Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: netz Seite 8 von 16

Twitterlieblinge März 2014

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  • New Sta­tes­man | What dri­ves the men who think femi­nists and for­eig­ners want to wipe them out? – Lau­rie Pen­ny ver­sucht, Mas­ku­lis­ten zu verstehen:

    Femi­nism, for ins­tance, is not in rea­li­ty a stra­tegy coo­ked up by left-wing women so we can take all of men’s power and money for our­sel­ves and turn them into sex slaves. I know this becau­se, if it was, I would be sit­ting on a gigan­tic gol­den thro­ne with oiled flun­kies fee­ding me cho­co­la­te bis­cuits, rather than having the same argu­ments over and over again

  • Dilet­tan­ten : Der rei­che Maes­tro, den kei­ner mag – DIE WELT – Kon­stan­tin Rich­ter hat die kurio­se Geschich­te von Ashot Tigran­yan aufgeschrieben:

    Ashot Tigran­yan ist als Gei­ger ein hoff­nungs­lo­ser Fall. Hören will ihn nie­mand. Trotz­dem gibt er Unsum­men aus, um durch die Welt zu tou­ren. Eine Begeg­nung mit einem Mysterium.

    Das klingt alles so absurd und ver­rückt, das wür­de man kei­nem Roman oder Film abnehmen …

  • [toread] AAC – Fackel – »Die Fackel. Her­aus­ge­ber: Karl Kraus, Wien 1899−1936«
    AAC Digi­tal Edi­ti­on No 1

    The AAC digi­tal edi­ti­on of the jour­nal »Die Fackel«, edi­ted by Karl Kraus from 1899 to 1936, offers free online access to the 37 volu­mes, 415 issues, 922 num­bers, com­pri­sing more than 22.500 pages and 6 mil­li­on wordforms.

    The AAC-FACKEL con­ta­ins a ful­ly searcha­ble data­ba­se of the enti­re jour­nal with various inde­xes, search tools and navi­ga­ti­on aids in an inno­va­ti­ve and high­ly func­tion­al gra­phic design inter­face, in …

  • Ste­fan Nig­ge­mei­er über Live-Ticker – FAZ – Ste­fan Nig­ge­mei­er betrach­tet die Live­ti­cker – in Theo­rie und Pra­xis, mit eher ernüch­tern­dem Ergeb­nis (aber wen wundert’s …):

    Aber wie das so ist: Eine Soft­ware, die es sehr leicht macht, einen Text zu aktua­li­sie­ren, macht es auch sehr schwer, ihn nicht zu aktua­li­sie­ren. Und so wohnt den Nach­rich­ten­ti­ckern die Ten­denz inne, zu Nicht-Nach­rich­ten­ti­ckern zu wer­den. […] Dabei müss­te man im Inter­net, anders als im linea­ren Fern­se­hen, die Zeit, in der nichts pas­siert, eigent­lich gar nicht mit gro­ßem Nichts füllen.

    Es mischen sich: eine Fixie­rung auf Ober­fläch­lich­kei­ten […], ein per­ma­nen­ter Alar­mis­mus und der Hang, auf der Grund­la­ge von Nicht­wis­sen, Halb­wis­sen und Schein­wis­sen weit­rei­chen­de Spe­ku­la­tio­nen anzustellen.

    Es ist in man­cher Hin­sicht eine unjour­na­lis­ti­sche jour­na­lis­ti­sche Form: Sie sor­tiert und gewich­tet nicht, sie sam­melt nur und hält das, was sie fin­det, in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­fol­ge fest.

  • Slo­gan Cau­ses Pen­cil Recall – New York TimesThe­se pen­cils were with­drawn from schools after a pupil poin­ted out a pro­blem, viaTwit­ter /​qiki­pe­dia

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Twitterlieblinge Februar 2014

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Twitterlieblinge Januar 2014


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Twitterlieblinge Dezember 2013


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Twitterlieblinge November 2013

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Ins Netz gegangen (27.11.)

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  • Chro­nist sei­nes Lebens und sei­ner Epo­che: Zum Tod von Peter Kurz­eck – Lite­ra­tur Nach­rich­ten – NZZ​.ch – Roman Bucheli weist in sei­nem Peter-Kurz­eck-Nach­ruf in der NZZ sehr rich­tig dar­auf hin, dass die Lebens­er­in­ne­rungs­be­schrei­bung allei­ne nicht das Ent­schei­den­de für die Grö­ße des Kurz­eck­schen Werks ist:

    Nicht Prousts gepfleg­te «mémoi­re invo­lon­tai­re» hat ihn umge­trie­ben, son­dern die pani­sche Angst, das Ver­lo­re­ne und Ver­gan­ge­ne im Ver­ges­sen noch ein­mal preis­ge­ben zu müs­sen. Er über­liess sich nicht dem Strom der Erin­ne­rung, son­dern brach­te sie, mit Nabo­kov, noch ein­mal und – so die uner­füll­ba­re Hoff­nung – lücken­los zum Sprechen.
    […] Kurz­eck heg­te noch ein­mal, als hät­te es die Bruch­stel­len der Moder­ne und die neu­en For­men des Erzäh­lens nie gege­ben, den Traum von einem Gan­zen, das sich im lite­ra­ri­schen Kunst­werk nach­bil­den lässt. Er moch­te dabei auch nicht etwa auf das rhe­to­ri­sche Mit­tel ver­trau­en, dass im Teil das Gan­ze ent­hal­ten sein kön­ne, son­dern nahm sein Ver­fah­ren auf eine gera­de­zu bra­chia­le Wei­se wört­lich: Die Zeit soll­te im erzähl­ten Werk gleich­sam mass­stab­ge­recht noch ein­mal erste­hen. Er stand dar­um Bal­zac näher als Proust, und die deut­schen Erzäh­ler des 19. Jahr­hun­derts waren ihm min­des­tens eben­so ver­traut wie sei­ne an raf­fi­nier­ten Erzähl­tech­ni­ken geschul­ten Zeitgenossen.

  • Tod im Neben­satz – taz​.de – Jan Süsel­becks klu­ger Nach­ruf auf Peter Kurz­eck in der taz:

    In der Melan­cho­lie die­ser Proust’schen Dau­er­me­di­ta­ti­on, die zu sei­ner Mar­ke wur­de und ihm einen Platz in der Lite­ra­tur­ge­schich­te sicher­te, ging es Kurz­eck aber gar nicht um kon­kre­te Orte. Er war kein Regio­nal- oder gar Hei­mat­schrift­stel­ler. Kurz­eck träum­te sich in einen ganz eige­nen Sound des Den­kens und Schrei­bens hin­ein, in eine detail­ver­ses­se­ne, musi­ka­lisch vor sich hin kon­tra­punk­tie­ren­de Ästhe­tik der Pro­vinz, die tat­säch­lich alles ande­re als pro­vin­zi­ell war. Kurz­eck war auf der Suche nach uto­pi­schen Orten, die hät­ten exis­tie­ren können

  • Die Wahr­heit über die Wahr­heit: Archi­tek­tur­ge­schich­te (ganz) kurz gefasst – für so etwas muss man das Inter­net doch lie­ben: Archi­tek­tur­ge­schich­te (ganz) kurz gefasst (wirk­lich ganz kurz …)
  • Nach­ruf Peter Kurz­eck: Die gan­ze Zeit erzäh­len, immer | ZEIT ONLINE – Ein sehr anrüh­ren­der, inten­si­ver und lie­be­vol­ler Nach­ruf von Chris­toph Schröder:

    Der Tod von Peter Kurz­eck ist das Schlimms­te, was der deutsch­spra­chi­gen Lite­ra­tur seit vie­len Jah­ren pas­siert ist./

  • Koali­ti­ons­ver­trag: Der Kern des Net­zes – Tech­nik & Motor – FAZ – Da hat Micha­el Spehr wohl recht:

    Netz­neu­tra­li­tät eig­net sich also bes­tens als Lack­mus­test für Netzkompetenz./

    Und lei­der gibt es kaum Poli­ti­ker (und Mana­ger) in ent­spre­chen­den Posi­tio­nen, die den Test bestehen …

Aus-Lese #21

Jochen Bey­se: Rebel­li­on. Zwi­schen­be­richt. Zürich, Ber­lin: Dia­pha­nes 2013. 166 Seiten.

Jochen Bey­ses Rebel­li­on ist wie­der ein ver­schlun­ge­nes Spiel inmit­ten eines Auf­lö­sungs- und Erkennt­nis­pro­zess. Der Erzäh­ler, der sich hier in einem bruch­stück­haf­ten Wahr­neh­mungs­strom äußert, tau­melt zwi­schen Appa­ra­ten, Rea­li­tät, Lite­ra­tur und Ein­bil­dung. Durch reich­hal­ti­gen Medi­en- und Alko­hol­kon­sum wird das Ver­wirr- oder Vexier­spiel noch ange­heizt. Nur lang­sam kris­tal­li­siert sich her­aus, was erzählt wird – die Erleb­nis­se einer Nacht in Algier, die der Erzäh­ler aber zugleich in Kai­ro ver­bringt: Dort ist näm­lich, rund um den Tah­r­ir-Platz zur Zeit der ägyp­ti­schen Revo­lu­ti­on, der von ihm gespiel­te Ego­shoo­ter „Tod in Kai­ro“ ange­sie­delt. Das ver­mischt sich dann noch mit wei­te­ren Nach­rich­ten, der Ein­ne­rung an Camus’ „Der Frem­de“ und diver­sen Para­noi­en und hyper­bo­li­sier­ten Ste­reo­ty­pen, bis völ­lig unklar ist, was echt ist und was Spiel, was Nach­richt, was Infor­ma­ti­on, was Erle­ben, was Fik­ti­on. Phan­ta­sie, Deli­ri­um, Wirk­lich­keit sind so hoff­nungs­los durch­ein­an­der gera­ten und in ein­an­der verz­wir­belt, dass die Zuge­hö­rig­keit des Erle­bens und Erzäh­lens zu einem der Rei­che höchs­tens momen­tan, pha­sen­wei­se gelingt. 

Ich habe auch nie geglaubt, dass das Lebens­ziel erreicht ist, wenn Spiel und Wirk­lich­keit eins gewor­den sind. (104)

- und doch geht es in Rebel­li­on ja gera­de ganz span­nend um die­se Gren­ze und ihre Übergänge. 

Micha­el Ser­res: Erfin­det euch neu!. Eine Lie­bes­er­klä­rung an die ver­netz­te Gene­ra­ti­on. Ber­lin: Suhr­kamp 2013. 77 Seiten.

Micha­el Ser­res hat über die Gegen­wart nach­ge­dacht – was eigent­lich mit dem, was wir so ein­fach „Ver­net­zung“ oder ähn­lich nen­nen, gemeint ist und was hier pas­siert. Der Über­gang zur Netz-Gene­ra­ti­on (oder so ähn­lich) ist für ihn ein ähn­lich ent­schei­den­der und bedeu­ten­der Schritt wie die Schwel­le zur Schrift in der Anti­ke und zum Buch in der Renais­sance – ein Über­gang, der (noch) nicht aus­rei­chend in sei­nen Kon­se­quen­zen – unter ande­rem für das Bild des Men­schen – gewür­digt wird. Dazu gehört auch die Fol­ge­rung für die Päd­ago­gik: nicht Wis­sen erzäh­len kann mehr ihr Zweck sein, sie soll/​darf, so Ser­res, die neue Kom­pe­tenz­ver­mu­tung an die Stel­le der Inkom­pe­tenz­an­ma­ßung (wie in den letz­ten jahr­hun­der­ten) set­zen – denn das Wis­sen, das frü­her müh­sam ver­mit­telt und bewahrt wer­den muss­te, ist heu­te ja mit einem Fin­ger­tip verfügbar. 

Er nutzt dafür in sei­nem sti­lis­tisch beein­dru­cken­dem Essay (mir haben die har­ten, kla­ren Sät­ze, die fast eine lan­ge Rei­he von The­sen sind, sehr viel Ver­gnü­gen berei­tet) das Bild des Klei­nen Däumlings/​Däumelinchen: Das sind – durch­aus mit Empha­se gedacht – neue Men­schen, die über neue Kör­per-/Raum-/Zeit-/Le­bens­er­fah­run­gen ver­fü­gen und des­halb etwa auch eine neue Moral nötig haben. Und not­wen­dig ist in die­sem Moment der Wen­de, des Über­gangs: neue/​gewandelte Insti­tu­tio­nen (wie Schu­le, Uni­ver­si­tät, Arbeit, Kli­nik …): wie längst gestor­be­ne Ster­ne strah­len sie in ihrer alten Form noch, obwohl sie eben­falls schon tot sind, was sich in der per­ma­nen­ten Unru­he, dem Gerau­ne & Geschwät­ze dort, wo sie noch anzu­tref­fen sind, manifestiert. 

Wie schön wäre es doch, wenn ein paar mehr von den Men­schen, die gera­de halb so alt wie Ser­res (Jahr­gang 1930!) sind, ähn­lich viel von dem gera­de gesche­hen­den Wan­del der Welt und der Men­schen begrif­fen hät­ten – und mit ent­spre­chen­der Lie­be reagie­ren wür­den. Wun­der­bar etwa, wie er Face­book (als Sym­ptom) ver­tei­digt – gera­de im Ver­gleich mit ande­ren Kol­lek­ti­vie­run­gen wie Nati­on, Klas­se etc. – und ihrem Blut­zoll, der jetzt (zunächst mal) mit den vir­tu­el­len Ver­net­zun­gen und Kol­lek­ti­vie­run­gen wegfällt …

Der ori­gi­na­le fran­zö­si­sche Titel ist fast noch bes­ser: „Peti­te Pou­cet­te“ – da schwingt mehr von der Begeis­te­rung, der Empha­se, Lie­be und zärt­li­cher Hin­wen­dung und auch dem Spiel, das den Essay durch­zieht, mit. Das Impe­ra­ti­ve des deut­schen Titels fin­det sich im Text gar nicht so sehr, sug­ge­riert also eine ganz fal­sche Rich­tung – denn die Neu-Erfin­dung geschieht ja bereits, nur die Anpas­sung des/​der System(e) – und der „älte­ren“ Gene­ra­ti­on – lässt noch zu wün­schen übrig. (Typisch übri­gens, dass genau das bei den Rezen­sen­ten zu beob­ach­ten ist: Wenn man der Zusam­men­fas­sung beim Per­len­tau­cher glau­ben darf, stör­te die vor allem die Begeis­te­rung Ser­res von den Mög­lich­kei­ten, die sich eröff­nen, und sie monie­ren, dass er die nega­ti­ven Fol­gen nicht aus­rei­chend reflektiere …)

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