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Maderstraße (Wien, 4. Bezirk)

Maderstraße (Wien, 4. Bezirk)

Mader­stra­ße (Wien, 4. Bezirk)

Ins Netz gegangen (23.9.)

Ins Netz gegan­gen am 23.9.:

  • Eini­ge Gedan­ken am Tag nach der Bun­des­tags­wahl – Maxi­mi­li­an Stein­beis weist im Ver­fas­sungs­blog auf eini­ge wenig beach­te­te Fol­gen des Wahl­aus­gangs hin. Zum Beispiel:

    Eine von Uni­on und SPD getra­ge­ne Regie­rung könn­te sich auf 503 von 630 Sit­ze stüt­zen – fast eine Vierfünftelmehrheit.

    Die Oppo­si­ti­on aus Grü­nen und Lin­ken könn­te nicht ein­mal mehr einen Unter­su­chungs­aus­schuss ein­set­zen. Sie könn­te auch kein Nor­men­kon­troll­ver­fah­ren in Karls­ru­he anstren­gen. Dazu sind jeweils 25 Pro­zent der Stim­men im Bun­des­tag nötig, und die bekom­men sie selbst dann nicht auf die Waa­ge, wenn sie sich zu einem sol­chen Schritt zusammenraufen.

    Da kann man es lang­sam wirk­lich mit der Angst bekom­men … – denn in so guten Hän­den waren Recht und Ord­nung in den letz­ten Jah­ren ja nicht bei der Regie­rung, die unzäh­li­gen Hin­wei­se aus Karls­ru­he spre­chen da ja eine deut­li­che Sprache …

  • Still­stand | Car­ta – Wolf­gang Mich­al sagt, was zu sagen ist, zum Aus­gang der Bundestagswahl:

    Ich glau­be, nach dem Wahl­abend des 22. Sep­tem­ber wird der Dude-ismus auch in Deutsch­land Fuß fas­sen. Es scheint sich um die ein­zi­ge Lebens­form zu han­deln, die einem der­ar­ti­gen Wahl­er­geb­nis gewach­sen ist. Man möch­te nur noch bow­len, einen Joint rau­chen und in einem Ford Gran Tori­no „Loo­kin out my back­door“ hören.

    Das Ergeb­nis der Bun­des­tags­wahl fühlt sich an, als wür­de die Zeit ein­ge­fro­ren. Als wür­de ein vier­jäh­ri­ger Win­ter bevor­ste­hen, den man nur über­ste­hen kann, wenn man jeden Abend den Film „The Big Lebow­ski“ ansieht. 2017 kön­nen wir viel­leicht wei­ter­ma­chen, wo wir 2013 auf­ge­hört haben.

    Beson­ders scha­de ist, dass die CDU die abso­lu­te Mehr­heit knapp ver­fehlt hat. Denn das bedeu­tet, dass die SPD wie­der nicht von Stein­brück und Stein­mei­er las­sen kann. Es wird kei­nen Neu­an­fang geben. Also stel­len wir vor­sorg­lich die Uhren auf 2005 zurück, ver­streu­en die Asche der FDP und gehen bowlen.

  • Asyl­po­li­tik – Vor­wür­fe gegen Gericht in Eisen­hüt­ten­stadt – Poli­tik – Süddeutsche.de – Andre­as Fischer-Lesca­no im Inter­view mit der SZ über die ille­ga­len und men­schen­ver­ach­ten­den Prak­ti­ken der Jus­tiz in Deutsch­land, wenn es um Flücht­lin­ge geht – hier am Bei­spiel Eisenhüttenstadt.

    Ich beschäf­ti­ge mich seit Jah­ren mit Migra­ti­ons­recht und in die­sem Bereich ist vie­les mög­lich, was mei­ne zivil­recht­li­chen Kol­le­gen für unvor­stell­bar hal­ten. Aber die Urtei­le aus Eisen­hüt­ten­stadt haben doch eine beson­de­re Dimen­si­on. Das habe ich bis­lang für unvor­stell­bar gehalten.

ûf der worte heide #21

  • „Mas­sen­ver­nich­tungs­flos­keln“ – Ste­fan Nig­ge­mei­er, 1.9.2013
  • „Ver­mai­sung“ – bio­land-Fach­ma­ga­zin 10/​2013
  • „schi­ly­fi­ziert“ – schreibt Maxi­mi­li­an Stein­beis am 23.9.2013 im Ver­fas­sungs­blog

Ins Netz gegangen (21.9.)

Ins Netz gegan­gen am 21.9.:

  • Wahl­kampf der Gespens­ter: Die gro­ße poli­ti­sche Leis­tungs­ver­wei­ge­rung – FAZ – Der schlaue Nils Mink­mar sagt alles, was es zum jetzt end­lich zu Ende gehen­den Wahl­kampf zu sagen gibt:

    Es war irre. Der Sub­text all die­ser Debat­ten waren uralte Paro­len: Frei­heit statt Sozia­lis­mus. Haus­frau­en gegen Raben­müt­ter, freie Fahrt für freie Bür­ger und vor allem: kei­ne Expe­ri­men­te. Die­ser Wahl­kampf ist eine ein­zi­ge poli­ti­sche Geisterbahn.
    […] Ris­kie­ren wir hier im Lan­de noch etwas – in der Kunst, der Lite­ra­tur, dem Film, unse­ren Bau­ten, unse­ren Städ­ten –, oder bean­tra­gen wir, das gan­ze Land zum Welt­kul­tur­er­be zu erklären? 

  • Brau­chen wir noch Buch­lä­den? – taz​.de – Susan­ne Mess­mer hat sich für die taz im deut­schen Buch­han­del umge­schaut – und gefragt:

    Und, mal ganz bru­tal gefragt: Gibt es den klei­nen Buch­la­den um die Ecke bald viel­leicht ein­fach des­halb nicht mehr, weil ihn kei­ner mehr braucht?

    ihre Ant­wort – wenn man den Text als eine sol­che lesen mag – ist dann aber wie­der das übli­che: Sie stellt zwei außer­or­dent­li­che Buch­hand­lun­gen (Roter Stern in Mar­burg, Oce­lot in Ber­lin) vor, die es gera­de (noch) so schaf­fen, als Unter­neh­men zu bestehen. Die Fra­ge beant­wor­tet das natür­lich nicht, weil das bei­de eben gera­de kei­ne Buch­lä­den um die Ecke sind – dort herrscht ja längst das gro­ße Grau­en, das sich von den Ver­kaufs­flä­chen der Ket­ten (die auch hier auf­tau­chen) gar nicht mehr so sehr unter­schei­det. Schon in Uni­ver­si­täts­städ­ten wie Mainz. Von wirk­li­chen Klein­städ­ten gar nicht zu reden …

  • xkcd: Mess – Mess (via Published articles)
  • Plö­chin­ger – Wie wir nach vor­ne den­ken soll­ten – acht The­sen zur Zukunft – Ste­fan Plö­chin­ger hat für das Jahr­buch 2013 des BDZV 8 The­sen zum Jour­na­lis­mus der Zukunft ver­fasst, die eigent­lich 8 The­sen zum Jour­na­lis­mus der Gegen­wart sind. Da steht wohl viel Wah­res drin, z.B.:

    Nach Qua­li­tät zu stre­ben, ist essen­ti­ell für die Zukunft, aber Qua­li­tät kommt nicht von selbst oder per Akkla­ma­ti­on. Sie muss den Lesern täg­lich neu bewie­sen und erar­bei­tet wer­den. Wir alle wis­sen, wie desas­trös es ist, wenn wir mal einen Namen falsch schrei­ben: Der Betrof­fe­ne, aber auch Leser mer­ken sich das jah­re­lang. Wie ver­hee­rend ist es erst, wenn wir Inter­net­sei­ten deut­lich schlech­ter machen, als sie sein könnten.

    Oder die­se Beobachtung: 

    So ist das jetzt wohl immer: Jour­na­lis­mus als Dau­er­bau­stel­le. Es ist die ange­mes­se­ne Hal­tung in einem Medi­en­sys­tem, das sich per­ma­nent ändert.

    Das ist natür­lich viel ein­fa­cher gesagt als getan und aus­ge­hal­ten – aber es stimmt trotzdem …

  • “Bild zur Wahl” « BILD­blog – RT @BILDblog: Über­mor­gen sol­len alle Haus­hal­te die „Bild zur Wahl“ bekom­men. Wie sie aus­sieht und wie man sich dage­gen weh­ren kann:
  • #4 Emckes Expe­di­tio­nen: Ich wäh­le | ZEIT ONLINE – gran­di­os, unbe­ding lesens­wert! RT @EmckeExpedition: #Emcke(s letz­te )Expe­di­ti­on: ein Plä­doy­er für das Wäh­len: #btw13

Chopins „Ave Maria“

Was pas­siert, wenn Musik-Unkun­di­ge für die Schluss­credits eines Fil­mes ver­ant­wort­lich sind und nie­mand das kontrolliert:

Scrrenshot Schlusscredits "It's a disaster"

Scr­ren­shot Schluss­credits „It’s a disaster“

– so endet der sehr anschau­ens­wer­te Film „It’s a dis­as­ter“. Zu hören war übri­gens die Schubert’sche Ver­to­nung des „Ave Maria“ …

Ins Netz gegangen (19.9.)

Ins Netz gegan­gen am 19.9.:

  • #4 Emckes Expe­di­tio­nen: Ich wäh­le | ZEIT ONLINE – Caro­li­ne Emcke hat wie­der einen tol­len Text in ihrer Expe­di­tio­nen-Rei­he geschrie­ben. Heu­te geht es dar­um, ob Nicht­wäh­len eine vali­de Posi­ti­on sein kann – sie ist da ganz klar, und ganz auf mei­ner Linie: „Das ist Bull­shit.“ Und sie zeigt auch sehr plas­tisch und dras­tisch, war­um das so ist:

    Die The­se von der Aus­tausch­bar­keit und Ver­wech­sel­bar­keit der Par­tei­en und ihrer Pro­gram­me ist so hane­bü­che­ner Unfug, dass der Ver­dacht auf­kom­men kann, die Wahl­kampf­ma­na­ger der CDU hät­ten sie in Umlauf gebracht. Wer den Sta­tus quo erhal­ten will, braucht nur zu behaup­ten, die­se Wah­len mach­ten kei­nen Unter­schied oder, schlim­mer noch: Wäh­len oder Nicht­wäh­len mache kei­nen Unter­schied. Das ist nicht nur sach­lich falsch, son­dern auch poli­tisch obszön.

  • Ich pass­te nie ganz zu mei­ner Umge­bung – taz​.de – Ina Hart­wig hat für die taz den bes­ten Nach­ruf auf Mar­cel Reich-Rani­cki geschrie­ben, den ich (bis­her) gele­sen habe: kri­tisch, ohne gemein zu sein; bewun­dernd, ohne zu ver­göt­tern; detail- und fak­ten­reich, ohne zu beleh­ren. Und sie trifft, wie mir scheint, ziem­lich genau den Kern von Reich-Rani­ckis Kri­ti­ker­tä­tig­keit (also genau das, was ihn mir immer etwas unsym­pa­thisch bzw. unwich­tig machte):

    Auch theo­rie­las­ti­ger Lite­ra­tur gegen­über, etwa Robert Musils „Mann ohne Eigen­schaf­ten“, zeig­te er sich nicht sehr auf­ge­schlos­sen. Alles, was sich Avant­gar­de nann­te oder ver­meint­lich unsinn­lich auf ihn wirk­te, prall­te an Reich-Rani­cki gera­de­zu lüs­tern ab. In Zuspit­zung und Abwehr war er ein Meis­ter, immer bereit, sich um der Poin­te wil­len düm­mer zu stel­len, als er war.

    Gegen Schluss weist sie noch auf etwas ande­res Tref­fen­des hin:

    Seit Alfred Kerr hat es in Deutsch­land kei­nen der­art popu­lä­ren Kri­ti­ker gege­ben wie ihn, Mar­cel Reich-Rani­cki. Nicht aus­schließ­lich sub­ti­ler Geschmack, nicht unbe­dingt ästhe­ti­scher Wage­mut haben Mar­cel Reich-Rani­ckis unglaub­li­cher Kar­rie­re den Weg gewie­sen, son­dern sein schier unge­heu­rer Fleiß, sei­ne Bril­lanz und der unbe­ding­te Wil­le, Ein­fluss zu neh­men auf das lite­ra­ri­sche Gesche­hen in Deutsch­land, vor allem aber sei­ne pola­ri­sie­ren­de, geschickt ver­ein­fa­chen­de Rhe­to­rik. Sein ein­zig­ar­ti­ges Tem­pe­ra­ment wuss­te alle Medi­en sei­ner Epo­che zu bedie­nen, Radio, Zei­tung, Buch und Fernsehen.

    – die­se Medi­en­vir­tuo­si­tät ist sicher­lich ein wich­ti­ger Bestand­teil Reich-Rani­ckis gewesen.

  • Juli Zeh im Inter­view: „Ein beob­ach­te­ter Mensch ist nicht frei“ | Kul­tur – Frank­fur­ter Rund­schau – Juli Zeh sagt im FR-Inter­view mal wie­der viel rich­ti­ges und klu­ges. Zum Bei­spiel auf die Fra­ge: „Es wird ja gern gesagt: Wer nichts zu ver­ber­gen hat, hat auch nichts zu befürchten.“

    Ich glau­be nicht, dass die Leu­te das wirk­lich den­ken. Das sagen sie, damit man sie mit dem Pro­blem in Ruhe lässt. Wenn man jeman­den sagt: Gib mir mal dei­ne Fest­plat­te und lass mich kurz dei­ne E‑Mails durch­le­sen, dann bekommt doch jeder ein mul­mi­ges Gefühl. Die meis­ten möch­ten doch nicht ein­mal, dass die Part­ne­rin oder der Part­ner die eige­nen Mails liest, weil wir näm­lich wohl etwas zu ver­ber­gen haben. Nicht ein Ver­bre­chen, son­dern ein­fach nur das, was man Pri­vat­sphä­re nennt. Ein inti­mer Raum, der uns immer latent pein­lich ist und den wir schüt­zen. Ich den­ke, wer nichts zu ver­ber­gen hat, der hat bereits alles verloren.

    Und spä­ter:

    Ohne Geheim­nis­se gibt es kein Ich. Man ver­liert dann im Grun­de sich selbst.

  • Polit-Talk­shows von ARD und ZDF: Objek­tiv und unpar­tei­lich war ges­tern | Magi­tek – ein Blog. – Sven hat sich die par­tei­po­li­ti­sche Zuge­hö­rig­keit der Gäs­te in den Talk­shows von ARD & ZDF ange­schaut – mit eher unan­ge­neh­men Fol­gen (frü­her hieß es immer – und wur­de z.B. von Kepp­lin­ger auch empi­risch mehr oder weni­ger bestä­tigt, die öffent­lich-recht­li­chen Medi­en hät­ten eine links­li­be­ra­le Ten­denz. Hier ist das sehr offen­sicht­lich sehr anders.): Polit-Talk­shows von ARD und ZDF: Objek­tiv und unpar­tei­lich war gestern

Mehr oder Weniger: Neue Musik von Maybebop

Für den Som­mer­hit sind sie dann doch zu spät. Scha­de, denn „Im Moment ist alles rich­tig“ hät­te dafür Poten­zi­al gehabt. Auch sonst bleibt May­be­bop strikt auf Hit­kurs. „Weni­ger sind mehr“ haben die Nie­der­sach­sen ihr neu­es­tes Album beti­telt. Und das bezieht sich zum Glück nicht auf die Beset­zung: May­be­bop ist immer noch ein Quar­tett, wie schon seit gut 20 Jah­ren. Mit ihrer ers­ten CD bei War­ner sind sie jetzt noch ein biss­chen Main­stream-taug­li­cher gewor­den. Und auch etwas glat­ter: Das ist her­vor­ra­gend gemach­ter, Radio-taug­li­cher Pop, der sich mehr als frü­her an den Wise Guys orientiert.

Schon beim ers­ten Hören fällt auf: Das Essen treibt sie irgend­wie beson­ders um, beson­ders der Kon­sum von Fleisch – den sie nur halb im Spaß ger­ne durch Insek­ten erset­zen möch­ten. Aber gera­de die bemüht poli­ti­schen Tex­te sind eher die schwä­che­ren der CD – auch musi­ka­lisch glän­zen die­se Lie­der nicht beson­ders. Dafür gibt es woan­ders auf „Weni­ger sind mehr“ aber wie­der Ent­schä­di­gung: Neben dem mit­rei­ßen­den „Im Moment ist alles rich­tig“ ist der titel­ge­ben­de Song am Ende der CD noch ein­mal (zumin­dest musi­ka­lisch) ein ech­tes High­light. Am kunst­volls­ten ist aber das Arran­ge­ment von Schu­berts Erl­kö­nig – den erkennt man kaum wie­der. Was aber über­haupt nicht gegen die Bear­bei­tung von Oli­ver Gies spricht, im Gegen­teil: Auch wenn das kaum zum Main­stream-Pop des Rests passt, ist das doch gewitzt und inten­siv in sei­ner Emotionalität.

Ande­res ist weni­ger über­zeu­gend. „Nimm mich mit“ etwa kann vor Kraft nicht mehr lau­fen: Weil kei­ner der vier weiß, wohin mit der (aller­dings auch tech­nisch kräf­tig auf­ge­päp­pel­ten) Stimm­kraft, hängt das alles im Gum­mi­klang. Lei­der sind die vier Sän­ger sowie­so alles ande­re als zurück­hal­tend mit der Stu­dio­klang­elek­tro­nik – dadurch ver­liert der May­be­bop-Klang eini­ges von sei­nem Charme. Ande­rer­seits bekom­men Songs wie „Was ist mit der Lie­be“ so ordent­lich Druck, den das Quar­tett geschickt und aus­ge­spro­chen klang­spie­le­risch nutzt. Gekonnt auf­ge­grif­fe­ne Kli­schees und spie­le­risch-sub­ver­si­ve Refe­ren­zen an die Roman­ze machen auch den „Lie­bes­brief“ zu einem ech­ten Klein­od: Ein herr­li­ches Bass-Solo mit Hin­ter­grund-Gesäu­sel aus den drei Samt­keh­len der rest­li­chen May­be­b­op­per. Viel­falt bleibt also May­be­bop-Pro­gramm, auch auf „Weni­ger sind mehr“. 

(geschrie­ben für die Neue Chorzeit.)

Kurzfilme

Gleich drei kur­ze Fil­me sind mir in den letz­ten Tagen auf­ge­fal­len und haben mir gefal­len. Zum Bei­spiel die schö­ne, atmo­sphä­ri­sche Arbeit von Nick White und Matthew James Wil­kin­son mit Bene­dict Cum­ber­batch und Nata­lie Press – „Inse­pa­ra­ble“

Oder die etwas kon­ven­tio­nel­ler erzähl­te deut­sche Arbeit „Null­punkt“ von Andre­as Schaap & Andre­as Udluft, mit einer net­ten Grund­idee und allein wegen Nora Tschirner ein Genuss:
https://web.archive.org/web/20140517214844/http://www.youtube.com/watch?v=dVJKPaR1moo
Und noch etwas ganz ande­res: „Shat­te­red“, ein kur­zer Film von Tyler Sta­b­le­ford über die Lee­re und Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit nach dem Erfolg eines Berg­stei­gers (Ste­ve House):

Ins Netz gegangen (18.9.)

Ins Netz gegan­gen am 18.9.:

  • Hans Well zur Land­tags­wahl Bay­ern – Süddeutsche.de – Hans Well steht der Süd­deut­schen zur Bay­ern-Wahl Rede und Ant­wort – zum Bei­spiel auf die Fra­ge: „War See­ho­fer über­haupt der geeig­ne­te Spitzenkandidat?“

    Ich möch­te die­sen Ingol­städ­ter Wan­kel­mo­tor in Schutz neh­men: Anders als Stoi­ber geht See­ho­fer spar­sam mit „Ähs“ um und zwängt sich nicht in Gebirgs­schüt­zen­uni­form. See­ho­fer ist end­lich mal ein Poli­ti­ker, der sich nie fest­legt – außer auf zwei Kilo­me­ter Abstand zu Wind­parks, um somit ohne Wind­rä­der den Atom­aus­stieg durch­zu­peit­schen. Das nen­ne ich kla­re Kan­te. Kommt beim Som­mer­wäh­ler­schluss­ver­kauf super an. Der braucht von der Kanz­le­rin nix zu ler­nen. Der hat schon alles selbst drauf.

  • Auch Anti-Euro­zen­tris­mus kann zur Ideo­lo­gie wer­den – Inter­view mit Jür­gen Oster­ham­mel | Das 19. Jahr­hun­dert in Per­spek­ti­ve – Marei­ke König hat sich mir Jür­gen Oster­ham­mel über Welt­ge­schich­te unter­hal­ten, und natür­lich vor allem über sein rie­si­ges Buch „Die Ver­wand­lung der Welt. Eine Geschich­te des 19. jahr­hun­derts“. Jetzt habe ich noch mehr Lust, den Wäl­zer anzu­ge­hen (aber vor der zeit­fres­sen­den Lek­tü­re schre­cke ich irgend­wie immer noch zurück …)
  • Peter Gabri­el : „Im Alter ist man immer noch ein Kind“ – DIE WELT – Peter Gabri­el meint (in einem selt­sam höl­zer­nen Inter­view), es wäre Zeit für einen Regie­rungs­wech­sel in Deutschland …
  • NDR löscht nach Pro­test von CDU-Poli­ti­ker Doku­men­ta­ti­on über SPD-Poli­ti­ker « Ste­fan Nig­ge­mei­er – NDR löscht nach Pro­test von CDU-Poli­ti­ker Doku­men­ta­ti­on über SPD-Poli­ti­ker (via Published articles)
  • Roman „Tabu“: Der Mord, der kei­ner war | ZEIT ONLINE – Wow, Ulrich Grei­ner hat Fer­di­nand von Schirachs Roman „Tabu“ gele­sen. Und ist über­haupt nicht zufrie­den gewesen:

    Der Roman jedoch ist schlecht. Schi­rach liebt das phi­lo­so­phi­sche Faseln, den bedeu­tungs­schwan­ge­ren Psy­cho­lo­gis­mus. Und er han­tiert mit einer ästhe­ti­schen Theo­rie, die das Inein­an­der und das Gegen­ein­an­der ver­schie­de­ner Ebe­nen von Wirk­lich­keit anschau­lich machen soll. Es geht auch um die Fra­ge, was Wahr­heit in der Kunst bedeu­tet und was im Leben. Solch schwe­ren The­men ist Schirachs Spra­che nicht gewach­sen, und gründ­lich durch­dacht wirkt das Gan­ze eben­falls nicht. Wenn ich recht sehe, han­delt es sich alles in allem um einen gro­ßen Bluff.

    Spä­ter wei­tet er sein ver­nich­ten­des Urteil – so einen deut­li­chen, kras­sen und kom­plet­ten Ver­riss habe ich schon lan­ge nicht mehr gele­sen – noch aus:

    Um es deut­lich zu sagen: Fer­di­nand von Schi­rach kann nicht schrei­ben. Natür­lich kann er Tex­te ver­fas­sen, sach­dien­li­che, scharf­sin­ni­ge, klu­ge, schließ­lich ist er ein erfolg­rei­cher Anwalt. Aber es fehlt ihm die Gabe der Ima­gi­na­ti­on, des Her­bei­zau­berns einer neu­en Welt, der lite­ra­ri­schen Sub­ti­li­tät. Bloß aus Haupt­sät­zen baut man kei­nen Palast, allen­falls eine Hütte. 

    Das/​Der ist erledigt.

Ins Netz gegangen (8.9.)

Ins Netz gegan­gen am 8.9.:

  • Daten­schutz: Mein digi­ta­ler Zwil­ling gehört mir – FAZ – Auch Juli Zeh hat recht, wenn sie das „poli­ti­schen Phleg­ma“ der Deut­schen beklagt. Aber lei­der auch kei­ne Idee, wie man „die ande­ren“ auf­rüt­teln könn­te … Dabei geht es ja um so viel, wie sie auch noch mal betont – nicht nur um ein biss­chen Inter­net und ein paar Kon­takt­da­ten oder so:

    Inter­net­be­nut­zung als Rechts­ver­zicht? So funk­tio­niert unser Gemein­we­sen nicht. Wenn Miss­stän­de, ja Rechts­brü­che in gro­ßem Umfang auf­ge­deckt wer­den, ist es nicht unse­re Auf­ga­be, etwas dage­gen zu unter­neh­men. Es obliegt der Poli­tik, öffent­li­che Räu­me so zu gestal­ten, dass sich die Bür­ger dar­in frei bewe­gen können.

    Das Bild des „digi­ta­len Zwil­lings“, der aus den Daten geschaf­fen wird, ist eigent­lich eine schö­ne Meta­pher – und zeigt auch, war­um es so wich­tig ist, sich um die­se Daten zu küm­mern: weil die auch wir selbst sind …

  • John Lahr: Whe­re Do Clai­re Danes’s Vol­ca­nic Per­for­man­ces Come From? : The New Yor­ker -

    Alt­hough the­re is not­hing domi­nee­ring in Danes’s deme­an­or on the set—she crea­tes no com­mo­ti­on around herself—onscreen she is capa­ble of what David Hare­wood, who play­ed the stone­wal­ling depu­ty direc­tor of the C.I.A. in the first two sea­sons, calls a “tsu­na­mi of emo­ti­on.” In extre­mis or out of it, her body sema­pho­res feeling.

    John Lahr hat für den „New Yor­ker“ ein seee­ehr aus­führ­li­ches Por­trät der Schau­spie­le­rin Cla­rie Danes geschrie­ben, das sich vor allem auf die schau­spie­le­ri­sche Tech­nik Danes’ kon­zen­triert (anläss­lich des bevor­ste­hen­den Starts der drit­ten Staf­fel von „Home­land“ – für das Danes übri­gens einen Ver­trag über 7 Jah­re hat …)

  • Aus dem Maschi­nen­raum: Die Steig­bü­gel­hal­ter der Spio­ne – Aus dem Maschi­nen­raum – FAZ – Con­stan­ze Kurz über die „Trus­ted Chips/Computing“-Idee:

    Die Skep­sis der Nut­zer gegen­über der Ver­trau­ens­wür­dig­keit der Her­stel­ler ist nicht unbe­grün­det, wie die Ent­hül­lun­gen über die mas­sen­wei­sen Ein­brü­che der NSA in Com­pu­ter welt­weit zei­gen. Ohne die Unter­stüt­zung der zumeist ame­ri­ka­ni­schen Her­stel­ler der Betriebs­sys­te­me und Soft­ware wäre dies kaum in so rie­si­gem Umfang mög­lich. Gerüch­te über Vor­ab­in­for­ma­tio­nen an die NSA über gefun­de­ne Schwach­stel­len, absicht­lich zurück­ge­hal­te­ne Feh­ler­be­he­bun­gen und ver­deck­te Hin­ter­tü­ren gibt es seit Jahr­zehn­ten. Nun wis­sen wir, dass es sich nicht um Ver­schwö­rungs­theo­rien handelte.

  • NSA-Affä­re: „Die Über­wa­chung muss unser Wahl­ver­hal­ten beein­flus­sen“ | ZEIT ONLINE – Phil Zim­mer­mann, der Erfin­der der PGP-Ver­schlüs­se­lung, im Interview:

    Wir alle müs­sen ler­nen, unse­re Kom­mu­ni­ka­ti­on zu schüt­zen, denn damit bie­ten wir ande­ren Men­schen Schutz. Wenn wir unse­re Gesell­schaft vor einer schlim­men Zukunft bewah­ren wol­len, muss Ver­schlüs­se­lung zur Bür­ger­pflicht werden.
    […] Es geht auch um die Fra­ge, in wel­cher Welt wir leben wol­len. Wer über­all Über­wa­chungs­ka­me­ras auf­stellt, um zu sehen, ob jemand Müll auf die Stra­ße wirft, hat ver­mut­lich sau­be­re Stra­ßen. Aber der Preis dafür ist zu hoch. Man gibt sei­ne per­sön­li­che Frei­heit auf. Wenn jeder Schritt von uns über­wacht wird und man das weiß, rich­tet man sein Ver­hal­ten unwill­kür­lich danach aus, will nicht auf­fal­len, nicht anecken. Nie­mand wird noch etwas riskieren.

    Lei­der ist er an einer Stel­le etwas arg opti­mis­tisch, wenn es dar­um geht, das Geheim­diens­te Bür­ger ande­rer Natio­nen aus­spä­hen: Er sieht das als nicht so schlimm, weil die­se ja kei­nen direk­ten Zugriff auf die Bür­ger haben. Theo­re­tisch stimmt das (auch an sei­nem Bei­spiel Chi­na), für die USA und Deutsch­land z.B. aber lei­der eben nicht …

  • Hirn­for­schung: Mär­chen­haf­tes Ver­spre­chen | ZEIT ONLINE – Die „Zeit“ setzt ihre Aus­ein­an­der­set­zung mit der Neu­ro­di­dak­ti (bei ihr immer in Anfüh­rungs­zei­chen …), der Ver­bin­dung von Neu­ro­wis­sen­schaf­ten und Päd­ago­gik, fort. Heu­te weist Ulrich Schna­bel dar­auf hin, dass sie bis­her sei­ner Wahr­neh­mung nach noch fast gar nichts leistet:

    Ihren Nut­zen offen­bart die Hirn­for­schung bis­lang vor allem bei der Klä­rung patho­lo­gi­scher Fäl­le – etwa bei Lese-Recht­schreib-Schwä­che (Dys­le­xie) oder Rechen­schwä­che (Dys­kal­ku­lie) – bei denen sich neu­ro­na­le Abwei­chun­gen zei­gen. Zur Fra­ge, wie man das Ler­nen gesun­der Kin­der in der Schu­le för­dert, hat sie wenig bei­zu­tra­gen. Wie könn­te sie auch?

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