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Tafel und Staat

Der „Spie­gel“ schreibt über die „Tafel“-Bewegung und ihre Pro­ble­me. Und er schafft es, das zen­trals­te aller Pro­ble­me mit die­ser Orga­ni­sa­ti­on voll­kom­men aus­zu­blen­den: Ihre Not­wen­dig­keit. Denn soll­te es in einem der reichs­ten Län­der der Welt nicht selbst­ver­ständ­lich sein, dass der Staat, der dafür man­nig­fal­ti­ge Instru­men­te (die aus Abga­ben der Bevöl­ke­rung bezahlt wer­den) zur Ver­fü­gung hat, eine grund­sätz­li­che Lebens­si­che­rung sei­ner gesam­ten Bevöl­ke­rung und nicht nur der arbei­ten­den gewähr­leis­ten? Das ist auch genau der Grund, war­um ich die „Tafeln“ – so ehren­wert sie im Ein­zel­nen sind – für die fal­sche Akti­on hal­te: Die gna­den­vol­le und barm­her­zig Abga­be von „Rest“-Lebensmitteln an Bedürf­ti­gen – das ist ein Rück­fall ins katho­li­sche 19. Jahr­hun­dert. Die rich­ti­ge Lösung ist natür­lich der Anspruch auf ent­spre­chen­de Ver­sor­gungs­leis­tun­gen, z.B. eben über aus­rei­chen­de Hartz-​IV-​Sätze. Dass der „Spie­gel“ das nicht merkt, hal­te ich für ziem­lich schwach – und typisch, denn die­ser Punkt geht in der Dis­kus­si­on immer wie­der ver­lo­ren.

Man­cher­orts über­nah­men die Wohl­tä­tig­keits­ver­ei­ne Auf­ga­ben des Sozi­al­staats.

So heißt es dann auch noch – fast wie im Hohn – im „Spiegel“-Artikel, wenn es um Zusatz­leis­tun­gen der „Tafeln“ wie Kurs­an­ge­bo­te etc. geht. Mir bleibt fast die Spra­che weg, wenn ich so etwas lese.

Veröffentlicht in politik

3 Kommentare

  1. Bei uns im Ort haben sich lang­jäh­ri­ge Spon­so­ren aus der Wirt­schaft aus der Unter­stüt­zung der Tafel zurück­ge­zo­gen, sodass die Tafel plötz­lich ohne aus­rei­chen­de finan­zi­el­le Deckung da steht. Man kann in einer sol­chen Situa­ti­on dann den Stand­punkt ver­tre­ten, dass Tafeln ohne­hin ein fal­sches Kon­zept ver­wirk­li­chen (ich sehe das prin­zi­pi­ell genau wie Du) – wir haben von Sei­ten der Kom­mu­nal­po­li­tik statt­des­sen den jähr­li­chen Zuschuss deut­lich erhöht. Der Grund dafür ist, dass wir an der Bedürf­tig­keit der Tafel­kun­den nichts ändern kön­nen, weil sie zum Bei­spiel gesetz­lich auf ande­rer Ebe­ne erzeugt wird. Wir kön­nen auch nichts dar­an ändern, dass Wirt­schafts­un­ter­neh­men Pro­fit höher wer­ten als gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung. Was wir kön­nen: einen Ver­ein unter­stüt­zen, des­sen Not­wen­dig­keit bit­ter ist, aber Rea­li­tät. Des­sen ehren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter kon­kret vor Ort hel­fen, statt über das Sys­tem ins­ge­samt zu lamen­tie­ren. – Dass neben­bei wei­ter dar­an gear­bei­tet wer­den soll­te, dass Tafeln unnö­tig wer­den, ist klar – bis dahin ist aber ein wei­ter Weg.

    • Die bit­te­re Not­wen­dig­keit der „Tafeln“ sehe ich lei­der auch. Aber ich befürch­te eben immer ein biss­chen, dass die Exis­tenz der Tafeln dazu ver­lei­tet, das grund­sätz­li­che Pro­blem nicht anzu­pa­cken – das hat ja eine schein­ba­re Lösung. Ich weiß, dass ist sehr technologisch/​systemisch gedacht und lässt das Leid der ein­zel­nen Men­schen erst ein­mal etwas außen vor. Mir ging es hier ja vor allem dar­um, die Not­wen­dig­keit der Tafeln immer wie­der anzu­pran­gern. Und wenn ein Medi­um wie der „Spie­gel“ über die Pro­ble­me der Tafeln, die ver­mut­lich auch nicht gerin­ger wer­den, schreibt, ohne auf den grund­le­gen­den Miss­stand wenigs­tens hin­zu­wei­sen, regt sich in mir eben ein­fach Unbe­ha­gen.

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