„Nächstens mehr.“

Literatur, Musik, Theater – die Welt meiner Kultur. Und das Laufen.

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4×6 Saiten – das nennt man eine „Guitar Gala Night“

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Zumindest beim Mainzer . Von solchen tollen Betitelungen halte ich ja im Allgemeinen nicht sehr viel, hier auch nicht. Das war nämlich vor allem ein Scheingrund, ein sehr uneinheitliches, buntes, durcheinandergemischtes Programm zweier Gitarrenduos (einzeln und zusammen) zu präsentieren. Und das dann noch in einem akustisch dafür eher ungünstigen Raum, der Antoniuskapelle in . Aber nun ja, meine „strengen“ Maßstäbe müssen ja nicht alle eigen sein … Also, so wirlich begeister war ich nicht:

„Guitar Gala Night“, das klingt fast zu groß für die kleine St. Antonionskapelle, so eingezwängt zwischen Römerpassage und LBS. Es wurde aber trotz der für Gitarren eher ungünstigen Akustik zu einem schönen Abend im Mainzer Musiksommer. Das lag, natürlich, an den Musikern, den vier Gitarristen der beiden Duo-Formationen Amadeus Guitar Duo und Duo Gruber & Maklar. Und an ihrem Programm. Das bot nämlich so ziemlich für jeden Geschmack etwas: von klassischen Transkriptionen – und Händel – über gefälligen Crossover und Folklore-Verarbeitungen bis hin zur klassischen Moderne. Ein buntes Gala-Programm also, zusammengehalten vor allem und in erster Linie durch die Interpreten und ihre Kunst. Das ist vor allem die Virtuosität: Technisch und klanglich stellen alle vier gerne heraus, was sie und ihre Gitarren leisten können.

Dem Amadeus Guitar Duo gelingt das vor allem mit der spröden Modernität von André Jolivets „Sérénade pour deux guitars“: Die harte, kantige, teilweise auch unversöhnliche Klangform der knorrigen Serenade wirkt bei ihnen sehr präzise. Aber auch die sanfte Seite des „melancholischen“ Andante gelingt ihnen in zarter Fragilität, quasi an bessere Zeiten zurückdenkend, im Kontrast sehr schön.

Das Duo Gruber & Maklar punktet dagegen vor allem mit ihrer eigenen Bearbeitung einiger „spanischer“ Klavierstücke von Isaac Albéniz, in der sie die betörende Lebendigkeit mit zart-verträumten Momenten in feiner klanglicher Abstufung gekonnt mischen: „Feurig sind die Melodien und süß ihr Ton“ – so schrieb Albéniz über „Córdoba“. Genau das lassen die beiden auch sehr besselt hören. Und auftrumpfen können sie außerdem in der „Sonata Fantasia“ von Dusan Bogdanovic. Hier sind es vor allem die verrückten Rhythmen, die den Zuhörer leicht schwindlig machen.

Beide Duos vereinen dann ihre Kräfte auch noch für den ersten Satz aus Bachs sechstem Brandenburgischen Konzert. Der steht allerdings reichlich verloren und unmotiviert am Ende des Konzertes – in Annäherung an frühere Stereotype des Nähmaschinen-Barocks betont das Quartett vor allem die motorische Komponente der Musik und lässt sonst alles offen. Carlo Comeniconis Originalkomposistion „Oyun“, mit der sie die Gala begannen, zeigt dagegen viel besser die Möglichkeiten des ja nicht allzu häufig anzutreffenden Gitarrenquartetts: Mit sparsamen repetitiven Motiven, leicht schräger Harmonik und vor allem ganz viel Drive ist das sehr zupackende, energische Musik. Und die ist bei den beiden Duos in den besten Händen.

(geschrieben für die Mainzer Rhein-Zeitung.)

Geschrieben von matthias

7. August 2010 um 20:03

Von Liebe und Ablehnung: Lautenlieder um 1600

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Das Programm ist typisch für ein Konzert, das sich ausschließlicher Alter Musik widmet: Wer schon einmal die Namen von mehr als drei Komponisten gehört hat, darf sich Kenner nennen – und wem alle vierzehn Tonsetzer bekannt sind, der ist bestimmt ein heimlicher Spezialist für die Entwicklung des Lautenlieds um 1600. Denn genau das ist es, was die englische Sopranistin und der schwedische Lautenist in der Augustinerkirche präsentieren.

Aber das macht überhaupt nichts, dass man bei weitem nicht alles kennt. Und das die Komponisten ständig wechseln, bringt vor allem viel Abwechslung und Bewegung in den Abend. Denn thematisch geht es in allen Liedern immer wieder um das selbe: Die Liebe. Und da hat sich in den letzten vierhundert Jahren wenig geändert. Man singt heute wohl keine Lieder der Angebeteten mehr, schon gar nicht mit Lautenbegleitung. Aber Zurückweisung und Erfüllung, Glückendes Werben und Scheitern immer noch nahe beieinander.

Aber diese Fülle verschiedenartiger Musik aus Frankreich, England, Italien und Deutschland bleibt nicht nur ein loser Haufen diverser Puzzlestücke. Das weiß schon zu verhindern – nicht umsonst betreibt sie das Geschäft schon einige Jahrzehnte. Ihre unvergleichliche Souveränität hilft ihr dabei enorm. Nicht nur stimmlich ist sie sehr präsent, auch wenn sie nicht mehr so hell strahlt wie früher, auch in der Interaktion mit ihrem Publikum. So ergibt sich also eine entspannte mit rundum weltlicher Musik in Kirche. Entspannt ist das, trotz der großen Konzentration, weil Kirkby als detailversessene Sängerin genau weiß, was sie tun muss und wie, um den Liedern noch einmal Leben einzuhauchen: Sanft und geschmeidig schmeichelt sie verführerisch, kann aber auch – wo es der Effekt verlangt – kräftig werden. Am besten und überzeugendsten ist sie aber in den leisen Tönen, im Klagen und Sehnen, in den zart aushauchenden Enden der kurzen, oft sehr schlichten Lieder.

bleibt dabei als Begleiter ziemlich zurückhaltend – aber die meisten Lieder geben ihm auch recht wenig Gelegenheit, seine Fähigkeiten voll auszuspielen. Dass kann er mit einigen Soli von John Dowland, einer wunderbaren Passacaglia von Alessandro Piccinini und vor allem mit den von ihm selbst bearbeiteten sieben kleinen Lautenstücken von Henry Purcell umso besser
Warm tönend, scheut er polyphone Strukturen genauso wenig wie swingende Melodien – und überbrückt die zeitliche Differenz damit genauso problemlos und selbstverständlich wie mit ihrem Gesang.

(geschrieben für die Mainzer Rhein-Zeitung.)

Geschrieben von matthias

5. August 2010 um 21:11

Italiensche Marienverehrung des 17. Jahrhunderts in der Mainzer Christuskirche

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So einfach geht das also mit dem Reisen in der Zeit. Man braucht nur ein paar spezielle Instrumente, gute Musiker und einen verständigen Dirigenten. Zumindest in die Vergangenheit kommt man damit recht leicht. Etwa 400 Jahre zurück, ins Italien kurz nach 1600. Da hatte Claudio Monteverdi sich gerade auf den Weg nach Rom gemacht, um dem Papst eine seiner Partituren zu überreichen. Die enthielt neben einer auch die Marienvesper. Und während die Messvertonung eher vergessen wurde, ist die „Vespro della Beata Vergine“ heute lebendiger denn je. Den Papst, Paul V., hat Monteverdis Musik übrigens nicht besonders interessiert oder fasziniert. Heute ist das anders, die Marienvesper begeistert nicht nur Katholiken. Auch in der Christuskirche, wo Ralf Otto sie mit dem Bachchor und dem Orchester L‘Arpa festante aufführte, stieß sie auf offene Ohren.

Mit Zinken, Dulcian, eng mensurierten Posaunen und Lauten könnte das, nach allem, was wir wissen, zumindest nahe an den Gegebenheiten um 1600 sein. Aber wie genau das mit dem übereinstimmt, was Monteverdi im Ohr hatte, ist gar nicht so wichtig. Entscheidender ist, dass es den heutigen Zuhörer überzeugt. Und das gelingt Ralf Otto wieder einmal ziemlich gut. Sicher, die ersten Sätze, vor allem die Psalmvertonungen, nimmt er geradezu rasant – da hätte etwas mehr Differenzierung nicht geschadet. Und ja, auch die Textverständlichkeit des Bachchores war schon besser. Aber wer kann heute schon noch so gut Latein, dass er die in italienischer Aussprach gesungenen Bibeltexte ohne Programmheft und Übersetzung verstünde?

Spätestens ab der Sonata und dem Hymnus „Ave maris stella“ war das aber restlos vergessen. Denn hier und vor allem im abschließenden großen Magnificat spielten alle Beteiligten ihre Tugenden voll aus: Der Bachchor sang lebendig, geschmeidig angepasst gleichermaßen kraftvoll und sanft schmelzend. Otto setzte Akzente, trieb das Geschehen immer wieder voran und sorgte für die notwendige dramaturgische Stringenz. Und das Orchester begeisterte mit Spielkultur und nahezu swingendem Drive. Auch Solisten standen auch nicht zurück: Alle sechs trafen sehr elegant die Mitte zwischen Hervortreten mit teilweise virtuosen Partien und rücksichtsvoller Eingliederung in den Gesamtklang. Überhaupt war das ein großer Verdienst Ottos: Das stimmige Konzept für die gesamte Marienvesper hörbar zu machen. Und zwar nicht nur zeitliches Nacheinander von grandioser Herrlichkeit und innig bittender Verehrung, sondern in gegenseitige Befruchtung. Genau so, wie man sich die Marienvereherung von 400 Jahren vorstellt.

(geschrieben für die Mainzer Rhein-Zeitung.)

Geschrieben von matthias

16. Juni 2010 um 12:12

Bachs h-moll-Messe zum Chorgeburtstag

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Es sieht ganz locker aus und ungezwungen aus, wie der Figuralchor da so hemdsärmelig in St. Johannis aufgereiht steht. Auch die Mainzer Camerata Musicale musiziert ganz unformell gekleidet. Aber das täuscht: Wenn bei ihrem Jubiläumskonzert zum 30. Chorgeburtstag mit Bachs h-Moll- eines nicht der Fall ist, dann ist das ein laxer Umgang mit der Musik.
Natürlich erwartet das eigentlich auch niemand. Denn der Dirigent des Mainzer Figuralchors, Stefan Weiler, nimmt seinen Job und seine Aufgabe auch schon seit 30 Jahren sehr ernst.
Faszinierend ist es immer wieder, ihm dabei zuzusehen. Wie er auswendig dirigiert und trotzdem präziser als mancher, der die Partitur vor sich hat. Wie er fast zwei Stunden lang zumindest innerlich mitsingt. Und wie er und Orchester immer wieder aufpeitscht. Denn bei Weilers Aufführungen ist es eigentlich nie langweilig. Nicht nur sein Dirigierstil ist sehr extrovertiert, beweglich und dramatisch. Seine Musik klingt genauso, sie trägt jede emotionale Regung nach außen.

Dafür wird aber auch wirklich an jeder Stellschraube so lange gedreht, bis das maximal Mögliche Klang wird. Das heißt zum Beispiel, dass möglichst jeder Kontrast stark gemacht wird, manchmal sogar regelrecht überhöht. Denn von diesen Höhepunkten lebt Weilers Interpretation. Zwar bemüht er sich auch in introvertierten Abschnitten um innige Gestaltung. Aber so richtig aufblühen können er und der Figuralchor dann doch immer wieder in den musikdramatischen Höhepunkten, beim Ende des Glorias etwa oder auch im Credo. Das scheint sowieso Weilers zentraler Ansatzpunkt für die zu sein. Denn hier die Differenz zwischen mythisch hauchenden, bis zur Schmerzgrenze gedehnten Abschnitten (vor allem beim „Et incarnatus est“) und der triumphal-verlocken Glaubensgewissheit besonders groß.
Das hat den Vorteil, dass die zwei Stunden, die für seine Messvertonung braucht, im Nu vorüber sind: Ständig passiert etwas Neues, ständig gibt es Abwechslung und andere Reize.
Allerdings genau das auf Dauer auch ein bisschen deas Problem: Das sind – nicht immer, aber über weite Strecken – an sich reizvolle Kontraste und einfallsreiche Details, die aber unablässig gereiht werden und größere Zusammmenhänge manchmal etwas aus den Augen verlieren.

Aber auf jeden Fall ist diese h-Moll- expressive Überzeugungsarbeit von der ersten bis zur letzten Note. Fast missionarisch erscheint das – als wollte uns ausgerechnet , der protestantische Kirchenmusiker schlechthin, zum Katholizismus verführen. Zum Anhänger der lateinischen könnte man nach so einer Aufführung immerhin leicht werden.

(geschrieben für die Mainzr Rhein-Zeitung)

Geschrieben von matthias

14. Juni 2010 um 22:07

Abgelegt in musik

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Weltdeutung mit Mahler

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Immer wieder nicht nur überwältigend, sondern auch einleuchtend und sinnstiftend: Die Erinnerungsgewebe der fünften Sinfonie Mahlers. Und live nochmal so gut – mit diesen Klangmassen, ihrer Ballung und Differenzierung kommt keine Hifi-Anlange mit. Selbst wenn es nur die akustisch sehr langweilige, mittelmäßige Rheingoldhalle ist.

Spätestens um 21.32 Uhr war es um das Publikum geschehen: Da hob der berühmteste Teil von Gustav Mahlers fünfter Sinfonie an, das Adagietto des vierten Satzes. Und damit hatte der junge Finne mit dem famosen SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg auch die letzten Zweifler unter den Zuhörern in der Rheingoldhalle von seinem Können überzeugt. Denn er wählt nicht den einfachsten Weg – reine Sentimentalität verbietet sich ihm hier, das ist seit der Verwendung dieser Musik für Luchino Viscontis Film „Tod in Venedig“ keinem ernsthaften Musiker mehr eine Option. Aber Inkinen weicht auch nicht einfach ins Gegenteil, die kühl e analytische Exekution des Notentextes aus. Nein, er sucht zu vermitteln, zwischen Kitsch und Wissenschaft, zwischen triefendem Schmalz und knöcherner Erbsenzählerei. Und das gelingt ihm mit dem SWR-Sinfonieorchester ziemlich gut.

Geschmeidig im Ton und flexibel in allen Dimensionen steht ihm von Anfang an und immer wieder die Vielfalt besonders hoch im Kurs: Viel Zeit lässt er dabei freilich weder sich noch Mahlers Musik. Und manchmal laufen auch einige Fäden ins Leere, lässt er die eine oder andere Masche fallen. Insgesamt aber gelingt ihm ein erstaunlich konzises Gewebe, das die Einheit der Vielheit zelebriert: Jede Idee, jede Harmonie mit sich selbst und der Welt, jeder Frieden und jede Erlösung sind in dieser Musik nur vorübergehend. Sie können zwar wieder erscheinen – aber niemals gleich. Stetig treibt der Dirigent sein Orchester nach vorn, drängt immer weiter, auf der Suche nach der nächsten Sensation und dem nächsten Glücksmoment. Und davon gibt es viele. Etwa der Augenblick, in dem die Trompetenfanfare des ersten Satzes vom Totenmarsch zur Elegie wird. Oder die Apotheose im Geschwindmarsch des Finales. Oder das bestens organisierte Chaos des Scherzos.

Auch zusammen mit dem Pianisten in Robert Schumanns Klavierkonzert wurde zuvor schon einiges beglückendes geleistet. Denn auch hier verlieren sich weder Dirigent noch Solist im romantischen Sehnsuchtsbrei. Gerade Angelich befeuert das romantischste aller Klavierkonzerte mit strahlenden Ton sehr deutlich. Diese klare Brillanz, an manchen Stellen strategisch geschickt zurückgenommen, paart sich mit luzidem Orchesterklang und forschen Tempi zu einer sehr selbverständlich gelingenden Einheit. Selbstverständlich, dass die beiden dafür auch entsprechend gefeiert werden.

(geschrieben für die mainzer rhein-zeitung)

Geschrieben von matthias

8. Juni 2010 um 21:11

training auf dem rheinsteig

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Auf dem war ich ja schon öfter unterwegs. Diesmal sollte es ein Trainingsmarathon werden – zum 700. Tag ununterbrochenen täglichen Laufens (streaken) muss es ja etwas besonderes sein. Also verschob ich den Start von Eltville nach Erbach, das bringt ungefähr zwei Kilometer Strecke – und damit den Rest, der mir bisher zum Marathon gefehlt hat.
Das Prozedere war das übliche: Um kurz vor 9 bin ich in in die S8 gestiegen, die mich nach Wiesbaden brachte. Dort nahm ich die Regionalbahn in Richtung Koblenz – am Pfingstsamstag war das ein Wanderer-Zug. Und obwohl die Leute auch lauter komische Klamotten hatten, haben sie mich trotzdem seltsam angeschaut – mit meinen Kompressionsstrümpfen, kurzer Tight, ärmellosen, engen Singlet und zwei Flaschen in der Hand entsprach ich nicht den üblichen Reisenden – die waren mit schweren Schuhen, Stöcken und Rucksack unterwegs (weder schwere Schuhe noch Stöcke sind in der Gegend für irgend etwas nötig …).

Um 9:30 ging es dann in Erbach im Rheingau los. Das Thermometer zeigte schon 20 °C, die Sonne brannte vom wolkenlosen blauen Himmel recht unbarmherzig herunter. Meinen Weg, den ich mir so ausgedacht hatte, fand ich problemlos: Kurz nach dem Bahnhof ab und aus Erbach hinaus durch die Felder in Richtung Kloster Eberbach. Das heißt vor allem: Es ging gleich bergauf. Aber nicht sehr steil. Noch nicht. Kurz vorm Kloster traf ich dann auf das Sträßchen, das mich an die Klosterpforte führte. Dann noch schnell zwischen Schänke und Basilika durchs Kloster und auf der anderen Seite wieder hinaus. Da stand ich dann erstmal, im Wald. Aufgrund von Bauarbeiten an der Klostermauer war da nämlich ziemliches Durcheinander und ich fand keine -Markierung. Das war nicht so prickelnd. Denn hier kannte ich den Weg ja so gut wie gar nicht – das bin ich nur mal vor Ewigkeiten in die andere Richtung gewandert … Aber die Richtung nach Kiedrich wusste ich noch, also war klar, wo ich suchen musste. Und kurze Zeit später fand ich den dann auch tatsächlich. Der ging erst einmal bergauf – das macht er ja gerne … Hier aber so richtig: steil und matschig. Ich entschied mich für den Schongang und marschierte zum ersten Mal ein kurzes Stück. Dann ging es aber bald besser, im Wald etwas hinab und wieder hinauf und dann über eine der schönsten Stellen des Rheinsteigs (so weit ich ihn kenne): Die Wiesen oberhalb von Kiedrich. Mit wunderbarem Ausblick über das Tal auf einem ganz altmodischen Wiesenweg, ganz unbefestigt und eigentlich nur von den Wanderern genutzt. Inzwischen kamen mir von denen auch schon die ersten entgegen – es wurden noch einige heute, deutlich mehr als sonst. In Kiedrich habe ich dann minimal abgekürzt, damit ich nicht so viel im Ort rumlaufen musste. Hier wusste ich, was zu kommen hatte (hier kommt man nämlich von Eltville auf den ): Der Aufstieg zum Kiedricher Turm. Der ist so richtig steil. Die ersten paar Kehren bin ich noch gelaufen – schließlich musste ich Wanderer überholen. Nicht sehr klug, wahrscheinlich. Und durchgehalten habe ich es auch nicht. Auch vom Kiedricher Turm hat man einen schönen Ausblick. Vor allem bei solch einem Kaiserwetter.

Aber mit Pause war nix, ich hatte ja noch einige Kilometer vor mir. Zunächst durch die Weinberge, dann aber bald wieder in den Wald. Da ging es dann lustig auf und ab, mit mehr oder weniger viel Schlamm – teilweise war es ganz schön rutschig. So ging es dann auf und ab, meist durch den Wald, mit kurzen Wiesenstücken – so war die pralle Sonne noch gar nicht so „schlimm“. Irgendwann kam dann auch schon Schlangenbad – nach einigen Unsicherheiten bei verschiedenen Kreuzungen, wo ich mir nicht mehr sicher war, in welche Richtung der Weg ging – und beim Laufen gleichzeitig nach den Markierungen Ausschau halten und auf die ganzen Schlammlöcher und Stolperfallen des Weges zu achten ist anstrengend. Aber es hat ja immer geklappt – nur ganz kleine minimale Verlaufer waren dabei. Durch Schlangenbad ging es dann, inklusive unangenehmer Treppen im „Kurpark“.

Nach Schlangenbad, das war mir noch in Erinnerung, geht es erst einmal wieder hoch. Das ging dann aber tatsächlich noch einigermaßen, obwohl meine Beine mittlerweile schon deutliche Ermüdung meldeten. Dabei war noch nicht einmal die 20-km-Marke geknackt. Aber die meisten Aufstiege hatte ich jetzt hinter mir, hinter Georgenborn ging es ersteinaml bergab (allerdings so steil, dass es auch keinen Spaß machte). Und den schlimmsten gab es nicht mehr: In Frauenstein wurde die Wegführung zum Goethestein hinauf geändert und somit die steilste Passage – wenn ich mich recht erinnere, waren das vorwiegend Treppenstufen – umgangen. So war ich schneller als gedacht am Goethestein – die nächste Etappe, sozusagen. Allerdings, obwohl es jetzt flach wurde – es lag noch ein gutes Stück Weg vor mir. Zunächst durch die Weinberge, kreuz und quer, damit ja möglichst wenig Asphalt oder Beton dabei ist. Dann durch die Gärten vor Schierstein. Da konnte ich an einer Quelle noch einmal auftanken und mich erfrischen. Inzwischen hatte die Sonne und die ungewohnte Wärme nämlich erheblichen Tribut gefordert: Mein Singlet hatte schöne weiße Ränder, die Haare klebten in alle Richtungen, die Arme waren auch schon reichlich klebrig. Irgendwo dort in den Gärten verlor ich dann endgültig den offiziellen aus den Augen. Aber das war dann egal, jetzt ging es eigentlich nur noch am hinauf in Richtung – vorbei auch am Biebricher Schloss, dass vom Wiesbadener Pfingstturnier in Beschlag genommen war. Inzwischen war der Weg zwar nicht mehr so anspruchsvoll – jetzt musste ich höchstens Spaziergängern ausweichen –, das Laufen wurde aber nur bedingt leichter. Denn die Ermüdung schlug jetzt doch ganz schön kräftig zu. Aber ein paar Kilometer noch – das sollte doch zu schaffen sein. Bis ging es auch. Aber auf der Theodor-Heuss-Brücke wurde mir langsam klar, dass nach den 42 Kilometern ziemlich sicher Schluss sein würde. Schluss war dann auch, aber sogar etwas früher. Irgendwo knapp vor dem Kilometer 41 ging mein Kreislauf in die Knie – und bevor ich im Laufen umkippte, machte ich der Qual lieber ein Ende und marschierte den Rest nach Hause.

Gut vier Stunden war ich unterwegs – also nicht gerade sehr schnell. Irgendwo ist meine Form abhanden gekommen. Dazu kam jetzt auch noch der Mangel an Wasser – getrunken habe ich wohl kaum mehr als 1,5 Liter – das war, gerade bei diesem Wetter, halt doch einfach zu wenig … Aber trotz aller Qual – es war dennoch wieder schön, so lange unterwegs zu sein, so einen schönen und abwechslungsreichen Weg bei so grandiosem Wetter unter die Füße zu nehmen.
Hier ist die Übersicht bei Runsaturday: Klick

Geschrieben von matthias

23. Mai 2010 um 14:54

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