Privilegiert

my brightest diamond, all things will unwind

When you’re privileged you don’t even know you’re privileged
When you’re not, you know

so bringt my brightest diamond eines der großen probleme unserer zeit und gesellschaft mit den ersten zeilen eines popsongs ganz treffend und klar auf den punkt - noch dazu in einem auch sonst sehr guten song: high low middle heißt der und klingt so:

der text des 2011 auf all things will unwind erschienenen songs geht übrigens so weiter:

When you’re happy you don’t even know you’re happy
When you’re not, you know

Righteous heathen
Blinded and seeing
You’re next you’re before
You’re pompous you are poor
You’re hungry yet strangely
You’re working like crazy
Selling buying
Laughing and crying

High low middle
High low middle
High low middle
Keep yourself low, but not too low

Saving wasting
Dying for a tasting
Banging for a buck
And you’re shit and out of luck

Are you fat or are you eating up your hat
Are you fat
Are you

High low middle
High low middle
High low middle
Keep yourself low, but not too low

Lord help you when you’re growing old
Lord help you when you’re tired and cold
Lord help you when the dealings done
Lord help you when the gettin's gone

Ins Netz gegangen (15.3.)

Ins Netz gegan­gen am 15.3.:

  • The­re is no sci­en­ti­fic case for home­o­pa­thy: the deba­te is over | Edzard Ern­st | The Guar­di­an – edzard ern­st fasst die bemü­hun­gen der letz­ten jahr­zehn­te unter bezug­nah­me auf eine aus­tra­li­sche (meta-)studie zusam­men: homöo­pa­thie ist wis­sen­schaft­li­ch nicht halt­bar, sie hat kei­ne wir­kung über die pla­ce­bo-wir­kung hin­aus
  • Kolum­ne Unter Schmer­zen: Das Rein-raus-Prin­zip – taz.de – ein taz-redak­teur kommt mit dem deut­schen gesund­heits­sys­tem in berüh­rung:

    Es gibt selt­sa­me Kunst an den Wän­den, und es gibt reich­li­ch War­te­zeit, über die Ahnungs­lo­sig­keit von Ärz­ten in Sachen Kunst nach­zu­den­ken.

  • Schutz der eige­nen Staats­bür­ger sieht anders aus – Recht sub­ver­siv – wolf­gang kaleck erin­nert an das schick­sal kha­led el-mas­ris und das schä­bi­ge, mehr oder weni­ger rechts­beu­gen­de ver­hal­ten der deut­schen bun­des­re­gie­run­gen
  • A Tale of two Courts – chris­to­ph möl­lers gewohnt poin­tiert:

    Der Non­nen­ha­b­it ist nicht die Volks­tracht der grund­ge­setz­li­chen Wer­te­ge­mein­schaft.

    – spä­ter aber wohl auch etwas idea­lis­ti­sch …

  • Karls­ru­her Beschluss: Kopf­tuch – na und? – Feuil­le­ton – FAZ – chris­ti­an gey­er ange­nehm­ge­las­sen­zum aktu­elen kopf­tuch-urteil des bverfg:

    Sor­gen kann man sich um vie­les. Aber wo kämen wir hin, wenn jede Sor­ge zu einem vor­sorg­li­chen Ver­bot des mut­maß­li­chen Sor­ge­n­an­las­ses füh­ren wür­de? Der öffent­li­che Raum ist kein kli­ni­scher Bezirk, der nach der Meta­pher der Keim­ver­mei­dung zu den­ken wäre. Auch für die bekennt­nis­of­fe­ne Gemein­schafts­schu­le gilt, dass sie Spie­gel der reli­giös-plu­ra­lis­ti­schen Gesell­schaft ist, heißt es in dem Beschluss, den der Ers­te Senat des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts am Frei­tag ver­öf­fent­lich­te.

  • Femi­nis­mus: Die Angst in den Augen der Frau­en – FAZ – ein sehr guter und klu­ger text von anto­nia baum über lau­rie pen­ny und ihr neu­es buch:

    Pen­ny will einen ande­ren Femi­nis­mus. Einen Femi­nis­mus, der sich nicht aus­schließ­li­ch für das Ide­al­bild der Kar­rie­ret­raum­frau ein­setzt, ein Femi­nis­mus für Homo­se­xu­el­le, Häss­li­che, Arme, Schwar­ze, Män­ner.
    […] Pen­ny hat kei­ne Ant­wort auf die Fra­ge, wie alles anders wer­den kann, aber das ist auch nicht ihr Job. Sie for­mu­liert nur mit abso­lu­ter Radi­ka­li­tät, dass es anders wer­den muss. Für Frau­en, Män­ner, für alle. Und dabei gelin­gen der rasend klu­gen Pen­ny dann Beob­ach­tun­gen und Ana­ly­sen, für die man sie küs­sen möch­te

  • Lau­rie Pen­ny: Lebe wild und frei! | ZEIT ONLINE – marie schmidt hat sich mit lau­rie pen­ny getrof­fen und einen zwi­schen über­mä­ßi­ger per­so­na­li­sie­rung und theo­rie schwan­ken­den text aus bos­ton mit­ge­bracht. lau­rie pen­ny:

    Ich glau­be, die Idee einer Zukunft, in der Geschlech­ter­rol­len ganz auf­ge­ge­ben wer­den, ist ganz erschre­ckend für Män­ner, denn ihr Selbst­wert­ge­fühl stammt aus einer Welt, die es nie wirk­li­ch gab, in der sie die Mäch­ti­gen waren, das Geld ver­dien­ten und die Aben­teu­er bestan­den“, sagt sie, bevor sie im Café Die­sel nicht mehr still sit­zen kann und wir atem­los über den ver­schnei­ten Cam­pus ren­nen.

  • Kan­di­dat für Leip­zi­ger Buch­preis: Dich­ter am Erfolg – taz.de – lui­se chec­chin hat sich in der lyrik­sze­ne umge­hört und reka­tio­nen auf die/einschätzungen der nomi­nie­rung von jan wag­ners „regen­ton­nen­va­ria­tio­nen“ für den preis der leip­zi­ger buch­mes­se gesam­melt
  • Moder­ne Lite­ra­tur fehlt in Lehr­plä­nen der Schu­len – san­dra kegel in der faz:

    Der Klas­sen­zim­mer-Club der toten Dich­ter
    Das kann ja wohl nicht wahr sein: Der modern­s­te Autor, der in Ber­li­ner Schu­len gele­sen wird, ist seit fast sech­zig Jah­ren tot. Zur Lage der zeit­ge­nös­si­schen Lite­ra­tur in deut­schen Ober­stu­fen.

  • Bit­te malt mir kein Schaf! | – anne schüs­s­ler über die miss­bräuch­li­che nut­zung des „klei­nen prin­zen“ (ich bin aber doch der mei­nung, dass schon der „klei­ne prinz“ eigent­li­ch ziem­li­ch schrot­tig ist und den miss­brauch gera­de­zu her­aus­for­dert …)

    Ich moch­te mei­ne Grund­schul­leh­re­rin wie jedes nor­ma­le Grund­schul­kind sei­ne Leh­re­rin mag, aber im Nach­hin­ein muss man viel­leicht sagen, dass sie eben auch Unfug gemacht hat. Gesell­schaft­li­ch aner­kann­ten Unfug zwar, aber trotz­dem Unfug.

Biografisch-Chronologisch

Ich has­se Bücher oder Schrif­ten, die mit einem Geburts­da­tum anfan­gen. Über­haupt has­se ich Bücher oder Schrif­ten, in wel­chen bio­gra­fi­sch-chro­no­lo­gi­sch vor­ge­gan­gen wird, das erscheint mir als die geschmack­lo­ses­te, gleich­zei­tig die ungeis­tigs­te Metho­de.

—Tho­mas Bern­hard

Ins Netz gegangen (10.3.)

Ins Netz gegan­gen am 10.3.:

Freundlich sein

Freund­li­ch sein.
[…] Man soll­te es mit allen Mit­teln ver­su­chen. Man soll­te immer ein paar Melo­dien im Kopf haben, daß man ein­falls­lo­sen Stra­ßen­gei­gern Vor­schlä­ge machen kann. 

—Chris­to­ph Meckel, Freund­li­ch sein (1961)

Mozart mit japanischer Disziplin: Masaaki Suzukis „Requiem“

mozart, requiemNun also auch Masaaki Suzuki: Der Dirigent hat mit seinem Bach Collegium Japan jetzt auch den namensgebenden Bach und sein direktes Umfeld verlassen. Die großen Dirigenten der historisch informierten Aufführungspraxis machen das ja schon einige Zeit vor und sind inzwischen bereits im 20. Jahrhundert angelangt. Ganz so weit reist Suzuki in der Zeit nicht - aber bis Mozart hat er es inzwischen auch geschafft. Und sogar bis ganz an dessen Ende: Da steht das Requiem - so dicht am Tod, dass es unvollendet blieb.

Fertigstellungen des Fragments gibt es ohne Zahl, nur übertroffen von den Mythen, die sich um das Requiem und den Tod seines Schöpfers ranken. Masaaki Suzuki fügt dem für seine jetzt erschiene Aufnahme des Requiems eine eigene Vervollständigung hinzu - die aber wiederum sehr stark auf den bekannten Ergänzungen Franz Xaver Süßmayers beruht, sie hauptsächlich um kleine Änderungen in der Instrumentation fortschreibt sowie mit Joseph Eyblers Arbeiten ergänzt. Neu ist hier vor allem eine kurze Amen-Fuge am Ende der Sequenz, die Suzuki selbst auf der Basis einer Mozart-Skizze (die dem Requiem nicht eindeutig zugeordnet werden kann) gesetzt hat.

Und neu ist bei dieser Aufnahme vor allem der herrliche Klang des Bach Collegiums Japan, der Mozart bisher versagt blieb. Und da sie all ihre Vorzüge, zu denen an erster Stelle ihr disziplinierter, klarer und heller Klang mit deutlichster Artikulation gehört, auch bei Mozart einsetzen, wird das Requiem zu einem sehr reinen Vergnügen. Zumal Suzuki auch hier emotional sehr kontrolliert bleibt - es gibt zweifellos überschäumendere Aufnahmen - und auf pathetische Gesten oder aufsehen erregende Effekte ganz verzichtet. Die stringent leuchtende Klarheit, die er – und vor allem die Sänger des Bach Collegiums – dem Lacrimosa mitgeben: Das ist großartig. Denn die Hauptqualität seiner Aufnahme ist unbestreitbar: Man hört einfach alles, was in der Partitur passiert. Suzuki musiziert das Requiem mit einer schlanken Lebendigkeit und pointierter Platizität: Nichts scheint seiner Aufmerksamkeit zu entgehen, alle Teile erklingen in einer vibrierenden Ausgeglichenheit. Die Präzision der Artikulation und Phrasierung lassen auch die durchaus sehr zügigen Tempi ganz unproblematisch und natürlich erscheinen: Die Spannung bleibt über das gesamte Requiem hinweg hoch, ein Nachlassen kennt Suzuki kaum. Der feine, detailreiche Klang - an dem auch die um neutrale und genaue Abbildung bemühte Tontechnik von BIS großen Anteil hat - zeugt von akkurater Vorbereitung und präziser Ausführung, selbst in bewegten und turbulenten Sätzen wie dem Kyrie. Chor und Orchester - beides nicht sehr groß besetzt - befinden sich hier immer in wunderbarster Balance. In jedem Moment hat man den Eindruck, den ganzen, den reinen Mozart zu hören - und vergisst darüber gerne, dass hier gar nicht so viel vom Meister selbst erklingt. Auch die Solisten, allen voran die Sopranistin Carolyn Sampson, passen sich in dieses fein austarierte Klanggeschehen fugenlos ein, wie das fast opernhafte Recordare schon beim ersten Hören beweist. Ergänzt wird das formidable Requiem auf der vorliegenden SACD noch um eine energisch strahlende Aufnahme der "Vesperae solennes de confessore" (KV 339) aus Mozarts Salzburger Zeit.

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem d-moll (KV 626), vervollständigt von Masaaki Suzuki; Vesperae solennes de confessore (KV 339). Carolyn Sampson, Marianne B. Kielland, Makoto Sakurada, Christian Immler, Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki. BIS 2091, 2014.

(zuerst erschienen in "Chorzeit - Das Vokalmagazin", #13 Februar 2015)

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