»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

wovon haruki murakami schreibt, wenn er vom laufen schreibt

ein schö­nes klei­nes buch, in dem so ziem­lich alles rund ums lau­fen steht. und noch ganz nett geschrie­ben, klar und prä­zi­se, flüs­sig zu lesen.

das inter­es­san­te sind hier aber natür­lich die inhal­te, die rei­chen erfah­run­gen, die mura­ka­mi als lang­jäh­ri­ger läu­fer gemacht. dabei geht es gar nicht so sehr um tech­ni­sche details – das buch wen­det sich schließ­lich an ein all­ge­mei­nes publi­kum, nicht nur an läu­fer. son­dern vor allem um per­sön­li­ches, um ver­än­de­run­gen der eigen- und fremd­erfah­rung. natür­lich spie­len auch ver­meint­li­che klei­nig­kei­ten immer wie­der hin­ein. etwa die aus­wahl pas­sen­der schu­he, wenn mura­ka­mi vom „psy­cho­lo­gi­schen vor­teil“ guter schu­he berich­tet (übri­gens ist er, wie ich auch, offen­bar ein mizuno-fan).

mura­ka­mi ist zwar kein streak­läu­fer, prak­ti­ziert aber trotz­dem das täg­li­che lau­fen – mit unter­bre­chun­gen – als ziel und metho­de. auch wie­der ein sym­pa­thi­scher zug an ihm. vor allem aber die offen­heit, mit der er nicht nur von den schmer­zen des vor­be­rei­ten­den trai­nings berich­tet, son­dern auch die erfah­rung und ver­ar­bei­tung von nie­der­la­gen erläu­tert, sind gute pas­sa­gen. gera­de das letz­te­re, die aus­dau­ern­de und tie­fe ref­k­lek­ti­on der nie­der­la­ge – die ja beim lau­fen weni­ger mit dem „ver­lie­ren“ im wett­kampf als mit dem nicht­er­rei­chen eines per­sön­li­chen zie­les zusam­men­hängt – ist wohl etwas wirk­lich läu­fer­ty­pi­sches: läu­fer schei­nen sich viel inten­si­ver mit die­sen erfah­run­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen als ande­re hob­by­sport­ler. wohl ein­fach des­halb, weil lang­stre­cken­läu­fer – wenn sie nicht außer­or­dent­li­che bega­bun­gen sind – nie da her­um­kom­men, irgend­wann eine oder die ande­re zu erfah­ren. und im gegen­satz zu wett­kampf- und/​oder mann­schafts­sport­ar­ten ist man halt immer wirk­lich selbst schuld – es gibt sozu­sa­gen kei­ne aus­re­den. aber genau die­ses moment ist es auch wie­der, dass das lau­fen so wert­voll macht: man lernt, mit sol­chen rück­schlä­gen umzu­ge­hen – man muss es ler­nen. man lernt sozu­sa­gen so etwas wie „demut“: auch wenn man auf der einen sei­te die erfah­rung der enor­men leis­tungs­fä­hig­keit eines mensch­li­chen kör­pers (und ihrer stei­ge­rungs­fä­hig­keit) macht, so lernt man eben auch die gren­zen die­ses kör­pers immer wie­der ganz unmit­tel­bar ken­nen. das ist eine wesent­li­che erfah­rung, die jeder halb­wegs ambi­tio­nier­te läu­fer macht. und die beschreibt mura­ka­mi sehr gut – ich glau­be, anhand sei­nes tex­tes kön­nen das auch nicht­läu­fer nachvollziehen …

auch die viel­fäl­ti­gen ver­än­de­run­gen durch und im lau­fen kom­men bei ihm nicht zu kurz: die ver­än­de­run­gen der wahr­neh­mung etwas, von sich selbst und der umge­bung, die man anders – inten­si­ver gar nicht unbe­dingt, aber direk­ter, näher – erfährt – z.b. den wan­del der zeit, der jah­res­zei­ten, der jah­re … natür­lich auch die ver­än­de­run­gen des eige­nen kör­pers. aber auch die ver­än­de­run­gen des „geis­tes“ – die (konzentrations-)stärke (die hm die par­al­le­le zum schrei­ben zie­hen lässt) zum bei­spielt, das durch­hal­te­ver­mö­gen, die for­de­rung der eige­nen fähig­kei­ten, die aus­lo­tung von gren­zen und der ver­such, die­se gren­zen im rah­men der mög­lich­kei­ten zu ver­schie­ben. all das steht in die­sem klei­nen, sym­pa­thi­schen büch­lein auf ganz unauf­dring­li­che, per­sön­lich gefärb­te wei­se geschrieben.

haru­ki mura­ka­mi: wovon ich rede, wenn ich vom lau­fen rede. köln: dumont 2008.

langer lauf als tempotraining

das habe ich heu­te mal aus­pro­biert ;-). vor­ge­se­hen waren 22 km @ 5:08 min/​km. also bin ich los­ge­zo­gen: den buch­wald­s­kopf in rich­tung bull­au – die stan­dard­stre­cke eben. und weil’s ja schnell wer­den soll­te, habe ich schon am buch­wald­s­kopf gas gege­ben. und dann den weg hin­auf nach bull­au immer mehr. oben ange­kom­men hat­te ich schon einen schnitt von 5:10 min/​km – so schnell war ich noch nie den hügel hin­auf gekom­men. und das for­der­te natür­lich kon­se­quen­zen: jetzt muss­te das tem­po hoch­blei­ben – eigent­lich ja sogar kon­ti­nu­ier­lich schnel­ler wer­den. und das wur­de es dann auch tat­säch­lich. bis zur halb­ma­ra­thon-mar­ke, die ich bei 1:38:25 pas­sier­te – das ist abso­lu­te best­zeit, und im trai­ning erst recht. danach bin ich einen tick lang­sa­mer gewor­den (wie man an der tem­po-kur­ve gut sieht, bei km 23 ist der stei­le abschnitt des kreuz­we­ges in erbach auch gut zu erken­nen). ins­ge­samt war ich dann nach 23,90 km wie­der zu hau­se. dafür habe ich gera­de ein­mal 1:50:38 gebraucht – also ein schnitt von schlap­pen 4:38. und das ent­spricht ziem­lich genau dem, was mein trai­nings­plan mir gera­de als wett­kampf­spe­zi­fi­sches tem­po ver­ord­net. das ich so eine geschwin­dig­keit über knapp 24 kilo­me­ter inklu­si­ve +/- 400 höhen­me­ter durch­hal­te, hät­te ich nicht gedacht. jetzt kann der nächs­te mara­thon eigent­lich kommen …

tempokurve trainingslauf 16.8.2008

tem­po­kur­ve trai­nings­lauf 16.8.2008

neues laufrevier: ober-olmer-wald

ich habe es end­lich mal wie­der geschafft, mich mit lars zum lau­fen zu ver­ab­re­den. die­ses mal waren wir in „sei­nem“ revier, dem ober-olmer-wald. los ging’s – nach einer früh­mor­gend­li­chen fahr­rad­tour durch mainz für mich – am orts­rand von mainz-drais. von dort ziem­lich ziel­stre­big in das klei­ne wäld­chen. dort sind wir dann gefühlt kreuz und quer über ange­neh­me, meist schö­ne schma­le fuß­we­ge gelau­fen. auf der kar­te zeigt sich frei­lich, dass wir gar nicht so durch­ein­an­der waren, son­dern schön brav eine run­de am wald­rand gezo­gen haben. eine schö­ne ecke ist das – kaum läu­fer bzw. leu­te über­haupt unter­wegs, schö­ne natur (oder was davon in einem deut­schen wald halt übrig ist), ange­neh­me wege. und zusam­men mit lars hat­te ich auch ein recht ordent­li­ches tem­po. eigent­lich viel zu ordent­lich, denn der geplan­te nor­ma­le dau­er­lauf wur­de dann eher zügig: 14,4 km @ 5:25 min/​km, also 1:18:03 lauf­zeit – ein guter tages­be­ginn. die stre­cke kann man hier sehen: klick

abends habe ich das frei­lich dann doch etwas gemerkt. obwohl ich wie­der einen enor­men tem­po­drang hat­te, waren die bei­ne doch nicht mehr so ganz frisch – welch wunder …

monday, monday

mon­tags machts das lau­fen am wenigs­ten spaß. das liegt aber nicht am wochen­tag (und auch nicht an „the mamas & the papas“). aber zum wochen­auf­takt sieht mein trai­nings­plan im moment immer das wöchent­li­che inter­vall­trai­ning vor. und das ist wäh­rend dem lau­fen nicht so spa­ßig. letz­te woche waren es 11x600m, heu­te schon ange­neh­me­re 5x1600m. obwohl ich bei den letz­ten bei­den wie­der­ho­lun­gen das jeweils letz­te vier­tel schon ganz schön schwer fand. gut, ich war auch wie­der ein­mal etwas schnel­ler als ich soll­te – der plan hinkt mei­nem form­auf­bau gera­de ein wenig nach. aber trotz­dem – inter­vall­trai­ning ist immer eine ziem­li­che schin­de­rei. wenigs­tens fühlt man sich danach recht groß­ar­tig, wenn man es wie­der geschafft hat. nur wenn es mal nicht klappt, wenn die zei­ten für die indi­vi­du­el­le tages­form zu schnell sind, dann ist es auch ziem­lich nie­der­schmet­ternd. aber irgend eine aus­re­de fin­det sich dann auch immer. wenigs­tens brin­gen die­se har­ten trai­nings­ein­hei­ten auch viel – seit ich die regel­mä­ßig mache, habe ich doch deut­lich an tem­po­stär­ke gewon­nen. das ist ja immer­hin etwas. und ein drei­stun­den­ma­ra­thon braucht das halt auch …

nein, das wird kei­ne urlaubs­be­richt ;-). aber mein lan­ger lauf führ­te mich die­se woche in rich­tung süden: über bull­au und die geb­hardtshüt­te bin ich in rich­tung kräh­berg gelau­fen. vom reu­ßen­kreuz aus führ­te mich der weg – mit einem klei­nen, unge­plan­ten umweg – über den anfang des sen­s­bach­tals nach beer­fel­den. von dort aus dann zunächst rich­tung etze­an. eigent­lich woll­te ich dann knapp ober­halb von hetz­bach auf der west­li­chen tal­sei­te blei­ben. aber der weg, den ich aus­ge­sucht hat­te, ende­te an einem wei­de­zaun. und zu dem zeit­punkt hat­te ich schon kei­ne lust mehr, nach alter­na­ti­ven zu suchen. also bin ich ein­fach das stück­chen nach hetz­bach an der bun­des­stra­ße gelau­fen und dort auf den müm­ling­tal­rad­weg ein­ge­schwenkt (wo ich sehr allei­ne war – in dem teil des tales wird der rad­weg offen­bar auch am wochen­en­de wenig genutzt). nach noch nicht ein­mal drei stun­den war ich dann schon wie­der zu hau­se – 32 kilo­me­ter waren es. und eine schö­ne stre­cke, vor allem die ers­te hälf­te bis beer­fel­den: viel wald, ange­neh­me wege, kei­ne autos, ein paar weni­ge rad­ler und spa­zier­gän­ger – vor allem aber ganz viel ruhe. sicher war das nicht das letz­te mal, dass ich mich in die­se rich­tung auf­ge­macht habe. denn im gegen­satz zu mei­nen ande­ren run­den die­ser län­ge hat die­se stre­cke recht wenig höhen­me­ter: bis bull­au geht es halt ordent­lich berg­auf. danach ver­teilt es sich aber ganz gut (sieht man auch sehr schön an mei­nem tem­po: die knapp 8 kilo­me­ter bis bull­au hin­auf hat­te ich einen durch­schnitt von 5:55 min/​km, der rest flog in 5:05 min/​km vor­bei). wie­der ein­mal also viel zu schnell ;-)

die stre­cke ist hier zu sehen: klick.

schluss mit lustig

Carl Orffs „Car­mi­na Burana“ ist die klas­si­sche Kom­po­si­ti­on schlecht­hin. Und wenn es mit die­sem Ren­ner auf dem Pro­gramm schon ein popu­lä­res Kon­zert wird, dann auch rich­tig: Also kop­pel­te Jos­hard Daus Orffs größ­ten Hit noch mit Ser­gej Pro­kof­jews „Peter und der Wolf“. Damit ist ein aus­ver­kauf­tes Haus qua­si dop­pelt garan­tiert. Die Rhein­gold­hal­le war dann beim Semes­ter­ab­schluss­kon­zert des Col­le­gi­um musi­cum auch bis auf den letz­ten Platz besetzt.

Zwei Kra­cher stan­den also an. Und genau so liess es der Diri­gent des Uni­ver­si­täts­or­ches­ters auch spie­len: Kra­chend. Das klapp­te mal mehr, mal weni­ger gut.

„Peter und der Wolf“ leb­te in der Rhein­gold­hal­le vor allem von sym­pa­tisch-bär­bei­ßi­gem Erzäh­ler Dirk Sch­or­temei­er, der mit sono­rer Stim­me und gelas­se­nem Under­state­ment für Ord­nung sorg­te. Daus übte sich der­wei­len in größt­mög­li­cher Zurck­hal­tung. Immer­hin konn­te das Col­le­gi­um musi­cum mit gut vor­be­rei­te­ten Blä­ser­so­lis­ten auf­war­ten. Sonst blieb die klang­li­che Sei­te des musi­ka­li­schen Mär­chens aber blass und unauf­fäl­lig, ganz ohne Pepp oder Fun­keln: Denn wirk­lich bril­lie­ren konn­te das Orches­ter damit nicht.

Die „Car­mi­na Burana“ leben zu einem gro­ßen Teil von ihren Mas­sen. Auch auf der Büh­ne wird es mit Chor und Orches­ter des Col­le­gi­um musi­cum dabei recht eng. Aber dass Daus es nicht schafft, ohne aus­wär­ti­ge Unter­stüt­zung aus­zu­kom­men und sowohl Schlag­wer­ker als auch den Kin­der­chor DOREMI aus Mann­heim ein­la­den muss­te, ist schon seltsam.

Man könn­te die­se klang­li­chen Mas­sen Orffs aller­dings auch dif­fe­ren­zie­ren. Daus mach­te sich die­se Mühe nicht. Am wohls­ten fühl­te er sich im for­tis­si­mo, das er immer wie­der breit und mas­siv aus­leb­te. Die­ser plat­te, ein­sei­ti­ge Zugang wird Orff zwar nicht ganz gerecht. Der eine Aspekt, die Über­wäl­ti­gung durch Kraft und freu­di­ge Erre­gung, der gelang ihm aber über­zeu­gend. Raum für klar struk­tu­rier­te Abläu­fe blieb da aller­dings nur sel­ten. Am ehes­ten waren sie noch in den Chor­par­tien zu hören – die Voka­lis­ten schie­nen allein für sub­ti­le­re Klang­ab­stu­fun­gen zustän­dig zu sein. Die Solis­ten unter­stütz­ten ihn dabei recht har­mo­nisch. Beson­ders der Bari­ton Wolf­gang Newer­la tat sich neben dem Tenor Dani­el Sans und der Sopra­nis­tin Ste­fa­nie Dasch her­vor: Durch die stimm­li­che und thea­tra­li­sche Ver­kö­pe­rung der Rol­le, die zwar vor Derb­hei­ten – etwa in sei­nem Auf­tre­ten als spie­len­der Säu­fer – nicht frei blieb, dane­ben aber auch noch viel Raum für fei­ne Abstu­fun­gen und geschickt gesetz­te Akzen­te ließ. Auch popu­lä­re Musik bie­tet näm­lich Raum und Mög­lich­kei­ten für kunst­vol­le Ausgestaltung.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung.)
 

unterwegs auf großer fahrt – und mit visionen

Sanft dröh­nen die Klang­flä­chen in den Main­zer Kam­mer­spie­len, hin und wie­der durch­schnit­ten von Text­schnip­seln und instru­men­ta­len Frag­men­ten. Über die Video-Lein­wand flim­mern unter­des­sen ver­schwom­me­ne For­men, tan­zen hel­le Krei­se und abs­trak­te Gebil­de: Die „Visio­nen“ begin­nen schon vor dem eigent­lich Anfang. „Apo­ka­lyp­se“ hat Peter Kie­fer sei­ne dem Pro­gramm der Musik­hoch­schu­le vor­ge­schal­te­te Klang­s­in­stal­la­ti­on beti­telt – es ist aber ganz harm­los: Weich umfängt das Sound­ge­we­be das Publi­kum, stimmt es ein auf die Höl­len­fahrt mit Dan­te. Denn dar­um geht es: Um „Gesän­ge – Bil­der – Klän­ge“, wie es der Titel ver­heißt, zu Dan­tes Gött­li­cher Komödie.

Beglei­tet von eini­gen weni­gen, kur­zen Aus­schnit­ten aus der epo­che­ma­chen­den Dich­tung, die Karl Jür­gen Sih­ler dra­ma­tisch auf­ge­la­den rezi­ti­tert, hat Clau­dia Eder ein Pan­op­ti­kum nicht nur des Besuchs in Fege­feu­er und Höl­le, son­dern auch der Musik­ge­schich­te kreirt. Von der frü­hen Vokal­mu­sik der Renais­sance bis in die Gegen­wart, bis zu Boris Bla­cher und Sieg­fried Mat­thus reicht der Bogen. Und Peter Kie­fer hat nicht nur die Klang­in­stal­la­ti­on, die die ein­zel­nen Weg­punk­te ver­bin­det, bei­gesteu­ert, son­dern auch noch eine Urauf­füh­rung: „Casel­la – Dou­ze Points“ heißt sein Werk, das Chris­ti­an Rath­ge­ber zum Klin­gen brach­te. Geloop­te Rhyth­men und voka­le Klän­ge ver­ei­nen sich hier zu einer dich­ten Schichtung.

Auch sonst steht die voka­le Kunst in vie­ler Gestalt ganz im Mit­tel­punkt. Die Sopra­nis­tin Min-Su Kim etwa ver­leiht Gaet­a­no Doni­zet­tis „Pia de’ Tolo­mei“ nicht nur ihre gro­ße dra­ma­ti­sche Stimm­ge­walt, son­dern auch gleich noch die pas­sen­de Ges­tik und Mimik direkt aus dem 19. Jahr­hun­dert. Das war Jas­min Ete­z­adzadeh nicht mög­lich. Denn „Fran­ce­s­ca da Rimi­ni“ von Boris Bla­cher ist noch gar nicht so alt. Nötig war es ihr auch nicht. Zusam­men mit dem sou­ve­rä­nen Gei­ger Tho­mas Auf­le­ger reicht die inten­si­ve Über­zeu­gungs­kraft ihres Soprans ganz und gar für die­se thea­tra­lisch-erzäh­len­de Musik aus.

Dazwi­schen stan­den nicht nur die ver­bin­den Tex­te und Kie­fers Klang­schar­nie­re, son­dern auch noch Gre­go­ria­ni­sche Gesän­ge, die in ihrer schein­ba­ren Zeit­lo­sig­keit immer wie­der einen Hauch Ewig­keit in den düs­te­ren Kam­mer­spie­len beschwör­ten. Und im Hin­ter­grund lie­fen die Vide­os von Chris­toph Brech auch immer wei­ter und wei­ter – bis zur Auf­lö­sung in rei­ne Farb­flä­chen am Schluss. Das Fina­le, die Ankunft im Para­dies, war auch musi­ka­lisch beson­ders ein­drück­lich. Schon Clau­dio Meru­los Madri­gal „Ver­gi­ne Mad­re“ tru­gen die jun­gen Sän­ger unter der Lei­tung von Wolf­ram Kolo­seus ernst und fei­er­lich vor. Vor allem Clau­dio Mon­te­ver­dis wun­der­schö­nes „Sal­ve, O Regi­na“, das Regi­na Pät­zer schlicht und klar gestal­te­te, bil­de­te eine berüh­ren­de Brü­cke in Pal­estri­nas „Ave Maria“. So berüh­rend, dass das Publi­kum ganz gefan­gen blieb in die­sen „Visio­nen“.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung.)

hitzeschlacht

32 °C im schat­ten sind doch ziem­lich viel. vor allem wenn es vom schat­ten kaum etwas gibt. zwar stan­den heu­te nur 10 km im rekom-tem­po auf dem plan, doch ich woll­te es dann eben doch rich­tig wis­sen: gewor­den sind es 15,34 km @ 5:30. also zu viel und zu schnell. zum schluss wur­de es auch etwas zäh – und tro­cken in mir. außen war ich reich­lich nass. danach dann doch recht deut­lich zu mer­ken, was die hit­ze aus­macht: tota­le mat­tig­keit, leicht übel­keit für ein paar minu­ten. aber nach einer wei­le hat sich das alles wie­der beru­higt. jeden­falls weiß ich jetzt bescheid: so ganz ohne ist das nicht, mit der hitze …

comedian harmonists oder was?

Es funk­tio­niert ein­fach immer wie­der. Mehr als sieb­zig Jah­re ist es nun her, dass sich sechs jun­ge Män­ner im Frack sich in Ber­lin um einen Flü­gel ver­sam­mel­ten und fast die gan­ze Welt bezau­ber­ten mit ihren fri­vol Songs und ihrer nie dage­we­se­ne stimm­lich-musi­ka­li­schen Höchst­leis­tung. Und immer noch sind die Come­di­an Har­mo­nists ein Besuchermagnet.

Die „Ber­lin Come­di­an Har­mo­nists“ sind min­dests genau­so gewitzt und ver­fü­gen außer­dem inzwi­schen schon über mehr Büh­nen­er­fah­rung als ihr Vor­bild Die Mit­tel­rhein-Musik-Momen­te haben das Ensem­ble nun zum ers­ten Mal nach Mainz geholt, in die dafür etwas nüch­ter­ne Glas­hal­le zwi­schen DB-Schen­ker (Rai­li­on) und Citrus-Bar.

Man könn­te nun leicht auf die Idee kom­men, der anhal­ten­de Erfolg der Come­di­an Har­mo­nists läge an der genia­len Musik, der lan­gen Halb­werts­zeit der kon­ge­nia­len Arran­ge­ments. So ganz falsch ist das auch nicht. Aber es ist nur die hal­be Wahr­heit. Denn gera­de Grup­pen wie die Ber­lin Come­di­an Har­mo­nists tra­gen ihren Teil dazu bei, dass die­ses spe­zi­el­le Reper­toire noch so frisch und leben­dig ist.

Und zwar auf allen Ebe­nen – nicht nur bei der Musik, auch in der poin­tiert ein­ge­setz­ten, treff­si­che­ren Ges­tik und ihrer char­man­ten Mimik sor­gen sie für vita­le Unter­hal­tung. Sie bin­den die Songs dafür zu einer klei­nen Geschich­te des Vor­bilds mit dem fik­ti­vem Tage­buch des Grün­ders, Har­ry From­mer­mann, zusammen.

Mit dem titel­ge­ben­den „Vero­ni­ka, der Lenz ist da“ setz­ten sie gleich zu Beginn einen schmis­si­gen Auf­takt. Aber auch der Swing der klei­nen „Dai­sy“ und der köst­lich ver­gnüg­te Rum­ba mit dem „Onkel Bum­ba aus Kal­um­ba“ liegt ihnen eben­so im Blut und den Stimm­bän­dern wie der frei­lich kul­tu­rell stark gezähm­te Czar­das nach dem 5. Unga­ri­schen Tanz von Brahms.

Um die gro­ßen Hits kom­men sie natür­lich nicht her­um, aber die bekann­tes­ten spar­ten sie sich für die Zuga­ben auf – davon gibt es bei den Ber­lin Come­da­in Har­mo­nists tra­di­tio­nell eine gan­ze Men­ge. Denn sie sind ein­fach ein klas­se Ensem­ble – das merk­te das Publi­kum auch in Mainz schnell.

Auch wenn sie sich in eini­gen Din­gen mit ihren oft etwas eigen­wil­li­gen Inter­pre­ta­tio­nen und den umge­ar­bei­te­ten Arran­ge­ments von ihrem Vor­bild abset­zen. Und auch ihr Klang unter­schei­det sich nicht uner­heb­lich vom Ori­gi­nal. Puris­ten könn­ten leicht bemän­geln, dass ihnen oft das Gleich­ge­wicht der Stim­men fehlt, dass die Mit­tel­stim­men oft arg dick auf­tra­gen, die Rän­der dage­gen ziem­lich blass blei­ben. Doch ver­fehlt das die Ber­lin Come­di­an Har­mo­nists – sie erschöp­fen sich eben nicht in rei­ner Imi­ta­ti­on. Sie sind etwas eige­nes. Das ist für Feti­schis­ten also nur eine hal­be Freu­de. Für Freun­de leben­di­ger, vita­ler Musik aber Unter­hal­tung pur. Bes­ser als jedes Fußballspiel.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung)

objektive kritik

hal­le­lu­ja! dank der zia bzw. ihrer außen­stel­le, der rie­sen­ma­schi­ne, ist es jetzt end­lich mög­lich, lite­ra­tur ganz und gar objek­tiv, also unter völ­li­ger aus­schal­tung der blö­den kri­ti­ker, zu beur­tei­len. hier ist der kri­te­ri­en­ka­ta­log: klick. spe­zi­ell abge­stimmt zwar auf die kla­gen­fur­ter preis­ver­ga­be, aber – mit leich­ten modi­fi­ka­tio­nen – auch dar­über hin­aus gut anzuwenden.

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