Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: chor Seite 3 von 4

Taglied 20.6.2012

Jazz­chor und Block­flö­te – auf die Kom­bi­na­ti­on muss man erst ein­mal kom­men. Funk­tio­niert aber ausgezeichnet:


Beim Kli­cken auf das und beim Abspie­len des von You­Tube ein­ge­bet­te­ten Vide­os wer­den (u. U. per­so­nen­be­zo­ge­ne) Daten wie die IP-Adres­se an You­Tube übertragen.

Und als Bonus der Jazz­chor Frei­burg pur:

Jazz­chor Frei­burg „Afri­can Call“ video clip OFFICIAL VERSION

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Leiden für die ganze Welt: Die Matthäuspassion im Mainzer Dom

Man­che Musik ist bes ser als jeder Film. Bachs Mat­thä­us­pas­si­on ist so ein Fall: Obwohl es nichts zu sehen gibt außer einer gro­ßen Men­ge klös­ter­lich schwarz geklei­de­ter Musi­ker erzählt sie unheim­lich viel. Eigent­lich steckt sogar alles dar­in: Nie­der­tracht, Opfer­be­reit­schaft, Hel­den­tum, Schmerz, Trau­er, Ver­zweif­lung und Erlö­sung, aber auch Dank­bar­keit, Ver­sen­kung, Lie­be und Hoff­nung – kaum eine Emo­ti­on, die sich hier nicht fin­det. Und bei Mathi­as Breit­schaft im Dom darf man das qua­si in 3D mit­er­le­ben, auf einer rie­si­gen Lein­wand, mit gro­ßem Über­wäl­ti­gungs­po­ten­zi­al spü­ren und erfah­ren. Groß und mäch­tig ent­wi­ckelt der Dom­ka­pell­meis­ter mit Dom­chor, Dom­kan­to­rei und dem Main­zer Kam­mer­or­ches­ter näm­lich die bekann­tes­te Ver­to­nung der Pas­si­ons­ge­schich­te, rich­tig mas­siv und bedeut­sam wirkt alles hier. Auf­ge­la­den mit dem Bewusst­sein ihrer heils­ge­schicht­li­chen Bedeu­tung bekommt jede Hand­lung, jedes Rezi­ta­tiv und jede Arie ein unge­heue­re Thea­tra­li­tät. Die Details an sich sind dabei nicht so wich­tig, wor­auf es ankommt, ist die Idee, das gro­ße Ganze. 

Über­haupt geht es nicht so sehr dar­um, dass hier die Geschich­te einer Kreu­zi­gung musi­ka­lisch erzählt wird. Son­dern um die Bedeu­tung die­ses Opfers für die Mensch­heit – mit weni­ger gibt sich Breit­schaft nicht zufrie­den. Das merkt man schon im Ein­gangs­chor, die­ser enge Ver­knüp­fung drei­er Chö­re mit dem Orches­ter. Und dann auch ganz deut­lich immer wie­der gera­de in den Cho­rä­len. Breit­schaft reizt hier das Poten­zi­al des gewohnt sta­bi­len, har­mo­nisch wei­chen Chor­klangs des Dom­chors und der Dom­kan­to­rei weit aus. Aber auch die Solis­ten las­sen sich nicht groß bit­ten. Der tech­nisch unge­mein sou­ve­rä­ne Evan­ge­list Tho­mas Dewald lässt sei­ne Rezi­ta­ti­ve fast unet­wegt vor Bedeu­tung vibrie­ren. Das hat gro­ße dra­ma­ti­sche Stär­ken – manch­mal aber sogar zu viel davon, weil die dau­er­haf­te Dra­ma­ti­sie­rung ver­gleichs­wei­se wenig Abwechs­lung bie­tet. Dani­el Poh­nert singt die Chris­tus­wor­te als Gegen­pol dazu: klar, kraft­voll und zugleich groß­ar­tig gelas­sen. Auch die ande­ren Solis­ten bemü­hen sich um indi­vi­du­el­le Les­ar­ten. Alsi­on Brow­ner gefällt mit prä­gnan­ter und prä­zi­ser Ton­ge­bung, wäh­rend Clau­dia von Til­zer eher die wei­che Klang­lich­keit bevorzugt. 

Und doch fügt sich die­se Viel­falt recht gut zusam­men: Mathi­as Breit­schaft ver­eint das in soli­der Kapell­meis­ter­kunst, die – mit weni­gen Aus­nah­men wie den gekürz­ten Ari­en – gewis­sen­haft der Par­ti­tur folgt. Das ist mal mehr, mal weni­ger dra­ma­tisch, mal wirk­lich über­wäl­ti­gend wuch­tig und manch­mal auch inspi­rie­rend inten­siv. Vor allem sei­ne Sou­ve­räi­tät und Gelas­sen­heit der lan­gen Erfah­rung mit die­sem kom­ple­xen Werk machen sich da posi­tiv bemerk­bar: Breit­schaft muss sich nichts bewei­sen, er muss nicht um jeden Preis eine neue, spek­ta­ku­lä­re Inter­pre­ta­ti­on fin­den. Son­dern er kann sich ganz unprä­ten­ti­ös auf die gro­ßen Zusam­men­hän­ge der Pas­si­ons­ge­schich­te kon­zen­trie­ren und sie mit der Musik Bachs erzählen. 

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zeitung.) 

Der Sommer ist Musik

Wenn schon das Wet­ter nicht mit­spielt, dann wenigs­tens die Kunst: Der Main­zer Musik­som­mer ist wie­der eröffnet:

Kei­ne leich­te Sache wird das: Von 16. bis zum 20. Jahr­hun­dert reicht die Span­ne, von fran­ko-flä­mi­scher Vokal­po­ly­pho­nie bis zu spät­ro­man­ti­schen Chor­lie­dern. Das Eröff­nungs­kon­zert des Main­zer Musik­som­mers im Dom ist damit fast ein klei­nes Fes­ti­val in sich. 

Ein­fach ist das nicht, so eine gro­ße Viel­falt in einem Kon­zert­abend zusam­men­zu­brin­gen und jedem ein­zel­nen Werk auch gerecht zu wer­den. Doch Dom­ka­pell­meis­ter Mathi­as Breit­schft gelingt das mit dem Dom­kam­mer­chor rich­tig gut. Sicher, die Spe­zia­lis­ten wür­den die Chor­mu­sik der Main­zer Hof­ka­pell­meis­ter wie Gabri­el Plautz, Phil­ipp Fried­rich Buch­ner oder Johann Zach schon anders sin­gen. Aber auch Breit­schaft fin­det einen guten Weg. Einen sanf­ten vor allem: 

Immer wie­der fällt in die­sen lit­ur­gi­schen Chor­sät­zen aus dem Renais­sance- und Barock-Mainz der wei­che Chor­klang auf, den Breit­schaft formt. Der Dom­kam­mer­chor und sei­ne Solis­ten las­sen den Klang förm­lich in die Dom­hal­le flie­ßen, ohne die Kon­trol­le über die Kon­tu­ren zu ver­lie­ren – und mit der Fähig­keit, immer wie­der kla­re Akzen­te zu set­zen und Höhe­punk­te zu formen.
Der Sprung in die Roman­tik ist dann frei­lich doch genau das: Ein Sprung. Und ein recht gro­ßer noch dazu. Zumal Franz Liszts „Prä­lu­di­um und Fuge über B‑A-C‑H“ für Orgel ja auch nicht zurück­hält mit gro­ßen Ges­ten, har­mo­ni­schen Kühn­hei­ten und klang­li­chen Effekten.

Dom­or­ga­nist Dani­el Beck­mann, der in der ers­ten Hälf­te den Chor auch schon mit Cel­lis­tin Traudl Eute­bach im Gene­ral­bass unter­stützt hat, über­nimmt die Auf­ga­be, die­sen Sprung aus­zu­füh­ren – und tut das gewandt, ohne die Boden­haf­tung zu ver­lie­ren. Wo ande­re Orga­nis­ten sich ger­ne aus­to­ben, bevor­zugt er eher gemä­ßig­te Tem­pi und nimmt sich auch Zeit für Ruhe­punk­te – so bleibt auch in der Domakus­tik noch vie­les erkenn­bar. Vor allem aber ist es sei­ne sehr fan­ta­sie­vol­le, abwechs­lungs­rei­che und ein­fühl­sa­me Regis­trie­ung, die nicht nur das Poten­zi­al der Orgel aus­kos­tet, son­dern auch dem Werk zur vol­len Gel­tung verhilft. 

Der Dom­kam­mer­chor nimmt das dann direkt auf: Mit drei Motet­ten von Liszt zeigt er sich in der zwei­ten Kon­zert­hälf­te deut­lich far­bi­ger als zuvor in der Abtei­lung „Alte Musik“, deut­lich viel­fäl­ti­ger auch in Dyna­mik und Arti­ku­la­ti­on. Vor allem zum Schluss hin stei­gern sich die nach­denk­li­chen Innig­kei­ten: Sorg­sam und fas­zi­nie­rend detail­reich ent­fal­tet Breit­schaft schon Hugo Wolfs „Geist­li­che Lie­der“, behut­sam und bedacht lässt er ihre resi­gna­tiv-erlös­te End­zeit­stim­mung genau aus­for­men. Und mit der Motet­te „Schaf­fe in mir Gott“ von Johan­nes Brahms, die zumin­dest for­mal noch ein­mal den Bogen zum Anfang des Kon­zer­tes schlägt, kann er das sogar noch ein biss­chen über­bie­ten: Mit geziel­tem Kraft­ein­satz, mit prä­zis gesetz­ten Höhe­punk­te und trotz aller klang­li­chen Deli­ka­tes­se vor allem mit viel begeis­ter­tem Schwung.

(geschrie­ben für die Main­zer Rheinzeitung.)

Reinraummusik: Die King’s Singers in St. Stephan

So rich­tig begeis­tern konn­te ich mich beim Auf­tritt der King’s Sin­gers in Mainz nicht: Per­fekt into­niert, ohne Fra­ge – aber alles auch per­fekt rou­ti­niert, vom Auf-die-Büh­ne-Schrei­ten bis zur Hand­hal­tung alles minu­ti­ös ein­stu­diert: Raum für Spon­ta­nei­tät, für Begeis­te­rung (der Musi­ker selbst) gibt es hier nicht. Des­we­gen wird’s auch mal lang­wei­lig. Denn auch ein wahn­sin­nig pro­fes­sio­nel­ler, nahe­zu per­fek­ter Ensem­ble­klang ist allei­ne auf Dau­er nur mäßig befrie­di­gend. Aber trotz­dem schön anzuhören ;-)

Wenn es so etwas wie könig­li­che Rein­heit gäbe – hier wäre es zu hören. Denn wenn die King’s Sin­gers etwas beherr­schen, dann ist es die mühe­lo­se Per­fek­ti­on der rei­nen Into­na­ti­on. Eine naht­lo­se, unzer­brech­li­che Ein­heit bil­den die­se sechs Sän­ger, vom ers­ten Ein­at­men bis zum letz­ten­Ver­klin­gen. Und selbst die Hand­hal­tung und das pro­fes­sio­nel­le Lächeln sind bei allen gleich – Unter­schie­de gibt es nur in der Haartracht.

Mit unwi­der­steh­li­cher Rou­ti­ne pro­du­zie­ren die King’s Sin­gers einen Ver­schmel­zungs­klang, der wahn­sin­nig machen kann. Zusam­men bil­den sie etwas ganz Ein­zig­ar­ti­ges, bei dem es fast egal ist, was sie sin­gen. In St. Ste­phan, wo sie im Rah­men des Rhein­gau Musik­fest­vals gas­tier­ten, war das zunächst ein Grün­don­ners­tags-Pro­gramm rund um den gre­go­ria­ni­schen Cho­ral „Pan­ge lin­gua“. Da macht es auch nichts, das die Kar­wo­che schon eini­ge Zeit zurück liegt: Hier geht es nur um die Musik, und da vor allem um den puren Klang – die Tex­te und Inhal­te spie­len nur eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le. In St. Ste­phan waren die Wor­te nur aus­nahms­wei­se zu erah­nen, ver­ste­hen konn­te man die Text schon gar nicht.

Schön ist die­se Musik trotz­dem. Und das ist die Haupt­sa­che, egal ob es um Motet­ten von Car­lo Gesu­al­do oder von Anton Bruck­ner geht, ob Mau­rice Duru­flés „Tan­tum ergo“ oder Tomas Luis de Vic­to­ri­as „Popu­le meus“ erklingt. Die Dif­fe­renz zwi­schen 16. und 20. Jahr­hun­dert wird mühe­los über­brückt, die Unter­schie­de ver­schwim­men: Das sind ein­fach die King’s Sing­rs – fer­tig. Und das heißt: Wohl­klang pur, immer wie­der, egal, wel­che Noten gera­de auf dem Pult lie­gen. Schon das lang­sa­me Aus­klin­gen der Schluss­ak­kor­de allein ist dabei jedes Mal wie­der bezau­bernd, wie sie immer wei­cher wer­den und sich im Raum auf­lö­sen – sol­che Fein­hei­ten bie­tet kaum ein ande­res Ensem­ble so über­zeu­gend. Aber beson­ders span­nend ist das nicht, weil außer dem extrem gleich­mä­ßig, unge­mein rein aus­ge­form­ten Wohl­klang für die sechs Eng­län­der wenig ande­res zählt. Ein klei­nes Cre­scen­do ist da schon fast eine Sen­sa­ti­on. Denn die zar­te Zer­brech­lich­keit des per­fek­ten Vokal­klangs ist eben immer in Gefahr – da wür­de über­mä­ßi­ge Expres­si­vi­tät nur scha­den. Und scha­de wäre es wirk­lich, wür­de die­ser Wohl­laut zer­stört. Doch das pas­siert den King’s Sin­gers nie, ihr ein­zig­ar­ti­ger a‑cap­pel­la-Klang bleibt auch an die­sem Abend ungebrochen.

eine ernste sache: motetten der bach-familie

immer wie­der erstaun­lich: die ernst­haf­tig­keit & hin­ga­be des main­zer figu­ral­cho­res – fast schon ver­bis­sen, wie sie sich den gro­ßen chor­wer­ken nähern. ein biss­chen mehr freu­de möch­te man ihnen fast wün­schen … aber dann auch wie­der nicht: so kommt man näm­lich in den genuss tol­ler kon­zer­te – auch wenn die main­zer das über­haupt nicht zu wür­di­gen wis­sen und die kir­chen­bän­ke wie­der ein­mal arg leer blieben.

Mit einem Fami­li­en­kon­zert der beson­de­ren Art begann der Main­zer Figu­ral­chor sei­ne Jubi­lä­ums­sai­son. Der nun fast 30 Jah­re alte Chor star­tet in die nächs­ten Mona­te mit einem Pro­gramm, dass aus­schließ­lich Motet­ten der Musi­ker­fa­mi­lie Bach ver­sam­mel­te. Vom Stamm­va­ter Johann Bach, dem ers­ten bekann­ten Kom­po­nis­ten der thü­rin­gi­schen Dynas­tie bis zu ihrem größ­ten Ver­tre­ter, Johann Sebas­ti­an, reich­te die Aus­wahl – alle Kom­po­nis­ten die­ser Fami­lie zu ver­ei­nen, wür­de jedes Kon­zert spren­gen. Und in St. Boni­faz war auch so schon genug zu hören. Denn dem Diri­gen­ten Ste­fan Wei­ler, der den Chor seit sei­ner Grün­dung lei­tet, ist mal wie­der ein außer­or­dent­li­ches Pro­gramm geglückt – außer­or­dent­lich in der Gestal­tung und außer­or­dent­lich in der Leis­tung des Chores.

Den Beginn mach­ten fünf- bis sech­stim­mi­ge Motet­ten der älte­ren Bach­ge­nera­tio­nen aus dem The­men­feld Tod, Ver­gäng­lich­keit und Heils­ge­wiss­heit. Mit Johann Sebas­ti­an Bachs gro­ßer Motet­te „Jesu mei­ne Freu­de“ war dann zugleich das Zen­trum des Kon­zer­tes und auch der Dreh­punkt erreicht: Nun ging es abschlie­ßend in der auch musi­ka­li­sche sehr raf­fi­nier­ten Stei­ge­rung zu dop­pel­chö­ri­gen Motet­ten um die erwar­tungs­vol­le Freu­de, den Lob­preis Got­tes – eine wir­kungs­vol­le Dra­ma­tur­gie. Vor allem, weil der Figu­ral­chor wie­der ein­mal sehr über­zeug­te. Vor allem durch sei­ne extre­me Kon­zen­tra­ti­on auf die gesam­te Musik, ihre gro­ße Form und ihr kleins­tes Detail.

weich klin­gen­der Beginn mit Johann Bachs „Unser Leben sei ein Schat­ten“, geschickt auf­ge­teilt auf den Haupt­chor und ein ver­steckt plat­zier­tes Solis­ten­quar­tett – sol­che ein­fa­chen, aber wir­kungs­vol­le ideen setzt wei­ler immer wie­der geschickt ein.

Johann Sebas­ti­an Bachs Bear­bei­tung des Cho­rals „Jesu mei­ne Freu­de“ ver­kör­per­te hier den Umschwung des ban­gen christ­li­chen Her­zens zur fes­ten Über­zeu­gung des erwar­te­ten Heils der Ewig­keit. Mit prä­gnan­ter Kraft und behut­sam gesetz­ten Momen­ten, mit der gan­zen Viel­falt der musi­ka­li­schen Rhe­to­rik, die die­sem Mit­glied der Bach-Fami­lie zur Ver­fü­gung steht, ist das dann doch deut­lich grö­ßer und genia­ler als die Musik sei­ner Vor­fah­ren. Typisch war schon der Beginn, die star­ke ana­ly­ti­sche Durch­drin­gung des Chor­sat­zes durch Wei­ler und sei­ne Sän­ger, die unbe­ding­te Gleich­be­rech­ti­gung aller Stim­men gegen­über der Melo­die – die­ses klu­ge, wis­sen­de Musi­zie­ren macht den Figu­ral­chor so anzie­hend. Auch wenn sie hin und wie­der fast zu ernst, zu kon­zen­triert erscheinen

Nach Johann Sebas­ti­an lei­tet der rasche Jubel­ge­sangs von Johann Micha­el Bachs „Sei lie­ber Tag will­kom­men“ über zu den raf­fi­nier­te­ren Freu­den­ge­sän­ger – etwa der dop­pel­chö­ri­ge Motet­te „Herr, ich war­te auf dein Heil“. Wie­der hat Wei­ler einen Chor durch Solis­ten­quar­tett ersetzt – dass er das kann, ist auch ein Zeug­nis der hohen Qua­li­tät des Cho­res. Und es ist hier ein wah­rer Genuss, wie der sanft tönen­de Chor die Solis­ten, die das Mot­to wie­der­ho­len, umschlingt und in sich auf­nimmt. Kein Wun­der, dass es dafür gro­ßen Bei­fall gab – auch wenn in St. Boni­faz vie­le Plät­ze frei geblie­ben waren.

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zeitung)

angebissen: der don-camillo-chor auf cd

Musik dazu ver­wen­den, jeman­den zu ver­füh­ren, ist kei­ne neue Idee. Das Opfer mit der Musik als Köder zur Musik zu begeh­ren, ist schon etwas unge­wöhn­li­cher. Und wenn ein Chor das dann auch noch so offen und direkt unter­nimmt wie der „Don-Camil­lo-Chor“ aus dem Münch­ner Umland, dann gehen jeder Ziel­per­son schnell die Argu­men­te für den Wider­stand aus.

Das liegt, wie ihre neu­es­te (und ers­te) CD mit dem pas­sen­den Titel „Good Bait“ beweist, zu gro­ßem Teil an der jugend­li­chen Fri­sche und dem unbän­di­gen Über­schwang, mit dem der gesam­te Chor sich auf sein Reper­toire vor­wie­gend aus Jazz und Pop stürzt. So eine frei­zü­gi­ge Freu­de teilt sich dem Hörer in jedem Moment mit, dass er mit dem größ­ten Ver­gnü­gen anbeißt.

Das Ver­gnü­gen ist aller­dings nicht nur ein Ver­dienst der Sän­ger und ihres Chor­lei­ters, der sie immer wie­der kna­ckig auf den Punkt fokus­siert. Es liegt zu einem gro­ßen Teil auch an den ange­nehm ein­falls­rei­chen Arran­ge­ments, die mehr­heit­lich vom Diri­gen­ten selbst oder aus der bewähr­ten Feder des um kei­ne Poin­te ver­le­ge­nen Oli­ver Gies stammen.

Das reicht vom feu­ri­gen „Chi­li con Car­ne“ aus dem Fun­dus der „Real Group“ über auf­ge­fri­sche Swing-Klas­si­ker bis zu – in ihren kom­ple­xen Arran­ge­ments kaum noch erkenn­ba­ren – Pop-Hits der letz­ten Jahr­zehn­te. Mit einer recht frei­en Bear­bei­tung von Brahms’ „Guten Abend, gut’ Nacht“ beweist der Don-Camil­lo-Chor dann neben­bei auch noch, dass er mehr als nur rei­ner Jazz-Pop-Chor ist: Die­se jun­gen Sän­ger und Sän­ge­rin­nen füh­len sich in vie­len Gefil­den zu Hau­se. Mit Recht. Denn „Good Bait“ ist nicht nur eine schö­ne, gelun­ge­ne Leis­tungs­schau, son­dern auch ein­fach gute Unterhaltung.

Don Camil­lo Chor: Good Bait. Spek­tral SRL4-09049, 2009.

(geschrie­ben für die neue chorzeit)

geschaffen aus dem nichts

Es war ein Hit von der ers­ten Auf­füh­rung an, den Joseph Haydn vor 210 Jah­ren mit sei­nem Ora­to­ri­um „Die Schöp­fung“ gelan­det hat. Und wie jetzt der vol­le Dom bei schöns­tem Sonn­tags­som­mer­wet­ter beweist, gilt das auch noch heu­te. Man konn­te im Dom auch wun­der­bar erfah­ren, war­um genau die „Schöp­fung“ sich eigent­lich seit ihrer Urauf­füh­rung die­ser andau­ern­der Beliebt­heit erfreut: Kaum ein ande­res Werk Haydns – und auch die Vor­bild-Ora­to­ri­en Hän­dels nicht – kann so eine gro­ße Band­brei­te musi­ka­li­scher Mit­tel und so eine gelun­ge­ne Mischung aus Schön­heit, Dra­ma, Span­nung und Hap­py-End auf­wei­sen: Fast wie das Rezept eines Block­bus­ters liest sich die Lis­te der Eigen­schaf­ten die­ses Komposition.

Und Dom­ka­pell­meis­ter Mathi­as Breit­schaft gelingt es mit der gan­zen Mas­se der erwach­se­nen Sän­gern sei­ner Chö­re und dem vital spie­len­den Main­zer Kam­mer­or­ches­ter, die­se Mischung ganz aus­ge­zeich­net vor­zu­füh­ren und in der Balan­ce zu hal­ten. So erhält die auf­klä­re­risch gefärb­te Erzäh­lung der Schöp­fungs­ge­schich­te eine sehr poin­tier­te Dra­ma­tik. Breit­schaft nimmt sich näm­lich der plas­ti­schen Klang­schil­de­run­gen Haydns und sei­ner bild­haf­ten Ver­to­nung des bibli­schen Gesche­hens in dras­ti­scher Deut­lich­keit an. Das macht den Text fast über­flüs­sig, so klar und nach­voll­zieh­bar wird die Klang­spra­che im Dom ent­wi­ckelt. Und das Bes­te: Damit ist Breit­schaft noch nicht am Ende. Ihm gelingt es näm­lich außer­dem auch, die Ein­heit des Ora­to­ri­ums beto­nend zu wah­ren. Die zügi­gen Tem­pi und sei­ne schar­fe Kon­trol­le des Gesche­hens, gepaart mit der ener­gi­schen Ani­ma­ti­on aller Betei­lig­ten ver­hin­dern trotz aller fei­nen Arbeit das Ver­lie­ren in Details. Von der hier sehr fried­vol­len „Vor­stel­lung des Cha­os“ am Beginn, die die kom­men­de Ord­nung der Schöp­fung schon in sich trägt, bis zum gro­ßen Fina­le nach dem Lob­preis des para­die­si­schen Lebens im Gar­ten Eden reicht die voll­ende­te Ein­heit der Musik. Und die Solis­ten unter­stüt­zen ihn in sei­nen inten­si­ven Bemü­hun­gen. Bari­ton Diet­rich Gre­ve hilft mit fül­li­ger, warm­tö­nen­der Güte und Har­mo­nie, wäh­rend Tenor Mar­kus Schä­fer sich eher den dra­ma­ti­schen Akzen­ten und deut­li­chen Akzen­ten ver­pflich­tet sieht. Vor allem die Sopra­nis­tin Sabi­ne Goetz aber beein­druckt mit ihrer engels­glei­chen, rei­nen und in allen Lagen aus­ge­ge­li­che­nen Stim­me – eine wun­der­ba­re Beset­zung für den Erz­engel Gabri­el. Der Chor wirk­te neben die­ser lei­den­schaft­li­chen und aus­ge­spro­chen prä­zi­sen fast etwas blass, bewäl­tigt sei­ne Par­tie aber natür­lich sehr sicher. Mit so viel cho­ri­scher Mas­se, die sich – etwa im wun­der­bar zar­ten Ein­gangs­chor – durch­aus zäh­men lässt, kann Breit­schaft sou­ve­rän arbei­ten. Und da ist es kein Wun­der, dass die „Schöp­fung“ auch in Mainz ihren Sta­tus als immer­wäh­ren­der Hit behaup­ten kann.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung)

orff, bartók und gershwin glücklich vereint

Béla Bar­tók, Geor­ge Gershwin und Carl Orff haben wenig gemein. Und doch pas­sen sie alle in das Kon­zert des Bach­cho­res in der Chris­tus­kir­che. Denn klei­ne Über­ein­stim­mun­gen fin­den sich doch. Zum Bei­spiel, um ganz prag­ma­tisch anzu­fan­gen, es gibt von jedem Musik für zwei Kla­vie­re – wenn man schon zwei hoch­klas­si­ge Pia­nis­ten wie die Brü­der Para­to­re zur Ver­fü­gung hat, muss man das ja auch nut­zen. Und sie kom­po­nier­ten (fast) zur glei­chen Zeit: Gershwins „Rhap­so­dy in Blue“ war 1924 erst­mals zu hören, Bar­tóks Sona­te für zwei Kla­vie­re und Schlag­zeug im Janu­ar 1938 und Orffs „Car­mi­na burana“ ent­stand ab 1934. Das hört man ihnen aber kaum an, denn trotz der zeit­li­chen Nähe bleibt die­se Tri­as grundverschieden.

Bar­tóks Sona­te zum Bei­spiel ist ein eher sprö­des, auch nur sel­ten auf­ge­führ­tes Werk. Und eigent­lich klingt es auch nicht so harm­los, wie hier in der Chris­tus­kir­che. Da trägt der Raum gro­ße Mit­schuld, der vie­les weich­zeich­net und ver­schwim­men lässt. Antho­ny und Joseph Para­to­re ver­su­chen zwar, durch kna­cki­ge Poin­tie­run­gen dem etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Aber so rich­tig weit kom­men sie damit nicht. So bleibt die Sona­te mit der unge­wöhn­li­chen Beset­zung für zwei Kla­vie­re und zwei Schlag­wer­ker (die aus dem Ensem­ble Babet­te Haag kamen) für die­ses Mal fast eine ver­wun­sche­ne Feen­mu­sik, deren weich flie­ßen­de, stel­len­wei­se sogar ins rausch­haft tau­meln­de Klang­wel­ten aber durch­aus auch bedroh­li­che­re Sze­na­ri­en her­bei­zau­bert. Doch noch bleibt alles Rohe und Wil­de in siche­rer Distanz und fest eingezäunt.

Gershwins Musik kennt sol­che Gefah­ren nicht. Rou­ti­niert arbei­ten sich die Pia­nis­ten mit jahr­zehn­te­lan­ger Erfah­rung durch die Rhap­so­dy in Blue. Das Schlag­werk bleibt hier aber eher ras­seln­der und schep­pern­der Fremd­kör­per, was dem Zau­ber aber nicht wei­ter schadet.

Dafür dür­fen die Per­cus­sio­nis­ten danach noch ein­mal alles geben: Die „Car­mi­na burana“, die der Bach­chor in der vom Orff-Schü­ler Wil­helm Kill­may­er ange­fer­tig­ten Fas­sung für zwei Kla­vier und Schlag­werk prä­sen­tier­te, bie­tet ja nicht nur dem Chor reich­lich Mög­lich­kei­ten zum Bril­lie­ren. Dem aber unge­dingt auch – und der Bach­chor nutzt die wie immer ganz selbst­ver­ständ­lich. Unter Ralf Ottos beseel­ter Lei­tung ergibt sich orga­nisch eines aus dem ande­ren, lau­fen Chor­sät­ze naht­los in Soli und umge­kehrt, ver­bin­den sich Humo­res­ke und Folk­lo­re, Lie­bes­leid und Freu­den­tau­mel zu einer mäch­ti­gen, klan­ge­wal­ti­gen Ein­heit. Beson­ders aus­zeich­nend dabei: Die uner­schütt­li­che Prä­zi­si­on – nicht nur tech­nisch, son­dern auch klang­lich und emo­tio­nal tref­fen Otto und sei­ne Sän­ger immer genau auf den Punkt. Auch die Solis­ten pas­sen gut dazu: Dani­el Sans gefällt mit beherrsch­ter Sicher­heit, der komö­di­an­tisch begab­te Klaus Häger mit sei­nem unkom­pli­zier­tem Bass und die Sopra­nis­tin Valen­ti­na Far­cas fügt sich mit selbst in gro­ßer Höhe kla­rer Stim­me wun­der­bar ins Gesamt­bild. Kein Wun­der, dass die aus­ver­kauf­te Chris­tus­kir­che rest­los begeis­tert ist.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung)

harte männer ganz sanft: rammsteins „engel“ a‑cappella

Mutig ist es, was der Bos­se-Ver­lag macht: Sei­ne neue Rei­he „Bos­se Hits a‑cappella“ gleich mit Ramm­steins „Engel“ zu eröff­nen. Denn vie­len ist Ramm­stein in Deutsch­land (im Aus­land übri­gens im Grun­de gar nicht) immer noch ein Ärger­nis. „Engel“ ist aber sicher­lich eines der unver­fäng­lichs­ten Lie­der. Und zugleich einer der gro­ßen Erfol­ge der umstrit­te­nen Band, der Durch­bruch in die grö­ße­re Öffent­lich­keit vor über zehn Jahren.

Was der Bos­se-Ver­lag nun vor­legt, ist aber nicht so sehr eine a‑cap­pel­la-Ver­si­on des Ramm­stein-Songs, son­dern eine noch ein­mal bear­bei­te­te Ver­si­on – für gemisch­ten Chor sowie Frauenchor/​Männerchor – des May­be­bop-Arran­ge­ments. Und das Quar­tett ver­kehrt die „Neue Deut­sche Här­te“ des Ori­gi­nals ins ziem­lich genau Gegen­teil – eine wei­che, schmu­si­ge Bal­la­de haben sie dar­aus gemacht. Mit einem recht raf­fi­nier­ten, sehr öko­no­mi­schen Arran­ge­ment. Das fin­det sich auch in den vor­lie­gen­den Sät­zen so wie­der – die hal­ten sich näm­lich sehr genau ans May­be­bop-Ori­gi­nal, nur mini­ma­le Anpas­sun­gen an die ver­schie­de­nen Beset­zun­gen hat Oli­ver Gies noch vorgenommen.

Ein schö­nes Bei­spiel ist die­ser Satz zugleich, wie sehr eine Bear­bei­tung den Cha­rak­ter eines Stü­ckes ver­än­dern kann: Die Noten „stim­men“ eigent­lich noch ziem­lich genau mit der Musik von Ramm­stein über­ein. Aber die Reduk­ti­on auf vier mensch­li­che Stim­men und die Ver­än­de­rung der Struk­tur tun eini­ges, dem Engels­lied jede Här­te zu neh­men – damit aber auch viel von sei­nem eigent­li­chen Reiz. Jeden­falls ist es ein gut sing­ba­res Arran­ge­ment, das zwar tech­nisch schon ver­sier­te Sän­ger for­dert (etwa beim Zwi­schen­spiel in klas­si­scher Imi­ta­ti­ons­tech­nik, eine ech­te May­be­bop-Zutat und ‑Spe­zia­li­tät), sonst aber zurück­hal­tend bleibt. Und es lässt den Inter­pre­ten wie­der­um eini­gen Raum – man muss das nicht unbe­dingt so wie May­be­bop sin­gen. Dass ist das gro­ße Plus die­ser Aus­ga­be und ihre Auf­ga­be an Chö­re und Ensem­bles: Einen eige­nen Weg zwi­schen Ramm­stein und May­be­bop zu finden.

Ramm­stein: Engel. Arran­ge­ment: Maybebop/​Oliver Gies. Gus­tav Bos­se Ver­lag 2008. (Bos­se Hits a cap­pel­la, hrsg. von Ste­fan Kal­mer). Gemisch­ter Chor: BE 721, Frau­en­chor: Be 722, Män­ner­chor: BE 723. 7 Sei­ten, 3,50 Euro.

(geschrie­ben für die neue chorzeit)

chorkunst im norden – der madrigalchor kiel

Gera­de ist er voll­jäh­rig gewor­den, der Madri­gal­chor Kiel. Aber erlebt hat er schon eini­ges in sei­nen jun­gen Jah­ren. Und erwach­sen ist er eigent­lich auch schon ziem­lich lan­ge. Denn Frie­de­ri­ke Woeb­cke, die den ambi­tio­nier­ten Kam­mer­chor 1990 grün­de­te und bis heu­te lei­tet, muss­te nicht bei Null anfan­gen. Mit 18 Sän­gern aus dem Nord­deut­schen Madri­gal­chor, der nach dem Tode Rai­mund Schnei­ders, sei­nes lang­jäh­ri­gen Lei­ters, auf­ge­hört hat­te zu exis­tie­ren, begann das Aben­teu­er schon auf respek­ta­blem Niveau. Von dort haben der neue Chor und sei­ne Letie­rin nicht nur einen sol­dien Grun­stock Sän­ger geerbt, son­dern vor allem auch den Namen. Denn im Grun­de stimmt der ja über­haupt nicht (mehr): Auch wenn Madri­ga­le natür­lich hin und wie­der auf dem Pro­gramm ste­hen, ins­be­son­de­re bei den Advents- und Weih­nachts­kon­zer­ten, ist der Kie­ler Madri­gal­chor inzwi­schen doch viel mehr ein Uni­ver­sal­chor, der sich statt durch eine Kon­zen­tra­ti­on auf die Renais­sance-Musik eher durch sein breit gefä­cher­tes Reper­toire auszeichnet.
Inzwi­schen ist das Ensem­ble aller­dings auch auf die dop­pel­te Grö­ße ange­wach­sen: 36 Sän­ge­rin­nen und Sän­ger umfasst der Chor, Ama­teu­re aus Kiel und der nähe­ren Umge­bung. Und dabei soll es auch blei­ben. So kommt es, dass die Chor­lei­te­rin in der glück­li­chen Lage ist, eine War­te­lis­te inter­es­sier­ter Sän­ger und vor allem Sän­ge­rin­nen zu füh­ren – nur Bäs­se fin­den eigent­lich immer einen Platz: „Momen­tan haben wir eine ech­te Glücks­sträh­ne“, erklärt sie, “aber das kommt eben immer in Pha­sen.” Die­se Grö­ße macht vie­les mög­lich – auch umfang­rei­che­re Pro­jek­te wie baro­cke Ora­to­ri­en und Pas­sio­nen kön­nen die Nord­lich­ter so erfolg­reich aufführen.
Die Schwie­rig­kei­ten lie­gen dann eher auf einer ande­ren Ebe­ne: Als voll­kom­men frei­er Chor – unter­stützt nur von einem För­der­ver­ein – sind sie für die Finan­zie­rung grö­ße­rer Pro­jek­te immer wie­der neu auf Spon­so­ren­su­che. Frie­de­ri­ke Woeb­cke blickt dann auch mit ein wenig Neid auf die fes­ten Struk­tu­ren in Süd­deutsch­land: “Das ist sicher schon ange­nehm, wenn man etwa wie der Maul­bron­ner Kam­mer­chor fest mit der Kir­che ver­bun­den ist.” Aber selbst­ver­ständ­lich kann sie ihrer Lage auch eini­ges abge­win­nen: “Ande­rer­seits sind wir bei der Pro­gramm­wahl frei­er hier oben und brau­chen kei­ner­lei Rück­sich­ten auf die Erwar­tun­gen unse­rer Trä­ger zu nehmen.”
Immer­hin gelin­gen den Kie­lern auch unter die­sen Bedin­gun­gen jedes Jahr ein hal­bes Dut­zend Pro­jek­te – seit fast zwan­zig Jah­ren nun. In ers­ter Linie die Chor­mu­sik der Spät­ro­man­tik und der Moder­ne ist es, die den Madri­gal­chor immer wie­der neu beschäf­tigt und für die er einen beson­ders aus­ge­präg­tes Klang­ge­spür ent­wi­ckelt hat. Auch geo­gra­phisch haben sie sich durch­aus spe­zia­li­siert – auf den Nor­den Euro­pas, ins­be­son­de­re die schwe­di­sche a‑cap­pel­la-Musik des 19. und 20. Jahr­hun­derts ist ihre musi­ka­li­sche Hei­mat. Das hat viel mit Woeb­cke selbst zu tun, und mit ihrer Aus­bil­dung. Die Diri­gen­tin, die seit 1998 in Bre­men eine Pro­fes­sur für Chor­lei­tung inne­hat, absol­vier­te einen Teil ihrer Aus­bil­dung in Stock­holm. Von dort datiert auch ihre Bekannt­schaft mit Eric Eric­son, den nicht nur mit der Lei­te­rin, son­dern inzwi­schen auch mit den Sän­ge­rin­nen und den Sän­gern des Chors inzwi­schen eine enge musi­ka­li­sche Freund­schaft verbindet.
Der schwe­di­sche Alt­meis­ter war mitt­ler­wei­le, vor allem in den letz­ten bei­den Jah­ren, auch mehr­mals zu Gast in Kiel – sowohl als Dozent als auch als Diri­gent des Cho­res. Dabei mach­te der Madri­gal­chor auch erst­mals die Erfah­rung, bei einem Diri­gier­kurs selbst zum Instru­ment zu wer­den und jun­gen Diri­gen­ten die Mög­lich­keit zur Erpro­bung zu geben. Das bedeu­tet zwar eine auf­wen­di­ge Vor­be­rei­tung, aber auch ein span­nen­des Erleb­nis für die betei­lig­ten Sän­ger – so span­nend, dass sie es 2009 im Okto­ber beim Nord­kol­leg Rends­burg (Schles­wig-Hol­stein) noch ein­mal tun wer­den und sich wie­der für einen Diri­gier­kurs zur Ver­fü­gung stel­len werden.
Die Lei­te­rin plant dage­gen unter­des­sen schon das 20jährige Jubi­lä­um in 2010 – immer nach vor­ne schau­end. Und auch die nächs­te Chor­rei­se muss orga­ni­siert wer­den. Schließ­lich gehört es beim Madri­gal­chor Kiel fest zum Jah­res­pro­gramm, nicht nur ein Dut­zend Kon­zer­te zu sin­gen, son­dern zumin­dest einen Teil davon auch im Aus­land auf­zu­füh­ren. Häu­fig führ­ten die Wege nach Skan­di­na­vi­en, aber auch nach Über­see – USA, Japan, Isra­el und Süd­afri­ka waren wich­ti­ge Zie­le die­ser Mischung aus Bil­dungs­rei­se, Ent­de­ckungs­fahrt und Urlaub auf dem Weg zum rei­fen Klang.

(geschrie­ben für die neue chor­zeit, 1/​2009)

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