heute bin ich mal wieder mal meinen odenwälder halbmarathon gelaufen: von der lessingstraße in erbach auf den buchwaldskopf ist der anfang. eigentlich wollte ich gar nicht viel weiter, nur eine kleine halbe runde, vielleicht mit einer zusätzlich schleife, drehen. aber dann lief es so gut, dass ich einfach mal weiter richtung sonnenweg gerannt bin. und dort war ich immer noch so fit, dass ich kurzerhand richtung bullauer bild abgebogen bin. dort angekommen, war das dauernde bergauf-laufen zwar schon zu spüren, aber da ich nun schon einmal auf der höhe war, habe ich gleich den weg zum würzberger jägertor eingeschlagen. da fing es dann allmählich an, trocken zu werden: da ich ja eigentlich nur ein kleine runde laufen wollte, hatte ich nichts zu trinken dabei. und zuvor habe ich auch nicht sehr gut aufgetankt. von würzberg aus ging es dann ruckzuck durch die hohl nach ernsbach, von dort natürlich ins dreiseental, wo es langsam wirklich happig wurde: dehydriert und zunehmend unterzuckert fing ich an, mich zu quälen. der weg durch dorf-erbach wurde dann zu einer ziemlichen qual. aber der letzte anstieg am kreuzweg hat das dann natürlich noch einmal getoppt – so quälend war das schon sehr lange nicht mehr. zuhause angekommen, ging es mir zwar nicht besonders gut, es dauerte zwei, drei stunden, bis ich wieder einigermaßen fit war. aber der blick auf die uhr machte mich dann doch stolz: ich muss ziemlich flott unterwegs gewesen sein, die genaue zeit weiß ich zwar nicht, weil ich natürlich wieder einmal erst spät nach der rückkehr auf die uhr schaute, aber mehr als 1:50 können es auf keinen fall gewesen sein, eher wohl um die 1:45 – und das ist doch gar nicht so schlecht für diese strecke (und ohne wasser!).
nun ja, eigentlich sind es ja nur fragmente: hwh war offenbar doch recht schlampig beim aufheben… jedenfalls fehlen vor allem von bachmanns briefe ein großer teil, auch sonst einige lücken, die die lektüre nicht gerade erleichtern, weil die bezüge ständig fehlen.
ansonsten sind die briefe dieser ach so tollen, fast schon mythologisierten freundschaft nicht dazu angetan, mein eher abneigendes verhältnis zu hwh zu revidieren. denn der briefwechsel ist ganz schön asymetrisch: hwh fordert und verlangt und drängelt, bachmann hält dagegen lange zeit auf abstand. und aus dem von hwh immer wieder angeforderten libretto wird ja auch lange nix…
das liebe geld, die schwierigen arbeitsbedingungen, seelische mühen und jubel – und natürlich italien, das gelobte land für hwh sind die immer wieder auftauchenden themen. und auch wenn er ib immer wieder davon überzeugen zu versucht, es ihm mit dem gang ins exil nachzutun, daran scheitert er immer wieder: ib bleibt höchsten ein paar wochen, mal monate, dann ist sie wieder unterwegs, rastlos wie immer.
über die gemeinsamen arbeiten erfährt man aber dann doch gar nicht so viel – außer, dass sie solches lieber mündlich besprachen. einzige ausnahme: die libretto-arbeit am „prinz von homburg“ – aber die war von hwh auch so schon recht ausführlich dokumentiert
übrigens auch die edition nicht so wahnsinnig umwerfend: die kommentare sind teilweise bloße selbstverständlichkeiten, die auch noch oft wiederholt werden, anderes wichtiges fehlt dagegen ganz – irgendwie bleibt der eindruck eines halbherzigen versuchs, nicht fisch noch fleisch.
ingeborg bachmann, hans werner henze: briefe einer freundschaft. hrsg. von hans höller. münchen, zürich: piper 2004
heute morgen beim umstapeln der ungelesenen bücher gefunden: jörg metelmann (hrsg.): porno-pop. sex in der oberflächenwelt. würzburg: königshausen & neumann 2005. und gleich mal den ersten aufsatz gelesen: clemens pornschlegel (die kalauer zum namen verbiete ich mir jetzt mal…): wem gehören die töchter? zum sexuellen machtanspruch der konsumgesellschaften.
pornschlegel macht ein paar gute punkte zur „verwandlung des weiblichen körpers in eine ware und die daraus folgende pronografisierung der konsumgesellschaft“ (18) auf: „was als sexuelle befreiung und fortschritt auftritt [nämlich die verfügungsgewalt der frauen über ihren körper und die selbstverständlichkeit, mit der sie ihn präsentabel machen/halten und präsentieren], entpuppt sich als freisetzung des weiblichen körpers für den universalen markt und die entsprechende zirkulation.“ – die folgerung daraus ist klar: „das mädchen, das sein verführungspotenzial nicht herzeigt, mit string, push-up und top, verkauft sich bekannntlich unter wert.“ (17) und verstößt damit gegen die regeln des heiligen marktes, auch wenn das ganze von liberalisten etc. natürlich als grandiose errungenschaft der persönlichen freiheit der frau apostrophiert und gefeiert wird.
von dort aus ist es für pornschlegel dann ein leichtes, das islamische kopftuch zu deuten – und vor allem den vehementen widerspruch der feministinnen etc. gegen das tragen eines solchen. denn „die verhüllung bedeutet eine absurde sexuelle ‚nichtzugänglichkeit‘“ – „man kann die frau nicht haben“ (19) – und das widerspricht natürlich allen regeln des ubiquären marktes.
interessant wird es aber, wenn pornschlegel noch einen schritt weiter geht: das kopftuch entzieht seine trägerin dem markt „und steht damit natürlich auch dem prinzip der grenzenlosen nachfrage im weg, mit anderen worten: der freiheit“ (20). und deshalb ist es, psychoanalytisch gedeuet, nicht anders als „ein großes, hassenswertes vatergespenst“ (20), gegen das man – fast reflexhat – ankämpfen muss.
der zweite teil seines aufsatzes verschränkt das dann mit der beobachtung und beschreibung des (sex-)marktes in michel houellebecqs plattform, in dem pornschlegel vor allem die beschreibung der welt erkennt: „jedes andere subjekt wird von vornherein auf ein konsumgut reduziert“ (23), der roman zeigt „den zusammenhang zwischen konsumökonomie und universaler prostitution“ (23) – und damit nach pornschlegel auch den verlust der wünsche. denn wenn alles nur noch konsumierbar ist, alles nur noch auf konsum reduziert und bezogen wird, bleibt der wunsch immer außen vor – „das objekt des wunsches ist nicht konsumierbar“ zitiert er dazu michela marzano.
mal sehen, ob der rest des bandes genauso interessant ist…
genau, das ist immer wieder die frage.
aber hier geht es um sebastian kiefers essay mit diesem titel. eigentlich könnte hier vieles und interessantes passieren, aber bei kiefer kommt vor allem einiges seltsames heraus. das fängt damit an, dass für ihn literatur nur aus sätzen besteht. und die probleme fangen damit ja gerade erst an. immerhin hat er bemerkt, dass konkrete poesie und lautpoesie da problematisch werden. aber er weist ihnen den schwarzen peter gleich wieder selbst zu: sie müssen ihm beweisen, dass sie überhaupt literatur seien – und das können sie seiner meinung nach eben nicht. (mal abgesehen von der fragwürdigen argumentationsstrategie: müssen sie überhaupt literatur sein? muss man das bestimmen können, ob es literatur oder „bildende“ kunst ist? ich sage nur dieter roth…) so einsichtig das argument des satzes als grundlage aller literatur auch schein mag, mir scheint doch eine unterforderung des lesers vorzuliegen: kiefer behauptet nämlich, dass jeder unvollständige satz vom leser automatisch (!) vervollständigt würde, auch die gebilde der konkreten poesie zu sätzen geformt würden. das ist natürlich ein sehr eingeschränkter begriff des verstehens. und das problem der eingeschränkten sichtweisen setzt sich fort: er schlägt dann ein versuch der „bauhaus-literatur“ vor, die – im anschluss an hölderlins poetik und klopstock – eine art ton-satz-lehre der literatur sein soll – einer literatur, die „nicht anderes als eine kompositionskunst des satzartigen bezugnehmens sein kann“ (60). da bin ich doch sehr skeptisch, ob sich das so wirklich halten lässt.
man muss kiefer bei allen fragezeichen, die in meinem text aufblinken, doch zugute halten, dass er sich dezidiert von der „mehrheitsliteratur“ abwendet und den kunstcharakter des literarischen schreibens wieder gestärkt sehen will – in einer art neuen „hohen“ tons, die die literatur aus der „zone des geschmacks“ (169) rückführt und eine extrem elitäre „brave new art world“ begründet.
mein problem damit noch einmal: das ziel deckt sich verblüffend genau mit meinen ansprüchen und idealen der literatur (etwa: „wortkunst mit universalisierbarem erkenntnisanspruch“ (170)), aber die stationen dahin sind doch mit seltsamkeiten gepflastert …
sebastian kiefer: was kann literatur? graz, wien: droschl 2006 (essay 55)
bachs „chromatische fantasie und fuge“ in verschiedenen versionen beim studiokonzert in st. johannis
freiheit und strenge, chromatik und polyphonie, intimität und konzertstück – das sind so ungefähr die polaritäten der chromatischen fantasie und fuge von johann sebastian bach. daürber hinaus ist aber kaum etwas bekannt nicht einmal, wann das stück komponiert wurde. und auch über den anlass kann man nur spekulieren, möglicherweise war es eine reaktion auf den tod seiner ersten frau.
aber genau das wollen volker ellenberger und diez eichler bei ihrem ersten studiokonzert in der johanniskirche gerade nicht. sie verlassen sich vielmehr auf die klangrede der musik und ihre unerschöpfliche vielfalt. dazu stellen sie die chromatische fantasie gleich drei mal vor in ganz und gar unterschiedlichen darbietungen auf drei völlig verschiedenen instrumenten, dem clavichord, dem cembalo und der orgel. drei total verschiedene stücke sind das jetzt auf einmal:. zu beginn spielte eichler eine frühe fassung der fantasie auf dem clavichord. das ist ein ganz kleines und zartes instrument, das bach für das häusliche musizieren sehr schätze. und so klingt die fantasie dann auch: als innige träumerei, weich schwebende klänge lösen immer wieder verspielte figurationen ab so stellt man sich gerne eine einsame stunde des meisters, eine musikalische privatunterhaltung im arbeitszimmer, vor. und die kann man mit fug und recht schon als vorläufer des sturm und drang sehen, vor allem wenn man sie so feinsinnig und gefühlvoll nuanciert spielt wie diez eichler.
dagegen knallt das cembalo, das eichler für die allgemein als endgültige fassung der fantasie und der fuge nutze, richtig kräftig in den raum. jede intimität geht hier verloren, statt dessen entwickeln sich forsche, fast offensive spielweisen mit starkem hang zur prononcierten dramatik. so richtig verzwickt wurde es aber erst zum schluss: der hausherr volker ellenberger hat sich noch max regers bearbeitung für orgel angenommen. aber das muss er selbst noch ein zweites mal adaptieren eigentlich ist die orgel der johanniskirche für so etwas nämlich nicht geeignet, da fehlen die typisch romantische differenzierungsmöglichkeiten einfach. ellenberger hat das aber dennoch ganz gut im griff, mit einigen tricks entwickelt er eine imposante, deutlich als große kunst markierte fantasie, deren fuge dann nichts mehr von persönlichen gedanken oder eigenen gefühlen enthält: das ist reine satzkunst, die reger hier aus der bachschen vorlage herauskitzelt.
richard wagners parsifal in der oper frankfurt, inszenierung von christof nel, dirigent paolo carignani (besetzung hier)
die inszenierung für einen parsifal gar nicht so schlecht – extrem zurückhaltend, aber selbst in dem ewig dauernden ersten akt auf der bühne nicht ganz und gar im stillstand versunken. das liegt aber vor allem am genialen raumkonzept, das die beiden frankfurter drehbühnen mit die gesamte bühnenhöhe nutzenden lattenzäunen so geschickt vollstellte, dass durch die kombinierte drehung der beiden bühnenteile immer wieder neue, sehr inspirierende räume entstanden: „zum raum ward die zeit“ heißt es im libretto ja (was auch immer das heißen soll und wie das für das bühnenweihfestspiel überhaupt funktionieren kann und ernstzunehmen ist) – hier hatte man immerhin eine ahnung davon. und carignani hatte auch durchweg akzeptable tempi, schöne klangbilder, besonders im zweiten akt die ja fast ekstasischen, für den parsifal schon fast rasanten handlungen, sehr genau ausgeleuchtet und doch den sängern noch genügend raum gelassen. das war im dritten akt nicht immer so: sowohl gurnemanz (den jan-hendrik rootering eigentlich sehr präzise und bewegend sang, auch wenn er mit seiner figur als gralsritter nur noch bedingt glaubwürdig war…) als auch parsifal (stuart skelton, der mich nicht so sehr begeisterte, immer etwas nüchtern und blass wirkte) waren inzwischen doch hörbar erschöpft und angeschlagen. da stach die kundry von michaela schuster immer wieder positiv hervor: nicht nur schauspielerisch (eindeutig die beste leistung auf der bühne, wie sie immer mehr ins irre abdriftete, in sich selbst verschlossen, überhaupt nix mehr kapierte), sondern gerade auch sängerisch: beeindruckend, wie sie trotz der großen anforderungen noch so präzise und vor allem ausdrucksstark singen kann. der amfortas von alexander marco-buhrmester ist ähnlich gut, im gegensatz zu dem grottigen titurel von magnus baldvinsson, der nur rumeiert… das verbindet ihn übrigens mit den chören, die erstaunlich schlecht intoniert waren.
was mich – neben so vielem anderen, was mich an parsifal verstört und unverständlich bleibt – ratlos zurücklies, war nur die suche nach einer position des regisseurs: was sollte das ganze eigentlich? gut, wir leben alle irgendwie in einem gefängnis, um uns heraum zäune und kein platz, die männer pressen blut und leben aus den frauen und lassen sie fast als abfall zurück (wenn man den fall kundry hier so verallgemeinern darf und kann), aber sonst? was soll das ganze mit der erlösung? ganz zu schweigen von den berüchtigten schlussworten „erlösung dem erlöser“? da bietet nel mir irgendwie überhaupt keine antwort, das wird nicht wirklich klar, da ist er, wie seine ganze inszenierung, viel zu zurückhaltend, fast positionslos. zumindest ich kann seinen standpunkt nicht erkennen.
aber eines muss man ihm zugute halten: in seiner inszenierung wirkt das monströse werk doch erheblich zugänglicher als in der konzertanten aufführung der frankfurter oper – da war das nur ein gigantischer musikalischer brocken. und doch bleibe ich dabei: parsifal ist das beste mittel, jeden anflug von wagnerismus zu heilen. das werk als solches ist einfach zu – wie soll ich sagen? – seltsam, abartig auf eine mitunter fast hochstaplerisch anmutende weise: keiner kann mit bestimmtheit sagen, was der parsifal als ganzes überhaupt soll, aber alle verehren ihn als hohe kunst…
so, gestern war es dann soweit: am sonntag schon um 8.30 aufgestanden, um noch schnell ein bisschen was zu frühstücken und dann mit dem fahrrad auf die andere rhein-seite zu fahren: zum maarauelauf 2006. nette stimmung war schon, aber das wetter war zunächst nicht gerade angenehm: für ende april saukalt (so um die 8 grad), immer wieder regen. auch kurz vor dem start mussten natürlich noch einmal alle nass werden… die erste runde (3,7 km) der 11,1 km langen strecke lief bei mir dann nicht ganz so gut, ich war einfach noch zu kalt und verfroren. außerdem bin ich morgens eh’ nicht so wahnsinnig fit. so gegen ende der runde wurde ich dann aber langsam warm und mit schwung ging’s in die zweite runde rund um die kostheimer maaraue, die ich dann ziemlich zügig absolvierte und so immerhin ein wenig zeit aufholen konnte. auch die dritte runde lief noch ziemlich gut, das feld der um die 500 läufer war inzwischen sehr weit – fast über die ganze runde – auseinander gezogen. und obwohl ich das tempo dann doch ein wenig früh anzog und die letzten 200 meter auf dem sportplatz des tv kostheim ziemlich quälend waren, bin ich mit 55:06 minuten gut unterwegs gewesen – auf jeden fall deutlich unter meinem anvisierten limit von 60 minuten. aber abends, im frankfurter parsifal, habe ich die anstrengung doch recht gut gemerkt und war nach der geistigen anstrengung dann so fertig, dass ich zumindest sehr gut geschlafen habe…
23. april 2006: – so, die neue saison ist endlich eröffnet, ganz klassisch mit einer kühkopf-runde. (das reicht für meine arme und schultern nach der langen winterpause auch mehr als genug). auf der hinfahrt erheitern wir uns an einem hübschen text aus dem kanumagazin, den thorsten mitgebracht hat: szenen eines videoabends unter paddlern. da joachim sein boot inzwischem im vereinsheim des kc darmstadt in erfelden lagert, erweist sich die ganze unternehmung als herrlich unkompliziert. und da mein combi noch in erbach im winterschlaf liegt, war ich im prijon barracuda von thorsten unterwegs – ein wenig eng für mich, aber eigentlich ein sehr schönes boot, wenn es nur nicht so blödsinnig schwer wäre. auf der strecke keine besonderen vorkommnisse, der rhein hat immer noch sehr viel wasser, so dass die rastplätze mangelware sind. aber wir finden trotzdem einen. und geben so dem zweier, der fast zeitgleich mit uns gestartet ist, eine chance, uns wieder zu überholen… mit knapp drei stunden waren wir dann doch recht flott unterwegs. und die kraft reichte auch noch für einen kurzen test von joachims streamliner, der mir allerdings nicht so besonders zusagt, weil er zwar ohne zweifel ein hervorragendes boot ist, aber für mich zu viel geschwindigkeit verlangt – im langsamen tempo ist er doch arg unruhig und kippelig, das macht (mir) keinen besonderen spaß.
1. – 10. august 2005: mecklenburgische seenplatte.
anreise am 1.8. zum campingplatz kamerun an der müritz.
am 2. und 3.8. die müritz-umrundung (waren – bolter ufer – querung nach luhdorf, dann am westufter nordwärts zurück nach waren) mit übernachtung in luhdorf bei wunderbarem wetter, nur mittags am 2.8. mäßiger wind. ab dem 4.8. fahrt durch die seenplatte vom bolter kanal an der müritz, die heute kräftigen wellengang hat, aus. dann fünf tage in mäßigem tempo eine rundtour, an den letzten tagen mit schauern und mit wahnsinnig viel betrieb auf den seen – viele kanuten, die ihr boot nicht beherrschen (noch weniger als ich) und ebensolche badewannenkapitäne in leihyachten, die es kaum schaffen, in die schleusen zu navigieren. der grobe strechenverlauf: bolter ufer an der müritz (start vom campingplatz aus, gute einstiegsmöglichkeit) über den bolter kanal und die alte fahrt in den caarpsee. von dort in den woterfitzwee, weiter durch den leppinsee, den großen kotzower see und das granzower möschen in den mirower see, wo wir am campingplatz c39 (strandgaststätte mirow) übernachteten (nicht unbedingt empfehlenswert – kleiner buckliger platz mit wenigen engen und überlasteten sanitären anlagen weit weg).
am nächsten tag ging es dann weiter durch den rest des mirower sees in den zotzensee, von dort über den mössensee und den östlichen rand des vilzsees in den labussee und von da dann weiter in den canower see und über den kleinen pälitzsse in den großen pälitzsee, wo wir am campingplatz 54 übernachteten – der teuerste platz auf unserer rundfahrt.
am dritten tag ging es dann vom großen pälitzsee über die schleuse strasen in den ellgoen see, von dem wir in den großen priepertsee abbogen. dann über die havel in den finowsee und ide havel weiter bis zum abzweig in die schwanenhavel, die uns herrlich kurvig, eng und verwachsen ind den plätlinsee, der zum großen teil naturschuztzgebiet ist, führte. mit einem kräftigen spurt kamen wir ans wustrower ende, wo es ein gutes stücke umzutragen galt, um im klenzsse weiterpaddeln zu können. von dort kamen wir dann in den gobenowsee, wor wir auf dem campingplatz 27 unsere zelte aufschlugen, nachdem wir endlich den richtigen landungsplatz gefunden hatten.
am nächsten morgen schließlich gingt es den rest des gobenowersees weiter in die drosedower bek, die uns in den rätzsee führte. nach der mittagspause an der umtragestelle fleether mühle (die kürzlich abgebrannt ist) fing es an zu regnen. joachim, thorsten und ich versteckten uns unter dem dach eines bootshauses vor dem wasser von oben, während der rest unverdrossen weiterpaddelte. nachdem der regen dann endlich nachließ, machten wir uns auf die aufholgjagd und sprinteten die restlichen kilometer über vilzsee in den mössensse, an dessen übergang zum zotzensee unser nachtquartier, der campingplatz peetsch mit der nummer 42 lag. die vorhut konnten wir zwar nicht mehr ganz einholen – kurz bevor wir am campingplatz ankamen, gingen sie an land – aber zum zeltaufbau reichte es gerade noch, bevor es wieder anfing, ein wenig zu regnen.
am letzten tag der rundfahrt ging es dann noch einmal über den zotzensee (den wir ja schon auf der hinfahrt durchquert hatten) richtung mirow, wo wir dieses mal aber in die müritz-havel-wasserstraße abbogen. hinter der schleuse mirow, die wir mit der bootsschleppe umgingen, schaffte joachim es, sich in die heckwelle eines segelboots zu klemmen und ließ sich von dem mehr als sieben kilometer bis ans ende des sumpfsees mitziehen. dort wartete er dann am wasserwandererrastplatz am ausgang des sees auf uns. nach der mittagspause ging es dann weiter in die kleine müritz, die uns in die echte müritz zurückführte und mit viel gelegenheit zum surfen auf den wellen zurück zu unseren autos am campingplatz bolter ufer brachte. eigentlich wollten wir dann noch eine tagestour machen, bevor wir uns am 10.8. wieder auf die rückreise machen wollten. wegen des regens und der verletzung von thorsten haben wir das dann gelassen und sind mit einem zwischenstopp in potsdam/schloss sanscoussi (selbst im regen voller japaner ;-)) und einen besuch bei lettmann in moers an zwei tagen quer durch deutschland zurück nach darmstadt/mainz gefahren.
Wenn ein Musiker seine Band „Selbsthilfegruppe für angstfreies Musizieren“ nennt, verfügt er wahrscheinlich über eine gute Portion Humor. Wenn der Schlagzeuger von Lyambiko, Torsten Zwingenberger, das tut, hat er vor allem Recht. Denn Angst haben Sängerin Lyambiko und ihr Trio im Frankfurter Hof sicherlich nicht: Sonst würden sie wohl kaum so relaxt und locker arbeiten.
Aber entspanntes Musizieren ohne Angst macht allein noch keine gute Musik aus. Denn bei Lyambiko wird die Sicherheit auf der Bühne durch einen weitgehenden Verzicht auf Risiken erkauft. Was gibt es schon zu hören: Eine junge, talentierte Sängerin mit angenehmer Stimme und ein versiertes Allround-Trio. Hemmungslose Ekklezitisten sind sie alle, wie sie da auf der Bühne stehen. Aus allen Ecken suchen sie sich ihr Material zusammen: Ein wenig Swing, eine gute Portion Blues, dann noch ein bisschen Latin, ergänzt um eine Prise Ethno-Pop und abgeschmeckt mit einer Prise Modern Jazz – fertig ist der Eintopf. Dumm ist nur, dass aus dem ganzen Mischmasch nichts Neues entsteht. So bleibt eben gute, ungewöhnlich erfolgreiche Unterhaltung. Und deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die CD von Lyambiko in den Pop-Charts notiert wird. Vom Geist des Jazz, von seiner Kraft und Ausdrucksfähigkeit, ist das nämlich schon ein ganzes Stück entfernt.
Dabei sind die Musiker wirklich nicht schlecht. Neben den flinken Fingern des Pianisten Marque Lowenthal ist es vor allem Schlagzeuger Torsten Zwingenberger, der ab und an doch aufhorchen lässt. Wie er Stöcke und Besen über Trommel und die riesigen, hallenden Becken tanzen lässt, wie er rastlos zwischen Percussions und Drumset pendelt – das alles weist ihn deutlich als feinsinnigen Klangtüftler aus.
Lyambiko selbst, ganz unbescheiden als „the most beautiful voice“ angekündigt, ist ja durchaus nett anzusehen und anzuhören. Eine gefällige, wohltönende Stimme, die aber bis jetzt mehr von ihren potentiellen als den tatsächlichen Qualitäten profitiert. Denn bei aller Gewandtheit und Ausdrucksfähigkeit: Inspiration und Innovation sind ihre Stärken nicht. Als Jazz ist die Musik denn auch recht belanglos: Friedlich mäandert das in gewohnt-belangloser Form vor sich hin. Als Unterhaltungsmusik ist es solides Kunsthandwerk – und das ist ja auch schon was.
(geschrieben für die Mainzer Rhein-Zeitung)
