»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

wenn männer den boogie haben

„Die Zei­ten der Machos sind vor­bei“, schreibt der Kom­po­nist im Vor­wort, „doch im Män­ner­chor­lied dür­fen sie immer mal wie­der nost­al­gisch auf­blü­hen.“ Dabei hat Uli Füh­re aber etwas wesent­li­ches ver­ges­sen. Denn in sei­ner klei­nen Samm­lung „Der Män­ner-Boo­gie-Blues“ bestimmt nicht (nur) die Nost­al­gie das Klang­ge­sche­hen. Viel stär­ker tre­ten hier eigent­lich Iro­nie und Komik in den Vor­der­grund. Denn all­zu ernst neh­men darf und soll man die acht klei­nen Sät­ze auf Tex­te von Jörg Ehni, Joa­chim Rin­gel­natz und Kurt Tuchol­sky nicht. Zwar geht es immer um ein aus­ge­spro­chen erns­tes The­ma: Män­ner und ihr Ver­hal­ten. Aber der stu­dier­te Schul- und Popu­lar­mu­si­ker Uli Füh­re ist ja in ers­ter Linie für sei­ne amü­sant-unter­hal­ten­de Chor­mu­sik bekannt. Und genau dazu gehö­ren auch der „Män­ner-Boo­gie-Blues“ und der „Ver­füh­rer-Tan­go“, das „War­zen­schwein“ genau­so wie „Mei­ne Mus­ca Dome­sti­ca“. Beson­ders schön: Das „Chan­son“ zur Völ­ker­ver­stän­di­gung à la Tuchol­sky mit aus­ge­spro­chen deli­ka­ter laut­ma­le­ri­scher Beglei­tung. Aber auch die ande­ren, durch­weg prä­gnant und gewitzt aus­ge­ar­bei­te­ten vier­stim­mi­gen a‑cap­pel­la-Sät­ze mit ihren ange­nehm sang­ba­ren Melo­dien und der abwechs­lungs­rei­chen, ryht­misch und sti­lis­tisch sehr viel­fäl­ti­gen Gestal­tung sind pri­ma Mate­ri­al zur Auf­hei­te­rung eines jeden Kon­zert­re­per­toires. Zumal es vom sel­ben Kom­po­nis­ten auch noch das Gegen­pro­gramm gibt: „Der Mond ist eine Frau“ heißt die Ant­wort der hol­den Weib­lich­keit auf die­se klin­gen­de Beschwö­rung der unver­wüst­li­chen Männlichkeit.

Uli Füh­re: Der Män­ner-Boo­gie-Blues. Für Män­ner­chor TTBB a‑cappella. Stutt­gart: Carus 2006 (Carus 9.611). 36 Seiten.

erschie­nen in der zeit­schrift des deut­schen chor­ver­ban­des, der „neu­en chor­zeit”, aus­ga­be juli/​august 2007.

„zum rhein, zum rhein, zum deutschen rhein!“

web: rhein­steig
stre­cke: rüdes­heim – lorch (24,5 km, 660 Höhen­me­ter hin­auf (und auch wie­der run­ter, denn wir kehr­ten ja zum rhein zurück))
kar­te: obe­res mit­tel­rhein­tal, 1:25000. isbn 3–89637-365‑x

der halb­ma­ra­thon (mit neu­er best­zeit) am sams­tag hat­te mich noch nicht genug gefor­dert: trotz rest-mus­kel­ka­ter ging es am mon­tag schon wie­der los. die­ses mal aber in erheb­lich gemüt­li­che­rem tem­po – näm­lich wan­dernd. weil das wet­ter gera­de so schön war, haben dani­el, ulrich und ich kur­zer­hand beschlos­sen, wenigs­tens einen tag am rhein­steig zu ver­brin­gen. unse­re tour begann in rüdes­heim. eigent­lich aber schon vor­her: um 6.45 uhr fuhr der zug in mainz ab, der dani­el und mich zunächst nach wies­ba­den brach­te, wo wir in den regio­nal­zug nach koblenz umstie­gen. in erbach (rhein­gau) nah­men wir dann noch ulrich an bord und konn­ten kurz vor acht bereits in rüdes­heim auf den zubrin­ger-weg zum rhein­steig losstiefeln.

zunächst ging es durch die rüdes­hei­mer wein­ber­ge (teil­wei­se mit dem brahms-pfad und sei­nen kryp­ti­schen tafeln) hin­auf zum nie­der­wald-denk­mal mit der ger­ma­nia, das um die­se tages­zeit noch voll­kom­men men­schen­leer war (und dadurch umso ange­neh­mer). zuvor aber noch kur­zer halt an der tem­pel­hal­le, um ein wenig schil­ler zu rezi­tie­ren (dani­el sprach „das glück“, ich die bei­den weni­ger inter­es­san­ten xeni­en zum rhein). dann gin­gen wir die paar meter wei­ter zur ger­ma­nia – natür­lich mit pathe­ti­schem vor­trag (sin­gen woll­ten wir es dann doch nicht) der dort auch ein­ge­schrie­be­nen „wacht am rhein” – so viel patrio­tis­mus muss sein ;-).

und schon gings wei­ter, durch den nie­der­wald mit immer wie­der schö­nen aus­bli­cken über das rhein­tal zum jagd­schloss ass­manns­hau­sen und dann auch gleich steil hin­un­ter nach ass­mans­hau­sen – immer­hin eini­ge weni­ge wan­de­rer begeg­ne­ten uns hier. auf der ande­ren sei­te des ortes mar­schier­ten wir sofort wie­der hoch, durch die wein­ber­ge am höl­ler­berg – bis zur ers­ten rast bzw. dem zwei­ten früh­stück mit herr­li­chem aus­blick über rhein­tal und die burg rhein­stein auf der ande­ren sei­te des flus­ses. lei­der war die fern­sicht vor­mit­tags noch nicht so toll, immer noch leicht duns­tig. und auch das wet­ter war noch ein wenig hin- und her­ge­ris­sen: ziem­lich wech­sel­haft bewölkt, immer wie­der blies ein küh­les lüft­chen ein wenig abküh­lung – vor allem natür­lich auf den hügeln oben.

wei­ter ging es dann aus dem wein­berg wie­der hin­aus und über den schma­len – und sehr idyl­li­schen – fel­sen­pfad und den pan­oram­weg, schließ­lich dann auf dem fels­weg am bann­wald (dem zukünf­ti­gen urwald) hin­über nach boden­tal, wo dann schon der frei­staat fla­schen­hals beginnt. und dann war es auch schon nicht mehr nach lorch. immer quer am hang ent­lang geht der weg, mit schö­nen bli­cken, die wir genau­so genos­sen wie die ruhe im wald: men­schen begeg­ne­ten wir nur sehr weni­gen. nach einer wei­te­ren kur­zen rast bei mitt­ler­wei­le ein­wand­frei strah­len­dem son­nen­schein lag dann auch schon der abstieg in den ort lorch vor uns, wo mit­tags gera­de kein offe­nes café zu fin­den war. ein kur­zer blick in die kir­che (mit schö­ne vor­hal­le) und wei­ter zum bahn­hof, der etwas außer­halb rhein­auf­wärt gele­gen ist. und kurz danach kam auch schon der zug, der uns wie­der das rhein­tal hin­auf beför­der­te. in erbach stie­gen wir dann alle aus und wan­del­ten gemüt­lich zum haus von ulrichs eltern, die uns noch mit einer lukul­li­schen ver­pfle­gung ver­wöhn­ten, bevor dani­el und ich uns dann am abend auf den rück­weg nach mainz machten.

noch mehr schö­ne bil­der (von dani­el) gibt es auf die­ser webseite.

projekt neue halbmarathon-bestzeit: geschafft! (in 1:40:17)

es soll­te am glei­chen ort, mit dem glei­chen lauf gesche­hen: letz­tes jahr bin ich in güt­ters­bach bei mei­nem ers­ten halb­ma­ra­thon 1:49:33,3 gelau­fen. die­se jahr soll­te es, nach dem gestei­ger­ten trai­ning, eine neue best­zeit wer­den. der güt­ters­ba­cher lauf ist nicht ganz ein­fach, das stre­cken­pro­fil weist doch eini­ge höhen­me­ter auf. die wege sind aber gut lauf­bar (trotz des vie­len regens waren sie nur an eini­gen stel­len etwas mat­schig), die stre­cke führt fast kom­plett durch den wald – sehr schön ist das.

vor­ge­nom­men hat­te ich mir also für den 12. güt­ters­ba­cher volks­lauf (in die­ser rei­hen­fol­ge): neue best­zeit, unter 1:45:00, so weit wie mög­lich an die 1:40:00. Vic­sys­tem, mein Trai­nings­plan, sag­te mir für eine fla­che Stre­cke eine 1:34:00 vor­aus – das soll­te also schon hin­hau­en. Mir schien das aber ein sehr hoch­ge­steck­tes Ziel, es kam mir doch sehr schnell vor. Aber nach dem ordent­lich Tape­ring war mein Gefühl für das eige­ne Tem­po eh’ erst ein­mal wie­der ruiniert.

Die anmel­dung war dank der online-vor­mel­dung kein pro­blem, mei­ne start­num­mer war sofort griff­be­reit (offen­sicht­lich wur­de die nach der rei­hen­fol­ge der anmel­dung ver­ge­ben, ich hat­te näm­lich die 15 – so nied­rig war ich noch nie …). auch noch das t‑shirt bekom­men – dies­mal mit schö­nem rosa­far­be­nem auf­druck … vor dem start hielt ich noch aus­schau nach majon und rit­chy vom streak­run­ner-forum aus­chau, konn­te sie aber nir­gends aus­fin­dig machen. wie ich spä­ter erfuhr, kamen sie zu spät nach güt­ters­bach und ver­pass­ten den start. nach dem kur­zen ein­lau­fen fand mich unver­se­hens ziem­lich weit hin­ten in der start­auf­stel­lung. pünkt­lich um 17.10 fiel dann der start­schuss – und es ging ein wenig lang­sa­mer los als ich geplant hat­te. die stre­cke war zunächst doch noch voll, ich muss­te auf den ers­ten drei kilo­me­tern noch ziem­lich viel über­ho­len. das war unnö­tig müh­sam, denn die stre­cke geht gleich zur sache: die ers­ten kilo­me­ter füh­ren ste­tig berg­an, in wech­seln­den stei­gun­gen – oder wie der ver­an­stal­ter sag­te: „es ist eine schwe­re stre­cke. wir konn­ten sie nur im ers­ten und zwei­ten gang abfahren …“

aber war noch war alles recht locker. aller­dings bliebt mir doch ein rest unsi­cher­heit, wel­ches tem­po ich ein­schla­gen soll­te. mei­ne idee war: über die gesam­te ers­te run­de nicht lang­sa­mer als eine 5er-schnitt zu lau­fen. aber mir war noch ziem­lich unklar, wie­viel ich auf den berg­ab-pas­sa­gen raus­ho­len konn­te und wie lang­sam ich also berg­auf wer­den durf­te. des­halb ver­such­te ich, mög­lichst nahe an der magi­schen 5 zu blei­ben. lang­sam locker­te sich das feld immer mehr auf. ab der ers­ten kup­pe gab es dann kaum noch über­ho­lun­gen, die rei­hen­fol­ge stand jetzt und die abstän­de wur­den spä­tes­tens ab dem sieg­frieds­brun­nen auch all­mäh­lich grö­ßer. berg­ab sam­mel­ten mich wie­der zwei oder drei ein, aber deut­lich weni­ger als im letz­ten jahr. und ich bemüh­te mich auch sehr, dran zu blei­ben und das tem­po so hoch wie mög­lich zu hal­ten. das klapp­te auch ganz gut. aber die bei­ne wur­den doch schon ab kilo­me­ter 10 ein wenig schwe­rer – noch war das aber kein pro­blem. also habe ich mich denn auch todes­mu­tig run­ter­ge­stürzt, den letz­ten sturz zurück nach güt­ters­bach, wo bei km 14,5 die start-/ziel-linie wie­der über­quert wurde.

dann kam der gro­ße schre­cken die­ser stre­cke, der mich bei mei­nem ers­ten ver­such 2006 böse über­rascht hat: denn sofort nach dem lan­gen und teil­wei­se ziem­lich stei­len berg­ab-lauf ging es wie­der in den anfang der ers­ten run­de, also gleich wie­der kräf­tig berg­auf. mir kam es wie­der vor, als wür­de ich fast ste­hen­blei­ben. das tem­po war aber doch noch in ord­nung. die schritt­län­ge ging frei­lich merk­lich zurück und es wur­de jetzt ziem­lich anstren­gend. aber noch hielt ich durch. doch dann kamen bei km 16 auf ein­mal drei plötz­li­che, blitz­ar­tig auf­zu­cken­de ring­för­mi­ge schmer­zen direkt unter dem lin­ken knie – was war das? kei­ne ahnung, aber ich bekam es doch ein wenig mit der angst zu tun. denn noch ging es ca. 2 km berg­auf, bevor es über kur­ze halb­wegs ebe­ne pas­sa­ge wie­der in den schluss­ab­stieg führ­te. ich wur­de extrem vor­sich­tig, horch­te bei jedem schritt in mei­ne bei­ne – aber es tat sich nichts mehr. sehr selt­sam, das alles. auch seit­dem habe ich nichts mehr davon gespürt – offen­bar ist noch ein­mal alles gut gegan­gen. jeden­falls hat­te ich dann einen kilo­me­ter mit fast 6 minu­ten auf der uhr ste­hen. der letz­te läu­fer vor mir war jetzt uner­reich­bar davon gezo­gen, nach­dem er mich die letz­ten kilo­me­ter durch sein tem­po gut gezo­gen hat­te. ich ver­such­te, noch­mal drauf­zu­le­gen – viel ging aber nicht mehr. immer­hin bin ich wie­der zu mei­nen ziel­zei­ten zurück gekommen.

im berg­ab-teil dann noch ein­mal alles gege­ben, bis kurz vor dem plat­zen der ober­schen­kel. böse knall­ten die füße inzwi­schen auf den boden – schön ist das nicht, auf dem asphalt so run­ter­zu­bret­tern. und gesund bestimmt auch nicht. immer­hin hat­ten mich die schu­he nicht im stich gelas­sen: die mizu­nos (wave inspi­re 2) waren ein gute wahl, letz­tes jahr bin ich mit den brooks adre­na­line gera­de für die berg­ab-pas­sa­gen zu weich unter­wegs gewe­sen. bei km 21 stan­den immer noch kei­ne 1:40:00 auf mei­ner uhr – ein letz­ter end­spurt also. doch was ist das: das ziel kommt und kommt nicht näher, obwohl es immer noch berg­ab geht und ich gutes tem­po drauf habe. erst nach wei­tern 1:43 über­que­re ich die ziel­li­nie: das 21er-schild muss also defi­ni­tiv falsch auf­ge­stellt wor­den sein. oder der lauf ist zu lang. mei­ne brut­to­zeit ist 1:40:29,8, mei­ne selbst gestopp­te net­to­zeit (der ers­te wett­kampf, bei dem ich dar­an dach­te, die uhr auch zu stop­pen ;-)) war 1:40:17 – scha­de, unter 1:40:00 wäre natür­lich noch schö­ner gewe­sen. das ist sogar schon der fünf­te platz in der ak-wer­tung (weil die ak 20 sepa­rat gewer­tet wird) – aller­dings mit gut 10 minu­ten rück­stand auf platz 4 … in der gesamt­wer­tung war ich damit auf platz 42 – von 173 halb­ma­ra­thon-finis­hern. das Trai­ning hat sich also bewährt: zwar habe ich in der letz­ten zeit kaum Hügel-/Berg­läu­fe gemacht. und trotz­dem bin ich gut durch­ge­kom­men. Dafür danach aber auch sehr ordent­lich Mus­kel­ka­ter in den Ober­schen­keln – die Waden las­sen aller­dings nichts von sich hören. Die pro­gnos­ti­zier­te Zeit des Trai­nings­plans scheint mir nun auch nicht mehr uto­pisch: Auf einer fla­chen Stre­cke könn­te das durch­aus hinhauen.

im ziel bekam ich dann sogar zusätz­lich zu dem t‑shirt, das ich ja schon bei der anmel­dung erhielt, noch finis­her-medail­le aus­ge­hän­digt – für sie­ben euro start­geld bekommt man in güt­ters­bach wirk­lich viel gebo­ten. denn auch die ver­pfle­gung ist voll­kom­men in ord­nung: reich­lich gele­gen­heit auf der stre­cke, was­ser auf­zu­tan­ken. ich habe das aber haupt­säch­lich zur abküh­lung genutzt: die ca. 25 °C waren doch mehr als genug, die son­ne kam natür­lich auch kurz vor dem start noch her­aus… und das trin­ken wird für mich bei dem tem­po auf den wald­we­gen auch schon schwer … dafür gab es im zeil dann auch noch reich­lich gesüß­ten tee – sehr lecker, nach so einem lauf.

ande­re bericht von die­sem lauf: ger­hard grü­ne­wald (selbst mit­ge­lau­fen) für das oden­wäl­der echo, bericht bei lauf​re​port​.de

und nun natür­lich noch die splits, deren unbe­stän­dig­keit gut das auf und ab der stre­cke wiederspiegelt:

  1. 5:19
  2. 5:10
  3. 4:55
  4. 5:00
  5. 5:03
  6. 4:37
  7. 4:00
  8. 4:04
  9. 5:05
  10. 4:14
  11. 4:20
  12. 4:36
  13. 4:15
  14. 3:45
  15. 4:30
  16. 5.05
  17. 5.59
  18. 5:15
  19. 4:26
  20. 4:31
  21. 4:25
  22. 1:43

beim lauf selbst hat­te ich kei­nen foto­ap­pa­rat dabei. aber so sehen start­num­mer und medail­le aus: 

ein psalm für chor und kontrabass

Die etwas unge­wöhn­li­che Beset­zung – nicht nur der sie­ben­stim­mi­ge Chor, son­dern beson­ders der „leicht ver­stärk­te“, aus­schließ­lich gezupf­te Kon­tra­bass – ver­rät die Her­kunft und Erfah­rung des Kom­po­nis­ten: Gavin Bryars begann sei­ne musi­ka­li­sche Lauf­bahn als Jazz­bas­sist. Aber der für die Ver­to­nung des Psalm 126 gefor­der­te Bass ist noch mehr, er ist zugleich auch ein wesent­li­ches Ele­ment der nöti­gen Auf­lo­cke­rung an ent­schei­den­den Stel­len. Denn Bryars schreibt hier sonst einen sehr streng kon­stru­ier­ten Chor­satz, der in aus­ge­spro­chen eng ver­zahn­ten Stim­men mit Vor­lie­be für die jeweils tie­fe­re Lagen mit klas­si­schen kon­tra­punk­ti­schen Tech­ni­ken auf­war­tet. Beson­ders die viel­fäl­ti­gen Imi­ta­tio­nen bestim­men die Struk­tur des knapp fünf­mi­nü­ti­gen Stückes.
Der sie­ben­stimm­ti­ge Chor (allein der Sopran ist nicht geteilt) schafft in dunk­len Far­ben und Klä­gen eine fast medi­ta­ti­ve Stim­mung. Auf jeden Fall ist das moti­visch sehr schlicht auf­ge­baut. Zusam­men mit den durch­weg mäßi­gen Tem­pi und den vor­wie­gend gerin­gen Laut­stär­ken (gesun­gen wird fast nur im pia­no) ent­steht so eine fast rau­nen­de, geheim­nis­vol­le Aura – so ver­tont Bryars die latei­ni­schen Wort des 126. Psalm, die von der Ver­geb­lich­keit aller Bemü­hun­gen ohne Got­tes Wort und der Eitel­keit alles Schaf­fens ohne des­sen Unter­stüt­zung sprechen.
Der Schott-Ver­lag hat die eigent­lich schon sehr über­sicht­li­che Par­ti­tur noch mit einem zusätz­li­chen Kla­vier­aus­zug für die Ein­stu­die­rung her­aus­ge­ge­ben. Die­se Hil­fe­stel­lung ist gera­de für man­che unge­wohn­te­re Akkord­ver­bin­dung sicher nicht ver­kehrt – obwohl Bryars Ton­spra­che im Gan­zen doch sehr mode­rat modern und auch ohne das durch­aus leicht ver­ständ­lich ist.

Gavin Bryars: Psalm 126 (127) für gemisch­ten Chor und leicht ver­stärk­ten Kon­tra­bass. Mainz: Schott 2004 (ED 12879, Spiel­par­ti­tur). 16 Seiten.

erschie­nen in der zeit­schrift des deut­schen chor­ver­ban­des, der „neu­en chor­zeit”, aus­ga­be juli/​august 2007.

anna netrebko: opernstar der neuen generation oder publikumshure?

Es ist schon ein wenig erstaun­lich: Da über­nimmt eine nur weni­gen Insi­dern wirk­lich bekann­te Sän­ge­rin eine Rol­le bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len – und kurz dar­auf ist die gan­ze Welt ver­rückt nach Anna Netreb­ko. Dafür gibt es meh­re­re Grün­de, ihre stimm­li­chen Fähig­kei­ten und ihre Gesangs­küns­te sind nur ein Teil davon. Unbe­dingt dazu gehö­ren auch ihre Attrak­ti­vi­tät, ihre Aus­strah­lung auf der Opern­büh­ne und natür­lich eine ganz gehö­ri­ge Por­ti­on Mar­ke­ting. Aber viel mehr scheint hin­ter dem Coup dann doch nicht zu stecken.
Das ist zumin­dest das Ergeb­nis aus Mari­an­ne Reis­sin­gers „Por­trät“ und Gre­gor Dolaks Über­le­gun­gen, den ers­ten bei­den umfang­rei­che­ren, als Buch erschie­nen Ver­su­chen über Per­son und Erfolg der Netreb­ko. Viel­leicht lässt sich auch noch fest­hal­ten, dass es sich bei der Star­so­pra­nis­tin um einen mehr oder min­der ego­ma­nisch ver­an­lag­ten Cha­rak­ter han­delt, der nach Auf­merk­sam­keit und Publi­kum giert – so direkt mag das aber kei­nen der bei­den sagen.
Dolak, Musik­re­dak­teur beim „Focus“, macht die rus­si­sche Sopra­nis­tin dafür gleich auch noch zum Pro­to­ty­pen eines „Opern­stars der neu­en Gene­ra­ti­on“. Aber das bleibt eine Behaup­tung, die von ihm nir­gends unter­mau­ert wird. Im Unter­schied zu der etwas zurück­hal­ten­de­ren Mari­an­ne Reis­sin­ger, auch als Musik­re­dak­teu­rin („Abend­zei­tung“) erprobt, wagt Dalok sich näher an die Per­son her­an und zitiert aus­führ­lich aus län­ge­ren Gesprä­chen. Reis­sin­ger dage­gen führt mit Vor­lie­be lan­ge, zuwei­len sehr lan­ge Pas­sa­gen aus rus­si­schen und deut­schen Kri­ti­ken an. Damit ist der Focus-Redak­teur viel zurück­hal­ten­der. Auf andem Gebiet legt er dafür mäch­tig vor: Als ech­ter Maga­zin-Jour­na­list fei­ert er ein wah­res Fest der Adjek­ti­ve und der aus­ge­wählt blu­mi­gen Spra­che – die Sopra­nis­tin wird da schon mal zur „sin­gen­den Köni­gin der Klatsch­spal­ten“. Nicht nur sprach­lich, auch inhalt­lich ist Reis­sin­gers Ver­such jedoch immer wie­der eine Spur exak­ter: Sie schaut genau­er auf die Fak­ten und ver­bleibt nicht so stark wie Dolak in der Per­spek­ti­ve des begeis­ter­ten Fans.
Doch bei­de bemü­hen sich, die Fra­gi­li­tät die­ses spe­zi­el­len Star­tums zu zei­gen, den Spa­gat zwi­schen ambi­tio­nier­ter Gesangs­kunst und Pop-Ver­mark­tung. Bei­de schwä­cheln dann lei­der auch auf einem eigent­lich zen­tra­lem Gebiet: Der Kri­tik oder wenigs­tens der Ana­ly­se der sän­ge­ri­schen Fähig­kei­ten und Inter­pre­ta­tio­nen der Netreb­ko. Über gröbs­te Schlag­wor­te oder Zita­te wol­len und kön­nen sie offen­bar nicht hin­aus kom­men. Und noch eines ist ihnen gemein­sam: Wirk­lich erklä­ren kön­nen sie weder Anna Netreb­ko noch ihren Erfolg.

Gre­gor Dolak: Anna Netreb­ko. Opern­star der neu­en Gene­ra­ti­on. Mün­chen: Hey­ne 2005. 255 Seiten.
Mari­an­ne Reis­sin­ger: Anna Netreb­ko. Ein Por­trät. Rein­bek bei Ham­burg: Rowohlt 2005. 205 Seiten.

erschie­nen in der zeit­schrift des deut­schen chor­ver­ban­des, der „neu­en chor­zeit”, aus­ga­be juli/​august 2007.

zeno​.org macht das nachschlagen leicht

heu­te durch die mit­tei­lung achim rasch­kas an die wiki­pe­dia-mai­ling­lis­te ent­deckt (wie­so mir das bis­her durch die lap­pen gegan­gen ist: kei­ne ahnung): auf der sei­te zeno​.org bie­tet die zen­o­dot-ver­lags­ge­sell­schaft (die ja irgend­wie mit direct­me­dia zusam­men­hängt, von denen die von mir so gelieb­te digi­ta­le biblio­thek stammt) lexi­ka und nach­schlag­wer­ke online an. das ist eine wun­der­ba­re sache – denn es sind sehr hilf­rei­che text­samm­lun­gen dabei (auch franz kaf­kas wer­ke fin­den sich hier). zum bei­spiel nicht nur ver­schie­de­ne jahr­gän­ge des brock­haus, son­dern auch sul­zers all­ge­mei­ne theo­rie der schö­nen küns­te, mauth­ners Wör­ter­buch der Phi­lo­so­phie, auch rudolf eis­lers Wör­ter­buch der phi­lo­so­phi­schen Begrif­fe und sein Phi­lo­so­phen-Lexi­kon – natür­lich alles gemein­freie wer­ke. mei­ne samm­lung der digi­ta­len biblio­thek wird damit ja bald über­flüs­sig, wenn das so wei­ter geht …

noch befin­det sich das pro­jekt im beta-sta­di­um (aber wel­che web‑2.0‑anwendung tut das nicht?). man merkt es ab und an auch noch. die sei­te ist zwar sehr schön schnell. der ein­stieg aller­dings etwas unüber­sicht­lich: auf der über­sichts­sei­te der biblio­thek ste­hen teil­wei­se nur kür­zel – was sul­zer-1771 ist (näm­lich des­sen all­ge­mei­ne theo­rie der schö­nen küns­te) oder fried­län­der ist (die inter­es­san­ten kri­mi­nal­pro­zes­se) muss man wis­sen, um das ent­spre­chen­de zu finden.

die eigent­li­chen text­sei­ten sind aber sehr klar struk­tu­riert und gut les­bar: aus­rei­chend gro­ße schrift, kla­res sei­ten­lay­out. über­haupt prä­sen­tiert sich das gan­ze pro­jekt ange­nehm schlank und ohne unnö­ti­ge kli­ckibun­ti-spie­ler­ein – und auch ent­spre­chend schnell. auch die navi­ga­ti­on inner­halb der ein­zel­nen bän­de ist gut mög­lich, mit ent­spre­chend­ne blät­ter-hyper­links, die nicht nur „vor­wärts” oder „rück­wärts” hei­ßen, son­dern gleich das rich­ti­ge lem­ma anzei­gen. schön auch die sei­ten­mar­kie­run­gen der quel­le, die (im ide­al­fall) per hyper­link zu den fak­si­mi­les füh­ren. etwas umständ­lich kommt mir höchs­tens noch der zugang zu den ein­zel­nen wer­ken vor – da muss man immer mehr­mals kli­cken, das lie­ße sich viel­leicht noch ver­bes­sern (aber dann ging womög­lich die stren­ge struk­tur ver­lo­ren). sehr hilf­reich dage­gen die quer­ver­wei­se zwi­schen den ein­zel­nen bän­den auf gleich­lau­ten­de lem­ma­ta (das kann die digi­ta­le biblio­thek etwa (noch) nicht)

mit zufäl­li­ger arti­kel bzw. zufäl­li­ge stel­le kann man auch im vor­han­de­nen bestand (oder im gera­de aktu­el­len band) sehr schön stö­bern (das mache ich ja auch in wikis, von denen die­se funk­ti­on wohl her­kommt, sehr ger­ne – man erfährt so näm­lich auch eine men­ge über die qua­li­tät der daten und einträge).

und das herz­stück einer sol­chen unter­neh­mung, die suche? für ein beta-sta­di­um erstaun­lich aus­ge­reift. offen­sicht­lich auch hier die ähn­lich­keit mit der sowie­so schon sehr gelun­ge­nen suche der digi­ta­len biblio­thek. rasant ist sie. in der stan­dard­ein­stel­lung höchs­tens etwas tole­rant, was den abstand zwi­schen meh­re­ren such­be­grif­fen angeht – da kom­men näm­lich schnell eine gan­ze men­ge fund­stel­len zusam­men. sehr schön dann aller­dings die ein­fa­che mög­lich­keit, die her­vor­he­bung der such­be­grif­fe auf den ergeb­nis­sei­ten mit einem klick auch wie­der zu ent­fer­nen – da hat jemand wirk­lich mitgedacht.

also: nach den ers­ten erkun­dun­gen damit: eine tol­le sache mit viel potenzial.

györgy kurtágs chorwerke

Das hört sich gewal­tig an: Die kom­plet­ten Chor­wer­ke von Györ­gy Kur­tág hat das SWR Vokal­ensem­ble Stutt­gart unter der Lei­tung von Mar­cus Creed auf­ge­nom­men. Aber es ist kaum mehr als hal­be CD dafür nötig. Denn es sind „nur“ drei Zyklen, die Kur­tág fast alle schon Anfang der Acht­zi­ger kom­po­nier­te. Gewal­tig ist die­se CD aber den­noch – in mehr­fa­cher Hin­sicht. Denn Kur­tágs Chor­wer­ke sind fast nie zu hören: Im Kon­zert trau­en sich nur weni­ge Ensem­bles das zu und Auf­nah­men gab es bis­her über­haupt nicht. Und außer­dem ist die­se Musik, das lässt sich nicht anders sagen, unbe­dingt übewältigend.
Kur­tág, seit jeher bekannt für sei­ne hoch­ver­dich­te­ten Minia­tu­ren, betreibt mit der Chor­mu­sik eine For­schung im Inne­ren der Töne. Mit her­kömm­li­chen Vor­stel­lun­gen von Chor­klang hat das wenig zu tun – wie Hans-Peter Jahn im Book­let schreibt, sind die­se Zyklen „voka­le Kam­mer­mu­si­ken, Instru­men­tal­mu­sik für Sän­ger“. Und ihre Geheim­nis­se wah­ren die­se Ver­to­nun­gen lan­ge. Dabei ver­zau­bern sie schon beim ers­ten Anhö­ren, las­sen aber in ihrer extre­men Viel­schich­tig­keit, ihrer extre­men Zusam­men­bal­lung und Kon­zen­tra­ti­on doch bei jedem wie­der­hol­ten Hören immer neue Ent­de­ckun­gen und Erkennt­nis­se zu. Das SWR Vokal­ensem­ble singt das trotz der immensen Anfor­de­run­gen mit höchs­ter Präz­si­on: sowohl vokal­tech­nisch als auch emo­tio­nal lässt die­se CD kei­nen Wunsch unbe­frie­digt. Die unheim­li­che Ruhe der auf­ge­fä­cher­ten Klän­ge und genau­so der sel­te­ne Über­schwung der des­halb nur um so hef­ti­ge­ren dra­ma­ti­schen Aus­brü­che – vor allem in den „Lie­dern der Schwer­mut und Trau­er“ op. 18, mit sorg­fäl­ti­ger, zurück­hal­ten­der Unter­stüt­zung der Instru­men­ta­lis­ten des Ensem­ble Modern – ist hier ein­fach unge­heu­er bewe­gen­de Musik, die direkt unter die Haut geht.

Györ­gy Kur­tág: Com­ple­te Cho­ral Works (Omma­gio a Lui­gi Nono, Eight Cho­ru­ses to Poems by Dez­sö Tand­ori, Songs of Des­pair and Sor­row). SWR Vokal­ensem­ble Stutt­gart, Ensem­ble Modern, Lei­tung: Mar­cus Creed. Häns­s­ler Clas­sic 93.174.

erschie­nen in der zeit­schrift des deut­schen chor­ver­ban­des, der „neu­en chor­zeit”, aus­ga­be juli/​august 2007.

evan almighty

das ist mal wie­der ein film!

evan bax­ter (ste­ve carell), frisch gewähl­ter kon­gress­ab­ge­ord­ne­ter, wird zum zwei­ten noah aus­er­ko­ren. mor­gan free­man ist wie­der ein tol­ler gott (wie schon in bruce almigh­ty). das gibt natür­lich gewis­se kon­flik­te mit sei­ner arbeit und der lie­ben fami­lie … vor allem, weil er sich auch äußer­lich in noah ver­wan­delt: mit bart, lan­gen haa­ren und zwangs­wei­se auch der ent­spre­chen­den klei­dung. auch die tie­re tref­fen so nach und nach ein wenig ver­früht ein. und weil evan sich dem gan­zen nur sehr wider­wil­lig fügt, gibt es eine men­ge komi­scher sze­nen. und die sind immer gera­de noch so knapp an der gren­ze zur gren­zen­lo­sen über­trei­bung vor­bei insze­niert, dass sie sogar in ihrer häu­fung noch komisch blei­ben. gute arbeit, tom shad­yac (aber der hat ja auch schon bruce almigh­ty zu ver­ant­wor­ten gehabt)! natür­lich ist auch eine men­ge kitsch da drin … aber die zen­tra­le sze­ne im kon­gres­sauschuss, bei der evan plan und auf­trag (inklu­si­ve dem zeit­pungkt der kom­men­den flut) und sei­ne kom­mu­ni­ka­ti­on mit gott offen­bart – herr­lich. der film wird zwar meis­tens als fort­set­zung von bruce almigh­ty gehan­delt, ist es aber eigent­lich kaum – außer den teil­wei­se iden­ti­schen mit­wir­ken­den. aber glück­li­cher­wei­se ohne den gri­mas­sen­kö­nig jim carrey. die idee und das set­ting sind aber doch eine gan­ze ande­re sache – eigent­lich fast noch bes­ser. denn unter­grün­dig (sehr unter­grün­dig frei­lich) schwin­gen hier immer (aktu­el­le) (umwelt-)politische the­men – in anspie­lun­gen – mit. und alles nur, um ein gesetz zu stoppen …

getestet: mein neues paddel

so. heu­te war es soweit: mein neu­es pad­del muss­te sich dem pra­xis­test unter­zie­hen. das kober exkur­si­on war ges­tern mit ups gelie­fert wor­den. dank eines son­der­an­ge­bo­tes von kanu­to­tal (d.i. sport rader­ma­cher) in der län­ge 210 cm, 60° rechts-gedreht. ich hat­te zunächst beden­ken, dass das ein wenig kurz sein könn­te. aber mein altes pad­del, das mara­thon von moll, ist auch nur 215 cm lang. und im was­ser war der unter­schied nicht zu mer­ken. dafür doch eini­ges ande­res. zunächst ist das exkur­si­on sozu­sa­gen feder­leicht: laut her­stel­ler wiegt es gera­de ein­mal 900 gramm. und das macht sich sehr ange­nehm bemerk­bar. auch das durch­zug­ver­hal­ten ist sehr schön: zügig auf tem­po, kein spür­ba­res flat­tern – kein pro­blem. es lässt sich auch viel­sei­tig, flach oder steil, mit viel oder wenig druck, hoch- oder nied­rig­fre­quent pad­deln. trotz der recht gro­ßen pad­del­flä­che scheint es mei­ne spär­li­chen arm­mus­keln nicht zu über­stra­pa­zie­ren. bis­her macht das alles also einen wun­der­ba­ren ein­druck. mal sehen, wie es bei lan­gen tou­ren wird… außer­dem konn­te ich gleicht noch fest­stel­len, dass das exkur­si­on im ver­gleich zu mei­nem alten pad­del auch wesent­lich weni­ger wind­an­fäl­lig ist. erstaun­lich auch, wie leicht und lei­se das pad­del ein­taucht, wie wenig es spritzt – da las­sen sich doch deut­li­che unter­schie­de zu dem alten feststellen.

Eigent­lich war es ein Geburts­tags­ge­schenk: Zum zwan­zigs­ten Jah­res­tag ihrer Grün­dung woll­te das Ber­li­ner Ensem­ble „Laut­ten-Com­pa­gney“ sich ein ganz beson­de­res Pro­gramm schen­ken. Gewor­den ist dar­aus inzwi­schen ein Ver­kaufs­ren­ner und Publi­kums­er­folg. Wo sie auch hin­kom­men, ihr Kon­zert „Chir­ping of the Night­in­gale“ kommt immer wie­der gut an. 
Dabei ist es eigent­lich gar kei­ne Kon­zert­mu­sik, die hier zu hören ist. Denn die kur­zen Stü­cke stam­men aus einer Art Tanz-Lehr­buch, die zu den Melo­dien auch immer die Tän­ze notiert: „Die Basis ist eine Samm­lung von John Play­ford von 1651, einem eng­li­schen Dru­cker und Her­aus­ge­ber. Die Stü­cke beglei­ten uns schon lan­ge – weil sie ein­fach so schön sind“, erzählt Wolf­gang Kat­sch­ner, der Lei­ter der Laut­ten-Com­pa­gney. „Play­ford hat hier vie­le Lie­der, Tän­ze und Tunes ver­sam­melt – ein sehr brei­tes Kom­pen­di­um der Musik aus Eng­land, die weit zurück­reicht bis ins 16. Jahr­hun­dert.“ Und die Ber­li­ner ergän­zen die Melo­dien aus der eng­li­schen „Tanz-Bibel“ noch mit Musik aus dem Umfeld – von Hen­ry Pur­cell oder John Raven­scroft. Tän­zer haben sie kei­ne dabei, wenn sie zum Main­zer Musik­som­mer nach St. Ste­phan kom­men, nur ein reich­hal­ti­ges Arse­nal his­to­ri­scher Instru­men­te: Gei­gen, Flö­ten, Cem­ba­lo, Orgel und eine Men­ge Schlag­zeug. Das macht aber nichts, denn Kat­sch­ner ist über­zeugt: „Der Tanz fin­det im Kopf statt.“ Und weil das so ist, weil das Kon­zert so abwechsl­unsgrei­che Musik ver­sam­melt, fin­det er es auch ide­al geeig­net für den Som­mer: „Das ist wun­der­ba­re Unter­hal­tung, bun­te und far­bi­ge, aber auch leich­te Musik.“
Für den nöti­gen Zusam­men­halt in die­sem Kalei­do­skop haben sie auch gesorgt. Die vie­len klei­nen Stü­cke wer­den zu grö­ße­ren Blö­cken zusam­men­ge­fasst, die dra­ma­tur­gi­sche Bögen span­neen. Aber natür­lich spie­len sie auch nicht ein­fach nur das, was Play­ford vor 350 Jah­ren druck­te – das wären näm­lich bloß die Melo­dien. „Die Band­brei­te unse­rer Arran­ge­ments reicht von kur­zen, kon­ven­tio­nel­len Har­mo­ni­sie­run­gen bis zu mini­mal-music-artig geschich­te­ten Melo­die­fet­zen und neu erfun­de­nen Melo­dien“, erklärt Wolf­gang Kat­sch­ner. „Man kann rela­tiv frei damit agie­ren, man kann die Melo­dien in unter­schied­li­che Gewän­der packen. Eine gewis­se Trans­for­ma­ti­on fin­det da schon statt. Und vor allem bleibt noch Raum für die Impro­vi­sa­ti­on: Zum Teil ver­än­dert sich das noch wäh­rend der Kon­zer­te – je nach­dem, wie unse­re Lau­ne ist, wie das Publi­kum reagiert oder was für ein Tag ist.“ So wird sich auch in Mainz ein brei­tes Spek­trum unter­schied­li­cher musi­ka­li­scher Cha­rak­te­re und Far­ben prä­sen­tie­ren – da ist er sich ganz sicher. Denn: „Es macht unheim­lich Spaß, das zu spie­len, das ist für uns ein tota­les Vergnügen.“

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