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Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

„… aber man kann es mir nicht sagen, um mich selber vor meiner eigenen Privatsphäre zu schützen“

Erwin Pel­zig unter­hält sich mit Ilja Tro­ja­now über Pri­vat­sphä­re, Über­wa­chung, repres­si­ve Dienst­leis­tun­gen, digi­ta­le Analpha­be­ten und uni­ver­sa­le digi­ta­le Men­schen­rech­te und sagt vie­le klu­ge Sät­ze, z.B.: „Man muss dafür kämp­fen, dass gene­rell die Gesell­schaft nicht über­wacht wird, und nicht, dass man sich indi­vi­du­ell ver­steckt.“ oder:
„Es geht nicht um atmo­sphä­ri­sche Stö­run­gen im Schall­raum der Men­schen­rech­te, es geht um einen Para­dig­men­wech­sel“ – die tota­le Über­wa­chung, die natür­lich auch voll­kom­me­ne Kon­trol­le jedes Ein­zel­nen ermöglicht.

ZDF Pel­zig – Inter­view mit Ilja Tro­ja­now: Frei­heit. Sicher­heit und Pri­vat­spä­ren­schutz – 16.10.2013

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Gleichheit

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Gleich­heit

Taglied 14.10.2013

KAJKYT, VI:


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Ins Netz gegangen (14.10.)

Ins Netz gegan­gen am 14.10.:

  • Ener­gie­bran­che: Oet­tin­ger schönt Sub­ven­ti­ons­be­richt – Wirt­schaft – Süddeutsche.de – Über die Mär, Eneu­er­ba­re Ener­gien wür­den zu hoch subventioniert:

    Akri­bisch wie Beam­te sind, lis­ten sie auf Sei­te 2 ihres Ent­wurfs der Voll­stän­dig­keit hal­ber alle Mil­li­ar­den auf, mit denen die Bran­che euro­pa­weit bereits gehät­schelt wird. Die schlich­ten Zah­len ber­gen eini­gen Spreng­stoff. Zudem las­sen sie Oet­tin­gers Argu­ment für eine Ände­rung der Ver­ga­be­pra­xis in sich zusam­men­fal­len. Der EU-Kom­mis­sar hat­te stets ange­führt, erneu­er­ba­re Ener­gien wür­den viel zu hoch geför­dert, wes­halb die Kos­ten für die Bür­ger ins Uner­mess­li­che stie­gen. In dem Papier aus der eige­nen Gene­ral­di­rek­ti­on muss Oet­tin­ger plötz­lich nach­le­sen, dass nicht erneu­er­ba­re Ener­gien das meis­te Geld erhal­ten, son­dern Koh­le- und Gas­kraft­wer­ke sowie die Atombranche.

  • Das gene­ri­sche Femi­ni­num und die Geg­ner des Femi­ni­nums – Sprach­log – Ana­tol Ste­fa­no­witsch wider­legt mal wie­der ein paar Argu­men­te der Geg­ner eines gene­ri­schem Fimi­n­ums, z.B. das der Unmarkiertheit:

    Am Ende gibt es nur zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der, die Mar­kiert­heits­ver­hält­nis­se las­sen sich durch den Gebrauch ändern, dann kann das gene­ri­sche Femi­ni­num ein Weg dort­hin sein. Oder, sie las­sen sich nicht ändern, dann schei­tert das gene­ri­sche Femi­ni­num eben. Aber Angst vor dem gene­ri­schen Femi­ni­num brau­chen nur die­je­ni­gen zu haben, die glau­ben, es könn­te Erfolg haben, und die sich vor die­sem Erfolg fürchten.

  • Blit­zer-Mara­thon in Deutsch­land – Auto & Mobil – Süddeutsche.de – RT @SZ: #Blit­zer-Mara­thon, die Kari­ka­tur einer Kon­trol­le: Rasen ist zum All­tag gewor­den und Rechts­bruch zum Kavaliersdelikt

Aus-Lese #17

Buch als Maga­zin #1: Die Verwandlung.

Eine schö­ne Idee: Rund um einen klas­si­schen Text – bei der ers­ten Num­mer ist es Franz Kaf­kas „Die Ver­wand­lung“ – sam­meln die Maga­zin­ma­cher Tex­te, Inter­views, Gra­fi­ken und Fotos. Die hän­gen an ein­zel­nen Aspek­ten der „Ver­wand­lung“, an Asso­zia­tio­nen oder Inter­pre­ta­ti­ons­an­sät­zen. Schö­ne Lek­tü­ren, auch ein schön gemach­tes Magazin.

Elke Erb: Mensch sein, nicht. Gedich­te und ande­re Tage­buch­no­ti­zen. 2. Auf­la­ge. Basel, Weil am Rhein, Wien: Urs Enge­ler Edi­tor 1999. 136 Seiten.

Das Gedicht erscheint
Sobald es erschie­nen ist,
ist es ver­schwun­den. (90)

Schon der Unter­ti­tel ver­weist auf die typi­sche Erb-Form: Gedich­te als Tage­buch. Mensch sein, nicht ver­sam­melt unheim­lich viel davon – so viel, dass es mir man­ches Mal zu viel war, die­ser unge­heu­re Mate­ri­al­berg oder ‑wust. Ein­fäl­le und Gedan­ken in den ver­schie­dens­ten For­men – als knap­pes „Gedicht“, als klei­ner Essay, als Erin­ne­rungs­pro­to­koll, als … rei­hen sich hier anein­an­der und anein­an­der. Hin und wie­der fiel es mir schwer, in den Text­fluss hin­ein­zu­kom­men: Man­ches fängt mein Auge, trifft eine Stim­mung in mir – vie­les bleibt mir zunächst – d.h. beim ers­ten Lesen – fremd, lässt mich rat­los oder (fast noch unan­ge­neh­mer …) unbe­tei­ligt, so dass der Ein­druck erst ein­mal zwie­späl­tig bleibt. Aber viel­leicht ist das ja auch das Ziel:

Das Gefühl des Gewinns
bei der Über­le­gung, Gedich­te sei­en Erkenntnisträger:

näm­lich hast-du-nicht-gese­hen schwimmt schulterhoch
und umge­bend teich­gleich ein all­ge­mei­nes Interesse
so, als habe es im Sinn, zu erkun­den, was ist,
und exis­tie­re gewiß (19)

Det­lef Kuhl­brodt: Umsonst und drau­ßen. Ber­lin: Suhr­kamp 2013. 198 Seiten.

Ich bin eine in einem Tage­buch auf­be­wahr­te Erin­ne­rung. (117)

Umsonst und drau­ßen ist ein schö­nes Buch. Auch wenn nicht ganz klar ist, was das eigent­lich ist. Nicht ohne Grund steht da nichts ande­res auf der Titel­sei­te, nicht „Roman“, nicht „Noti­zen“, nicht „Tage­buch“ – obwohl all das sei­ne Berech­ti­gung hät­te. Kuhl­brodt lebt und wan­delt in Ber­lin. Oder bes­ser gesagt: Der Erzäh­ler tut dies. Denn das Ich ist nicht das Ich selbst, es blitzt immer wie­der der Spalt der Dif­fe­renz zwi­schen Erzäh­ler-Ich und Autor-Ich, zwi­schen „Ich“ und Det­lef Kuhl­brodt, auf. Distan­ziert, aber betei­ligt sind die­se Ber­lin-Noti­zen, das Ber­lin-Tage­buch mit gro­ßen Lücken, aber in Tages­form: Beob­ach­tun­gen und Emp­fin­dun­gen mischen sich, sind aber immer knapp und lako­nisch, ja unsen­ti­men­tal geschil­dert. Melan­cho­lie ist die Grund­stim­mung: Ver­lust und Trau­er prä­gen die Zeit und das Erle­ben, aber eine ARt posi­ti­ve Trau­er: Das Erken­nen der Rea­li­tät als gege­be­ne, als fast unaus­weich­li­che hängt damit zusam­men. Und das Nicht-voll­kom­men-ein­ver­stan­den-Sein damit, aber ohne Druck/​Wille zur Revol­te: Abseits statt mit­ten­drin oder (aktiv) dage­gen bewegt sich der Erzäh­ler im Leben. Ste­phan Wack­witz hat das in der taz recht gut auf den Punkt gebracht, näm­lich als „ent­spann­tes Geltenlassen“.

Um authen­tisch schrei­ben zu kön­nen, war es oft not­wen­dig, Din­ge zu tun, von denen ich nicht genau wuss­te, ob ich sie tat oder ob ich eine Rol­le übte. (148)

Ins Netz gegangen (9.10.)

Ins Netz gegan­gen am 9.10.:

  • Bodo Rame­lows Tri­umph und die Gren­zen der streit­ba­ren Demo­kra­tie – Das Ver­fas­sungs­blog zur Ent­schei­dung des BVerfG, dass die Über­wa­chung Rame­lows nicht rech­tens war:

    Noch schö­ner wäre es, wenn wir Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den und ein Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt besä­ßen, die da von sel­ber drauf kommen.

    – dem ist kaum etwas hin­zu­zu­fü­gen. Aber schön auch, was eini­ge Absät­ze spä­ter steht:

    Der Zwei­te Senat hat sich dabei zunächst ein­mal die Gele­gen­heit nicht ent­ge­hen las­sen, ein wei­te­res Kapi­tel für das monu­men­ta­le Hand­buch zur All­ge­mei­nen Demo­kra­tie- und Staats­leh­re zu schrei­ben, das in Karls­ru­he unter dem unschein­ba­ren Titel “Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts” in 130 Bän­den erscheint. Die­ses Kapi­tel ist für jeden, der etwas Klu­ges über Par­la­men­ta­ris­mus erfah­ren will, eine aus­ge­spro­chen erhe­ben­de Lektüre.

    Scha­de nur, dass aus­ge­rech­net die Jus­tiz die­se Auf­ga­be erle­di­gen müs­sen. Gäbe es da nicht auch (noch) ein paar ande­re Zuständige?

  • Aben­teu­er­li­che Seil­bahn-Stadt in Geor­gi­en – Wirt­schaft – Süddeutsche.de – Beein­dru­cken­de Bil­der: Die @SZ zeigt ver­fal­len­de Infra­struk­tur in Tsch­ia­tu­ra (Geor­gi­en) >
  • Twit­ter /​KereT_​TereK: Dear Mr Moto­rists! Plea­se dont … – RT @KereT_TereK: Dear Mr Moto­rists! Plea­se dont dri­ve at all if U are­nt able to reco­g­ni­se kids wit­hout stu­pid hi-vis in our city. THX!
  • Fritz Bau­er Insti­tut: Mit­schnit­te Pro­zess­pro­to­kol­le – Ton­band­mit­schnitt des 1. Frank­fur­ter Aus­schwitz-Pro­zes­ses 1963/​64, mit Tran­skrip­tio­nen und Materialien

ûf der worte heide #22

Taglied 7.10.2013

Héc­tor (Etto­re) Paniz­za, Il pleu­re dans mon coeur:

gefun­den auf der immer wie­der zu emp­feh­len­den Sei­te des „Art Song Pro­ject“, wo Hélè­ne Lind­q­vist & Phil­ipp Vog­ler immer wie­der unbekannte(re) Lie­der vorstellen.

Ins Netz gegangen (7.10.)

Ins Netz gegan­gen am 7.10.:

Aus-Lese #16

Ron Wink­ler: Torp. Mit Illus­tra­tio­nen von Pětrus Åkkor­děon. Ber­lin: J. Frank 2010. 155 Seiten.

Der Lyri­ker Ron Wink­ler hat mit Torp ein sehr humor­vol­les und ein­sich­ti­ges Buch vor­ge­legt. Was das eigent­lich ist, ist schwer zu sagen: Kur­ze Text(fragment)e, schwan­kend zwi­schend Minia­tur, Lyrik und Apho­ris­men paa­ren sich hier mit Illus­tra­tio­nen. Der Ein­fall und die For­mu­lie­rungs­kunst bestim­men das Ergeb­nis maß­geb­lich – also doch Lyrik? Aber gebun­de­ne Spra­che ist es nicht. Irgend­wie ist es aber auch völ­lig egal, weil Torp ein­fach Spaß macht. Wink­ler führt hier knapp und kurz mög­li­che Wel­ten vor – oder viel­leicht auch nur eine, die des „Torp“. Sprach­spie­le und Ver­frem­dun­gen küm­mern sich um eine neue, ande­re Sicht auf das „Ich“ und die Welt und den gan­zen Kram. Unter­stützt wird das mit ähn­lich exal­tiert-phan­tas­tisch-ver­fremd­ent-über­zeich­nen­den Illus­tra­tio­nen. Ein net­tes, nach­denk­li­ches, unter­halt­sa­mes, tie­fes Buch – auch wenn nicht viel drin­steht. Und wenn die Schrift­art zumin­dest gewöh­nungs­be­dürf­tig ist, mir einen Deut zu ver­spielt ist – auch wenn vie­les an Text und Bild Spiel ist, so ist es doch nicht nur Spiel, son­dern zeigt ja gera­de durch das Spiel sei­ne Wahr­haf­tig­keit – die­ser Ernst wird von der Schrift ten­den­zi­ell nicht wahr­ge­nom­men bzw. überspielt … 

Ron Wink­ler schlägt vor, Torp als „Kon­takt­an­zei­ge zum Ken­nen­ler­nen sei­ner selbst [zu] ver­ste­hen, aber auch als Hand­buch zum Ver­ständ­nis einer doch eini­ger­ma­ßen tor­phaf­ten Welt“. Und das kann man sei­ner Mei­nung nach dar­aus ler­nen: „Mög­li­cher­wei­se, dass man noch das Pro­fans­te als aura­tisch erle­ben kann. Torp wirbt, wenn man so will, für ein lite­ra­ri­sches Sein.“ Das passt. 

Torp kor­ri­gier­te gern Sprich­wör­ter und Apho­ris­men. Als geis­ti­ge Betriebs­sys­te­me bräuch­ten auch Ideen hin und wie­der ein Update (29)
Torp konn­te stun­den­lang Gedich­te lesen. So lächer­lich das auch klin­gen mag. (67)
Torp begrüß­te die Exis­tenz.
Torp bemerkt sehr oft und immer wie­der neu, dass das Geräusch von Wie­se nicht ganz stimm­te. (137)

Bau­er, Chris­toph J.: Brötz­mann. Gesprä­che. Ber­lin: Posth-Ver­lag 2012. 180 Seiten.

Der Wup­per­ta­ler Phi­lo­so­phie­do­zent Chris­toph J. Bau­er hat sich mehr­mals mit Peter Brötz­mann zu Gesprä­chen getrof­fen. Die sind hier abge­druckt. Lei­der offen­bar ganz und gar unre­di­giert, als rei­ne Tran­skrip­ti­on der Gesprä­che – mit den ent­spre­chen­den Fol­gen. Der mäan­dernd-trei­ben­den Gesprächs­füh­rung zum Bei­spiel, die auch dar­an ein biss­chen krankt, dass Bau­er – weder Inter­view-erfah­re­ner Jour­na­list noch Jazz-Spe­zia­list, son­dern Fan – oft arg unprä­zi­se, schwam­mig fragt. Dafür ger­ne auch mal aus­ufernd und ins sehr All­ge­mei­ne Abdrif­ten. Ande­rer­seits wer­den so die direk­te Aus­sa­gen Brötz­manns wer­den nicht abge­mil­dert: Der ist – wie sei­ne Musik, könn­te man sagen – im Gespräch manch­mal harsch und kan­tig in sei­nen Urtei­len und sei­ner Spra­che. Aber oft bleibt mir das auch etwas unge­nau, vie­les nur andeu­tend, anrei­ßend, aber eben gedank­lich und sprach­lich nicht aus­ge­ar­bei­tet (viel­leicht auch, weil die Fra­gen zu wenig unter­stüt­zen, zu wenig bei der „Geburt“ hel­fen …). Aber den­noch gibt es viel Klar­text, zu eige­nen und frem­den Feh­lern, zu Musi­ker-Kol­le­gen, zu Abnei­gun­gen und Vor­lie­ben. Die bei­den unter­hal­ten sich zum Bei­spiel über Frei­heit im Jazz und der Gesell­schaft, wie über­haupt der Zusam­men­hang von Musik und Gesell­schaft eine wich­ti­ge Rol­le spielt, die Bedin­gun­gen und Unter­schie­de die­ser bei­den „Sys­te­me“. Außer­dem geht es unter ande­rem um die Ent­ste­hungs­grün­de und ‑kon­tex­te des „Free Jazz“, um die Arbeits­wei­se des Chi­ca­go Ten­tet, um euro­päi­sche und ame­ri­ka­ni­sche Tra­di­tio­nen, um das Leben als Musi­ker, mit Musi­kern, auf Tour und so wei­ter etc.

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