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Schlagwort: tour

Heimfahrt mit dem Rad: 300 Kilometer, 2100 Höhenmeter

Die Idee trieb mich schon län­ger um: Wäre es nicht mög­lich, von Regens­burg in die Hei­mat, also nach Erbach im Oden­wald, an einem Tag mit dem Fahr­rad zu fah­ren? Ers­te Test mit Komoot und BRou­ter erga­ben: Das sind unge­fähr 300 Kilo­me­ter. Das soll­te doch mach­bar sein! Mei­ne längs­te Tages­stre­cke bis­her war 240 Kilo­me­ter lang – und von da bis 300 Kilo­me­ter sind es ja nur noch ein Katzensprung …

Also habe ich das mal ins Auge gefasst und ange­fan­gen, eine Rou­te aus­zu­ar­bei­ten. Wie bei lan­gen Stre­cken­tou­ren habe ich die Rou­te zunächst mit Bik­e­rou­ter (also BRou­ter-Web) erstellt (mit dem Renn­rad­pro­fil für mini­ma­len Ver­kehr, das hat mir bis­her immer gute Diens­te geleis­tet) und den Track danach in Komoot noch mini­mal bear­bei­tet. Vor allem bei den Orts­durch­fahr­ten, gera­de bei Dör­fern und klei­nen Städ­ten, macht BRou­ter oft etwas unnö­ti­ge Umwe­ge über Sei­ten-/Wohn­stra­ßen, wo ich die direk­te­re Durch­fahrt bevor­zu­ge. Aber viel habe ich nicht geän­dert, bevor die Stre­cke auf mei­nen Gar­min kam. Am Tag zuvor hat­te ich die groß­ar­ti­ge Idee, noch ein­mal alles zu upda­ten – und da hat Gar­min Express wohl Mist gemacht, denn trotz Erfolgs­mel­dung hat­te ich am nächs­ten Tag ein­fach über­haupt kei­ne Kar­te auf dem Gerät (abge­se­hen von der Base­map, die ja über­haupt nicht hilft für irgend­et­was). Das merk­te ich aber natür­lich erst, als ich unter­wegs war – und dann war es zu spät. Also fuhr ich den gan­zen Tag nur mit Brot­kru­men­na­vi­ga­ti­on. Das ging aber übeer­ra­schend gut: Klar, mit Kar­te ist es ange­neh­mer, vor allem an unüber­sicht­li­chen Stel­len und ver­zwick­ten Abzwei­gen. Aber mit nur weni­gen Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen, bei denen mich der Gar­min ja schnell auf die Stre­cken­ab­wei­chung hin­wies, habe ich den Weg auch so gut gefunden.

Dann war nur noch ein geeig­ne­ter Ter­min zu fin­den … Das es im Juni/​Juli sein soll­te, war schnell klar – ich brau­che ja einen lan­gen, hel­len Tag für so eine lan­ge Tour, um mög­lichst wenig mit Licht fah­ren zu müs­sen. Und ein Sams­tag soll­te es wer­den: Da erwar­te­te ich etwas weni­ger Ver­kehr, aber die Läden sind den­noch offen und bie­ten mir ein­fa­che Mög­lich­keit, mich unter­wegs (nach) zu ver­sor­gen, so dass ich nicht immer auf Fried­hö­fe aus­wei­chen muss.

Da ich ja „heim“ fuhr, woll­te ich mit mini­ma­lem Gepäck fah­ren und habe Klei­dung für die nächs­ten Tage per Post vor­aus­ge­schickt. So hat­te ich am Rad nur die klei­ne Sat­tel­ta­sche und eine Ober­rohr­ta­sche für zusätz­li­che Rie­gel und eine Power­bank, denn mein Gar­min (Edge 520 Plus) hält auf kei­nen Fall so lan­ge durch, ich brau­che also Strom, um unter­wegs nach­la­den zu kön­nen. Außer­dem habe ich das Varia-Rück­licht (das ich ja vor allem wegen des Radars habe) um ein klei­ne­res, star­kes Rück­licht ergänzt und ein Front­schein­wer­fer ergänzt, der unten an der Com­pu­ter­hal­tung zum Hän­gen kam.

In gewohn­ter und erprob­ter Manier habe ich dann zwei 0,75-Liter-Flaschen im Rah­men gehabt und eine zusätz­li­che Was­ser­fla­sche glei­cher Grö­ße im Tri­kot. Das Tri­kot trug außer­dem eini­ge Cliff-Bars und zusätz­lich noch etwas Gel-Vor­rat (Ham­mer­gels und Sankt Bern­hard Liquid Ener­gie Pur in den etwas gewöh­nungs­be­dürf­ti­gen Tuben).

Dann ging es also los: Der Wecker klin­gel­te um 4 Uhr, ein kur­zes Früh­stück und ein Becher Tee soll­ten schon noch sein. Die Abfahrt war dann doch erst um 4.45 Uhr und nicht wie ange­peilt 15 Minu­ten frü­her. Das war aber früh genug … Und noch rich­tig frisch drau­ßen, in kur­zer Bib und kur­zem Tri­kot. Auf den ers­ten Kilo­me­tern war ich erst ein­mal allein, nur an der Eisen­bahn­brü­cke Sin­zig arbei­te­te die Nacht­schicht an der Bau­stel­len­ein­rich­tung. Die Rou­ter führ­te mich zunächst ent­spannt von Regens­burg an der Naab ent­lang nach Etterz­hau­sen. Da ging es dann das ers­te Mal spür­bar berg­auf, in Rich­tung Undorf aus dem Naab­tal her­aus und hin­über in das Tal der Laaber. Da blieb ich aber auch nicht lang, son­dern mach­te mich auf in Rich­tung Hemau über Hohen­scham­bach. Da oben, auf der Ebe­ne, wur­de es dann ruck­ar­tig wär­mer: Die Son­ne kam über den Hori­zont und fing an, spür­bar zu wär­men. Vom Son­nen­auf­gang bekam ich aller­dings kaum etwas mit, die Son­ne war ja in mei­nem Rücken, denn mei­ne Rou­te führ­te mich ja nach Wes­ten und Nordwesten.

So peda­lier­te ich also durch die Ober­pfalz, die Orte wach­ten lang­sam auf … Und schon war es Zeit für mei­ne ers­te Pau­se. Mein Plan war, unge­fähr alle 50 Kilo­me­ter eine kur­ze Pau­se ein­zu­le­gen, wenn es sich anbot – um kurz zu ent­span­nen und den Gar­min nach­zu­la­den. Das hat genau ein­mal geklappt, beim ers­ten Mal – die zwei­te Pau­se war dann schon etwas ver­spä­tet, bei etwa 120 Kilo­me­ter. Und danach habe ich den Plan ganz auf­ge­ge­ben und eher nach Gefühl pau­siert. Also dann, wenn es mir zweck­dien­lich erschien oder wenn ich Nach­schub brauch­te. Das hat natür­lich zu ungleich­mä­ßi­gen Pau­sen geführt. Aber sei’s drum, es zwingt mich ja kei­ner zu irgend etwas. Na gut, ich mich selbst. Denn sobald ich wirk­lich unter­wegs war, gab es kaum mehr ein Zurück: Ein Abbre­chen wur­de zuneh­mend schwie­rig, je län­ger ich unter­wegs war. Gut, ich kam am Rand von Nürn­berg vor­bei, da hät­te ich auch zum Bahn­hof fah­ren kön­nen. Aber spä­ter wur­de das zuneh­mend unrea­lis­ti­scher bis unmög­lich, weil kei­ne mach­ba­ren Ver­bin­dun­gen, weder zurück zum Start noch zum Ziel, mehr an der Stre­cke erreich­bar waren. Ich war mir also selbst aus­ge­lie­fert … Zunächst hat­te ich ja auch durch­aus Zwei­fel, ob das so alles klap­pen wür­de: Die Stre­cke selbst war ja län­ger als alles, was ich bis dahin gefah­ren bin. Und kurz vor Schluss kam noch der längs­te und höchs­te Anstieg, der sich lei­der abso­lut nicht anders pla­nen ließ, irgend­wie muss­te ich ja in den Oden­wald und ins Müm­ling­tal gelan­gen. Aber irgend­wann am Nach­mit­tag ver­schwan­den die Zwei­fel zuneh­mend, gera­de jen­seits der 200-Kilo­me­ter-Mar­ke wur­de all­mäh­lich klar: Das bekom­me ich irgend­wie schon hin. Und so war es ja dann auch …

Aber so weit war ich noch nicht. Zunächst ging es wei­ter ein wenig auf und ab, ich kam gut vor­an. Zwi­schen­durch wur­de es merk­lich wär­mer – in zwei Schü­ben gegen 11 Uhr und am Nach­mit­tag, gegen 15 Uhr schien die Tem­pe­ra­tur jeweils zu sprin­gen. Aber trotz Wer­ten um 30 °C war das noch gut aus­zu­hal­ten. Nur war ich recht viel – mehr als ich erwar­te­te – in der direk­ten Son­ne unterwegs.

Zwi­schen­zeit­lich fin­gen die Rad­hand­schu­he an zu ner­ven. Nun, da ich unter­wegs war, erin­ner­te ich mich, war­um ich doch immer wie­der bevor­zugt die alten, fast aus­ein­an­der­fal­len­den benutz­te. Denn die neue­ren Exem­pla­re von Rose haben die unan­ge­neh­me Eigen­schaft, anch eini­gen Stun­den Tra­ge­zeit sich in die Zwi­schen­räu­me der Fin­ge förm­lich hin­ein­zu­fres­sen. Und zwar so, dass das durch­aus weh tut. Also bin ich über wei­te Stre­cken ab spä­ten Vor­mit­tag ohne Hand­schu­he gefah­ren. Zum Glück hat­te ich kurz vor der Tour das Len­ker­band neu gewi­ckelt. Mit dem alten, schon fast aus­ein­an­der­fal­len­den Exem­plar, wäre das nicht so ange­nehm gewe­sen. Den­noch, die Hän­de und, nicht ganz so stark, die Füße wur­den im Lau­fe der Zeit die größ­ten Schmerz­punk­te. Die Hän­de müs­sen ja viel Gewicht abstüt­zen, dass sind sie nicht so aus­dau­ernd gewöhnt. Und die Füße waren Stun­de um Stun­de in den Rad­schu­hen ein­ge­sperrt. Mit ein wenig Locke­run­gen in den Pau­sen ging das dann noch. Immer­hin mach­te mein Hin­tern mir kei­ne Pro­ble­me. Die gute und bewähr­te Me-Hose von Ever­ve sorg­te da für unpro­ble­ma­ti­sches lan­ges Sit­zen im Sattel.

Nach­mit­tags hat­te ich dann zuneh­mend und für län­ge­re Zeit Gegen­wind, meist schräg von links vor­ne. Das kam mir vor, als wür­de es gar nicht auf­hö­ren … Natür­lich war ich zu dem Zeit­punkt auch alles ande­re als frisch. Die Sprit­zig­keit und die ech­te Kraft für den Druck auf den Peda­len war sowie­so schnell weg. Ich hat­te mir im Wis­sen um die lan­ge Stre­cke vor­ge­nom­men, so lan­ge wie mög­lich mit eher mäßi­ger Kraft zu fah­ren und gera­de klei­ne­re Stei­gun­gen und Wel­len nicht ein­fach mit hohem Kraft­ein­satz weg­zu­drü­cken, son­dern bewusst her­un­ter­zu­schal­ten und die Ver­lang­sa­mung in Kauf zu neh­men. Das hat auch anschei­nend gut geklappt, denn auch nach­mit­tags und in den Abend­stun­den konn­te ich noch pro­blem­los peda­lie­ren. Ergän­zend hat­te ich immer einen Blick auf den Puls, um den nach Mög­lich­keit gar nicht erst in die obe­ren Berei­che zu trei­ben. Erfah­rungs­ge­mäß dau­ert es dann näm­lich, gera­de bei gro­ßer Wär­me, doch recht lan­ge, bis der wie­der her­un­ter geht. Das hat sicher­lich auch gehol­fen, die lan­ge Stre­cke gut durchzustehen.

So führ­te mich also mein Weg, von Regens­burg durch die Ober­pfalz vor­bei an Pars­berg und Neu­markt (wo ich mich beim Ein­gang zum Fir­men­ge­län­de von Max Bögl kurz ein wenig ver­hed­der­te) in den Süden Nürn­bergs. Die eigent­lich Stadt konn­te ich ver­mei­den, aber die Außen­be­zir­ke und dann vor allem der Hafen und das umge­ben­de Gebiet mit den mit­tel­mä­ßi­gen Rad­we­gen haben mir schon gereicht. Von Nürn­berg aus ging es west­wärts durch die Fel­der und Wie­sen, knapp an Bad Winds­heim vor­bei über die Mili­tär­stra­ßen bei dem ame­ri­ka­ni­schen Stütz­punkt in Ille­sheim nach Uffen­heim. Dort nutz­te ich die Gele­gen­heit für einen kur­zen Zwi­schen­stopp im Super­markt, frisch­te mei­ne Was­ser­vor­rä­te auf und gönn­te mir ein Eis ;-)

Wei­ter ging es durch eine Bau­stel­le (zum Glück waren die Bür­ger­stei­ge, im Gegen­satz zu der Stra­ße in Goll­ho­fen, nicht auf­ge­ris­sen) in leich­ten Bögen oder Zick-Zack-Wen­dun­gen nach Nord­wes­ten. Bei Son­der­ho­fen fiel die 200-Kilo­me­ter-Mar­ke, der Wind nerv­te so lang­sam. So gelang­te ich schon bald ins Tau­ber­tal und schlich mich an Tau­ber­bi­schofs­heim vor­bei. Die­ses Mal hat­te ich mei­ne Rou­te über König­heim und Schwein­berg geplant – aus dem Tau­ber­tal wie­der her­aus­zu­kom­men, ist immer mit gewis­sen Anstren­gun­gen ver­bun­den ;-) So auch hier, obwohl das die bes­se­re Vari­an­te schien. Denn der Anstieg ist lan­ge recht kon­stant in einer annehm­ba­ren Stei­gung, nur gegen Ende wird das mal (aber auch nur ver­hält­nis­mä­ßig kurz) deut­lich steiler.

Jetzt stieß ich auch wie­der in bekann­te Gefil­de vor. Zwi­schen Nürn­ber und Tau­ber­bi­schofs­heim bin ich ziem­lich ori­en­tie­rungs­los, auch wenn ich Tei­le der Rou­te von frü­he­ren Fahr­ten immer­hin wie­der erkann­te. Spä­tes­tens ab Hard­heim – wo ich noch ein­mal einen schnel­len Ein­kaufs­stopp ein­leg­te – hät­te ich aber auch ohne Gar­min nach Hau­se gefun­den. Dabei führ­te mich mei­ne Rou­te von Hard­heim zunächst über das Erftal nach Mil­ten­berg. Das war, gera­de jetzt, nach knapp 260 Kilo­me­tern, ein Traum: Kon­stant in leich­tem Gefäl­le auf guter Stra­ße mit wenig Ver­kehr berg­ab. Da konn­te ich tat­säch­lich mal mei­nen Schnitt etwas hoch­trei­ben. Die Rou­te über Mil­ten­berg ist zwar nicht der direk­tes­te Weg nach Amorbach,aber die Alter­na­ti­ve über Wall­dürn hat einer­seits mehr Stei­gung und ande­rer­seits vor allem deut­lich mehr Verkehr.

In Mil­ten­berg selbst muss­te ich mich dann dum­mer­wei­se mit­ten durch die Alt­stadt (und Kopf­stein­pflas­ter!) quä­len, weil die Main­stra­ße wegen Volks­fest gesperrt war. Aber auch das ging vor­über und ich war wie­der auf dem Weg Rich­tung Amor­bach. Kurz vor Amor­bach ging es dann auf die B47 und – nach einer kur­zen Ver­pfle­gungs­pau­se – hin­auf in die größ­te Stei­gung des Tages. Die ließ sich aber erwar­tungs­ge­mäß so gut fah­ren, wie ich das auf­grund der Daten erwar­te­te: Die Stei­gung ist zwar über meh­re­re Kilo­me­ter kon­stant, aber recht gleich­mä­ßig und nicht zu extrem. Mit 9–10 km/​h ließ sich das noch alles schön gemäch­lich und gleich­mä­ßig durch­ge­hend im sel­ben Gang peda­lie­rend bewäl­ti­gen. Die Autos waren auch gar nicht so schlimm, nur ein paar Motor­rad­spin­ner nerv­ten bei der ein­setz­ten­den Dun­kel­heit mit extrem dich­ten Über­ho­len und aus­ge­prägt über­höh­ten Geschwin­dig­kei­ten. Über­haupt waren die aller­meis­ten Autofahrer*innen zumin­dest bemüht, aus­rei­chend Abstand ein­zu­hal­ten – nur weni­ge haben das deut­lich unterschritten.

Irgend­wann – genau­er gesagt, nach einer knap­pen Drei­vier­tel­stun­de, war dann die Höhe von Box­brunn erreicht. Nach einer letz­ten Pau­se am Wald­rand ging es dann in den letz­ten Abschnitt. Zunächst auf der Höhe nach Eul­bach und dann geschwind hin­un­ter nach Erbach. Zum Glück war zu die­ser Uhr­zeit sehr wenig Ver­kehr, da konn­te ich wun­der­bar mei­ne Geschwin­dig­keit fah­ren. Nur ein paar weni­ge Autos kamen mir ent­ge­gen – die dach­ten sicher, da ist ein ganz schö­ner Spin­ner unter­wegs, im Dun­keln mit dem Renn­rad auf die­ser Stre­cke … Aber der Front­schein­we­fer hat sich hier gut bewährt, auch bei über 60 km/​h war das hell genug aus­gegleuch­tet. Der letz­te Kilo­me­ter in Befrie­di­gung über die voll­brach­te Tat kei­nen Abbruch mehr tun.

Die Daten:

  • 307 Kilo­me­ter
  • +2.047/-2.162 Höhen­me­ter (Gar­min hat mehr, ca. 2.400 m Anstieg)
  • 13:27:50 gefah­re­ne Zeit
  • 17:46:59 ver­stri­che­ne Zeit (also mit Pau­sen – das macht sich, obwohl ich die auf 15–20 Minu­ten beschränk­te, doch sehr bemerkbar …)
  • 3 Bun­des­län­der ;-)

Die Stre­cke:

Gefahrene Strecke von Regensburg nach Erbach, eingefärbt in gefahrener Geschwindigkeit
Gefah­re­ne Stre­cke von Regens­burg nach Erbach

Mit dem Tsunami an den Bodensee

Mainz – Stah­rin­gen: Eine klei­ne Mehr­ta­ges­tour mit mei­nem „Tsu­na­mi“ genann­ten Lie­ge­rad (so wild ist es aber gar nicht …) von Mainz bis (fast) an den Boden­see. Das war zugleich mei­ne längs­te Fahrt mit dem Lie­ge­rad: 360 Kilo­me­ter in drei Tagen, so viel habe ich noch nie gemacht. Geplant habe ich die Stre­cke mit zwei prak­ti­schen Sei­ten für Rad­ler: rad​weit​.de und rad​rei​se​-wiki​.de. Ulrich Lamm hat auf Rad­weit eine sehr gute und umfang­rei­che Samm­lung von erprob­ten Rou­ten. Die haben gegen­über den „nor­ma­len“ Rad­we­gen den Vor­teil, dass sie wo immer mög­lich auf asphal­tier­te Wege oder Stra­ßen set­zen, bei feh­len­den Rad­we­gen Rou­ten mit mög­lichst gerin­ger Ver­kehrs­be­las­tung auf Neben­stra­ßen nut­zen und das gan­ze in eine ziem­lich augeklü­gel­te Kar­te über­tra­gen. Da ich fürs Fahr­rad kein ver­nünf­ti­ges GPS-Rou­ten­sys­tem habe, schien mir das die bes­te Navi­ga­ti­ons­mög­lich­keit. Und es hat auch ziem­lich gut geklappt. Benutzt habe ich die Rou­ten Mainz-Hei­del­berg, Hei­del­berg-Karls­ru­he und Karls­ru­he-Kon­stanz von Rad­weit, ergänzt um die Hei­del­berg-Umfah­rung aus dem Radreise-Wiki.

Tag 1: Mainz-Karlsruhe

Am lan­gen ers­ten Tag mit einer fla­chen Etap­pe, die dafür die meis­ten Kilo­me­ter hat – nach mei­ner Rech­nung 140 Kilo­me­ter – ging es nach einem locke­ren und kur­zen Mor­gen­lauf um 8.15 in Mainz los. Das Wet­ter war noch ver­hal­ten freund­lich: Wol­ken mit eini­gen kur­zen Son­nen­fens­tern, aber immer­hin kein Regen. Und mit um die 15 °C am Mor­gen auch ange­neh­me Temperaturen.
Den Anfang der Stre­cke kann­te ich immer­hin schon, so dass ich zunächst mei­ne Kar­te gar nicht brauch­te. Die steck­te prak­tisch und griff­be­reit in der Ober­schen­kel­ta­sche – auf dem Lie­ge­rad kann ich die ja nicht so ein­fach am Len­ker befestigen …

So ging es also los: Über Mainz-Kost­heim nach Gus­tavs­burg, wo ich mich erst ein­mal durch eine rie­si­ge, aber lang­sa­me Rad­ler­grup­pe drän­geln muss­te, die auf mein Klin­geln so über­haupt nicht reagier­te, nach Gins­heim, wo ich den Rhein­rad­weg schon wie­der ver­ließ. Denn mei­ne Rou­te kürz­te sozu­sa­gen ab, um erst in Erfel­den wie­der auf den (Alt-)Rhein zu sto­ßen. Von dort ging es ohne Pro­ble­me wei­ter nach Stock­stadt, Gerns­heim in Rich­tung Berg­stra­ße. Bei Erfel­den, wo ich eine klei­ne Frü­stücks­pau­se mach­te, merk­te ich dann auch: Mist, das Han­dy ist gar nicht in der Pack­ta­sche! Das lag fried­lich noch in Mainz auf dem Schreib­tisch … Blöd, damit hat­te ich nicht nur kei­nen Foto, son­dern auch mei­ne „Not-Navi­ga­ti­on“ fiel aus.

In Lorsch hat­te ich das ers­te klei­ne Navi­ga­ti­ons­pro­blem, weil ich wohl ein­fach zu schnell durch die Innen­stadt rausch­te und dabei den Abzweig ver­pass­te. Das konn­te ich aber schnell kor­ri­gie­ren und den Rad­weg nach Hüt­ten­feld und Viern­heim wie­der fin­den. Da pas­sier­te wie­der ähn­li­ches: In den Städ­ten ist die Navi­ga­ti­on mit einer Kar­te im Maß­stab 1:100.000 gewöh­nungs­be­dürf­tig, das hat­te ich noch nicht so recht raus. Auch in Viern­heim ver­pass­te ich jeden­falls wie­der einen Abzweig, merk­te das aber zum Glück auch sehr bald, so dass ich nur wenig zurück­fah­ren muss­te. Hin­ter Viern­heim war es dann ein­fach, durch die Fel­der vor­bei an Muckens­turm, durch Hed­des­heim nach Laden­burg, wo ich am Neckar erst ein­mal Mit­tags­pau­se mach­te. Von dort folg­te ich dann der Rad­rei­se-Wiki-Rou­te, die mich über Plank­stadt und Ofters­heim nach Wall­dorf führ­te, wo ich wie­der auf eine Rad­rei­se-Rou­te (Hei­del­berg-Karls­ru­he) sto­ßen woll­te. Zwi­schen Ofters­heim und Wall­dorf muss­te ich noch ein­mal kurz pau­sie­ren, weil ich den Wol­ken­bruch abwar­ten woll­te. Das war ziem­lich hef­tig, dau­er­te aber zum Glück nicht lan­ge, so dass ich bald wie­der auf dem Rad saß und durch Wall­dorf radel­te. Das erwies sich aber als schwie­rig, weil das Orts­zen­trum von Wall­dorf eine gro­ße Bau­stel­le war, die mich ziem­lich durch­ein­an­der brach­te. Dann waren die Rad­weg-Schil­der auch noch so selt­sam auf­ge­stellt, dass ich an der SAP vor­bei kom­plett in die fal­sche Rich­tung radel­te und mir wie­der ein biss­chen Umkehr­weg ein­fing. Aus der ande­ren Rich­tung kom­mend waren die Rad­weg-Schil­der durch die SAP-AG etwas bes­ser zu erken­nen, auch wenn die Weg­füh­rung eine gro­ße Kata­stro­phe war – kreuz und quer durch das Fir­men­ge­län­de bzw. sei­ne Rän­der, mit stän­di­gen Rich­tungs­wech­seln und Abzwei­gun­gen … Aber nach­dem ich da durch war, ging es dann wie­der etwas vor­an – durch St. Leon-Rot (mit einer kuri­os-kata­stro­pha­len Brü­cke über die A6), und dann ers­te ein­mal lan­ge – kilo­me­ter­weit – schnurgeradeaus.

Karls­dorf und Spöck (wo ich noch ein­mal kurz pau­sier­te und mei­ne Geträn­kevor­rä­te auf­frisch­te) sorg­ten noch ein­mal für ein paar Kur­ven, bevor es von Fried­richs­thal aus wie­der kilo­me­ter­weit gera­de­aus durch den Wald nach Karls­ru­he ging. Dort stieß ich dann auf den Kon­rad-Ade­nau­er-Ring und ver­such­te mein Glück, den Haupt­bahn­hof zu fin­den. Wäre die ent­schei­den­de Kreu­zung (wo ich abbie­gen muss­te) nicht wie­der eine gro­ße Bau­stel­le gewe­sen, hät­te ich das viel­leicht ohne Nach­fra­gen geschafft. Aber auch so ging es dann und ich lan­de­te am Bahn­hof, wo mein Bett im A&O‑Hostel war­te­te. Das ist zwar ver­gleichs­wei­se güns­tig, aber auch sehr laut (durch die Stra­ßen­bah­nen vor allem) und ein biss­chen abzo­cke­risch: Statt dem gebuch­ten 4er-Zim­mer war ich im 6er ohne ver­nünf­ti­gen Schrank, Lam­pen oder Steck­do­sen … Aber für eine Nacht reich­te es. Und es gab immer­hin die Mög­lich­keit, mein Rad in der Gara­ge unterzustellen.

Im Hos­tel merk­te ich dann erst so rich­tig, wie anstren­gend der Tag doch war: Knapp 160 Kilo­me­ter waren es gewor­den, außer den Brü­cken fast topf­eben, aber den­noch ein­fach ziem­lich lang … Mei­ne Ober­schen­kel waren ziem­lich kaputt, was mich den nächs­ten Tag mit etwas Ban­gig­keit erwar­ten ließ. Denn dann soll­te es eigent­lich erst anstren­gend wer­den, weil mei­ne Rou­te mich dann in den Schwarz­wald füh­ren sollte …

Aber mit viel Nacht­ru­he wür­de das schon klap­pen … Dar­aus wur­de es dann aber nicht so recht etwas, ich bin zwar früh im Bett gewe­sen, aber auch super früh auf­ge­wacht, näm­lich schon gegen 5 Uhr. Frück­stück gab es da noch nicht, aber schla­fen konn­te ich auch nicht mehr … Das Früh­stück habe ich dann genos­sen, das war auch ganz soli­de. Um kurz nach 8 war ich dann aber doch wie­der auf dem Rad, die Taschen gepackt und start­be­reit für einen neu­en Tag.

Die gefah­re­ne Stre­cke (mit­samt den Ver­fah­rern) als gpx-Datei: Mainz-Karls­ru­he

Tag 2: Karlsruhe-Schömberg

Der zwei­te Tag wur­de hart. Der Start in Karls­ru­he war aber noch harm­los. Erst ein­mal durch die frem­de Stadt. Das ist mit dem Lie­ge­rad nicht immer das größ­te Ver­gnü­gen, weil die Über­sicht über Ver­kehr und Schil­der doch etwas weni­ger gut ist. Die­ses Mal hat es aber ohne Ver­fah­ren gut geklappt, ich habe den Weg durch den Park gefun­den und war schnell in Ober­reut, wo mir der Wind ganz schön kräf­tig ent­ge­gen­blies. Über­haupt war das Wet­ter nicht mehr ganz so schön: Die Tem­pe­ra­tu­ren waren nied­ri­ger, die Wol­ken bedroh­li­cher und dich­ter, der Wind deut­lich fri­scher. Hin­ter Neu-Forch­heim ver­schwand ich dann im Hardt­wald – so ziem­lich die schlech­tes­te Teil­stre­cke, weil der Wald­weg unbe­fes­tigt war und mich des­we­gen etwas aus­brems­te. Zum Glück ging es bei Malsch wie­der auf die Land­stra­ße, da kommt man ein­fach zügi­ger vor­an. Hin­ter Mug­gen­sturm muss­te ich dann aller­dings anhal­ten und die Klei­dung wech­seln: Es fing an zu reg­nen. Dabei hat mir der Wind dann auch noch das etwas unsta­bil abge­stell­te Rad umge­schmis­sen und mei­ne Klin­gel zer­dep­pert (naja, von beson­ders gro­ßem Nut­zen war sie eh nicht …). Den rest­li­chen Tag bin ich dann in Regen­ja­cke gefah­ren – so rich­tig hör­te das näm­lich nicht mehr auf mit dem Nie­seln und Reg­nen. Viel Was­ser war das zwar nicht, was von oben kam – aber von unten kam es auch, und von vor­ne. Mei­ne Bril­le jeden­falls wur­de nicht mehr tro­cken – das ist fast das ner­vigs­te an dem Wet­ter gewe­sen, dass die Sicht immer so beschei­den war.

Vor mir sah ich jetzt schon den Schwarz­wald ganz schön bedroh­lich auf­stei­gen. Und es wur­de auch hüge­li­ger. Hin­ter Mug­gen­sturm (nicht zu ver­wech­seln mit dem Muckens­turm bei Viern­heim!) ging es über Bei­schwei­er nach Gag­ge­nau, wo ich auf die Murg stieß. Und damit war ich auch auf der „Tour de Murg“, dem Rad­weg, der den gesam­ten Fluss­ver­lauf beglei­tet, mehr oder weni­ger nah am Was­ser. Und jetzt ging es berg­auf, kon­ti­nu­ier­lich fast den gan­zen Tag. Manch­mal fla­cher, manch­mal stei­ler – und manch­mal sehr steil: so steil, dass ich gescho­ben habe. Von Gag­ge­nau aus bin ich dann erst Mal eini­ge Zeit dem Rad­weg gefolgt, durch Gerns­bach und Wei­sen­bach bis Lan­gen­brand. Da habe ich mich dann ver­tan auf mei­ner Rad­weit-Kar­te und bin auf dem Rad­weg geblie­ben, obwohl der Rou­ten­vor­schlag hier ein Stück Stra­ße vor­schläg – zu Recht, denn der Rad­weg ist zunächst im Ort saus­teil (habe ich gescho­ben …) und führt dann auch außer­halb des Ortes sehr weit hoch in den Wald bei ent­spre­chend beschei­de­nem Weg­zu­stand. Und die gan­zen Höhen­me­ter ver­liert man dann wie­der in einer Abfahrt nach Gaus­bach hin­un­ter, die wegen des holp­ri­gen Weges aber auch nicht beson­ders schnell war. Nun ja, jetzt schau­te ich wenigs­tens wie­der genau­er auf die Karte …

Die „Tour de Murg“ führ­te mich nun in lan­gen, halb­wegs sanf­ten Stei­gun­gen vor­bei an For­bach und Raum­ünz­ach über Schön­münz­ach nach Bai­er­s­bronn, wo ich mich noch ein­mal ver­pfleg­te, bevor ich mich auf den Rest des Weges mach­te. Nun ging es erst ein­mal nach Freu­den­stadt. Und so lang­sam wur­de es wirk­lich hart, die Stei­gun­gen wur­den wirk­lich anstren­gend für mei­ne Bei­ne … Bei Freu­den­stadt bin ich mir auch nicht sicher, ob Ulrich Lamm den bes­ten Weg gefun­den hat: Um eine stei­le Stre­cke zu ver­mei­den, blieb ich auf der Tal­stra­ße im Chris­tophs­tal, die aber auch weit und hoch berg­auf ging. Man, das zog sich viel­leicht, die­ses klei­ne Tal! Dafür führ­te sie mich an Freu­den­stadt vor­bei. In Freu­den­stadt war aber noch nicht Schluss für mich, 8 Kilo­me­ter lagen noch zwi­schen mir und dem Tages­ziel. Und die waren extrem hart. In Freu­den­stadt ging es ein­fach immer noch wei­ter berg­auf, da bin ich schwer ins Schwit­zen und Keu­chen gekom­men. Immer­hin hat­te ich mich jetzt schon auf über 800 Meter hoch gear­bei­tet. Und da oben war es auch nicht flach, son­dern hüge­lig – Schwarz­wald eben. Aber auch die letz­ten Kilo­me­ter schrumpf­ten, die letz­ten klei­nen Hügel erklomm ich in noch klei­ne­ren Gän­gen und erreich­te schließ­lich Schöm­berg, wo ich in der „Son­ne“ übernachtete.

Vor dem Schlaf stand aber noch ein kur­zer Lauf auf dem Pro­gramm, rund ums Dorf, das ja nicht so beson­ders groß ist. Das war zwar super­lang­sam, aber für die Bei­ne doch mal eine ganz net­te Abwechs­lung und wenigs­tens ein klei­nes biss­chen Lockerung.

Danach bin ich dann aber auch ziem­lich schnell weggedämmert …

Die gefah­re­ne Stre­cke als gpx-Datei: Karls­ru­he-Schöm­berg

Tag 3: Schömberg-Stahringen

Der drit­te und letz­te Tag soll­te eigent­lich wie­der easy wer­den, so hat­te ich mir das gedacht. Schon beim Auf­ste­hen und der klit­ze­klei­nen Mor­gen­lauf­run­de war aber klar, dass es so ganz ein­fach nicht wer­den wür­de: Die Bei­ne waren jetzt so rich­tig müde, viel Rest­kraft war da offen­bar nicht mehr vor­han­den. Dafür war es rich­tig frisch auf dem klei­nen Hoch­pla­teau von Schöm­berg – als ich um halb neun auf mei­nem Lie­ge­rad Platz nahm, waren es gera­de mal 8 °C. Und so rich­tig warm wur­de es den gan­zen Tag auch nicht mehr. Dafür erfrisch­te mich der Mor­gen erst ein­mal: Mit einer span­nen­den Abfahrt nach Loß­burg hin­un­ter begann die Fahrt auf der schlech­ten Land­stra­ße rich­tig auf­re­gend. Und kurz hin­ter Loß­burg fing es dann in den wel­li­gen Hügeln des Schwarz­wald erst ein­mal kräf­tig an zu reg­nen. Und es reg­ne­te eine gute Stun­de ziem­lich viel. Aber immer­hin hör­te es dann auch wie­der auf und blieb den Rest des Tages zwar trüb und feucht-kalt, aber wenigs­tens regen­frei. Von Loß­burg aus fuhr ich auf klei­nen und nicht ganz so klei­nen Stra­ßen – in man­chen Abschnit­ten waren da erstaun­lich vie­le LKWs unter­wegs – dann durch die Hügel­land­schaft des Schwarz­wal­des. Eine sehr schö­ne Stre­cke eigent­lich, nur mach­te es wegen dem Regen zunächst nicht ganz so viel Spaß. Von Loß­burg aus ging es über Fluorn-Win­zeln und Dun­nin­gen dann zwi­schen Vil­lin­gen-Schwen­nin­gen und Tros­sin­gen vor­bei in Rich­tung Tutt­lin­gen. Da waren zwar kei­ne wirk­lich har­ten Stei­gun­gen dabei (bis auf das Stück in Nie­de­reschach, das ich nur schie­bend bewäl­tig­te), aber es ging eben doch immer mal wie­der berg­auf. Dafür waren auch schö­ne Abfahr­ten dazwi­schen, so dass die Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit nicht ganz in den Kel­ler sank. Denn bei den „Berg“-Fahrten merk­te ich zuneh­mend, das die Kraft in den Bei­nen zu Nei­ge ging.

Nach der Mit­tags­pau­se in Tutt­lin­gen nahm ich dann den letz­ten Anstieg in Angriff: Hin­auf zum Wind­egg, noch ein­mal auf knapp 850 Meter hoch. Das war bru­tal … Oben ange­kom­men, begrüß­te mich eine stei­fe Bri­se, die dem Namen alle Ehre mach­te. Und das Wis­sen, dass es ab jetzt fast nur noch berg­ab gehen wür­de. Und zwar rich­tig schön: Zunächst führ­te mich der Rad­weg nach Emmin­gen udn von dort durch den Wald nach Eigel­tin­gen. Die Stra­ße dort hin­un­ter war zwar eigent­lich wegen Bau­ar­bei­ten gesperrt, der Rad­weg aber offi­zi­ell nicht – obwohl er auf der Stra­ße ver­läuft ;-). Also habe ich mich ein­fach nicht um die Sper­rung geschert und mein Glück ver­sucht. Und das war auch gut so, die Stra­ße war näm­lich gera­de kom­plett neu gemacht wor­den – und schon fer­tig. Nur ein paar Bäu­me wur­den am Stra­ßen­rand noch besei­tigt – aber das stör­te mich nicht wei­ter, ich genoss es, die gan­ze neue glat­te Stra­ße für mich allein zu haben. Und dann war ich ja auch schon fast am Ziel: Hin­ter Eigel­tin­gen geht es noch durch ein paar klei­ne Dör­fer und dann ist man schon in Stah­rin­gen ange­langt. Und ich war froh, dass ich am nächs­ten Tag nicht mehr wei­ter­fah­ren muss­te: Mei­ne Bei­ne brauch­ten drin­gen mal etwas Ruhe.

Die gefah­re­ne Stre­cke als gpx-Datei: Schöm­berg-Stah­rin­gen

durch die rheinhessischen weinfelder

das lie­ge­rad ist frisch repa­riert und wie­der ein­satz­fer­tig. also muss­te es stan­des­ge­mäß aus­ge­führt und die neu­en kur­beln und ket­ten­blät­ter getes­tet wer­den. dafür bin ich heu­te vor­mit­tag ein­fach mal los­ge­fah­ren – noch ohne genau­en plan, was kom­men soll­te und wo ich rum­kur­ven woll­te. klar war nur, zunächst geht es rheinaufwärts.da ich aber den rich­ti­gen moment für den ein­stieg in den rad­weg wie­der ver­passt habe, bin ich bis nier­stein vor­wie­gend stra­ße gefah­ren. da war wenigs­tens der unter­grund in ord­nung … dann ging es aber mehr oder wenig rich­tig auf dem „offi­zi­el­len“ rad­weg wei­ter. in gun­ters­blum hat mir das dann erst ein­mal gereicht, vor allem nach dem ewi­gen kreuz und quer gegur­ke durch oppen­heim und dien­heim. also ver­ließ ich, nach eini­gen ver­ge­wis­sern­den bli­cken auf die kar­te, in gun­ters­blum den rad­weg und fuhr auf den land­stra­ßen durch wei­ter durch die kürz­lich gele­se­nen oder bald zu lesen­den wein­fel­der (mit dem ent­spre­chen­den geruch wild ver­gä­ren­der wein­trau­ben) weg vom rhein. der plan war jetzt, in einem grö­ße­ren bogen durch die rhein­hes­si­schen hügel wie­der zurück nach mainz zu fin­den. das hat auch ganz gut geklappt ;-). der weg führ­te mich über uel­vers­heim und wein­ols­heim nach kön­gern­heim, im ste­ti­gen auf und ab dann über sel­zen nach mom­men­heim und harx­heim – lau­ter klei­ne, ziem­lich typi­sche dör­fer: mit den gro­ßen wein­bau­ern­hö­fen an der haupt­stra­ße, teil­wei­se ziem­lich mäch­ti­ge gebäu­de, alles immer schön ummau­ert, kei­ne bau­lü­cke im gan­zen ort … und zwi­schen den orten die hier typi­schen stra­ßen: schnur­ge­ra­de bis zur nächs­ten kup­pe, dann eine klei­ne bie­gung und wie­der schnur­ge­ra­de in den nächs­ten ort. da brau­chen die stra­ßen­äm­ter eine men­ge über­hol­ver­bots­schil­der – immer erst ein­mal set­zen, dann immer­hin das über­ho­len von trak­to­ren gestat­ten, vor kup­pe und kur­ve die aus­nah­me aber jedes mal wie­der recht­zei­tig auf­he­ben … erstaun­lich, wie vie­le über­land­bus­se hier unter­wegs sind – das wun­dert mich immer wie­der. auch wenn sie meist nicht beson­ders gut aus­ge­las­tet sind. dafür sind die stra­ßen natür­lich auch hier voll mit autos, die eine oder maxi­mal zwei per­so­nen beför­dern. dafür aber unbe­dingt deut­lich mehr als 100 ps benö­ti­gen. zum glück hat­ten die aller­meis­ten (eigent­lich mit nur einer aus­nah­me) genü­gend ver­stand, mich mit gehö­ri­gem abstand zu über­ho­len. kurz nach dem ich gau-bischofs­heim streif­te, bog ich wie­der auf den rad­weg in rich­tung mainz ab. der führ­te auch tadel­los bis hechts­heim, wo er an und um die auto­bahn­bau­stel­le dann aber im nichts ver­schwand. aber jetzt wuss­te ich ja auch wie­der so unge­fähr bescheid und mit eini­gen klei­nen abwei­chun­gen fand ich auch gut wie­der zurück ins main­zer zentrum.

die mutter aller wanderflüsse: zwei tage an & auf der lahn

so, immer­hin zwei tage wan­der­pad­deln habe ich die­ses jahr noch geschafft. ges­tern und vor­ges­tern mal wie­der, nach län­ge­rer pad­del­tech­ni­scher abs­ti­nenz, auf der lahn gewe­sen. um die­se jah­res­zeit ist es da herr­lich ruhig – und wir hat­ten traum­haf­tes wet­ter, herr­lichs­ten son­nen­schein, fast noch zu warm. denn wir sind ja auch recht zügig gepad­delt. die 31,5 km von wetz­lar bis kurz hin­ter weil­burg am ers­ten tag haben wir mit schleusen/​wehren und mit­tags­pau­se in 6 stun­den hin­ter uns gebracht. und auch am zwei­ten tag waren wir noch ganz gut dabei, schließ­lich fließt die lahn dann inzwi­schen wesent­lich lang­sa­mer. mehr zum fluss im mei­nem tou­ren­buch.

im kajak über die mecklenburgische seenplatte

1. – 10. august 2005: meck­len­bur­gi­sche seenplatte.

anrei­se am 1.8. zum cam­ping­platz kame­run an der müritz.

am 2. und 3.8. die müritz-umrun­dung (waren – bol­ter ufer – que­rung nach luh­dorf, dann am westuf­ter nord­wärts zurück nach waren) mit über­nach­tung in luh­dorf bei wun­der­ba­rem wet­ter, nur mit­tags am 2.8. mäßi­ger wind. ab dem 4.8. fahrt durch die seen­plat­te vom bol­ter kanal an der müritz, die heu­te kräf­ti­gen wel­len­gang hat, aus. dann fünf tage in mäßi­gem tem­po eine rund­tour, an den letz­ten tagen mit schau­ern und mit wahn­sin­nig viel betrieb auf den seen – vie­le kanu­ten, die ihr boot nicht beherr­schen (noch weni­ger als ich) und eben­sol­che bade­wan­nen­ka­pi­tä­ne in lei­h­yach­ten, die es kaum schaf­fen, in die schleu­sen zu navi­gie­ren. der gro­be stre­chen­ver­lauf: bol­ter ufer an der müritz (start vom cam­ping­platz aus, gute ein­stiegs­mög­lich­keit) über den bol­ter kanal und die alte fahrt in den caarp­see. von dort in den woter­fitz­wee, wei­ter durch den lep­pin­see, den gro­ßen kot­zower see und das gran­zower möschen in den mirower see, wo wir am cam­ping­platz c39 (strand­gast­stät­te mirow) über­nach­te­ten (nicht unbe­dingt emp­feh­lens­wert – klei­ner buck­li­ger platz mit weni­gen engen und über­las­te­ten sani­tä­ren anla­gen weit weg).

am nächs­ten tag ging es dann wei­ter durch den rest des mirower sees in den zot­zen­see, von dort über den mös­sen­see und den öst­li­chen rand des vilz­sees in den labus­see und von da dann wei­ter in den canower see und über den klei­nen pälitzsse in den gro­ßen pälitz­see, wo wir am cam­ping­platz 54 über­nach­te­ten – der teu­ers­te platz auf unse­rer rundfahrt.

am drit­ten tag ging es dann vom gro­ßen pälitz­see über die schleu­se stra­sen in den ell­goen see, von dem wir in den gro­ßen prie­pert­see abbo­gen. dann über die havel in den finow­see und ide havel wei­ter bis zum abzweig in die schwa­nen­ha­vel, die uns herr­lich kur­vig, eng und ver­wach­sen ind den plät­lin­see, der zum gro­ßen teil natur­schuztzge­biet ist, führ­te. mit einem kräf­ti­gen spurt kamen wir ans wus­trower ende, wo es ein gutes stü­cke umzu­tra­gen galt, um im klenzsse wei­ter­pad­deln zu kön­nen. von dort kamen wir dann in den gobe­now­see, wor wir auf dem cam­ping­platz 27 unse­re zel­te auf­schlu­gen, nach­dem wir end­lich den rich­ti­gen lan­dungs­platz gefun­den hatten.

am nächs­ten mor­gen schließ­lich gingt es den rest des gobe­nower­sees wei­ter in die dro­se­dower bek, die uns in den rätz­see führ­te. nach der mit­tags­pau­se an der umtra­ge­stel­le fleether müh­le (die kürz­lich abge­brannt ist) fing es an zu reg­nen. joa­chim, thors­ten und ich ver­steck­ten uns unter dem dach eines boots­hau­ses vor dem was­ser von oben, wäh­rend der rest unver­dros­sen wei­ter­pad­del­te. nach­dem der regen dann end­lich nach­ließ, mach­ten wir uns auf die auf­holg­jagd und sprin­te­ten die rest­li­chen kilo­me­ter über vilz­see in den mös­sen­s­se, an des­sen über­gang zum zot­zen­see unser nacht­quar­tier, der cam­ping­platz peetsch mit der num­mer 42 lag. die vor­hut konn­ten wir zwar nicht mehr ganz ein­ho­len – kurz bevor wir am cam­ping­platz anka­men, gin­gen sie an land – aber zum zelt­auf­bau reich­te es gera­de noch, bevor es wie­der anfing, ein wenig zu regnen.

am letz­ten tag der rund­fahrt ging es dann noch ein­mal über den zot­zen­see (den wir ja schon auf der hin­fahrt durch­quert hat­ten) rich­tung mirow, wo wir die­ses mal aber in die müritz-havel-was­ser­stra­ße abbo­gen. hin­ter der schleu­se mirow, die wir mit der boots­schlep­pe umgin­gen, schaff­te joa­chim es, sich in die heck­wel­le eines segel­boots zu klem­men und ließ sich von dem mehr als sie­ben kilo­me­ter bis ans ende des sumpf­sees mit­zie­hen. dort war­te­te er dann am was­ser­wan­de­rer­rast­platz am aus­gang des sees auf uns. nach der mit­tags­pau­se ging es dann wei­ter in die klei­ne müritz, die uns in die ech­te müritz zurück­führ­te und mit viel gele­gen­heit zum sur­fen auf den wel­len zurück zu unse­ren autos am cam­ping­platz bol­ter ufer brach­te. eigent­lich woll­ten wir dann noch eine tages­tour machen, bevor wir uns am 10.8. wie­der auf die rück­rei­se machen woll­ten. wegen des regens und der ver­let­zung von thors­ten haben wir das dann gelas­sen und sind mit einem zwi­schen­stopp in potsdam/​schloss sans­cous­si (selbst im regen vol­ler japa­ner ;-)) und einen besuch bei lett­mann in moers an zwei tagen quer durch deutsch­land zurück nach darmstadt/​mainz gefahren.

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