»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

eine ernste sache: motetten der bach-familie

immer wie­der erstaun­lich: die ernst­haf­tig­keit & hin­ga­be des main­zer figu­ral­cho­res – fast schon ver­bis­sen, wie sie sich den gro­ßen chor­wer­ken nähern. ein biss­chen mehr freu­de möch­te man ihnen fast wün­schen … aber dann auch wie­der nicht: so kommt man näm­lich in den genuss tol­ler kon­zer­te – auch wenn die main­zer das über­haupt nicht zu wür­di­gen wis­sen und die kir­chen­bän­ke wie­der ein­mal arg leer blieben.

Mit einem Fami­li­en­kon­zert der beson­de­ren Art begann der Main­zer Figu­ral­chor sei­ne Jubi­lä­ums­sai­son. Der nun fast 30 Jah­re alte Chor star­tet in die nächs­ten Mona­te mit einem Pro­gramm, dass aus­schließ­lich Motet­ten der Musi­ker­fa­mi­lie Bach ver­sam­mel­te. Vom Stamm­va­ter Johann Bach, dem ers­ten bekann­ten Kom­po­nis­ten der thü­rin­gi­schen Dynas­tie bis zu ihrem größ­ten Ver­tre­ter, Johann Sebas­ti­an, reich­te die Aus­wahl – alle Kom­po­nis­ten die­ser Fami­lie zu ver­ei­nen, wür­de jedes Kon­zert spren­gen. Und in St. Boni­faz war auch so schon genug zu hören. Denn dem Diri­gen­ten Ste­fan Wei­ler, der den Chor seit sei­ner Grün­dung lei­tet, ist mal wie­der ein außer­or­dent­li­ches Pro­gramm geglückt – außer­or­dent­lich in der Gestal­tung und außer­or­dent­lich in der Leis­tung des Chores.

Den Beginn mach­ten fünf- bis sech­stim­mi­ge Motet­ten der älte­ren Bach­ge­nera­tio­nen aus dem The­men­feld Tod, Ver­gäng­lich­keit und Heils­ge­wiss­heit. Mit Johann Sebas­ti­an Bachs gro­ßer Motet­te „Jesu mei­ne Freu­de“ war dann zugleich das Zen­trum des Kon­zer­tes und auch der Dreh­punkt erreicht: Nun ging es abschlie­ßend in der auch musi­ka­li­sche sehr raf­fi­nier­ten Stei­ge­rung zu dop­pel­chö­ri­gen Motet­ten um die erwar­tungs­vol­le Freu­de, den Lob­preis Got­tes – eine wir­kungs­vol­le Dra­ma­tur­gie. Vor allem, weil der Figu­ral­chor wie­der ein­mal sehr über­zeug­te. Vor allem durch sei­ne extre­me Kon­zen­tra­ti­on auf die gesam­te Musik, ihre gro­ße Form und ihr kleins­tes Detail.

weich klin­gen­der Beginn mit Johann Bachs „Unser Leben sei ein Schat­ten“, geschickt auf­ge­teilt auf den Haupt­chor und ein ver­steckt plat­zier­tes Solis­ten­quar­tett – sol­che ein­fa­chen, aber wir­kungs­vol­le ideen setzt wei­ler immer wie­der geschickt ein.

Johann Sebas­ti­an Bachs Bear­bei­tung des Cho­rals „Jesu mei­ne Freu­de“ ver­kör­per­te hier den Umschwung des ban­gen christ­li­chen Her­zens zur fes­ten Über­zeu­gung des erwar­te­ten Heils der Ewig­keit. Mit prä­gnan­ter Kraft und behut­sam gesetz­ten Momen­ten, mit der gan­zen Viel­falt der musi­ka­li­schen Rhe­to­rik, die die­sem Mit­glied der Bach-Fami­lie zur Ver­fü­gung steht, ist das dann doch deut­lich grö­ßer und genia­ler als die Musik sei­ner Vor­fah­ren. Typisch war schon der Beginn, die star­ke ana­ly­ti­sche Durch­drin­gung des Chor­sat­zes durch Wei­ler und sei­ne Sän­ger, die unbe­ding­te Gleich­be­rech­ti­gung aller Stim­men gegen­über der Melo­die – die­ses klu­ge, wis­sen­de Musi­zie­ren macht den Figu­ral­chor so anzie­hend. Auch wenn sie hin und wie­der fast zu ernst, zu kon­zen­triert erscheinen

Nach Johann Sebas­ti­an lei­tet der rasche Jubel­ge­sangs von Johann Micha­el Bachs „Sei lie­ber Tag will­kom­men“ über zu den raf­fi­nier­te­ren Freu­den­ge­sän­ger – etwa der dop­pel­chö­ri­ge Motet­te „Herr, ich war­te auf dein Heil“. Wie­der hat Wei­ler einen Chor durch Solis­ten­quar­tett ersetzt – dass er das kann, ist auch ein Zeug­nis der hohen Qua­li­tät des Cho­res. Und es ist hier ein wah­rer Genuss, wie der sanft tönen­de Chor die Solis­ten, die das Mot­to wie­der­ho­len, umschlingt und in sich auf­nimmt. Kein Wun­der, dass es dafür gro­ßen Bei­fall gab – auch wenn in St. Boni­faz vie­le Plät­ze frei geblie­ben waren.

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zeitung)

„ ‚Bindschädler, ich glaube, …

… daß uns heu­te weni­ger das Gesell­schaft­li­che zu schaf­fen macht als viel­mehr die­ses Vaku­um an Spi­ri­tua­li­tät, das uns sozu­sa­gen an den Rand eines kos­mi­schen Abgrun­des saugt’, sag­te Baur, lächelnd.“ (Ger­hard Mei­er, Boro­di­no, 114)

„Marcel Proust …

… hat Unsag­ba­res – sag­bar gemacht. Dar­an mes­se ich einen Autor. Unsag­ba­res begreif­bar machen, das tut nicht die Gesell­schaft. Und die Wirt­schaft schafft’s auch nicht.“ (Ger­hard Mei­er, Boro­di­no, 94)

jirgl erhält den feuchtwanger-preis

rein­hard jirgl, in mei­nen augen einer der ganz weni­gen ganz gro­ßen leben­den deut­schen schrift­stel­ler (in der bedeu­tung als sprach-künst­ler) erhält heu­te den lion-feucht­wan­ger-preis für his­to­ri­sche roma­ne. fast ein wenig iro­nisch, die­se aus­zeich­nung. denn auch wenn jirgls roma­ne sich the­ma­tisch mit der ver­gan­gen­heit beschäf­ti­gen (zwar nicht unbe­dingt in ers­ter linie, wie es die pres­se­mit­tei­lung der aka­de­mie der küns­te will, mit „mit hei­ßen Eisen, die sonst kei­ner anfas­sen mag“), so fällt mir ihre cha­rak­te­ri­sie­rung als „his­to­ri­sche“ roma­ne doch eher schwer. das liegt natür­lich zum einen an der form/​kategorie selbst, die ja in der regel nur ein zerr­bild ihrer selbst ist, zum ande­ren aber auch an jirgls tex­ten – denn in mei­ner lek­tü­re gibt es kaum gegen­wär­ti­ge­re tex­te als jirgls roma­ne. da ist die titu­lie­rung als „his­to­risch“ eben eher unge­wöhn­lich. die cha­rak­te­ri­sie­rung als „his­to­rio­gra­phi­sche meta­fik­ti­on“, auch wenn sie ein begriff­li­ches unge­heu­er ist, scheint mir – als ((post-)moderne) vari­an­te und fort­set­zung des „klas­si­schen“ his­to­ri­schen romans für jirgl geeig­ne­ter. aber dafür gibt es (noch) kei­ne preise.

china superior tian mu special grade

zart hell­gelb, kräf­tig schim­mern­de tas­se von vor­neh­mer bläs­se zugleich – ja, das geht. man muss es nur gese­hen haben … auch der duft ver­heißt schon gro­ßen genuss. und nicht zu unrecht wird die­ser tee von mei­nem lie­fe­ran­ten als ein „tee für lieb­ha­ber“ bezeich­net. der duft also lässt schon ange­neh­mes erwar­ten: eine leicht fruch­ti­ge noten, zart aber bestimmend.

und so schmeckt die­ser grü­ne tee auch:die zuvor hart und abwei­send stach­lig-dünn erschei­nen­den tee­blät­ter geben einen wun­der­ba­ren, fei­nen, zart fruch­tig schme­cken­den tee, der mit jeder tas­se (oder scha­le) neue nuan­cen offen­bart. der tian mu wird noch immer von hand zube­rei­tet auf den pfir­sich­blü­ten-inseln in der chi­ne­si­schen pro­vinz zhei­jiang.

Tee­an­bau

weni­ge tees sind im blatt so gleich­mä­ßig wie die­ser: die spit­zen, die aus einer frü­hen früh­jahrs­pflü­ckung stam­men, sind fast wie abge­mes­sen alle gleich lang. und die spe­zi­el­le, sehr scho­nen­de schnel­le zube­rei­tung ermög­licht die­sen luxu­riö­sen genuss.

zube­rei­tung: 15 gramm tee für 1.5 liter was­ser, bei 85 °C ca. 2:40 zie­hen lassen.

edit: die hel­le tas­sen­far­be des tees hat jetzt schon zum drit­ten mal dazu geführt, dass ich mei­ne tee­scha­le über­voll gefüllt habe ;-)

argumentieren oder nicht: soll thielemann in münchen bleiben?

joa­chim kai­ser hat sich in der heu­ti­gen sz mal wie­der zu wort gemel­det. so sehr ich auch sei­ne ver­dienst schät­ze – sei­ne schrift­li­chen ergüs­se der letz­ten jah­re sind meis­tens kaum noch les­ba­re, ver­schwur­bel­te selt­sam­kei­ten, die zwar von eini­ger bil­dung zeu­gen, in einer moder­nen zei­tung aber eigent­lich nichts zu suchen hät­ten (dass die sz sie brav wei­ter druckt, ver­ste­he ich – bei allem respekt vor sei­ner bedeu­tung für die­se zei­tung – nicht. und schon gar nicht, dass sie sie so pro­mi­nent plat­ziert.) heu­te geht es um die ver­trags­ver­hand­lun­gen mit dem diri­gen­ten chris­ti­an thie­le­mann, des­sen orches­ter ihm für eine ver­län­ge­rung sei­nes enga­ge­ments als gene­ral­mu­sik­di­rek­tor, also chef­di­ri­gent, zwei sehr ein­deu­ti­ge bedin­gun­gen gestellt hat: mehr kon­zer­te mit den münch­ner phil­har­mo­ni­kern, weni­ger – d.h. kei­nen – ein­fluss auf die pro­gramm­ge­stal­tung des gast­di­ri­gen­ten (das soll die inten­danz regeln). eigent­lich scheint das für heu­ti­ge orches­ter und deren arbeit bei­des nicht völ­lig unsin­nig, wie die redak­teu­re der sz nach eini­gen anfäng­li­chen irr­we­gen inzwi­schen auch sehen und ent­spre­chend schrei­ben. für joa­chim kai­ser gilt aber irgend­wie anderes.

denn in sei­nen heu­ti­gen aus­füh­run­gen – trot­zig über­ti­telt „Thie­le­mann muss blei­ben!“ (als hät­te kai­ser in die­ser sache etwas zu sagen …) – und mit dem hoch­stap­le­ri­schen unter­ti­tel „zum stand einer trau­ri­gen, bla­ma­blen diri­gen­ten-debat­te“ ver­se­hen schmeißt er lus­tig mit pseu­do-argu­men­ten und ver­leum­dun­gen um sich. schon der unter­ti­tel ist ja bezeich­nend: die debat­te (die gar nicht so sehr debat­te ist, son­dern in ers­ter linie eine ver­trags­ver­hand­lung zwi­schen stadt, d.h. v.a. dem münch­ner kul­tur­re­fe­ren­ten, und thie­le­mann) ist weder trau­rig noch bla­ma­bel. bla­ma­bel ist höchs­tens der umgang damit, die stän­di­ge evo­zie­rung (v.a. durch kai­ser selbst), so ein musi­ker wie thie­le­mann müss­te um jeden preis in mün­chen gehal­ten wer­den. schlim­mer fin­de ich aber, was dann in den ers­ten sät­zen zumin­dest durch­schim­mert: da legt kai­ser, immer­hin ein ador­no-schü­ler, doch sehr, sehr nahe, dass die­ser orches­ter­vor­stand (das „soge­nann­te“ konn­te er sich wohl gera­de noch so ver­knei­fen) gefäl­ligst die klap­pe hal­ten soll, froh sein soll über den star am pult und gefäl­ligst hin­zu­neh­men habe, wenn die­ser sich wie ein auto­kra­ti­scher orches­ter­herr­scher des 19. oder frü­hen 20. jahr­hun­derts geriert.

statt sich aber wirk­lich damit aus­ein­an­der zu set­zen, was das denn heißt, wenn ein orches­ter­vor­stand den ein­ge­stan­den durch­aus radi­ka­len weg geht, eine wei­ter­be­schäf­ti­gung thie­le­manns von bestimm­ten bedin­gun­gen abhän­gig zu machen, und was es ande­rer­seits bedeu­tet, wenn sich thie­le­mann – wie es momen­tan scheint – stand­haft wei­gert, dar­auf ein­zu­ge­hen, lässt sich kai­ser die rest­li­chen zwei drit­tel sei­nes (wie immer über­lan­gen) tex­tes (der übri­gens selbst nicht weiß, ob er kom­men­tar, nach­richt oder kri­ti­sche wür­di­gung sein soll – ein in sei­ner per­fi­di­zi­tät typi­sches instru­ment kai­sers), lässt sich kai­ser also mehr als reich­lich aus über den vor­wurf des ein­ge­schränk­ten reper­toires thie­le­manns aus. das geschieht aber wie­der in sehr bezeich­nen­der wei­se: ers­tens ist der vor­wurf, den kai­ser hier fin­det, so gar nicht vor­ge­wor­fen wor­den. das pro­blem ist nicht so sehr thie­le­manns beschrän­kung in reper­toire-fra­gen (auch wenn ich per­sön­lich das für arg eng hal­te), son­dern wie er damit umgeht und sein orches­ter damit umge­hen lässt. dann behaup­tet kai­ser aber, die­sem „vor­wurf“ (den er übri­gens, wie­der so eine per­fi­de masche, auf „lieb­lings­stü­cke“ bezieht …) kön­ne man eini­ges ent­geg­nen. genau das tut er dann aber nicht, son­dern behaup­tet es nur. er führt dann erst ein­mal aus, dass ande­re gro­ße inter­pre­ten, v.a. arthur rubin­stein, auch nur wenig gespielt hät­ten. na und? er hät­te sich bes­ser ein­mal die diri­gen­ten der letz­ten 30–50 jah­re ange­schaut. dort ist sol­che ein­schrän­kung näm­lich eher sel­ten gewor­den, scheint mir (und auch bei den instru­men­ta­lis­ten inzwi­schen durch­aus nicht mehr so prä­gend – bren­del ist da in sei­nen spä­ten jah­ren schon eher eine aus­nah­me). so, das war die ers­te hälf­te des tex­tes. statt aber noch mehr des „eini­ges“ anzu­füh­ren, zeigt kai­ser lie­ber, dass er thie­le­mann schon öfters gehört hat und dass der ganz toll diri­gie­ren kann – geschenkt, das bestrei­tet ja nie­mand. strit­tig ist ja nur die fra­ge, ob dar­aus, näm­lich der bega­bung für die inter­pre­ta­ti­on eini­ger ästhe­ti­scher wer­ke, schon die berech­ti­gung abzu­lei­ten ist, dass man als auto­ri­tä­rer sach­wal­ter über ein orches­ter, d.h. ande­re men­schen, ver­fü­gen und bestim­men darf. dazu schweigt kai­ser aber ausdauernd.

er kommt statt des­sen zu einem ziem­lich wei­chen fazit: „Sol­che Ereig­nis­se [Thie­le­manns bes­se­re, d.h. gelun­ge­ne Inter­pre­ta­tio­nen] aber sind es, die eigent­lich erst begrün­den, war­um es einen hoch­sub­ven­tio­nier­ten, in jeder Wei­se ‚teue­ren’ Musik­be­trieb über­haupt geben soll­te.“ – da hät­te er bes­ser noch ein­mal drü­ber nach­ge­dacht: denn ers­tens bestrei­tet das (in die­ser debat­te) ja nie­mand, dass es den musik­be­trieb geben soll­te (die offen­bar nicht unbe­trächt­li­chen hono­rar­for­de­run­gen thie­le­manns sind ja gar nicht gegen­stand der kon­tro­ver­se – obwohl man da, in zei­ten der ver­su­che, ver­gü­tun­gen der frei­en wirt­schaft legis­la­tiv zu regeln, auch mal drü­ber nach­den­ken könn­te …). zwei­tens wäre ja, wenn kai­sers fazit so ein fazit wäre, noch über­haupt nichts dazu gesagt, ob man – und auch ob Thie­le­mann – sol­che momen­te höchs­ter erfül­lung (die gewiss eini­ges an pein auf­wie­gen) nur erreicht, wenn man wei­ter das ego eines auto­kra­ti­schen diri­gen­ten päp­pelt oder ob es nicht auch ande­re, kom­mu­ni­ka­ti­ve­re wege dazu gibt. die empi­rie, z.b. in ber­lin, zeigt, dass der „neue“ weg, die abkehr vom diri­gen­ten­herr­scher, kei­nes­wegs dem ästhe­ti­schen glück ent­ge­gen ste­hen muss.

durch die rheinhessischen weinfelder

das lie­ge­rad ist frisch repa­riert und wie­der ein­satz­fer­tig. also muss­te es stan­des­ge­mäß aus­ge­führt und die neu­en kur­beln und ket­ten­blät­ter getes­tet wer­den. dafür bin ich heu­te vor­mit­tag ein­fach mal los­ge­fah­ren – noch ohne genau­en plan, was kom­men soll­te und wo ich rum­kur­ven woll­te. klar war nur, zunächst geht es rheinaufwärts.da ich aber den rich­ti­gen moment für den ein­stieg in den rad­weg wie­der ver­passt habe, bin ich bis nier­stein vor­wie­gend stra­ße gefah­ren. da war wenigs­tens der unter­grund in ord­nung … dann ging es aber mehr oder wenig rich­tig auf dem „offi­zi­el­len“ rad­weg wei­ter. in gun­ters­blum hat mir das dann erst ein­mal gereicht, vor allem nach dem ewi­gen kreuz und quer gegur­ke durch oppen­heim und dien­heim. also ver­ließ ich, nach eini­gen ver­ge­wis­sern­den bli­cken auf die kar­te, in gun­ters­blum den rad­weg und fuhr auf den land­stra­ßen durch wei­ter durch die kürz­lich gele­se­nen oder bald zu lesen­den wein­fel­der (mit dem ent­spre­chen­den geruch wild ver­gä­ren­der wein­trau­ben) weg vom rhein. der plan war jetzt, in einem grö­ße­ren bogen durch die rhein­hes­si­schen hügel wie­der zurück nach mainz zu fin­den. das hat auch ganz gut geklappt ;-). der weg führ­te mich über uel­vers­heim und wein­ols­heim nach kön­gern­heim, im ste­ti­gen auf und ab dann über sel­zen nach mom­men­heim und harx­heim – lau­ter klei­ne, ziem­lich typi­sche dör­fer: mit den gro­ßen wein­bau­ern­hö­fen an der haupt­stra­ße, teil­wei­se ziem­lich mäch­ti­ge gebäu­de, alles immer schön ummau­ert, kei­ne bau­lü­cke im gan­zen ort … und zwi­schen den orten die hier typi­schen stra­ßen: schnur­ge­ra­de bis zur nächs­ten kup­pe, dann eine klei­ne bie­gung und wie­der schnur­ge­ra­de in den nächs­ten ort. da brau­chen die stra­ßen­äm­ter eine men­ge über­hol­ver­bots­schil­der – immer erst ein­mal set­zen, dann immer­hin das über­ho­len von trak­to­ren gestat­ten, vor kup­pe und kur­ve die aus­nah­me aber jedes mal wie­der recht­zei­tig auf­he­ben … erstaun­lich, wie vie­le über­land­bus­se hier unter­wegs sind – das wun­dert mich immer wie­der. auch wenn sie meist nicht beson­ders gut aus­ge­las­tet sind. dafür sind die stra­ßen natür­lich auch hier voll mit autos, die eine oder maxi­mal zwei per­so­nen beför­dern. dafür aber unbe­dingt deut­lich mehr als 100 ps benö­ti­gen. zum glück hat­ten die aller­meis­ten (eigent­lich mit nur einer aus­nah­me) genü­gend ver­stand, mich mit gehö­ri­gem abstand zu über­ho­len. kurz nach dem ich gau-bischofs­heim streif­te, bog ich wie­der auf den rad­weg in rich­tung mainz ab. der führ­te auch tadel­los bis hechts­heim, wo er an und um die auto­bahn­bau­stel­le dann aber im nichts ver­schwand. aber jetzt wuss­te ich ja auch wie­der so unge­fähr bescheid und mit eini­gen klei­nen abwei­chun­gen fand ich auch gut wie­der zurück ins main­zer zentrum.

Buchstabensuppe #1

  • Schutt­el­ser­vice
  • Knei­pen mit Kids

„Wer Angst hat, irrt.“

(Rai­nald Goetz, Kla­ge, 352)

romantische englische kammermusik – ja, das gibt es

der beweis dazu: das ers­te kon­zert der main­zer rat­haus­kon­zer­te in die­ser spiel­zeit am 11. sep­tem­ber. hier mei­ne aus­füh­run­gen für die main­zer rhein-zeitung:

Es war eine ein­ma­li­ge Gele­gen­heit, den Musi­kern ein­mal so rich­tig nahe zu kom­men. Denn bei den Main­zer Rat­haus­kon­zer­ten gibt es weder Büh­ne noch Orches­ter­gra­ben. Im Gegen­teil, das Ensem­ble sitzt ganz unten – in der run­den Mit­te des Rats­saa­les näm­lich. Und wäh­rend es sich das Publi­kum hin­ter den Tischen und Mikro­fo­nen in den Dreh­stüh­len bequem mach­te, muss­te das Eng­lish Pia­no Trio sich umrun­det von neu­gie­ri­gen Ohren und Augen der Musik hin­ge­ben. Wer woll­te, konn­te so den Instru­men­ta­lis­ten also über die wort­wört­li­che Schul­ter schau­en und gleich noch die Noten kon­trol­lie­ren. Nicht, dass das not­wen­dig gewe­sen wäre. Denn das Eng­lish Pia­no Trio, aus der Main­zer Part­ner­stadt Wat­ford kom­mend, besteht aus ech­ten Voll­blut­mu­si­kern. Und sie sind schon so lan­ge zusam­men – über zwan­zig Jah­re musi­zie­ren sie inzwi­schen gemein­sam – dass sie sich offen­bar blind ver­ste­hen: Da muss nie­mand Hin­wei­se geben, da muss kei­ner sich sei­ner Mit­strei­ter ver­ge­wis­sern, schnell noch einen Blick auf die Gei­ge­rin wer­fen oder den Pia­nis­ten bestä­ti­gend anvi­sie­ren. Nein, die­se drei fin­den auch ohne all das zu einer har­mo­ni­schen, aus­ge­gli­che­nen Balance.

Für das ers­te dies­jäh­ri­ge Rat­haus­kon­zert haben sie ein Pro­gramm zusam­men­ge­stellt, dass vor­wie­gend eng­li­sche, mehr oder weni­ger bekann­te Kam­mer­mu­sik ent­hielt. Kon­ti­nen­tal war eigent­lich nur die Eröff­nung mit Haydns spä­tem C‑Dur-Kla­vier­trio Nr. 35. Das absol­vier­ten sie sehr gelas­sen, mit dem not­wen­di­gen Mut zur empha­ti­schen Grö­ße und zau­bert so eine ent­spann­te, sanft und leicht flie­ßen­de fei­ne Triomusik.

Immer, wenn sie ganz auf sich selbst gestellt waren, bevor­zug­ten sie die­ses Vor­ge­hen: Etwa auch bei Fran­cis Edward Baches Kla­vier­trio, einem genia­len Wurf eines roman­ti­schen Jüng­lings. Fast noch zurück­hal­ten­der und beschei­de­ner trat das Eng­lish Pia­no Trio aber immer dann auf, wenn die Sopra­nis­tin Yvonne Howard das Ensem­ble ergänz­te. Sie sang, mit deut­lich opern­haf­ten Ges­tus und Stim­me, eini­ge Lie­der von Edward Elgar – natürlich.

Aber dane­ben auch eini­ge, fast über­ra­schend klar arti­ku­lier­te deut­sche Ver­to­nun­gen von Bache, der zwar nicht ganz an Schu­manns Grö­ße heran­langt, bei glei­chen Tex­ten aber den­noch zu anmu­ti­gen, anspre­chen­den Ver­to­nun­gen kam. Und Howard macht das mit Timo­thy Raven­scroft am Kla­vier mit inni­ge Hin­ga­be deutlich.

Über­zeu­gen­der noch gelan­gen aller­dings die „Paläs­te des Win­des“, wie ein dem Trio gewid­me­tes Werk des Eng­län­ders Joseph Phibbs heißt, das hier in Mainz sei­ne deut­sche Erst­auf­füh­rung erfuhr. Der Text ist zwar nur ein eph­eme­res Lie­bes­ge­dicht, aber in Kom­bi­na­ti­on mit der atmo­sphä­risch dich­ten, nur sehr ver­hal­ten modern anmu­ten­den Musik immer­hin nahe­ge­hend und durch­aus bewe­gend. Das pass­te wun­der­bar in den den schö­nen, trotz der eigent­lich unvor­teil­haft direk­ten Akus­tik des Rats­saa­les sogar aus­ge­spro­chen inti­mer Kam­mer­mu­sik­abend, mit dem die „neu­en“ Rat­haus­kon­zer­te eröff­net wurden.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung)

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