Ins Netz gegangen am 23.9.:
- Einige Gedanken am Tag nach der Bundestagswahl – Maximilian Steinbeis weist im Verfassungsblog auf einige wenig beachtete Folgen des Wahlausgangs hin. Zum Beispiel:
Eine von Union und SPD getragene Regierung könnte sich auf 503 von 630 Sitze stützen – fast eine Vierfünftelmehrheit.
Die Opposition aus Grünen und Linken könnte nicht einmal mehr einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Sie könnte auch kein Normenkontrollverfahren in Karlsruhe anstrengen. Dazu sind jeweils 25 Prozent der Stimmen im Bundestag nötig, und die bekommen sie selbst dann nicht auf die Waage, wenn sie sich zu einem solchen Schritt zusammenraufen.
Da kann man es langsam wirklich mit der Angst bekommen … – denn in so guten Händen waren Recht und Ordnung in den letzten Jahren ja nicht bei der Regierung, die unzähligen Hinweise aus Karlsruhe sprechen da ja eine deutliche Sprache …
- Stillstand | Carta – Wolfgang Michal sagt, was zu sagen ist, zum Ausgang der Bundestagswahl:
Ich glaube, nach dem Wahlabend des 22. September wird der Dude-ismus auch in Deutschland Fuß fassen. Es scheint sich um die einzige Lebensform zu handeln, die einem derartigen Wahlergebnis gewachsen ist. Man möchte nur noch bowlen, einen Joint rauchen und in einem Ford Gran Torino „Lookin out my backdoor“ hören.
Das Ergebnis der Bundestagswahl fühlt sich an, als würde die Zeit eingefroren. Als würde ein vierjähriger Winter bevorstehen, den man nur überstehen kann, wenn man jeden Abend den Film „The Big Lebowski“ ansieht. 2017 können wir vielleicht weitermachen, wo wir 2013 aufgehört haben.
Besonders schade ist, dass die CDU die absolute Mehrheit knapp verfehlt hat. Denn das bedeutet, dass die SPD wieder nicht von Steinbrück und Steinmeier lassen kann. Es wird keinen Neuanfang geben. Also stellen wir vorsorglich die Uhren auf 2005 zurück, verstreuen die Asche der FDP und gehen bowlen.
- Asylpolitik – Vorwürfe gegen Gericht in Eisenhüttenstadt – Politik – Süddeutsche.de – Andreas Fischer-Lescano im Interview mit der SZ über die illegalen und menschenverachtenden Praktiken der Justiz in Deutschland, wenn es um Flüchtlinge geht – hier am Beispiel Eisenhüttenstadt.
Ich beschäftige mich seit Jahren mit Migrationsrecht und in diesem Bereich ist vieles möglich, was meine zivilrechtlichen Kollegen für unvorstellbar halten. Aber die Urteile aus Eisenhüttenstadt haben doch eine besondere Dimension. Das habe ich bislang für unvorstellbar gehalten.
- „Massenvernichtungsfloskeln“ – Stefan Niggemeier, 1.9.2013
- „Vermaisung“ – bioland-Fachmagazin 10/2013
- „schilyfiziert“ – schreibt Maximilian Steinbeis am 23.9.2013 im Verfassungsblog
Ins Netz gegangen am 21.9.:
- Wahlkampf der Gespenster: Die große politische Leistungsverweigerung – FAZ – Der schlaue Nils Minkmar sagt alles, was es zum jetzt endlich zu Ende gehenden Wahlkampf zu sagen gibt:
Es war irre. Der Subtext all dieser Debatten waren uralte Parolen: Freiheit statt Sozialismus. Hausfrauen gegen Rabenmütter, freie Fahrt für freie Bürger und vor allem: keine Experimente. Dieser Wahlkampf ist eine einzige politische Geisterbahn.
[…] Riskieren wir hier im Lande noch etwas – in der Kunst, der Literatur, dem Film, unseren Bauten, unseren Städten –, oder beantragen wir, das ganze Land zum Weltkulturerbe zu erklären? - Brauchen wir noch Buchläden? – taz.de – Susanne Messmer hat sich für die taz im deutschen Buchhandel umgeschaut – und gefragt:
Und, mal ganz brutal gefragt: Gibt es den kleinen Buchladen um die Ecke bald vielleicht einfach deshalb nicht mehr, weil ihn keiner mehr braucht?
ihre Antwort – wenn man den Text als eine solche lesen mag – ist dann aber wieder das übliche: Sie stellt zwei außerordentliche Buchhandlungen (Roter Stern in Marburg, Ocelot in Berlin) vor, die es gerade (noch) so schaffen, als Unternehmen zu bestehen. Die Frage beantwortet das natürlich nicht, weil das beide eben gerade keine Buchläden um die Ecke sind – dort herrscht ja längst das große Grauen, das sich von den Verkaufsflächen der Ketten (die auch hier auftauchen) gar nicht mehr so sehr unterscheidet. Schon in Universitätsstädten wie Mainz. Von wirklichen Kleinstädten gar nicht zu reden …
- xkcd: Mess – Mess (via Published articles)
- Plöchinger – Wie wir nach vorne denken sollten – acht Thesen zur Zukunft – Stefan Plöchinger hat für das Jahrbuch 2013 des BDZV 8 Thesen zum Journalismus der Zukunft verfasst, die eigentlich 8 Thesen zum Journalismus der Gegenwart sind. Da steht wohl viel Wahres drin, z.B.:
Nach Qualität zu streben, ist essentiell für die Zukunft, aber Qualität kommt nicht von selbst oder per Akklamation. Sie muss den Lesern täglich neu bewiesen und erarbeitet werden. Wir alle wissen, wie desaströs es ist, wenn wir mal einen Namen falsch schreiben: Der Betroffene, aber auch Leser merken sich das jahrelang. Wie verheerend ist es erst, wenn wir Internetseiten deutlich schlechter machen, als sie sein könnten.
Oder diese Beobachtung:
So ist das jetzt wohl immer: Journalismus als Dauerbaustelle. Es ist die angemessene Haltung in einem Mediensystem, das sich permanent ändert.
Das ist natürlich viel einfacher gesagt als getan und ausgehalten – aber es stimmt trotzdem …
- “Bild zur Wahl” « BILDblog – RT @BILDblog: Übermorgen sollen alle Haushalte die „Bild zur Wahl“ bekommen. Wie sie aussieht und wie man sich dagegen wehren kann:
- #4 Emckes Expeditionen: Ich wähle | ZEIT ONLINE – grandios, unbeding lesenswert! RT @EmckeExpedition: #Emcke(s letzte )Expedition: ein Plädoyer für das Wählen: #btw13
Was passiert, wenn Musik-Unkundige für die Schlusscredits eines Filmes verantwortlich sind und niemand das kontrolliert:
Ins Netz gegangen am 19.9.:
- #4 Emckes Expeditionen: Ich wähle | ZEIT ONLINE – Caroline Emcke hat wieder einen tollen Text in ihrer Expeditionen-Reihe geschrieben. Heute geht es darum, ob Nichtwählen eine valide Position sein kann – sie ist da ganz klar, und ganz auf meiner Linie: „Das ist Bullshit.“ Und sie zeigt auch sehr plastisch und drastisch, warum das so ist:
Die These von der Austauschbarkeit und Verwechselbarkeit der Parteien und ihrer Programme ist so hanebüchener Unfug, dass der Verdacht aufkommen kann, die Wahlkampfmanager der CDU hätten sie in Umlauf gebracht. Wer den Status quo erhalten will, braucht nur zu behaupten, diese Wahlen machten keinen Unterschied oder, schlimmer noch: Wählen oder Nichtwählen mache keinen Unterschied. Das ist nicht nur sachlich falsch, sondern auch politisch obszön.
- Ich passte nie ganz zu meiner Umgebung – taz.de – Ina Hartwig hat für die taz den besten Nachruf auf Marcel Reich-Ranicki geschrieben, den ich (bisher) gelesen habe: kritisch, ohne gemein zu sein; bewundernd, ohne zu vergöttern; detail- und faktenreich, ohne zu belehren. Und sie trifft, wie mir scheint, ziemlich genau den Kern von Reich-Ranickis Kritikertätigkeit (also genau das, was ihn mir immer etwas unsympathisch bzw. unwichtig machte):
Auch theorielastiger Literatur gegenüber, etwa Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“, zeigte er sich nicht sehr aufgeschlossen. Alles, was sich Avantgarde nannte oder vermeintlich unsinnlich auf ihn wirkte, prallte an Reich-Ranicki geradezu lüstern ab. In Zuspitzung und Abwehr war er ein Meister, immer bereit, sich um der Pointe willen dümmer zu stellen, als er war.
Gegen Schluss weist sie noch auf etwas anderes Treffendes hin:
Seit Alfred Kerr hat es in Deutschland keinen derart populären Kritiker gegeben wie ihn, Marcel Reich-Ranicki. Nicht ausschließlich subtiler Geschmack, nicht unbedingt ästhetischer Wagemut haben Marcel Reich-Ranickis unglaublicher Karriere den Weg gewiesen, sondern sein schier ungeheurer Fleiß, seine Brillanz und der unbedingte Wille, Einfluss zu nehmen auf das literarische Geschehen in Deutschland, vor allem aber seine polarisierende, geschickt vereinfachende Rhetorik. Sein einzigartiges Temperament wusste alle Medien seiner Epoche zu bedienen, Radio, Zeitung, Buch und Fernsehen.
– diese Medienvirtuosität ist sicherlich ein wichtiger Bestandteil Reich-Ranickis gewesen.
- Juli Zeh im Interview: „Ein beobachteter Mensch ist nicht frei“ | Kultur – Frankfurter Rundschau – Juli Zeh sagt im FR-Interview mal wieder viel richtiges und kluges. Zum Beispiel auf die Frage: „Es wird ja gern gesagt: Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.“
Ich glaube nicht, dass die Leute das wirklich denken. Das sagen sie, damit man sie mit dem Problem in Ruhe lässt. Wenn man jemanden sagt: Gib mir mal deine Festplatte und lass mich kurz deine E‑Mails durchlesen, dann bekommt doch jeder ein mulmiges Gefühl. Die meisten möchten doch nicht einmal, dass die Partnerin oder der Partner die eigenen Mails liest, weil wir nämlich wohl etwas zu verbergen haben. Nicht ein Verbrechen, sondern einfach nur das, was man Privatsphäre nennt. Ein intimer Raum, der uns immer latent peinlich ist und den wir schützen. Ich denke, wer nichts zu verbergen hat, der hat bereits alles verloren.
Und später:
Ohne Geheimnisse gibt es kein Ich. Man verliert dann im Grunde sich selbst.
- Polit-Talkshows von ARD und ZDF: Objektiv und unparteilich war gestern | Magitek – ein Blog. – Sven hat sich die parteipolitische Zugehörigkeit der Gäste in den Talkshows von ARD & ZDF angeschaut – mit eher unangenehmen Folgen (früher hieß es immer – und wurde z.B. von Kepplinger auch empirisch mehr oder weniger bestätigt, die öffentlich-rechtlichen Medien hätten eine linksliberale Tendenz. Hier ist das sehr offensichtlich sehr anders.): Polit-Talkshows von ARD und ZDF: Objektiv und unparteilich war gestern
Für den Sommerhit sind sie dann doch zu spät. Schade, denn „Im Moment ist alles richtig“ hätte dafür Potenzial gehabt. Auch sonst bleibt Maybebop strikt auf Hitkurs. „Weniger sind mehr“ haben die Niedersachsen ihr neuestes Album betitelt. Und das bezieht sich zum Glück nicht auf die Besetzung: Maybebop ist immer noch ein Quartett, wie schon seit gut 20 Jahren. Mit ihrer ersten CD bei Warner sind sie jetzt noch ein bisschen Mainstream-tauglicher geworden. Und auch etwas glatter: Das ist hervorragend gemachter, Radio-tauglicher Pop, der sich mehr als früher an den Wise Guys orientiert.
Schon beim ersten Hören fällt auf: Das Essen treibt sie irgendwie besonders um, besonders der Konsum von Fleisch – den sie nur halb im Spaß gerne durch Insekten ersetzen möchten. Aber gerade die bemüht politischen Texte sind eher die schwächeren der CD – auch musikalisch glänzen diese Lieder nicht besonders. Dafür gibt es woanders auf „Weniger sind mehr“ aber wieder Entschädigung: Neben dem mitreißenden „Im Moment ist alles richtig“ ist der titelgebende Song am Ende der CD noch einmal (zumindest musikalisch) ein echtes Highlight. Am kunstvollsten ist aber das Arrangement von Schuberts Erlkönig – den erkennt man kaum wieder. Was aber überhaupt nicht gegen die Bearbeitung von Oliver Gies spricht, im Gegenteil: Auch wenn das kaum zum Mainstream-Pop des Rests passt, ist das doch gewitzt und intensiv in seiner Emotionalität.
Anderes ist weniger überzeugend. „Nimm mich mit“ etwa kann vor Kraft nicht mehr laufen: Weil keiner der vier weiß, wohin mit der (allerdings auch technisch kräftig aufgepäppelten) Stimmkraft, hängt das alles im Gummiklang. Leider sind die vier Sänger sowieso alles andere als zurückhaltend mit der Studioklangelektronik – dadurch verliert der Maybebop-Klang einiges von seinem Charme. Andererseits bekommen Songs wie „Was ist mit der Liebe“ so ordentlich Druck, den das Quartett geschickt und ausgesprochen klangspielerisch nutzt. Gekonnt aufgegriffene Klischees und spielerisch-subversive Referenzen an die Romanze machen auch den „Liebesbrief“ zu einem echten Kleinod: Ein herrliches Bass-Solo mit Hintergrund-Gesäusel aus den drei Samtkehlen der restlichen Maybebopper. Vielfalt bleibt also Maybebop-Programm, auch auf „Weniger sind mehr“.
(geschrieben für die Neue Chorzeit.)
Gleich drei kurze Filme sind mir in den letzten Tagen aufgefallen und haben mir gefallen. Zum Beispiel die schöne, atmosphärische Arbeit von Nick White und Matthew James Wilkinson mit Benedict Cumberbatch und Natalie Press – „Inseparable“
Oder die etwas konventioneller erzählte deutsche Arbeit „Nullpunkt“ von Andreas Schaap & Andreas Udluft, mit einer netten Grundidee und allein wegen Nora Tschirner ein Genuss:
https://web.archive.org/web/20140517214844/http://www.youtube.com/watch?v=dVJKPaR1moo
Und noch etwas ganz anderes: „Shattered“, ein kurzer Film von Tyler Stableford über die Leere und Orientierungslosigkeit nach dem Erfolg eines Bergsteigers (Steve House):
Ins Netz gegangen am 18.9.:
- Hans Well zur Landtagswahl Bayern – Süddeutsche.de – Hans Well steht der Süddeutschen zur Bayern-Wahl Rede und Antwort – zum Beispiel auf die Frage: „War Seehofer überhaupt der geeignete Spitzenkandidat?“
Ich möchte diesen Ingolstädter Wankelmotor in Schutz nehmen: Anders als Stoiber geht Seehofer sparsam mit „Ähs“ um und zwängt sich nicht in Gebirgsschützenuniform. Seehofer ist endlich mal ein Politiker, der sich nie festlegt – außer auf zwei Kilometer Abstand zu Windparks, um somit ohne Windräder den Atomausstieg durchzupeitschen. Das nenne ich klare Kante. Kommt beim Sommerwählerschlussverkauf super an. Der braucht von der Kanzlerin nix zu lernen. Der hat schon alles selbst drauf.
- Auch Anti-Eurozentrismus kann zur Ideologie werden – Interview mit Jürgen Osterhammel | Das 19. Jahrhundert in Perspektive – Mareike König hat sich mir Jürgen Osterhammel über Weltgeschichte unterhalten, und natürlich vor allem über sein riesiges Buch „Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. jahrhunderts“. Jetzt habe ich noch mehr Lust, den Wälzer anzugehen (aber vor der zeitfressenden Lektüre schrecke ich irgendwie immer noch zurück …)
- Peter Gabriel : „Im Alter ist man immer noch ein Kind“ – DIE WELT – Peter Gabriel meint (in einem seltsam hölzernen Interview), es wäre Zeit für einen Regierungswechsel in Deutschland …
- NDR löscht nach Protest von CDU-Politiker Dokumentation über SPD-Politiker « Stefan Niggemeier – NDR löscht nach Protest von CDU-Politiker Dokumentation über SPD-Politiker (via Published articles)
- Roman „Tabu“: Der Mord, der keiner war | ZEIT ONLINE – Wow, Ulrich Greiner hat Ferdinand von Schirachs Roman „Tabu“ gelesen. Und ist überhaupt nicht zufrieden gewesen:
Der Roman jedoch ist schlecht. Schirach liebt das philosophische Faseln, den bedeutungsschwangeren Psychologismus. Und er hantiert mit einer ästhetischen Theorie, die das Ineinander und das Gegeneinander verschiedener Ebenen von Wirklichkeit anschaulich machen soll. Es geht auch um die Frage, was Wahrheit in der Kunst bedeutet und was im Leben. Solch schweren Themen ist Schirachs Sprache nicht gewachsen, und gründlich durchdacht wirkt das Ganze ebenfalls nicht. Wenn ich recht sehe, handelt es sich alles in allem um einen großen Bluff.
Später weitet er sein vernichtendes Urteil – so einen deutlichen, krassen und kompletten Verriss habe ich schon lange nicht mehr gelesen – noch aus:
Um es deutlich zu sagen: Ferdinand von Schirach kann nicht schreiben. Natürlich kann er Texte verfassen, sachdienliche, scharfsinnige, kluge, schließlich ist er ein erfolgreicher Anwalt. Aber es fehlt ihm die Gabe der Imagination, des Herbeizauberns einer neuen Welt, der literarischen Subtilität. Bloß aus Hauptsätzen baut man keinen Palast, allenfalls eine Hütte.
Das/Der ist erledigt.
Ins Netz gegangen am 8.9.:
- Datenschutz: Mein digitaler Zwilling gehört mir – FAZ – Auch Juli Zeh hat recht, wenn sie das „politischen Phlegma“ der Deutschen beklagt. Aber leider auch keine Idee, wie man „die anderen“ aufrütteln könnte … Dabei geht es ja um so viel, wie sie auch noch mal betont – nicht nur um ein bisschen Internet und ein paar Kontaktdaten oder so:
Internetbenutzung als Rechtsverzicht? So funktioniert unser Gemeinwesen nicht. Wenn Missstände, ja Rechtsbrüche in großem Umfang aufgedeckt werden, ist es nicht unsere Aufgabe, etwas dagegen zu unternehmen. Es obliegt der Politik, öffentliche Räume so zu gestalten, dass sich die Bürger darin frei bewegen können.
Das Bild des „digitalen Zwillings“, der aus den Daten geschaffen wird, ist eigentlich eine schöne Metapher – und zeigt auch, warum es so wichtig ist, sich um diese Daten zu kümmern: weil die auch wir selbst sind …
- John Lahr: Where Do Claire Danes’s Volcanic Performances Come From? : The New Yorker -
Although there is nothing domineering in Danes’s demeanor on the set—she creates no commotion around herself—onscreen she is capable of what David Harewood, who played the stonewalling deputy director of the C.I.A. in the first two seasons, calls a “tsunami of emotion.” In extremis or out of it, her body semaphores feeling.
John Lahr hat für den „New Yorker“ ein seeeehr ausführliches Porträt der Schauspielerin Clarie Danes geschrieben, das sich vor allem auf die schauspielerische Technik Danes’ konzentriert (anlässlich des bevorstehenden Starts der dritten Staffel von „Homeland“ – für das Danes übrigens einen Vertrag über 7 Jahre hat …)
- Aus dem Maschinenraum: Die Steigbügelhalter der Spione – Aus dem Maschinenraum – FAZ – Constanze Kurz über die „Trusted Chips/Computing“-Idee:
Die Skepsis der Nutzer gegenüber der Vertrauenswürdigkeit der Hersteller ist nicht unbegründet, wie die Enthüllungen über die massenweisen Einbrüche der NSA in Computer weltweit zeigen. Ohne die Unterstützung der zumeist amerikanischen Hersteller der Betriebssysteme und Software wäre dies kaum in so riesigem Umfang möglich. Gerüchte über Vorabinformationen an die NSA über gefundene Schwachstellen, absichtlich zurückgehaltene Fehlerbehebungen und verdeckte Hintertüren gibt es seit Jahrzehnten. Nun wissen wir, dass es sich nicht um Verschwörungstheorien handelte.
- NSA-Affäre: „Die Überwachung muss unser Wahlverhalten beeinflussen“ | ZEIT ONLINE – Phil Zimmermann, der Erfinder der PGP-Verschlüsselung, im Interview:
Wir alle müssen lernen, unsere Kommunikation zu schützen, denn damit bieten wir anderen Menschen Schutz. Wenn wir unsere Gesellschaft vor einer schlimmen Zukunft bewahren wollen, muss Verschlüsselung zur Bürgerpflicht werden.
[…] Es geht auch um die Frage, in welcher Welt wir leben wollen. Wer überall Überwachungskameras aufstellt, um zu sehen, ob jemand Müll auf die Straße wirft, hat vermutlich saubere Straßen. Aber der Preis dafür ist zu hoch. Man gibt seine persönliche Freiheit auf. Wenn jeder Schritt von uns überwacht wird und man das weiß, richtet man sein Verhalten unwillkürlich danach aus, will nicht auffallen, nicht anecken. Niemand wird noch etwas riskieren.Leider ist er an einer Stelle etwas arg optimistisch, wenn es darum geht, das Geheimdienste Bürger anderer Nationen ausspähen: Er sieht das als nicht so schlimm, weil diese ja keinen direkten Zugriff auf die Bürger haben. Theoretisch stimmt das (auch an seinem Beispiel China), für die USA und Deutschland z.B. aber leider eben nicht …
- Hirnforschung: Märchenhaftes Versprechen | ZEIT ONLINE – Die „Zeit“ setzt ihre Auseinandersetzung mit der Neurodidakti (bei ihr immer in Anführungszeichen …), der Verbindung von Neurowissenschaften und Pädagogik, fort. Heute weist Ulrich Schnabel darauf hin, dass sie bisher seiner Wahrnehmung nach noch fast gar nichts leistet:
Ihren Nutzen offenbart die Hirnforschung bislang vor allem bei der Klärung pathologischer Fälle – etwa bei Lese-Rechtschreib-Schwäche (Dyslexie) oder Rechenschwäche (Dyskalkulie) – bei denen sich neuronale Abweichungen zeigen. Zur Frage, wie man das Lernen gesunder Kinder in der Schule fördert, hat sie wenig beizutragen. Wie könnte sie auch?


