m mal sechs. oder: marathondouble im mai.

Lau­ter M’s

Ich weiß ja gar nicht, wo ich jetzt begin­nen soll. Das Wochen­ende war ziem­lich ereig­nis– & erleb­nis­reich.
Also, fan­gen wir vorne an: Irgend­wann im Herbst, nach­dem ich mich schon für die Jubi­lä­ums­aus­gabe des Gutenberg-Marathons ange­mel­det hatte, stol­perte ich dar­über, dass der Mannheim-Marathon die­ses Jahr am Abend vor­her statt­fin­den sollte. Und das ließ mich nicht mehr los – immer mehr kris­tal­li­sierte sich die Idee her­aus, beide auf ein­mal zu lau­fen. Irgend­wann war ich dann soweit und habe mich auch für Mann­heim ange­mel­det. Jetzt hieß es also flei­ßig trai­nie­ren. Dazu habe ich dem Vicsys­tem ein­fach mal vor­ge­schwin­delt, ich würde am Sonn­tag einen 84,5 km lan­gen Wett­kampf bestrei­ten wol­len. Ent­spre­chend ent­wi­ckelte sich das Trai­ning: Die lan­gen Läufe wur­den län­ger – ich bin bis ca. 43,5 km (dann aber mit 1100 Höhen­me­tern) gelau­fen -, die Inter­valle auch. das Wett­kampf­spe­zi­fi­sche Tempo sank in den Kel­ler, bis es sich bei unge­fähr 5:13 min/km ein­pen­delte. (Da zeigte sich übri­gend mei­ner Mei­nung nach auch ein Schwachs­punkt im Vicsys­tem – die Ein­hei­ten im wett­kampf­spe­zi­fi­schen Tempo waren, auf­grund des „gemüt­li­chen“ Tem­pos, eigent­lich nicht for­dernd genug: also bin die ein­fach erheb­lich län­ger gelau­fen. Aber darum geht es hier ja nicht.) So nach und nach kon­kre­ti­sier­ten sich dann auch die Ziele: zwei­mal 3:45 nahm ich mir für die Mara­thons vor. Das schien mög­lich – auch wenn ich immer wie­der hef­tige Zwei­fel hatte, schließ­lich bin ich noch nie vor­her so dicht hin­ter­ein­an­der Mara­thons gelau­fen. Nach­dem letz­ten lan­gen Lauf über 43 km (mit den besag­ten 1100 Höhen­me­tern) in 3:43 wuchs die Zuver­sicht, das mein Ziel zu schaf­fen sei, aber doch immer mehr.
Am Sams­tag also wurde es ernst. Ich habe noch kurz bei Elke und Cor­ne­lius vor­bei­ge­schaut, dort Mathias getrof­fen, schnell noch ein paar Nudeln gefut­tert (lecker war das!), ein wenig geplau­dert, und dann musste ich aber auch schon zum Bahn­hof. Der Zug hatte natür­lich gleich mal leichte Ver­spä­tung, was meine Ner­vo­si­tät noch etwas stei­gerte – schließ­lich sollte ich sowieso nur eine Stunde vor Start in Mann­heim ankom­men. Und ich hatte keine Ahnung, wo und wie das dort so ablief … Es war dann aber alles über­haupt kein Pro­blem: Die Start­un­ter­la­gen waren sofort parat, das Umzie­hen ging schnell, den Klei­der­beu­tel abge­ge­ben und mich noch ein­mal in die sehr lange Schlange für die Toi­let­ten ein­ge­reiht (davon, näm­lich von den Toi­let­ten, gab es irgend­wie nicht so sehr viele). Dann gemüt­lich wie­der raus, zur Start­auf­stel­lung getrot­tet. Die war aus­ge­spro­chen chao­tisch – trotz der Block­ein­tei­lung stellte sich so ziem­lich jeder hin, wo er wollte. Nicht gerade sehr prak­tisch war auch, dass man zu den hin­te­ren Blö­cken prak­tisch durch die gesamte Auf­stel­lung durch musste. Ich hatte natür­lich ver­ges­sen, mich umzu­schrei­ben – mit mei­ner PB von 3:00:33 war ich im ers­ten Block – immer­hin stand ich ganz hin­ten. Und musste trotz­dem noch sehr viel über­ho­len auf den ers­ten Kilo­me­tern.
Der Start war super pünkt­lich – über­haupt lief die Orga­ni­sa­tion eigent­lich wie am Schnür­chen. Dann ging es also auf die Stre­cke. Für die – in die­sem Jahr stark über­ar­bei­tet – fällt mir eigent­lich nur ein Wort ein: Öd. Schon nach sehr kur­zer Zeit waren wir am Stadt­rand, im Wohn­ge­biet, wo wir dann lange blie­ben. Und da war kaum was los. Über­haupt die Stim­mung – ziem­lich zurück­hal­tend, die Mann­hei­mer. Nir­gendswo gab es Action, nir­gendwo Live-Musik oder so. Mit eini­gen Schlei­fen kamen wir dann irgend­wann, so nach ca. 20 Kilo­me­ter, wie­der in die Nähe des Rosen­gar­tens und mach­ten uns jetzt auf durch die Qua­drate, die­ses Mann­hei­mer Spe­zi­fi­kum der städ­te­bau­li­chen Pla­nung. Da war immer­hin etwas Publi­kum an der Stre­cke. Und dort ver­lie­ßen uns dann auch die Halb­ma­ra­tho­nis. Das heißt, die Stre­cke wurde – end­lich – sehr leer. Knapp 1300 Star­ter gab es für den Mara­thon (bei ca. 10.000 Läu­fern), dazu noch einige Vierer-Staffeln (die per­ma­nente Unruhe ins Feld brach­ten, weil sie nicht gerade sehr schnell waren – selbst auf dem letz­ten Vier­tel musste ich, mit einer ange­streb­ten Ziel­zeit von 3:45, die noch stän­dig über­ho­len oder über­ho­len las­sen. Also, nach den Qua­dra­ten wurde es dann aber erst so rich­tig lus­tig. Dann kam näm­lich die Kurt-Schumacher-Brücke. Natür­lich kom­plett leer, dafür kilo­me­ter­lange Ödnis über Hafen etc. Dort pas­sierte ich auch die Halb­ma­ra­thon­marke bei 1:51:05 – also eigent­lich etwas zu schnell. Aber mir ging’s noch so gut, dass ich kaum Tempo raus­nahm. Nach der Brü­cke kam dann Lud­wigs­ha­fen. Auch nicht viel bes­ser. Die meis­ten Städte neh­men einen Mara­thon ja zum Anlass, eine Party zu fei­ern. Nicht so hier. Es scheint nie­man­den zu inter­es­sie­ren. Also wei­ter eine große Runde gedreht und schon die Rück­kehr auf die Brü­cke erwar­tet – bei ca. km 36–37 geht es da wie­der rauf. Das ist dann ziem­lich fies, an so einer Stelle nach einem ziem­lich fla­chen Kurs einen recht kna­ckig erschei­nen­den Anstieg ein­zu­bauen. Da ich ja bei wei­tem nicht am Anschlag lief, musste ich hier natür­lich etwas ange­ben und flei­ßig über­ho­len – die Ober­schen­kel haben es etwas gemerkt. Auf der ande­ren Seite, zurück in Baden-Würtemmberg, rückte das Ziel dann schon sehr schnell näher. Noch ein paar Haken durch die Qua­drate und ruck­zuck war der Rosen­gar­ten mit Was­ser­turm wie­der in Sicht­weite. Die­ses Mal wur­den wir von hin­ten durch das Start­tor geführt. Bei 3:41:51 war ich über der Linie. Und mit die­ser grot­ti­gen Zeit habe ich noch Platz 36 in mei­ner AK. Aber der gesamte Mara­thon war sehr lang­sam – der Sie­ger ist bei 2:30 her­ein­ge­kom­men. Viel­leicht lag es ja am Wet­ter, das wohl nicht zum ers­ten Mal in Mann­heim extrem schwül und schweiß­trei­bend war. Aber wahr­schein­lich sind die guten Läu­fer ein­fahc alle an ande­ren Orten unter­wegs gewe­sen. Die Schwüle ließ mich immer­hin ab Kilo­me­ter 10 jede Ver­pfle­gungs­stelle ansteu­ern – die waren gut bestückt und vor­bild­lich aus­ge­schil­dert. Net­ter­weise gab es auch die prak­ti­schen Caps-Beutel, die konnte man gut im Lau­fen trin­ken – bes­ser als Becher mit dem Elektrolyt-Zeug, das gibt immer schöne Schwei­ne­rei.
Nach dem Lauf dann direkt hin­ter der Ziel­li­nie abge­bo­gen zur Ver­pfle­gung und fast die Medaille ver­ges­sen (wäre nicht schade drum gewe­sen, ist ziem­lich pop­lig), weil die Aus­tei­ler gna­den­los unter­be­setzt waren. Die Ver­pfle­gung war wie­der schön reich­hal­tig, nur der Bereich arg eng für die vie­len Läu­fer. Also deckte ich mich ordent­lich ein – ein hal­ber Hefe­zopf, Banane, Elek­tro­lyte noch ein­mal (obwohl ich das Zeug inzwi­schen kaum noch schme­cken konnte) und Was­ser und ver­zog mich. Die Duschen waren etwas abge­le­gen, dafür aber immer­hin reich­lich und warm. Dann trot­tete ich also wie­der zum Bahn­hof, wo ich noch etwas Zeit zum Aus­ru­hen hatte, bevor ich in den ICE stieg, der mich über Frank­furt nach Mainz beför­derte. Da war ich dann um 1:00 Uhr und ver­k­rock mich bald ins Bett – nicht ohne den Wecker zu stell­len.
Der klin­gelte am Sonn­tag um acht.
Bröt­chen, hal­ben Becher Tee – anzie­hen und schon auf den Weg zum nächs­ten Mara­thon. Tref­fen mit Lars und Mathias, Toi­let­ten­be­such – bei leich­tem Durch­fall sehr not­wen­dig – un in die Start­auf­stel­lung, wo sich ein Ord­ner ver­zwei­felt bemühte, auch nur die rein­zu­las­sen, die in den ers­ten Block gehör­ten. Ange­sichts der unver­fro­renn Frech­heit so eini­ger „Sport­ler“ hatte er nur mäßi­gen Erfolg. Und schon war wie­der Start – auf ging’s. Ich lief zusam­men mit Lars, der auch unge­fähr eine 3:45 anpeilte. Der erste Kilo­me­ter etwas holp­rig, die Ober­schen­kel vor allem noch leicht steif.
Die wur­den aber schnell wei­cher und es lief wie­der rund. Recht zügig haben wir uns dann nach dem anfäng­li­chen Chaos auf der Stre­cke auch auf Tempo gebracht. Die Runde war uns ja bekannt: Durch das Schott­wer nach Mom­bach, das sich wie­der ein­mal in Par­ty­laune prä­sen­tierte, über die Neu­stadt an der Chris­tus­kir­che vor­bei zum Guten­berg­platz und dann durch die Augus­ti­ner­straße auf die Rhein­straße, die uns wei­ter­führt die schöne Wen­de­punkt­stre­cke nach Wei­senau hin­aus. Noch lief es aus­ge­spro­chen präch­tig – klar, ganz frisch und lcoker war ich nicht, aber beson­dere Mühe hatte ich auch nicht. Auf dem Rück­weg Rich­tung Start/Ziel an der Rhein­gold­halle ver­lor ich Lars dann auf ein­mal und ziem­lich schnell. Er hatte vor­her schon gemerkt, dass unser Tempo ihm wohl etwas zügig war. Ich wollte aber wenigs­tens sehen, wie weit ich damit komme und nicht hier schon lang­sa­mer wer­den – das würde shcon noch von selbst kom­men. Und es kam auch. Nach der Halb­ma­ra­thon­marke (1:53:38) ging es über die Theodor-Heuss-Brücke nach Kost­heim. Und das wurde lang­sam anstren­gend. Hier kam auch noch fri­scher Wind auf, der mich gerade nicht beson­ders erfreute … Die Schleife durch Kost­heim mit den unzäh­li­gen pri­va­ten Ver­sor­gungs­sta­tio­nen – das ist echt klasse, dass die Anwoh­ner das alles auf die Beine stel­len — ging es auch schon wie­der zurück über die Brü­cke – mit zuneh­mend schwe­ren Bei­nen. Aber die 30 rückte näher. Doch das Tempo sank, die Moral schwand, die Kilo­me­ter 32/33 waren lang­sam, viel zu lang­sam. Noch gab ich aber nicht auf … Im Mom­ba­cher Indus­trie­ge­biet, bei der Was­ser­stelle von Coca-Cola, griff ich dann doch zum „Doping“ und schmiss ein Ham­mer­gel (Espresso, mit Kof­fein gegen die Schmer­zen …) ein. Das begann glück­li­cher­weise ziem­lich bald zu wir­ken. Und zwar recht deut­lich (viel­leicht des­halb, weil ich ewig nichts mehr esse und nur pures Was­ser trinke bei mei­nen Trai­nings­läu­fen). Im Mom­bach wur­den die Kilo­me­ter dann wie­der kür­zer … Und in der Neu­stadt ging es mir noch rich­tig gut. Ich sam­melte noch so einige Läu­fer ein. Ruck­zuck waren wir dann auch schon auf der Blei­che, wo mich mein Mit­be­woh­ner mit Foto­ap­pa­rat emp­fing. Der Umbach mit sei­ner mini­ma­len Stei­gung machte sich noch­mal unan­ge­nehm bemerk­bar. Aber jetzt konnte mich nichts mehr stop­pen – die paar Kilo­me­ter waren jetzt auch noch mög­lich. Und sogar ein klei­ner Schluss­sprint gelang mir noch, nach­dem ich mich von Mathias, der sei­nen Halb­ma­ra­thon hin­ter sich hatte, anfeu­ern ließ. Dies­mal stoppte die Uhr im Ziel bei 3:44:15 – und damit war das Ziel der zwei Mara­thons mit 3:45 sogaro noch unter­bo­ten. Jetzt bin ich aller­dings auch ziem­lich fer­tig – der Weg heim war eine rechte Qual, vor allem die Trep­pen in den vier­ten Stock hoch …
Was ler­nen wir also dar­aus: Mög­lich ist viel – mit kon­se­quen­ter Vor­be­rei­tung. Stadt-Marathons werde ich nicht mehr viele lau­fen – im Trai­ning geht’s schö­ner im Wald und Wie­sen. Mann­heim lan­det auf mei­ner Never-again-Liste – zwar ganz ordent­lich orga­ni­siert, aber die Stre­cke ist ein­fach viel zu fad.

So sehen die Tem­po­kur­ven aus:
mannheim-marathon 2009: tempo/distanz — man sieht sehr schön die Anstiege auf die Brücke

und Mainz, etwas unru­hi­ger, mit dem Tief bei 32/33: gutenberg-marathon 2009 tempo/distanz

und hier noch einige bil­der von den bei­den läu­fen: