Zum Inhalt springen →

Grundwiderwärtige Erscheinung

Goe­the hät­te Wag­ner als grund­wi­der­wär­ti­ge Erschei­nung emp­fin­den müs­sen. Frei­lich war er gro­ßen Tat­sa­chen und Wir­kun­gen gegen­über mora­lisch sehr tole­rant und zuwei­len fra­ge ich mich, ob er nicht geant­wor­tet hät­te: „Der Mann ist euch zu groß.“ Aber das wäre eine Sache. Die Deut­schen soll­te man vor die Ent­schei­dung stel­len: Goe­the oder Wag­ner. Bei­des zusam­men geht nicht. Aber ich fürch­te, sie wür­den „Wag­ner“ sagen. Oder doch viel­leicht nicht? Soll­te nicht doch viel­leicht jeder Deut­sche im Grun­de sei­nes Her­zens wis­sen, daß Goe­the ein unver­gleich­lich verehrungs- und ver­trau­ens­wür­di­ge­rer Füh­rer und Natio­nal­held ist als die­ser schnup­fen­de Gnom aus Sach­sen mit dem Bom­ben­ta­lent und dem schä­bi­gen Charakter?

Tho­mas Mann an Juli­us Bab, 14.9.1911

Veröffentlicht in diverses

Kommentaren

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.