer war ich im 6er ohne vernünftigen Schrank, Lampen oder Steckdosen … Aber für eine Nacht reichte es. Und es gab immerhin die Möglichkeit, mein Rad in der Garage unterzustellen.
Im Hostel merkte ich dann erst so richtig, wie anstrengend der Tag doch war: Knapp 160 Kilometer waren es geworden, außer den Brücken fast topfeben, aber dennoch einfach ziemlich lang … Meine Oberschenkel waren ziemlich kaputt, was mich den nächsten Tag mit etwas Bangigkeit erwarten ließ. Denn dann sollte es eigentlich erst anstrengend werden, weil meine Route mich dann in den Schwarzwald führen sollte …
Aber mit viel Nachtruhe würde das schon klappen … Daraus wurde es dann aber nicht so recht etwas, ich bin zwar früh im Bett gewesen, aber auch super früh aufgewacht, nämlich schon gegen 5 Uhr. Frückstück gab es da noch nicht, aber schlafen konnte ich auch nicht mehr … Das Frühstück habe ich dann genossen, das war auch ganz solide. Um kurz nach 8 war ich dann aber doch wieder auf dem Rad, die Taschen gepackt und startbereit für einen neuen Tag.
Die gefahrene Strecke (mitsamt den Verfahrern) als gpx-Datei: Mainz-Karlsruhe
Tag 2: Karlsruhe-Schömberg
Der zweite Tag wurde hart. Der Start in Karlsruhe war aber noch harmlos. Erst einmal durch die fremde Stadt. Das ist mit dem Liegerad nicht immer das größte Vergnügen, weil die Übersicht über Verkehr und Schilder doch etwas weniger gut ist. Dieses Mal hat es aber ohne Verfahren gut geklappt, ich habe den Weg durch den Park gefunden und war schnell in Oberreut, wo mir der Wind ganz schön kräftig entgegenblies. Überhaupt war das Wetter nicht mehr ganz so schön: Die Temperaturen waren niedriger, die Wolken bedrohlicher und dichter, der Wind deutlich frischer. Hinter Neu-Forchheim verschwand ich dann im Hardtwald – so ziemlich die schlechteste Teilstrecke, weil der Waldweg unbefestigt war und mich deswegen etwas ausbremste. Zum Glück ging es bei Malsch wieder auf die Landstraße, da kommt man einfach zügiger voran. Hinter Muggensturm musste ich dann allerdings anhalten und die Kleidung wechseln: Es fing an zu regnen. Dabei hat mir der Wind dann auch noch das etwas unstabil abgestellte Rad umgeschmissen und meine Klingel zerdeppert (naja, von besonders großem Nutzen war sie eh nicht …). Den restlichen Tag bin ich dann in Regenjacke gefahren – so richtig hörte das nämlich nicht mehr auf mit dem Nieseln und Regnen. Viel Wasser war das zwar nicht, was von oben kam – aber von unten kam es auch, und von vorne. Meine Brille jedenfalls wurde nicht mehr trocken – das ist fast das nervigste an dem Wetter gewesen, dass die Sicht immer so bescheiden war.
Vor mir sah ich jetzt schon den Schwarzwald ganz schön bedrohlich aufsteigen. Und es wurde auch hügeliger. Hinter Muggensturm (nicht zu verwechseln mit dem Muckensturm bei Viernheim!) ging es über Beischweier nach Gaggenau, wo ich auf die Murg stieß. Und damit war ich auch auf der „Tour de Murg“, dem Radweg, der den gesamten Flussverlauf begleitet, mehr oder weniger nah am Wasser. Und jetzt ging es bergauf, kontinuierlich fast den ganzen Tag. Manchmal flacher, manchmal steiler – und manchmal sehr steil: so steil, dass ich geschoben habe. Von Gaggenau aus bin ich dann erst Mal einige Zeit dem Radweg gefolgt, durch Gernsbach und Weisenbach bis Langenbrand. Da habe ich mich dann vertan auf meiner Radweit-Karte und bin auf dem Radweg geblieben, obwohl der Routenvorschlag hier ein Stück Straße vorschläg – zu Recht, denn der Radweg ist zunächst im Ort sausteil (habe ich geschoben …) und führt dann auch außerhalb des Ortes sehr weit hoch in den Wald bei entsprechend bescheidenem Wegzustand. Und die ganzen Höhenmeter verliert man dann wieder in einer Abfahrt nach Gausbach hinunter, die wegen des holprigen Weges aber auch nicht besonders schnell war. Nun ja, jetzt schaute ich wenigstens wieder genauer auf die Karte …
Die „Tour de Murg“ führte mich nun in langen, halbwegs sanften Steigungen vorbei an Forbach und Raumünzach über Schönmünzach nach Baiersbronn, wo ich mich noch einmal verpflegte, bevor ich mich auf den Rest des Weges machte. Nun ging es erst einmal nach Freudenstadt. Und so langsam wurde es wirklich hart, die Steigungen wurden wirklich anstrengend für meine Beine … Bei Freudenstadt bin ich mir auch nicht sicher, ob Ulrich Lamm den besten Weg gefunden hat: Um eine steile Strecke zu vermeiden, blieb ich auf der Talstraße im Christophstal, die aber auch weit und hoch bergauf ging. Man, das zog sich vielleicht, dieses kleine Tal! Dafür führte sie mich an Freudenstadt vorbei. In Freudenstadt war aber noch nicht Schluss für mich, 8 Kilometer lagen noch zwischen mir und dem Tagesziel. Und die waren extrem hart. In Freudenstadt ging es einfach immer noch weiter bergauf, da bin ich schwer ins Schwitzen und Keuchen gekommen. Immerhin hatte ich mich jetzt schon auf über 800 Meter hoch gearbeitet. Und da oben war es auch nicht flach, sondern hügelig – Schwarzwald eben. Aber auch die letzten Kilometer schrumpften, die letzten kleinen Hügel erklomm ich in noch kleineren Gängen und erreichte schließlich Schömberg, wo ich in der „Sonne“ übernachtete.
Vor dem Schlaf stand aber noch ein kurzer Lauf auf dem Programm, rund ums Dorf, das ja nicht so besonders groß ist. Das war zwar superlangsam, aber für die Beine doch mal eine ganz nette Abwechslung und wenigstens ein kleines bisschen Lockerung.
Danach bin ich dann aber auch ziemlich schnell weggedämmert …
Die gefahrene Strecke als gpx-Datei: Karlsruhe-Schömberg
Tag 3: Schömberg-Stahringen
Der dritte und letzte Tag sollte eigentlich wieder easy werden, so hatte ich mir das gedacht. Schon beim Aufstehen und der klitzekleinen Morgenlaufrunde war aber klar, dass es so ganz einfach nicht werden würde: Die Beine waren jetzt so richtig müde, viel Restkraft war da offenbar nicht mehr vorhanden. Dafür war es richtig frisch auf dem kleinen Hochplateau von Schömberg – als ich um halb neun auf meinem Liegerad Platz nahm, waren es gerade mal 8 °C. Und so richtig warm wurde es den ganzen Tag auch nicht mehr. Dafür erfrischte mich der Morgen erst einmal: Mit einer spannenden Abfahrt nach Loßburg hinunter begann die Fahrt auf der schlechten Landstraße richtig aufregend. Und kurz hinter Loßburg fing es dann in den welligen Hügeln des Schwarzwald erst einmal kräftig an zu regnen. Und es regnete eine gute Stunde ziemlich viel. Aber immerhin hörte es dann auch wieder auf und blieb den Rest des Tages zwar trüb und feucht-kalt, aber wenigstens regenfrei. Von Loßburg aus fuhr ich auf kleinen und nicht ganz so kleinen Straßen – in manchen Abschnitten waren da erstaunlich viele LKWs unterwegs – dann durch die Hügellandschaft des Schwarzwaldes. Eine sehr schöne Strecke eigentlich, nur machte es wegen dem Regen zunächst nicht ganz so viel Spaß. Von Loßburg aus ging es über Fluorn-Winzeln und Dunningen dann zwischen Villingen-Schwenningen und Trossingen vorbei in Richtung Tuttlingen. Da waren zwar keine wirklich harten Steigungen dabei (bis auf das Stück in Niedereschach, das ich nur schiebend bewältigte), aber es ging eben doch immer mal wieder bergauf. Dafür waren auch schöne Abfahrten dazwischen, so dass die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht ganz in den Keller sank. Denn bei den „Berg“-Fahrten merkte ich zunehmend, das die Kraft in den Beinen zu Neige ging.
Nach der Mittagspause in Tuttlingen nahm ich dann den letzten Anstieg in Angriff: Hinauf zum Windegg, noch einmal auf knapp 850 Meter hoch. Das war brutal … Oben angekommen, begrüßte mich eine steife Brise, die dem Namen alle Ehre machte. Und das Wissen, dass es ab jetzt fast nur noch bergab gehen würde. Und zwar richtig schön: Zunächst führte mich der Radweg nach Emmingen udn von dort durch den Wald nach Eigeltingen. Die Straße dort hinunter war zwar eigentlich wegen Bauarbeiten gesperrt, der Radweg aber offiziell nicht – obwohl er auf der Straße verläuft ;-). Also habe ich mich einfach nicht um die Sperrung geschert und mein Glück versucht. Und das war auch gut so, die Straße war nämlich gerade komplett neu gemacht worden – und schon fertig. Nur ein paar Bäume wurden am Straßenrand noch beseitigt – aber das störte mich nicht weiter, ich genoss es, die ganze neue glatte Straße für mich allein zu haben. Und dann war ich ja auch schon fast am Ziel: Hinter Eigeltingen geht es noch durch ein paar kleine Dörfer und dann ist man schon in Stahringen angelangt. Und ich war froh, dass ich am nächsten Tag nicht mehr weiterfahren musste: Meine Beine brauchten dringen mal etwas Ruhe.
Die gefahrene Strecke als gpx-Datei: Schömberg-Stahringen
Am Sonntagnachmittag war ich noch kurz mit dem Liegerad im Odenwald unterwegs. Dass es der Odenwald war, sieht man sofort am Geschwindigkeitsdiagramm:
Von Bullau bin ich dann durch den Wald am Bullauer Bild hinüber zum Würzberger Jägertor—das war eine abenteuerliche Sache. Das ist zwar ein offizieller Radweg. Aber mit einem Fahrrad kaum vernünftig zu befahren, zumindest nicht in einem halbwegs ordentlichen Tempo. Drei Vollbremsungen mit einmal beide Füße auf den Boden habe ich gebraucht: Wenn dieser Weg nicht total hängend nach allen Seiten ist, dass man kaum einen Pfad zum Fahren findet, ist er mit Schlaglöchern übersetzt. Und die Schlaglöcher sind hier richtige Gruben, in denen ich problemlos mein Hinterrad versenken hätte können—nur wäre ich dann wohl nciht mehr hinausgekommen. Zum Glück hat es aber immer noch gerade so geklappt. Nur die beiden älteren Damen kurz vor Würzberg waren dann total überrascht, als ich von hinten anrauschte—obwohl ich kräftig (soweit das ging …) klingelte und mein Rad auf der schlechten Schotterpiste ganz schön schepperte …
Kaum war ich wieder auf asphaltierten Wegen, fing es dann an zu regnen—und zwar ziemlich kräftig. Am Abzweig zur Mangelsbach habe ich dann sozusagen die Notbremse gezogen und mich erst einmal eine knappe halbe Stunde in die Bushaltestelle verkrümelt. Denn als nächstes stand die Abfahr über die B47 nach Michelstadt hinunter auf dem Plan—und die ist selbst bei guten Verhältnissen anstrengend: Schnell, einige enge Kurven—und vor allem viel Verkehr. Zum Glück hat es dann irgendwann deutlich nachgelassen, meine Geduld war nämlich längst am Ende. Also zog ich meine Jacke über und habe es gewagt. Die Abfahrt war dann stellenweise heikel—oder kam mir zumindest so vor. Mit knapp 60 km/h auf regennasser Fahrbahn, teilweise noch von den Autos eingenebelt: Das war für meine bescheidenen Fahrkünste grenzwertig. Es hat aber alles geklappt, ich bin heil und glücklich unten angekommen und war ja dann auch kurz darauf schon wieder zu Hause. Aber die dunklen Wolken am Himmel hatten mir die Lust auf die eigentlich geplante weitere Schleife ausgetrieben …
Mainz hat mit dem Angebot der MVG („MVGmeinRad“) eine sehr schöne Sache für (Gelegenheits-)Radler ins Leben gerufen. Man könnte also meinen, da die MVG ein städtisches Unternehmen ist, dass die Stadt Mainz Fahrräder und ihre Nutzer, die Radlerinnen und Radler, fördern möchte. Das gilt aber immer nur so lange, wie die Fahrräder und ihre Benutzerinnen nicht in Bewegung sind (oder am Bahnhof parken wollen, aber das ist eine andere Sache …). Um die Radwege kümmert die Stadt sich nämlich höchstens stiefmütterlich. Das merkt man nicht nur an deren Anlage, Breite und baulichem Zustand, sondern vor allem immer dann, wenn Bauarbeiten anstehen: Regelmäßig sind die Radfahrerinnen – die ja eigentlich gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind – dann die Leidtragenden. Für Pkws werden Ausweichmöglichkeiten geschaffen, werden Vorwarn- und Warnschilder geschaffen. Die Radfahrer stehen in der Regel auf einmal vor einem gesperrten Radweg – immerhin wird dann die Benutzungspflicht großzügig aufgehoben. Aber selbst das geschieht nicht immer. Auch „wilde“ Baustellen wie die heutige an der Großen Bleiche passieren immer wieder: Da parkt einfach ein Baustellenlaster auf dem Radweg – und die Fahrradfahrer können selbst sehen, wo sie bleiben.
In diesem Fall führt das übrigens dazu, das (fast) alle einfach auf dem Bürgersteig um das Hindernis herumfahren. Denn auf die Straße auszuweichen ist nicht möglich, da parken ja noch die Autos. Und absteigen mögen die meisten halt auch nicht, das machen Autofahrer ja auch nie. Ja, das ist zunächst mal eine Kleinigkeit. Aber gerade diese Kleinigkeiten zeigen eben, ob eine Stadt, ein Land ihr Bekenntnis zum Radverkehr ernst nimmt. So macht man das jedenfalls nicht …
Copenhagenize hat noch mehr kurze Videos zu den Prinzipien & Mitteln, mit denen in Kopenhagen der Radverkehr gefördert wurde und wird, produziert (das erste habe ich hier schon vorgestellt). Zum Beispiel zur grünen Welle für Radfahrer (besonders schick finde ich ja die Bodenlichter, die den Radlerinnen signalisieren, ob sie noch/schon in der grünen Welle sind …):
Episode 3 dreht sich um „Intermodalität“, also die Möglichkeit, möglichst immer, also in allen anderen Verkehrsmitteln, mitnehmen und auch problemlos parken zu können:
Auch die Sicherheit der Radfahrer kann mit vielen, oft nur kleinen Details verbessert werden – z.B. schalten die Radampeln vor den Autoampeln auf Grün:
Wobei Kopenhagen aber auch vor größeren Umgestaltungen nicht zurückschreckt …:
Ins Netz gegangen (15.7.–16.7.):
- „Wahrscheinlich habe ich einfach ein Ohr dafür“ – Verleger Engeler über seine Liebe zur Lyrik und | Thema | Deutschlandradio Kultur – Gespräch mit Urs Engeler, u.a. über gute Gedichte:
Interessante Gedichte, die haben bei jedem Lesen neue Erlebnisse auf Lager für uns. Es gibt ganz viele Dinge zu beobachten, das heißt, man muss schon sehr geduldig sein, um hinter diese Qualitäten zu kommen, aber quasi je nachhaltiger ich beschäftigt werde durch einen Text, desto interessanter scheint er mir, und unterm Strich würde ich dann auch sagen, desto mehr Qualitäten scheint er mir zu haben, sprich, desto besser ist er.
- 100 Jahre Tour de France | ZEIT ONLINE – Schneefall im Juli: „Die Zeit“ bereitet ihre Tour-de-France-Reportage(n) nach dem Snow-Fall-Modell der New York Times hübsch auf (trotz des kleinen Fehlers in der Überschrift …)
- 30 Jahre Spex – taz.de – Diedrich Diederichsen im taz-Interview über den Jubiläumsband der „Spex“ und die „Spex“ überhaupt:
Etwas war so begeisternd, es gibt so viel darüber zu wissen, man muss viel weiter in die Tiefe gehen. Wenn man eine Güterabwägung macht zwischen gelungener Kommunikation, also zwischen sogenannter Verständlichkeit und der Treue zum Gegenstand, oder der Treue gegenüber der eigenen Begeisterung, bin ich für Letzteres. Die Rezeptionsekstase hat bei mir immer Vorrang vor dem gelungenen Kommunikationsvorgang. Einer, der in eine Rezeptionsekstase gerät, ist doch viel interessanter zu beobachten als jemand, der Informationen verteilt.
- 7 Tage – 7 Fragen – FIXPOETRY.com – Nora Gomringer beantwortet sieben Fragen Ulrike Draesners – z.B. so:
Die Stimme ist die Schlange im Hals.
Wie macht man eine Stadt fahrradfreundlich und lebenswert? Wie überwindet man 100 und mehr Jahre verfehlter Verkehrsplanung, die fast ausschließlich auf das Auto zentriert war (und ist)? Die dänische Agentur Copenhagenize macht – natürlich mit dem Beispiel Kopenhagen, das ja auch nicht immer so aussah wie heute, vor Augen – einige Vorschläge. Am wichtigsten: das große Ganze – oder wie es bei ihnen heißt: The Big Picture. Und legt dabei erst einmal den Fokus auf die „Uniformität der Infrastruktur“ (mit einer Bevorzugung der separierten Radwege). Die wichtigste Lektion ist dabei aber die einfachste: Prioritize the bike – and the people will ride.
(via Velophil)
Ins Netz gegangen (4.7.–6.7.):
- Hacking: Wahlbetrug leicht gemacht – Golem.de – Armin Rupp zeigt, wie überraschend einfach es ist, Briefwahlen zu fälschen – in der BRD:
1989 beschloss die Bundesregierung, die Briefwahl nicht nur zu vereinfachen, sondern auch hier und dort dabei einzusparen. Das hat der Alternative zum Besuch im Wahllokal zwar tatsächlich einige Hürden genommen, aber die Möglichkeit zur Wahlfälschung deutlich erhöht. Das hat der Sicherheitsexperte Armin Rupp auf der Sicherheitskonferenz Sigint 2013 in Köln ausführlich gezeigt. Auch die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bemängelt inzwischen die Briefwahl in Deutschland.
- Ach übrigens, er ist Autist – DIE WELT – David Mitchell über das Leben mit einem autistischen Sohn:
Sie verspüren plötzlich Mitleid mit den Kranken im Mittelalter, die in der Hoffnung, den für ihr Leiden zuständigen Heiligen zu finden, von einem Schrein zum anderen humpelten, obwohl sie eigentlich einen Quantensprung in der Medizin gebraucht hätten.
- Beleuchtungsvorschriften am Fahrrad: Nichts genaues weiß man nicht | Radverkehrspolitik – Radverkehrspolitik setzt sich auch mit dem geänderten Änderungsvorschlag zu den Fahrradbeleuchtungsparagraphen in der StVZO auseinander – und zeigt, wie schwierig so eine einfach Anpassung offenbar sein kann …
So richtig Freude kommt angesichts des Durcheinanders nicht auf: Vielleicht sind abnehmbare Lampen künftig erlaubt, vielleicht auch nicht—das ist im Endeffekt Interpretationssache.
- Die Schwulen bringen uns allen den Tod: Die Lust des “Spiegel” an der Apokalypse durch Aids « Stefan Niggemeier -
Dennoch ist es schwer, in der Aids-Berichterstattung des »Spiegel« dieser Zeit einen Ausdruck von Verantwortung zu sehen—und nicht von rasender Verantwortungslosigkeit. Dazu trägt die offenkundige Lust bei, mit der Halter die grausamen Mechanismen aufs Gruseligste ausmalt
- Pofallas Briefkopf – Aktenkunde und zeitgenössische Dokumentenfälschungen | Aktenkunde – Diplomatik kann auch in der Zeitgeschichte wichtig sein – Holger Berwinkel zeigt, warum „Discrimen veri ac falsi“ auch eine Aufgabe „der zeitgeschichtlichen Aktenkunde“ sein kann und wie sie konkret funktioniert.
- Unter dem Teppich der HRK | Schmalenstroer.net -
Die HRK will ein erstaunlich gut funktionierendes System gegen ein klandestines, weniger gutes System ersetzen. Die bekannten Plagiate-Wikis werden damit automatisch zum wissenschaftlichen Fehlverhalten, da sie ja grundsätzlich öffentlich sind. Wer das nicht in Ordnung findet, darf gerne diese Petition mitzeichnen. Und wissenschaftliches Fehlverhalten auch zukünftig öffentlich machen.










