… ach, wie gut, dass es das Internet gibt! Ohne die Lyrikzeitung und ohne Fixpoetry zum Beispiel (neben einigen anderen, die ich mal alle auflisten müsste …) würde ich bestimmt höchstens halb so viel Gedichte lesen (die dann übrigens noch ganz altmodisch offline und auf Papier zu mir kommen) – in den Feuilletons gibt es ja fast keine Besprechungen von Lyrikbänden (mehr) … Vor allem die Lyrikzeitung („Lyrikzeitung & Poetry News – News that stay news: spread ‚em!“) ist ja geradezu unheimlich in ihrem Fleiß, mit dem sie bemerkenswerte und verstreute Lyrik-Sichtungen und ‑Besprechungen im Internet sammelt und verbreitet. Und wie viel würde mir ohne das alles fehlen!
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Eine der schlechtesten (Dichter-)Biographien überhaupt, die ich je gelesen habe (okay, das ist nicht unbedingt meine Sache). Matz nimmt die Biographie eigentlich nur zum Anlass, möglichst ausführlich und ausschweifend über die Erzählungen Stifters zu schreiben – und die vollends biographisch erklären zu wollen. Das klappt natürlich alles vorne und hinten nicht, deswegen wird munter und wild drauf los spekuliert. Eine sehr unangenehme Sache, das – Biographismus ist ja sowieso schon eine – meines Erachtens – gefährliche Sache voller Fallstricke, hier ist sie jedenfalls vollends missglückt: Weder das Leben noch das Werk wird so verständlich oder erklärt. – Eine Biographie, die das Biographische meidet, weil sie lieber im Werk sich tummelt – ohne das aber wesentlich aufhellen zu können, weil sie es wieder nur aus dem Biographischen (bzw. ein bis zwei Motiven, die sich daraus ergeben) zu verstehen versucht, und zwanghaft wilde Folgerungen anstellt …
Seminarlektüre ;-). Aber nicht unspannend: Schmitts Panorama der europäischen Geistegeschichte (ab dem Mittelalter) und der katholischen Kirche als complexio oppositorum. Typisch Schmitt, setzt das mit einem Paukenschlag ein: „Es gibt einen anti-römischen Affekt.“ (5) Daraus speist und dazu führt dann der ganze folgende Text: Zu zeigen, dass es der römischen Kirche als complexio oppositorum gelingt, gegenüber den weltlichen Differenzen der Ideologien und Unterschieden und Veränderungen durch die Jahrhunderte gewissermaßen gelassen oder absorbierend zu bleiben (Schmitt nennt das die „Elastizität“ der Kirche), woraus sich – mit ihrer ungeheureren hierarchischen Struktur – die „unfassbare politische Macht“ (6) der katholischen Kirche sich speist. Sehr interessant sind dann gegen Ende auch seine Überlegungen zur Repräsentation und deren Fehlen in der modernen Gesellschaft und im modernen Staat (auch wenn ich die Folgerungen Schmitts nicht unbedingt teile).
Kreuz-und-quer-Lektüre einiger Gedichte. Die komemn – das scheint mir im Moment typisch für Günther – in der Regel eher „traditionell“ oder traditions-konform daher, verstecken in einer geschickten Doppelbödigkeit aber oft genug gerade ein Spiel mit den traditionellen Formen und Topoi, oft in einer kritischen oder satirischen Haltung. Sehr spannend das, auch weil die Gedichte aus dem Kanon weitesgehend verschwunden sind oder sich höchstens als einzelne Exemplare, aber nicht als integrales Werk eines Autors dort noch zeigen (Günther ist auch als Mensch offenbar – so weit wir das bei der eher mäßigen Quellenlage heute noch sagen können – eine sehr interessante Gestalt gewesen …).
außerdem noch ein bisschen Stifter und Schnitzler …
Ins Netz gegangen (22.5. – 25.5.):
- Giro d’Italia 1988: Als starke Männer weinten – Übersicht Nachrichten – NZZ.ch – Die NZZ erinnert an eine Etappe des Giro vor 25 Jahren, in der die Sportler (beinahe) im Schnee stecken blieben und hat dazu einige Stimmen der Radfahrer gesammelt – zum Beispiel Andy Hampsten:
Später im Aufstieg war’s so weit: Ich hörte auf, Gott um Hilfe anzuflehen, stattdessen überlegte ich mir, ob ich mich auf einen Deal mit dem Teufel einlassen sollte, falls er hier und jetzt auftauchte. Eine halbe Meile vor dem Pass erhielt ich meinen Sack, der Wind blies so stark, dass ich das Velo kaum in der Spur halten konnte. Aber hätte ich da angehalten, ich wäre wohl nie mehr wieder losgefahren. (…) In der Abfahrt musste ich erst die Bremsen von Hand enteisen. Zum Glück war es in der Höhe eine Schotterstrasse, auf der der Schnee nicht so schnell gefror wie auf Asphalt. Zuschauer und Mechaniker rannten hin und her, im Unwissen, ob das Rennen überhaupt noch im Gang war. Ein Carrera-Mechaniker trug diesen tollen Goretex-Ganzkörperanzug – was hätte ich dafür gegeben! Ich schaute auf meine Beine, durch eine Schicht von Eis und Massageöl leuchteten sie knallrot. Ich entschied, nicht wieder hinzugucken.
- Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland [DocPatch] – Diese Webseite ermöglicht das Nachvollziehen aller Veränderungen am Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland seit seinem Inkrafttreten im Jahr 1949. Es enthält den vollständigen Gesetzestext zuzüglich vieler Informationen, die damit in Verbindung stehen. Somit steht ein umfassendes Werk zur Verfügung, die Entwicklung der deutschen Verfassung transparenter zu machen.
- Nachruf Sarah Kirsch: „Du bist nicht auf Erden“ | Kultur | ZEIT ONLINE – Sarah Kirsch war eine der bedeutendsten deutschen Lyrikerinnen. Ihr Rhythmus und ihr Streben nach Autonomie werden fehlen, schreibt der Schriftsteller Jan Kuhlbrodt.
- Gutenberg ePub Generator von Furtmeier.IT – Generator – Dieser Generator erzeugt aus den Spiegel Gutenberg-Büchern Dateien im ePub-Format, die Sie mit den meisten eBook-Readern problemlos lesen können.
Ich bin ja ein großer Bewunderer Elke Erbs. Und ich genieße ihre etwas ver-rückte, manchmal abseitige Poesie sehr – weil sie genau das kann, was ich an Kunst so mag: Mich berühren und verändern, neue Wahrnehmungen und Konstruktionen der Welt ermöglichen (ohne sie zu erzwingen, nur durch das Anbieten). Der für seine lyrische Überzeugunsarbeit auch kaum genug zu lobende Urs Engeler (den das deutsche Feuilleton ja inzwischen weitgehend vergessen zu haben scheint, wenn mich mein Eindruck nicht sehr täuscht …) hat genau dieser Elke Erb anlässlich der Verleihung des Ernst-Jandl-Preises für Lyrik dieses schmale Bändchen herausgegeben und den Abonnenten seiner tollen Buchreihe „roughbook“ als Geschenk gesandt. Manches auf diesen 62 Seiten ist sehr, sehr knapp, anderes dafür fast zum Ausgleich richtig lang. Manchmal scheinen die wenigen Verse eines Textleins „nur“ Notate zu sein, manchmal zeigen sie ihre Er-Arbeit-ung. Jedenfalls scheint hier eine persönlichere Dichterin durch, als ich sie aus ihren anderen/letzten Bänden wahrgenommen habe, eine Dichterin, die sich stärker selbst als Person und Individuum in ihre Texte (und deren Zentrum) einbringt und dabei auch/gerade ihr poet(olog)isches Selbstverständnis erkundet und erschreibt. Jedenfalls sind hier wieder einige wunderbar gelungene Beispiele der Erb’schen Sprachmacht und Sprachphantasie zu finden – und mehr braucht es auch gar nicht, um mich glücklich zu machen (zumindest für die Lesezeit und etwas darüber hinaus …)1
Diese (Kunst-)Büchlein, das (m)ich nur zufällig gefunden habe – was an sich schon eine große Schande ist – ist ohne Zweifel eines der weisesten Bücher unserer Zeit. Oder vielleicht gerade mit Zweifel. Denn Fischli & Weiss fragen einfach nur.2 Das Buch besteht aus irrssinnig vielen Karten – je zwei pro Seite – die mit weißer Handschrift auf tiefschwarzem Hintergrund fragen stellen: Philosophische (v.a. ontologische und phänomenologische), auch banale und witzige, tief- und flachgründige. Vor allem unheimlich viele, unheimlich spannende und berührende (Und dazwischen gibt es noch ein paar (wenige) klitzekleine lustige Zeichnungen …). Natürlich führen sich die Fragen alle letztlich gerade durch ihre Kombination und Konstellation in der quasi-unendlichen Abfolge vollkommen ad absurdum. Aber das ist eben eine schöne Idee, schön gemacht .…
Christoph Schlingensief erklärt das Konzept, die Idee und die Realisierungsgeschichte der „Church of Fear“ in zwei ausführlichen Interviews. Mit einigen „Originaldokumenten“ der „Church of Fear“ und Bildern des für die CoF gebauten Kirchengebäudes, die mindestens genauso interessant sind …
Wiglaf Droste beobachtet Sprache und Sprecher mitsamt ihren Erzeugern, den Sprecherinnen und Schreiberinnen, sehr genau. Und er legt gerne den gesalzenen Finger auf die offene Wunde. Dass er selbst sehr bissig, genau und treffend formulieren kann, macht das Meckern am schlechten Sprachgebrauch der anderen umso interessanter. Zumal Droste sich auch die eine oder andere Abweichung von der reinen Sprachkriktik – die er aber sowieso immer als Teil der notwendigen Gesellschaftkritik und nicht als bloße Beckmesserei auf dem Gebiet der Sprache empfindet – erlaubt – ein echtes Bildungsvergnügen (wie übrigens auch David Hugendick in der „Zeit“ fand)!
Ins Netz gegangen (18.5.):
- Ein Gespräch mit dem Dirigenten Thomas Hengelbrock: Anders gespielt, neu gehört – Richard Wagner Nachrichten – NZZ.ch -
Letztlich ist Harnoncourt der Dirigent, der im 20. Jahrhundert die grössten Impulse gesetzt hat.
Schöner Schlusssatz im Interview mit Thomas Hengelbrock, in dem es eigentlich um etwas ganz anderes geht: um Instrumentationa, Tempo und Klang bei Wagner, v.a. im „Parsifal“:
Ich habe Wagners Anweisungen befolgt. Wenn Sie lesen, was er zur Aufführung seiner Werke geschrieben hat, können Sie gar nicht anders als zur Erkenntnis kommen, dass der Text deutlich und klar zu hören sein muss, sonst verfehlt man einfach den Sinn. […] Ich finde die Klanggestalt beim «Parsifal» ganz entscheidend. Sie macht das Werk geradezu aus, sie hat symbolischen, ja metaphysischen Charakter. Wenn zum Beispiel die alten Holzflöten mit ihrem azurblauen Klang verwendet werden, dann ergibt sich für mich diese metaphysische Verbindung zum Himmel; mit der modernen Metallflöte geht das nicht. Auch diese dunkle, warme, sanfte Farbe der Blechbläser – das war auch für mich eine Überraschung.
- Prof. Dr. Dunkelmunkel: Ist die Zeit reif für Grufti-Profs? – cspannagel, dunkelmunkel & friends (via Published articles)
- Lyrik als Form für die Gegenwart – Digital/Pausen – Hans Ulrich Gumbrecht erklärt die Faszination der Gegenwart an der Lyrik bzw. lyrischen Formen – und fängt dafür, wie immer weit ausholend, in der Antike an. Aber entscheidend ist dann doch nur der letzte Absatz:
Wer die Zeit aufbringt, sich auf einen—sprachlich ja meist komplexen – lyrischen Text zu konzentrieren, der unterbricht die heute ebenso endlos wie ziellos verlaufende Zeitlichkeit des Alltags. Und ein solcher Ansatz zur Aufmerksamkeit wird beim Lesen oder Rezitieren eines Gedichts zu jener anderen, sozusagen archaischen Aufmerksamkeit, welche zum Aussetzen der fließenden Zeit führt und zum Heraufbeschwören von vorher abwesenden Dingen und Stimmungen. Lyrik als Form ist eine Signatur unserer Gegenwart, weii sie für Momente das erhält und an das erinnert, was dieser Gegenwart am meisten fehlt, nämlich Form, Ruhe, Konzentration und wohl auch Gelassenheit
- Schnäppchenreise in die Türkei: Landestypische Getränke sind im Preis inbegriffen – FAZ – Thomas Steinmark war für die FAZ eine Woche in der Türkei für den Preis von 199 Euro – und kommt mit einem schönen Fazit zurück:
… wer sich die ökonomischen Bedingtheiten dieser Art von Reisen bewusst macht und diese zu akzeptieren bereit ist, wer sich stark genug fühlt, den oftmals massiv vorgetragenen Verkaufsangeboten erfolgreich Widerstand zu leisten, der wird am Ende nicht enttäuscht sein.
- Das Rätsel Merkel – Da hat Michael Spreng leider recht:
Merkel ist eine Machttechnikerin mit schwachem idealistischen Hintergrund. Sie ist keine Gestalterin, außer der Gestaltung ihrer politischen Karriere und ihrer Macht. Sie macht sich – zumindest öffentlich – keine Gedanken über Deutschland in zehn Jahren.
Ihm selbst scheint wie mir auch eher unbegreiflich, warum sie deshalb/trotzdem so beliebt ist und immer wieder gewählt wird …
- Flurnamenatlas-Blog – Der Flurnamenatlas Baden-Württembergs (?) bloggt auf tumblr
Ins Netz gegangen (16.5.):
- Digitale Lernumgebungen in Universitätsseminaren mit Wikis und Etherpads | papierlos – einfach – kollaborativ – BYOD | Historisch denken | Geschichte machen – Digitale Lernumgebungen in Universitätsseminaren mit Wikis und Etherpads | papierlos – einfach – kollaborativ – BYOD (via Published articles)
- Kleine Brötchen backen – taz.de – Detlef Kuhlbrodt war beim Geburtstagsfest zum zehnjährigen Bestehen des kookbook-Verlages:
Vor zehn Jahren gründeten die 28-jährige Dichterin und Lektorin Daniela Seel und der Grafiker Andreas Töpfer Kookbooks. Zehn Jahre und 55 Bücher später gilt der Verlag als einer der renommiertesten deutschen Verlage. Die Liste der Autoren, die hier ihre Heimat und Zuflucht gefunden haben, liest sich wie ein Lexikoneintrag „Deutsche Lyrik des 21. Jahrhunderts“, verfasst im Jahre 2050.
- Werbung vs. Privatsphäre – ben_hat sehr recht:
Aber solange sich Werbung und Privatsphäre ausschließen […], bleiben halt auch Werbemittel geblockt.
Ich habe vorgestern auch getestet: Das Ausschalten des AdBlockers erreicht nur, dass an manchen Stellen der Webseite das Wörtchen „Anzeige“ auftaucht – die Anzeigen sind aber durch NoScript und v.a. RequestPolicy immer noch geblockt. Da muss man schon sehr viel Schnüffler zulassen, bis die auftauchen …
- Neue Gedichte von Nico Bleutge: Feine Verwehungen – Nachrichten – NZZ.ch -
Ganz dicht an den Konturen der Dinge entlang entfalten diese Gedichte eine detailversessene Phänomenologie der Naturstoffe, wobei die einzelnen Teile stets in eine Kreis- oder Drehbewegung versetzt werden.
– Michael Braun ist von Nico Bleutges neuestem Gedichtband „verdecktes gelände“ sehr angetan
Gegen die Bildungshuberei, die viele Interpreten vor ihre Lektüren von Gedichte stellen, schreibt Jahn Kuhlbrodt1 auf „Postkultur“ in einer kleinen Thesensammlung zur rezipientenorienten Hermeneutik lyrischer Sprachwerke (wenn man das alles so nennen mag …):
Verstehen setzt Bildung nicht voraus, sondern ist die Bildung. Der Rezipient also bildet sich im Erschließen des Textes selbst, entwickelt sein Vokabular und Werkzeug, und somit sich selbst.
Und gegen die Behauptung der „Unverständlichkeit“, die ja tatsächlich auch theoretisch gar nicht so einfach zu fassen ist, setzt er die ganz und gar klare, unzweideutige Ansage:
Es gibt keine unverständlichen Gedichte (kein einziges).
Und damit ist schon klar: Zum Lesen von Lyrik braucht es keine besonderen Kenntnisse, kein spezielles Expertenwissen um die literatur- und motivgeschichtlichen Zusammenhänge, kein wie auch immer geartetes Spezialwerkzeug im Umgang mit dem Text, sondern nur ( – ja, nur! Wenn das immer so einfach wäre!) einen offenen Verstand und die Bereitschaft, sich auf den jeweiligen Text auch wirklich einzulassen und ihn nicht nur abzufertigen (meiner Erfahrung nach ist das aber schon der schwierigste Schritt überhaupt bei jeder Lektüre: Sich auf den Text und seine Verfasstheit, seine Strukturen und seine Gemachtheit, seine Bilder, Gedanken und all das wirklich ganz einzulassen – das gelingt beileibe nicht immer!). Dann ist aber auch der dritte Punkt Kuhlbrodts sowieso schon klar, nämlich:
Jedes Gedicht ist konkret.
Tja. So ist das eben. Wirklich.
Heute ist – mit der diesjährigen Verleihung an Monika Rinck für ihren bei kookbooks erschienen Band „Honigprotokolle“ – endlich das Archiv des Peter-Huchel-Preises online gegangen. Eine „Großtat für die Lyrik“ hat die Badische Zeitung das schon letzte Woche genannt. Das ist sozusagen ein Geburtstagsgeschenk zum 30jährigen Bestehen des Preises, der ausschließlich der Lyrik gewidmet ist und seit 1983 vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk. Ein Geschenk allerdings, das nicht dem Preis zugedacht ist, sondern den Leserinnen und Lesern der hier geehrten und ausgezeichneten Kunst. Vor allem aber den Hörerinnen und Hörern: Denn der SWR hat die Lesungen, die Laudationes und die Dankreden der letzten 30 Jahre online zum An- und Nachhören zur Verfügung gestellt. Da findet man nun Lesungen und Reden von den großen Lyrikern und Lyrikerinnen der letzten Jahrzehnte, die mit ziemlich großer Treffsicherheit durch die Jury des Peter-Huchel-Preises ausgezeichnet wurden: Wulf Kirsten, Elke Erb, Thomas Kling, Wolfgang Hilbig, Uljana Wolf, Oswald Egger, Ulf Stolterfoht, Gerhard Falkner, Friederike Mayröcker, Nora Bossong und eben Monika Rinck, um nur ein paar meiner Lieblinge zu nennen, die sich auf dieser illustren Liste finden.
Vor allem ist das Archiv aber eben eine Fundgrube, in der man schönes und skuriles, erhebendes und lockerndes wunderbar (wieder-)entdecken kann – zum Beispiel die wunderbare Lesung Thomas Klings (mit Unterstützung des Schlagzeugers Frank Köllges) oder die altersbrüchige Stimme Friederike Mayröckers, die direkt von der selbsicheren (und sechzig Jahre jüngeren) Nora Bossong gefolgt wird. Oder das tastende Rezitieren Oswald Eggers … – eine großartige Sache, dieses Tonarchiv (das könnte der SWR eigentlich auch mal für seinen Jazzpreis machen …). Zumal die Website auch eine ansprechende und übersichtliche Gestaltung gefunden hat – wunderbar, um sich bald stundenlang hier zu verlieren …
Meine Netzfunde für die Zeit vom 12.2. zum 20.2.:
- Notizen – Die Pepys-Magazine zum Download bei damaschke.de – Die Pepys-Magazine zum Download bei damaschke.de (via Published articles)
- Fetzenlogik | Sprachlog – Fetzenlogik (via Published articles)
- Bookshelf Porn – Reader Submission. (via Published articles)
- Bookworm – ein weiteres Culturomics-Projekt | Schmalenstroer.net – Bookworm – ein weiteres Culturomics-Projekt (via Published articles)
- Karten « mind. halbgar – Karten (via Published articles)
- Sprachbrocken 11/2012 | Sprachlog – Sprachbrocken 11/2012 (via Published articles)
- Unter Schneeblinden | Sprachlog – Unter Schneeblinden (via Published articles)
- Offener Brief an die Contentindustrie | Sprachlog – Offener Brief an die Contentindustrie (via Published articles)
- Special Woman sucht vielfliegenden Kreditgeber. Oder: Wie die Lufthansa die Welt sieht. | Sprachlog – Special Woman sucht vielfliegenden Kreditgeber. Oder: Wie die Lufthansa die Welt sieht. (via Published articles)
- Lyrik-Verachtung – Bei Alfred Döblin und anderen : literaturkritik.de – Dieter Lamping schreibt jetzt eine (monatliche) Lyrikkolumne bei literaturkritik.de. Und fängt gleich mit den Verachtern der Lyrik an:
Auf jeden Fall hebt es die Lebensqualität, wenn man Gedichte nicht lesen muss – sondern möchte. Also: Willkommen unter den Lyrik-Lesern!
- Scharfe Grenzen « Der Feuilletonist – Scharfe Grenzen (via Published articles)
- Wortfeld » Metroknäuel | Wie der Linienplan für Moskau entsteht. – Metroknäuel | Wie der Linienplan für Moskau entsteht. (via Published articles)
- Was ist “Interpretation der Neuen Musik”? | Bad Blog Of Musick -
In letzter Konsequenz heißt das vielleicht, dass unsere gesamte Kultur irgendwann stagnieren wird, weil sie sich nur noch mit sich selbst beschäftigt und es keine neuen Einflüsse mehr gibt.
Moritz Eggert denkt über Notation, Interpretation, Elektronik und individuelle Sounds in der Neuen Musik nach
Im Cultmag hat Carl Wilhelm Macke 10 sehr sinnige Regeln bzw. Gebote über das richtige, angemessene und zulässige Rezitieren von lyrischen Texten niedergeschrieben. Sie seien jedem Veranstalter, Rezitator und Lyrikliebhaber unbedingt ans Herz gelegt. Da heißt es unter anderem:
1. Während der Lesung eines Gedichts ist aus feuerpolizeilichen und versicherungsrechtlichen Gründen das Anzünden von Kerzen strengstens untersagt.
[…] 3. Ob ein Gedicht stehend, sitzend, liegend, knieend oder auf dem Kopf stehend, in gebückter oder gerader Haltung vorgetragen wird, muss dem jeweiligen Rezitator überlassen werden.
[…] 4. Ein nützliches Gedicht ist ein schlechtes Gedicht und sollte deshalb möglichst nicht vorgetragen werden. Das Rezitieren von Propagandagedichten ist nach dem Fall der Berliner Mauer, den Twin-Tower-Anschlägen vom 11. September 2001 strengstens untersagt.
Auch die anderen Gebote sind so scharf und treffend formuliert. Man sollte sie eigentlich vor jeder Rezitation als Pflichtteil ebenfalls vortragen …

