»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

die petersaue auf dem wasser

lau­fend habe ich die peter­saue über die kai­ser­brü­cke unter­halb von mainz ja schon öfters über­quert. heu­te habe ich sie zum ers­ten mal mit dem kajak umrun­det. dazu bin ich ein­fach vom mkv-boots­haus den rhein hin­un­ter, unter der theo­dor-heuss-brück hin­durch und dann halb nach links, um auf dem haupt­strom bis zum unte­ren ende der peter­saue zu pad­deln. so habe ich auch den zoll- und bin­nen­ha­fen mit sei­nen schö­nen con­tai­ner-sta­peln auch mal vom was­ser aus gese­hen. nach genau fünf kilo­me­tern ist die unte­re spit­ze erreicht und es ging wie­der fluss­auf­wärts: durch die dycker­hoff-anla­gen (auch nciht gera­de sehr schön) immer wei­ter, unter der kai­ser­brü­cke durch bis kurz vor die theo­dor-heuss-brü­cke. dort habe ich dann kurz über­legt: soll ich noch ein­mal auf die wies­ba­de­ner rhein­sei­te hin­über? ich war gera­de ziem­lich in der mit­te… da der rhein gera­de frei von last­schif­fen war, habe ich mich dann ent­schlos­sen, schon hier auf die main­zer sei­te zu wech­seln. das war dann aber ein recht anstren­gen­dens unter­fan­gen: der wind blies ziem­lich ordent­lich und direkt unter­halt der theo­dor-heuss-brü­cke ist der rhein nciht nur ziem­lich geschwind, son­dern auch sehr unru­hig. lang­sam und zäh kämpf­te ich mich durch, kurz nach der brü­cke, etwa ab dem pegel mainz (heu­te: 322) ging es dann etwas leich­ter. wegen der doo­fen anle­ge­stel­len für die pas­sa­gier­boo­te muss­te ich aber recht weit im rhein pad­deln, was die sache ziem­lich lang­sam gemacht hat. so schub ich mich stück für stück an das boots­haus – und muss­te wie­der ein­mal fest­stel­len, dass unser anlie­ger offen­bar zu leicht­ge­wich­tig ist: der tanzt auf dem was­ser ziem­lich hef­tig her­um … und wenn ich dann da drauf ste­he und mir etwa die schu­he anzie­hen will, wer­de ich schon fast see­krank – das ist ziem­lich hef­tig für mich – viel schlim­mer jeden­falls als ich es je im kajak erlebt habe. für die 10 kilo­me­ter habe ich dann 1 stun­de und 45 minu­ten gebraucht – das hat aber auch gereicht, denn inzwi­schen waren die wol­ken ziem­lich dun­kel gewor­den, das licht sah sehr geblich-gewitt­rig aus – eine ver­hei­ßung, die sich aber lei­der doch nciht erfüll­te. denn ein wenig abküh­lung wäre schon gut gewesen.

hessentag 2007

ges­tern, an fron­leich­nam, war ich schon wie­der mit der hans-von-der-au-grup­pe unter­wegs: nach der zvo­len-fahrt haben sie mich gleich wie­der in beschlag genom­men – und ich habe mich ger­ne in beschlag neh­men las­sen. die­ses mal ging es nach butz­bach zum dies­jäh­ri­gen hes­sen­tag. die fahrt war ein wenig umständ­lich und bescher­te uns eine klei­ne rund­tour durch den oden­wald: von erbach ging es erst ein­mal nach zell, wei­te­re leu­te ein­sam­meln. und dann noch über rei­chels­heim nach bens­heim, um für die bezirk­s­tanz­grup­pe hes­sen-süd der hvt noch tän­zer abzu­ho­len – das pas­sier­te dann auch noch in mör­fel­den. von dort dann aber die auto­bahn hoch nach butz­bach. aber der abfahrt stau­te es natür­lich. aber wir waren noch recht­zei­tig am zelt „tra­ch­ent­land hes­sen” der hvt. dort, in der reins­ten sau­na, muss­ten wir uns dann erst ein­mal in die tracht wer­fen, um auf der büh­ne so rich­tig schön ins schwit­zen zu kom­men. wir musi­ker hat­ten außer­dem noch die schö­ne auf­ga­be, für die tän­zer der hvt-bezirk­s­tanz­grup­pe eine spe­zi­al-ver­si­on der kerb-suite zu beglei­ten. immer­hin hat­te ina noch noten auf­trei­ben kön­nen – sonst hat das bei uns eigent­lich immer rai­ner mehr oder weni­ger allei­ne gemacht. die noten stimm­ten natür­lich nur halb, ein ewi­ges hin- und her­ge­sprin­ge. beim ers­ten mal hat der auf­marsch dann auch nciht so ganz rei­bungs­los geklappt. aber wir durf­ten das gan­ze pro­gramm ja spä­ter noch ein zwei­tes mal auf­füh­ren – und da lief es dann doch ganz gut. inzwi­schen waren wir auch vom musi­zie­ren schön nass­ge­schwitzt – das able­gen der tracht hat­te höchs­te prio­ri­tät nach dem auf­tritt … dann hat­ten wir immer­hin noch genü­gend zeit, den hes­sen­tag schlen­dernd zu erkun­den. da war – immer­hin war fei­er­tag und herr­li­ches som­mer­wet­ter – eine men­ge los. aber so ganz kapie­re ich das prin­zip hes­sen­tag immer noch nicht: irgend­wie fehlt mir da der cha­rak­ter – das ist bloß eine ziem­lich lan­ge rei­hung von stän­den mit essen und trin­ken und ein wenig krims­krams. aber wie­so und wes­halb? irgend­wie scheint es mir schon, als hät­te sich die idee hes­sen­tag so lang­sam erle­digt – das geld lie­ße sich doch sicher­lich ver­nünf­ti­ger ein­set­zen. aber viel­leicht ent­geht mir da ja auch etwas wesent­li­ches … immer­hin hat­ten wir auf der rück­fahrt kei­nen stau, so dass wir – natür­lich wie­der mit umwe­gen – halb­wegs pün­kltich um vier­tel nach neun in erbach anka­men. und das war dann eine schö­ne zeit für eine drei­se­en­tal-run­de in der däm­me­rung – warm genug war’s lei­der immer noch.

zvolen mit der hans-von-der-au-gruppe

nach lan­ger zeit kam vor eini­gen wochen ein anruf von klaus rip­per: ob ich nicht mit der hans-von-der-au-grup­pe in die slo­wa­kei nach zvo­len fah­ren möch­te – so drin­gend brauch­ten sie offen­bar einen akkor­deo­nis­ten, dass sie mich frag­ten ;-). denn mein akkor­de­on hat in der letz­ten zeit doch recht ordent­lich staub ange­setzt. glück­li­cher­wei­se war es gera­de die woche nach pfings­ten und damit vor­le­sungs­freie zeit in mainz – das pass­te also bes­tens. und ruck­zuck war ich enga­giert. schnell noch den pfingst­sonn­tag frei­ge­schau­felt – das war dann zwar unnö­tig (wes­halb ich kurz­fris­tig noch in erbach geor­gelt habe) und dann kam auch schon die span­nen­de ers­te pro­be. schließ­lich stand eini­ges neu­es (nord­deut­sches vor allem) auf dem pro­gramm, vie­les war mir aber auch von frü­her noch bekannt – und vor allem nach ein oder zwei mal durch­spie­len wie­der ganz klar im gedächt­nis. es ist schon ver­rückt, was im hinrstüb­chen alles die jah­re über­dau­ert … die musik war auch mit mir noch eine spar­be­set­zung der musik (kla­ri­net­te, gitar­re und mein akkor­de­on, spä­ter kam noch die zwei­te kla­ri­net­te hin­zu), lief aber doch ziem­lich gut. ok, wie sich dann hier und da zei­gen soll­te: die rou­ti­ne im zusam­men­spiel mit den tän­zern war halt nicht mehr da – kam im lau­fe des auf­en­hal­tes in zvo­len aller­dings auch wie­der zurück.

doch der rei­he nach, noch ste­hen wir am 28.5. in erbach auf dem park­platz am park­deck und war­ten auf den bus. der wird gera­de noch in der mar­tin-luther-stra­ße mit den schließ­kör­ben, dem bän­der­tanz-kranz und den bän­ken für den ban­kerl­tanz bela­den. der rest des gepäcks der 27 leu­te (inkl. eini­ger akkor­de­ons – allei­ne von mir schon zwei: eines für die „nor­ma­len” auf­trit­te und eines für den geplan­ten umzug) und die ver­pfle­gung ging dann auch noch gera­de so in den bus. ziem­lich pünkt­lich um 1.00 (also wirk­lich mit­ten in der nacht) setz­te sich der bus dann in bewe­gung. in wall­dürn sam­mel­ten wir dann noch marei­ke ein und dann ging es end­gül­tig und unauf­halt­sam gen wien. nun­ja, so ganz unauf­halt­sam lei­der doch nicht: wir mach­ten ziem­lich viel pau­se. zum schla­fen kam ich natür­lich im bus über­haupt nicht – eini­ge minu­ten kur­zes weg­däm­mern waren da schon das höchs­te der gefüh­le. bei der letz­ten pau­se kurz vor wien kam dann die ein­ge­pack­te ver­pfle­gung ins spiel und ermög­lich­te uns ein wahr­haft fürst­li­ches rei­se-früh­stück. so gestärkt kurv­ten wir dann noch fast eine hal­be stun­den quer durch wien zum jugend­gäs­te­haus wien-bri­git­ten­au (am fried­rich-engels-platz, fast direkt an der donau). da war es aller­dings erst halb zwölf – und vor 13 uhr konn­ten wir die zim­mer nicht bezie­hen. also lie­ßen wir den bus gera­de da ste­hen und ver­zo­gen uns erst ein­mal in den pra­ter – als gäs­te der stadt wien, denn der auto­mat in der tram kann­te kei­ne grup­pen­kar­te und für alle reich­te unser klein­geld nicht. im pra­ter habe ich mich dann bald vom rest der grup­pe getrennt, um mich mit simon zu tref­fen, der, welch über­ra­schung, ver­spä­tet zum treff­punkt kam. zusam­men sind wir dann gemüt­lich ins kaf­fee­haus gegan­gen und haben den nach­mit­tag ver­quatscht. zum schluss noch eine gemein­sa­me rund­fahrt durch wien mit tram und s‑bahn, über her­nals – wo simon gera­de wohnt – zurück zum han­dels­kai, von wo aus ich zurück zum jugend­gäs­te­haus geeilt bin. und dort war ich gera­de noch recht­zei­tig, um die ande­ren auf dem weg vom haupt­haus zur depen­dance, wo wir unter­ge­bracht waren, zu tref­fen. nach dem abend­essen ver­schwan­den die kids dann ruck­zuck in den bet­ten – und eine unge­wöhn­li­che (und sel­te­ne) ruhe kehr­te ein. nicht aber auf unse­rem zim­mer. dort brach­te näm­lich mann clau­dia mas­sie­rend zum schrei­en – wor­auf ich mich aus dem staub mach­te, um am donau­ufer erst ein­mal eine run­de zu lau­fen. bei mei­ner rück­kehr herrsch­ten dann wie­der nor­ma­le zustän­de auf unse­rem zimmer …

am 29.5. ging es nach dem mit­tel­mä­ßi­gen früh­stück dann um 10 uhr wei­ter in die slo­wa­kei. auf der auto­bahn woll­ten die kin­der dann im bus tat­säch­lich „die wol­ke” schau­en – nun gut, wir hat­ten sie gewarnt … tat­säch­lich kehr­te so ruhe ein – und alle wur­den gehö­rig depri­miert. dabei fand ich den film noch wesent­lich weni­ger schlimm als das buch – gut, damals war ich noch erheb­lich jün­ger. aber mir schien doch, dass der film viel stär­ker auf han­nah und elmar kon­zen­triert war als das buch: das ist eher ein first-love-dra­ma als ein gesell­schafts- /​energiepolitisches dra­ma wie die lite­ra­ri­sche vor­la­ge. unter­des­sen ende­te die auto­bahn nahe der gren­ze in einer gigan­ti­schen bau­stel­le – das ist auch unbe­dingt nötig, denn momen­tan quält sich der nicht gera­de weni­ge ver­kehr (vor allem natür­lich unmen­gen an last­wa­gen) durch die land­stra­ßen und klei­ne dör­fer. die gren­ze war schnell pas­siert, kon­trol­liert wur­de über­haupt nicht. war es um bra­tis­la­va her­um aus­ge­spro­chen flach, tauch­ten immer mehr hügel auf, je näher wir nitra kamen. dort mach­ten wir dann auf einem park­platz unse­re mit­tags­pau­sen und lab­ten uns an den res­ten aus den uner­schöpf­li­chen tie­fen der ver­pfle­gungs­kis­ten. die fahrt nach zvo­len ging dann ohne pro­ble­me wei­ter, die schnell­stra­ße 50 führ­te uns fast ohne unter­bre­chung direkt dort­hin, in die nun deut­lich hüg­li­ge­re und stark bewal­de­tet gegend.
in zvo­len selbst waren dann nach eini­gem kud­del­mud­del die zim­mer im inter­nat schnell bezo­gen. nur der bus­fah­rer wei­ger­te sich, bei uns zu über­nach­ten – ok, wirk­lich viel ruhe war da auch nicht oft. aber dass der auch die bei­den alter­na­tiv­an­ge­bo­te aus­schlug – die immer­hin für die ande­ren bus­fah­rer gut genug waren – was soll’s. das hotel muss­te er dann ja auch noch wech­seln, das ers­te war nicht gut genug. ner­vi­ger fand ich frei­lich, dass er aus­ge­rech­net in zvo­len auch noch sei­ne 24 stun­den ruhe­zeit abfei­ern muss­te: wenn ich einen bus mit fah­rer für sechs tage mie­te, erwar­te ich eigent­lich, dass ich den auch zur ver­fü­gung habe. und nicht nur fünf tage den bus nut­zen kann. gut, der fah­rer muss natür­lich auf sei­ne lenk­zei­ten ach­ten. aber von sei­ten des unter­neh­mers wiss­mül­ler fin­de ich so etwas recht unver­schämt – es ist ja schließ­lich nicht unse­re sache, dass er direkt nacht unse­rer rück­kehr wie­der sofort zur nächs­ten fahrt auf­bre­chen muss. schließ­lich bekommt das unter­neh­men ja eine men­ge geld dafür – da wür­de ich schon eine ent­spre­chen­de leis­tung erwarten.
lan­ge konn­ten wir frei­lich nicht im inter­nat blei­ben, es war noch ein ers­ter auf­tritt in einer art kur­kli­nik zu absol­vie­ren. der klapp­te sogar halb­wegs gut (ok, mei­ne idee, den rhein­län­der aus hetz­bach zu spie­len, war viel­leicht nicht der bes­te ein­fall ;-)). und danach stürz­ten sich die slo­wa­ki­schen mäd­chen auch noch auf unse­re jungs, was die­se fast uner­träg­lich stolz mach­te … nach dem abend­essen im inter­nat war dann natür­lich noch hef­ti­ge gau­di mit und ohne musik auf den zimmern.

auch der 30.5. begann für mich natür­lich lau­fend (mehr zu mei­nen ver­su­chen, bei so einer fahrt die täg­lich-lau­fen-serie am leben zu erhal­ten, steht unter lau­fen im aus­land). dann gabe es ein frü­hes und aus­ge­spro­chen mage­res früh­stück – vor allem ganz ohne auf­put­schen­de geträn­ke: kaf­fee oder tee gab es mor­gens über­haupt nicht. danach ging es dann auch schon gleich wei­ter im engen ter­min­plan: zunächst zur pro­be im kul­tur­haus. dort wur­de auf­marsch und fina­le des auf­tritts bzw. der auf­trit­te an die­sem vor­mit­tag geprobt. das ging dann auch eini­ger­ma­ßen zügig über die büh­ne. die auf­trit­te selbst (beim ers­ten: fischer- und weber­tanz; beim zwei­ten dann hohen­buck­oer sprin­ger und bay­ri­sche pol­ka mit ban­kerl­tanz) waren dann zwar etwas stres­sig, aber sonst in ord­nung. und schon ging es auch wie­der wei­ter: zunächst zum mit­tag­essen, dann über­ra­schend drei gan­ze stun­den ohne pro­gramm: ruhe pur. eigent­lich war ja noch der umzug und auf­tritt auf dem markt­platz geplant, aber das fiel im wahrs­ten sin­ne des wor­tes ins was­ser: schon vor­mit­tags waren die ers­ten schau­er auf­ge­zo­gen, die jetzt jede frei­luft­ver­an­stal­tung unmög­lich mach­ten. das kur­zer hand auf die bei­ne gestell­te alter­na­tiv­pro­gramm führ­te uns nach bans­ka bystri­ca, ca. 20 kilo­me­ter von zvo­len, zum gro­ßen „euro­pa-cen­ter”, einem neu­zeit­li­chen kon­sum­tem­pel der extra­klas­se: ein ein­zi­ge, fast unun­ter­bro­che­ne ket­te kla­mot­ten­lä­den – wahn­sinn, so viel kann man gar nicht anzie­hen … zum glück konn­ten wir auch alle wie­der mit zurück ins inter­nat neh­men. dort waren wir wie­der nur kurz zum essen, es ging noch ein zwei­tes mal ins kul­tur­haus, zur „dis­co­thé­que für die kin­der”. das war eine recht lus­ti­ge sache. vor allem der gran­di­os mit­mach-tanz, der zum gesang von zwei sich stän­dig wie­der­ho­len­den wör­ter weit über zwan­zig minu­ten andau­er­te – der dj muss­te dem schließ­lich gewalt­sam ein­halt bieten.

am 31.5. ging es wie­der gleich nach dem früh­stück los: zunächst war der foto­ter­min am schloss zvolen, schloss zu absol­vie­ren. dann stand für den rest des vor­mit­tags der besuch einer schu­le, eine ein­heits­schu­le für die ers­ten acht klas­sen, im slo­wa­ki­schen grund­schu­le genannt, auf dem pro­gramm. etwas über­ra­schend wur­den wir nach einer füh­rung durch die ziem­lich bau­fäl­li­gen gebäu­de auch noch in den deutsch­un­ter­richt inte­griert – die leh­rer hat­ten sich vie­le mühe gege­ben mit der vor­be­rei­tung, die unse­re kin­der nicht so recht erwi­dern moch­ten. das span­nends­te, was sie zu erzäh­len wuss­ten, war der groß­ar­ti­ge ein­kauf in bans­ka bystri­ca: 20 liter cola. für vier leute.
danach ging es dann in die turn­hal­le, zum tan­zen für die gesam­te schu­le. der bän­der­tanz klapp­te zwar nicht rich­tig (und mir fiel erst danach wie­der ein, wass ich beim zusam­men­bre­chen­den geflecht zu tun gehabt hät­te), doch sonst war auch das in ord­nung. und so ganz neben­bei lös­te sich auch noch das mys­te­ri­um der ver­schwun­de­nen schwar­zen wes­te: ilo­na fiel nun näm­lich auf, dass acht wes­ten für neun jun­gen immer einen ohne übrig las­sen – in bad könig war es offen­bar der fal­sche, der kei­ne mehr abbe­kom­men hat und des­halb alarm schlug … nach dem mit­tag­essen in der schul­kan­ti­ne durf­ten wir dann noch eine wei­le auf klaus war­ten, der ncoh schnell zum rek­tor ent­führt wor­den war. und nach knapp zwei stun­den fau­len nichts­tun ging das nach­mit­tags­pro­gramm wei­ter. der auf­tritt auf dem markt­platz war zwar inzwi­schen wie­der dem all­täg­lich, nach­mit­täg­li­chen regen zum opfer gefal­len. aber im schloss gab es noch eini­ges zu tun: wäh­rend die tän­zer sich in tanz- und volks­kunst-work­shops ver­gnüg­ten (bei denen die zeit aber offen­bar sehr knapp bemes­sen war), muss­ten die musi­ker mit klaus zum offi­zi­el­len emp­fang beim bür­ger­meis­ter. der tauch­te dann zwar gar nicht auf, schick­te aber sei­ne ver­tre­te­rin, die sogar deutsch konn­te und somit unse­ren über­set­zer über­flüs­sig mach­te. den beginn der ver­an­stal­tung hät­ten wir bei­na­he noch ver­passt: es hieß zunächst, der ein­marsch zur natio­nal­hym­ne sol­le noch geprobt wer­den – bevor das geschah, ging es dann aber schon gleich rich­tig los. und dann durf­te jeder sein geschenk über­rei­chen, ein paar wor­te sagen und eine kur­ze vor­füh­rung ablie­fern. wir spiel­ten die „bau­ern­hoch­zeit” und den „braut­wal­zer” – das geht immer und kommt gut an. für uns schloss sich dann ein express-rund­gang durch die schloss-gale­rie an, an deren aus­gang wir auch den rest der grup­pe wie­der tra­fen. zurück im inter­nat stand dann die ers­te pack­or­gie an: der bus soll­te noch schnell, bevor sei­ne zwangs­pau­se anfing, mit den schließ­kör­ben und instru­men­ten und sons­ti­gem gerät bela­den werden.

der 1.6. bescher­te uns einen frei­en vor­mit­tag, den wir mit einem rund­gang durch zvo­len ver­brach­ten. viel zu sehen gibt es da aller­dings nicht. eine fuß­gän­ger­zo­ne (am platz des slo­wa­ki­schen natio­nal­auf­stan­des, der nicht mehr als das übli­che sozia­lis­ti­sche hel­den-monu­ment ist), die gera­de auf­wen­dig neu gestal­tet wird. eine klei­ne katho­li­sche kir­che mit eini­gen beten­den frau­en. eine grö­ße­re evan­ge­li­sche kir­che, erbaut 1921, die lei­der ver­schlos­sen war. aber nicht für uns: denn als wir ver­such­ten, durch die fens­ter einen blick ins inne­re zu erha­schen, sah uns offen­bar die küs­te­rin und öff­net uns die tür. innen ein schlich­ter, klas­si­zis­tisch ange­hauch­ter kir­chen­raum mit einem schö­nen altar, der von einer gro­ßen, gütig drein­bli­cken­den jesus­fi­gur über­ragt wird, die aus­nahms­wei­se ein­mal nicht am kreuz hängt. nach dem mit­tag­essen ging es dann zum gro­ßen fina­le: das „gala­kon­cert”, wie die slo­wa­ken so etwas nen­nen, im städ­ti­schen thea­ter. dafür muss­te aber zunächst ein­mal ordent­lich geprobt wer­den. die ein­zel­nen grup­pen waren recht schnell fer­tig. aber der ein­zug und vor allem das fina­le erfor­der­te eine men­ge arbeit – und vie­le, vie­le wie­der­ho­lun­gen. eini­ge davon gin­gen aller­dings auf das kon­to der grup­pen­lei­ter, ins­be­son­de­re der rus­si­sche und der ser­bi­sche stell­ten sich nicht beson­ders geschickt an bei dem sehr aus­ge­klü­gel­ten zere­mo­ni­ell. das pro­gramm lief dann aber auch am schnür­chen – nur haben wir lei­der nix davon mit­be­kom­men, weil der zuschau­er­raum aus­ver­kauft und die sei­ten­büh­nen uns ver­bo­ten waren. unser teil lief auch sehr zufrie­den­stel­lend: der het­lin­ger bandri­ter und der ban­kerl­tanz kamen auch bei die­sem etwas älte­ren publi­kum gut an. danach gab es dann wie­der ein schnel­les abend­essen und ganz, ganz eili­ge vor­be­rei­tun­gen für die dis­co zum abschluss. die ging natür­lich nicht ohne eine erneu­te run­de des mit­mach-tan­zes ab – aber immer­hin war die­ses mal etwas frü­her schluss. und die tsche­schi­chen musi­ker hat­ten im foy­er um ihr zym­bal her­um eine impro­vi­sier­te gegen­ver­an­stal­tung eröff­net. um halb zwölf waren dann auch fast alle schon im bett, denn

am 2.6. ging es wie­der sehr früh los: um halb sie­ben wur­de der bus gepackt (davor war ich natür­lich wie­der lau­fen – nur kurz, das war schon sakrisch früh …). dann noch ein­mal das früh­stück ohne kaf­fee (den es immer­hin spä­ter im bus in genü­gen­den men­gen gab) und ab gings rich­tung hei­mat. ein klei­nen zwi­schen­stopp gab es aber noch ein­mal beim schloss, wo wir noch eine dvd mit auf­zeich­nun­gen des fes­ti­vals über­reicht beka­men (und wer­ner noch vom auto ange­fah­ren wur­de, was zum glück glimpf­lich ablief) die­se dvd woll­te klaus aber im bus nicht zei­gen. doch immer­hin gab es auf die­ser fahrt etwas unter­halt­sa­me­res als bei der hin­fahrt: shrek 2. die rück­fahrt schien dann auch ange­neh­mer als die hin­fahrt. das lag viel­leicht auch dar­an, dass wir nur die abso­lut nöti­gen pau­sen mach­ten. und so schaff­ten wir es, mit dem in würz­burg gewech­sel­ten fah­rer, sogar vor den anvi­sier­ten 22 uhr wie­der in erbach zu sein.

die­se fotos hat mir freund­li­cher­wei­se der foto­graph der rus­si­schen grup­pe, garm­ony­ia, zur ver­fü­gung gestellt:

p.s.: wie wenig man vom slo­wa­ki­schen ver­steht, mag ein aus­schnitt aus dem fes­ti­val-pro­spekt illustrieren:

laufen im ausland

die zvo­len-fahrt der hans-von-der-au-grup­pe brach­te es mit sich, dass ich zur erhal­tung mei­ner serie täg­li­chen lau­fens (so kurz vor der 200-tage-schwel­le war an ein auf­ge­ben über­haupt nicht zu den­ken), letz­te woche eini­ge opfer und ver­ren­kun­gen in kauf neh­men muss­te. es lief ja noch recht gut an: nach der nacht­fahrt bis wien bin ich dann nach dem abend­essen im jugend­gäs­te­haus an der donau ent­lang locker und ent­spannt gerannt (ca. 5 km in 26 minu­ten). am nächs­ten mor­gen aller­dings gleich wie­der auf die pis­te zu gehen, war dann schon etwas här­ter und for­der­te um 7 uhr zunächst etwas über­win­dung. dann habe ich das aber auch geschafft und ein wenig tem­po zuge­legt, so dass – dies­mal auf der donau­in­sel – 7,2 km in 34 minu­ten dabei her­aus­ka­men. die wirk­li­che her­aus­for­de­rung war aller­dings der auf­en­halt in zvo­len selbst. denn hier war es zunächst etwas schwie­ri­ger, eine ver­nünf­ti­ge stre­cke zu fin­den. klar, lau­fen geht über­all und gott­lob ver­fü­ge ich ja über einen eini­ger­ma­ßen guten ori­en­tie­rungs­sinn, der mich immer wie­der zurück fin­den lässt. aber am ers­ten mor­gen in zvo­len bin ich dann – es war immer­hin erst 6 uhr – nach nicht ein­mal fünf stun­den schlaf von dem inter­nat, in dem wir unter­ge­bracht waren, nur eine klei­ne 2,6 km-run­de durch die stadt gerannt (in 12 minu­ten). am nächs­ten mor­gen – schon wie­der ging es um 6 uhr los, das früh­stück war aller­dings spä­ter, so dass ich mehr zeit hat­te -, bin ich dann in eine ande­re rich­tung gelau­fen. und das war dann auch bes­ser. zwar war der beginn – am schloss vor­bei über eisen­bahn und schnell­stra­ße – eher trist, doch kurz dar­auf fand ich den beginn eines wan­der­we­ges. der ging dann aller­dings unver­mu­tet ziem­lich steil einen der um zvo­len äußerst zahl­rei­chen hügel hin­auf, so dass ich doch recht bald wie­der kehrt mach­te. ins­ge­samt waren dass jetzt immer­hin mal 7,2 km in 38 minu­ten. schon nicht ganz ver­kehrt. aber der hügel ließ mir natür­lich kei­ne ruhe. also am nächs­ten mor­gen wie­der zum wan­der­weg – dies­mal bewustt locker und lang­sam ange­gan­gen. und beim anstieg muss­te ich dann etwas über­rascht fest­stel­len, dass ich am tag zuvor genau an der rich­ti­gen stel­le umge­kehrt war: erst danach kam näm­lich das steils­te stück. aber ich konn­te durch­hal­ten und kam so die gut 300 höhen­me­ter lau­fend hin­auf. da es gera­de so gut ging, bin ich dann ein­fach wei­ter und wei­ter gerannt – vor­bei an einer kürz­lich gero­de­ten lich­tung und einen immer schma­ler und ver­wach­se­neren pfad ent­lang. bei 4,7 km bin ich dann umge­kehrt und den weg gera­de wie­der zurück gelau­fen: berg­ab war der hügel fast noch schlim­mer als berg­auf, das war gar nicht ein­fach, mit mei­nen new-balan­ce-schu­hen auf dem feuch­ten asphalt… der nächs­te und letz­te mor­gen vor der frü­hen abfahrt aus zvo­len war dann noch ein­mal eine beson­de­re her­aus­for­de­rung: um 5:30 uhr auf­ste­hen und gleich los­lau­fen. es waren dann auch nur 2,5 km durch die innen­stadt (sofern man bei zvo­len davon spre­chen kann) in knapp 11 minu­ten. aber immer­hin: die serie ist auch unter die­sen umstän­den nicht gerissen.

g8-proteste in rostock und die medien

immer­hin einen schö­nen, d.h. guten arti­kel habe ich gele­sen über die pro­tes­te in ros­tock und die dor­ti­gen aus­schrei­tun­gen: von ste­fan klein in der süd­deut­schen zei­tung unter dem titel „als der hafen nicht mehr sicher war”. das scheint mir doch etwas aus­ge­wo­ge­ner als der ten­den­ziö­se rest, der wie­der nur die kra­wal­le regis­triert (und sich dadurch natür­lich wie­der bestä­tigt fühlt, wie unbe­dingt not­wen­dig der zaun und demons­tra­ti­ons­ver­bo­te und ande­re ein­schrän­kun­gen der grund­rech­te doch sei­en). ste­fan klein merkt näm­lich, neben einer schön lako­ni­schen beschrei­bung der gan­zen ver­an­stal­tung, auch zwei sachen an: wie­so ließ sich die poli­zei, die ja lan­ge genug zeit für die vor­be­rei­tung hat­te und gewal­ti­ge per­so­na­le und finan­zi­el­le mit­tel zur ver­fü­gung hat, von den kra­wall-demons­tran­ten so über­ra­schen? und wie­so gibt es so vie­le ver­letz­te, selbst bei der offen­bar doch recht mar­tia­lisch aus­ge­stat­te­ten polizei?

wenn man nicht lesen kann …

… dann soll­te man eigent­lich nicht gera­de als lite­ra­tur­kri­ti­ke­rin arbei­ten. war­um ich die­se bin­sen­weis­heit hier nie­der­schrei­be? weil vere­na auf­fer­mann heu­te ihre kri­tik von peter kurz­ecks „okto­ber und wer wir selbst sind”, über das ich hier im blog ja auch schon etwas hin­ter­las­sen habe, in der süd­deut­schen zei­tung (lei­der online nicht zu fin­den) ver­öf­fent­licht. und da sind so eini­ge fehl­lek­tü­ren gesam­melt. zum bei­spiel wird Peter Kurz­eck zum „Fall des abso­lu­ten Prä­sens.” das klingt zwar schlüs­sig, stimmt aber über­haupt nicht. denn das span­nen­de und fas­zi­nie­ren­de an kurz­ecks schrei­ben ist ja gera­de, dass er sich nicht (mehr) im prä­sens auf­hält, dass er wie kaum ein ande­rer schrift­stel­ler das ver­ge­hen und die ver­gäng­lich­keit der zeit, des lebens und jeder erin­ne­rung auf­schreibt, zu bewäl­ti­gen ver­sucht, in sprach­li­che for­men fasst. und wie man dann auf die idee kommt, kurz­eck (oder sei­nen erzäh­ler, aber die­se unter­schei­dung inter­es­siert auf­fer­mann offen­bar – wie die meis­ten lite­ra­tur­kri­ti­ker – über­haupt nicht, sie unter­stellt ganz unbe­dingt einen „radi­ka­len BIo­gra­phish­mus”) als „ideale[n] Igno­rant der Außen­welt” zu cha­rak­te­ri­sie­ren, erschließt sich mir auch nicht so ganz.

noch ein bei­spiel gefäl­lig? aber ger­ne doch: auf­fer­mann schreibt über „Okto­ber und wer wir selbst sind”: „Noch bei kei­nem Buch, behaup­tet er, habe die Spra­che ihn so sehr gepackt.” aber das ist blöd­sin­nig. sie macht hier gleich zwei feh­ler: zum einen ist das nicht peter kurz­eck, der die­se behaup­tung äußert, son­dern der erzäh­ler peta. vor allem aber geht es über­haupt nicht das aktu­el­le Buch von Kurz­eck, son­dern um das letz­te Buch des Erzäh­lers! und eini­ge absät­ze spä­ter wird die­se fehl­lek­tü­re noch poten­ziert. jetzt wird eine äuße­rung des erzäh­lers zu sei­nem letz­ten buch („Ein Buch, wie es noch keins gibt, aber wie es scheint, merkt das kei­ner.” – übri­gens auch noch falsch zitiert)) umstands­los peter kurz­eck in den mund gelegt und auch noch nach 1983 datiert

was mich sonst noch so nervt an auf­fer­manns aus­las­sun­gen: sät­ze wie die­ser hier: „Eine Spra­che, die den Satz alter Ord­nung ver­mei­det.” – das steht hier ein­fach mal so her­um. aber was heißt dass denn? ist es über­haupt wahr? und ihre kri­tik ist voll von sol­chen din­gen – sonst aber bie­tet sie wenig, viel zu wenig. natür­lich wer­den die ver­glei­che zu Robert Wal­ser und Mar­cel Proust wie­der auf­ge­ru­fen (wie es sich in letz­ter zeit ein­ge­bür­gert hat, natür­lich nur ex nega­tivo: „Auf die hap­pi­gen und immer wie­der zu lesen­den Ver­glei­che von Proust bis Robert Wal­ser ver­zich­ten wir.” (übri­gens auch mal so ganz neben­bei ein reich­lich unglück­li­cher satz …)). natür­lich wird wie­der fest­ge­stellt, dass man kurz­eck liebt oder eben nicht (ob das so wahr ist, dar­an zweif­le ich durch­aus noch): „Ent­we­der hält man das aus und ver­fällt der Sprach­me­lo­die […] oder nicht. Es gibt kei­ne Vier­tel- oder Halb­lie­be, nur ganz oder gar nicht.” und natür­lich wird auch wie­der das topos der anspruchs­vol­len lite­ra­tur, die zu weni­ge leser fin­det und hat, bemüht: „Bestimmt zu weni­ge, bestimmt schreibt die­ser eigen­wil­li­ge Frank­fur­ter Kyni­ker das Gegen­teil von Mas­sen­wa­re.” (auch das ver­steckt sich wie­der so eine behaup­tung: kurz­eck sei ein Kyni­ker. so wie ich peter kurz­eck, ihn selbst und sei­ne bücher, ken­ne und ande­rer­seits den Kynis­mus als bewusst ent­schie­de­ne Ent­sa­gung mate­ri­el­ler Güter und damit der gewoll­ten Rück­kehr zu der Ein­fach­heit des Natur­zu­stan­des ver­ste­he, kom­me ich da nicht zu einer über­ein­stim­mung. aber lei­der führt auf­fer­mann ja nicht wei­ter aus, inwie­fern kurz­eck kynisch sei.

mal wieder paddeln

nach der abs­ti­nenz der letz­ten wochen (der mara­thon war erst ein­mal wich­ti­ger …) bin ich heu­te mal wie­der ins kajak gestie­gen. es ging auch noch ganz gut ;-). aber viel kraft in den armen habe ich im moment nicht gera­de. gepad­delt bin ich die klas­si­sche nach­mit­tags-rou­te: vom boots­haus den rhein hin­auf, in den gins­hei­mer alt­rhein bis zum stein­damm, dort umset­zen in den rhein und mit der strö­mung wie­der zurück nach mainz. obwohl es mir zunächst gar nicht so warm vor­kam, war das doch eine recht schweiß­trei­ben­de ange­le­gen­heit – nun gut, ca. 27 °C sind auch nicht gera­de wenig. und obwohl es mir eigent­lich recht bewölkt vor­kam, habe ich doch recht viel son­ne abbe­kom­men in den drei stun­den pad­deln: die umris­se der uhr und des gps-emp­fän­gers sind recht deut­lich zu erken­nen auf mei­nem lin­ken arm. dabei war ich vor­her ja auch schon nicht mehr ganz weiß …

Paddelstrecke 23.5.2007

Pad­del­stre­cke 23.5.2007

neues aus der anstalt

das zdf hat ja seit kur­zem mal wie­der (end­lich) eine eige­ne polit-kaba­rett-sen­dung: „neu­es aus der anstalt„ mit Urban Pri­ol und Georg Schramm. ers­te aus­strah­lung im letz­ten jahr fand ich ziem­lich lang­wei­lig und form­los (nicht nur ich war der mei­nung, das das damals noch nicht der gro­ße wurf war – auch wenn es die ers­te polit­sa­ti­re/-kaba­rett-sen­dung des zdf seit lan­ger zeit war -, der autor der faz war ähn­li­cher mei­nung (immer­hin hat pri­ol jetzt einen wei­ßen kit­tel an …). ges­tern habe ich zufäl­lig beim zap­pen noch tei­le der sen­dung vom 15.5. gese­hen – und das war – zumin­dest teil­wei­se, noch nicht durch­ge­hend lei­der – rich­tig gut. und zu mei­ner über­ra­schung gab es beim zdf sogar die sen­dung als pod­cast zum down­load in vol­ler län­ge (aller­dings nur sie­ben tage lan­ge, danach muss man auf’s strea­ming aus­wei­chen). das muss­te ich ja gleich aus­nut­zen und des­halb jetzt mein kom­plet­tes urteil zur fünf­ten aus­ga­be von „neu­es aus der anstalt”: die idee der rah­mung ist immer noch recht locker. aber das macht nichts. denn urban pri­ol war gut in form. und dann läuft das fast von allei­ne. denn die­se fünf­te sen­dung mach­te fast den ein­druck eines solo-pro­gramm für ihn. die ande­ren schei­nen kaum mehr als mehr oder weni­ger aus­führ­li­che stich­wort­ge­ber, damit es zu so schö­nen beob­ach­tun­gen kom­men kann: „für das abwat­schen von unse­rer wort­hül­sen­frucht aus der uckerm­arck bin immer noch ich zustän­dig” (pri­ol). schön, dass die unbarm­her­zi­ge här­te und die rich­ten­de schär­fe bei pri­ol und schramm noch nicht abge­stumpft ist. nicht nur pri­o­ls kom­men­tar zu dem lang­sam immer mehr zum ratz­in­ger zurück­keh­ren­den papst: „die jugend muss ziem­lich ver­zwei­felt sein: wenn der papst zur ent­halt­sam­keit vor der ehe auf­ruft, jubelt ihm die jugend zu”; auch sei­ne hef­ti­ge abrech­nung mit der fdp-char­ge dirk nie­bel hat mich von tiefs­tem her­zen erfreut. die gäs­te: naja … die ent­schul­di­gung-serie von micha­el mit­ter­mei­er war eine recht schlech­te kopie von polt – vor allem aber ziem­lich lang­wei­lig …, auch moni­ka gru­ber hat mich nicht so begeis­tert. das mag aber bei bei­den dar­an gele­gen haben, dass sie nicht voll ins kon­zept pass­ten: poli­tisch ist an deren tex­ten näm­lich ziem­lich wenig, das sind net­te klei­ne gesell­schafts­be­ob­ach­tun­gen ohne beson­de­re schär­fe, witz oder ein­sicht – nichts für mich …

alles auf einmal: kirche im dreierpack

es ist ja schon verr?ckt, was man als orga­nist so alles erlebt. ges­tern nach­mit­tag war wie­der so etwas ange­sagt: eigent­lich soll­te ich bei einer trau­ung orgeln. wie sich dann her­aus­stell­te, war das aber noch lan­ge nicht alles: zwar wur­de das paar auch getraut (nat?rlich wie­der ein­mal lan­ge nach der stan­des­amt­li­chen trau­ung), aber daf?r muss­te die braut erst noch kon­fir­miert wer­den – ob sie auch brav den unter­richt besucht hat? und weil das kind des braut­paa­res auch gleich noch getauft wer­den soll­te, muss­te die zuk?nftige patin, die schwes­ter der braut n?mlich, auch erst ein­mal noch kon­fir­miert wer­den. ob das so sinn­voll ist, so jeman­den zum paten zu machen, der ja ganz offen­sicht­lich bis­her kein gestei­ger­tes inter­es­se an religi?sen und/​oder kirch­li­chen din­gen hat­te? nun ja …
aber wenn man schon so einen spe­zi­al­ser­vice-got­tes­dienst bekommt, muss man nat?rlich auch nicht p?nktlich sein: zur eige­nen trau­ung kamen die bei­den dann tats?chlich auch noch zehn minu­ten zu sp?t. und ich hat­te schon bef?rchtet, ich w?re sp?t, weil ich direkt davor schon eine ande­re hoch­zeit gespielt habe. wenn’s nicht so trau­rig w?re, m?sste man ?ber solch einen wahn­sinn ja schon fast lachen. nur die beer­di­gung hat noch gefehlt – dann w?re die kom­plet­te kir­che f?r das leben an einem nach­mit­tag abge­han­delt gewesen. 

peter kurzeck: oktober und wer wir selbst sind

schon der titel ist ja ein meis­ter­werk – ein anspruch, den der roman auch einö?sen kann: „Ein Buch, wie es noch keins gibt, aber wie es scheint, merkt das kei­ner.” (154 – das schreibt der erzäh­ler über sein zwei­tes buch. die par­al­le­len zu peter kurz­eck und des­sen „das schwar­ze buch” von 1982 sind natür­lich alles ande­re als zufäl­lig. immer­hin mer­ken die qua­li­tät inzwi­schen ein paar mehr. aber das sind immer noch nur die kri­ti­ker – leser gibt es immer noch zu weni­ge. dabei hät­te die lek­tü­re von kurz­ecks büchern für die meis­ten einen gewal­ti­gen gewinn und erkennt­nis­zu­wachs zu bie­ten – erheb­lich mehr als die bücher, die sich so auf den best­sel­ler­lis­ten tum­meln.) und auch sonst ist es wie­der ein ech­ter kurz­eck – unbe­dingt, etwas mono­ma­nisch, aber fas­zi­nie­rend und fes­selnd. nicht nur wegen der sti­lis­ti­schen vir­tuo­si­tät – kaum ein ande­rer gegen­wär­ti­ger autor hat so einen unver­kenn­bar eige­nen stil oder bes­ser gesagt ton­fall: denn es klingt immer, das von kurz­eck geschrie­be­ne, es schwebt qua­si schwe­re­los wie zar­te kam­mer­mu­sik – son­dern auch sei­ner the­men und moti­ve wegen. das buch ist wie­der über­voll von schö­nen stel­len, schö­nen for­mu­lie­run­gen – eini­ge ste­hen ja auch hier…

der beginn ist schon ein ende und ver­lust – oder umge­kehrt: das ende ist der beginn – der anfang des erzäh­lens: –> von dort star­tet das schrei­ben, das des erzäh­lers und das des autors. aus angst, das gesche­he­ne, d.h. ver­gan­ge­ne, zu ver­lie­ren – und aus die­ser furcht beginnt sofort die suche nach der ver­ge­wis­se­rung: „[…] wisst ihr den Som­mer noch?” (7)

und noch etwas zeigt sich schon auf den ers­ten sei­ten: die gewiss­heit, die ver­gan­gen­heit ver­lo­ren zu haben, ist noch stär­ker als sonst (wenn ich die letz­ten bücher recht erin­ne­re, die lek­tü­re ist jetzt schon eine wei­le her): „unauf­find­bar. […] für immer in einem ker­ker.” (10) da hilft dann nur noch das erzäh­len: erzäh­len, um die wirk­lich­keit (der ver­gan­gen­heit) auf­zu­bau­en, „in Gang” zu halten.

die erin­ne­rung wird aller­dings immer unsi­che­rer, immer unge­rich­te­ter und fra­gi­ler: „Nach­träg­lich kommt dir vor, du hät­test ihn an ein­und­dem­sel­ben Tag wenigs­tens zwei- oder drei­mal gehört.” (50) aber alles ist ver­lo­ren, die erin­ne­rung, das gedächt­nis, die orte, die gan­ze ver­gan­ge­ne rea­li­tät – und die gegen­wart als zuk?nftige ver­gan­gen­heit auch schon: „Wo ist der Tag hin?” (50) und die­se ahnung der wie­der­ho­lung der rea­li­tät greift inzwi­schen selbst auf die träu­me aus: „[…] oder den glei­chen Traum immer wie­der?“ (75) aber noch ist hoff­nung (frei­lich ist die auch schon zwie­späl­tig und gebro­chen): „Und dann bleibt dir für immer das Bild.” – man muss es nur rich­tig und immer wie­der erzäh­len. die fra­ge ist dann nur: „wohin jetzt mit die­ser geschich­te?” (71). für die­se art zu erzäh­len, zu schrei­ben gibt es aller­dings kei­ne direk­ten wege – und genau das macht eine wesent­li­che fas­zi­na­ti­on der lek­tü­re aus: „beim erzäh­len immer noch einen umweg.” (29). schlie?lich ist das gan­ze buch ein ein­zi­ger umweg – eigent­lich soll­te es nur ein ein­zi­ges kapi­tel der vor­ge­schich­te sein, kein eige­ner roman.

auch das schrei­ben an sich spielt natür­lich (wie­der) eine gro­ße rol­le – von anfang an. und wie­der ist der erzäh­ler sei­nem text ziem­lich gna­den­los aus­ge­lie­fert: „Noch bei kei­nem Buch hat die Spra­che mich so sehr gepackt, wie bei die­sem – oder denkst du das jedes­mal wie­der?” (19) ins­be­son­de­re die enden der kapi­tel füh­ren immer wie­der zum pro­zess des schrei­bens hin, zum erzäh­len an sich, zu den pro­jek­ten des erzäh­lers. und die sind schon lan­ge mehr oder weni­ger zwang­haft gewor­den: „Aus­nahms­wei­se viel­leicht heut nicht mehr? Aus­ru­hen? Eine Pau­se? Aber das fehlt mir dann mor­gen früh und was fehlt, fehlt für immer.” (111) sp?ter hei?t es dann noch ein­mal: „Doch inzwi­schen will die Zeit, die kein Eins­se­hen hat, mir kei­ne Ruhe mehr las­sen.” (162)

und natür­lich auch die zeit an sich wie­der the­ma – das the­mas über­haupt, das kurz­eck in sei­nen büchern umtreibt (vor allem natür­lich in der chro­nik der frank­fur­ter acht­zi­ger): hier ist sie aber noch offe­ner the­ma­ti­siert als in den letz­ten wer­ken: „Die Zeit. Als ob man sich selbst sucht. Wo bin ich, wenn ich nicht bei mir bin? Wo geht die Zeit mit uns hin?” (23) oder spä­ter: „Daß die Zeit auch so schnell ver­geht! Man weiß es und kann es doch nicht begrei­fen” (101)
die pro­ble­me der zeit: einer­seits fliegt sie, rast davon – ande­rer­seits ver­lang­samt sie bis zum still­stand: „Ist für uns die Zeit ste­hen­ge­blie­ben? Ist es jeden Herbst wie­der der glei­che Tag?” (45) und dann taucht aber auch noch immer wie­der die fra­ge auf: „Wie soll man die Zeit erzäh­len?” (77) die kern­fra­ge, die kurz­eck (und sei­nen erzäh­ler) schon län­ger beschäf­tigt und beglei­tet, wird nun immer expli­zi­ter gestellt: „[…] und in Ruhe die Zeit, immer wei­ter die Zeit auf­schrei­ben. Den Fluß und die Zeit und das gan­ze Land.” (121)

viel stär­ker spie­len dane­ben aller­dings auch die fra­gen der rea­li­tät eine rol­le: gibt es zeit über­haupt? gibt es die din­ge, vor allem aber gibt es orte? – oder ist alles nur aus­ge­dacht, ima­gi­niert? die zeit wird dabei auch noch stär­ker ver­ding­licht, zum objekt gemacht: „Wie die zeit selbst. als ob es die zeit ist, die immer­fort über sie hin­streicht, unab­läs­sig, die hei­li­ge zeit.” (94) mehr noch als frü­her tritt dem leser peter kurz­eck hier nicht nur als phä­no­me­no­lo­ge, son­dern auch als erkennt­nis­kri­ti­ker gegen­über. genau des­halb beherrscht ihn auch der zwang zur wie­der­ho­lung (und zur wie­der­ho­lung gehürt auch das erzäh­len als wie­der­ho­len – auf ande­rer stu­fe – der erleb­ten wirk­lich­keit): „Man muß sie glau­ben, weil man sie sieht, aber kann sie sich nicht erklä­ren.” (47) – und dann sind ja da noch „über­all Zei­chen. […] Aber wie soll man die Zei­chen deu­ten?” (49) – Zei­chen haben sich ubi­qui­tär aus­ge­brei­tet, alles wird zum Zei­chen, der Erzäh­ler weiß nicht mehr, was jetzt Zei­chen ist und was nicht – von der Fra­ge ihrer Bedeu­tung natür­lich ein­mal ganz abgesehen.

ein ande­res motiv, dass neu ist, durch­zieht den text auch noch: der vater des erzäh­lers taucht immer mehr und deut­li­cher auf – bis­her war es vor allem die mut­ter der erzäh­lers „peter”, die in den tex­ten vor­kam – hier wird immer wie­der auch auf den vater bezug genommen.

und das alles gibt wie­der so einen herr­li­chen text, das man nur ins schwär­men kom­men kann. wie anders kann man auch auf sol­che zei­len reagie­ren: „Man kommt an und Ort und Zeit war­ten schon” (173)?

peter kurz­eck: okto­ber und wer wir selbst sind. frank­furt am main: strom­e­feld 2007.

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