Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

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bücherstapel

Aus-Lese #50

Ger­hard Falk­ner: Romeo oder Julia. Mün­chen: Ber­lin 2017. 269 Sei­ten. ISBN 978−3−8270−1358−3.

falkner, romeo oder julia (cover)Ich kann nicht sagen, dass ich von Romeo oder Julia wirk­lich begeis­tert gewe­sen wäre. Das liegt vor allem dar­an, dass ich nicht so recht kapiert habe, was der Text eigent­lich (sein) möch­te. Dabei hat er unbe­streit­bar aus­ge­zeich­ne­te Momen­te und Sei­ten, neben eini­gen Län­gen. Eini­ge der aus­ge­zeich­ne­ten Momen­te fin­den auf der Ebe­ne der Spra­che statt: Es gibt fun­keln­de ein­zel­ne Sät­ze in einem Meer von sti­lis­ti­schem und gedank­li­chem Cha­os. So habe ich mir das zunächst notiert – aber das stimmt so nicht ganz: chao­tisch (also rea­lis­tisch) erscheint der Text zunächst nur, er ent­wi­ckelt dann aber schon sei­ne Form. Die zumin­dest stel­len­wei­se hyper­tro­phe Sti­lis­tik in der Über­stei­ge­rung auf allen Ebe­nen ist dann auch tat­säch­lich lus­tig.

Uner­müd­lich arbei­te­ten hin­ter den Din­gen, an denen ich vor­bei­kam, die Grund­ma­schi­nen der Exis­tenz, die seit Jahr­tau­sen­den mit Men­schen­le­ben gefüt­tert wer­den, und die Stadt stütz­te ihre tau­be und orna­men­ta­le Mas­se auf die­ses unter­ir­di­sche Mag­ma von Lebens­gier, Kampf, Wil­le, Lust und Bewe­gung. 227

Was wird in Romeo oder Julia erzählt? Das ist eben die Fra­ge. Irgend­wie geht es um einen Schrift­stel­ler, Kurt Prinz­horn (über des­sen lite­ra­ri­sche Wer­ke nichts zu erfah­ren ist), der bei einem Hotel­auf­ent­halt in Inns­bruck von einer benutz­ten Bade­wan­ne und ver­schwun­de­nen Schlüs­seln etwas erschreckt wird. Rat­los bleibt er zurück und denkt immer wie­der über die Rät­sel­haf­tig­keit des Gesche­hens nach, wäh­rend das Autoren­le­ben mit Sta­tio­nen in Mos­kau und Madrid wei­ter­geht. Dort nähert sich dann auch die anti­kli­mak­ti­sche Auf­lö­sung, die in einem Nach­spiel in Ber­lin noch ein­mal aus­ge­brei­tet wird: Der Erzäh­ler wird von einer sehr viel frü­he­ren kurz­zei­ti­gen Freun­din ver­folgt und bedroht, die dann beim Ver­such, zu ihm zu gelan­gen (um ihn zu töten), selbst stirbt … Trotz des Plots, der nach Kri­mi oder Thril­ler klingt, bleibt Romeo oder Julia bei einer unbe­schwer­ten Rät­sel­haf­tig­keit, ein Spiel mit Span­nungs­ele­men­ten, sexis­ti­schem und völ­ker­psy­cho­lo­gi­schem Unsinn und ande­ren Pein­lich­kei­ten. Immer­hin sind der knap­pe Umfang und die eher kur­zen Kapi­tel (übri­gens genau 42 – wobei ich bei Falk­ner in die­sem Fall kei­ne Absicht unter­stel­le) sehr leser­freund­lich. Durch die zumin­dest ein­ge­streu­ten sti­lis­ti­schen Höhen­flü­ge war das für mich eine durch­aus unter­halt­sa­me Lek­tü­re, bei der ich kei­ne Ahnung habe, was das eigent­lich sein soll, was der Text eigent­lich will. Weder die Kri­mi-Ele­men­te noch die Pop­li­te­ra­tur­kom­po­nen­te oder die mas­si­ven Inter­tex­tua­li­täts­si­gna­le (die ich nicht alle in ver­nünf­ti­ge Bezie­hung zum Text brin­ge, aber sicher­lich habe ich auch eine Men­ge schlicht über­se­hen) for­men sich bei mei­ner Lek­tü­re zu einem Kon­zept: Ein schlüs­si­ges Sinn­kon­strukt kann ich nicht so recht erken­nen, nicht lesen und lei­der auch nicht bas­teln.

Es war Sonn­tag­vor­mit­tag, und es gab kaum Leu­te auf der Stra­ße. Stra­ßen auf den Leu­ten gab es erst recht nicht. es gab auch kei­ne Bus­se, die man sich auf der Zun­ge hät­te zer­ge­hen las­sen kön­nen, oder Fri­seu­re, die auf­grund einer unge­stü­men Blü­mer­anz der Ohn­macht nahe gewe­sen wären. Auch nicht die Hel­den­fried­hö­fe, die in wil­den und aus­ufern­den Vor­früh­lings­näch­ten von den Such­ma­schi­nen auf die Bild­schir­me gezau­bert wer­den, um mit ihren schnee­wei­ßen und chris­tus­lo­sen Kreu­zen die Sur­fer in ihre lee­re Erde zu locken. Es gab nicht ein­mal die feuch­te, war­me Hand der katho­li­schen Kir­che oder das tröst­li­che Röcheln des Dra­chens, dem sein belieb­tes­ter Geg­ner, der hei­li­ge Georg, gera­de die eiser­ne Lan­ze in den Rachen gesto­ßen hat. Es gab ein­fach wirk­lich nur das, was da war, was wir unmit­tel­bar vor Augen hat­ten, und die Tat­sa­che, dass ich in Kür­ze los­muss­te. 78

Ali­na Her­bing: Nie­mand ist bei den Käl­bern. Zürich, Ham­burg: Arche 2017. 256 Sei­ten. ISBN 9783716027622.

herbing, niemand ist bei den kälbern (cover)Das ist mal ein ziem­lich trost­lo­ses Buch über eine jun­ge Bäue­rin aus Alter­na­tiv­lo­sig­keit, die auch in den angeb­lich so fes­ten Wer­ten und sozia­len Net­zen des Land­le­bens (der „Hei­mat“) kei­nen Halt fin­det, kei­nen Sinn für ihr Leben. Statt­des­sen herrscht über­all Gewalt – gegen Din­ge, Tie­re und Men­schen. Einer­seits ist da also die Bana­li­tät des Land­le­bens, der Ödnis, der „Nor­ma­li­tät“, dem nicht-beson­de­ren, nicht-indi­vi­du­el­len Leben. Ande­rer­seits bro­delt es dar­un­ter so stark, dass auch die Ober­flä­che in Bewe­gung gerät und Ris­se bekommt. Natür­lich gibt es die Schön­heit des Lan­des, auch in der beschrei­ben­den Spra­che (die frei­lich nicht so recht zur eigent­li­chen Erzähl­hal­tung passt und mit ihren ange­deu­te­ten pseu­do-umgangs­sprach­li­chen Wen­dun­ge („nich“, „glaub ich“) auch vie­le schwa­che Sei­ten hat und ner­ven kann). Aber genau­so natür­lich gibt es auch die Ver­let­zun­gen, die die Men­schen sich gegen­sei­tig und der „natür­li­chen“ Umwelt glei­cher­ma­ßen zufü­gen.

Die Absicht von Nie­mand ist bei den Käl­bern ist schnell klar (schon mit dem Umschlag, sonst spä­tes­tens auf der ers­ten Sei­te, wenn das Reh­kitz beim Mähen getö­tet wird): Hei­mat, v.a. aber das Land­le­ben ent­zau­bern – denn es ist auch nur eine Rei­he von Bana­li­tä­ten und Ein­sam­kei­ten (auch & gera­de zu zweit) und suche nach Lie­be, Nähe, Emo­tio­nen. Die Natur bleibt von all dem unbe­tei­ligt und eigent­lich unbe­rührt. Mich ner­ven aber so Haupt­fi­gu­ren wie die­se Chris­tin, die – obwohl viel­leicht nicht direkt defä­tis­tisch – alles (!) ein­fach so hin­neh­men, ohne Gefühls­re­gung, ohne Gestal­tungs­wil­len, ja fast ohne Wil­len über­haupt, denen alles nur pas­siert, die alles mit sich gesche­hen las­sen. Dass da dann kein erfüll­ter Lebens­ent­wurf her­aus­kommt, ist abzu­se­hen. Mir war das unter ande­rem des­halb zu ein­sei­tig, zu ein­di­men­sio­nal.

Manch­mal glaub ich, jedes Flug­zeug, das ich sehe, exis­tiert über­haupt nur, um mich dar­an zu erin­nern, dass ich einer der unbe­deu­tends­ten Men­schen der Welt bin. Wie­so soll­te ich sonst in die­sem Moment auf einem halb abge­mäh­ten Feld ste­hen? Nicht mal in einer Nazi-Hoch­burg, nicht mal an der Ost­see oder auf der Seen­plat­te, nicht mal auf dem Todes­strei­fen, son­dern kurz davor, dane­ben, irgend­wo zwi­schen all­dem. Genau da, wo es eigent­lich nichts gibt außer Gras und Lehm­bo­den und ein paar Plät­ze, die gut genug sind, um da Wind­rä­der hin­zu­stel­len. 11

Lau­rent Binet: Die sieb­te Sprach­funk­ti­on. Rein­bek: Rowohlt 2017. 524 Sei­ten. ISBN 9783498006761.

laurent binet, die siebte sprachfunktion (cover)Das ist tat­säch­lich ein ziem­lich lus­ti­ger Roman über Roland Bar­thes, die post­mo­der­ne Phi­lo­so­phie, Sprach­wis­sen­schaft und Psy­cho­lo­gie in Frank­reich, auch wenn der Text eini­ge Län­gen hat. Viel­leicht ist das aber wirk­lich nur für Leser lus­tig, die sich zumin­dest ein biss­chen in der Geschich­te der fran­zö­si­schen Post­mo­der­ne, ihrem Per­so­nal und ihren Ideen (und deren Rezep­ti­on in den USA und Euro­pa) aus­ken­nen. Und es ist auch ein etwas gro­tes­ker Humor, der so ziem­lich alle Geis­tes­he­ro­en des 20. Jahr­hun­derts kör­per­lich und see­lisch beschä­digt zurück­lässt.

Aus­gangs­punkt der mehr als 500 Sei­ten, die aber schnell gele­sen sind, ist der Tod des Struk­tu­ra­lis­ten und Semio­ti­kers Roland Bar­thes, der im Febru­ar 1980 bei einen Unfall über­fah­ren wur­de. Für die Ermitt­lun­gen, die schnell einer­seits in das phi­lo­so­phisch gepräg­te Milieu der Post­mo­der­ne füh­ren, ande­rer­seits vol­ler Absur­di­tä­ten und gro­tes­ker Gescheh­nis­se sind, ver­pflich­tet der etwas hemds­är­me­li­ge Kom­mis­sar einen Dok­to­rand, der sich in die­sem Gebiet gut aus­zu­ken­nen scheint. Ihre Ermitt­lun­gen führt das Duo dann in fünf Sta­tio­nen von Paris über Bolo­gna nach Ithaca/​USA und zurück zu Umber­to Eco (der ein­zi­ge, der eini­ger­ma­ßen unver­sehrt davon­kommt), womit die Rei­se, die Ermitt­lung und der Text das Netz­werk euro­päi­schen Den­kens (mit sei­nen ame­ri­ka­ni­schen Satel­li­ten der Ost­küs­te) in der zwei­ten Hälf­te des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts nach­zeich­nen. Das ist so etwas wie ein Pop-Phi­lo­so­phie-Thril­ler, der für mich doch recht zügig sei­nen Reiz ver­lor, weil das als Roman­text eher banal und kon­ven­tio­nell bleibt. Inter­es­sant sind höchs­tens die Meta­ebe­nen der Erzäh­lung (die es reich­lich gibt) und die Ana­chro­nis­men (die auch ger­ne und mit Absicht ver­wen­det wer­den), zumal die Theo­rie und ihr Per­so­nal immer mehr aus dem Blick gera­ten

Die im Titel ver­hie­ße­ne sieb­te Sprach­funk­ti­on bleibt natür­lich Leer­stel­le und wird nur in Andeu­tun­gen – als unwi­der­steh­li­che, poli­tisch nutz­ba­re Über­zeu­gungs­kraft der Rede – kon­tu­riert. Dafür gibt es genü­gend ande­re Sta­tio­nen, bei denen Binet sein Wis­sen der euro­päi­schen und ame­ri­ka­ni­schen Post­mo­der­ne groß­zü­gig aus­brei­ten kann.

Wäh­rend er rück­wärts­geht, über­legt Simon: Ange­nom­men, er wäre wirk­lich eine Roman­ge­stalt (eine Annah­me, die wei­te­re Nah­rung erhält durch das Set­ting, die Mas­ken, die mäch­ti­gen male­ri­schen Gegen­stän­de: in einem Roman, der sich nicht zu gut dafür wäre, alle Kli­schees zu bedie­nen, denkt er), wel­cher Gefahr wäre er im Ernst aus­ge­setzt? Ein Roman ist kein Traum: In einem Roman kann man umkom­men. Hin­wie­der­um kommt nor­ma­ler­wei­se die Haupt­fi­gur nicht ums Leben, außer viel­leicht gegen Ende der Hand­lung. /​Aber wenn es das Ende der Hand­lung wäre, wie wür­de er das erfah­ren? Wie erfährt man, wann man auf der letz­ten Sei­te ange­kom­men ist? /​Und wenn er gar nicht die Haupt­fi­gur wäre? Hält sich nicht jeder für den Hel­den sei­ner eige­nen Exis­tenz? 420

Die­ter Grimm: „Ich bin ein Freund der Ver­fas­sung“. Wis­sen­schafts­bio­gra­phi­sches Inter­view von Oli­ver Lep­si­us, Chris­ti­an Wald­hoff(span> und Mat­thi­as Roß­bach mit Die­ter Grimm. Tübin­gen: Mohr Sie­beck 2017. 325 Sei­ten. ISBN 9783161554490.

grimm, freund der verfassung (cover)Ein fei­nes, klei­nes Büch­lein. Mit „Inter­view“ ist es viel zu pro­sa­isch umschrie­ben, denn einer­seits ist das ein ver­nünf­ti­ges Gespräch, ande­rer­seits aber auch so etwas wie ein Aus­kunfts­buch: Die­ter Grimm gibt Aus­kunft über sich, sein Leben und sein Werk. Dabei lernt man auch als Nicht-Jurist eine Men­ge – zumin­dest ging es mir so: Viel span­nen­des zur Ent­wick­lung von recht und Ver­fas­sung konn­te ich hier lesen – span­nend vor allem durch das Inter­es­se Grimms an Nach­bar­dis­zi­pli­nen des Rechts, ins­be­son­de­re der Sozio­lo­gie. Des­halb tau­chen dann auch ein paar net­te Luh­mann-Anek­do­ten auf. Außer­dem gewinnt man als Leser auch ein biss­chen Ein­blick in Ver­fah­ren, Orga­ni­sa­ti­on und Bera­tung am Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, an dem Grimm für 12 Jah­re als Rich­ter tätig war. Schön ist schon die nüch­ter­ne Schil­de­rung der der nüch­ter­nen Wahl zum Rich­ter – ein poli­ti­scher Aus­wahl­pro­zess, den Grimm für „erfreu­lich unpro­fes­sio­nell“ (126) hält. Natür­lich gewinnt das Buch nicht nur durch Grimms Ein­blick in grund­le­gen­de Wesens­merk­ma­le des Rechts und der Juris­pru­denz, son­dern auch durch sei­ne durch­aus span­nen­de Bio­gra­phie mit ihren vie­len Sta­tio­nen – von Kas­sel über Frank­furt und Frei­burg nach Paris und Har­vard wie­der zurück nach Frank­furt und Bie­le­feld, dann natür­lich Karls­ru­he und zum Schluss noch Ber­lin – also qua­si die gesam­te Geschich­te der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land – Grimm ist 1937 gebo­ren – in einem Leben kon­den­siert.

Das Buch hat immer­hin auch sei­ne Selt­sam­kei­ten – in einem sol­chen Text in zwei Stich­wör­tern in der Fuß­no­te zu erklä­ren, wer Kon­rad Ade­nau­er war, hat schon sei­ne komi­sche Sei­te. Bei so manch ande­rem Namen war ich aber froh über zumin­dest die gro­be Auf­klä­rung, um wen es sich han­delt. Die ande­re Selt­sam­keit betrifft den Satz. Dabei hat jemand näm­lich geschlampt, es kom­men immer wie­der Pas­sa­gen vor, die ein Schrift­grad klei­ner gesetzt wur­den, ohne dass das inhalt­lich moti­viert zu sein scheint – offen­sicht­lich ein unschö­ner Feh­ler, der bei einem renom­mier­ten und tra­di­ti­ons­rei­chen Ver­lag wie Mohr Sie­beck ziem­lich pein­lich ist.

Ador­no ver­stand ich nicht. Stre­cken­wei­se unter­hielt ich mich ein­fach damit zu prü­fen, ober er sei­ne Schach­tel­sät­ze kor­rekt zu Ende brach­te. Er tat es. 41

Con­stan­ti­jn Huy­gens: Euphra­sia. Augen­trost. Über­setzt und her­aus­ge­ge­ben von Ard Post­hu­ma. Leip­zig: Rei­ne­cke & Voß 2016. [ohne Sei­ten­zäh­lung]. ISBN 9783942901222.

Zu die­sem schö­nen, wenn auch recht kur­zen Ver­gnü­gen habe ich vor eini­ger Zeit schon etwas geson­dert geschrie­ben: klick.

außer­dem gele­sen:

  • Dirk von Peters­dorff: In der Bar zum Kro­ko­dil. Lie­der und Songs als Gedich­te. Göt­tin­gen: Wall­stein 2017 (Klei­ne Schrif­ten zur lite­ra­ri­schen Ästhe­tik und Her­me­neu­tik, 9). 113 Sei­ten. ISBN 978−3−8353−3022−1.
  • Hans-Rudolf Vaget: „Weh­vol­les Erbe“. Richard Wag­ner in Deutsch­land. Hit­ler, Knap­perts­busch, Mann. Frank­furt am Main: Fischer 2017. 560 Sei­ten. ISBN 9783103972443.

Ins Netz gegangen (12.9.)

Ins Netz gegan­gen am 12.9.:

  • Elke Hei­den­reich im Lite­ra­tur­club: Die Ver­lu­de­rung der Kri­tik | NZZ → der lite­ra­tur­kri­ti­ker der nzz, roman bucheli, hält wenig von der momen­ta­nen fern­seh-lite­ra­tur-kri­tik:

    Dort die Brüll-Kri­tik, hier die Schleim-Kri­tik, bei­des müss­te man nicht ernst neh­men, wäre die Wir­kung nicht so ver­hee­rend, denn die Kri­tik selbst wird damit beschä­digt. Das alles ist umso bedenk­li­cher, als es aus­ge­rech­net öffent­lich-recht­li­che Rund­funk­an­stal­ten sind, die unter dem Vor­wand, Lite­ra­tur­kri­tik zu betrei­ben, sie kor­rum­pie­ren und der Ver­lu­de­rung preis­ge­ben. Das ist kein Ser­vice public, son­dern öffent­li­che Selbst­de­mon­ta­ge.

  • Rad fah­ren in Gro­nin­gen: Was pas­siert wenn alle Rad­fah­rer einer Kreu­zung gleich­zei­tig grün haben? | RBNSHT → schö­ne idee/​versuch in gro­nin­gen: an einer kreu­zung gibt es eine pha­se, in der alle rad­fah­rer aus allen/​in alle rich­tun­gen gleich­zei­tig grün haben. und es funk­tio­niert …
  • Schuld ist nicht die Digi­ta­li­sie­rung – Frei­text → ein etwas weh­mü­ti­ger „nach­ruf“ auf die biblio­the­ken, der lei­der in sehr vie­len punk­ten recht hat

    „Treff­punk­te des Aus­tau­sches, Orte der Begeg­nung“ – so, heißt es auf der Web­site der Zen­tral­bi­blio­thek Ber­lin, sol­len Biblio­the­ken heu­te sein. Habe ich irgend­was falsch ver­stan­den? Ich will in der Biblio­thek nie­man­dem begeg­nen. Ich will mich auch nicht aus­tau­schen, wenn ich in die Biblio­thek gehe. Ich will mich an einen stil­len Ort bege­ben, an dem jemand sich ein klu­ges Sys­tem aus­ge­dacht hat, in dem Bücher und ande­re Medi­en geord­net bei­ein­an­der ste­hen.

  • The myth of the well-admi­nis­te­red Ger­man city – Homo Lud­dit­us → schö­ner blog­post, der am bei­spiel der baden-würt­tem­ber­gi­schen stadt leon­berg zeigt, wie mise­ra­bel es um das öffent­li­che bau­we­sen in deutsch­land steht (vor allem was die aufsicht/​kontrolle von bau­stel­len angeht – da muss ich voll­ends zustim­men), und wie wenig die städ­ti­sche ver­wal­tung dort (und wie­der: das ist ein typi­sches phä­no­men) dem ruf der deut­schen effi­zi­enz und ord­nung ent­spricht
  • Auto: Voll outo!? | Zeit → der groß­ar­ti­ge burk­hard straß­mann über die mobi­li­tät von jun­gen leu­ten und ihre (angeb­li­che) abkehr vom auto(besitz)

    Der Mul­ti­mo­dal-Sur­fer glei­tet in Out­door­ho­se und Trek­king­schu­hen durch den urba­nen Dschun­gel, schnell, fle­xi­bel und ele­gant, und ist dabei stets mit Leu­ten über sein Smart­phone ver­netzt. Alles, was sich bewegt, kann sei­nem Fort­kom­men die­nen, U‑Bahn, Taxi, Fahr­rad oder Miet­fahr­rad, Mut­ters Polo, Mit­fahr­ge­le­gen­hei­ten, der Flix­bus oder das Long­board.

  • Wahl­pla­ka­te in der Wei­ma­rer Repu­blik (1919 – 1933) → eine samm­lung von wahl­pla­ka­ten, gut auf­be­rei­tet und zugäng­lich
  • „Spit­zen­ma­na­ger sind da nur arme Schlu­cker“ | der Frei­tag → gutes inter­view mit dem elitenforscher=soziologe micha­el hart­mann über eli­ten, reich­tum, macht und auf­stiegs­mög­lich­kei­ten
  • Haen­chen: Par­si­fal „noch­mal rich­tig machen“ | fest­spie­le­b­log → ein span­nen­des inter­view mit hart­mut haen­chen, dem diri­gen­ten des dies­jäh­ri­gen „par­si­fal“ bei den bay­reu­ther fest­spie­len, unter ande­rem über text­kri­ti­sche fra­gen der wag­ner-par­ti­tur und das arbei­ten in bay­reuth

Bayreuth-Notizen 2016

Eine gan­ze Woche war ich die­ses Jahr in Bay­reuth bei den Bay­reu­ther Fest­spie­len. Eine vol­le Ladung Wag­ner also: Den kom­plet­ten Ring und den Par­si­fal konn­te ich sehen und hören, dazu noch die Vil­la Wahn­fried und das dor­ti­ge Richard-Wag­ner-Muse­um. Damit ist mein Bedarf fürs Ers­te mal wie­der gedeckt …

Aber es war eine tol­le Erfah­rung, nach mei­ner bis­he­ri­gen ein­ma­li­gen Stipp­vi­si­te (wo ich nur zu einer Vor­stel­lung kam und direkt danach in der Nacht wie­der nach Hau­se fuhr) mal die Fest­spie­le so rich­tig zu erle­ben. Naja, was eben so rich­tig heißt … Bei mir hieß das: An- und Abrei­se mit dem Zug (hin hat das wun­der­bar rei­bungs­los geklappt, zurück war lei­der der ers­te Zug ab Bay­reuth so ver­spä­tet, dass ich mei­ne Anschlüs­se nicht mehr schaff­te), Über­nach­tun­gen in der Jugend­her­ber­ge, die Fest­spiel­haus­be­su­che ver­gleichs­wei­se under­dres­sed (kei­ne klas­si­sche Abend­gar­de­ro­be …), dafür aber auch ver­gleichs­wei­se bil­li­ge Plät­ze im Bal­kon.

Der Auf­ent­halt in der Jugend­her­ber­ge, die nicht mehr ganz heu­ti­gen Ansprü­chen ent­spricht (etwa: kei­ne Schrän­ke im Zim­mer, nur Spin­de auf dem Flur; eine Dusche pro Flur für ca. 30 Bet­ten …), deren Nach­fol­ger direkt neben­an aber schon in Bau ist und im nächs­ten Früh­jahr in Betrieb gehen soll, hat­te zwar klei­ne­re Kom­fort­ein­bu­ßen zur Fol­ge, aber dafür einen gro­ßen Vor­teil: Ich traf gleich dort eini­ge ande­re Wag­ne­ria­ner. Genau­er gesagt: Einen Eng­län­der, einen Japa­ner, einen Rus­sen und einen Luxem­bur­ger, die (fast) alle im Gegen­satz zu mir wesent­lich über­zeug­te­re Wag­ne­ria­ner (und Lieb­ha­ber der Oper des 19. Jahr­hun­derts über­haupt) waren. Die kos­mo­po­li­ti­sche Zusam­men­set­zung unse­res klei­nen Trupps führ­te dazu, dass ich zwar Wer­ke des viel­leicht deut­sches­ten aller deut­schen Kom­po­nis­ten hör­te und sah, sonst aber nahe­zu aus­schließ­lich eng­lisch rede­te (und zum Schluss auch schon dach­te). Eine sehr inter­es­san­te und sehr berei­chern­de Erfah­rung war es auf jeden Fall.

Aber zur Haupt­sa­che: Der Ring also. Die Insze­nie­rung von Frank Cas­torf hat ja nun schon eini­ge Jah­re auf dem Buckel. Belieb­ter gewor­den ist sie dadurch beim Bay­reu­ther Publi­kum nicht gera­de. Das ist auch nicht nur Reflex und Faul­heit, son­dern liegt – ver­mu­te ich – zumin­dest teil­wei­se an der Insze­nie­rung selbst. Cas­torf hat näm­lich, könn­te man sagen, ein­fach sei­ne bewähr­te Thea­ter­me­tho­de der Dra­ma­ti­sie­rung gro­ßer Roma­ne auf den Ring des Nibe­lun­gen ange­wandt. Das funk­tio­niert aber nur so halb­wegs, es kracht an allen Ecken und Enden. Zum einen hat er für mich kei­ne Idee, was der gesam­te Ring eigent­lich soll und (bedeu­ten) will. Zumin­dest kei­ne erkenn­bar. Ja, es gibt das Motiv des Öls, das irgend­wie das neue Rhein­gold ist (gera­de im Rhein­gold_​wird das recht stark gemacht). Aber das bleibt eine Idee unter vie­len, die nicht kon­se­quent umge­setzt ist und in der Göt­ter­däm­me­rung nur noch eine fer­ne Erin­ne­rung ist. (Zumal ist die Idee auch zwan­zig bis vier­zig Jah­re zu spät – heu­te ist Öl ja nicht (mehr) unbe­dingt das wert­volls­te, da sind Daten inzwi­schen viel wich­ti­ger …)

Mein Pro­blem mit der Cas­torf-Insze­nie­rung als Gan­zer war aber – neben vie­len, vie­len Details, die mir ver­schlos­sen blie­ben – ein Grund­sätz­li­ches: Mir scheint, Cas­torf hat nicht das Musik­thea­ter­werk insze­niert, son­dern den Text gele­sen und damit gear­bei­tet. Zwi­schen Musik und Büh­ne gibt es eigent­lich kei­ner­lei Ver­bin­dung (dass der Diri­gent Mar­ke Janow­ski die Insze­nie­rung für Unsinn hält, mag da mit eine Rol­le spie­len). Vor allem aber passt mei­nes Erach­tens das Thea­ter­kon­zept Cas­torfs (das an sich durch­aus sehr inter­es­sant ist!) nicht zum Wag­ner­schen Musik­thea­ter. Die Büh­nen­bil­der, die Aktio­nen und vor allem die Vide­os, die nicht nur Live-Über­tra­gun­gen des Büh­nen­ge­sche­hens, son­dern auch vor­fa­bri­zier­te Ein­spie­ler sind, dazu das Orches­ter, die Sän­ger und Sän­ge­rin­nen und der Text: Das alles auf ein­mal lässt sich nicht ver­ar­bei­ten, geschwei­ge denn deu­tend ent­schlüs­seln. Ich befand mit im per­ma­nen­ten Über­for­de­rungs­mo­dus, der Über­fluss an Zei­chen und Bedeu­tun­gen führ­te zur Kapi­tu­la­ti­on …

So span­nend das in eini­gen Momen­ten ist, so groß­ar­tig die Büh­nen­bil­der sind – so rich­tig auf­neh­men und genie­ßen konn­te ich das nicht. Zumin­dest nicht beim ers­ten Sehen und Hören. Das Hören war lei­der auch nicht eines, das mich zu abso­lu­ten Begeis­te­rungs­tür­men hin­ris­se. Ja, die Qua­li­tät aller Betei­lig­ten ist hoch. Aber Janow­skis Diri­gat zün­de­te für mich nicht so rich­tig toll. Das lag zum einen an der bereits ange­spro­che­nen Diver­genz zwi­schen Büh­ne und Musik, zum ande­ren an einem selt­sa­men Phä­no­men: An jedem Abend begann Janow­ski recht schwach, stei­ger­te sich aber zum Schluss hin regel­mä­ßig. Und viel­leicht auch vom Rhein­gold zur Göt­ter­däm­me­rung hin noch ein­mal. Am stärks­ten ist es mir im Sieg­fried auf­ge­fal­len: Der Anfang bis unge­fähr zur Mit­te des zwei­ten Aktes klang sehr nach über­leg­ter, fei­ner, um Details und vor­sich­tig-zurück­ge­nom­me­ne Fein­heit und Balan­ce bemüh­ter Orches­ter­ar­beit, die es auch den Sän­gern sehr leicht machen woll­te. Irgend­wann schien er aber davon genug zu haben und gab sich der Emo­tio­na­li­tät und der Über­wäl­ti­gungs­kraft der Wag­ner­schen Musik hin, als hät­te er sich gesagt: Na gut, dann lasst uns halt mal Spaß haben …

Der Par­si­fal dage­gen, die dies­jäh­ri­ge Neu­in­sze­nie­rung des Wies­ba­de­ner Inten­dan­ten Uwe-Eric Lau­fen­berg, war ein ganz ande­res Erleb­nis. Musi­ka­lisch ließ er, das heißt vor allem: der ein­ge­sprun­ge­ne Diri­gent Hart­mut Haen­chen, (fast) nichts zu wün­schen übrig, das war eine aus­ge­spro­chen strin­gen­te, (auch zügi­ge), gut ent­wi­ckel­te und span­nen­de Arbeit, die er und das Orches­ter ablie­fer­ten. Zumal die voka­le Beset­zung auch aus­ge­spro­chen fein war: Der wirk­lich rund­um groß­ar­ti­ge, wun­der­ba­re, herr­li­che Georg Zep­pe­n­feld als Gurn­emanz, der sehr gute, jugend­lich-star­ke Klaus Flo­ri­an Vogt als Par­si­fal und eben­falls auf höchs­tem Niveau begeis­tern­de Kundry von Ele­na Pan­kra­to­va.

Die Insze­nie­rung Lau­fen­bergs hat mich, wenn ich es auf einen Punkt brin­gen müss­te, eher gelang­weilt – weil sie mich kaum her­aus­ge­for­dert hat, son­dern eher zu deut­lich und zu pla­ka­tiv ihre Posi­tio­nen zeig­te. Lau­fen­berg hat ja im Vor­feld kaum eine Gele­gen­heit aus­ge­las­sen, allen zu ver­kün­den, wie groß­ar­tig sein Kon­zept sei. Das besteht im Grun­de aus der Idee, der Par­si­fal sei eine Kri­tik aller Reli­gio­nen. Das ist natür­lich so ein­fach Unsinn und führ­te zu eini­gen kurio­sen Sze­nen auf der Büh­ne. Vor allem pas­sier­te auf der Büh­ne aber immer wie­der das: Lau­fen­berg, so nahm ich es wahr, hat­te eine Idee für ein schö­nes Bild, ein Tableau. Dann hat er das etwas poli­tisch-reli­gi­ons­kri­tisch auf­ge­la­den. Und fer­tig ist die Par­si­fal-Insze­nie­rung (ok, das ist jetzt etwas arg pole­misch). Aber so man­ches Gesche­hen konn­te ich mir nur so erklä­ren. Und so man­ches wird unfass­bar pla­ka­tiv und kit­schig. Und so man­ches wird unpas­send, scheint mir mit der Par­ti­tur Wag­ners nicht in Ein­klang zu brin­gen. Das ist ja über­haupt ein Pro­blem, das mich zuneh­mend beschäf­tigt: Die Musi­ker wer­den, was die Beschäf­ti­gung mit und Aus­le­gung der Par­ti­tu­ren angeht, immer kri­ti­scher und fein­sin­ni­ger – Haen­chen zum Bei­spiel leg­te wohl viel Wert auf die unter­schied­li­chen Aus­prä­gun­gen der Arti­ku­la­ti­ons­zei­chen wie Punkt, Strich oder Keil bei Wag­ner. Die Büh­ne dage­gen nimmt sich immer mehr Frei­hei­ten, erzählt ja oft eine ganz ande­re Geschich­te, die nur noch punk­tu­el­le Über­schnei­dun­gen mit der Par­ti­tur hab. Das soll jetzt kei­nes­wegs eine Ableh­nung des Regie­thea­ters sein, es ist nur ein Dilem­ma, aus dem ich kaum eine Lösung sehe …

Was noch?
Die Fes­ti­val-Atmo­sphä­re ist in Bay­reuth schon ziem­lich inter­es­sant. In der Stadt (die übri­gens nicht sehr groß, aber sehr hübsch ist) selbst merkt man recht wenig von den Fest­spie­len. Auf dem grü­nen Hügel ist das natür­lich anders. Zum einen kom­men recht vie­le Besu­cher ziem­lich früh. Dann hat man in Bay­reuth immer die Kar­ten­su­cher (für den Ring gab es immer pro­blem­los noch Kar­ten zu ergat­tern, für den Par­si­fal war es fast unmög­lich) und einen Schwarz­markt­händ­ler. Und das Publi­kum ist etwas kos­mo­po­li­ti­scher, etwas (nun ja, ziem­lich viel) for­mel­ler geklei­det als in den meis­ten deut­schen Thea­tern.

Der Zaun (und auch wenn alle Medi­en etwas ande­res behaup­ten): Das Fest­spiel­haus ist nicht ein­ge­zäunt gewe­sen. Ledig­lich die BÜh­nen­ein­gän­ge waren davon betrof­fen. Und natür­lich war das „Sicher­heits­kon­zept“, wie das heu­te so schön heißt, noch zu spü­ren. Von Kon­zept kann man aller­dings kaum spre­chen. Gut, der Sicher­heits­dienst wach­te ziem­lich genau dar­über, dass nur Men­schen mit jewei­li­ger Tages­ein­tritts­kar­te Zugang zum Gebäu­de hat­ten. Die erhöh­te Poli­zei­prä­senz (da war sie ja schon immer, sie hat ja sogar eine eige­ne tem­po­rä­re Wache in unmit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft) war aber in mei­nen Augen eher Augen­wi­sche­rei. An jedem Abend funk­tio­nier­te das näm­lich anders: Manch­mal stan­den an den Auf­gän­gen zwei oder drei Poli­zis­ten und schau­ten, manch­mal waren am über­dach­ten Gang vor dem Kar­ten­bü­ro noch ein­zel­ne Pos­ten auf­ge­stellt, manch­mal hat­ten sie Schutz­wes­ten, manch­mal nicht, bei der Göt­ter­däm­me­rung kon­trol­lier­ten sie plötz­lich (ohne dass es, nach ihrer Aus­sa­ge, einen spe­zi­el­len Anlass gab) auch alle Hand­ta­schen der Damen am Beginn des Fes­ti­val­ge­län­des – mir scheint, die Stren­ge der Kon­trol­le unter­schied sich vor allem nach dienst­ha­ben­der Poli­zei­füh­rungs­kraft erheb­lich. Aber sei’s drum, ein Gutes hat­te das gan­ze Bohei auf jeden Fall: Erst­mals gab es eine Gepäck­auf­be­wah­rung, bei der man bequem sei­ne Tasche mit Ver­pfle­gung für die lan­gen Aben­de depo­nie­ren konn­te …

Ach ja, die Sitz­plät­ze in Bay­reuth. Ich war durch­weg im Bal­kon. Für den Ring hat­te ich Kar­ten in der fünf­ten Rei­he – die Bay­reuth-Ken­ner wis­sen, dass das kei­ne nor­ma­len Sitz­plät­ze mehr sind, son­dern in Nischen nach hin­ten ver­steck­ten Sit­ze. Da wird es schön warm und sti­ckig und die eigent­lich aus­ge­zeich­ne­te Akus­tik des Fest­spiel­hau­ses wird doch auch etwas gedämpft, mit etwas Pech hat man auch noch eine Säu­le im Blick­feld. Zum Glück konn­te ich aber für Sieg­fried und Göt­ter­däm­me­rung eini­ge Rei­hen nach vor­ne rücken, weil Plät­ze frei blie­ben – das war eine deut­li­che Ver­bes­se­rung der Akus­tik und des Kom­forts. Das lässt sich Bay­reuth aber auch immer gut bezah­len, denn es gibt zwar bil­li­ge Plät­ze, aber sowie Sicht und Akus­tik etwas bes­ser wer­den, stei­gen die Prei­se sehr schnell recht steil nach oben. Und für den Ring braucht man eben immer gleich vier Kar­ten …

(Und natür­lich habe ich wie­der mal kei­ne Fotos gemacht …)

Ins Netz gegangen (27.7.)

Ins Netz gegan­gen am 27.7.:

  • Wozu Gen­der Stu­dies? » For­schung & Leh­re – ein klu­ger essay des main­zer sozio­lo­gen ste­fan hirschau­er über die lage und not­wen­dig­keit der gen­der stu­dies, der gegen „sepa­ra­tis­mus“ und abschlie­ßung, aber unbe­dingt für die not­wen­dig­keit der gen­der stu­dies argu­men­tiert
  • Zur Erin­ne­rung an Ulrich Zie­ger | Hundertvierzehn.de – »Der Lun­gen­fisch spricht aus der Tie­fe« – der Fischer-Blog 114 erin­nert mit den spä­ten Gedicht „Gesöff“ an den ver­stor­be­nen Ulrich Zie­ger
  • Moni­ka Rinck: Sie wir­belt das Den­ken auf | ZEIT ONLINE – sehr schö­ne wür­di­gung der groß­ar­ti­gen moni­ka rinck von tobi­as lehm­kuhl (anläss­lich (wobei das aber ein biss­chen an den haa­ren her­bei­ge­zo­gen wirkt) der im herbst anste­hen­den ver­lei­hung des kleist-prei­ses an rinck)

    Auch in Rincks Gedich­ten ste­hen immer wie­der schein­bar dis­pa­ra­tes­te Din­ge neben­ein­an­der, die „Daten­la­ge“ ver­kehrt sich da in eine „Gar­ten­tra­ge“, und zum Sel­le­rie wird „Schnitz­ler“ ser­viert. Gesi­cher­te Erkennt­nis­se haben in Rincks Werk kei­nen Platz. Im Gegen­teil, die Welt ver­meint­li­cher Gewiss­hei­ten wird hier skep­tisch beäugt

  • Bay­reu­ther Defi­zi­te: Wahn um Wahn­fried – NZZ Büh­ne – udo berm­bach rech­net unbarm­her­zig mit dem bay­reu­ther klein­mü­tig­kei­ten rund um wag­ners erbe ab

Richard Wagner redivivus

Viel­leicht ist es ein Natur­ge­setz, daß Leu­te die Richard Wag­ner nicht mögen, nur mit Leu­ten bekannt wer­den, die gleich­falls Richard Wag­ner nicht mögen. Ich ver­ste­he nichts von Musik, ich höre sie nur gern, auch habe ich nie­mals Nietz­sche gele­sen, aber ich kann mir ein­fach nicht vor­stel­len, daß man die Musik Wag­ners liebt. […] Hun­der­te von Men­schen, von jun­gen Men­schen beson­ders, haben mir das glei­che gesagt: daß sie die­se Musik als irgend­wo und irgend­wie falsch emp­fän­den, als pene­trant unfromm (ohne daß sie dabei frei und heid­nisch wäre), als ein­fach ver­däch­tig. […] Las­sen wir Wag­ner denen, die ihr natio­na­les Res­sen­ti­ment an dem Blech­pa­thos des »Ehrt Eure deut­schen Meis­ter« auf­fr­si­chen müs­sen (weil das ja ein­fa­cher ist, als die jun­gen deut­schen Meis­ter von Hin­de­mith bis Orff ver­ste­hen zu ler­nen).Alfred Andersch, Richard Wag­ner redi­vi­vus? (1947) [In: Alfred Andersch: Gesam­mel­te Wer­ke in zehn Bän­den. Band 8: Essay­is­ti­sche Schrif­ten I. Zürich: Dio­ge­nes 2004, S. 68ff.]

Grundwiderwärtige Erscheinung

Goe­the hät­te Wag­ner als grund­wi­der­wär­ti­ge Erschei­nung emp­fin­den müs­sen. Frei­lich war er gro­ßen Tat­sa­chen und Wir­kun­gen gegen­über mora­lisch sehr tole­rant und zuwei­len fra­ge ich mich, ob er nicht geant­wor­tet hät­te: „Der Mann ist euch zu groß.“ Aber das wäre eine Sache. Die Deut­schen soll­te man vor die Ent­schei­dung stel­len: Goe­the oder Wag­ner. Bei­des zusam­men geht nicht. Aber ich fürch­te, sie wür­den „Wag­ner“ sagen. Oder doch viel­leicht nicht? Soll­te nicht doch viel­leicht jeder Deut­sche im Grun­de sei­nes Her­zens wis­sen, daß Goe­the ein unver­gleich­lich ver­eh­rungs- und ver­trau­ens­wür­di­ge­rer Füh­rer und Natio­nal­held ist als die­ser schnup­fen­de Gnom aus Sach­sen mit dem Bom­ben­ta­lent und dem schä­bi­gen Cha­rak­ter?

Tho­mas Mann an Juli­us Bab, 14.9.1911

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  • Mau­ert Luther nicht ein! – DIE WELT – Der His­to­rik Heinz Schil­ling ist mit den bis­he­ri­gen Vor­be­rei­tun­gen des Refor­ma­ti­ons-Jubi­lä­ums 2017 nicht so ganz zufrie­den …

    Die Kluft zwi­schen gegen­warts­ori­en­tier­tem Ver­kün­di­gungs­be­geh­ren und Ver­lan­gen nach his­to­ri­scher wie bio­gra­fi­scher Tie­fen­boh­rung ist zu über­brü­cken, will das Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um nicht unter das hohe Niveau der auf das 20. Jahr­hun­dert bezo­ge­nen Gedenk­kul­tur unse­res Lan­des zurück­fal­len. Es geht um die eben­so simp­le wie fol­gen­rei­che Fra­ge, wie viel Wis­sen­schaft das Refor­ma­ti­ons­ju­bi­lä­um braucht und wie viel Wis­sen­schaft es ver­trägt. Denn nur auf einer soli­den his­to­ri­schen Basis ist eine nach­hal­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit dem „pro­tes­tan­ti­schen Erbe“ in der euro­päi­schen Neu­zeit und glo­ba­len Moder­ne mög­lich.

  • „Es muss ja nicht alles von mir sein“ – DIE WELT – Lite­ra­tur – Frank Kas­par besucht Moni­ka Rinck und lässt sich von ihr erklä­ren und zei­gen, wie man heu­te Gedich­te schreibt, ohne pein­lich und ner­vend zu sein (was ihn anschei­nend ziem­lich über­rascht, dass das geht …):

    Wer in Moni­ka Rincks Tex­te ein­taucht, dem schwirrt bald der Kopf vor lau­ter Stim­men und Spra­chen, die dort frei zusam­men­schie­ßen. Deutsch, Eng­lisch, Fran­zö­sisch, Ita­lie­nisch und Pfäl­zisch, inne­re tref­fen auf äuße­re Stim­men, rhyth­misch Aus­ge­feil­tes auf bewusst gesetz­te Brü­che, Sprün­ge, Aus­ru­fe: Ha! Ach so! Hoho­ho! Die „Gischt der wirk­li­chen gespro­che­nen Spra­che“, die Wal­ter Ben­ja­min an Alfred Döb­lins Mon­ta­ge-Roman „Ber­lin Alex­an­der­platz“ so begeis­tert hat, gur­gelt zwi­schen den Zei­len und macht das Gewe­be leben­dig und beweg­lich.

  • Emme­rich Joseph von Breid­bach zu Bür­res­heim: Vor­kämp­fer der katho­li­schen Auf­klä­rung – FAZ -

    Emme­rich Joseph von Breid­bach zu Bür­res­heim, auch bekannt unter dem Spitz­na­men „Breit­fass von Schüt­tes­heim“ – angeb­lich trank er zu jeder Mahl­zeit sechs Maß Rhein­wein. Emme­rich galt als offen­her­zig und volks­nah, obwohl sei­ne Ansich­ten so gar nicht in Ein­klang mit dem wun­der­gläu­bi­gen Barock-Katho­li­zis­mus der kon­ser­va­ti­ven Land­be­völ­ke­rung stan­den. Er las Vol­taire und Dide­rot, wur­de schließ­lich zum bedeu­tends­ten Herr­scher der katho­li­schen Auf­klä­rung. Beson­ders sei­ne Schul­re­form wirk­te nach­hal­tig. Letzt­lich schuf die Ratio­na­li­sie­rung des Kur­main­zer Aus­bil­dungs­sys­tems die Grund­la­ge für die Revo­lu­ti­on in der Dom­stadt.

    Dass die Main­zer den Wein lie­ben, ist also nichts Neu­es …

  • Lebens­mit­tel­spe­ku­la­ti­on in der Frü­hen Neu­zeit – Wie Wet­ter, Grund­herr­schaft und Getrei­de­prei­se zusam­men­hin­gen | Die Welt der Habs­bur­ger – Nah­rungs­mit­tel­spe­ku­la­ti­on ist kei­ne Erfin­dung und auch nicht nur ein Pro­blem des 21. Jahr­hun­derts – wer hät­te es gedacht .…:

    Die Preis­stei­ge­run­gen waren jedoch nicht nur auf Wet­ter­ka­prio­len zurück­zu­füh­ren, auch das Ver­hal­ten der welt­li­chen und kirch­li­chen Grund­her­ren trug maß­geb­lich zum Anstieg der Getrei­de­prei­se bei.

  • »Wie ein Rausch« | Jüdi­sche All­ge­mei­ne – Ein Inter­view mit dem Kla­vier­duo Tal & Groe­thuy­sen über Wag­ner, Alfred Pringsheim und Isra­el:

    Dar­in liegt auch die Leis­tung des Bear­bei­ters. Er steht ja stän­dig vor gro­ßen Fra­gen: Wie tei­le ich das auf? Wie kann ich mög­lichst viel vom Ori­gi­nal unter­brin­gen, sodass es plas­tisch ist, aber nicht über­la­den? Aber auch pia­nis­tisch rea­li­sier­bar? Und es hat sich her­aus­ge­stellt, dass Alfred Pringsheim, der eigent­lich Auto­di­dakt war, mit die inter­es­san­tes­ten und auch pia­nis­tischs­ten Lösun­gen gefun­den hat.

    Schön auch der Schluss­satz: „Und was Wag­ner angeht, sind wir jetzt wie­der für eine Wei­le bedient.“ – ich glau­be, das gilt nach die­sem Jahr für alle …

  • Adress­comp­toir: Auf der Suche nach Grill­par­zer – Hein­rich Lau­be irrt durch Wien:

    Grill­par­zer, wo bin ich über­all hin­ge­ra­then, um Dich zu finden!—erster Hof, zwei­te Stie­ge, drit­ter Stock, vier­te Thür! Es wir­beln mir noch die Beschrei­bun­gen im Kop­fe. Nach einer vor­mit­täg­li­chen Such­jagd stand ich end­lich in einer schma­len, öden Gas­se vor einem gro­ßen schweig­sa­men Hau­se

    Grill­par­zers über­ra­schend beschei­de­ne Woh­nung kann man übri­gens im städ­ti­schen Wien-Muse­um besich­ti­gen.

Ins Netz gegangen (27.5.)

Ins Netz gegan­gen (25.5. – 27.5.):

  • 08. Michon und die Fak­ti­zi­tät des Fik­tio­na­len | Geschich­te wird gemacht – Achim Land­wehr denkt über die Fak­ti­zi­tät des Fik­tio­na­len nach – und über das „Pro­blem“ der Tren­nung die­ser bei­den Berei­che:

    Die Wahr­heit der Fik­ti­on ist abso­lut. Ein sol­cher Grad an Wirk­lich­keits­ver­dich­tung lässt sich nicht ein­mal in der tota­li­tärs­ten aller Dik­ta­tu­ren errei­chen. … Die Fra­ge danach, wer oder was denn nun Geschich­te macht, lässt sich erwar­tungs­ge­mäß auch nicht mit Blick auf die Fik­ti­on letzt­gül­tig beant­wor­ten. Aber wie auch immer die Ant­wort aus­fal­len soll­te, die fik­ti­ven Geschich­ten und Figu­ren dür­fen dabei nicht ver­ges­sen wer­den.

    Inter­es­sant wird es dann, wenn die unter­schied­li­chen Sphä­ren der Wirk­lich­keit, die fak­ti­schen und die fik­tio­na­len, mit­ein­an­der in Kon­takt tre­ten und sich über­schnei­den. Denn die Fik­tio­nen sind bestän­dig dabei, unse­re Wirk­lich­keit zu ver­än­dern und zu infi­zie­ren: Nicht nur kommt die nicht-fik­tio­na­le Welt in der fik­tio­na­len vor, eben­so wer­den fik­tio­na­le Deu­tungs­an­ge­bo­te in unse­re außer­fik­tio­na­len Lebens- und Welt­ent­wür­fe impor­tiert.

  • Lie­be in Wag­ners Opern: Was weiß Brünn­hil­de? | ZEIT ONLINE – Sla­voj Zizek zu Wag­ners Opern, mit einer inter­es­san­ten Theo­rie (bei der ich mir nicht sicher bin, ob sie nicht doch eini­ges zu viel außen vor lässt, um stim­mig sein zu kön­nen …):

    So para­dox dies klin­gen mag, soll­te man folg­lich die übli­che Sicht­wei­se, beim Ring hand­le es sich um ein Epos des heroi­schen Hei­den­tums (da sei­ne Göt­ter nor­disch-heid­ni­sche sind), wäh­rend der Par­si­fal für Wag­ners Chris­tia­ni­sie­rung stün­de, für sei­nen Knie­fall vorm Kreuz (um mit Nietz­sche zu spre­chen), umkeh­ren: Es ist viel­mehr der Ring, in dem Wag­ner dem christ­li­chen Glau­ben am nächs­ten kommt, wäh­rend Par­si­fal, höchst unchrist­lich, eine obs­zö­ne Rück­über­set­zung des Chris­ten­tums in das heid­ni­sche Ritu­al einer zykli­schen Erneue­rung der Frucht­bar­keit durch die Wie­der­erlan­gung des Königs insze­niert. Oft wird der – viel­leicht ja all­zu offen­sicht­li­che – Umstand über­se­hen, dass Wag­ners Ring das ulti­ma­ti­ve pau­li­ni­sche Kunst­werk dar­stellt: Sein zen­tra­les The­ma ist das Schei­tern der Herr­schaft des Geset­zes; und die Ver­la­ge­rung, die die inne­re Spann­wei­te des Rings am bes­ten zum Aus­druck bringt, ist die Ver­la­ge­rung vom Gesetz auf die Lie­be.

    Gegen Ende der Göt­ter­däm­me­rung geschieht mit­hin Fol­gen­des: Wag­ner über­win­det sei­ne eige­ne, „heidnisch“-feuerbachsche Ideo­lo­gie der (hetero-)sexuellen Paa­res­lie­be als des Para­dig­mas der Lie­be. Brünn­hil­des letz­te Ver­wand­lung ist die von Eros zu Aga­pe, von der ero­ti­schen Lie­be zur poli­ti­schen Lie­be. Der Eros kann das Gesetz nicht wirk­lich über­win­den: Er kann ledig­lich in punk­tu­el­ler Hef­tig­keit ent­flam­men, als die momen­ta­ne Über­schrei­tung des Geset­zes, Sieg­munds und Sieg­lin­des Feu­er gleich, das sich sofort selbst ver­zehrt. Aga­pe hin­ge­gen ist das, was bleibt, nach­dem wir die Kon­se­quen­zen aus dem Schei­tern des Eros gezo­gen haben.

Ins Netz gegangen (18.5.)

Ins Netz gegan­gen (18.5.):

  • Ein Gespräch mit dem Diri­gen­ten Tho­mas Hen­gel­b­rock: Anders gespielt, neu gehört – Richard Wag­ner Nach­rich­ten – NZZ.ch -

    Letzt­lich ist Har­non­court der Diri­gent, der im 20. Jahr­hun­dert die gröss­ten Impul­se gesetzt hat.

    Schö­ner Schluss­satz im Inter­view mit Tho­mas Hen­gel­b­rock, in dem es eigent­lich um etwas ganz ande­res geht: um Instru­men­ta­tio­na, Tem­po und Klang bei Wag­ner, v.a. im „Par­si­fal“:

    Ich habe Wag­ners Anwei­sun­gen befolgt. Wenn Sie lesen, was er zur Auf­füh­rung sei­ner Wer­ke geschrie­ben hat, kön­nen Sie gar nicht anders als zur Erkennt­nis kom­men, dass der Text deut­lich und klar zu hören sein muss, sonst ver­fehlt man ein­fach den Sinn. […] Ich fin­de die Klang­ge­stalt beim «Par­si­fal» ganz ent­schei­dend. Sie macht das Werk gera­de­zu aus, sie hat sym­bo­li­schen, ja meta­phy­si­schen Cha­rak­ter. Wenn zum Bei­spiel die alten Holz­flö­ten mit ihrem azur­blau­en Klang ver­wen­det wer­den, dann ergibt sich für mich die­se meta­phy­si­sche Ver­bin­dung zum Him­mel; mit der moder­nen Metall­flö­te geht das nicht. Auch die­se dunk­le, war­me, sanf­te Far­be der Blech­blä­ser – das war auch für mich eine Über­ra­schung.

  • Prof. Dr. Dun­kel­mun­kel: Ist die Zeit reif für Gruf­ti-Profs? – cspan­nagel, dun­kel­mun­kel & fri­ends (via Published artic­les)
  • Lyrik als Form für die Gegen­wart – Digital/​Pausen – Hans Ulrich Gum­brecht erklärt die Fas­zi­na­ti­on der Gegen­wart an der Lyrik bzw. lyri­schen For­men – und fängt dafür, wie immer weit aus­ho­lend, in der Anti­ke an. Aber ent­schei­dend ist dann doch nur der letz­te Absatz:

    Wer die Zeit auf­bringt, sich auf einen—sprachlich ja meist kom­ple­xen – lyri­schen Text zu kon­zen­trie­ren, der unter­bricht die heu­te eben­so end­los wie ziel­los ver­lau­fen­de Zeit­lich­keit des All­tags. Und ein sol­cher Ansatz zur Auf­merk­sam­keit wird beim Lesen oder Rezi­tie­ren eines Gedichts zu jener ande­ren, sozu­sa­gen archai­schen Auf­merk­sam­keit, wel­che zum Aus­set­zen der flie­ßen­den Zeit führt und zum Her­auf­be­schwö­ren von vor­her abwe­sen­den Din­gen und Stim­mun­gen. Lyrik als Form ist eine Signa­tur unse­rer Gegen­wart, weii sie für Momen­te das erhält und an das erin­nert, was die­ser Gegen­wart am meis­ten fehlt, näm­lich Form, Ruhe, Kon­zen­tra­ti­on und wohl auch Gelas­sen­heit

  • Schnäpp­chen­rei­se in die Tür­kei: Lan­des­ty­pi­sche Geträn­ke sind im Preis inbe­grif­fen – FAZ – Tho­mas Stein­mark war für die FAZ eine Woche in der Tür­kei für den Preis von 199 Euro – und kommt mit einem schö­nen Fazit zurück:

    … wer sich die öko­no­mi­schen Bedingt­hei­ten die­ser Art von Rei­sen bewusst macht und die­se zu akzep­tie­ren bereit ist, wer sich stark genug fühlt, den oft­mals mas­siv vor­ge­tra­ge­nen Ver­kaufs­an­ge­bo­ten erfolg­reich Wider­stand zu leis­ten, der wird am Ende nicht ent­täuscht sein.

  • Das Rät­sel Mer­kel – Da hat Micha­el Spreng lei­der recht:

    Mer­kel ist eine Macht­tech­ni­ke­rin mit schwa­chem idea­lis­ti­schen Hin­ter­grund. Sie ist kei­ne Gestal­te­rin, außer der Gestal­tung ihrer poli­ti­schen Kar­rie­re und ihrer Macht. Sie macht sich – zumin­dest öffent­lich – kei­ne Gedan­ken über Deutsch­land in zehn Jah­ren.

    Ihm selbst scheint wie mir auch eher unbe­greif­lich, war­um sie deshalb/​trotzdem so beliebt ist und immer wie­der gewählt wird …

  • Flur­na­men­at­las-Blog – Der Flur­na­men­at­las Baden-Würt­tem­bergs (?) bloggt auf tumb­lr

Taglied 27.5.2012

Weil ich mir heu­te in der Digi­tal­con­cert­hall die beein­dru­cken­de kon­zer­tan­te Auf­füh­rung der „Wal­kü­re“ der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker angesehen/​angehört habe:


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