Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: konzert Seite 1 von 3

netzstruktur auf blauem hintergrund (vernetzungsgraph)

Ins Netz gegangen (8.5.)

Ins Netz gegan­gen am 8.5.:

  • Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wird das Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz kip­pen | beck-blog → marc liesching über das „mei­nungs­frei­heits­be­kämp­fungs­ge­set­zes“ aka „netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz“ und sei­ne ver­stö­ße gegen ver­fas­sungs­text und ‑prin­zi­pi­en
  • Der Pro­fes­sor als wüten­der Bür­ger | Tages­spie­gel → Chris­toph David Pior­kow­ski unter­sucht und legt dar, wie rechts(radikal) diver­se äuße­run­gen bab­e­row­skis sind
  • With Can­cer in the Past, Ryui­chi Saka­mo­to Returns to His Cal­ling | NYT → rück­blick, gespräch mit ryui­chi saka­mo­to und vor­schau auf das neue ablum
  • Von wegen, das Klas­sik-Publi­kum stirbt aus | Tages­spie­gel → schö­ner text von fre­de­rik hans­sen über den „klas­sik­be­trieb“, sein gedei­hen, sei­ne ritua­le als not­wen­dig­kei­ten und mög­lich­kei­ten der ent­de­ckung und des erle­bens

    Vier neue Kon­zer­tor­te für klas­si­sche Musik, ein­ge­weiht bin­nen sechs Mona­ten: Das Zuhö­ren hat Kon­junk­tur in Deutsch­land. Mehr als eine Mil­li­ar­de Euro wur­den inves­tiert, Geld vom Staat, aber auch statt­li­che Sum­men von pri­va­ter Sei­te, von künf­ti­gen Besu­chern wie von Spon­so­ren, die der Gesell­schaft etwas zurück­ge­ben wol­len. Und es ging hier nicht allein dar­um, Land­mar­ken zu schaf­fen, wie oft im Muse­ums­bau, Leucht­tür­me, von denen sich Stadt­vä­ter und Mar­ke­ting­leu­te, bit­te, bit­te einen neu­en Bil­bao-Effekt ver­spre­chen, wo das 1997 fer­tig­ge­stell­te Gug­gen­heim-Muse­um das Stadt­bild neu geprägt hat. Im Mit­tel­punkt des Inter­es­ses stand sogar etwas Unsicht­ba­res: der Schall – und die Fra­ge, wie er den best­mög­li­chen Weg von sei­ner Erzeu­gung auf der Büh­ne hin zu den Ohren des Publi­kums neh­men kann. […] Wer behaup­tet, das Klas­sik-Publi­kum ster­be aus, der lügt. Und wer lamen­tiert, bei Sin­fo­nie­kon­zer­ten wür­den immer nur die­sel­ben Stü­cke gespielt, hat das Prin­zip die­ses Gen­res nicht ver­stan­den.

geknüpftes netz (knoten)

Ins Netz gegangen (13.3.)

Ins Netz gegan­gen am 13.3.:

  • Mar­ga­ret Atwood on What ‘The Handmaid’s Tale’ Means in the Age of Trump | The New York Times → mar­ga­ret atwood schreibt über die ent­ste­hung ihres roma­nes „der report der magd“ („the handmaid’s tale“ im ori­gi­ni­al), wesent­li­che fra­gen, die sie dabei beschäf­tigt haben und mög­li­che par­al­le­len mit der gegen­wart und zukunft in der rea­li­tät
  • Frau­en­feind­lich­keit: „Ekel vor Frau­en hat Tra­di­ti­on“ | FR → sebas­ti­an moll sprach mit siri hust­vedt über die frau­en­ver­ach­tung der gegen­wart, natür­lich vor allem in den usa und bei der trump-regie­rung und kon­sor­ten
  • Frau­en­stim­men wer­den tie­fer | BR-Klas­sik → kur­zer hin­weis auf eine unter­su­chung der nor­ma­len sprech­stimm­la­gen bei frau­en und män­nern:

    Dass die gesun­de Frau­en­stim­me heu­te nur noch um etwa eine Quin­te höher als die Män­ner­stim­me lie­ge – nicht mehr eine gan­ze Okta­ve wie noch vor zwei Jahr­zehn­ten -, sei auch für die Wis­sen­schaft­ler ein über­ra­schen­des Ergeb­nis

  • Elphi – oder Hoch­kul­tur als Sub­ven­ti­ons­be­trug (Hohe Kul­tur 3) | Mer­kur Blog → chris­ti­na don­gow­ski rech­net mit den gro­ßen ver­spre­chun­gen der elb­phil­har­mo­nie („kul­tur für alle“, demo­kra­ti­sie­rung etc pp) ab:

    Dass hier die bes­se­ren Ham­bur­ger Krei­se die Maß­stä­be set­zen – und sonst nie­mand –, deut­li­cher kann man es nicht machen. Man klopft sich bereits dafür auf die Schul­ter, dass man nun auch ein biss­chen Koh­le für das Her­an­füh­ren der nie­de­ren Stän­de an die Hoch­kul­tur inves­tiert. Viel­leicht eröff­net sich für den einen oder die ande­re ja dadurch die Chan­ce, selbst mal dazu zu gehö­ren! Oder viel­leicht ent­deckt man den neu­en Gustavo Duda­mel? Und wahr­schein­lich mei­nen das alle auch ganz ernst.

    Was die Wohl­mei­nen­den tat­säch­lich tun, fällt ihnen wahr­schein­lich gar nicht auf – nur des­we­gen funk­tio­niert das ja auch noch so rei­bungs­los: Sie miss­brau­chen das (sozi­al­de­mo­kra­ti­sche) Ver­spre­chen, sich auch durch ästhe­ti­sche Bil­dung aus dem Käfig der begren­zen­den sozia­len Umstän­de eman­zi­pie­ren zu kön­nen, um das eige­ne Bil­dungs­er­leb­nis und das des eige­nen Nach­wuch­ses zu finan­zie­ren.

  • The Truth About the Wiki­Leaks C.I.A. Cache) | The New York Times → Zeynep Tufek­ci über wiki­leaks, die medi­en und „vault 7“:

    Wiki­Leaks seems to have a play­book for its dis­in­for­ma­ti­on cam­paigns. The first step is to dump many docu­ments at once—rather than allo­wing jour­na­lists to scru­ti­ni­ze them and absorb their signi­fi­can­ce befo­re publi­ca­ti­on. The second step is to sen­sa­tio­na­li­ze the mate­ri­al with mis­lea­ding news releases and tweets. The third step is to sit back and watch as the news media unwit­tingly pro­mo­tes the Wiki­Leaks agen­da under the auspi­ces of inde­pen­dent report­ing.

Ins Netz gegangen (1.3.)

Ins Netz gegan­gen am 1.3.:

  • Köl­ner Publi­kum beschimpft Musi­ker – ein Skan­dal! | cre­scen­do – axel brüg­ge­mann fin­det kla­re (und rich­ti­ge) wor­te:

    Wie groß die Untu­gend des Nicht-Zuhö­ren-Wol­lens ist, hat sich nun auch dort gezeigt, wo man eigent­lich zum Ohren­auf­sper­ren hin­geht: im Kon­zert. An einem Ort, der dazu gedacht ist, neue Ein­drü­cke zu gewin­nen, der einer Kunst gewid­met ist, in der das immer Glei­che (das klas­si­sche Reper­toire) jeden Abend aufs Neue kri­tisch befragt und inter­pre­tiert wird, an dem das Frem­de, das Über­ra­schen­de und das Ver­stö­ren­de zur Regel gehö­ren.

    Das Köl­ner Kon­zert hat nun gezeigt, dass die­se Auf­ga­be der Kul­tur von vie­len Men­schen gar nicht mehr gewollt wird. Dass es ein erschre­ckend gro­ßes Publi­kum gibt, das – im Jar­gon des AfD-Pro­gramms – jenen Kitsch Kul­tur nennt, der ledig­lich der Selbst­be­stä­ti­gung dient, des­sen Auf­ga­be es sein soll, die natio­na­le Iden­ti­tät zu bestä­ti­gen und zu stär­ken, in dem sich die Dum­men durch die Genies des Lan­des erhöht füh­len. Es gibt tat­säch­lich immer mehr Men­schen, die das Kon­zert als eine Art musi­ka­li­sche Penis­ver­grö­ße­rung ver­ste­hen, die allein des­halb auf dicke Hose machen, weil sie zufäl­lig aus dem glei­chen Land wie Bach, Beet­ho­ven oder Wag­ner kom­men. Und die zum Ver­bal-Krieg rüs­ten, sobald die Musik eines unan­ge­foch­te­nen, aus­län­di­schen Titans wie Ste­ve Reich erklingt. Men­schen, die es nicht mehr ertra­gen, wenn – oh, Unter­gang des Abend­lan­des! – inter­na­tio­na­le Künst­ler Eng­lisch spre­chen. Men­schen, die Künst­ler belei­di­gen und anschrei­en sind jene Men­schen, die Aus­län­der­kin­dern mit besof­fe­nem Atem „Wir sind das Volk“ ent­ge­gen­kei­fen. Bis­lang haben wir sie eher mit dem Horst Wes­sel Lied in Ver­bin­dung gebracht, nun zie­hen sie auch Beet­ho­ven und Co. in den Schmutz.

  • Holo­caust mit Sol­jan­ka – Ein Aus­flug in die ost­deut­sche Ver­schwö­rung­s­ze­ne | Hate – René Seyf­arth berich­tet für hate-mag.com von sei­nem besuch der aus­stel­lung „2000 Jah­re – Des deut­schen Vol­kes Lei­dens­weg“:

    Gefan­gen im fara­day­schen Käfig sei­ner Kup­fer­dräh­te und einer dua­lis­ti­schen Welt­ord­nung aus Gut und Böse, Mann und Frau, wahr und falsch, lebt der Wirt des Wet­ti­ner Hofs gut geschützt vor den Blitz­schlä­gen intel­lek­tu­el­ler Ein­sicht durch Quel­len­viel­falt oder gar Skep­sis.

  • Zehn Din­ge, die du noch nicht über Leo­nar­do DiCa­prio gewusst hast | Mer­kur – thors­ten krä­mer hat für den blog des mer­kurs eine schö­ne lis­te geschrie­ben …
  • Ever­y­thing that is wrong with „Mozart in the Jungle“. Sea­son 2, Epi­so­de 1 „Stern Papa“ | Bad Blog Of Musick – sehr schön: moritz eggert führt sei­ne betrach­tung der serie „mozart in the jungle“ aus sicht eines pro­fes­sio­nel­len musi­kers fort …

Flashdance, Easy Lover & Fix You: Moderne Pop-Chor-Arrangements von Martin Seiler

„I am music now!“ heißt es im Refrain von „What a fee­ling“. Und tref­fen­der lässt sich das Arran­ge­ment aus der Feder von Mar­tin Sei­ler kaum beschrei­ben: Hier kann man als Sänger/​Sängerin – und auch als Zuhö­rer – voll­kom­men in die Musik ein­tau­chen. Dabei ist das nur eines von drei Arrag­ne­ments, die Sei­ler im Helb­ling-Ver­lag vor­legt: neben „What a fee­ling“, bekannt vor allem als Film­mu­sik aus „Flash­dance“, noch Phil Coll­ins‘ „Easy Lover“ und „Fix You“ von Cold­play. Drei eher gefüh­li­ge Songs also – eigent­lich alles Moder­ne Ever­greens – für die Pop.Voxx-Reihe im Helb­ling-Ver­lag.

Sei­ler weiß, was er macht, wenn er so bekann­te Vor­la­gen arran­giert. Denn sei­ne Sät­ze beru­hen auf sei­ner Arbeit für und mit „Greg is back“, sei­nem eige­nen A‑Cap­pel­la-Pop­chor. Das zeigt sich sofort, wenn man die Par­ti­tu­ren auf­schlägt: Die sind näm­lich für SMATB mit zusätz­li­cher Solo­stim­me (für die Melo­die) bzw. im Fal­le von Phil Coll­ins „Easy Lover“ sogar für SSMATB gesetzt, wozu immer noch eine (optio­na­le), aber emp­feh­lens­wer­te Beat­box kommt. Das heißt aber nicht, dass die alle durch­ge­hend sechs- bis sie­ben­stim­mig klin­gen. Aber ande­rer­seits wer­den ein­zel­ne Stim­men auch ab und an noch bis zu drei­fach auf­ge­teilt. Also: Für Anfän­ger oder popun­ge­üb­te Chö­re ist das nicht die ers­te Wahl, die ein­zel­nen Stim­men müs­sen in sich sta­bil und rhyth­misch ver­siert sein, sind aber – man merkt die Pra­xis­er­fah­rung – immer gut sing­bar.

Bei Sei­ler heißt das aber auch: Alle Stim­men wer­den wirk­lich gefor­dert, auch die Begleit­stim­men haben’s näm­lich nicht immer ein­fach. Dabei, das gilt für alle Sät­ze drei glei­cher­ma­ßen, bekom­men sie sehr ein­falls- und ideen­rei­che Kost: Lee­re Flos­keln fin­det man hier nicht. Das hängt viel­leicht auch damit zusam­men, dass Sei­ler sei­ne Arran­ge­ments dra­ma­tur­gisch sehr geschickt auf­baut. Gera­de „What a fee­ling“ und „Fix You“ pro­fi­tie­ren sehr von der gro­ßen Brei­te an Aus­drucks­mit­teln, die er ein­setzt. Ener­gie und Empa­thie wer­den den Chö­ren nicht über­las­sen, son­dern sind in den Noten­text ein­ge­baut. Der ist dann auch ent­spre­chend detail­liert aus­ge­ar­bei­tet und bis in Klei­nig­kei­ten aus­ge­feilt – für „Easy Lover“ braucht Sei­ler des­halb gan­ze 20 Sei­ten, weil er sel­ten ein­fach etwas wie­der­holt, son­dern immer wie­der vari­iert und neue Begleit­mus­ter ein­führt.

Obwohl alle Songs sofort als Cover­ver­sio­nen gro­ßer Hits erkenn­bar sind, begnügt sich Sei­ler nicht mit einer rei­nen voka­len Kopie. Klar, wesent­li­che Momen­te – wie etwa das instru­men­ta­le Zwi­schen­spiel bei „Fix You“ – tau­chen natür­lich hier auch auf, sehr geschickt und mit viel Gespür für effekt­vol­le Klän­ge für „sei­ne“ Beset­zung adap­tiert. Aber sie haben, vor allem durch die viel­schich­ti­ge Beglei­tung, auch einen eige­nen Klang. Und damit bekom­men die­se Arran­ge­ments sozu­sa­gen ein dop­pel­tes Hit­po­ten­zi­al.

Mar­tin Sei­ler (Arran­ge­ment): Flashdance…What a Fee­ling (SMATB), ISBN 978−3−99035−374−5 – Easy Lover (SSMATB), ISBN 978−3−99035−373−8 – Fix You (SMATB), ISBN 978−3−99035−372−1. Alle im Helb­ling-Ver­lag, Rei­he Pop.Voxx, 2015.

(Zuerst erschie­nen in „Chor­zeit – Das Vokal­ma­ga­zin“)

Verzaubert in der Phönixhalle

Hexen, Trol­le, Prin­zes­sin­nen und Außer­ir­di­sche tol­len durch die Phö­nix­hal­le. Sie lie­ben und strei­ten sich – aber nur in der Phan­ta­sie. Die Sin­fo­ni­et­ta Mainz hat unter dem Mot­to „Zau­ber­Film­Mu­sik“ zur Ver­zau­be­rung auf­ge­ru­fen. Und fast, als ob sie ihren eige­nen Fähig­kei­ten nicht trau­te, hat sie mit Chris­toph Demi­an noch Ver­stär­kung orga­ni­siert. Des­sen Fähig­kei­ten kann man nun wirk­lich nicht trau­en: Man weiß bei die­sem Illu­sio­nis­ten nie, was als nächs­tes pas­siert. Und was gera­de gesche­hen ist, ver­steht man sowie­so nicht.

Die Musik der Sin­fo­ni­et­ta hät­te aller­dings auch allei­ne schon gereicht, das Publi­kum zu bezau­bern und zu ver­zau­bern. Das groß besetz­te Ama­teur­or­ches­ter hat näm­lich für so ziem­lich jeden Geschmack etwas in sein Pro­gramm gepackt: Von dem fast unver­meid­li­chen Zau­ber­lehr­ling von Paul Dukas und dem Hexen­sab­bath aus Hec­tor Ber­li­oz‘ Sym­pho­nie fan­tas­tique über die Ouver­tü­re zu Hän­sel und Gre­tel von Engel­bert Hum­per­dinck bis zu John Wil­liams, Howard Shore und Klaus Badelt reich­te das aus­ge­spro­chen umfang­rei­che Pro­gramm. Nicht nur in ihren eige­nen Gewäs­sern – der klas­si­schen Musik – fischen sie. Gezau­bert wird schließ­lich gera­de im Film ganz beson­ders viel. Und des­halb war auch ganz viel phan­tas­ti­sche Film­mu­sik zu hören, von Lord of the Rings über Har­ry Pot­ter bis zum Fluch der Kari­bik.

Dass so eine ordent­li­che Ver­zau­be­rung aller­dings auch viel Arbeit sein kann, wur­de eben­so gewür­digt: Ober­bür­ger­meis­ter Micha­el Ebling zeich­ne­te die Ers­te Vor­sit­zen­de der Sin­fo­ni­et­ta, Nico­la Wöhrl, mit dem Main­zer Pfen­nig aus. Über zwan­zig Jah­re und damit von Beginn an ist sie im Ver­eins­vor­stand dabei – und natür­lich immer auch auf der Büh­ne, als eine der Hor­nis­tin­nen. Als „Motor einer kon­ti­nu­ier­li­chen Auf­wärts­ent­wick­lung“ lob­te Ebling in sei­ner kur­zen Lau­da­tio ihre Arbeit, die ein „wich­ti­ger Bei­trag zur Kul­tur­viel­falt in Mainz“ sei.
Das war nicht die ein­zi­ge Unter­bre­chung der Musik. Denn da war ja auch noch Chris­toph Demi­an: Der Solist, der kein Instru­ment dabei hat­te. Nur mit dem Diri­gen­ten­stab von Micha­el Mil­lard spiel­te er: Er ließ ihn ver­schwin­den und auf­tau­chen, aus dem Feu­er auf­er­ste­hen und zeig­te auch sonst so eini­ge Illu­sio­nen – damit die Zau­be­rei nicht nur in der Phan­ta­sie des Publi­kums statt­fand. Dazu gehör­ten auch Auf­ga­ben aus Har­ry Pot­ters Abschluss­prü­fung wie das magisch schwe­ben­de Tisch­chen – raf­fi­niert und mit garan­tiert live gespiel­ter Musik auch über­haupt nicht all­täg­lich.

Die Haupt­last lag aber bei der Sin­fo­ni­et­ta Mainz und ihrem Diri­gen­ten Micha­el Mil­lard. Und die hat­ten kei­ner­lei Pro­ble­me, der Phan­ta­sie zu ihrem Recht zu ver­hel­fen. Sie kön­nen näm­lich so ziem­lich alles: Geis­ter beschwö­ren, Zau­ber­sprü­che rau­nen, über­sinn­li­che Ereig­nis­se schil­dern, bedroh­li­che Zei­chen malen oder sata­ni­sche Tän­ze anfeu­ern – alles kein Pro­blem. Mil­lard treibt die Sin­fo­ni­et­ta in der Phö­nix­hal­le zu sehr plas­ti­schem und viel­sei­ti­gem Spiel. Geschmei­dig wech­selt er mit ihr zwi­schen den viel­fäl­ti­gen Stim­mun­gen. Am bes­ten aber klingt das immer dann, wenn die Musi­ker es so rich­tig kra­chen las­sen kön­nen: Die mas­si­ve Klang­aus­beu­te der Sin­fo­ni­et­ta nutzt Mil­lard sehr geschickt – so raf­fi­niert, dass man oft gar nicht mehr viel Phan­ta­sie benö­tigt, son­dern ein­fach ver­zau­bert ist.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zei­tung.)

Mit aller Gewalt: Posaunen und Schlagzeug beenden den Musiksommer

… zumin­dest den Main­zer Musik­som­mer. Lei­der konn­te ich mich nur teil­wei­se für das Abschluss­kon­zert des dies­jäh­ri­gen Fes­ti­vals erwär­men:

Der Titel war ein biss­chen geschum­melt: „Von Bach bis Bern­stein“ war das Abschluss­kon­zert des dies­jäh­ri­gen Main­zer Musik­som­mers über­schrie­ben. Aber die vier Män­ner von Per­cus­sion Posau­ne Leip­zig hat­ten sich für ihr Kon­zert im Kreuz­gang von St. Ste­phan viel mehr vor­ge­nom­men: Von eng­li­schen Madri­ga­len des 16. Jahr­hun­derts bis zu zeit­ge­nös­si­schen Kom­po­si­tio­nen umfass­te ihr Pro­gramm fast die ganz euro­päi­sche Musik­ge­schich­te. Und das mit drei Posau­nen und einem Schlag­zeug – wahr­lich ein Kraft­akt.

Aber Bach und Bern­stein waren auch dabei, an die­sem lau­en Som­mer­abend. Und es waren nicht die schlech­tes­ten Tei­le eines sehr durch­wach­se­nen Kon­zer­tes, die sich direkt auf den Titel bezo­gen. Von Bach zum Bei­spiel hät­te man ger­ne noch mehr gehört: Das E‑Dur-Prä­lu­di­um aus dem zwei­ten Band des Wohl­tem­pe­riertn Kla­viers näm­lich wirk­te auch mit der völ­lig Bach-frem­den Beset­zung der drei Posau­nen ganz aus­ge­zeich­net: Als span­nen­de Klang­schön­heit, die sich im Kreuz­gang dank des beseel­ten Spiels der drei Posau­nis­ten sehr atmo­sphä­risch ent­fal­ten konn­te. Scha­de, dass sie es bei dem einen Prä­lu­di­um belie­ßen – so hät­te man ger­ne mehr gehört, und wenn es nur die dazu­ge­hö­ri­ge Fuge gewe­sen wäre, die lei­der vier Stim­men erfor­dert. Aber dafür war in ihrem Pro­gramm kein Platz – denn Per­cus­sion Posau­ne Leip­zig hat­te etwas ande­res vor: Sie woll­ten nett und unter­halt­sam sein, sie woll­ten lie­ber an der Gren­ze zwi­schen leich­ter Klas­sik, Pop und Jazz musi­zie­ren. Das mach­ten sie schon von Anfang an klar: Die berühm­ten Eröff­nungs­tak­te von Richard Strauss‘ „Also sprach Zara­thus­tra“ ver­wan­del­ten sich naht­los in ein mit­rei­ßen­des Arran­ge­ment von Duke Elling­tons fast genau­so berühm­ten „Cara­van“.

Lei­der blieb nicht alles auf die­sem Niveau. Die Choral­fan­ta­sie ihres Leip­zi­ger Posau­nen­kol­le­gen Hen­ry Walt­her über „Lobet den Her­ren alle, die ihn ehren“ bot immer­hin – trotz des erstaun­lich schlapp gespiel­ten Cho­rals – eini­ge fet­zi­ge Pas­sa­gen in den zuneh­mend stär­ker ange­jazz­ten Varia­tio­nen. Auch der Beginn des zwei­ten Pro­gramm­teils, die „Haba­ne­ra“ aus Bizets „Car­men“, bot dem Quar­tett – wie­der­um in leicht ange­jazz­ter Ver­si­on – die Mög­lich­keit, spie­le­risch ihr Kön­nen zu zei­gen. Vor allem in dem sich dar­aus ent­wi­ckeln­den Solo, das zwi­schen­durch auf ein­mal beim durch Sina­tra berühmt gewor­de­nen My Way“ gas­tier­te und dann, in der Zusam­men­ar­beit mit der elek­tro­ni­schen Unter­stüt­zung der Loop­ma­schi­ne, treff­lich demons­trier­te, das man als Posau­nist gar nicht so viel Metall braucht, um Musik zu machen: Stück für Stück ent­le­dig­te sich der Musi­ker Tei­le sei­ner Posau­ne: Zuerst fiel der Schall­trich­ter weg, dann der Zug, bis nur noch das Mund­stück übrig war – und selbst das braucht so ein ech­ter Posau­nist eigent­lich gar nicht. Dann war er zwar nur noch Sän­ger, klang aber immer noch fast wie eine Posau­ne.
Dazwi­schen war aller­dings auch eini­ges plat­tes, wit­zig gemein­tes, aber nicht sehr amü­san­tes zu hören – und zwei über­lan­ge, musi­ka­lisch lei­der belang­lo­se Schlag­zeug­so­li von Wolf­ram Dix. Immer­hin bot Per­cus­sion Posau­ne Leip­zig zum Abschluss noch die High­lights aus Leo­nard Bern­steins „West Side Sto­ry“. Das geschick­te und effekt­vol­le Arran­ge­ment von Wer­ner Pfül­ler ließ die Musi­cal­hits nicht nur erken­nen, sie klan­gen sogar rich­tig gut und boten so einen fro­hen und ver­söhn­li­chen Schluss.

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zei­tung.)

Ins Netz gegangen (22.7.)

Ins Netz gegan­gen (22.7.):

  • 18 Tage in einer Welt ohne Mensch­lich­keit – Gesellschaft/​Leben – Im Reich des Todes Die gan­ze Welt schaut nach Kai­ro – zugleich fol­tern Bedui­nen auf der ägyp­ti­schen Sinai-Halb­in­sel Tau­sen­de afri­ka­ni­sche Migran­ten, um Löse­geld zu erpres­sen. Und gleich neben­an machen ahnungs­lo­se deut­sche Tou­ris­ten Urlaub. Unter­wegs durch eine Regi­on, in der kri­mi­nel­le Gewalt, Tou­ris­mus und Welt­po­li­tik nahe bei­ein­an­der­lie­gen.
  • Fest­spiel-Infla­ti­on : Kommt der Som­mer, blüht die Fes­ti­vali­tis – DIE WELT – Manu­el Brug bringt es in der WELT auf den Punkt:

    Ohne den regu­lä­ren, hoch sub­ven­tio­nier­ten Betrieb, der die Künst­ler her­an­züch­tet, die Kol­lek­ti­ve unter­hält, gäbe es kei­ne Fes­ti­valsai­son. Eine Insti­tu­ti­on wie das Fest­spiel­haus Baden-Baden wird zwar direkt kaum sub­ven­tio­niert, aber sei­ne Star­vio­li­nis­tin­nen und Sopran­pri­ma­don­nen sind anders­wo groß gewor­den. Hier schöp­fen sie nur in meist risi­ko­lo­sen Pro­gram­men den Rahm ihrer Exis­tenz ab.

  • Fefes Blog – „Die sind ja selbst zum Lügen zu däm­lich! Das ist doch die ein­zi­ge Kern­kom­pe­tenz, die Poli­ti­ker haben!“ >

Netzfunde der letzten Tage

Mei­ne Netz­fun­de für die Zeit vom 5.3. zum 14.3.:

  • Wie klas­si­sche Musik fas­zi­niert, heu­te – Hans Ulrich Gum­brecht über­legt in sei­nem FAZ-Blog „Digital/​Pausen“ aus Anlass eines (offen­bar recht typi­schen) Kon­zer­tes mit Streich­quar­tet­ten und ähn­li­chem, war­um uns Musik der Klas­sik (& Roman­tik) anders/​mehr fas­zi­niert als die der Moder­ne (hier: Brit­ten (!)) -

    Noch inten­si­ver als die Musik unse­rer Gegen­wart viel­leicht schei­nen vie­le Stü­cke aus dem Reper­toire, das wir “klas­sisch” nen­nen, die­se Ahnung, die­se unse­re Exis­tenz grun­die­ren­de Erin­ne­rung zu eröff­nen, wie­der Teil einer Welt der Din­ge zu wer­den. Genau das könn­te die Intui­ti­on, die vor­be­wuss­te Intui­ti­on der Hörer im aus­ge­schnit­te­nen Mara­thon-Hemd sein—die sich zu wei­nen und zu lachen erlau­ben, wenn sie Mozart und Beet­ho­ven hören.

    (via Published artic­les)

  • Abmah­nung für Klaus Graf in der Cau­sa Scha­van | Schmalenstroer.net – Abmah­nung für Klaus Graf in der Cau­sa Scha­van (via Published artic­les)
  • John­sons JAHRESTAGE – Der Kom­men­tar – Kom­men­tar zu Uwe John­sons Roman »Jah­res­ta­ge«
  • Klei­nes Adreß­buch für Jeri­chow und New York – Rolf Michae­lis: Klei­nes Adreß­buch für Jeri­chow und New York.
    Ein Regis­ter zu Uwe John­sons Roman »Jah­res­ta­ge. Aus dem Leben von Gesi­ne Cress­pahl« (1970−1983)
    Über­ar­bei­tet und neu her­aus­ge­ge­ben von Anke-Marie Loh­mei­er
    Über­ar­bei­te­te, digi­ta­le Neu­aus­ga­be 2012
  • Abschluss der «Enzy­klo­pä­die der Neu­zeit»: Die Vor­mo­der­ne in sech­zehn Bän­den – Tho­mas Mais­sen lobt – mit eini­gen Ein­schrän­kun­gen – in der NZZ die plang­e­recht abge­schlos­se­ne EdN:

    «Schluss­be­trach­tun­gen und Ergeb­nis­se» run­den das Werk ab. Das ist für eine Enzy­klo­pä­die unge­wöhn­lich, macht aber das pro­gram­ma­ti­sche Ziel deut­lich. Die «Enzy­klo­pä­die der Neu­zeit» sam­melt nicht abschlies­send Wis­sen, son­dern will die Grund­la­ge abge­ben für neu­ar­ti­ge Unter­su­chun­gen zu his­to­ri­schen Pro­zes­sen, wel­che vor den Gren­zen der Dis­zi­pli­nen eben­so wenig halt­ma­chen wie vor den­je­ni­gen der Natio­nen und Kul­tu­ren. Inso­fern dient das Werk pri­mär For­schen­den und Leh­ren­den, die ihren eige­nen Zugang rela­ti­vie­ren und erwei­tern wol­len, durch kom­pakt und reflek­tiert prä­sen­tier­te Infor­ma­ti­on auf hohem Niveau.

  • Sprach­schmugg­ler in der Wiki­pe­dia? – Sprach­log – Sprach­schmugg­ler in der Wiki­pe­dia? (via Published artic­les)
  • DDR-Pres­se (ZEFYS) – Im Rah­men eines von der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) geför­der­ten Pro­jekts wer­den drei DDR-Tages­zei­tun­gen digi­ta­li­siert und im Voll­text erschlos­sen: Neu­es Deutsch­land [ND] (23. April 1946 – 3. Okto­ber 1990, voll­stän­dig in Prä­sen­ta­ti­on), Ber­li­ner Zei­tung [BZ] (21. Mai 1945 – 3. Okto­ber 1990, 1945–1964 in Prä­sen­ta­ti­on) & Neue Zeit [NZ] (22. Juli 1945 – 5. Juli 1994, Prä­sen­ta­ti­on folgt)

    Damit ist ein ers­ter, bedeu­ten­der Teil der Tages­pres­se der SBZ (Sowje­ti­sche Besat­zungs­zo­ne, 1945–1949) und der DDR (Deut­sche Demo­kra­ti­sche Repu­blik, 1949–1990) für die wis­sen­schaft­li­che For­schung und Recher­che frei zugäng­lich.

  • Druck­sa­chen und Ple­nar­pro­to­kol­le des Bun­des­ta­ges – 1949 bis 2005 – In die­sem elek­tro­ni­schen Archiv kön­nen sämt­li­che Druck­sa­chen und Ste­no­gra­fi­schen Berich­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges von der 1. bis zur 15. Wahl­pe­ri­ode recher­chiert und im pdf-For­mat abge­ru­fen wer­den.

Netzfunde vom 1.2. bis zum 7.2.

Mei­ne Netz­fun­de für die Zeit vom 1.2. zum 7.2.:

  • Anton Tant­ner: Wer­det Blog­ge­rIn­nen! Eine Replik auf Valen­tin Groeb­ner – Mer­kur. Blog der deut­schen Zeit­schrift für euro­päi­sches Den­ken – Auch Anton Tant­ner ‑ä im Netz sehr aktiv – repli­kiert auf Valen­tin Groeb­ner:

    Ins­ge­samt man­gelt es dem Bei­trag Groeb­ners lei­der an der kon­kre­ten Aus­ein­an­der­set­zung mit den bereits bestehen­den wis­sen­schaft­li­chen Web­an­ge­bo­ten; statt­des­sen bevor­zugt er es, auf Papp­ka­me­ra­den zu schie­ßen, die, wenn über­haupt, dann in den Anfangs­zei­ten des Inter­nets bei man­chen Netz­theo­re­ti­ke­rIn­nen eine Rol­le gespielt haben mögen, aber für die der­zeit im Web akti­ve Gene­ra­ti­on von Wis­sen­schaf­te­rIn­nen – weder für mich noch für die Mehr­zahl mei­ner blog­gen­den Kol­le­gIn­nen – von Rele­vanz sind.

  • Ver­mit­teln Blogs das Gefühl rast­lo­ser Mas­tur­ba­ti­on? Eine Ant­wort auf Valen­tin Groeb­ner | Redak­ti­ons­blog – Klaus Graf setzt Valen­tin Groeb­ners Abwer­tung der Blogs in der Geschichts­wis­sen­schaft (in der FAZ vom 6. Febru­ar 2013 und auf der Tagung „Rezen­sie­ren – Kom­men­tie­ren – Blog­gen“) eine dif­fe­ren­zier­te Dar­stel­lung der Vor­tei­le des Publi­zie­rens im Netz ent­ge­gen.
  • Jazz Dis­co­gra­phy Pro­ject -

    A collector’s gui­de to jazz music CDs/​DVDs, iTunes/​MP3s and vinyl records (LPs/​EPs/​45s/​78s, etc.):
    Blue Note, Pres­ti­ge, River­si­de Records (the big three labels of modern jazz); bebop, cool/​west coast, hard bop, modal/​mode, free/a­vant-gar­de jazz musi­ci­ans; Miles Davis‘ per­so­nal con­nec­tions, and more.

  • Kam­mer­mu­sik­füh­rer – Vil­la Musi­ca Rhein­land-Pfalz – Die Vil­la Musi­ca hat einen Kam­mer­mu­sik­füh­rer ver­öf­fent­licht – aus den Pro­gramm­heft­tex­ten der letz­ten zwan­zig Jah­re:

    Im Online-Kam­mer­mu­sik­füh­rer der Vil­la Musi­ca sind Tex­te zu mehr als 4000 Wer­ken gesam­melt, die seit 1991 in den Pro­gramm­hef­ten der rhein­land-pfäl­zi­schen Lan­des­stif­tung abge­druckt wur­den. Sie stam­men fast durch­weg von Dr. Karl Böh­mer, dem lang­jäh­ri­gen Dra­ma­tur­gen und jet­zi­gen Geschäfts­füh­rer der Stif­tung

  • Pfäl­zer­wald­läu­fer: 31 Grün­de – 31 Grün­de, immer wie­der lau­fen zu gehen (via Published artic­les)

Taglied 28.9.2012

Hel­mut Lachen­mann, har­mo­ni­ca #1


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