Carl Orffs „Car­mi­na Burana“ ist die klas­si­sche Kom­po­si­ti­on schlecht­hin. Und wenn es mit die­sem Ren­ner auf dem Pro­gramm schon ein popu­lä­res Kon­zert wird, dann auch rich­tig: Also kop­pel­te Jos­hard Daus Orffs größ­ten Hit noch mit Ser­gej Pro­kof­jews „Peter und der Wolf“. Damit ist ein aus­ver­kauf­tes Haus qua­si dop­pelt garan­tiert. Die Rhein­gold­hal­le war dann beim Semes­ter­ab­schluss­kon­zert des Col­le­gi­um musi­cum auch bis auf den letz­ten Platz besetzt.

Zwei Kra­cher stan­den also an. Und genau so liess es der Diri­gent des Uni­ver­si­täts­or­ches­ters auch spie­len: Kra­chend. Das klapp­te mal mehr, mal weni­ger gut.

„Peter und der Wolf“ leb­te in der Rhein­gold­hal­le vor allem von sym­pa­tisch-bär­bei­ßi­gem Erzäh­ler Dirk Sch­or­temei­er, der mit sono­rer Stim­me und gelas­se­nem Under­state­ment für Ord­nung sorg­te. Daus übte sich der­wei­len in größt­mög­li­cher Zurck­hal­tung. Immer­hin konn­te das Col­le­gi­um musi­cum mit gut vor­be­rei­te­ten Blä­ser­so­lis­ten auf­war­ten. Sonst blieb die klang­li­che Sei­te des musi­ka­li­schen Mär­chens aber blass und unauf­fäl­lig, ganz ohne Pepp oder Fun­keln: Denn wirk­lich bril­lie­ren konn­te das Orches­ter damit nicht.

Die „Car­mi­na Burana“ leben zu einem gro­ßen Teil von ihren Mas­sen. Auch auf der Büh­ne wird es mit Chor und Orches­ter des Col­le­gi­um musi­cum dabei recht eng. Aber dass Daus es nicht schafft, ohne aus­wär­ti­ge Unter­stüt­zung aus­zu­kom­men und sowohl Schlag­wer­ker als auch den Kin­der­chor DOREMI aus Mann­heim ein­la­den muss­te, ist schon seltsam.

Man könn­te die­se klang­li­chen Mas­sen Orffs aller­dings auch dif­fe­ren­zie­ren. Daus mach­te sich die­se Mühe nicht. Am wohls­ten fühl­te er sich im for­tis­si­mo, das er immer wie­der breit und mas­siv aus­leb­te. Die­ser plat­te, ein­sei­ti­ge Zugang wird Orff zwar nicht ganz gerecht. Der eine Aspekt, die Über­wäl­ti­gung durch Kraft und freu­di­ge Erre­gung, der gelang ihm aber über­zeu­gend. Raum für klar struk­tu­rier­te Abläu­fe blieb da aller­dings nur sel­ten. Am ehes­ten waren sie noch in den Chor­par­tien zu hören – die Voka­lis­ten schie­nen allein für sub­ti­le­re Klang­ab­stu­fun­gen zustän­dig zu sein. Die Solis­ten unter­stütz­ten ihn dabei recht har­mo­nisch. Beson­ders der Bari­ton Wolf­gang Newer­la tat sich neben dem Tenor Dani­el Sans und der Sopra­nis­tin Ste­fa­nie Dasch her­vor: Durch die stimm­li­che und thea­tra­li­sche Ver­kö­pe­rung der Rol­le, die zwar vor Derb­hei­ten – etwa in sei­nem Auf­tre­ten als spie­len­der Säu­fer – nicht frei blieb, dane­ben aber auch noch viel Raum für fei­ne Abstu­fun­gen und geschickt gesetz­te Akzen­te ließ. Auch popu­lä­re Musik bie­tet näm­lich Raum und Mög­lich­kei­ten für kunst­vol­le Ausgestaltung.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung.)