Kam eine rote Wolke gezogen, Entstürzten ihr drohend Gestalten, Wir riefen, um sie aufzuhalten, schon war sie durch uns geflogen Und hinterließ einen Brandgeruch, Bestürzung rinsum wie nach einem Fluch,
und dann war Krieg.
Die Träume sind aus uns getreten, Sie zeigen fletschende Zähne und winken, Wir mochten in die Kniee sinken, Die Angst und Wut in Ruh‘ zu beten. Die wachen Träume haben uns umringt, Wir hören, noch fremd, die eigene Stimme, die singt:
Gleich zwei Anthologien mit deutscher Lyrik aus der Zeit des Ersten Weltkriegs sind zufällig fast zusammen bei mir aufgeschlangen: Florian Voß’ Sammlung „Weltkrieg! Gefallene Dichter 1914–1918″ und „Die Dichter und der Krieg“, ein von Thomas Anz und Joseph Vogl herausgegebenes Reclam-Bändchen.
Auch wenn mir die im Allitera-Verlag erschienene Edition zunächst sehr gut gefallen hat: Anz & Vogl liefern die bessere Anthologie. Dabei sind die beiden Bände ganz unterschiedlich angelegt und durchaus auch beide verdienst- und wertvoll. Aber trotzdem empfehle ich das Reclam-Heft eher – nicht nur wegen des besseren Preis-Leistungsverhältnisses (7,4 Cent pro Gedicht vs. 19 Cent). Anz & Vogl haben allerdings auch einen anderen Anspruch. Während Voß nur Dichter berücksichtigt, die im Krieg umgebracht wurden und auch diese personale Auswahl noch ästhetisch weiter einschränkt:
Ich habe in dieser Anthologie ausschließlich deutschsprachige Lyriker versammelt, die der Moderne zugehörig und zudem im Ersten Weltkrieg gefallen sind oder an dessen Folgen starben. Lyriker‚ die in ihren Gedichten den Krieg verherrlichten, wurden von mir nicht in Betracht gezogen. (64)
Dagegen bemühsen sich Anz & Vogl um große Bandbreite, mögliche Repräsentivität der „Literaturlandschaft“ bzw. der deutschsprachigen Lyrikproduktion zwischen 1914 und 1918. Natürlich legen sie auch ästhetische Kriterien an (die sie im Gegensatz zu Voß freilich nicht deutlich offenlegen) und natürlich bleibt die Auswahl – bei so knappem Umfang (1982 hatten die beiden Herausgeber das gleiche Thema schon einmal ausführlicher bearbeitet), der bei beiden Sammlungen den Abdruck von etwas mehr als 50 Gedichten ermöglichgt – problematisch. Aber die Übeschneidungen sind gering: Zwei Gedichte finden sich in beiden Sammlungen, Kurd Adlers „Geschütz“ und Georg Trakls „Grodek“ – beides natürlich auch Gedichte, die man nicht einfach auslassen kann. Noch ein kleiner Punkt gefällt mir bei Reclam besser: Jedes Gedicht hat einen Quellennachweis – bei Voß gibt es das überhaupt nicht. Und das Nachwort von Anz und Vogl ist auch deutlich substanzieller als das von Voß.
Dafür kann Voß für sich geltend machen, mehr von den (fast) vergessenen Dichtern (bei ihm kommen naturgemäß keine Frauen vor, bei Anz & Vogl sind immerhin drei Dichterinnen aufgenommen worden) zu zeigen: Kurd Adler eben, aber auch Hans Ehrenbaum-Degele oder Georg Hecht und Walter Ferl, um nur einige wenige zu nennen.
„Die Dichter und der Krieg“ ist dagegen deutlich vielfältiger: In den thematisch gegliederten Kapiteln – z.B. „Beginn“, „Krieg und Kunst“, „Kriegsmaschinen“, „Vaterland – Menschheit“ und „Schuld und Trauer“ – sind eben auch kriegsbegeisterte Lyriker vertreten und auch propagandistische Verse wie Ernst Lissauers „Haßgesang gegen England“ oder Will Vespers „Liebe oder Haß?“ sind abgedruckt. Aber obwohl alle drei Herausgeber auf ein ungeheuer großes Lyrikrepertoire zurückgreifen können – während des Krieges erlebte die Versdichtung eine enorme Konjunktur – sind in beiden Auswahlbänden nur ganz wenig bekannte Gedichte vertreten, die auch unabhängig von Kriegsjubiläum und Erinnerung noch gelesen werden. Ich vermute, dass hängt einerseits mit ästhetischen Gründen zusammen – vom frühen Expressionismus, der modernen Literatur überhaupt der 1910er und 1920er Jahre wird heute nur noch wenig rezipiert -, hat andererseits sicherlich aber auch thematische Gründe: Kriegsdichtung (oder auch Antikriegsdichtung) entspricht nur bedingt dem heute vorherrschenden Anspruch an Lyrik und ihre Themen … Das beides zu ändern, dazu sind diese zwei Sammlungen zur Lektüre unbedingt zu empfehlen.
Rudertrainer, dachte Matti: der einzige unwürdige Beruf hier auf dem Wasser, denn ob man Fischer war, oder Stegmacher, oder Fahrrinnenbaggerführer, man mußte beständig und hart zugreifen, um das Seinige zu tun; das einzige aber, wonach so ein Rudertrainer zu greifen hatte, war dieser Trichter, der, aus der Ferne gesehen, dem Kopf etwas Mißgebildetes gab, ein widerwärtiger Auswuchs war das, ein vorgestülpter Schlund, in dem noch das gewöhnlichste Wort mit einem rabenartigen Krähen und Krächzen behängt wurde. Theoretisch war Matti durchaus bewußt, daß diese Männer, denen er da und dort immer wieder begegnete, auch Trainingspläne erstellten und Wettkampfstrategien entwarfen, daß sie wahrscheinlich sogar eine spezielle Klugheit besaßen, aber so wie sie sich ihm hier auf dem Wasser zeigten, erschienen sie ihm wie Schinder und Schmarotzer, wie Nachfahren jener salz- und seelenverkrusteten Antreiber, die einstmals auf den Galeeren der Weltmeere zugange gewesen waren.
In London. Wo die Museen umsonst waren. Dass das ein Luxus war. Und dass alle Museen in der ganzen Welt gratis sein mussten. Sonst waren sie gar keien Museen. Dass nur ein Museum ein Museum | war, wenn es keinen Eintritt kostete. Dass nur in so einem Museum die Kunstwerke Kunst blieben. Wenn man zahlen musste, dann musste die Kunst gleich wieder etwas leisten. Dann wurden die alten Mechanismen wieder eingesetzt und Wunscherfüllungen eingekauft. Bezahlung. Das gab den Dingen Sinn. Den falschen Sinn, aber Sinn. Dann war die Sinnlosigkeit von Kunst verloren. Und nichts blieb.
Jörg Fauser in der heute etwas seltsam anmutenden Sendung „Autor Scooter“ (mit dem damals noch halbwegs erträglichen Hellmuth Karasek) über sich, sein Schreiben und so weiter – der Autor als selbsternanntes „Mitglied der Agentur für Sprache und Zweifel“ spricht:
Den Schriftsteller, der nicht gelesen wird, halte ich für eine pathetische und sinnlose Figur.
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schön auch, wie Karasek mit seinem romantisch-genialen Autorbegriff auf Jörg Fausers wesentlich handfesterem, handwerklichen Autor-Ich („writing is my business“) trifft …
Es wird mal wieder höchste Zeit für die nächste Aus-Lese …
Benjamin Stein: Das Alphabet des Rabbi Löw. Berlin: Verbrecher 2014. 286 Seiten.
Das Alphabet, ganz frisch vom Verlag, ist dennoch schon einige Jahre alt: Denn Stein legt hier ein Überarbeitung seines Erstlings vor. Das ist eine sehr aufwändig konstruierte, vertrackte Geschichte, die ich jetzt gar nicht rekonstruieren (oder gar nacherzählen) möchte – und wohl auch kaum noch könnte. Was mich wieder einmal überzeugt und beeindruckt hat, ist das Erzählen des Erzählens als Thema selbst, mit dem fast schon obligatorischen Verwischen von Erzähltem und Realität, bei dem die Grenzen zwischen erzählendem und erzählten Ich schnell überwunden (bzw. unkenntnlich gemacht) werden. Wo das Wirkliche unwirklich wird (zu werden scheint) – und die Phantasie auf einmal real: Da ist man in einem Text von Bejamin Stein. Seraphin mit Seelen aus Feuer tauchen hier auf, Selbstentzündungen der untreuen Liebhaber – überhaupt brennt hier ziemlich viel -: Engel, Golem und Rabbis, Worte und Namen und ähnliches bevölkeren dieses amüsante Verwirspiel auf vielen Ebenen der Erzählung und der Wirklichkeit (aber ist eine Wirklichkeit, in der es Engel gibt, Menschen, die selbst entzünden, Wiedergeburt/-erscheinen nach mehreren hundert Jahren als identische Person, ist so eine Wirklichkeit überhaupt „wirklich“?), angereichert mit religiösen Themen (und einigen Kuriosa, zumindest für mich, der ich mich in der jüdischen Religion so gar nicht auskenne). Und wie in Agententhrillern/-filmen/-serien wird sozusagen im nachhinein immer noch eine Ebene der Täuschung/Illusion/Erzählung/Fiktion eingebaut, die jeweils erst sichtbar wird, in dem sie zerstört wird, aufgelöst wird – und entsprechend rückwirkend den ganzen Text auflöst, entkernt, … Das ist ein alter Erzählertrick, gewiss, den Stein hier aber durchaus nett umsetzt. Manche Passagen sind für meinen Geschmack etwas krimihaft, manchmal auch etwas argl plauderend erzählt, zu sehr darauf angelegt, gemeinsame sache mit dem Leser machen. Mit Rationalität allein wird man diesem Buch über Engel, das zugleich ein vertrackter Mehrgenerationen-Familiengeschichte(n) im 20. Jahrhundert ist, in der alle mit allen zusammenhängen, kaum gerecht. Und sehr schön ist es übrigens auch, mal wieder ein in Leinen gebundenes Buch in der Hand zu haben – das liegt da gleich ganz anders …
Was weißt du schon? erwiderte die Stimme. Und das war der Satz, den er von nun an immer wieder hören sollte: Was weißt du schon? Sei nicht dumm. Es gibt ein Bild hinter dem Spiegel und eine Stadt tief unter dir. Es gibt Engel, die werden als Menschen geboren, und Menschen, die gehen in Flammen auf, weil die Buchstaben keck ihre Plätze tauschen und die Welt auf den Kopf stellen, nicht mehr als ein Spiel. (201f.)
Friedhelm Rathjen: Arno Schmidt lesen! Orientierungshilfe für Erstleser und Wegweiser im Literaturdschungel. Südwesthörn: Edition ReJOYCE 2014. 168 Seiten.
Ein schöner, kurzer und knackiger Überblick aus der Rathjen-Werkstatt: Zugleich eine ganz kurze Einführung in die Biographie Schmidts und ein Überblick über sein Schaffen. Das geschieht vor allem im Modus der Kurzcharakteristik aller Werke, die Rathjen chronologisch abhandelt und so zugleich auch ein bisschen Rezeptionsgeschichte – vor allem für die nachgelassenen Publikationen und Edition – bietet. Dazu gehört, den jeweiligen Werken zugeordnet, ein doch recht ausführliches Verzeichnis der (wichtigen?) Sekundärliteratur – leider ohne Kommentar und deshalb also ein doch nicht ganz so potenter „Wegweiser“. Als Hilfsmittel und Anregung für den (noch) nicht vollständigen Schmidtianer ist Arno Schmdit lesen! aber trotzdem nützlich, auch wenn für meinen Geschmack die Textlein zu den Werken manchmal doch arg kurz geraten sind. Doch weil Rathjen ein guter Kenner des Schmidtschen-Kosmos ist, hat das Büchlein durchaus seinen Wert, der naturgemäß für Schmidt-Kenner geringer ist als für Novizen.
Ilma Rakusa: Einsamkeit mit rollendem »r«. Erzählungen. Graz: Droschl 2014. 158 Seiten.
In Kürze: Ganz tolle Erzählungen sind hier zu finden, unbedingt empfehlenswert – wenn man kleine Geschichten zwischen Reportage und Momentaufnahme aus der Fremde Europas mit einem Hang zu leichter Melancholie und Traurigkeit mag. Meist geben sie kurze Einblicke in Leben und Charakter einer Person (die den Titel der jeweiligen Geschichte bildet), oft durch eine nahestende Erzählerin, einen Freund etwa. Das hat oft etwas von einer Pseudo-Reportage, wie es etwa eingearbeitete Zitate der Protagonisten einer Erzählung zur Darstellung ihres Hintergrunds, ihrer Geschichte nutzt, als stammten sie aus einem Gespräch. Dazu passt auch die Schlichtheit der Sätze – zumindest syntaktisch, lexikalisch ist das durchaus kunstvoll: Daher kommt auch der lyrische, oft leicht schwebende Ton der Erzählerinnen aus der Feder Rakusas.
Immer wieder werden beschädigte Leben erzählen: Heimatverlust oder überhaupt Heimatlosigkeit, das (ewige) Weiterziehen, die Suche nach einem Platz/Ort (nicht nur, aber auch geographisch) im Leben bestimmen den Weg der Protagonisten, die ganz überwiegend suchend sind, sich auf dem Weg beinden, immer unterwegs – nach Leben, Sinn etc., auch nach Erleuchtung (mehrmals suchen sie die ganz plakativ in Indien): entwurzelte Menschen der Moderne zeigt Rakusa uns. Momentan oder zeitweise, vorübergehend kann die Einsamkeit aufgehoben oder suspendiert werden – in Freundschaft(en) und Liebe etwa, wobei die Enthebung aus der Einsamkeit immer als solche, als nicht dauernde Erleichterung, auch wahrgenommen und erkannt wird: Das Bewusstsein der Endlichkeit der „Geselligkeit“ ist immer vorhanden, ihre Fragilität gewusst. So spielen sich in den Figuren Drama und Trauma der Gegenwart ab: Kapitalismus, Krieg und Krankheiten als Verursacher der „Störung“. Und: Europa außerhalb Deutschlands/Mitteleuropa wird gezeigt, mit Krieg und Kriegsfolgen, Armut, Leere, Verzweiflung, Leid, Trauer und Traurigkeit – ohne deshalb total schwarz zu sein, grundiert diese dunkle Erfahrung doch nicht nur das Leben der Protagonistinnen, sondern auch den Ton der meisten Erzählungen: dunkel, aber nicht depressiv; hart, aber nicht verzweifelt. Auch die Orte sind keineswegs alles Idyllen: Koljansk etwa wird als reiner Höllenort erzählt: Trostlos, aussichtslos, rettungslos: „Ein Punkt, der bald verschwunden sein wird. Dort.“ (158) – das sind zugleich die letzten Worte des Buches – die dem Ganzen noch einemal einen etwas überraschend düsternen, trostlos-grauen Dreh geben
Wie geht das: im Leben eine Seite umwenden? Aussteigen, weggehen, auf nichts hoffen als auf die Richtigkeit der Entscheidung. (73)
Wir waren kurz sehr lange weg gewesen. (79)
Tim B. Müller: Nach dem Ersten Weltkrieg. Lebensversuche moderner Demokratien. Hamburg: Hamburger Edition 2014. 174 Seiten.
Demokratien sind labile Gebilde, Dauerhaftigkeit gibt es nicht, die Demokratie muss immer neu hergestellt werden. Deswegen benötigen sie Entscheidungen, Reagieren – und Entwicklung, sie verzeihen aber auch Fehler. Ganz besonders gilt das für Momente der Krise. Müller zeigt das anhand „der“ Krise der modernen Demokratien nach dem Ersten Weltkrieg am Ende der 1920er Jahre, im Umfeld der Wirtschaftskrise. Dabei zeigt Müller auch, wie eng soziale Demokratie (mit ihrer Umverteilung (die aus dem Gleichheitspostulat resultiert), also der „Wohlfahrtsstaat“ und demokratische Organisation sowie Gesinnung (der Bevölkerung) im 20. Jahrhundert in Europa (und den USA) zusammenhängen.
Demokratie will Müller verstanden wissen als Prozess, ständige Diskussion, Vergewisserung und Anpassung sind notwendig und wesenhaft. Das geschieht nicht in allen Ländern und Gesellschaften gleichzeitig und auf gleiche Weise. Für Deutschland stellt er etwa fest:
Demokratie als Kultur und Lebensweise musste in Deutschland mit besonderem Nachdruck verankert werden, weil Kriegsverlauf und Niederlage eine schwierige Ausgangslage geschaffen hatten: Die Kriegsniederlage führte zur Demokratie, was die Demokratie belastete. (81)
Und später heißt es:
Es bedurfte einer gewaltigen Erschütterung, um dieses Gefüge ins Wanken zu bringen. Die Weltwirtschaftskrise ließ die Entwicklung, die den Zeitgenossen seit dem Ersten Weltkrieg unaufhaltsam erschienen war, stillstehen. Das war nicht der Untergang. Aber die Routinen und Konventionen der Demokratien, die auch unter großem Druck so lange so gut funktioniert hatten, gerieten ins Stottern. Jetzt kam es auf kluges Regieren an, jetzt konnte jeder falsche Schritt in den Abgrund führen, jetzt waren antidemokratische Kräfte und Traditionen imstande, zur Bedrohung zu werden. Die liberale und soziale Demokratie war nicht am Ende. Sie ging sogar gestärkt aus der großen Krise hervor. Nur nicht in Deutschland. (112f.)
Das ist genau der Punkt, um den dieser Essay kreist: Die Entwicklung der Geschichte war – auch in Deutschland – keine zwangsläufige, der Weg aus der Krise hätte auch anders aussehen können. Versagen sieht Müller hier vor allem bei Brüning, dem er bescheinigt:
Vom Blickwinkel der Geschichte der Demokratie aus war es nicht diese oder jene Maßnahme der Brüning-Regierung, die den Untergang der Demokratie einleitete, nicht das Sparen selbst, sondern ein fundamentales intellektuelles Versagen, die Unfähigkeit, Politik in einer der Demokratie angemessenen Komplexität zu denken. (120)
Die Modi, Lösungen oder Strategien zur Bewältigung der Krise der Demokratie, darauf weist Müller ausdrücklich hin, hätten aber gerade das zur Bedingung gehabt: Die Beherrschung des „Theaters der Demokratie“ (127) – das scheint für Müller nicht nur der/ein wesentlicher Unterscheid zwischen Brüning und Roosevelt zu sein, sondern ein wesentliches Element erfolgreicher Krisenbewältigung. Zumindest kann man sein Lob von Roosevelts „demokratische[m] Experimentieren“ (129), das Müller wohl als angemessenstes Verfahren, die Krise zu be-/überwältigen, ansieht, so sehen.
Im Grunde ist das auch schon ein wesentlicher Teil des Hauptarguments: „Wirtschaftswachstum, Wohlfahrtsstaat und Demokratie waren unauflöslich miteinander verwoben.“ (138f.). Und da sind, gerade in Krisenzeiten, für Müller handelnde Personen gefragt, Individuen (hier eben Politiker (& Keynes ;-))), die diese Komplexität erkennen und zugleich im demokratischen Diskurs (dem „Theater“) angemessen argumentieren können. In allen seinen Beispielen macht Müller Aktive aus, die die Demokratie „retten“ (oder im falle Brünings, eben nicht). Angelegt ist das dabei durchaus in Strukturen, aber die Notwendigkeit der/einer Entscheidung und – das ist im demokratischen Handeln eben immer genauso wichtig – des Überzeugens bleibt (als vornehmlich individuelle Leistung!).
Als konkrete Überlebensstrategien von Demokratien identifiziert Müller dann vor allem drei Momente: Erstens die „soziale Stabilisierung durch Sozialpolitik“ (das heißt auch, in wirtschaftlichen Krisenzeiten die staatlichen Investitionen auszuweiten statt blind zu sparen), zweitens die „politische Integration durch demokratisches Pathos, durch Partizipation und Mobilisierung der Bürger“ und drittens eine Wirtschaftspolitik mit intensivem eingreifen in ökonomische Strukturen, „ohne Rücksicht auf ökonomische Effizienz“, d.h. hier v.a. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (152). Das kann man übrigens, so deutet Müller sehr vorsichtig an, durchaus auch für die gegenwärtige Krise als Lösungsfaktoren annehmen … Über alle Krisen hinaus aber gilt:
Demokratien mussten sich ihrer ständigen Gefährdung auch in guten Zeiten bewusst bleiben. Unter allen Umständen galt es, ihr zivilisatorischen Minimum zu bewahren. (152)
Alexander Gumz: ausrücken mit modellen. Berlin: kookbooks 2011. 88 Seiten.
Seltsam: das fesselt oder berührt mich so gar nicht – ohne dass ich sagen könnte, warum. Irgendwie zünden die Bilder nicht, die Sprache (Stil und Form) setzt sich nicht fest, die Inhalte interessieren mich nicht. Die Formlosigkeit (gerne in langen Zweizeiler) ist zwar irgendwie gefühlt kookbooks-typisch, aber ich erkenne nichts, was die Texte für mich interessant machte. Vielleicht braucht’s nochmal eine Re-Lektüre in ein paar Wochen – wer weiß, möglicherweise sieht der Leseeindruck dann schon ganz anders aus …
Nette Momente hat das nämlich schon – zum Beispiel im ersten Zyklus, „zerbeultes gelände“: Der Wald, der wie auf Drogen scheint. Überhaupt spielen Zeichen (in) der Natur eine Rolle: das heißt nicht zufällig „zerbeultes gelände“, geht es doch immer wieder um die Einwirkung und die Eingriffe der Menschen in die Natur bzw. den Wald. Aber dann lese ich eben auch vieles, was mir nur seltsam und gewollt erscheint: wie gesagt, die Resonanz fehlt bei mir (was durchaus an diesem spezifischen Leser liegen kann): das sind nur lose gereihte gewollte Bilder für mich, nach den ersten Seiten ist aber auch dieser Reiz weg.
wir lehnen an der grenze zum gewitter, schütteln die köpfe.
unter unseren füßen dehnt sich der steg. (11, zerbeultes gelände)
Christoph Bangert: War Porn. Heidelberg, Berlin: Kehrer 2014. 189 Seiten.
Ein hartes, sehr hartes und grausames Buch. War Porn sammelt Kriegsfotografie aus Irak und Afghanistan vor allem, die in Zeitungen und Zeitschriften nicht gedruckt wird. Sie zeigt nämlich vor allem die Opfer, die Reste, die von Menschen manchmal nur noch übrig bleiben, nach dem der Krieg über sie hinweg gegangen ist. Aber das ist eben auch eminent wichtig, so etwas zu sehen, sich selbst zuzumuten – Krieg, Gewalt passiert ja nicht einfach, sondern wird gemacht. Von Menschen. Überall und immer wieder. Daran muss man erinnern: wie das aussieht – abseits der schicken Kampfjets oder der harmlos verniedlichten „Drohnen“. Klug ist das insofern, als Bangert sehr wohl um die „Normalität“ seiner Bilder weiß: Die sind – und das gilt eben leider auch für das dargestellte – keineswegs außergewöhnlich. Ungewöhnlich ist nur, dass sie gezeigt werden. Das – als Buch – zu loben, hat einen bitteren Beigeschmack: Denn das ist zwar durchaus ein schönes Buch, schöner wäre es aber, wenn es War Porn gar nicht gäbe.
What you see in this book is my personal experience. And in a way it’s yours, too, because these things happened in your lifetime. You as a viewer are complicit. (3)
außerdem:
Peter Weiss, Ästhetik des Widerstands – großartig und erschlagend, fesselnd und langweilend ohne Ende (je nach dem, wo man gerade ist – im 2. Buch hatte ich ganz schöne Durchhänger …)
Johann Beer (das „Tagebuch“, Jucundi Jucundissimi wunderliche Lebens-Beschreibung u.a.)
Christian Reuter, Schmelmuffskys wahrhafftige curiöse und sehr gefährliche Reisebeschreibung zu Wasser und Lande
Joseph Roth, Das falsche Gewicht. Die Geschichte eines Eichmeisters
Jan Keupp, Jörg Schwarz: Konstanz 1414–1418. Eine Stadt und ihr Konzil. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2013. 213 Seiten.
Eine – vor allem im ersten Teil von Jörg Schwarz – sehr gut zu lesende Darstellung für Nicht-Experten des späten Mittelalters. Die erste Hälfte befasst sich mit dem eigentlichen Konzil, der Auflösung des großen abendländischen Schismas, bei dem aus drei Päpsten wieder einer wurde und nebenbei unter anderem noch Jan Hus verbrannt wurde. Das ist solide gemacht, geht aber naturgemäß nicht allzu sehr in die Tiefe. Im zweiten Teil geht es dann in der Darstellung von Jan Keupp um Konstanz selbst: Die Stadt, ihre Bürger, ihre Politik, ihre Wirtschaft. Das franst dann ein bisschen aus, der Themenstrauß wird arg bunt und es wirkt etwas oberflächlich und zufällig, die stärkere Kohärenz des ersten Teils wird nicht mehr erreicht. Das ist weniger ein Problem von Keupp, auch wenn er nicht ganz so ein guter Erzähler ist wie Schwarz (der manchmal freilich arg suggestiv schreibt), sondern eines der Sache – die ist einfach so vielfältig, dass sie nur durch den Ort der Überlieferung – Konstanz eben – zusammengehalten wird. Durch reichhaltige Quellenzitate (meist übersetzt), vor allem aus den Rats- und Gerichtsakten, wird das recht lebendig. Leider ist aber überhaupt kein Zitat nachgewiesen – das finde ich dann doch immer schade, weil es die Benutzbarkeit natürlich enorm einschränkt.
Pierre Bertaux: Hölderlin und die Französische Revolution. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1969. 188 Seiten.
Ein Klassiker der Hölderlin-Forschung, der zu seiner Zeit, bei seinem ersten Erscheinen, ziemlich für Aufruhr sorgte. Denn Bertaux geht es darum, zu zeigen, dass Hölderlin Jakobiner – also Anhänger der Französischen Revolution war – und, das ist das wichtige an seinem Buch, dass sich das auch in der Dichtung Hölderlins niederschlägt. Den ersten Punkt kann ich gut nachvollziehen, beim zweiten wird es schwierig, da scheint mir Bertaux’ Lektüre von Hölderlins Lyrik als verschlüsselter Code, der seine politische Botschaft versteckt, zu einseitig und etwas übers Ziel hinaus zu schießen. Letztlich steht aber auch recht wenig zu konkreten Werken Hölderlins drin – dafür entwickelt Bertaux mit viel Mühe ein breites Panorama der Französischen Revolution und vor allem ihrer Rezeption in Deutschland und besonders in Tübingen und Schwaben, das weit, sehr, sehr weit über Hölderlin hinaus geht, aber andererseits zum konkreten Gegenstand der Untersuchung eben auch nur bedingt etwas beiträgt.
Worauf es ankam, war, an einem Beispiel zu zeigen, daß die »politische« Interpretation der Dichtung Hölderlins auch – und nicht zuletzt – einen gültigen Beitrag zu einem besseren Verständnis leisten kann und diese Dichtung wieder aufleben läßt in ihrer Aktualität, als laufenden Kommentar zum Problem der Revolution und des Mannes im Zeitalter der Revolutionen. (138)/
Oswald Egger: Tag und Nacht sind zwei Jahre. Kalendergedichte. Warmbronn: Ulrich Keicher 2006. 31 Seiten.
Kalendergedichte? Wirklich? Das würde mich bei einem Autor wie Oswald Egger allerdings überraschen. Und natürlich ist das weder Kalender noch Gedicht – zumindest nach herkömmlichem Verständnis. Aber das zählte für Egger ja (noch) nie. Ein anderer, ein neuer Gang durch’s (Natur-)Jahr hat er hier aufgeschrieben – Menschen kommen nicht vor (nur das „ich“, das aber durchaus häufig), höchstens ihre Artefakte wie die „Fahrstraße“ (14), die Wege etc, die in der Natur liegen – ein Jahresreigen, wirklich ein Reigen. Hier kann man sehen, was passiert, wenn sich ein Sprachmeister und ‑magier wie Egger der Natur annimmt: Ihren Erscheinungen und ihrem Erklingen. Das ist – wie immer – phantastisch: Kaum jemand kann Sprache so magisch und kraftvoll verformen wie Egger – und damit Bilder und Töne evozieren, die normale Sätze oder Wörter nicht aufrufen können: Die sind zu schwach, zu ausgelaugt, zu abgenutzt, sie treffen das einzigartige, besondere des jeweiligen Moments nicht – und deshalb gibt’s halt Neues. Das hat immer etwas von einem Abenteuer: Man weiß weder, wo der Satz einen hinführt, noch, was der nächste Satz, die nächste Seite/Doppelseite (ein „Gedicht“) bringt.
[…] wie farbig flammendere Träume /schreckten diese hier, kalbendsten selbander, als Vögel /im Fieberschlaf erstarrt, und floureszieren etwas (wie nichts) /| auf Granit, die wie Porphyrpflasterplatten der Zufluß-Gneise /schiefernder Wege, alles Firmament verbleite lichtgrau und /betrübt sich richtig – (richtig)? (2f.)
Gleich zwei Bücher auf einmal hier. Aber zwei ganz verschiedene Seiten von Monika Rinck. In Helle Verwirrung die „normale“ Lyrikerin, in Rincks Ding- und Tierleben die Zeichnerin von kuriosen Dingen. Aber Rinck hat ja sowieso Auge und Ohr für das Ungewöhnliche, das Kuriose – etwas im „Begriffsstudio“. Das schlägt sich vor allem in den kühnen Bildern der Hellen Verwirrung nieder – und in den starken Titel der Gedichte, die – selten genug – wirkliche Titel sind: „erschöpfte konzepte: die liebe“, „immer nie“ … Und allein der Quitten-Zyklus ist mit seinen phantastischen, vielfältigen und vollkommen überraschenden Bildern den Band schon wert.
Weniger konnte ich dagegen mit dem Ding- und Tierleben anfangen: Das ist sehr spielerisch und humoristisch, mit Lust an Kontradiktionen und Null-Sinn und dem sprachlichen extemporieren. Aber einen rechten Zugang habe ich dazu nicht gefunden.
Mein Lieblingszitat:
in jedem buch gibt es zeilen, die man gar nicht lesen darf. (14)
Schöne Stellen gibt es aber unendlich viele. Zitierenswert erschien mir auch noch das hier – vielleicht gibt das ja einen Eindruck, warum ich das so gern gelesen habe:
das fand für dich auf der grenze statt, die meisten deiner gäste /haben sich entschieden für: normalität. einsam waren sie trotzdem. (16)/
Ein kleiner, bei Keicher sorgsam gedruckter Essay über die deutsche Sprache, ihre Struktur und ihren Laut, ihre Möglichkeiten und Schwierigkeiten. Zugleich geht es, der Titel verrät es ja, auch um die Möglichkeiten und Beschwernisse, Deutscher zu sein. Dieses Sein scheint sich aber – für Egger ja nicht besonders verwunderlich – vor allem oder hauptsächlich in der Sprache abzuspielen und zu entwickeln. Deswegen geht es also auch um solche Erlebnisse wie den „Schmuggel“ von Sinn und Bedeutung in Wörter, Sätze und Texte. Oder um Klang und Musik, Lieder und Melos des Deutschen – vor allem natürlich des „Deutschlandsliedes“, der Nationalhymne. Themen sind außerdem: Der Umgang „der Deutschen“ – und ihrer Dichter – mit ihrer Sprache und den ihr innewohnenden Möglichkeiten. In An- und Halbsätzen zeigen sich dabei auch einige Bausteine der Poetik Eggers – nämlich eben in seinem Verständnis der Sprache, die wohl etwas sehr offenes und fluides ist.
da gabelt sich die Gabe der Sprache in irrwische Wünschel, durch und durch die Gegend ohne Gegenstand als ein eingepeitschter Schlingerkreisel im ergatterten Mischmasch (5)
Oswald Egger: Nichts, das ist. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2001. 160 Seiten.
Außerdem noch diesen dritten Egger gelesen. Aber da sehe ich mich außerstande, etwas halbwegs kluges dazu zu sagen …
In den Gedichten oder 200 Strophen/4‑Zeiler mit angehängter/überlagerter Poetik & Sprachkritik & Sprachsuche im poetischen Modus steckt – so viel merke ich schon beim ersten Lesen – unheimlich viel drin. Hyperkomplex gibt sich das, vielleicht ist das aber auch nur gefakt? Beim (ersten) Lesen bleiben eigentlich nur Sinnfetzen, Assoziationen, Klänge, Klangwortreihen und ‑entwicklungen – aber davon so viel, dass es die Lektüre lohnt. Die 3–5fache Parallelität des Textes (der Texte? – was ist hier überhaupt „der“ Text? und was machen die Zeichnungen/Grafiken da drin?), horizontal und vertikal auf den Seiten, vom Kolumnentitel oben bis zum unteren Rand, überhaupt das permanente Überkreuzen und Queren – von Sinn, von Einheit(en), von Text und Sprache machen schon eine „normale“ Lektüre unmöglich – ein „Verstehen“ erst recht. Immer neue Ansätze scheinen sich hier aufzutun, Iterationen vielleicht auch, oder Bohrungen in der Art von Versuchen mit offenem Ausgang: kein fester BOden, kein festes/dauerndes Ergebnis ist das einzig Ergebnishafte, was die Lektüre ergibt.
Zwei Beispielseiten – beinahe zufällig ausgewählt ;-) – mögen das illustrieren:
Scott Jurek with Steve Friedman: Eat & Run. My unlikely Journey to Ultramarathon Greatness. London u.a.: Bloomsbury 2012. 260 Seiten.
Ist das ein Laufbuch? Der Autorname lässt es vermuten: Scott Jurek ist einer der großen Ultraläufer. Aber Eat & Run – der Titel verrät es ja schon – dreht sich nicht nur ums Laufen. Im Gegenteil: Über weite Strecken geht es vor allem ums Essen. Nicht ohne Grund steht das im Titel vorne. Und zwar um das richtige Essen – nämlich die vegane Ernährung. Jurek schildert ausführlich seinen Weg von der „normalen“ amerikanischen Kost des mittleren Westens zur veganischen Ernährung. Das geschieht bei ihm vor allem aus (scheinbar) gesundheitlichen Gründen und weil er meint zu beobachten, dass er sich damit besser fühlt. Zugleich plagen ihn aber auch lange und immer wieder die Zweifel, ob er mit veganen Lebensmitteln ausgewogen, gesund und in allen Bereichen ausreichend genährt ist, um Ultras zu laufen.
So recht warm geworden bin ich mit Eat & Run aber nicht. Obwohl ich die Leistungen Jureks sehr schätze, blieb mir seine Haltung zum Laufen, wie sie sich hier zeigt, einfach fremd. Mehr dazu steht in meinem Laufblog: klick.
Darauf bin ich nur zufällig durch einen Beitrag in der Poet #15 gekommen. Zunächst mal ist das ein schönes Buch, auch die Herstellung ist ein Teil des Kunstwerks: Traditioneller Bleisatz, feines Papier (unaufgeschnitten und deswegen doppelt – so wird aus 58 Seiten ein Buch), lebendiger Druck, schöner Einband, dazu die farbigen Bilder Laubschers – so macht man Bücher.
Wilhelm Müllers Winterreise – oder wohl doch eher Schuberts Liedzyklus – dient Laubscher als Anregung und Ausgangspunkt für seine kleinen Gedichte. Die haben etwas von Preziosen: Fein und feinsinnig beobachtet, sehr klug und sehr sprachgewandt, auch sehr geschliffen und fest, überhaupt nicht spielerisch. Teilweise funktionieren sie als Überschreibung: Einzelne Worte und Sätze aus dem „Original“ sind als Zitate und Ankläge eingearbeitet – sehr dicht, fast nahtlos fügen sie sich in Laubschers wesentlich moderneren (wenn auch nicht avantgardistischen) Ton ein, der es trotz seiner Modernität schafft, vergleichsweise zeitlos zu bleiben. Ziemlich düster, grau und traurig ist diese Winterwelt hier. Aber, und das macht es lesenswert, es sind ganz viele Graus. Vielleicht könnte man sagen, dass Laubscher hier die Müllersche Winterreise überbietet: Mit mehr Realismus und zugleich mehr poetischer Entrückung geht das weiter als die romantischen Urgedichte. Und bleibt dabei andererseits auch doch sehr zurückhaltend – arg breit ist das thematische Feld nicht. Das macht aber nicht, weil es handwerklich sehr geschickt – etwa in der Verkettung der einzelnen Gedichte – und durchaus fein gemacht ist: (Be)rührend sind hier viele der Gedichte, emotional durch oder in ihrer Kunstfertigkeit.
Eines meiner Lieblingsgedichte aus dem titelgebenden Zyklus ist das auf Seite 19: