Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: fahrrad Seite 4 von 8

Ins Netz gegangen (4.6.)

Ins Netz gegan­gen am 4.6.:

  • The Danish Cycling Expe­ri­ence – The Euro­pean – es ist ganz einfach:

    If you want to have bicy­cles cycling your city, you have to build your city for bicy­cles to cycle. 

    oder:

    The main reason why the bike has beco­me such a popu­lar choice: It’s the easie­st way! It’s healt­hy, cheap, sus­tainable, and nowa­days the two-whee­ler is even pret­ty tren­dy in major cities around the world. But at the end of the day, sim­pli­ci­ty is the one thing that real­ly counts for commuters.

  • Des Kaiser’s neue Kar­te: Dis­rup­ti­on mit Datenschutz?—Das gute digi­ta­le Leben—Medium – lea gim­pel über eine neue kun­den­kar­te, die zwar auf per­sön­li­che daten ver­zich­ten, dabei aber – und das ist min­des­tens genau­so schlimm – wei­ter dazu bei­trägt, die soli­da­ri­sche gesell­schaft aufzulösen:

    Die abso­lu­te Preis­dis­kri­mi­nie­rung ist der feuch­te Traum jedes Wirt­schafts­wis­sen­schaft­lers. Und wird sich bald auf alle Lebens­be­rei­che erstre­cken: Vom Super­markt­ein­kauf über das Ticket für den öffen­li­chen Nah­ver­kehr bis zur Strom- und Was­ser­ver­sor­gung. Doch was pas­siert mit denen, die dabei nicht mit­ma­chen wol­len? Nach wel­chen Kri­tie­ren wer­den Prei­se gemacht, wer bestimmt sie? Und wel­che gesell­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen hat die kom­plet­te Umstel­lung des Preis­mo­dells, das unse­rem Wirt­schafts­sys­tem zugrun­de liegt?

  • The 20 Most Bike-Fri­end­ly Cities on the Pla­net | WIRED – With each edi­ti­on, the Copenhagen­ize Design Company’s Index of the most bike-fri­end­ly cities in the world evol­ves. In 2011 we ran­ked 80 glo­bal cities; in 2013 we ran­ked 150.

    This year, we con­side­red cities with a regio­nal popu­la­ti­on over 600,000 (with a few excep­ti­ons becau­se of their poli­ti­cal and regio­nal importance, and to keep things inte­res­t­ing). We ran­ked 122 cities. The top 20 are pre­sen­ted here.

  • Vom Per­ga­ment ins Inter­net – das jgu-maga­zin berich­tet über das dfg-pro­jekt der digi­ta­len ver­öf­fent­li­chung der augs­bur­ger baumeisterbücher

    Die Augs­bur­ger Bau­meis­ter­bü­cher sind ein außer­ge­wöhn­li­che Quel­le. „Es gibt fast aus jeder grö­ße­ren Stadt und selbst aus klei­ne­ren Orten in Deutsch­land Kon­to­bü­cher oder Rech­nungs­bü­cher“, erklärt Rog­ge. „Sie sind nur unter­schied­lich gut über­lie­fert. Man­che fan­gen erst um das Jahr 1500 an. Die Augs­bur­ger Bau­meis­ter­bü­cher begin­nen 1320. Das ist sehr früh. Außer­dem sind sie bis zum Jahr 1800 fast kom­plett erhal­ten. Bei vie­len ande­ren Städ­ten klaf­fen gro­ße Lücken.“ Und bei Augs­burg han­delt es sich um einen bedeu­ten­den Ort, eine Reichs­stadt, eine weit­ge­hend auto­no­me Kom­mu­ne, die nur dem Kai­ser unter­stand. „Sie war unter ande­rem stark in den inter­na­tio­na­len Han­del eingebunden.“ 

  • The­ma: 70 Jah­re Auf­bau-Ver­lag: Bau Auf­bau auf | ZEIT ONLINE – burk­hard mül­ler por­trät den (heu­ti­gen) auf­bau-ver­lag inkl. sei­ner geschich­te und sei­nen besit­zer, mat­thi­as koch
  • Glei­che Rech­te als Son­der­rech­te? – sehr gute aus­füh­run­gen von anna katha­ri­na mari­gold zur gleich­stel­lung vor dem recht in deutschland …
  • Hat­ten im Mit­tel­al­ter alle Men­schen schlech­te Zäh­ne? | blog​.Histo​Fakt​.de – das histo­fakt-blog über die zäh­ne des mit­tel­al­ter­li­chen men­schens – die wahr­schein­lich (so weit wir das wis­sen) gar nicht so schlecht waren …

    wer etwas auf sich hielt, wird ohne Zwei­fel von den zahl­rei­chen Mög­lich­kei­ten zur Zahn­pfle­ge Gebrauch gemacht und auf fri­schen Atem geach­tet haben. Da die typi­sche Ernäh­rung die Zahn­ge­sund­heit zudem weit weni­ger gefähr­de­te, als dies heut­zu­ta­ge der Fall ist, dürf­ten also die meis­ten Men­schen im Mit­tel­al­ter ent­ge­gen popu­lä­rer Vor- und Dar­stel­lun­gen tat­säch­lich nicht über schlech­te, son­dern im Gegen­teil über star­ke, gesun­de und wei­ße Zäh­ne ver­fügt haben.
    Nicht Ver­fall war im Mit­tel­al­ter die größ­te Gefahr für Zäh­ne und Zahn­fleisch, son­dern Verschleiß.

Radfahrer, Unfälle und Schuld

Es ist schein­bar ein Auto­ma­tis­mus bei Pres­se­mel­dun­gen der Poli­zei: Sobald eine Rad­fah­re­rin in einen Unfall ver­wi­ckelt ist, muss unbe­dingt erwähnt wer­den, ob sie einen Helm trug – auch wenn das für den Unfall, die Ver­let­zun­gen und über­haupt voll­kom­men unwich­tig ist (genau­so­gut könn­te man übri­gens bei jedem Auto­fah­rer erwäh­nen, ob er Radio hör­te oder mit even­tu­ell anwe­sen­den Bei­fah­rern sprach …). Und die Zei­tun­gen über­neh­men das immer wie­der ger­ne, ohne die dahin­ter­ste­hen­den Über­zeu­gun­gen und Ein­stel­lun­gen zu hin­ter­fra­gen. Denn was soll das bezwe­cken, wenn ich so etwas lese:

Ein 50 Jah­re alter Auto­fah­rer über­sah nach ers­ten Ermitt­lun­gen beim ver­bots­wid­ri­gen Abbie­gen von der Saar­stra­ße in die Unte­re Zahl­ba­cher Stra­ße den dort vor­han­de­nen Rad­weg nut­zen­den Rad­fah­rer, der ohne Helm unter­wegs war. (All­ge­mei­ne Zei­tung Mainz)

Die Schuld­fra­ge scheint abso­lut unstrit­tig zu sein, der Rad­fah­rer ver­hielt sich im Gegen­satz zum Pkw-Fah­rer voll­kom­men regel­kon­form. War­um muss dann der nicht getra­ge­ne Helm erwähnt wer­den? Es geht natür­lich dar­um, zumin­dest impli­zit Schuld zu ver­tei­len: Hät­te der Rad­fah­rer einen Helm getra­gen, wäre er viel­leicht nicht so schlimm ver­letzt wor­den (das ist übri­gens gar nicht immer so ganz klar …). Und noch eine Agen­da steht dahin­ter: Rad­fah­rer haben bit­te immer einen Helm zu tra­gen, damit sie nicht so unge­schützt sind, wenn die Auto­fah­rer ihre andert­halb Ton­nen schwe­re Waf­fe nicht mehr im Griff haben (ok, das war jetzt etwas pole­misch – aber der Punkt ist doch: Nicht die Rad­fah­rer ver­ur­sa­chen die­se schwe­ren Unfäl­le, son­dern die Auto­fah­rer. Also müs­sen sie sich anders ver­hal­ten, nicht das Opfer.)

Ins Netz gegangen (18.4.)

Ins Netz gegan­gen am 18.4.:

  • Was hin­ter­lässt Gün­ter Grass?: Olymp der Old Boys – taz​.de – mar­le­ne stre­eru­witz blickt kri­tisch aus Gün­ter Grass und sein poli­ti­sches Enga­ge­ment zurück:

    Wenn die sozia­le Gerech­tig­keit am Ende doch par­tei­isch gedacht war. Die Moral zer­bricht an so einem Wider­spruch. Das kam wohl auch daher, dass die­se Gene­ra­ti­on von kri­ti­schen Söh­nen sich auf einem Olymp der Mora­li­tät wähn­ten und dort blei­ben woll­ten. Aber unge­stört. Statt also den Olymp zu demo­kra­ti­sie­ren, wur­de die deut­sche Kul­tur zu einem der vie­len old boys clubs, wie sie die Welt immer schon beherrsch­ten. Sol­che Per­so­nen haben viel ver­än­dert und am Ende dann wie­der gar nicht so viel.

  • Die Geschich­te offen­hal­ten (jun­ge Welt) – ingar sol­ty & enno stahl dia­gnos­ti­zie­ren die gesell­schaft­li­che Bedeu­tungs­lo­sig­keit der Lite­ra­tur und machen Vor­schlä­ge, wie sich das ändern ließe

    Die­se sozia­len und öko­no­mi­schen Dis­so­nan­zen müs­sen sich in der Lite­ra­tur nie­der­schla­gen, die mons­trö­se Asym­me­trie des Lebens, Momen­te der Schön­heit neben Aus­brü­chen ata­vis­ti­scher Grau­sam­keit, die Ver­stri­ckun­gen des ein­zel­nen im gro­ßen Gan­zen, gera­de wenn er oder sie sich her­aus­zu­hal­ten sucht. Die Lite­ra­tur muss sagen, was Sache ist, muss doku­men­tie­ren, nach­hal­tig auf­be­wah­ren und damit ankla­gen, wel­che Ver­hee­run­gen sich ereig­net haben und wer die Ver­ur­sa­cher sind

  • Mara Gen­schel: Die Erha­ben­heit des Tesa­films | ZEIT ONLINE – Micha­el braun über die wun­der­ba­re und span­nen­de Lyri­ke­rin mara genschel
  • Mau­er­fall: Schab­ow­ski-Zet­tel soll gestoh­len wor­den sein – Poli­tik – Süddeutsche.de – Mehr als 20 Jah­re lang galt der Notiz­zet­tel von Gün­ter Schab­ow­ski für die Pres­se­kon­fe­renz, die den Mau­er­fall aus­lös­te, als ver­schol­len. Dann tauch­te er bei der Stif­tung „Haus der Geschich­te“ auf. Schab­ow­skis Ehe­frau erhebt schwe­re Vor­wür­fe gegen Bekannte.
  • Don’t make bicy­clists more visi­ble. Make dri­vers stop hit­ting them. – The Washing­ton Post – eben weiss hat zwar die usa im blick, sei­ne argu­men­te (etwa in bezug auf die helm­pflicht für rad­fah­rer) las­sen sich aber pro­blem­los auf euro­pa & deutsch­land übertragen:

    Effec­tively, we’ve lost equal access to the public road­ways unless we’re wil­ling and able to foot the hef­ty bill for a car. Ins­tead, what we have is an infra­struc­tu­re opti­mi­zed for pri­va­te vehic­les and a nati­on of sub­si­di­zed dri­vers who balk at the idea of sub­si­di­zing any other form of tran­sit, and who react to a par­king ticket as though they’ve been crucified.

  • Blitz­ma­ra­thon: Rasen und wit­zeln – Welt – Tages­spie­gel – inter­es­san­ter vergleich:

    Die Römer hiel­ten Gla­dia­to­ren­kämp­fe, also das, was wir heu­te Bar­ba­rei nen­nen, für Spie­le. In einer spä­te­ren Zivi­li­sa­ti­on wird man womög­lich auf uns zurück­bli­cken und sich fra­gen, war­um wir die Bar­ba­rei auf unse­ren Stra­ßen für Sport gehal­ten haben.

  • Der Wort­van­da­le – taz​.de – jens uthoff wür­digt rolf die­ter brink­mann zu sei­nem 75. geburtstag:

    Brink­mann woll­te die unge­fil­ter­te Wirk­lich­keit dar­stel­len, einen unver­mit­tel­ten, ers­ten Ein­druck der Din­ge wie­der­erlan­gen und sprach­lich for­mu­lie­ren.[…] Brink­mann ist als Poet, des­sen gro­ßes The­ma Ent­frem­dungs­er­fah­run­gen, die Wahr­neh­mung und das Bewusst­sein waren, noch immer aktu­ell: Die Media­ti­sie­rung ist vor­an­ge­schrit­ten; die Erfah­run­gen sind noch weni­ger als zu Brink­manns Zei­ten unmit­tel­ba­re. Mehr noch: Die media­le Ver­wer­tung des Augen­blicks muss heu­te stets mit­ge­dacht wer­den, erst das Sel­fie dient dazu, uns unse­rer selbst zu ver­si­chern. Und auch sein Stram­peln und Schla­gen „gegen die Sub­jekt­ver­drän­gung“ (Hand­ke), gegen die Ver­ding­li­chung und den Ver­lust natür­li­cher Lebens­wel­ten spie­gelt stets aktu­el­le mensch­li­che Grund­kon­flik­te oder fort­lau­fen­de Prozesse. 

  • Die Grün­de, bit­te | law blog – udo vetter

    Hier sind nach wie vor die Befür­wor­ter der Spei­che­rung in der Pflicht nach­zu­wei­sen, dass eine Ein­schrän­kung der Bür­ger- und Frei­heits­rech­te über­haupt einen Nut­zen bringt, der den wei­te­ren Aus­ver­kauf des Grund­ge­set­zes und euro­päi­scher Wer­te­stan­dards ver­schmerz­bar erschei­nen lässt.
    Wenn ich schon Ver­zicht üben und künf­tig in einem ande­ren Staat leben soll, der mich als poten­zi­ell Ver­däch­ti­gen beha­nelt, dann möge man mir bit­te plau­si­bel erklä­ren, warum. 

Ins Netz gegangen (26.3.)

Ins Netz gegan­gen am 26.3.:

  • Fahr­rad­boom und Fahr­rad­in­dus­trie – Vom Draht­esel zum „Bike“ – ein sehr schö­ner, lan­ger, viel­fäl­ti­ger, brei­ter und inten­si­ver text von gün­ter brey­er zur situa­ti­on des fahr­rads als pro­dukt in deutsch­land: her­stel­lung, ver­trieb, ver­kauf in deutsch­land, euro­pa und asi­en – mit allem, was (öko­no­misch) dazu gehört …
  • Gesetz­ge­bung: Unsinn im Straf­ge­setz­buch | ZEIT ONLINE – tho­mas fischer legt in sei­ner zeit-kolum­ne unter dem titel „Unsinn im Straf­ge­setz­buch“ sehr aus­führ­lich dar, war­um es im deut­schen recht ein­fach schlech­te, d.h. hand­werk­lich ver­pfusch­te, para­gra­phen gibt und for­dert, in die­ser hin­sicht auch mal aufzuräumen

    Ein Bei­spiel für miss­glück­te Gesetz­ge­bung und insti­tu­tio­na­li­sier­te Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit – und ein Auf­ruf zur Reparatur

  • Anti­se­mi­tis­mus: Was heißt „N.soz“? | ZEIT ONLINE – adam soboc­zyn­ski über den ver­dacht (der sich bis­lang nicht erhär­ten oder wider­le­gen lässt), dass die heid­eg­ger-aus­ga­be mög­li­cher­wei­se phi­lo­lo­gisch nicht sau­ber erstellt wur­de (was inso­fern pro­ble­ma­tisch ist, als der zugang zum nach­lass nur ein­ge­schränkt mög­lich ist und die heid­eg­ger-aus­ga­be eh’ schon kei­ne kri­ti­sche ist – was bei einem phi­lo­so­phen die­ses ran­ges & ein­flus­ses eigent­lich not­wen­dig wäre)

    Hät­te der mas­si­ve Anti­se­mi­tis­mus des Phi­lo­so­phen Mar­tin Heid­eg­ger frü­her belegt wer­den kön­nen? Das fragt sich mitt­ler­wei­le auch der Ver­lag der umstrit­te­nen Gesamt­aus­ga­be und ver­langt jetzt den Her­aus­ge­bern Rechen­schaft ab.

  • Musik – Der voll­kom­me­ne Musi­ker – Süddeutsche.de – rein­hard brem­beck wür­digt zum 90. geburts­tag pierre bou­lez und sei­ne eigent­lich irren leistungen:

    Bou­lez, der an die­sem Don­ners­tag sei­nen 90.Geburtstag fei­ert, ist der voll­kom­me­ne Musi­ker. Er ist Kom­po­nist, Diri­gent, For­scher, Intel­lek­tu­el­ler, Pro­vo­ka­teur, Päd­ago­ge, Ensem­ble- und Insti­tuts­grün­der in Per­so­nal­uni­on. Und das alles nicht nur im Neben‑, son­dern im Haupt­be­ruf. Damit steht er heu­te zwar allein da, er knüpft aber an ein bis in die Roman­tik durch­aus gän­gi­ges Berufs­bild an, das Musi­ker nur gel­ten lässt, wenn sie mög­lichst all die­se Tätig­kei­ten glei­cher­wei­se ausüben.
    Bou­lez ist von Anfang an ein Prak­ti­ker gewe­sen. Aber einer, der sich nie sei­ne Träu­me durch die Ein­schrän­kun­gen und fau­len Kom­pro­mis­se der Pra­xis kor­rum­pie­ren ließ.

  • Pierre Bou­lez: „Sprengt die Opern­häu­ser!“ | ZEIT ONLINE – eine geburts­tags­wür­di­gung für pierre bou­lez von felix schmidt, die sich stel­len­wei­se schon fast wie ein nach­ruf liest …

    Bou­lez hat dem Musik­be­trieb einen gewal­ti­gen Stoß ver­setzt und ihm viel von sei­ner Gedan­ken­lee­re aus­ge­trie­ben. Die Lang­zeit­fol­gen sind unüberhörbar.

  • Ille­ga­le Down­loads machen dem E‑Book-Markt Sor­gen – ein etwas selt­sa­mer arti­kel von cle­mens voigt zur pira­te­rie bei ebooks: eigent­lich will er ger­ne etwas panik ver­brei­ten (und pira­te­rie mit dem dieb­stahl phy­si­cher gegen­stän­de gleich­set­zen) und lässt des­halb aus­führ­lich die abmahn­an­wäl­te wal­dorf-from­mer zu wort kom­men und anbie­ter von pira­te­rie-bekämp­fungs-soft­ware. ande­rer­seits wol­len die ver­le­ger die­se panik­ma­che wohl nicht so ganz mit­ma­chen … – des­we­gen bleibt das etwas einseitig …
  • Selbst­bild einer Uni­ver­si­tät « erlebt – fran­çois bry über das pro­ble­ma­ti­sche ver­ständ­nis von wis­sen­schaft & uni­ver­si­tät, dass „kin­der­unis“ ver­mit­teln können:

    Die Fami­li­en­vor­le­sung war unter­halt­sam. Lehr­reich war sie inso­fern, dass sie ein paar Vor­stel­lun­gen auf den Punkt brachte:
    Ein Pro­fes­sor ist ein Star.
    Eine Vor­le­sung ist eine ein­drucks­vol­le Schau.
    Ver­ste­hen, wor­um es bei einer Vor­le­sung geht, tut man wenn über­haupt außer­halb des Hörsaals. 

  • Feh­len­de Netz­neu­tra­li­tät für Tele­kom-Kun­den spür­bar | dani​el​-weber​.eu – dani­el weber erklärt, wie die tele­kom den feh­len­den zwang zur netz­neu­tra­li­tät aus­nutzt und war­um das auch für ganz „nor­ma­le“ kun­den schlecht ist
  • Autoren nach der Buch­mes­se – Sibyl­le-Berg-Kolum­ne – SPIEGEL ONLINE – sibyl­le berg ist gemein – zu ihre kol­le­gen schrif­stel­lern und den ver­tre­tern des literarjournalismus:

    Auf allen Kanä­len wur­den Schrift­stel­ler wie­der über ihr Schrift­stel­ler­tum befragt, und sie gaben mit schief­ge­leg­tem Kopf Aus­kunft. War­um Leu­te, die schrei­ben, auch noch reden müs­sen, ist unklar. Aber sie tun es. Es wird erwar­tet. Da muss irgend­ein Anspruch befrie­digt wer­den, von wem auch immer. Da muss es wabern, tief und kapri­zi­ös sein. Das muss sein, denn das Schrei­ben ist so ein unge­mein tie­fer Beruf, dass jeder ger­ne ein wenig von der lei­den­den tie­fen Tie­fe spü­ren mag. 

    (das bes­te kann ich nicht zitie­ren, das muss man selbst lesen …)

  • Russ­land: Was Putin treibt | ZEIT ONLINE – gerd koe­nen als (zeit-)historiker über ukrai­ne, russ­land und was putin so umtreibt … (und die kom­men­ta­re explodieren …)
  • Woh­nungs­bau: Es ist zum Klot­zen | ZEIT ONLINE – han­no rau­ter­berg ran­tet über den ein­falls­lo­sen woh­nungs­bau in ham­burg – gilt aber so ähn­lich auch für ande­re städte …

    Häu­ser wer­den streng rasiert gelie­fert, oben alles ab. Das alte Spiel mit Tra­pez- und Trep­pen­gie­beln, mit Walm‑, Sat­tel- oder Man­sard­dä­chern, ein Spiel, das Häu­sern etwas Gemüt­vol­les ver­leiht, auch etwas Behü­ten­des, scheint die meis­ten Archi­tek­ten kaum zu inter­es­sie­ren. Es regiert die kal­te Logik des Funk­tio­na­lis­mus, sie macht aus dem Woh­nen eine Ware. Und da kann ma…

  • Ukrai­ne: Frei­heit gibt es nicht umsonst | ZEIT ONLINE – gei­ge­rin Lisa Bati­a­sh­vi­li zur situa­ti­on in der ukrai­ne und euro­pa sowie sei­ne werte
  • Son­nen­fins­ter­nis: Ein Main­stream der Angst­ma­che – Feuil­le­ton – FAZ – Main­stream der Angstmache
  • Ame­ri­ka­ni­scher Droh­nen­krieg – Was die Regie­rung unter Auf­klä­rung ver­steht – Süddeutsche.de – die süd­deut­sche über die unfä­hig­keit der bun­des­re­gie­rung, sich ans völ­ker­recht zu hal­ten (wol­len), hier beim droh­nen­krieg der usa:

    Jenen „Fra­ge­bo­gen“, auf des­sen Beant­wor­tung die Bun­des­re­gie­rung angeb­lich so gedrun­gen hat, erach­te­ten die Ame­ri­ka­ner jeden­falls „als beant­wor­tet“, teil­te das Aus­wär­ti­ge Amt jüngst auf Fra­gen der Links­par­tei-Abge­ord­ne­ten Andrej Hun­ko und Nie­ma Mov­as­sat mit. Man sehe die Ange­le­gen­heit damit als „geklärt“ an, schrieb eine Staats­se­kre­tä­rin. Die Fra­gen blei­ben also weit­ge­hend unbe­ant­wor­tet. Und die Bun­des­re­gie­rung nimmt das ein­fach so hin. „Das Aus­wär­ti­ge Amt will kei­ne Auf­klä­rung, inwie­fern US-Stand­or­te in Deutsch­land am töd­li­chen Droh­nen­krieg der US-Armee in Afri­ka und Asi­en betei­ligt sind“, kri­ti­sie­ren die Par­la­men­ta­ri­er Hun­ko und Mov­as­sat. „Das ist nicht nur unde­mo­kra­tisch, son­dern es erfüllt den Tat­be­stand der Strafvereitelung.“

  • Deutsch­land: Am Arsch der Welt | ZEIT ONLINE – david hugen­dick haut den deut­schen das abend­land um die ohren

    Das Abend­land ist ein deut­scher Son­der­weg von Kul­tur, Geist, Stolz, Volk und Wei­ner­lich­keit. War­um die­ses Geis­ter­reich der Gefüh­le nicht tot­zu­krie­gen ist. Eine Polemik

Ins Netz gegangen (2.2.)

Ins Netz gegan­gen am 2.2.:

  • Krach um Cas­torfs „Baal“: Opi­um ist Reli­gi­on fürs Volk – Tages­spie­gel – peter lau­den­bach macht sich über den ver­such, die cas­torf-insze­nie­rung des brecht’schen „baal“ zu ver­bie­ten, lustig:

    Viel­leicht soll­te sich die Rechts­ab­tei­lung bei Gele­gen­heit auf den Stand des eige­nen Ver­lags­pro­gramms brin­gen – von Fou­caults Kri­tik am Begriff des Autors über Kris­t­e­vas Wis­sen, dass in einem Text vie­le Stim­men spre­chen, bis zu Hei­ner Mül­lers Hin­weis: „Brecht gebrau­chen ohne ihn zu kri­ti­sie­ren, ist Ver­rat.“ Man kann Cas­torf vie­les vor­wer­fen – nicht aber , dass er Brech…

  • War­um klas­si­sche Musik schon immer poli­tisch war – Süddeutsche.de – rein­hard j. brem­beck beschreibt, war­um musik – und musi­ker – immer poli­tisch ist (mit eini­gen sei­ten­hie­ben auf aktu­ell musizierende …)

    Und nicht nur die Musi­ker sind, ja, müs­sen poli­tisch sein. Auch die Kom­po­si­tio­nen sind unauf­lös­lich ver­bun­den mit dem sie bedin­gen­den poli­ti­schen System.

  • Lite­ra­tur­kri­tik ver­sus Lite­ra­tur­jour­na­lis­mus – lothar struck ergänzt die bemer­kun­gen von jörg sun­dermei­er um eini­ge mei­nes erach­tens sehr rich­ti­ge, wich­ti­ge und zustim­mungs­fä­hi­ge beob­ach­tun­gen und einschätzungen:

    Ich plä­die­re für die ein­deu­ti­ge Unter­schei­dung zwi­schen »Lite­ra­tur­kri­tik« und »Lite­ra­tur­jour­na­lis­mus«. Dem­nach ist Lite­ra­tur­kri­tik der meist etwas umfang­rei­che Ver­such, nicht nur den Inhalt eines Buches wie­der­zu­ge­ben, son­dern dar­über hin­aus for­ma­le und ästhe­ti­sche Kom­po­nen­ten zu einer lite­ra­ri­schen Bewer­tung her­an­zu­zie­hen. […] Die Lite­ra­tur­kri­tik soll­te am Text »kle­ben«, ohne ihn gram­ma­ti­ka­lisch zu sezie­ren. Neben der Kri­tik am Plot, an einer Hand­lung, soll­te auch auf die Spra­che und die Form geach­tet wer­den. Außer­li­te­ra­ri­sche Bezü­ge soll­ten ver­nach­läs­sigt werden.
    Lite­ra­tur­jour­na­lis­mus hin­ge­gen redu­ziert die Kom­ple­xi­tät, bilan­ziert vor­ei­lig in Schub­la­den, druckt leicht zitier­ba­re Eti­ket­ten. Lite­ra­tur­kri­tik ihrer­seits öff­net den Text, fin­det Alle­go­rien, engt jedoch den poten­ti­el­len Leser nicht ein, son­dern erzeugt Neu­gier. Lite­ra­tur­jour­na­lis­mus ist pater­na­lis­tisch und pos­tu­liert Urtei­le, Lite­ra­tur­kri­tik begrün­det sie. Lite­ra­tur­jour­na­lis­mus ist getrie­ben und unter­liegt den kom­mer­zi­el­len Geset­zen von Ver­lags­pro­gram­men und deren Zyklen. Lite­ra­tur­kri­tik hat Zeit und ver­langt Zeit. Lite­ra­tur­jour­na­lis­ten haben Freun­de, Lite­ra­tur­kri­ti­ker Kollegen. 

  • Fire­fox und Chro­me ver­ra­ten IP-Adres­sen trotz VPN | hei­se Net­ze – stän­dig muss man irgend­wo nachbessern …

    Vie­le Nut­zer ver­schlei­ern ihre eigent­li­che IP-Adres­se und damit ihren Stand­ort, indem Sie über einen VPN-Ser­ver ins Inter­net gehen. Die Web­RTC-Imple­men­tie­run­gen von Mozil­la Fire­fox und Goog­le Chro­me plau­dern aber die Adres­se aus.

    – immer­hin lässt sich das auch verhindern.

  • Spa­nish Civil War pho­tos by Agus­ti Cen­tel­les and Robert Capa.
  • Ener­gie­wen­de: „Auto­fah­ren ist viel zu bil­lig“ | ZEIT ONLINE – andre­as knie:

    Wir haben in Deutsch­land so vie­le Autos, dass alle Ein­woh­ner auf den vor­de­ren Sit­zen Platz neh­men könn­ten, auch die Babys und Rent­ner. Und Fort­schrit­te, bei­spiels­wei­se durch spar­sa­me­re Moto­ren, wer­den durch die Leis­tungs­stei­ge­rung der Fahr­zeu­ge ein­fach zunich­te­ge­macht. Eine muti­ge Bun­des­re­gie­rung müss­te das ändern.

  • Tal der Ahnungs­lo­sen | misik​.at – »Die blan­ken Sta­tis­ti­ken des IWF zu refe­rie­ren ist heu­te schon linkspopulistisch.«
  • Inter­view ǀ „Immer noch so cool“—der Frei­tag – carl hege­mann über die volksbühne:

    Die­ses Thea­ter hat den Thea­ter­be­griff ver­än­dert. Auch durch die Dreis­tig­keit, mit der sich Schau­spie­ler als sie sel­ber auf die Büh­ne stell­ten und nicht nur als Figu­ren. Hen­ry Hüb­chen war da der Vor­rei­ter, der in den Räu­bern sag­te: „Mei­nen Sie, ich mach das hier ger­ne: jeden Abend Franz Moor – seit 200 Jah­ren?“ – und dann das Publi­kum als „Kadett­fah­rer“ beschimpf­te. Die­se Per­spek­ti­ve hat das Thea­ter stark ver­än­dert. Und die Theaterwissenschaft.</bloc…

  • Furi­os in den Unter­gang – Jörg Sun­dermei­er – jörg sun­dermei­er noch ein­mal poin­tiert zu sei­ner sicht des stan­des der lite­ra­tur­kri­tik in den medi­en heute:

    Das erklärt die Mise­re der Lite­ra­tur­kri­tik aber nicht hin­rei­chend. Die­ser feh­len vor allem die Kri­te­ri­en. Sti­lis­ti­sches Kön­nen eines Autors wird oft nur behaup­tet, nicht belegt, offen­kun­di­ge Stil­blü­ten wer­den nicht ange­pran­gert, die Figu­ren­kon­stel­la­tio­nen wer­den nicht unter­sucht, der Plot nicht ana­ly­siert – im Gegen­teil. Ein Buch wird von einer Rezen­sen­tin für eine Besonderheit …

  • Neue Stu­die über Fahr­rad­fah­ren unter Alko­hol­ein­fluss – der rechts­me­di­zi­nier tho­mas dal­drup hat den ein­fluss von alko­hol­kon­sum auf’s fah­r­ad­fah­ren unter­sucht – mit über­ra­schen­den ergenissen:

    Nach unse­ren Ergeb­nis­sen müss­te die Recht­spre­chung eigent­lich in dem Sin­ne revi­diert wer­den, dass es für Fahr­rad­fah­rer kei­ne Ober­gren­ze mehr gibt. Auch mit 1,6 Pro­mil­le oder mehr – man­che Teil­neh­mer hat­ten sogar zwei Pro­mil­le – kön­nen eini­ge ohne gro­ße Aus­fall­erschei­nun­gen Rad fah­ren. Ein pau­schal mög­li­ches Straf­ver­fah­ren bei 1,6 Pro­mil­le erscheint nach…

  • Jan Böh­mer­mann: Der Allein­un­ter­hal­ter | ZEIT­ma­ga­zin – mat­thi­as kal­le erklärt im „zeit­ma­ga­zin“ jan böh­mer­mann und des­sen neue sen­dung „neo maga­zin roya­le“, die im „rich­ti­gen“ zdf zu sehen sein wird
  • Unge & die You­Tuber Sze­ne: Jan Böh­mer­mann im Inter­view bei Visa Vie (zqn­ce) – You­Tube – „Goo­glet mal „dif­fe­ren­ziert““: Jan Böh­mer­mann zur You­Tuber-Sze­ne, media­len Ver­ant­wor­tung & Auf­ga­ben der Kulturkritik

Ins Netz gegangen (12.10.)

Ins Netz gegan­gen am 12.10.:

  • Lite­ra­tur-Nobel­preis: Georg Diez über Patrick Modia­no und Lutz Sei­ler – SPIEGEL ONLINE – georg diez hadert mit dem „ästhe­ti­schen und stru­ku­rel­len kon­ser­va­tis­mus der buchbranche“:

    Das ist der Hin­ter­grund, vor dem der ästhe­ti­sche Kon­ser­va­tis­mus eines Romans wie „Kru­so“ zele­briert wird und erklär­bar wird: der digi­ta­le, wirt­schaft­li­che, mög­li­cher­wei­se auch poli­ti­sche Epo­chen­bruch. Die­ser Roman, der Roman an sich, so wie er gera­de defi­niert wird, ist damit vor allem eine Schutz­be­haup­tung der Erinnerung. 

  • Peter Kurz­eck: Der Mann, der immer gear­bei­tet hat – der stroem­feld-ver­lag wird/​will wohl alles, was kurz­eck hin­ter­las­sen hat, zu geld machen. bei einem autor, der der­ma­ßen fast manisch kor­ri­gier­te und ver­bes­ser­te bis zum schluss, hal­te ich frag­ment-aus­ga­ben ja nur für mäßig sinn­voll (und es ist ja nicht so, als gäbe es nicht genug kurz­eck zu lesen …). aber trotz­dem freue ich mich und bin gespannt, was da noch kommt in den nächs­ten jahren

    Und dann sind da noch die Notiz­zet­tel, die Kurz­eck zu Mate­ri­al­samm­lun­gen zusam­men­ge­stellt hat, mit Titeln wie „Stau­fen­berg II“ und „Stau­fen­berg III“. Sie dien­ten ihm zur Arbeit an „Kein Früh­ling“ und „Vor­abend“, zei­gen aber auch, dass „Ein Som­mer, der bleibt“, das ers­te der erfolg­rei­chen Erzähl-Hör­bü­cher, die Kurz­eck seit 2007 ein­sprach, schrift­li­che Vor­stu­fen gehabt hat. Mit­ten­drin ein Notiz­zet­tel, der wie der Anfang von allem anmu­tet: „Das Dorf steht auf einem Basalt­fel­sen eh + je. Jetzt soll es das Dorf wer­den (sein) + liegt uner­reich­bar im Jahr 1947, im Abend.“ Uner­reich­bar. Das Ver­gan­ge­ne wie­der erreich­bar zu machen, hat Kurz­eck bis zuletzt ver­sucht. Los­se erin­nert sich an eine Bemer­kung des Autors im Frank­fur­ter Kran­ken­haus: „Wir hät­ten noch mehr arbei­ten müs­sen.“ An der Prä­sen­ta­ti­on des­sen, was fer­tig gewor­den ist, arbei­tet Kurz­ecks Verlag.

  • Schat­ten­bi­blio­the­ken: Pira­te­rie oder Not­wen­dig­keit? – sehr span­nend: In gewal­ti­gen, frei zugäng­li­chen Online-Daten­ban­ken ver­brei­ten anony­me Betrei­ber wis­sen­schaft­li­che Lite­ra­tur, ohne Beach­tung des Urhe­ber­rech­tes. Doch die digi­ta­len Samm­lun­gen sind nicht nur Pira­te­rie, sie wei­sen auch auf gro­ße Ver­säum­nis­se der Wis­sen­schafts­ver­la­ge hin – sagt der unga­ri­sche Pira­te­rie-For­scher Balázs Bodó. Im Inter­view mit der Jour­na­lis­tin Miri­am Ruhen­stroth erklärt er, wie­so die Schat­ten­bi­blio­the­ken in Ost- und Mit­tel­uro­pa so gefragt sind und wie das Pro­blem zu lösen wäre.
  • Mari­hua­na: Die selt­sa­me Ver­fol­gung der nüch­ter­nen Kif­fer | ZEIT ONLINE -

    Wer kifft, gefähr­det den Stra­ßen­ver­kehr. Auch ohne Rausch, jeder­zeit. Das glau­ben zumin­dest Behör­den. Sie ent­zie­hen selbst nüch­ter­nen Taxi­kun­den den Füh­rer­schein. […] Behör­den haben anschei­nend Gefal­len dar­an gefun­den, über den Umweg des Ver­wal­tungs­rechts, eigen­mäch­tig ein biss­chen für Ord­nung unter Can­na­bis-Kon­su­men­ten zu sorgen.

  • xkcd: The Sake of Argu­ment – xkcd über’s Argu­men­tie­ren: The Sake of Argument
  • Ado­be is Spy­ing on Users, Coll­ec­ting Data on Their eBook Libra­ri­es – The Digi­tal Rea­der – ado­be spio­niert mit digi­tal edi­ti­ons 4 die nut­zer aus: im klar­text (!) wer­den nicht nurin de4 geöff­ne­te bücher mit ihren meta­da­ten und denen der lese­rin über­tra­gen, son­dern de4 durch­sucht auch ohne sich das geneh­mi­gen zu las­sen den gesam­ten com­pu­ter nach irgend­wel­chen ebooks (auch sol­chen, die nicht in de4 benutzt wer­den), um deren daten eben­falls an ado­be zu sen­den. grausam.
  • Ego­is­ti­sche Zwei­sam­keit: Ersatz­re­li­gi­on Lie­be – Men­schen – FAZ – mar­kus gün­ther über die „ersatz­re­li­gi­on lie­be“, die sich in letz­ter zeit immer mehr aus­brei­tet (und abso­lut setzt):

    Zu den Kol­la­te­ral­schä­den der Ersatz­re­li­gi­on Lie­be gehö­ren aber auch die vie­len Men­schen, die allein sind. Ihr Leben wird als defi­zi­tär wahr­ge­nom­men. Man ver­mu­tet, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Dass jemand frei­wil­lig einen ande­ren als den Weg in die Part­ner­schaft geht, ist schlech­ter­dings unver­ständ­lich. Dass jemand einen geeig­ne­ten Part­ner nicht gefun­den hat, gilt als sein ganz per­sön­li­ches Ver­sa­gen. So oder so, er hat von sei­ner Umwelt bes­ten­falls Mit­leid zu erwarten.
    […] Ist der Mythos Lie­be nicht wenigs­tens dafür gut, den Men­schen aus sei­nem Ego­is­mus her­aus­zu­füh­ren? Ist die Sehn­sucht nach Part­ner­schaft nicht immer noch bes­ser als die Selbst­sucht? Die Ant­wort lau­tet: Die­se Art der Lie­be ist nur schein­bar eine Über­win­dung der eige­nen Gren­zen. In Wahr­heit han­delt es sich um eine Fort­set­zung der Ich-Bezo­gen­heit mit ande­ren Mit­teln, denn die Trieb­kraft, die wirkt, ist ja, wenn man ehr­lich ist, gar nicht der Wunsch zu lie­ben, son­dern der, geliebt zu werden.

  • Deut­scher His­to­ri­ker­tag: Die The­se vom Son­der­weg war ja selbst einer – jür­gen kau­be berich­tet sehr lau­nig, poin­tiert (und mit gemei­nen, natür­lich abso­lut fehl­ge­lei­te­ten sei­ten­hie­ben gegen die ger­ma­nis­tik …) vom göt­tin­ger historikertag:

    Man kann ver­mut­lich lan­ge war­ten, bis zum ers­ten Mal ein Ban­kier, eine Schrift­stel­le­rin oder ein Aus­län­der den His­to­ri­ker­tag eröffnet.

    Wäre es nicht an der Zeit, ein­mal zum The­ma „Ver­gan­gen­heit“ zu tagen?

    Eine sinn­vol­le Ein­heit des­sen, was die His­to­ri­ker tun, die sich durch alle ihre For­schun­gen zöge, gibt es nicht. Und wenn die Göt­tin­ger Stich­pro­be nicht täusch­te, dann gibt es nicht ein­mal Haupt­li­ni­en oder Trends.

  • Wil­der Kai­ser extre­me on Vimeo – wohl das ver­rück­tes­te video, das ich in letz­ter zeit sah (fahr­rad­fah­ren kann man die­sen stunt aller­dings kaum noch nen­nen. und ver­nünf­tig ist natür­lich auch etwas ganz anderes …)
  • Aus­wüch­se des Regie­thea­ters: Oper der Belie­big­kei­ten – Büh­ne Nach­rich­ten – NZZ​.ch – der musik­wis­sen­schaft­ler lau­renz lüt­te­ken rech­net mit dem regie­thea­ter aktu­el­ler prä­gung auf der opern­büh­ne ab:

    Denn die land­läu­fi­ge Behaup­tung, dass man etwas heu­te «so» nicht mehr machen kön­ne, ist nicht nur teleo­lo­gi­scher Unfug, sie ist über­dies unlau­ter. In den Opern­häu­sern regiert näm­lich ein unan­ge­foch­te­ner Kanon, der weit­aus fes­ter zemen­tiert ist als noch vor fünf­zig Jah­ren. So spricht gewiss nichts dage­gen, den Anteil neu­er Wer­ke zu erhö­hen, aber es ist mehr als frag­wür­dig, die alten Wer­ke mit immer neu­en Bil­dern ver­meint­lich «modern» zu machen und sich damit behag­lich im Kanon ein­zu­rich­ten. Zudem hat der Moder­ne-Begriff, der hier bedient wird – das «Ver­stö­ren­de», «Pro­vo­zie­ren­de», «Bestür­zen­de» –, inzwi­schen selbst so viel Pati­na ange­setzt, dass man ihn getrost in die Geschich­te ent­las­sen sollte.

    ich bin durch­aus geneigt, ihm da zumin­dest in tei­len zuzu­stim­men: die regie hat sich oft genug ver­selb­stän­digt (auch wenn ich eine total­ab­leh­nung, die ich bei ihm zwi­schen den zei­len lese, nicht befür­wor­te). dage­gen führt er an: 

    Die his­to­ri­sche Ver­ant­wor­tung im Umgang mit Tex­ten der Ver­gan­gen­heit ist nichts Ent­behr­li­ches, sie ist auch nicht, wie so oft behaup­tet, ein Relikt alt­mo­di­schen Phi­lo­lo­gen­tums, zumal das Argu­ment für die Musik nicht gel­tend gemacht wird. Was aber nützt eine kri­ti­sche Aus­ga­be des «Don Gio­van­ni», wenn die Sze­ne­rie kur­zer­hand (wie in Linz) von Sex and Crime der Pop-Stars erzählt? Tex­te, Par­ti­tu­ren der Ver­gan­gen­heit bedür­fen viel­mehr einer beson­de­ren Sen­si­bi­li­tät, denn erst, wenn es gelingt, im Ver­gan­ge­nen das Gegen­wär­ti­ge auf­zu­spü­ren (statt die Gegen­wart dem His­to­ri­schen ein­fach nur über­zu­stül­pen), kann sich der Rang eines Kunst­werks, auch eines musi­ka­li­schen Büh­nen­kunst­werks, bewähren.

    sein argu­ment übri­gens, statt immer wie­der das sel­be neu auf­zu­fri­schen öfters mal neu­es zu spie­len, wür­de ich unbe­dingt ger­ne ver­wirk­licht sehen – ich ver­ste­he die reper­toire-fixie­rung der oper eh’ nicht so ganz (die ja auch gewis­ser­ma­ßen unhis­to­risch ist – „die ent­füh­rung aus dem serail“ bei­spiels­wei­se war kaum dazu gedacht, heu­te noch auf­ge­führt zu werden …)

Ins Netz gegangen (17.9.)

Ins Netz gegan­gen am 17.9.:

  • Im Gespräch ǀ „Der Frust beginnt beim Job“—der Frei­tag – kur­zes inter­view mit ange­li­ka hager über rol­len­bil­der, gleich­stel­lung etc

    Da ent­wi­ckeln jun­ge Frau­en, schon ermü­det, jene Krank­heit, die ich Schnee­witt­chen­fie­ber nen­ne: Sie ver­krie­chen sich in Idyl­len und kochen Obst ein.

  • Vom Suchen und Fin­den ver­ges­se­ner Autoren | intellec­tures – sebas­ti­an gug­golz, ehe­ma­li­ger lek­tor bei matthes & seitz, der jetz gera­de sei­nen eige­nen ver­lag gegrün­det hat:

    Ich bin mir sicher, dass die lau­fen­de Dis­kus­si­on von wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen gelei­tet ist, von bei­den Sei­ten, also auch von den Ver­la­gen um Bon­nier. Der Streit­punkt sind ja die Rabat­te, die Ama­zon for­dert. Wenn Ama­zon mei­ne Bücher über die Bar­sor­ti­men­te kau­fen, dann bekom­men die die Bücher zum glei­chen Preis, wie jede ande­re Buch­hand­lung auch. Ich weiß nicht, ob die noch einen Son­der­ver­trag mit den Bar­sor­ti­men­ten haben, aber das kann mir auch egal sein. Das heißt, jedes Buch, das ich bei Ama­zon ver­kau­fe, ist ein ver­kauf­tes Buch und damit gut für mich. Die Dis­kus­si­on um die eBook-Rabat­te betrifft mich gleich gar nicht, da ich der­zeit ja kei­ne eBooks ver­kau­fe. Und wenn man als Ver­lags­kun­de mit Ama­zon ein Part­ner­pro­gramm ein­geht, und damit erreicht, dass alle Bücher des jewei­li­gen Ver­lags auf Lager und umge­hend lie­fer­bar sind, dann muss man ohne­hin mit Ama­zon direkt die Rabat­te aus­han­deln. Man bekommt dann bestimm­te Vor­tei­le, muss aber höhe­re Rabat­te ein­räu­men. Das ist dann ein­fach Ver­hand­lungs­sa­che. Ama­zon ist dann aber ein zuver­läs­si­ger Geschäfts­part­ner. Mein Pro­blem auf dem Buch­markt ist nicht Ama­zon. Da bin ich auf­find­bar und mei­ne Bücher sind rela­tiv schnell lie­fer­bar. Mein Pro­blem sind nach wie vor die Groß­buch­hand­lun­gen, also Tha­lia und Hugen­du­bel, und noch schlim­mer die gan­zen Bahn­hofs­buch­hand­lun­gen. Die wer­den in der Ama­zon-Debat­te plötz­lich von den Ver­la­gen mit ins Boot geholt, weil dort die gro­ßen Ver­la­ge ver­tre­ten sind, aber für mich als Klein­ver­lag sind die wie gesagt das eigent­li­che Pro­blem. Die neh­men mich nicht wahr und bestel­len mich nicht, weil ich immer unter einer gewis­sen Min­dest­stück­zahl blei­be. Bei denen tau­che ich nicht auf, bei Ama­zon schon. Des­halb ist es aus geschäft­li­cher Per­spek­ti­ve auch schwie­rig, ein­fach nur zu sagen, Ama­zon ist der Böse und wir Ver­la­ge und der Buch­han­del die Guten. Das Bedenk­li­che an der aktu­el­len Debat­te ist die Tat­sa­che, dass dahin­ter wirt­schaft­li­che Inter­es­sen ste­cken und nicht, wie man mei­nen könn­te und wie sug­ge­riert wird, kulturelle.

  • xkcd: Wat­ches – (sehr wahr …)
  • Arthur Schnitz­ler Por­tal :: Start­sei­te – die digi­ta­le aus­ga­be der his­to­risch-kri­ti­schen edi­ti­on der wer­ke arthur schnitzlers

    Ziel des Pro­jekts ist die Erar­bei­tung einer digi­ta­len his­to­risch-kri­ti­schen Edi­ti­on der lite­ra­ri­schen Wer­ke Arthur Schnitz­lers aus dem Zeit­raum von 1905 bis 1931. Die Edi­ti­on wird im Rah­men einer bina­tio­na­len deutsch-bri­ti­schen Koope­ra­ti­on erar­bei­tet und von der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Cam­bridge beher­bergt werden 

  • Ras­sis­mus-Skan­dal in Poli­zei­klas­se: „Aus­län­der­schlam­pe“ und schlimmer -
    taz​.de
    – Die bes­ten der bes­ten (oder: früh übt sich): Ras­sis­mus-Skan­dal in Poli­zei­klas­se: „Aus­län­der­schlam­pe“ und schlimmer
  • Inter­net­kul­tur: Der Auf­stieg des Daten­pro­le­ta­ri­ats | ZEIT ONLINE – gün­ter hack:

    Sie sind Lizenz­bür­ger auf Zeit, das mul­mi­ge Gefühl beim Bestä­ti­gungs­klick auf die unge­le­se­nen juris­ti­schen Bin­dungs­flos­keln vor der Soft­ware­instal­la­ti­on ist das des Aus­ge­lie­fert­seins. Der Pro­duk­ti­vi­täts­schub durch Mobil­ge­rä­te wie­der­um lässt sich nur dann wirk­lich nut­zen, wenn die wich­tigs­ten Pro­zes­se ver­teilt in der „Cloud“ lau­fen, bevor­zugt auf den Platt­for­men der weni­gen Marktführer.

    Wie etwa Jere­my Rif­kin in sei­nem Buch Access gezeigt hat, birgt die Miet­ment­a­li­tät auch Chan­cen für die Fle­xi­bi­li­tät und eine effi­zi­en­te­re Res­sour­cen­nut­zung. Aber im domi­nan­ten Kon­kur­renz­sze­na­rio gilt: Wer mit­hal­ten will, ver­liert mehr an Frei­heit als er gewinnt. Und es gibt Unter­schie­de, je nach Bran­che und Situa­ti­on: Für einen Land­wirt ist es sinn­voll, Mit­glied im Maschi­nen­ring zu sein, bestimm­te Gerä­te nur dann zu mie­ten, wenn er sie braucht. Aber wenn das Saat­gut paten­tiert und an die Ver­wen­dung eines bestimm­ten Insek­ti­zids geknüpft ist, dann ist die Repro­duk­ti­on sei­ner Lebens­grund­la­ge betrof­fen. Die Balan­ce von Geben und Neh­men zwi­schen Kun­de und Dienst­leis­ter stimmt nicht mehr, allein schon wegen der Kon­zen­tra­ti­on der Macht in den Hän­den weni­ger star­ker Platt­form­an­bie­ter. Und die­se neh­men immer noch mehr mit, als ihnen bezahlt wur­de, sei es an Geld oder an Auf­merk­sam­keit, näm­lich die Nutzungsdaten.

    Egal, wel­chen gesell­schaft­li­chen Sta­tus sie nach außen hin beklei­den mögen, sie sind in die­sen Momen­ten nicht ein­mal mehr Lizenz­bür­ger, son­dern sie sind ins Daten­pro­le­ta­ri­at abge­glit­ten. Wie viel Geld sie auch immer mit ihrer Arbeit ver­die­nen mögen, egal wie stark sich ihre indi­vi­du­el­le Pro­duk­ti­vi­tät erhö­hen mag: Jede ihrer Aktio­nen mehrt Reich­tum und Wis­sen der Platt­form­an­bie­ter, den eigent­li­chen Besit­zern der Pro­duk­ti­ons­mit­tel. Pro­le­ta­ri­sie­rung und Ver­lust an Pri­vat­sphä­re gin­gen schon immer Hand in Hand.

  • Fahr­rad­we­ge: Jeder inves­tier­te Euro zahlt sich mehr­fach aus – WiWo Green – noch ein grund, in fahr­rad­in­fra­struk­tur zu inves­tie­ren: es spart geld (näm­lich bei den gesundheitskosten):

    Je mehr in Fahr­rad­in­fra­struk­tur inves­tiert wer­de, je mehr neh­me die Lebens­qua­li­tät und der Umwelt­schutz zu und damit auch die Gesund­heit der betrof­fe­nen Stadt­be­woh­ner – das alles sor­ge für mas­si­ve Ein­spa­run­gen bei der Stadt­ver­wal­tung (wenn die­se für die Gesund­heits­kos­ten auf­kom­men muss) oder eben der öffent­li­chen Haushalte.

  • „Die Zoos schei­tern auf gan­zer Linie“ – Süddeutsche.de – sind zoos noch zeit­ge­mäß? brin­gen sie uns, der umwelt oder den tie­ren irgend etwas?

    Machen wir uns nichts vor: Zoos sind Gefäng­nis­se, in denen die Tie­re lebens­lang ein­ge­sperrt sind. Die Hal­tung von exo­ti­schen Wild­tie­ren soll­te aus­lau­fen. Kei­ne Nach­zuch­ten, kei­ne Impor­te mehr. Solan­ge die gegen­wär­tig leben­den Tie­re noch da sind und nicht aus­ge­wil­dert wer­den kön­nen, müs­sen sie so gehal­ten wer­den, dass ihre Bedürf­nis­se und Ansprü­che erfüllt sind, und nicht die der Besu­cher. Wo das nicht geht, müs­sen eige­ne Refu­gi­en für sie geschaf­fen wer­den. Im Übri­gen müss­te das Steu­er­geld, das in immer neue Zoo­ge­he­ge hier­zu­lan­de gesteckt wird, bes­ser in den Aus­bau von Schutz­zo­nen in den natür­li­chen Hei­ma­ten der Tie­re inves­tiert wer­den. Zoos pas­sen nicht mehr in die heu­ti­ge Zeit.

Critical Mass Mainz – Septemberausgabe

Am Frei­tag war wie­der die Cri­ti­cal Mass in Mainz unter­wegs. Und ich war wie­der dabei – zum drit­ten Mal in die­sem Jahr, zum zwei­ten Mal mit dem Lie­ge­rad. Das ist dafür aber offen­sicht­lich nicht das am bes­ten geeig­ne­te Gefährt (aber dazu gleich mehr). Es waren bei ange­nehm som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren wie­der etwas mehr als hun­dert Rad­le­rin­nen und Rad­ler vor dem Staats­thea­ter zusam­men­ge­kom­men, um ein biss­chen spa­zie­ren zu fah­ren in der Lan­des­haupt­stadt am Rhein. Bis es so weit war, dau­er­te es aber noch etwas. Eigent­lich will die Main­zer Cri­ti­cal Mass am ers­ten Frei­tag im Monat um 18 Uhr star­ten. Das hat sie aber, glau­be ich, noch nie getan – und das muss sie natür­lich auch nicht. Die­ses Mal fand ich die Ver­zö­ge­rung bis zum Start aller­dings arg lang. Das heißt näm­lich vor allem: rum­ste­hen und war­ten (gut, ich konn­te sit­zen …). Aber irgend­wann reicht’s halt doch mal mit dem Herumlungern.
Doch alles War­ten hat irgend­wann ein Ende und so setz­te sich kurz vor halb Sie­ben der lan­ge Wurm auf zwei (bzw. bei zwei Teil­neh­mern auch auf drei) Rädern in Bewe­gung. Aber was heißt da schon Bewe­gung: Ich hat­te den Ein­druck (der kann aber auch täu­schen …), dass es die­ses Mal seee­ehr gemüt­lich war. Auf dem Lie­ge­rad war das jeden­falls kein super ent­spann­tes Tem­po – etwas Geschwin­dig­keit brau­che ich halt schon, damit sich das Ding sta­bi­li­siert. Aber das ist natür­lich mein per­sön­li­ches Luxus­pro­blem. Ande­rer­seits fand ich gera­de am Anfang – es ging die­ses Mal übers Höf­chen auf die Rhein­stra­ße, dann über die Holz­hof­al­lee und Umbach zur Gro­ßen Blei­che, mit einem Schlen­ker über die Kai­ser­stra­ße (weil das Blei­chen­en­de ja wegen Open-Air-Kon­zert-Auf­bau gesperrt war) auf die Theo­dor-Heuss-Brü­cke und über den Rhein nach Kas­tel, von dort nach einer groß­zü­gi­gen Schlei­fe wie­der zurück nach Mainz und noch etwas durch die Neu­stadt und schließ­lich zurück zum Thea­ter -, dass ziem­lich vie­le wack­lig und unru­hig fuh­ren. Außer­dem hat das auch durch­aus etwas pro­vo­zie­ren­des, wenn 110 Zwei­rä­der so lang­sam wie mög­lich über die Kreu­zun­gen schlei­chen und die ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer – unter denen ja auch nicht weni­ge Fuß­gän­ger sind – blo­ckie­ren. Die Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit von knapp 10 km/​h war für mich und mein Lie­ge­rad jeden­falls grenz­wer­tig – da eier ich immer selbst im ebe­nen in den klei­nen und kleins­ten Gän­gen her­um, ohne auf eine ordent­li­che Tritt­fre­quenz zu kom­men. Dafür hat das Cor­ken aber, so weit ich das mit­be­kam, wun­der­bar geklappt – vie­len Dank dafür!
Etwas ande­res, was mich – neben der Stre­cken­füh­rung, die ich etwas erra­tisch fand – mit zuneh­men­der Zeit nerv­te: Zwei Sound­sys­te­me. Das ist für mei­nen Geschmack min­des­tens eines zu viel. Zumal die bei­de – wie­der­um für mich – ästhe­tisch nicht gera­de über­zeug­ten mit ihrer Beschal­lung. Vor allem aber hat­te ich am Frei­tag den Ein­druck, dass das etwas in eine Par­ty­run­de abglei­tet. Und ich befürch­te, damit tun sich die Rad­le­rin­nen und Rad­ler kei­nen Gefal­len. Denn eigent­lich soll­te es bei der Cri­ti­cal Mass ja dar­um gehen, zu zei­gen, dass Fahr­rä­der auch Teil des Ver­kehrs sind und ihren Anspruch auf ange­mes­se­nen (Verkehrs-)Raum gel­tend machen wol­len – nicht aber so sehr, dass sie am Frei­tag Abend für etwas kurio­se Unter­hal­tung sor­gen. Na ja, in die­ser Hin­sicht mag ich aber auch etwas vor­sich­tig bzw. zurück­hal­tend sein. Ähn­li­ches gilt viel­leicht auch für mein leich­tes Unbe­ha­gen auch beim Platz­be­darf: Offi­zi­ell gilt ja eigent­lich nur, dass ein Rad-Ver­band eine Spur nut­zen darf und nicht alle ver­füg­ba­ren. Das eine oder ande­re Mal muss­te aber sogar der Gegen­ver­kehr war­ten – und das muss nun wirk­lich nicht sein. Die Akti­on im Krei­sel in Kas­tel, bei der ein Last­wa­gen und ein PKW, die gera­de auf das Ende der Rad­fah­rer war­te­ten, von der Spit­ze „umschlos­sen“ wur­den, war natür­lich auch eher mis­tig oder unsinnig.
Das alles hat jeden­falls dazu geführt, dass ich die­ses Mal nicht den aller­größ­ten Spaß hat­te. Aber schlecht war’s natür­lich auch nicht ;-) – auch wenn das jetzt ein recht kri­ti­scher Text gewor­den ist. Aber den­noch: Die Idee der Cri­ti­cal Mass fin­de ich immer noch eine gute Sache. Und es war sicher­lich nicht mei­ne letz­te Teil­nah­me, obwohl ich frei­tags abends oft etwas ande­res vor habe …

Ins Netz gegangen (16.7.)

Ins Netz gegan­gen am 16.7.:

  • 70. Geburts­tag des Autors Jörg Fau­ser: Er war der Champ – taz​.de – ambrow waibel über­legt in der taz, war­um das fau­ser so uncool und ein „lite­rat der loser“ war, aber trotz­dem ein tol­ler autor:

    Das Gro­ße an Fau­ser – SPD-Mit­glied – ist, dass er nie auf­ge­hört hat, mit allem, was er auf­brin­gen konn­te, danach zu stre­ben, sei­ne Schmer­zen zu popu­la­ri­sie­ren. Dar­aus ent­stan­den Geschich­ten: über die, die unten sind, über die, die in der Mit­te sind – und zu denen ganz oben wäre er auch noch gekom­men: Er war­te noch auf den gro­ßen deut­schen Mana­ger­ro­man, hat er 1984 im Fern­se­hen gesagt. 

    Das Uncoo­le an Fau­ser war, dass er, als er es ab 1968 und fol­gend woll­te, nicht dazu­ge­hö­ren konn­te zu den Coo­len und Schö­nen sei­ner Gene­ra­ti­on. Das Uncoo­le war, dass er sich die­ser Zurück­wei­sung nicht durch die demü­ti­ge Flucht ins Pri­vat­le­ben, in den Suff oder in den Rei­se­teil ent­zog, son­dern dar­auf beharr­te, ein Schrift­stel­ler zu sein. Der ganz unver­fro­ren auf ein Lese­pu­bli­kum setz­te, das sich nichts vor­schrei­ben ließ. 

  • Mythen ǀ Alles Gute, Macker!—der Frei­tag – kat­ja kull­mann über jörg fau­ser, der am 16. juli 70 jah­re alt gewor­den wäre:

    Jörg Fau­ser, der schmäch­ti­ge Hes­se mit der hit­zi­gen Abnei­gung gegen Trend­phä­no­me­ne, hat in die­sem Zusam­men­hang ein post­hu­mes Pro­blem: Er wird heu­te ganz über­wie­gend als Macker rezi­piert – bezie­hungs­wei­se missverstanden. 

  • Debat­te Über­wa­chung in Deutsch­land: Völ­ker­recht im Glas­fa­ser­ka­bel – taz​.de – andre­as fischer-lescano:

    Die unver­hält­nis­mä­ßi­gen Über­wa­chungs­maß­nah­men der NSA sind völkerrechtswidrig.

    des­halb for­dert er: 

    Ent­we­der wir ver­lie­ren uns in trans­at­lan­ti­schen Vor­wür­fen über Spio­na­ge und Geheim­nis­ver­rat. Oder aber wir wid­men uns end­lich dem Wesent­li­chen: der demo­kra­ti­schen Selbst­ver­ge­wis­se­rung über die Gren­zen und Mög­lich­kei­ten der Frei­heit des Internets.

    Die­se Dis­kus­si­on kön­nen wir aber nicht im natio­na­len Rah­men allei­ne füh­ren. Nur wenn wir die Infra­struk­tur des glo­ba­len Rechts nut­zen, wer­den wir wirk­sa­me Siche­run­gen für unse­re Frei­heits­räu­me ent­wi­ckeln können. 

  • Iden­ti­täts­kon­su­mis­mus | Lesen was klü­ger macht – georg seeßlen:

    Den Iden­ti­täts­kon­su­mis­mus hat wohl kei­ne Unter­hal­tungs­in­dus­trie die­ser Welt, nicht ein­mal die US-ame­ri­ka­ni­sche, so per­fek­tio­niert wie die deut­sche. Schla­ger­mu­sik, Trach­ten­mo­de, Volks­fes­te, Event­dra­ma­tur­gie, Fern­seh­se­ri­en, Sport und Mar­ken­zei­chen, sogar Autos und T‑Shirts, sind einem neu­en Iden­ti­täts­mar­ke­ting unter­wor­fen. Im Iden­ti­täts­mar­ke­ting tref­fen sich die ursprüng­lich als Wider­sprü­che agie­ren­den Kräf­te der Super­fle­xi­bi­li­sie­rung und der Event­öko­no­mie mit den fik­ti­ven Kon­ti­nui­täts­kon­struk­tio­nen und der Sehn­sucht nach der ver­lo­re­nen Iden­ti­tät. Dabei wird eine Men­ge Geld umge­setzt. Und eine Men­ge Träu­me gehen ver­lo­ren. Klingt „Schland“ nicht nach einem ver­dammt komisch-trau­ri­gen Abge­sang auf Hei­mat? Der Iden­ti­täts­kon­su­mis­mus trägt die Selbst­ver­ach­tung in sich.

  • Twit­ter /​Things4Strings: „Sounds of Sum­mer“ via Anne … – wun­der­bar! RT @Things4Strings: „Sounds of Sum­mer“ via Anne Aki­ko Meyers
  • Umfäng­lich geschei­tert (epic fail) III: Fahr­rad­fah­rer | Rep­ti­li­en­fonds – epic fail 3 by jakob hein:

    War­um gibt man sich die Mühe, das Schloss mit einem Schlüs­sel zu öff­nen und es dann so mit einem Pol­ler zu ver­bin­den? Soll der Pol­ler die sanf­te Umar­mung der Plas­ti­kum­man­te­lung des Schlos­ses spü­ren? Oder möch­te man der Poli­zei im Ver­si­che­rungs­fall sagen kön­nen, man habe alles getan?

Was ist fahrradfreundlich?

Der Main­zer AStA hat gera­de eine Peti­ti­on lau­fen, um auf dem Cam­pus den Ver­kehr stär­ker zu tren­nen. Das gan­ze läuft unter dem Titel „Fahr­rad­freund­li­cher Cam­pus“ und for­dert vor allem die Ein­rich­tung – und natür­lich ent­spre­chen­de Kenn­zeich­nung – von dezi­dier­ten Rad­we­gen auf dem Cam­pus. Im Moment ist die Situa­ti­on ja sehr unter­schied­lich: Auf eini­gen Tei­len hat der Cam­pus ganz „nor­ma­le“ Stra­ßen mit Fahr­bahn, Bür­ger­steig und an eini­gen Stel­len auch Rad­weg, an ande­ren Stel­len gibt es shared spaces. Genau die will der AStA sozu­sa­gen los­wer­den und damit die Fahr­rad­freund­lich­keit erhö­hen. Ich hal­te das aus zwei Grün­den für nicht sinn­voll. Zum einen bin ich grund­sätz­lich kein Freund von Fahr­rad­we­gen – die Pro­ble­me an Kreu­zun­gen, Ein­mün­dun­gen etc. sind ein­fach zu groß. Zum ande­ren wür­den auch Rad­we­ge auf dem Cam­pus dort, wo es jetzt schon pro­ble­ma­tisch ist mit dem Zusam­men­kom­men von Fuß­gän­gern und Rad­fah­re­rin­nen – grob gesagt zwi­schen Ein­gang am Forum und Phi­lo­so­phi­cum, viel­leicht noch vor bis zur Men­sa -, die Situa­ti­on ver­mut­lich nicht ver­bes­sern. Das Haupt-„Problem“ ist an die­sen Stel­len näm­lich: Zu Stoß­zei­ten ist die Ver­kehrs­flä­che ein­fach knapp bemes­sen. Da wird es immer eng wer­den. Rad­we­gen kön­nen da des­halb nicht hel­fen, weil der Ver­kehr auch nicht schön gera­de­aus in zwei Richun­gen geht, son­dern an meh­re­ren Stel­len – etwa vor dem neu­en Georg-Fors­ter-Gebäu­de 1 – auch Que­run­gen hat. Genau die wür­den durch Rad­we­ge eher noch gefähr­li­cher. Denn irgend­wo müs­sen Fuß­gän­ge­rin­nen die dann über­que­ren. Und auf den Rad­we­gen wären – so ist zumin­dest die Erwar­tung – die Rad­ler ver­mut­lich schnel­ler unter­wegs als sie es jetzt sind, weil sie ja „unter sich“ wären. Die Pro­ble­me wür­den also nur gefähr­li­cher wer­den. Und das ist bestimmt nicht fahr­rad­freund­li­cher. Auf der ande­ren Sei­te mer­ke ich selbst als Rad­ler, dass es manch­mal etwas frus­tie­rend sein kann, wenn man nicht zügig fah­ren kann, weil über­all Fuß­gän­ger (Autos sind da zum Glück kaum wel­che) im Weg her­um lau­fen ;-). Aber dann den­ke ich halt: Das sind nur ein paar hun­dert Meter. Und mit etwas Geschick fin­det man auch immer eine Lücke ;-). 

Übri­gens bin ich nicht der ein­zi­ge, der oder die den AStA-Vor­stoß kri­tisch sieht – die Peti­ti­on hat trotz Ver­län­ge­rung und Wer­bung auf dem Cam­pus immer noch recht weni­ge Unter­schrif­ten und dafür mehr Con­tra- als Pro-Argu­men­te.

Show 1 footnote

  1. Das die Analpha­ben der Johan­nes Guten­berg-Uni­ver­si­tät beharr­lich Georg Fors­ter-Gebäu­de schrei­ben, aber das ist ein ande­res The­ma …

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