Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: dietmar dath

Wochenblog 10/​2023

Die Arbeit war­te­te – neben dem übli­chen Klein­kram, viel orga­ni­sa­to­ri­sche Pla­nung und Vor­be­rei­tung für die nächs­ten Wochen – am Frei­tag recht über­ra­schend mit einem neu­en, span­nen­den Pro­jekt auf. Wenn das alles so klappt, wie es momen­tan avi­siert ist, wird mich das den Rest des Jah­res gut auf Ach­se halten …

Sonst gibt es in die­ser Woche wenig zu berich­ten. Am Don­ners­tag haben wir ver­sucht, eine Online-Pro­be mit 7 ver­teil­ten Teil­neh­mern zu rea­li­sie­ren. Das schei­ter­te dann letzt­end­lich (nach gut 70 Minu­ten gaben wir auf) dar­an, dass bei eini­gen die Ein­rich­tung ein­fach nicht klapp­te. Das ist auch eine fum­me­li­ge Sache. Aber, so weit kamen wir immer­hin, mit denen, die die­se Hür­de über­wan­den, war es tat­säch­lich mög­lich, so ein musi­ka­li­sches Zusam­men­spiel zu orga­ni­sie­ren. Das kommt zwar nicht ganz an eine Pro­be im sel­ben Raum her­an, aber gera­de für die ers­ten Pha­sen der Erar­bei­tung könn­te das eine gute Alter­na­ti­ve für uns werden.

Text: Nicht sehr viel. Aber nach­dem ich letz­te Woche eini­ges been­de­te, konn­te ich mich neu­en Aben­teu­ern wid­men. Jetzt ist end­lich (!) mal Diet­mar Daths Cor­du­la killt dich!, das ich dank der Neu­auf­la­ge im Ver­bre­cher-Ver­lag nun auch mein eigen nen­nen kann, an der Rei­he. Und es fängt schon ziem­lich typisch für Dath an, in per­ma­nen­ten Über­for­de­rung stürzt alles – die Welt, die Figu­ren, die Erzäh­lung – auf die Lese­rin ein. Das wird noch spannend …

Ton: Ein­ojuha­ni Rau­ta­vaar­as Can­ti­cus arc­ti­cus – das habe ich wirk­lich schon lan­ge nicht mehr gehört, ist aber immer wie­der ein­fach schö­ne Musik. Und noch Luca Gugliel­mi sehr sprit­zi­ge, leben­dig-akku­ra­te Ein­spie­lung des ers­ten Ban­des des Wohl­tem­pe­rier­ten Cla­viers von Bach. 

Drau­ßen: Der Streak hält und es läuft wei­ter­hin (also jeden Tag), aber immer noch in mäßi­gem Umfang und ohne gro­ße Moti­va­ti­on, das zu ändern. Aber immer­hin das.

Aus-Lese #47

Han­no Rau­ter­berg: Wir sind die Stadt! Urba­nes Leben in der Digi­tal­mo­der­ne. 3. Auf­la­ge. Ber­lin: Suhr­kamp 2014. 157 Sei­ten. ISBN 9783518126745. 

rauterberg, stadt (cover)Beob­ach­tend und erklä­rend geht es in Wir sind die Stadt! um den neu­en Umgang mit der Stadt und ihren Räu­men, um eine Art Re-Urba­ni­sie­rung in der digi­ta­len Moder­ne. Das ist ein bewuss­tes Lob der Stadt der Viel­falt, der viel­fäl­ti­gen (wech­seln­den, spon­ta­nen, insta­bi­len) Koali­tio­nen, die aber auch über sich selbst, über die Stadt hin­aus rei­chen, denn: „In der Stadt gedeiht, wenn es gut geht, der Sinn für Staat­lich­keit.“ (149). Rau­ter­berg hat, das gibt er auch zu, vor allem die neu­en posi­ti­ven Sei­ten der Stadt im Blick – die Mög­lich­kei­ten, die die digi­ta­le Moder­ne (also vor allem die Ver­net­zung im Netz und die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Smart­phones etc.) für eine Art Wie­der­be­le­bung städ­ti­scher Räu­me eröff­net. Er sieht und beschreibt eher die posi­ti­ven Sei­ten der Ver­än­de­rung der Stadt und des Lebens in der Stadt durch die digi­ta­le Moder­ne, ohne den Schat­ten aber ganz aus­zu­blen­den. Sein Begriff der „Stadt­er­quicker“ (56) bringt es viel­leicht am bes­ten auf den Punkt: Er beob­ach­tet eine neue Aneig­nung der Stadt, der urba­nen Räu­me indi­vi­du­ell im Kol­lek­tiv: „Die Stadt wird zum Raum für ein Ich, das sich ohne Wir nicht den­ken möch­te.“ (75) Und genau das geschieht nicht (mehr) vor­wie­gend pla­ne­risch gesteu­ert und auch nicht in ers­ter Linie (wenn über­haupt) in insti­tu­tio­na­li­sier­ten For­men (wie etwa Ver­ei­nen), son­dern wesent­lich flui­der, schnel­ler, spon­ta­ner, aber auch kurz­le­bi­ger. Die Offen­heit des Rau­mes der Stadt und der Stadt ist dafür Vor­aus­set­zung und wird durch die­se per­ma­nen­te Umwid­mung, Aneig­nung, Inan­spruch- und Inbe­sitz­nah­me aber auch über­haupt erst kon­sti­tu­iert. Des­halb sieht Rau­ter­berg in den aktu­el­len Ten­den­zen und Mög­lich­kei­ten eine neue, akti­ve und posi­ti­ve Chan­ce für Urba­ni­tät: „Eine Stadt ist Stadt, wenn sie mit sich sel­ber uneins bleibt.“ (129)

Bei die­ser Art der Raum­er­grei­fung han­delt es sich um weit mehr als eine Mode­er­schei­nung oder das Frei­zeit­ver­gnü­gen eini­ger Jun­ger­wach­se­ner der Mit­tel­schicht. Es gäbe kei­ne Wie­der­be­le­bung des öffent­li­chen Raums, wür­de sie nicht von einem brei­ten gesell­schaft­li­chen Wan­del der Ide­al­bil­der und Leit­vor­stel­lun­gen getra­gen. Wie weit die­ser Wan­del reicht, zeigt sich nicht zuletzt dar­an, dass auch vie­le Stadt­pla­ner ihr Ver­hält­nis zum Raum neu bestim­men, auf eine Wei­se, die aber­mals an man­che der Künst­ler und Archi­tek­ten den­ken lässt. Das Prin­zip der Offen­heit und frei­en Aneig­nung, unvor­her­seh­bar und unge­hin­dert von äuße­ren Zwän­gen, ist man­cher­orts sogar zum neu­en Leit­bild der Pla­nung avan­ciert. (37)
Die Stadt ist nicht län­ger Zone, sie darf wie­der Raum sein, unde­fi­niert. (39)

Saša Sta­nišić: Vor dem Fest. RM Buch und Medi­en 2014. 316 Seiten.

stanisic, vor dem fest (cover)Jetzt habe ich end­lich auch mal ein Buch von Saša Sta­nišić. Vor dem Fest ist ein ganz inter­es­san­ter und schö­ner Roman über Fürs­ten­fel­de, die Uckerm­arck, Deutsch­land und auch ein biss­chen über die Welt. In klei­nen, leicht auch zwi­schen­durch und mit jeder­zei­ti­gen Unter­bre­chun­gen kon­su­mier­ba­ren Häpp­chen-Kapi­teln erzählt Sta­nišić ein Dorf und sei­ne Bewoh­ner in der ost­deut­schen Pro­vinz. Äuße­rer Anlass ist die Nacht vor dem gro­ßen Anna-Fest, in der die meis­ten noch eine oder ande­re Vor­be­rei­tun­gen für den nächs­ten Tag tref­fen. Zugleich weist der Text mit Quel­len­ab­schnit­ten weit in die Dorf­ge­schich­te bis zum 16. Jahr­hun­dert zurück – wobei ich mir nicht sicher bin, ob das ernst gemeint ist: Die Spra­che die­ser (Pseudo-)Quellen scheint mir zu oft nicht ganz zeit­ge­mäß, immer ein biss­chen dane­ben, so dass ich das eigent­lich als Fäl­schun­gen aus der Hand der „Archi­va­rin“ lese – dazu passt ja auch das gro­ße geheim­nis­vol­le Getue, das um die Dorf­chro­nik gemacht wird. Und dass es sie nicht geben kann, weil sie eigent­lich dem Dorf­brand von 1742 zum Opfer gefal­len ist. Egal: Das ist alles recht unter­halt­sam und durch­aus erhel­lend in sei­nen vie­len Per­spek­ti­ven, Sti­len und Zeit­ebe­nen. Auch wenn ich manch­mal den Ein­druck hat­te, die Idee – mit der Nacht vor dem „Fest“ das Dorf, sei­ne Gemein­schaft, sei­ne Geschich­te und auch noch die Welt­zu­sam­men­hän­ge dar­zu­stel­len – wird etwas über­reizt. Unklar blieb mir zum Bei­spiel die Not­wen­dig­keit, das auch noch auf die Tier­welt auszudehnen … 

Sehr gut gefal­len hat mir aber der spie­le­ri­sche Umgang des Erzäh­lers mit sei­nem Text: Zum einen pro­du­ziert das Fabu­lie­ren hier selbst Fra­gen an den eige­nen Text, die auch Teil des Tex­tes wer­den und blei­ben. Zum ande­ren ist da die­ses inklu­si­ves „Wir“ des Erzäh­lers als dem Ver­tre­ter der Dorf­be­völ­ke­rung, das also den Erzäh­ler zu einem Teil sei­ner Geschich­te macht und zumin­dest behaup­tet, dass hier nicht von einer Außen­po­si­ti­on erzählt wird (auch wenn es eini­ge weni­ge Hin­wei­se auf eine Dif­fe­renz gibt …). Aber, das ist inter­es­sant, die­ses „wir“ gilt nicht nur der der­zei­ti­gen Dorf­ge­mein­schaft, son­dern der aller Zei­ten. Über­haupt ist Vor dem Fest mit sei­ner erzäh­le­ri­schen Lust und Begeis­te­rung ein etwas kapri­ziö­ser Text, der sich selbst nicht über­mä­ßig ernst nimmt, son­dern Spaß am eige­nen Erzäh­len und Erfin­den hat und auch ger­ne das eige­ne Erzäh­len ein­fach miterzählt.

Der Fähr­mann hat ein­mal erzählt, es gebe im Dorf jeman­den, der mehr Erin­ne­run­gen von ande­ren Leu­ten besit­ze als Erin­ne­run­gen, die sei­ne eige­nen sind. Das Dorf hat sofort geglaubt, er meint Ditz­sche. Könn­ten aber ande­re gemeint gewe­sen sein, mei­nen wir. (233)

Olga Mar­ty­n­o­va: Möri­kes Schlüs­sel­bein. Graz, Wien: Dro­schl 2013. 320 Sei­ten. ISBN 9783854208419.

martynova, mörikes schluesselbein (cover)Möri­kes Schlüs­sel­bein ist so etwas sie­ein Wun­der­tü­ten-Text: Der gan­ze Roman quillt über. Das fängt schon „vor“ dem Roman an, mit der Über­fül­le an Para­tex­ten, vor allem den extrem vie­len Mot­ti auf ver­schie­de­nen Ebe­nen des Tex­tes, die oft auch noch nicht allein, son­dern gleich zu meh­re­ren auf­tre­ten. Und es geht im Text wei­ter, mit sei­ner etwas hyper­tro­phen Fül­le an Stil­mit­teln und auch an The­men. Ins­ge­samt prä­sen­tier­te Möri­kes Schlüs­sel­bein sich mir als ein ziem­lich umher irren­der Roman. Ich hat­te immer wie­der den Ein­druck, der Text sucht seine/​eine Stim­me, da wird aus­pro­biert und ver­wor­fen, dass es eine Freu­de ist. Viel­leicht liegt es auch dar­an, dass sich Mar­ty­n­o­vas Erzäh­le­rin sehr von ihren Figu­ren (und davon gibt es eine gan­ze Men­ge) und ihrem Eigen­le­ben trei­ben lässt – so war zumin­dest mein Eindruck.

Auf jeden Fall ist das vir­tu­os erzählt – aber was wird eigent­lich erzählt und war­um? Die Fra­ge stellt sich schon früh beim Lesen, bis zum Ende habe ich kei­ne rich­ti­ge Ant­wort gefun­den (auch in den Rezen­sio­nen übri­gens nicht …). Das hängt natür­lich damit zusam­men, das Möri­kes Schlüs­sel­bein ein Epi­so­den­netz ohne Zen­trum und ohne Rand ist, des­sen Zusam­men­hän­ge teil­wei­se bewusst unklar blei­ben. Da fühlt man sich manch­mal etwas ver­lo­ren im Text – was, um es noch ein­mal zu sagen, nicht heißt, es wäre ein schlech­ter Text: vie­les gefällt (mir), vie­les ist gut, geschickt und sehr über­legt gemacht. Nur sehe ich kein Ziel außer dem Zei­gen der Ziel­lo­sig­keit, dem Vor­füh­ren des Feh­lens von (ver­bind­li­chen) Zie­len und Zusam­men­hän­gen. Viel­leicht habe ich auch schlecht gele­sen, näm­lich mit meh­re­ren (unge­plan­ten) Unter­bre­chun­gen, die mich zu viel ver­lie­ren ließen?

So lese ich Möri­kes Schlüs­sel­bein als ein Spiel mit den Gren­zen von Rea­li­tä­ten und Wahr­schein­lich­kei­ten (die selt­sa­men Zeit­rei­sen- bzw. Zeit­vek­to­ren-Epi­so­den, die so irr­lich­ternd in den Text hin­ein­ge­schich­tet sind, ver­deut­li­chen das viel­leicht am bes­ten). Über­haupt spielt der Roman auf allen Ebe­nen, vom Zei­chen (bzw. sei­ner typo­gra­phi­schen Reprä­sen­ta­ti­on, etwa mit unter­schied­li­chen Schwarz­sät­ti­gun­gen …) bis zur Makro­form (deren Struk­tur ich über­haupt nicht ver­stan­den habe …). Und die Mot­ti nicht zu ver­ges­sen, die auf ver­schie­de­nen Ebe­nen den Text sehr reich­hal­tig zie­ren. Und irgend­wie, das macht Möri­kes Schlüs­sel­bein doch immer wie­der inter­es­sant, gelingt es Mar­ty­n­o­va, damit (fast) das gan­ze 20. Jahr­hun­dert zu erzäh­len, mit der Geschich­te Deutsch­lands, dem Zwei­tem Welt­krieg, USA, UdSSR bzw. Russ­land und dem Kal­ten Krieg etc. pp. Und noch die aben­teu­er­lichs­ten Kurio­si­tä­ten wer­den von Mar­ty­n­o­va erzählt, als sei­en sie das nor­mals­te auf der Welt: Klar, das zeigt (wie­der mal) den Ver­lust (all­ge­mein­gül­ti­ger) Maß­stä­be: alles gilt (gleich viel) – aber war es das schon? Oder will der Text noch mehr? – Da bin ich rat­los. Rat­los übri­gens auch beim Klap­pen­text – ob der absicht­lich so blöd­sin­nig-nichts­sa­gend ist? Eigent­lich habe ich vom Dro­schl-Ver­lag eine bes­se­re Mei­nung. Aber die­sen Text als einen „Roman über Fami­lie und Freund­schaft: lie­be­voll, weib­lich, scharf­sich­tig und humor­voll“ zu cha­rak­te­ri­sie­ren kann ja nicht wirk­lich ernst gemeint sein. Sicher, humor­voll ist der Text, das Lesen macht immer wie­der gro­ße Freu­de. Aber was ist dar­an bit­te­schön weiblich?

Wenn man Wol­ken­krat­zer mit Kathe­dra­len ver­gleicht, meint man irr­tüm­li­cher­wei­se in ers­ter Linie ihre gesell­schaft­li­che Bedeu­tung: Macht und Reich­tum, die über das Leben der gemei­nen Men­schen empor­ra­gen. Aber sie haben eine archi­tek­to­ni­sche Funk­ti­on: die Men­schen dazu zu brin­gen, den Blick zum Him­mel zu erhe­ben. Dazu nützt irgend­ei­ne schöp­fe­ri­sche Kraft die Macht, den Reich­tum und die wan­dern­den Bau­leu­te, dach­te Mari­na und hör­te die Fet­zen einer (oder meh­re­rer) ost­eu­ro­päi­scher Sprache(n), bedroh­li­che Zart­heit in den gedehn­ten Lau­ten. (165)

Diet­mar Dath: Lei­der bin ich tot. Ber­lin: Suhr­kamp 2016. 463 Sei­ten. ISBN 9783518466544.

dietmar dath, leider bin ich tot (cover)Diet­mar Daths Schaf­fen kann ich in sei­nen Ver­äs­te­lun­gen – ich ken­ne weder einen ande­ren Autor, der so viel­fäl­ti­ge The­men­fel­der beackert noch bei so vie­len unter­schied­li­chen Ver­la­gen ver­öf­fent­licht – kaum noch nach­voll­zie­hen. Aber wenn ich dann ab und an wie­der etwas aus sei­ner schwer beschäf­tig­ten Feder lese, ist es immer wie­der über­ra­schend und erqui­ckend. Das gilt auch für Lei­der bin ich tot. Der Text hängt irgend­wo zwi­schen Sci­ence-Fic­tion, Wis­sen­schafts­thril­ler, poli­ti­schem Roman, Kri­mi und was weiß ich noch alles. Genau­so „wild“ ist auch die erzähl­te Geschich­te, die sich kaum ver­nünf­tig zusam­men­fas­sen lässt (und ohne wesent­li­che Plot­twists zu ver­ra­ten schon gar nicht …, ziem­lich gut macht das Son­ja Gre­be auf satt​.org). Es geht um höhe­re Intel­li­gen­zen, um Reli­gio­nen und Göt­ter, auch um Ter­ror und Gewalt in allen mög­li­chen For­men. Und ganz wesent­lich auch um Zeit, um die Zeit – es zeigt sich näm­lich, dass man­che Figu­ren in Lei­der bin tot die Zeit aus ihrem Strah­len­da­sein befrei­en kön­nen und eine Zeit­schlei­fe in Form eines Möbi­us­ban­des schaf­fen. Das bringt nicht nur so eini­ge neue Mög­lich­kei­ten, auch der Mani­pu­la­ti­on, ins Spiel, son­dern sorgt auch für reich­hal­ti­ge Ver­wir­run­gen und Irrlichtereien. 

Außer­dem steckt in Lei­der bin ich tot – und dar­in ist es ein typi­scher Dath-Roman – ganz viel Gegen­warts­be­schrei­bung und ‑dia­gno­se. Der Autor hat einen schar­fen Blick, er sieht und erkennt unheim­lich viel und kann es in sei­nen Roman – mal ele­gan­ter, mal etwas plum­per – alles hin­ein­pa­cken. Der Ver­lag behaup­tet im Klap­pen­text zwar, das sei eine „Medi­ta­ti­on“, aber das hal­te ich für Unsinn. Dafür ist das Buch schon viel zu action­ge­la­den. Sicher, es wird viel gedacht und viel über phi­lo­so­phi­sche, theo­lo­gi­sche, erkennt­nis­theo­re­ti­sche Pro­ble­me gere­det. Aber das ist nur eine Ebe­ne des viel­fäl­ti­gen Tex­tes. Die Viel­falt ist eh Dath-typisch. Genau wie das zunächst ganz rea­lis­tisch erschei­nen­de Erzäh­len, das sich dann nach und nach leicht ver­schiebt, immer ver­schro­be­ner wird und immer etwas ver­rück­ter, grau­sa­mer und berech­nen­der (im tech­ni­schen Sinn). Und Bücher, die ihren Autor selbst so wun­der­bar unernst-selbst­iro­nisch auf­tre­ten las­sen, sind sowie­so meis­tens ein gro­ßes Ver­gnü­gen. Und das gilt für Lei­der bin ich tot auf jeden Fall.

»Krie­ger. Leu­te im Krieg. Die nur ver­klei­det sind als Künst­ler oder Intel­lek­tu­el­le. Nicht? Wir sind … wir müs­sen immer die Bes­ten sein. Die Schöns­ten, die Unwi­der­steh­lichs­ten. Wir sind Klug­schei­ßer und Zau­be­rer und Träu­mer. Wir sind Recht­ha­ber, weil wir …«
»Ver­letz­te sind.« (63)

Urs Jaeg­gi: Brand­eis. Darm­stadt, Neu­wied: Luch­ter­hand 1978. 269 Sei­ten. ISBN 347296463X. 

Noch ein erstaun­lich span­nen­der und inter­es­san­ter Zufalls­fund. Ich muss geste­hen, dass mir Urs Jaeg­gi, der als Sozio­lo­ge auch immer wie­der bel­le­tris­tisch tätig war, bis dato unbe­kannt war. Das ist scha­de, denn Brand­eis ist nicht nur ein fas­zi­nie­ren­der Zeit­ro­man, son­dern auch ein aus­ge­spro­chen guter Roman. Brand­eis, die Haupt­fi­gur und Erzäh­ler­stim­me, aus deren per­so­na­ler Per­spek­ti­ve alle drei Tei­le erzählt wer­den, ist sozu­sa­gen das alter ego des Autors: Sozio­lo­gie, der zu Beginn noch in der Schweiz (in Bern) lehrt, dann an die neu­ge­grün­de­te, noch zu bau­en­de bzw. im Auf­bau begrif­fe­ne Uni­ver­si­tät in Bochum beru­fen wird, eini­ge Zeit als Gast­do­zent in New York weilt und zum Schluss („Ber­lin 1977“) in Ber­lin einen Sozio­lo­gie-Lehr­stuhl inne­hat – die äuße­ren Sta­tio­nen ent­spre­chen Jaeg­gis Kar­rie­re genau. Das aber nur nebenbei.

Inter­es­sant ist ande­res. Brand­eis ist ein poli­tisch akti­ver, empi­risch arbei­ten­der Sozio­lo­ge, der sich aus einer dezi­diert lin­ken (mar­xis­ti­schen) Posi­ti­on auch und vor allem sehr inten­siv mit sei­nen Stu­die­ren­den und ihrem Blick auf die Welt und Gesell­schaft aus­ein­an­der­setzt. Das ermög­licht zum einen eine span­nen­de Dar­stel­lung der Kon­flik­te am Ende der 1960er Jah­re an den Hoch­schu­len (aber auch einen Blick auf die Dif­fe­renz der dor­ti­gen Dis­kus­sio­nen und Situa­tio­nen zu den Gege­ben­hei­ten der Arbei­ter­schaft, etwa bei den Bochu­mer Opel-Wer­ken) über die Ent­wick­lung zum links­ra­di­ka­len Ter­ro­ris­mus und den Viet­nam­krieg bzw. dem Kampf gegen den Krieb bis zu den ame­ri­ka­ni­schen Bewe­gun­gen Anfang der 1970er Jah­re wie Black power und Femi­nis­mus. Und es gibt dem Autor einen sehr klu­gen, ana­ly­ti­schen Erzäh­ler, der bei sei­nem Blick auf die Welt auch die eige­nen Posi­ti­on und deren theo­re­ti­sche Vor­aus­set­zun­gen immer wie­der mit­be- und über­denkt. Äußer­lich pas­siert dann gar nicht so sehr viel, es wird vor allem gere­det und dis­ku­tiert, gestrit­ten und demons­triert, ana­ly­siert und erklärt. 

Der zwei­te, sehr inter­es­san­te Punkt ist die Form von Brand­eis. Die ist näm­lich für die Ent­ste­hungs­zeit – der Roman ist immer­hin schon 1978 erschie­nen – erstaun­lich avan­ciert und auf der Höhe der Zeit. Und es zeigt sich auch, dass sich in den Jahr­zehn­ten seit­her bei den zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln für Pro­sa­tex­te erstaun­lich wenig getan hat. Brand­eis ist genau­so frag­men­tiert wie ein ordent­li­cher post­mo­der­ne Roman der Gegen­wart, er nutzt vie­le Errun­gen­schaf­ten des moder­nen Romans, auch sein Erzäh­ler spricht in zwei Per­spek­ti­ven und reflek­tiert das auch ger­ne selbst:

Oh, ja. Ich weiß, Freund, hier geht es kreuz und quer: ich und er. Er Brand­eis und ich Brand­eis. Ich habe es sowie­so pro­biert: »Ich« in die Gegen­wart zu set­zen, »Er« in die Ver­gan­gen­heit. Ganz logisch. Logisch: und doch ging es dann gleich wie­der durch­ein­an­der, obwohl ich weiß: Ord­nung muß sein, wie bei den Fuß­no­ten, was die Deut­schen so gut kön­nen und die Fran­zo­sen nie ler­nen, nicht ler­nen wol­len. Also gut. (97)

Über­haupt ist der gan­ze Roman erstaun­lich selbst­be­wusst und reflek­tie­rend. Und Jaeg­gi gelingt es aus­ge­spro­chen gut, die Viel­falt der for­ma­len Gestal­tungs­ele­men­te zu nut­zen und recht har­mo­nisch mit­ein­an­der zu ver­bin­den (auch wenn sich an eini­gen Stel­len viel­leicht man­che Län­ge ein­ge­schlich­ten hat). 

Das so ein groß­ar­ti­ger Text nicht zum Kanon deutsch­spra­chi­ger Lite­ra­tur gehört (selbst der Luch­ter­hand-Ver­lag, bei dem sei­ne Roma­ne erschie­nen, kennt ihn nicht mehr …), ist eigent­lich erstaun­lich. Aber ande­rer­seits viel­leicht auch sym­pto­ma­tisch: Längst näm­lich scheint mir die Lite­ra­tur zuneh­mend ihre eige­ne Geschich­te (und damit auch ihre eige­nen Vor­aus­set­zun­gen und (schon ganz banal hand­werk­li­chen) Errun­gen­schaf­ten) zu ver­ges­sen – es blei­ben letzt­lich ein­fach nur ein paar weni­ge Tex­te und Autoren dau­er­haft im kol­lek­ti­ven Gedächt­nis. Statt­des­sen tut man – und das schließt sowohl die Pro­du­zen­tin­nen als auch die Rezi­pi­en­ten (wie etwa die Lite­ra­tur­kri­tik) ein – ger­ne so, als wür­de jede Sai­son, spä­tes­tens aber jede Gene­ra­ti­on die Lite­ra­tur neu erfun­den. Die Lek­tü­re von Tex­ten wie dem Brand­eis wür­de da mehr hel­fen als die „Wie­der­ent­de­ckung“ einst popu­lä­rer Roma­ne von von Fal­la­da, Keun etc. 

Die Geschich­te tut nichts, sagt Brand­eis, sie kämpft kei­ne Kämp­fe. Es ist der Mensch, der wirk­li­che, leben­di­ge, Mensch, der alles tut, besitzt oder erkämpft. Es ist nicht die Geschich­te, die den Men­schen zum Mit­tel braucht, um ihre Zwe­cke durch­zu­ar­bei­ten, als ob sie eine apar­te Per­son wäre; die Geschich­te ist nichts als die Tätig­keit der ihre Zwe­cke ver­fol­gen­den Men­schen. (21)

außer­dem gelesen:

zeitungen

Digitale Medien

Durch die trans­pa­ren­te Fas­sa­de sah sie den Jour­na­lis­ten auf sich zukom­men, durch eine Art sekun­dä­rer Absper­rung oder Klapp­glas­schran­ke, wie bei einem Saloon in einem futu­ris­ti­schen Wes­tern. So also sah das hier aus: Die Öffent­lich­keit, dach­te Anna, ver­än­der­te sich zwar schnel­ler als die Tat­sa­chen, für die sich die­se Öffent­lich­keit inter­es­sier­te. Das geschah aber nicht ein­fach in der Art, erkann­te sie jetzt, dass die alten Mäch­te sofort nach­ga­ben und sich von den neu­en stür­men lie­ßen. Solan­ge der tra­di­tio­nel­le Jour­na­lis­mus noch in Bau­ten wie die­sem ver­an­stal­tet wur­de, wäh­rend die Blogs in schä­bi­gen Woh­nun­gen wie ihrer ent­stan­den, wo zwei Frau­en zusam­men nicht mal ein kom­plet­tes Bett besa­ßen, war die gan­ze scheiß­di­gi­ta­le Scheiß­re­vo­lu­ti­on jeden­falls noch nicht voll­endet. Diet­mar Dath, Lei­der bin ich tot, 349

Sokrates

Alle Welt freut sich aus den ver­schie­dens­ten Grün­den und Anläs­sen immer wie­der über den alber­nen, Sokra­tes zuge­schrie­be­nen Satz »Ich weiß, dass ich nichts weiß«. Er ent­hält drei defi­ni­to­ri­sches Unsau­ber­kei­ten, zwei fet­te Kate­go­rien­feh­ler, min­des­tens ein Para­do­xon, andert­halb Tau­to­lo­gien, Son­nen­blu­men­öl, Zwie­bel­pul­ver, Schne­cken­pas­te und unzäh­li­ge gequirl­te Aus­re­den, aber berühmt ist er trotz­dem. Diet­mar Dath/​Heike Aumül­ler, Ver­bo­te­ne Ver­bes­se­run­gen, 44

Aus-Lese #18

Tobi­as Prem­per: Durch Bäu­me hin­durch. Göt­tin­gen: Steidl 2013. 93 Seiten.

Und schon wie­der kur­ze Pro­sa ohne Gat­tung: Sze­nen, Ein­fäl­le, … – Vignet­ten fasst das wohl am bes­ten zusam­men. Prem­per sam­melt hier Absur­des, Gro­tes­kes, Komi­sches, Phan­tas­ti­sches unge­heu­er ver­dich­tet. Nur sel­ten ist ein Text eine gan­ze Sei­te (oder mehr) lang. Das ist vor allem eines: irr­sin­nig amü­sant. Dabei ist das aber über­haupt nicht hirn­los, denn in der Kür­zest-Pro­sa über Bäu­me und Men­schen, über Nor­ma­li­tät und das Leben, über Träu­me und Erschei­nun­gen, wun­der­sa­me Beg­nun­gen, Abnor­ma­li­tä­ten als Grund­stim­mung, Nor­ma­li­tät als Aus­nah­me ste­cken alles gro­ßen Fra­gen – selbst wenn das als „Sze­ne aus dem wirk­li­chen Leben“ über­schrie­ben ist. Vor allem zeigt Prem­per aber immer wie­der die Absur­di­tät der Bana­li­tät des All­tags, des ganz nor­ma­len Lebens mit sei­nen unzäh­li­gen, immer glei­chen Hand­lun­gen, Momen­ten und Erfah­run­gen. Ein wirk­lich groß­ar­ti­ges Vergnügen!

„War­um mann Bücher machen muss“: Weil man sonst wie­der Frau­en ver­brennt und Scha­fe fickt. (38)

Moritz Rin­ke: Wir lie­ben und wis­sen nichts. Rein­bek: Rowohlt 2013. 124 Seiten.

Wir lie­ben und wis­sen nichts ist ein net­tes Kam­mer­spiel über moder­ne Paa­re, über Lie­be, Bezie­hung, Kom­mu­ni­ka­ti­on und den gan­zen Rest – eine Varia­ti­on eines bekann­ten The­mas also:

Kann man zusam­men­blei­ben, wenn man sich die Wahr­heit sagt? (121)

Ganz geschickt gemacht ist das, und gut ver­packt – da merkt man die Erfah­rung Rin­kes. Und natür­lich spie­len auch und vor allem die Zumu­tun­gen des (post-)modernen Kapi­ta­lis­mus eine wesent­li­che Rol­le: „[…] ich glau­be, die Lie­be ist irgend­wann mit dem Kapi­ta­lis­mus zusam­men­ge­sto­ßen und dabei kaputt­ge­gan­gen.“ (112)

Peter Salo­mon: Die Jah­re lie­gen auf der Lau­er. Neue Gedich­te. Eggin­gen: Edi­ti­on Ise­le 2012. 90 Seiten.

Lei­der fand ich den Band nicht ganz so span­nend, wie die Rezen­si­on erwar­ten ließ. Salo­mon schreibt hier vor allem so etwas wie erzäh­len­de Gedich­te: Vie­le „intak­te“ Sät­ze, die nur behut­sam umge­bro­chen und so in die lyri­sche Form gebracht wer­den. Es geht viel ums Erin­nern, vie­le Made­lei­nes, und viel alte BRD tau­chen hier auf, aber auch viel Glück – das aber nie dau­er­haft und sicher ist: „Ich ging nach Hau­se, ich glau­be /​ Glück­lich – “ (66) schlie­ßen die „Momen­te des Glücks“, die genau so einen Moment des Endens der Ver­gan­gen­heit, des Nie­der­le­gens eines alten Gebäu­des auf­zei­gen. Genau die­ser das Ende offen las­sen­de, andeu­ten­de Gedan­ken­strich beschließt nicht weni­ge sei­ner Gedich­te („Es war, als gäbe es nie ein Ende – “ (71)) Vie­les ist hier ganz nett, aber berührt mich nicht sehr nach­drück­lich: Viel­leicht ist es des­halb für mich nicht so span­nend, weil Salo­mon der Kraft und Gestalt der „nor­ma­len“ Spra­che weit­ge­hend ver­traut – ich bevor­zu­ge momen­tan Lyri­ker, die Spra­che sozu­sa­gen gegen den Strich bürs­ten, wesens­fremd ver­wen­den – und dar­aus Bedeutung(en) erzeu­gen. Das pas­siert hier nicht.

Das Buch als Maga­zin #2: Woyzeck

Sehr schön und inspi­rie­rend: Gute gra­fi­sche Gestal­tung, vor allem span­nen­de und anre­gen­de Foto­gra­fien. Und natür­lich auch inter­es­san­te, fes­seln­de Tex­te. Zum Bei­spiel das wun­der­ba­re Inter­view mit einer psy­cha­tri­schen Oberärtztin …

Georg Büch­ner: Lenz. Her­aus­ge­ge­ben von Eva-Maria Vering and Wer­ner Wei­land. Darm­stadt: Wis­sen­schaft­li­che Buch­ge­sell­schaft 2001 (=Sämt­li­che Wer­ke und Schrif­ten. His­to­risch-kri­ti­sche Aus­ga­be mit Quel­len­do­ku­men­ta­ti­on und Kom­men­tar (Mar­bur­ger Aus­ga­be), Band 5).

Ein Klas­si­ker, natür­lich … Ein biss­chen Büch­ner-Lek­tü­re muss zu sei­nem 200. Geburts­tag auch unbe­dingt sein. Der Lenz fes­selt mich immer wie­der: Die Inten­si­tät und die gewal­ti­ge Spra­che der Erzäh­lung fin­de ich fas­zi­nie­rend. Auch wenn mir die­ses Mal sehr auf­ge­fal­len, wie „unfer­tig“ der Text eigent­lich ist …

Diet­mar Dath: Klei­ne Poli­zei im Schnee. Erzäh­lun­gen. Ber­lin: Ver­bre­cher 2012. 236 Seiten.

Klei­ne Poli­zei im Schnee ist ein typi­scher Dath. Natür­lich ist das (wie­der) eine Mischung aus Sci-Fi, Dys- & Uto­pie, Gegen­warts­be­schrei­bung & ‑kri­tik, phan­tas­ti­scher und rea­lis­ti­scher Lite­ra­tur (sein Mar­ken­zei­chen und eine sei­ner bes­ten Qua­li­tä­ten – der größ­te Sti­list ist er schließ­lich nicht …). Unty­pisch ist nur die klei­ne, kur­ze Form von sehr unter­schied­li­cher Län­ge, die sei­nen Kos­mos etwas zugäng­li­cher wir­ken las­sen als die gro­ßen Schin­ken. Dabei ist zugäng­lich aber rela­tiv. Denn wie­der prä­gen Ver­knüp­fun­gen kreuz und quer die­se Tex­te (die eigent­lich einen gro­ßen Text bil­den). Es gibt also viel zu ent­wir­ren: Dath prak­ti­ziert ein sehr fas­zi­nie­ren­des Erzäh­len aus ver­schie­de­nen Rich­tun­gen. Man kann (und darf) das dann wie ein Puz­zle zusam­men­set­zen. Die ein­zel­nen Tei­le sind aber auch schon sehr schön, so dass es nicht so schlimm ist, wenn das Puz­zle nicht ganz fer­tig wird ;-). (Daths Werk gibt mal viel Arbeit für flei­ßi­ge Ger­ma­nis­ten, mit all sei­nen intra- und inter­tex­tu­el­len Allu­sio­nen und Bezü­gen, v.a. inner­halb sei­nes eige­nen Werkes …)

Kon­se­quenz ist näm­lich noch schö­ner als Erfolg. (167)

Kapitalisten

Die Kapi­ta­lis­ten füh­ren sich auf, als woll­ten sie zur Mensch­heit gar nicht gehö­ren.
Na schön. Diet­mar Dath: Maschi­nen­win­ter. Wis­sen, Tech­nik, Sozia­lis­mus. Eine Streit­schrift. Frank­furt am Main: Suhr­kamp 2008 (edi­ti­on unseld, 8), 86

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