Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

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Digitalisierung?

Natür­lich könn­te man sie [Urkun­den zur Main­zer Stadt­ge­schich­te von 1251 bis 1260] auch digi­ta­li­sie­ren – Vasil Bivo­la­rov, Mit­her­aus­ge­ber von der His­to­ri­schen Kom­mis­si­on Darm­stadt, hielt die­se Metho­de im Umgang mit den Jahr­hun­der­te alten Schrif­ten und Tex­ten aller­dings für unge­eig­net und war sich dar­in mit den ande­ren His­to­ri­kern einig.

Wenn er das wirk­lich so gesagt hat, wie ihn die All­ge­mei­ne Zei­tung Mainz anläss­lich der Vor­stel­lung eines Reges­ten-Ban­des (! – also nicht mal einer voll­stän­di­gen Edi­ti­on!) zitiert, dann bean­tra­ge ich, der Hes­si­schen His­to­ri­schen Kom­mis­si­on Darm­stadt sämt­li­che För­der­mit­tel zu ent­zie­hen. Denn offen­sicht­lich hat sie ja kein Inter­es­se dar­an, dass ihre Ergeb­nis­se auch gele­sen, genutzt, gekannt wer­den von denen, die dafür bezah­len. Denn die­se reflex­haf­te, unre­flek­tier­te Ableh­nung der Digi­ta­li­sie­rung wird ja lang­sam lächerlich.

Critical Mass Mainz – Septemberausgabe

Am Frei­tag war wie­der die Cri­ti­cal Mass in Mainz unter­wegs. Und ich war wie­der dabei – zum drit­ten Mal in die­sem Jahr, zum zwei­ten Mal mit dem Lie­ge­rad. Das ist dafür aber offen­sicht­lich nicht das am bes­ten geeig­ne­te Gefährt (aber dazu gleich mehr). Es waren bei ange­nehm som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren wie­der etwas mehr als hun­dert Rad­le­rin­nen und Rad­ler vor dem Staats­thea­ter zusam­men­ge­kom­men, um ein biss­chen spa­zie­ren zu fah­ren in der Lan­des­haupt­stadt am Rhein. Bis es so weit war, dau­er­te es aber noch etwas. Eigent­lich will die Main­zer Cri­ti­cal Mass am ers­ten Frei­tag im Monat um 18 Uhr star­ten. Das hat sie aber, glau­be ich, noch nie getan – und das muss sie natür­lich auch nicht. Die­ses Mal fand ich die Ver­zö­ge­rung bis zum Start aller­dings arg lang. Das heißt näm­lich vor allem: rum­ste­hen und war­ten (gut, ich konn­te sit­zen …). Aber irgend­wann reicht’s halt doch mal mit dem Herumlungern.
Doch alles War­ten hat irgend­wann ein Ende und so setz­te sich kurz vor halb Sie­ben der lan­ge Wurm auf zwei (bzw. bei zwei Teil­neh­mern auch auf drei) Rädern in Bewe­gung. Aber was heißt da schon Bewe­gung: Ich hat­te den Ein­druck (der kann aber auch täu­schen …), dass es die­ses Mal seee­ehr gemüt­lich war. Auf dem Lie­ge­rad war das jeden­falls kein super ent­spann­tes Tem­po – etwas Geschwin­dig­keit brau­che ich halt schon, damit sich das Ding sta­bi­li­siert. Aber das ist natür­lich mein per­sön­li­ches Luxus­pro­blem. Ande­rer­seits fand ich gera­de am Anfang – es ging die­ses Mal übers Höf­chen auf die Rhein­stra­ße, dann über die Holz­hof­al­lee und Umbach zur Gro­ßen Blei­che, mit einem Schlen­ker über die Kai­ser­stra­ße (weil das Blei­chen­en­de ja wegen Open-Air-Kon­zert-Auf­bau gesperrt war) auf die Theo­dor-Heuss-Brü­cke und über den Rhein nach Kas­tel, von dort nach einer groß­zü­gi­gen Schlei­fe wie­der zurück nach Mainz und noch etwas durch die Neu­stadt und schließ­lich zurück zum Thea­ter -, dass ziem­lich vie­le wack­lig und unru­hig fuh­ren. Außer­dem hat das auch durch­aus etwas pro­vo­zie­ren­des, wenn 110 Zwei­rä­der so lang­sam wie mög­lich über die Kreu­zun­gen schlei­chen und die ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer – unter denen ja auch nicht weni­ge Fuß­gän­ger sind – blo­ckie­ren. Die Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit von knapp 10 km/​h war für mich und mein Lie­ge­rad jeden­falls grenz­wer­tig – da eier ich immer selbst im ebe­nen in den klei­nen und kleins­ten Gän­gen her­um, ohne auf eine ordent­li­che Tritt­fre­quenz zu kom­men. Dafür hat das Cor­ken aber, so weit ich das mit­be­kam, wun­der­bar geklappt – vie­len Dank dafür!
Etwas ande­res, was mich – neben der Stre­cken­füh­rung, die ich etwas erra­tisch fand – mit zuneh­men­der Zeit nerv­te: Zwei Sound­sys­te­me. Das ist für mei­nen Geschmack min­des­tens eines zu viel. Zumal die bei­de – wie­der­um für mich – ästhe­tisch nicht gera­de über­zeug­ten mit ihrer Beschal­lung. Vor allem aber hat­te ich am Frei­tag den Ein­druck, dass das etwas in eine Par­ty­run­de abglei­tet. Und ich befürch­te, damit tun sich die Rad­le­rin­nen und Rad­ler kei­nen Gefal­len. Denn eigent­lich soll­te es bei der Cri­ti­cal Mass ja dar­um gehen, zu zei­gen, dass Fahr­rä­der auch Teil des Ver­kehrs sind und ihren Anspruch auf ange­mes­se­nen (Verkehrs-)Raum gel­tend machen wol­len – nicht aber so sehr, dass sie am Frei­tag Abend für etwas kurio­se Unter­hal­tung sor­gen. Na ja, in die­ser Hin­sicht mag ich aber auch etwas vor­sich­tig bzw. zurück­hal­tend sein. Ähn­li­ches gilt viel­leicht auch für mein leich­tes Unbe­ha­gen auch beim Platz­be­darf: Offi­zi­ell gilt ja eigent­lich nur, dass ein Rad-Ver­band eine Spur nut­zen darf und nicht alle ver­füg­ba­ren. Das eine oder ande­re Mal muss­te aber sogar der Gegen­ver­kehr war­ten – und das muss nun wirk­lich nicht sein. Die Akti­on im Krei­sel in Kas­tel, bei der ein Last­wa­gen und ein PKW, die gera­de auf das Ende der Rad­fah­rer war­te­ten, von der Spit­ze „umschlos­sen“ wur­den, war natür­lich auch eher mis­tig oder unsinnig.
Das alles hat jeden­falls dazu geführt, dass ich die­ses Mal nicht den aller­größ­ten Spaß hat­te. Aber schlecht war’s natür­lich auch nicht ;-) – auch wenn das jetzt ein recht kri­ti­scher Text gewor­den ist. Aber den­noch: Die Idee der Cri­ti­cal Mass fin­de ich immer noch eine gute Sache. Und es war sicher­lich nicht mei­ne letz­te Teil­nah­me, obwohl ich frei­tags abends oft etwas ande­res vor habe …

Was ist fahrradfreundlich?

Der Main­zer AStA hat gera­de eine Peti­ti­on lau­fen, um auf dem Cam­pus den Ver­kehr stär­ker zu tren­nen. Das gan­ze läuft unter dem Titel „Fahr­rad­freund­li­cher Cam­pus“ und for­dert vor allem die Ein­rich­tung – und natür­lich ent­spre­chen­de Kenn­zeich­nung – von dezi­dier­ten Rad­we­gen auf dem Cam­pus. Im Moment ist die Situa­ti­on ja sehr unter­schied­lich: Auf eini­gen Tei­len hat der Cam­pus ganz „nor­ma­le“ Stra­ßen mit Fahr­bahn, Bür­ger­steig und an eini­gen Stel­len auch Rad­weg, an ande­ren Stel­len gibt es shared spaces. Genau die will der AStA sozu­sa­gen los­wer­den und damit die Fahr­rad­freund­lich­keit erhö­hen. Ich hal­te das aus zwei Grün­den für nicht sinn­voll. Zum einen bin ich grund­sätz­lich kein Freund von Fahr­rad­we­gen – die Pro­ble­me an Kreu­zun­gen, Ein­mün­dun­gen etc. sind ein­fach zu groß. Zum ande­ren wür­den auch Rad­we­ge auf dem Cam­pus dort, wo es jetzt schon pro­ble­ma­tisch ist mit dem Zusam­men­kom­men von Fuß­gän­gern und Rad­fah­re­rin­nen – grob gesagt zwi­schen Ein­gang am Forum und Phi­lo­so­phi­cum, viel­leicht noch vor bis zur Men­sa -, die Situa­ti­on ver­mut­lich nicht ver­bes­sern. Das Haupt-„Problem“ ist an die­sen Stel­len näm­lich: Zu Stoß­zei­ten ist die Ver­kehrs­flä­che ein­fach knapp bemes­sen. Da wird es immer eng wer­den. Rad­we­gen kön­nen da des­halb nicht hel­fen, weil der Ver­kehr auch nicht schön gera­de­aus in zwei Richun­gen geht, son­dern an meh­re­ren Stel­len – etwa vor dem neu­en Georg-Fors­ter-Gebäu­de 1 – auch Que­run­gen hat. Genau die wür­den durch Rad­we­ge eher noch gefähr­li­cher. Denn irgend­wo müs­sen Fuß­gän­ge­rin­nen die dann über­que­ren. Und auf den Rad­we­gen wären – so ist zumin­dest die Erwar­tung – die Rad­ler ver­mut­lich schnel­ler unter­wegs als sie es jetzt sind, weil sie ja „unter sich“ wären. Die Pro­ble­me wür­den also nur gefähr­li­cher wer­den. Und das ist bestimmt nicht fahr­rad­freund­li­cher. Auf der ande­ren Sei­te mer­ke ich selbst als Rad­ler, dass es manch­mal etwas frus­tie­rend sein kann, wenn man nicht zügig fah­ren kann, weil über­all Fuß­gän­ger (Autos sind da zum Glück kaum wel­che) im Weg her­um lau­fen ;-). Aber dann den­ke ich halt: Das sind nur ein paar hun­dert Meter. Und mit etwas Geschick fin­det man auch immer eine Lücke ;-). 

Übri­gens bin ich nicht der ein­zi­ge, der oder die den AStA-Vor­stoß kri­tisch sieht – die Peti­ti­on hat trotz Ver­län­ge­rung und Wer­bung auf dem Cam­pus immer noch recht weni­ge Unter­schrif­ten und dafür mehr Con­tra- als Pro-Argu­men­te.

Show 1 footnote

  1. Das die Analpha­ben der Johan­nes Guten­berg-Uni­ver­si­tät beharr­lich Georg Fors­ter-Gebäu­de schrei­ben, aber das ist ein ande­res The­ma …

Chormusik aus und für Mainz: Das „Mainzer Chorbuch“

mainzer chorbuchEin ganz schö­ner Bro­cken ist es, das „Main­zer Chor­buch“ – fast so wuch­tig wie der Hohe Dom zu Mainz. Da ist es auch ent­stan­den. Denn sozu­sa­gen als Sum­me sei­ner fast drei­ßig Jah­re als Dom­ka­pell­meis­ter hat Mathi­as Breit­schaft aus dem Ruhe­stand nun ein fast 350 Sei­ten star­kes Kom­pen­di­um katho­li­scher Chor­mu­sik vor­ge­legt. Das muss man frei­lich gleich wie­der ein­schrän­ken: Ver­sam­melt ist hier in ers­ter Linie lit­ur­gisch nutz­ba­re und nütz­li­che Musik – also eher klei­ne For­men und kur­ze Sät­ze, was eine kon­zer­tan­te Auf­füh­rung natür­lich über­haupt nicht aus­schließt. Der Bezug zu Mainz liegt nicht nur in der Wir­kungs­stät­te des Her­aus­ge­bers: Das „Main­zer Dom­bu­ch“ macht einer­seits einen Teil der Musik des Chor­re­per­toires am Mar­tins­dom leicht zugäng­lich, ver­öf­fent­licht zum ande­ren aber auch Musik aus dem Bis­tum Mainz oder von Kom­po­nis­ten wie etwa Peter Cor­ne­li­us, die eine enge Bezie­hung zur Stadt am Rhein haben.

Das ist selbst­ver­ständ­lich eine prak­ti­sche Aus­ga­be. Das betrifft natür­lich vor allem die hier sehr reich­hal­tig ver­sam­mel­te Alte Musik des 16. und frü­hen 17. Jahr­hun­derts, die nicht immer so leicht zugäng­lich ist wie mit dem „Main­zer Chor­buch“. Dem Kir­chen­jahr fol­gend, mit zusätz­li­chen Abschnit­ten zu unter ande­rem Trau­ung, Tod, Frie­den und den Hei­li­gen, bie­tet Breit­schaft eine brei­te Palet­te der Chor­ge­brauchs­mu­sik: Motet­ten, Kir­chen­lied­sät­ze – oft von ihm oder jün­ge­ren Kol­le­gen aus dem Umfeld gesetzt – und lit­ur­gi­sche Sät­ze sind das haupt­säch­li­che Mate­ri­al. Die sti­lis­ti­sche Viel­falt des Reper­toires ist dabei ähn­lich groß wie die Anläs­se, für die das „Main­zer Chor­buch“ Musik bie­tet: Neben einer advent­li­chen Motet­te von Pal­estri­na oder einem Kar­frei­tags-Anti­phon aus der Feder von Cle­mens non Papa steht bei­spiels­wei­se das Glo­ria aus der „Deut­schen Kin­der­mes­se“ von Joseph Haas oder ein inter­es­san­tes „Ave ver­um cor­pus“ von dem Seli­gen­städ­ter Regio­nal­kan­tor Tho­mas Gabriel. 

Die im Unter­ti­tel ver­hei­ße­nen sie­ben Jahr­hun­dert kön­nen aller­dings etwas in die Irre füh­ren: Die Inhal­te sind sehr ungleich über die Zeit ver­teilt, das 19. Jahr­hun­dert ist zum Bei­spiel doch nur sehr schwach ver­tre­ten. Und avant­gar­dis­ti­sche, neu­tö­ne­ri­sche Musik des letz­ten Jahr­hun­derts fin­det man hier über­haupt nicht, auch wenn die Geburts­da­ten eini­ger Kom­po­nis­ten – es sind aus­schließ­lich Män­ner – das erwar­ten las­sen könnten.

Dafür kann das „Main­zer Chor­buch“ dabei hel­fen, so eini­ges Unbe­kann­tes zu ent­de­cken oder weni­ger Bekann­tes wie­der ins Bewusst­sein rufen. Die Ori­en­tie­rung an der Pra­xis – moder­ne Schlüs­sel, zeit­ge­mä­ßer Noten­satz, Über­set­zung der latei­ni­schen Tex­te – lässt das „Main­zer Chor­buch“ jeden­falls zu einem sehr gut ein­setz­ba­ren Arbeits­mit­tel wer­den – natur­ge­mäß in ers­ter Linie für katho­li­sche Kir­chen­mu­si­ker und Chö­re, obwohl auch die Pro­tes­tan­ten eini­ges an Mate­ri­al fin­den werden.

Mathi­as Breit­schaft (Hrsg.): Main­zer Chor­buch. Geist­li­che Chor­mu­sik durch das Kir­chen­jahr aus 7 Jahr­hun­der­ten. Mainz: Schott 2014. 352 Sei­ten. ISBN 978−3−7957−5926−1. 24,99 Euro. 

— Zuerst erschie­nen in Chor­zeit – Das Vokal­ma­ga­zin, Aus­ga­be Mai 2014.

ss-Brücke

Was pas­siert, wenn man den Lay­ou­ter tren­nen lässt und kein sprach­ver­stän­di­ger Mensch das kon­trol­liert, sieht man sehr schön bei die­sem Pla­kat der am Wochen­de statt­fin­den­den Main­zer Wein­ta­ge:

Die ss-Brücke in Mainz (vor oder nach dem Besuch der Weintage?)

Die ss-Brü­cke in Mainz (vor oder nach dem Besuch der Weintage?)

Ich hof­fe mal, dass die Impli­ka­ti­on, die sich aus der völ­lig regel­wid­ri­gen (und ja auch hirn­ris­si­gen) Tren­nung ergibt, kei­ne Absicht im Sin­ne einer ver­steck­ten Bot­schaft ist: Das aus der Theo­dor-Heuss-Brü­cke eine SS-Brü­cke wird, lie­ße ansons­ten für die poli­ti­sche Ein­stel­lung der Betei­lig­ten nichts gutes ver­mu­ten. Dass die Wein­ta­ge aber eine der­ar­ti­ge Pro­pa­gan­da­ver­an­stal­tung sind, wäre mir neu (Pro­pa­gan­da sind sie natür­lich schon, für das in Deutsch­land in sei­ner Gefähr­lich­keit noto­risch unter­schätz­te Kon­su­mie­ren von alko­ho­li­schen Drogen).

Wir sind der Verkehr – Critical Mass Mainz

Wir sind VerkehrGes­tern abend bin ich bei mei­ner ers­ten Cri­ti­cal Mass dabei­ge­we­sen. Dabei hat­te ich wie­der nur ganz zufäl­lig davon erfah­ren, dass schon seit letz­tem Herbst an jedem ers­ten Frei­tag im Monat auch in Mainz eine Cri­ti­cal Mass statt­fin­det. Und ges­tern war ich sogar noch in Mainz und der Doc hat­te gera­de das OK gege­ben, dass ich wie­der Fahr­rad fah­ren darf – also war ich dabei.

Es war eine rund­um tol­le Erfah­rung: Mit gut hun­dert ande­ren Rad­fah­rern ein­fach ent­spannt durch die Stadt rol­len und den Auto­fah­re­ren und Fuß­gän­gern zei­gen, dass auch Fahr­rä­der ganz nor­ma­le Ver­kehrs­mit­tel sind, die auf die Stra­ße gehö­ren. Das hat im gro­ßen und gan­zen wun­der­bar geklappt – weil einer­seits eini­ge eif­ri­ge jun­ge Her­ren an Kreu­zun­gen vor­sorg­lich blo­ckiert haben („kor­ken“ heißt das im Cri­ti­cal-Mass-Jar­gon), sich alle an die Ver­kehrs­re­geln gehal­ten haben und die Poli­zei zurück­hal­tend mit zwei Strei­fen­wa­gen unter­stützt hat. Das war ganz nett, aber wahr­schein­lich gar nicht unbe­dingt nötig. Die meis­ten Leu­te auf der Rou­te waren auch sehr ver­ständ­nis­voll und haben sich mit­ge­freut – ein paar weni­ge haben natür­lich gemotzt, dass sie auf­ge­hal­ten wur­den, aber das gehört halt dazu. Nur am Kas­te­ler Brü­cken­krei­sel gab es einen Auto­fah­rer, der erst nicht ein­se­hen woll­te, dass er war­ten muss. Das ist aller­dings auch eine der blö­des­ten Situa­tio­nen: Weil er im Krei­sel war, hät­te er eigent­lich Vor­fahrt. Die Spit­ze der Rad­mas­se war aber schon vor ihm bei frei­er Fahr in den Krei­sel ein­ge­fah­ren, so dass der Rest natür­lich – nach den Regeln des geschlos­se­nen Ver­ban­des – auch noch ein­fah­ren durf­te, obwohl er inzwi­schen ange­kom­men war. Bei „nor­ma­len“ Kreu­zun­gen ist das über­sicht­li­cher … Und natür­lich gab es auch den obli­ga­to­ri­schen Hin­weis eines Fuß­gän­gers: „Hier gibt es extra Fahr­rad­we­ge für euch!“ – aller­dings aus­ge­rech­net in der Gro­ßen Blei­che, deren Rad­weg­be­nut­zungs­pf­lich nach den Main­zer Kri­te­ri­en wohl (ana­log zur Bopp­stra­ße) auf­ge­ho­ben wer­den muss (was hof­fent­lich bald mal geschieht …).

Ernst­haf­te Zwi­schen­fäl­le gab es aber – so weit ich mit­be­kom­men habe – kei­ne. Nur eine Men­ge Spaß im Ver­kehr in einer leicht anar­chi­schen Vari­an­te und eine gro­ße Viel­falt von Fahr­rä­dern und Men­schen. Genau so, wie es sein soll. Wir sind dabei vom Guten­berg­platz über die Holz­hof­stra­ße am Süd­bahn­hof vor­bei auf die Rhein­stra­ße, dann ein Stück die Kai­ser­stra­ße hoch und durch die Bopp­stra­ße in die Neu­stadt, mit ein/​zwei/​drei Run­den um den Gar­ten­feld­platz. Dann führ­te uns die Spit­ze wie­der zurück auf die Rhein­stra­ße, über die Theo­dor-Heuss-Brü­cke nach Kas­tel und zurück, dann – der ein­zi­ge Regel­ver­stoß – in die Gro­ße Blei­che (da darf man eigent­lich nur als Lini­en­bus abbie­gen …) und über Umbach und Lud­wigs­stra­ße zurück zum Gutenbergplatz.

Die „All­ge­mei­ne Zei­tung“ hat schon dar­über berich­tet (und hat­te auch im Vor­feld auf die Cri­ti­cal Mass hin­ge­wie­sen), wei­te­re Infos gibt es auch in der Face­book-Grup­pe (oder bei Twit­ter), aus der ich auch die­se bei­den Fotos geklaut habe:

Cri­ti­cal Mass Mainz, am Rheinufer

Cri­ti­cal Mass auf der Theo­dor-Heuss-Brü­cke nach Wiesbaden

Die nächs­te Main­zer Cri­ti­cal Mass star­tet am 2. Mai um 18 Uhr auf dem Guten­berg­platz vor dem Gro­ßen Haus des Staatstheaters.

Ins Netz gegangen (27.2.)

Ins Netz gegan­gen am 27.2.:

Fahrradfahren in Mainz #7

Vie­len Dank, lie­be Fir­ma Schön­tag: Nach mona­te­lan­gen Bau­stel­len auf dem Fahr­rad­weg ent­lang der Gro­ßen Blei­che in Mainz haben Sie groß­zü­gig dafür gesorgt, dass man auch im neu­en Jahr nicht auf dem Fahr­rad­weg fah­ren muss, son­dern die Auto­fah­rer auf der Stra­ße ärgern darf:

Der Fahrradweg an der Großen Bleiche, Höhe Neubrunnenplatz

Der Fahr­rad­weg an der Gro­ßen Blei­che, Höhe Neubrunnenplatz

Ich bewun­de­re die Prä­zi­si­on, mit der Sie den Schutt­con­tai­ner abge­stellt haben – 20 Zen­ti­me­ter wei­ter links und wir hät­ten den Rad­weg wie­der nut­zen müssen …

Messias mit angezogener Handbremse

Gut, dass es das moder­ne Urhe­ber­recht vor 225 Jah­ren noch nicht gab. Sonst hät­te sich Mozart womög­lich nie getraut, Hän­dels „Mes­siah“ zu bear­bei­ten. Oder Hän­dels Erben hät­ten gar nicht geneh­migt, dass da ein ande­rer Kom­po­nist die Instru­men­ta­ti­on des Ora­to­ri­ums ändert, die Ari­en umschreibt oder man­ches, was ursprüng­lich der Chor zu sin­gen hat­te, nun den Solis­ten anver­traut. Und das wäre scha­de gewe­sen, denn es hät­te uns um die Mozart-Fas­sung des Hän­del­schen „Mes­si­as“ gebracht.

So ein Cover ist natür­lich gera­de dann inter­es­sant, wenn das Ori­gi­nal sowie­so schon bekannt ist. Und das muss man für Hän­dels berühm­tes­tes Ora­to­ri­um auch heu­te noch anneh­men. Da ist eine Auf­füh­rungs­va­ri­an­te also eine ange­neh­me Abwechs­lung: Man hört die bekann­ten Chö­re – natür­lich wird auch bei Mozart ein kräf­ti­ges „Hal­le­lu­ja“ geju­belt – und die ver­trau­ten Ari­en, aber man hört auch etwas Neu­es, auch wenn Mozart die Par­ti­tur nur sehr behut­sam moder­ni­siert. Geän­dert ist vor allem die Instru­men­ta­ti­on, die mit zusätz­li­chen Holz­blä­sern mehr Far­be ins Spiel bringt. Und neu klin­gen auch eini­ge Ari­en. Oder zumin­dest weni­ger bekannt. Denn es ist ja nicht das ers­te Mal, dass der Bach­chor mit der Lud­wigs­ha­fe­ner Staats­phil­har­mo­nie die Mozart-Fas­sung in der Chris­tus­kir­che aufführt.

Zum ers­ten Mal geschieht das aller­dings ohne Ralf Otto: Der erkrank­te Chor­lei­ter wur­de kurz­fris­tig durch Wolf­ram Kolo­seus ersetzt – immer­hin ein erfah­re­ner Mozart-Diri­gent. Das wird in der Chris­tus­kir­che aber nicht so recht deut­lich. Viel­leicht war die Vor­be­rei­tungs­zeit ein­fach zu kurz. Jeden­falls klingt das sel­ten so, als wären Sän­ger, Instru­men­ta­lis­ten und Diri­gent mit ein­an­der und dem Werk wirk­lich ver­traut. Von Num­mer zu Num­mer han­geln sie sich, mal bes­ser, mal etwas hake­li­ger. Aber über wei­te Tei­le bleibt der Ein­druck, dass alle Betei­lig­ten noch sehr in und an den Noten kle­ben – frei­es und leben­di­ges Musi­zie­ren ist das selten.

Aus­ge­rech­net im ers­ten Teil, dem weih­nacht­li­chen Teil des Ora­to­ri­ums, wirkt die­ser „Mes­si­as“ des­halb selt­sam ent­rückt und fern: Das scheint die Musi­ker über­haupt nicht zu berüh­ren. Man­ches von die­ser groß­ar­ti­gen Musik ist sogar rich­tig schlaff. Sicher, da sind durch­aus anspre­chen­de Momen­te dabei – aber gut ver­steckt in viel Mit­tel­maß. Auch die Solis­ten kön­nen das nicht ret­ten: Klaus Mer­tens wirft sei­ne lang­jäh­ri­ge Erfah­rung ins Gewicht, die man der rou­ti­nier­ten, aber durch­aus poin­tier­ten Inter­pre­ta­ti­on immer anhört. Tenor Chris­ti­an Rath­ge­ber singt dage­gen auf­fal­lend jugend­lich und frisch, aber manch­mal auch etwas durch­set­zungs­schwach. Ähn­li­ches ist in der Damen­rie­ge zu beob­ach­ten: Sopra­nis­tin Sarah Wege­ner kann mit kla­rer und sub­ti­ler Gestal­tung über­zeu­gen, wird manch­mal – etwa in der Arie „Er wei­det sei­ne Her­de“ auch rich­tig ver­füh­re­risch, wäh­rend die Mez­zo­so­pra­nistn Nohad Becker etwas unschein­bar bleibt.
Blass bleibt aber eben auch vie­les vom Rest. Die Staats­phil­har­mo­nie klingt durch­weg recht schroff, der Chor anfangs erstaun­lich lust­los. Vie­le rhyth­mi­sche und dyna­mi­sche Akzen­te, die der sehr extro­viert diri­gie­ren­de Kolo­seus den Musi­kern und Sän­gern zu ent­lo­cken ver­sucht, ver­schlei­fen und ver­puf­fen wir­kungs­los. Immer­hin bes­sert sich das zuneh­mend: Vor allem der Bach­chor fin­det zur gewohn­ten Form, die hier sehr poliert und hell klingt. Gera­de im zwei­ten Teil fängt das an, zu strah­len. Scha­de nur, dass dann aus­ge­rech­net der Schluss­chor, das alles bestä­ti­gen­de gro­ße „Amen“, wie­der so über­vor­sich­tig zag­haft klingt, als wür­den Chor und Orches­ter mit ange­zo­ge­ner Hand­brem­se musizieren.

Ins Netz gegangen (21.12.)

Ins Netz gegan­gen am 21.12.:

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