»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Aus-Lese #19

Jan Kuhl­brodt: Geschich­te. Kein Weg, nur Gehen. Ber­lin: J. Frank 2013. Edi­ti­on Poe­ti­con #01. 47 Seiten.

„Geschich­te“ enstammt der neu­en Rei­he „Edi­ti­on Poe­ti­con“ im Ber­li­ner J.-Frank-Verlag mit dem schö­nen Mot­to „Poe­ti­siert euch“. Hier erschei­nen gera­de so etwas wie Poe­ti­ken oder poe­ti­sche Schrif­ten zeit­ge­nös­si­cher Dich­ter aus dem Umfeld des Frank-Ver­la­ges. Bei Jan Kuhl­brodt geht es – der Titel ver­rät es – um Geschich­te, Geschichts­bil­der, Zeit und Rol­le der Kunst in der Geschich­te. Vor allem aber beschäf­tigt ihn hier die Mög­lich­keit des Dich­ters, Geschich­te zu beglei­ten, wahr­zu­neh­men, auf­zu­neh­men in sei­ne Dich­tung, sie (als gemachte/​erzählte Geschich­te) zu for­men und viel­leicht auch (als gesche­he­ne) mit­zu­be­stim­men – also die Fra­ge, wie Dich­te­rin­nen und ihre Dich­tun­gen sich zur Geschich­te ver­hal­ten können/​müssen/​sollen .… Er sucht das in ers­ter Linie an Bei­spie­len aus dem 20. Jahr­hun­dert, vor allem in der rus­si­schen Lyrik. Da will er, wenn ich ihn rich­tig ver­ste­he, die Mög­lich­keit zei­gen, Geschich­te in die Dich­tung auf­zu­neh­men, also so etwas wie „Geschichts-Lyrik“ zu schrei­ben – und zwar nicht (nur) auf inhalt­li­cher Ebe­ne, son­dern vor allem in for­ma­ler Hinsicht. 

Mit eini­gen weni­gen Aus­nah­men spielt Geschich­te in der deut­schen Gegen­warts­ly­rik kaum eine Rol­le. Es mag dar­an lie­gen, dass der Begriff der Geschich­te im zwan­zigs­ten Jahr­hun­dert der­art zer­fa­sert und zer­fällt, dass ein lyri­scher Bezut dar­auf gera­de­zu unmög­lich ist [dann eini­ge Bei­spie­le, wo es doch noch ver­sucht wird – dort] geht es um ein Bewah­ren indi­vi­du­el­ler Erfah­run­gen im Kon­text wir­rer und ver­wir­ren­der Abläu­fe (38f.)

Moa­cyr Sli­ar: Kaf­kas Leo­par­den. Düs­sel­dorf: Lili­en­feld 2013 (Lili­en­fel­dia­na 18). 135 Seiten.

Die­ser kleine/​kurze Roman hat über das schö­ne Pro­gramm von Tubuk-Delu­xe sei­nen Weg zu mir gefun­den. Es ist ein rund­um schö­nes Buch, als Buch­ob­jekt schön gemacht, vor allem wie­der mit einem schö­nen Ein­band. Und es ist auch ein net­ter Text. Sti­lis­tisch fin­de ich das in der Über­set­zung zwar ziem­lich blass, aber hin­ter Kaf­kas Leo­par­den ver­birgt sich ein inter­es­san­ter Ein­fall: Was pas­siert, wenn man einen Apho­ris­mus Kaf­kas – näm­lich sei­ne „Leo­par­den im Tem­pel“ – nicht als Lite­ra­tur, son­dern als Gebrauchs­text sozu­sa­gen liest? Im Roman Scli­ars pas­siert das zunächst in der Form, dass der Text als ver­schlüs­sel­te, revo­lu­tio­nä­re Hand­lungs­an­wei­sung im Mit­tel­eu­ro­pa 1916 gele­sen wird (oder zumin­dest der Ver­such unter­nom­men wird, der ähn­lich wie vie­le ger­ma­nis­ti­sche Lek­tü­ren der „Leo­par­den“ schei­tert. Das gan­ze wird dann sehr schön und unter­halt­sam aus­ge­brei­tet und in einer Art Rah­men auch noch gedop­pelt, in der das Kaf­ka-Typo­skript wie­der eine Rol­le spielt, dies­mals als ver­meint­lich auf­stän­disch codier­te Nach­richt im Bra­si­li­en der Dik­ta­tur. Und am Ende ver­schwin­det der Text als Ding, das Typo­skript, im Müll – bleibt aber im Gedächt­nis und im Traum vor­han­den und wirk­sam. Kaf­kas Leo­par­den ist durch­aus unter­hal­sam und liest sich flott weg .…

Wir dür­fen nichts erschaf­fen, was wir nicht zu beherr­schen wis­se. Und genau das ist Lite­ra­tur, eine unkon­trol­lier­ba­re Ange­le­gen­heit. Man beginnt zu schrei­ben, zu erfin­den, und wer weiß, wo es hin­führt? Und außer­dem, wozu noch mehr Bücher? (41)

außer­dem gelesen:

  • Spra­che im tech­ni­schen Zeit­al­ter #201 (mit anre­gen­den Gedich­ten von Micha­el Fied­ler)
  • und die letz­ten Hef­te der GWU, um damit end­lich mal wie­der aufzuholen.

Physik für/​von Biologen

Wun­der­bar, was Jan-Mar­tin Klin­ge da in sei­nem „Halb­tags­blogzeigt:

Physik für Biologen

Phy­sik für Biologen

Ins Netz gegangen (23.10.)

Ins Netz gegan­gen am 23.10.:

  • Frei­zü­gig­keits­miss­brauch » Sozia­les » neu​sprech​.org – Frei­zü­gig­keits­miss­brauch (via Published articles)
  • Untit­led (http://​images​.dan​ge​rous​minds​.net/​u​p​l​o​a​d​s​/​i​m​a​g​e​s​/​i​n​a​s​n​e​j​g​j​g​j​g​j​j​g​j​h​g​.​jpg) – Eine auf­schluss­rei­che Lis­te der Grün­de, im 19. Jahr­hun­dert in eine ame­ri­kan. Irren­an­stalt ein­ge­wie­sen zu werden >
  • (500) https://accounts.google.com/ServiceLogin?service=wise&passive=true&go=true&continue=https%3A%2F%2Fdocs.google.com%2Fspreadsheet%2Flv%3Fkey%3D0Auzhy7U8YwLodEtnZG9GMzdvLXI0N2RfWlV2NHNWNVE%26toomany%3Dtrue%26pref%3D2%26pli%3D1 – Eine schö­ne – und längst über­fäl­li­ge – Idee: Ein Ver­gleich der Fea­tures ver­schie­de­ner #Android-#Roms:
  • Mein Jahr in der Poli­tik: Schei­tern als Chan­ce – FAZ – Nils Mink­mar über sei­ne Leh­ren aus einem Jahr direk­ter Poli­ti­ker­be­ob­ach­tung und ‑bel­gei­tung:

    Das scheint die zeit­ge­mä­ße Hal­tung zu sein: Immer schön auf Sei­ten der Sie­ger ste­hen. Anhän­ger des domi­nie­ren­den Fuß­ball­ver­eins sein, Fan der ewi­gen Kanz­le­rin und vol­ler Inbrunst ver­kün­den, was ohne­hin alle schrei­ben – das ver­schafft offen­bar eine gewis­se Sicher­heit in unüber­sicht­li­chen Zei­ten. Dass auch das Schei­tern eine Leh­re bereit­hal­ten kann, dass es sich lohnt, über „the road not taken“ nach­zu­den­ken, dabei kön­nen vie­le nicht mehr fol­gen, weil sie schon in Schu­le und Stu­di­um gelernt haben, dass das Heil in der Affir­ma­ti­on liegt und dar­in, das Bestehen­de zu optimieren.

    (Am Ende des Wer­be­tex­tes für sein erschei­nen­des Buch steht aller­dings ein schie­fes Bild: „Es war, als ob man einem Depres­si­ven zur Auf­mun­te­rung einen Mara­thon­lauf emp­fiehlt.“ – das funk­tio­niert näm­lich tat­säch­lich und wird auch praktiziert …

Ins Netz gegangen (21.10.)

Ins Netz gegan­gen am 21.10.:

Aus-Lese #18

Tobi­as Prem­per: Durch Bäu­me hin­durch. Göt­tin­gen: Steidl 2013. 93 Seiten.

Und schon wie­der kur­ze Pro­sa ohne Gat­tung: Sze­nen, Ein­fäl­le, … – Vignet­ten fasst das wohl am bes­ten zusam­men. Prem­per sam­melt hier Absur­des, Gro­tes­kes, Komi­sches, Phan­tas­ti­sches unge­heu­er ver­dich­tet. Nur sel­ten ist ein Text eine gan­ze Sei­te (oder mehr) lang. Das ist vor allem eines: irr­sin­nig amü­sant. Dabei ist das aber über­haupt nicht hirn­los, denn in der Kür­zest-Pro­sa über Bäu­me und Men­schen, über Nor­ma­li­tät und das Leben, über Träu­me und Erschei­nun­gen, wun­der­sa­me Beg­nun­gen, Abnor­ma­li­tä­ten als Grund­stim­mung, Nor­ma­li­tät als Aus­nah­me ste­cken alles gro­ßen Fra­gen – selbst wenn das als „Sze­ne aus dem wirk­li­chen Leben“ über­schrie­ben ist. Vor allem zeigt Prem­per aber immer wie­der die Absur­di­tät der Bana­li­tät des All­tags, des ganz nor­ma­len Lebens mit sei­nen unzäh­li­gen, immer glei­chen Hand­lun­gen, Momen­ten und Erfah­run­gen. Ein wirk­lich groß­ar­ti­ges Vergnügen!

„War­um mann Bücher machen muss“: Weil man sonst wie­der Frau­en ver­brennt und Scha­fe fickt. (38)

Moritz Rin­ke: Wir lie­ben und wis­sen nichts. Rein­bek: Rowohlt 2013. 124 Seiten.

Wir lie­ben und wis­sen nichts ist ein net­tes Kam­mer­spiel über moder­ne Paa­re, über Lie­be, Bezie­hung, Kom­mu­ni­ka­ti­on und den gan­zen Rest – eine Varia­ti­on eines bekann­ten The­mas also:

Kann man zusam­men­blei­ben, wenn man sich die Wahr­heit sagt? (121)

Ganz geschickt gemacht ist das, und gut ver­packt – da merkt man die Erfah­rung Rin­kes. Und natür­lich spie­len auch und vor allem die Zumu­tun­gen des (post-)modernen Kapi­ta­lis­mus eine wesent­li­che Rol­le: „[…] ich glau­be, die Lie­be ist irgend­wann mit dem Kapi­ta­lis­mus zusam­men­ge­sto­ßen und dabei kaputt­ge­gan­gen.“ (112)

Peter Salo­mon: Die Jah­re lie­gen auf der Lau­er. Neue Gedich­te. Eggin­gen: Edi­ti­on Ise­le 2012. 90 Seiten.

Lei­der fand ich den Band nicht ganz so span­nend, wie die Rezen­si­on erwar­ten ließ. Salo­mon schreibt hier vor allem so etwas wie erzäh­len­de Gedich­te: Vie­le „intak­te“ Sät­ze, die nur behut­sam umge­bro­chen und so in die lyri­sche Form gebracht wer­den. Es geht viel ums Erin­nern, vie­le Made­lei­nes, und viel alte BRD tau­chen hier auf, aber auch viel Glück – das aber nie dau­er­haft und sicher ist: „Ich ging nach Hau­se, ich glau­be /​Glück­lich – “ (66) schlie­ßen die „Momen­te des Glücks“, die genau so einen Moment des Endens der Ver­gan­gen­heit, des Nie­der­le­gens eines alten Gebäu­des auf­zei­gen. Genau die­ser das Ende offen las­sen­de, andeu­ten­de Gedan­ken­strich beschließt nicht weni­ge sei­ner Gedich­te („Es war, als gäbe es nie ein Ende – “ (71)) Vie­les ist hier ganz nett, aber berührt mich nicht sehr nach­drück­lich: Viel­leicht ist es des­halb für mich nicht so span­nend, weil Salo­mon der Kraft und Gestalt der „nor­ma­len“ Spra­che weit­ge­hend ver­traut – ich bevor­zu­ge momen­tan Lyri­ker, die Spra­che sozu­sa­gen gegen den Strich bürs­ten, wesens­fremd ver­wen­den – und dar­aus Bedeutung(en) erzeu­gen. Das pas­siert hier nicht.

Das Buch als Maga­zin #2: Woyzeck

Sehr schön und inspi­rie­rend: Gute gra­fi­sche Gestal­tung, vor allem span­nen­de und anre­gen­de Foto­gra­fien. Und natür­lich auch inter­es­san­te, fes­seln­de Tex­te. Zum Bei­spiel das wun­der­ba­re Inter­view mit einer psy­cha­tri­schen Oberärtztin …

Georg Büch­ner: Lenz. Her­aus­ge­ge­ben von Eva-Maria Vering and Wer­ner Wei­land. Darm­stadt: Wis­sen­schaft­li­che Buch­ge­sell­schaft 2001 (=Sämt­li­che Wer­ke und Schrif­ten. His­to­risch-kri­ti­sche Aus­ga­be mit Quel­len­do­ku­men­ta­ti­on und Kom­men­tar (Mar­bur­ger Aus­ga­be), Band 5).

Ein Klas­si­ker, natür­lich … Ein biss­chen Büch­ner-Lek­tü­re muss zu sei­nem 200. Geburts­tag auch unbe­dingt sein. Der Lenz fes­selt mich immer wie­der: Die Inten­si­tät und die gewal­ti­ge Spra­che der Erzäh­lung fin­de ich fas­zi­nie­rend. Auch wenn mir die­ses Mal sehr auf­ge­fal­len, wie „unfer­tig“ der Text eigent­lich ist …

Diet­mar Dath: Klei­ne Poli­zei im Schnee. Erzäh­lun­gen. Ber­lin: Ver­bre­cher 2012. 236 Seiten.

Klei­ne Poli­zei im Schnee ist ein typi­scher Dath. Natür­lich ist das (wie­der) eine Mischung aus Sci-Fi, Dys- & Uto­pie, Gegen­warts­be­schrei­bung & ‑kri­tik, phan­tas­ti­scher und rea­lis­ti­scher Lite­ra­tur (sein Mar­ken­zei­chen und eine sei­ner bes­ten Qua­li­tä­ten – der größ­te Sti­list ist er schließ­lich nicht …). Unty­pisch ist nur die klei­ne, kur­ze Form von sehr unter­schied­li­cher Län­ge, die sei­nen Kos­mos etwas zugäng­li­cher wir­ken las­sen als die gro­ßen Schin­ken. Dabei ist zugäng­lich aber rela­tiv. Denn wie­der prä­gen Ver­knüp­fun­gen kreuz und quer die­se Tex­te (die eigent­lich einen gro­ßen Text bil­den). Es gibt also viel zu ent­wir­ren: Dath prak­ti­ziert ein sehr fas­zi­nie­ren­des Erzäh­len aus ver­schie­de­nen Rich­tun­gen. Man kann (und darf) das dann wie ein Puz­zle zusam­men­set­zen. Die ein­zel­nen Tei­le sind aber auch schon sehr schön, so dass es nicht so schlimm ist, wenn das Puz­zle nicht ganz fer­tig wird ;-). (Daths Werk gibt mal viel Arbeit für flei­ßi­ge Ger­ma­nis­ten, mit all sei­nen intra- und inter­tex­tu­el­len Allu­sio­nen und Bezü­gen, v.a. inner­halb sei­nes eige­nen Werkes …)

Kon­se­quenz ist näm­lich noch schö­ner als Erfolg. (167)

Büchner 200

Zum 200. Geburts­tag von Georg Büch­ner geht es rund – nicht nur wegen der neu­em Bio­gra­phie von Her­mann Kurz­ke (ich habe sie noch nicht gele­sen, ver­mu­te aber, dass sie auf­grund des Ver­fas­sers und sei­ner sti­lis­ti­schen Fähig­kei­ten wahr­schein­lich mehr gele­sen wird als die maß­geb­li­che von Hau­schild (auch wenn ich mit Kurz­kes Metho­des des fröh­li­chen Zir­kel­schlie­ßens zwi­schen Leben und Lite­ra­tur und Leben schon bei Tho­mas Mann so mei­ne Pro­ble­me hat­te und aus mei­ner Text­kennt­nis etwas skep­tisch bin ob der Auf­fas­sung Büch­ners als vor allem christ­li­chen Autor …)), außer­dem stür­zen sich natür­lich auch die Medi­en auf das Jubi­lä­um. Lus­tig fand ich wie­der die „Zeit“, die ihren nicht schlech­ten, aber auch nicht beson­de­ren Text von Eli­sa­beth von Thad­den schon eine Woche zu früh brach­te – obwohl doch der 17. Okto­ber gera­de ein Don­ners­tag ist. Aber das gehört ja inzwi­schen zur Medi­en­me­cha­nik, alle Jubi­lä­en mög­lichst früh und damit mög­lichst vor allen ande­ren zu fei­ern (bei Kom­po­nis­ten, die ja immer ein gan­zes Jahr – Wag­ner, Ver­di, … – bekom­men, ist es wesent­lich schlimmer).

Vielleicht Georg Büchner? - Philipp August Joseph Hoffmann (1833) (Quelle: Commons

Viel­leicht Georg Büch­ner? – Phil­ipp August Joseph Hoff­mann (1833) (Quel­le: Com­mons)

Büch­ner ist ja ein Autor, den man gut fei­ern kann: Die Tex­te sind kano­ni­siert, es sind nicht so vie­le und die meis­ten auch gar nicht so lang – da kann jeder mit­re­den ;-). Und sie bie­ten auch viel­fäl­ti­ge Anschluss­mög­lich­kei­ten in alle mög­li­chen Rich­tun­gen – vom poli­ti­schen Agi­ta­tor über den Lust­spiel­au­tor zum psy­chisch inter­es­sier­ten Erzäh­ler und dem medi­zi­ni­schen Wis­sen­schaft­ler ist für jeden Geschmack etwas dabei …

Schön gewor­den fin­de ich aber auch die zwei­te Aus­ga­be von „Das Buch als Maga­zin“, die sich mit dem „Woy­zeck“ beschäf­tigt und wie­der dem Kon­zept treu bleibt: Vor­ne den Ori­gi­nal­text (was hier ja ein biss­chen schwie­rig ist, weil der Woy­zeck nur als Frag­ment­samm­lung über­lie­fert ist), danach jour­na­lis­ti­sche Text zu ver­schie­de­nen nah oder fern lie­gen­den Aspek­ten bringt – und das gan­ze schick gemacht dazu.

Und wo wir schon beim Woy­zeck sind: Arte hat eine Fern­seh­ver­si­on des Woy­zeck dre­hen las­sen (in der Media­thek noch ver­füg­bar), für die Nuran David Calis die Hand­lung in den Kiez von Ber­lin ver­legt. Das ist viel­leicht kei­ne genia­le Leis­tung, hat aber sehr schö­ne Momen­te. Nicht zuletzt dank Tom Schil­ling und Nora von Wald­stät­ten, dank der schö­nen Bil­der und vor allem dank der geschick­ten Sound­ge­stal­tung. Gewiss, Über­ra­schun­gen bie­tet das kei­ne, ist mir aber als respekt­vol­le Aneig­nung eines klas­si­schen Tex­tes posi­tiv aufgefallen.

Die Darm­städ­ter Aus­stel­lung – „Georg Büch­ner. Revo­lu­tio­när mit Feder und Skal­pell – habe ich noch nicht gese­hen, das kommt aber dem­nächst auch noch – mal sehen, ob ich da noch etwas Neu­es und/​oder Inter­es­san­tes fin­den kann …

Aber am bes­ten fei­ert man einen Dich­ter natür­lich durchs Lesen. Am Wochen­en­de ist wie­der der Lenz dran, dann neh­me ich mir die wun­der­schö­ne Edi­ti­on der Mar­bur­ger Aus­ga­be noch ein­mal vor.

Aber das Wort Hund bellt ja nicht

Das Set­ting kling nicht gera­de inter­es­sant – im Gegen­teil: ein Mann filmt drei alte Män­ner dabei, wie sie Musik machen – das soll ein packen­der Film wer­den? Was so lang­wei­lig und unin­spi­riert klingt, ist aber dann fas­zi­nie­rend: Bernd Scho­chs Film Aber das Wort Hund bellt ja nicht ist wirk­lich ein tol­ler Musikfilm.

Über meh­re­re Jah­re hin­weg hat er die Auf­trit­te des Tri­os im Jazz­club Karls­ru­he gefilmt. Dar­aus ist ein empa­thi­scher und begeis­ter­ter Film über das Schlip­pen­bach-Trio, die­se euro­päi­sche Urge­stein des Free Jazz, gewor­den. Das Trio war ja irgend­wie schon immer da: Seit 1970, also mitt­ler­wei­le deut­lich über 40 Jah­re musi­zie­ren Alex­an­der von Schlip­pen­bach, Evan Par­ker und Paul Lovens tat­säch­lich schon zusam­men. Nähe und Zurück­hal­tung zeich­net Aber das Wort Hund bellt ja nicht beson­ders aus: Bernd Scho­ch rückt ihnen ganz und gar auf die Pel­le, ohne jeden Abstand – aber durch die ewi­gen Ein­stel­lun­gen und der enge, kaum ver­än­der­te Bild­aus­schnitt ver­mit­telt das eine gro­ße Kon­zen­tra­ti­on – genau so wie auch die Musik, die gemacht wird. Und dar­um geht es ja: Nicht um die drei Her­ren, son­dern um die Musik, ihre Musik. Die inten­si­ven, lan­ge Bli­cke, die den Akteu­ren ganz nah auf die Haut rücken – beim Spie­len und ganz oft auch beim Hören (was die ande­ren spie­len) – das ist in sei­ner Ein­fach­heit über­ra­schend schön. Das Ver­sen­ken, das Auf­ge­hen in der Musik des Moments so mit­zu­er­le­ben, ist ein Genuss. Und es ist wun­der­bar, wie der Film das zeigt, ganz unauf­ge­regt, aber genau und streng komponiert.

Zwi­schen die lan­gen Musik­pas­sa­gen sind kur­ze Sprech­ab­schnit­te der drei Musi­ker (aus einem Gespräch?) mon­tiert, die Musik und Leben des Tri­os nicht so sehr erklä­ren, als viel­mehr unter bestimm­ten Aspek­ten beleuch­ten. Da sagt einer (Par­ker) der drei den schö­nen Satz: „use the known to reach the unknown“. Es ist auf eine rüh­ren­de Wei­se schön, den Musi­kern so nah und dicht beim Musik-Machen zuzu­se­hen – das ver­mit­telt ein Gefühl, direkt dabei zu sein, Teil der Musik selbst zu wer­den: „Wir wer­den sowie­so spie­len, bis es nicht mehr geht“. 

Ins Netz gegangen (16.10.)

Ins Netz gegan­gen am 16.10.:

  • Jetzt doch: Kos­ten­los-Kul­tur im Netz – die deut­sche Huf­fing­ton Post « Mich­a­lis Pan­te­lou­ris – Mich­a­lis Pan­te­lou­ris zum „Pro­blem“ Huff­ting Post:

    Das ist alles gut. Aber kein Jour­na­lis­mus, son­dern poli­ti­sche PR. […] Das kann nicht die Zukunft des Jour­na­lis­mus sein, weil es eben kein Jour­na­lis­mus ist.

    inter­es­sant fin­de ich ja auch die Leu­te, die – wie Loh­mey­er – mei­nen, das sei so toll, weil hier tech­nisch etwas neu­es aus­pro­biert wür­de. für micht sieht die huff­ting­ton post eher wie schlech­te web­sites der 90er aus als neu und/​oder tech­nisch inno­va­tiv. und mei­nungs­sei­ten gibt es doch auch schon eini­ge – z.b. car­ta, euro­pean etc. pp.

  • Well­ness für Deutsch – Sprach­log – „Well­ness kann mit ziem­li­cher Sicher­heit von der Lis­te der Pseu­do­an­gli­zis­men gestri­chen werden.“ >
  • Zwi­schen den Wel­ten | … ach, nichts. – Chris­ti­an Wöhrl bringt es auf den Punkt:

    Social Rea­ding wäre also das nächs­te gro­ße Ding. Au weia, die Wort­schöp­fung selbst macht doch schon klar, dass die­se Idee direk­ten Wegs aus der Höl­le kommt: Ent­we­der lese ich, oder ich bin ein sozia­les Wesen, aber doch nicht bei­des gleich­zei­tig! Ein Buch, das zugleich Schnitt­stel­len in die sozia­len Netz­wer­ke hat, um dort Reak­tio­nen ande­rer Leser abzu­fra­gen oder mein eige­nes Lek­tü­re­er­le­ben dort­hin ein­zu­spei­sen, muss wohl Min­der­wer­tig­keits­kom­ple­xe haben: Bücher näm­lich, die es nicht schaf­fen, mich in ihrer eige­nen Welt gefan­gen zu hal­ten bis zur letz­ten Sei­te, sind ein­fach nicht gut genug geschrie­ben. Drü­ber dis­ku­tie­ren kann ich hin­ter­her immer noch, aber dazu brau­che ich doch kei­ne Heat Maps auf jeder Seite … 

    das ist genau der Punkt, war­um ich da immer (noch) sehr skep­tisch bin, bei den gan­zen Ideen, ein „neu­es“ Lesen zu ermög­li­chen. Und mir scheint, dass da oft ein sehr uti­li­ta­ris­ti­sches Lesen gedacht wird, kein künst­le­ri­sches oder kunst-erfah­ren­des lite­ra­ri­sches Lesen …

  • Der Luft­ver­kehr ist die welt­größ­te und sinn­lo­ses­te ABM-Maß­nah­me | Tele­po­lis – Alex­an­der Dill ran­tet in der „Tele­po­lis“ sehr schön über die Unsin­nig­keit des Flug­ver­kehrs und sei­ne (sub­ven­tio­nier­ten) Kosten:

    Aber wer sol­cher­ma­ßen reist, bringt die nöti­ge Opfer­be­reit­schaft mit, dient er doch einem höhe­ren Zweck, näm­lich der För­de­rung euro­päi­scher Hoch­tech­no­lo­gie, der Glo­ba­li­sie­rung und dem Wachs­tum. Zwar ist bis heu­te nicht geklärt, wie 168 Men­schen in weni­ger als 30 Minu­ten in ein Flug­zeug ein­stei­gen sol­len, wie und wo sie pin­keln kön­nen, aber die Trieb­wer­ke und das Radar funk­tio­nie­ren der­art gut, dass das Flug­zeug als sichers­tes aller Ver­kehrs­mit­tel gilt.

Save Water, Drink Riesling

Save Water, Drink Riesling

Save Water, Drink Ries­ling (mache ich doch ger­ne, im Diens­te der Umwelt …)

Äpfel zu Wein

Ende Sep­tem­ber, Anfang Okto­ber ist es in jedem Jahr so weit: Der Fami­li­en­ar­beits­ein­satz ruft – die Apfel­ern­te muss erle­digt und gekel­tert wer­den. Die­ses Jahr waren wir mit einem Kel­ter­ter­min am 12. Okto­ber schon ziem­lich spät. Dem­entspre­chend kalt war es auch beim Ern­ten der Äpfel am Frei­tag. Dazu kam noch der Regen … Zum Glück hat es vor­mit­tags nicht so arg viel gereg­net, aber Acker, Wie­se, Bäu­me und Äpfel waren nass. Und danach wir auch …

Immer­hin schaff­ten wir es zu viert, in knapp drei Stun­den – mit erzwun­ge­ner Regen­pau­se – gut 850 Kilo­gramm Äpfel von den Bäu­men (es waren eigent­lich bloß zwei, die wir abge­ern­tet haben) zu holen, auf­zu­le­sen, ein­zu­sa­cken und abzu­trans­por­tie­ren. So sieht das aus (mit Lücken in der Foto­do­ku­men­ta­ti­on, weil ich anders­wei­tig beschäf­tigt war ;-) Des­halb sind auch ein paar unscharfe/​verwackelte Auf­nah­men dabei, weil ich nur schnell das Mobil­te­le­fon gezückt und los­ge­schos­sen habe …):

Danach war nicht mehr viel zu tun … Aber ein klei­ner Tem­pe­ra­tur­ver­gleich zeigt: Das Auf­wär­men geschieht schnell.

Temperaturvergleich

Tem­pe­ra­tur­ver­gleich

Am nächs­ten Mor­gen wur­den dann aus den 850 Kilo­gramm in einer knap­pen Stun­de ca. 630 Liter Saft gekeltert:

Die Arbeit ist damit aller­dings noch nicht ganz getan: Der Saft muss noch ver­ar­bei­tet wer­den. Für den zukünf­ti­gen Apfel­wein geht das recht flott: Der Most wird aus den Kanis­tern abge­zo­gen und kommt in Fäs­ser, die jetzt erst ein­mal in Ruhe im Kel­ler ste­hen und hof­fent­lich schön ordent­lich gären (der Saft war die­ses Jahr ziem­lich kalt, so dass die Gärung nicht beson­ders schnell ein­set­zen wird). Was Saft blei­ben soll, wird pas­teu­ri­siert (da habe ich lei­der kei­ne Fotos gemacht …) und kommt dann in Bag-in-a-box-Beu­tel, die ohne Box auf­be­wahrt wer­den und den Saft wun­der­bar min­des­tens zwei Jah­re lan­ge fast kel­t­erfrisch auf­be­wah­ren und uns kon­ti­nu­ier­lich mit hoch­wer­ti­gem, fri­schen Saft versorgen.

Seite 75 von 208

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén