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Schlagwort: stadt Seite 1 von 4

Farbe ist keine Infrastruktur

Es ist ja lei­der beliebt gewor­den in deutschen Kom­munen, Rad­wege nicht mehr als sep­a­rate Bauteile von Verkehr­swe­gen anzule­gen, son­dern ein­fach etwas Farbe zu nehmen und einen Streifen damit von der Fahrbahn für den motorisierten Verkehr mehr oder weniger dem Rad­verkehr zuzuweisen. Das funk­tion­iert in der Prax­is häu­fig nicht beson­ders gut: Aut­o­fahrer ignori­eren die Markierun­gen ganz, beim Fahren und auch beim Parken. Oder sie über­holen so dicht, dass die eventuelle Schutzwirkung des Streifens wenn nicht tat­säch­lich ver­schwindet, so doch zumin­d­est nicht mehr wahrgenom­men wer­den kann. Es gibt aber auch hand­feste sta­tis­tis­che Auswer­tun­gen, die zeigen, dass man so die Sicher­heit von Rad­fahren­den nicht erhöht — sog­ar im Gegen­teil. Die Unter­suchung stammt aus den USA.

Dort wurde zwis­chen 2000 und 2012 für ein dutzend größere Städte der USA der Zusam­men­hang von Infra­struk­tur und “Ver­lus­ten” im Rad­verkehr unter­sucht. Die Analyse der Verkehrs- und Unfall­dat­en zeigt sehr deut­lich: Bauliche Tren­nung von Rad­we­gen und motorisiertem Verkehr hil­ft am besten, Unfälle und Schä­den zu reduzieren. Die Zahl der Rad­fahren­den allein macht nicht den wesentlichen Unter­schied, son­dern die — richtige! — Infra­struk­tur für die struk­turell benachteiligten Rad­fahren­den:

researchers found that bike infra­struc­ture, par­tic­u­lar­ly phys­i­cal bar­ri­ers that sep­a­rate bikes from speed­ing cars as opposed to shared or paint­ed lanes, sig­nif­i­cant­ly low­ered fatal­i­ties in cities that installed them.

Und das sind dur­chaus beachtliche Wirkun­gen: Bis zu 50 % weniger Unfälle. Im Gegen­satz dazu hil­ft Farbe über­haupt nicht: “Researchers found that paint­ed bike lanes pro­vid­ed no improve­ment on road safe­ty.” Aber wirk­lich wahrgenom­men wor­den scheint die Studie in Deutsch­land nicht: Da herrscht immer noch die Idee, Farbe kön­nte irgend­wie helfen — natür­lich mit dem Hin­tergedanken, dass man den armen Aut­o­fahren­den ihre Priv­i­legien ja nicht weg­nehmen und ihnen ja nicht — noch nicht ein­mal metapho­risch — wehtun darf (oder eben möchte).

Quelle: Sep­a­rat­ed Bike Lanes Means Safer Streets, Study Says

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  • „Sol­i­dar­ität gegen Ama­zon ist eine große Schimäre“ | Welt → zwar in der “welt”, aber trotz­dem ein sehr tre­f­fend­es inter­view mit klaus schöf­fling — das liegt aber vor allem eben an schöf­fling ;-). anlass war die insol­venz von KNV, aber es geht auch/eher um grundle­gende fra­gen des buch­mark­ts

    Ich weiß nicht, ob man jet­zt nach dem Staat rufen muss. Richtig bekla­gen kann sich die Buch­branche, die ja auch mit der Buch­preis­bindung vom Staat geschützt wird, eigentlich nicht.

  • Desire paths: the illic­it trails that defy the urban plan­ners | Guardian → ein schön­er beitrag über tram­pelp­fade im urban­den raum und die möglichkeit, sie zur pla­nung von wegverbindun­gen zu nutzen
  • Die Hand­schrift stirbt aus | Due Oresse → ein kurz­er überblick, wie es (öster­re­ichis­che) kom­pon­is­ten mit dem schreiben ihrer par­ti­turen hal­ten
  • Was hält Demokra­tien zusam­men? | NZZ → aus anlass des todes von böck­en­förde wieder her­vorge­holt: die sehr schöne, klare und deut­liche einord­nung des böck­en­förde-the­o­rems in die deutsche gesh­ci­chte des 20. jahrhun­derts
  • Diese Abende sind eine Qual | Zeit → flo­ri­an zin­neck­er hat für die “zeit” ein nettes inter­view mit igor lev­it über die elbphil­har­monie und ihre akustik geführt — und lev­it bleibt wieder ein­mal cool und über­legen
  • Wada­da Leo Smith Pays Trib­ute to Rosa Parks in New Album | Qwest → inter­view mit dem großen Wada­da Leo Smith, in dem er unter anderem darüber spricht, warum er den begriff “impro­vi­sa­tion” nicht mag:

    Impro­vi­sa­tion was strong in the late ‘60s and ear­ly ‘70s. But then it got very pol­lut­ed, like you can put every­thing into per­form­ing that you want to. There’s no lead­er­ship, no guid­ance. It’s nowhere near the way of Louis Arm­strong, Duke Elling­ton, Miles Davis, Bessie Smith or Abbey Lin­coln who were all right in terms of cre­at­ing oppor­tu­ni­ties in their music. The peo­ple call­ing them­selves impro­vis­ers today are like a soup. You can add every­thing in at once and cook it. But that’s a bad soup. You need to cook var­i­ous por­tions and add in dif­fer­ent things like spices which is what mak­ing music in the present is meant to be. It’s like what the Cre­ator cre­at­ed in the begin­ning. It’s authen­tic­i­ty. You’re bring­ing some­thing into being.

spinnennetz vor natur

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  • „Die Gesellschaft prof­i­tiert von unser­er Autonomie“ | FAZ → ein schönes, inter­es­santes, kluges inter­view mit der his­torik­erin bar­bara stoll­berg-rilinger

    Die ganze Gesellschaft prof­i­tiert von der Autonomie der Wis­senschaft. Die eigentliche Arbeit der His­torik­er ist mein­er Ansicht nach von solchem bürg­er­rechtlichen Engage­ment zu unter­schei­den. Indem man Geschichte nach his­torisch-kri­tis­chen Stan­dards schreibt, leis­tet man ja schon Aufk­lärungsar­beit.

  • Vor­bild Frank­furt: Restau­ra­tive Schiz­o­phre­nie| Merkur → ein sehr kluger und, trotz sein­er klaren posi­tion­ierung, unaufgeregter kom­men­tar von philipp oswalt zur rekon­struk­tion­sar­chitek­tur wie der frank­furter “neuen alt­stadt” (schon der name ist in sein­er ästhetis­chen grausamkeit ja beze­ich­nend)

    Es ist eine Medi­en­ar­chitek­tur, die aus tech­nis­chen Bildern gener­iert nun vor allem der Erzeu­gung neuer medi­aler Bilder dient. Auch son­st ist die Architek­tur keineswegs so tra­di­tionell, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Der Rohbau beste­ht – von den weni­gen Fach­w­erkhäusern abge­se­hen – aus Stahlbe­ton und Indus­trieziegeln, die Ausstat­tung umfasst Fuß­bo­den­heizung mit Fer­n­wärme, Dreifachver­glasung, mech­a­nis­che Lüf­tung, mod­ern geschnit­tene, offene Wohnküchen, umfan­gre­iche San­itär­räume und meist einen direk­ten Zugang zu den pri­vat­en Stellplätzen in der zuge­höri­gen Tief­garage.

    Nicht nur für die Bewohn­er, auch für die zeitk­nap­pen Fer­n­touris­ten aus Asien und Übersee ist die neue Alt­stadt die mod­erne Alter­na­tive, und so wird sie auch bewor­ben.

    […]

    Ob icon­ic build­ing oder Rekon­struk­tion his­torisch­er Baut­en – bei­des sind sym­bol­is­che Gesten zur Iden­tität­skon­struk­tion, wie sie seit den 1990er Jahren in Mode gekom­men sind.

    […] Der Staat hat sich aus der Fläche zurück­ge­zo­gen, und die vorherige Kohä­sion­spoli­tik wurde durch einen Inselur­ban­is­mus abgelöst, bei dem große Bere­iche der Stadt dereg­uliert und pri­vatisiert wer­den, während an aus­gewählten zen­tralen Orten kleine Inseln mit großer Kon­trolltiefe beplant wer­den. […]

    Mit dem Zer­fall ein­er im All­t­ag prak­tizierten Kohä­sion ist die Aufw­er­tung eines sym­bol­isch-medi­alen Ersatzes umso wichtiger.

    […]

    Doch die Alt­stadt Frank­furt ist keine überzeu­gende Antwort auf die drän­gen­den Fra­gen des heuti­gen Städte­baus, sie ist Teil des Prob­lems.

  • Im Ruck­sack: die Frei­heit | Oliv­er B. Weber → ein inter­es­san­ter essay über die spez­i­fis­che form des reisens der gegen­wär­ti­gen back­pack­er und die daraus entstehende/erwachsende “glob­al­i­ty”

    Der Back­pack­er ver­ste­ht sich als Zeitreisender. Er sucht die selige Ver­gan­gen­heit in geo­graphis­ch­er Ferne. Die Men­schen, die darin leben müssen, begutachtet er mit ein­er ambiva­len­ten Mis­chung aus Staunen und Her­ab­set­zung. Immer sel­tener hinge­hen ist ein tat­säch­lich ein­tre­tender habitueller Posi­tion­swech­sel des Beobachters. Woher kommt die häu­fige Blind­heit gegenüber der tat­säch­lichen Welt, zu deren Ent­deck­ung das Back­pack­ing ja ange­treten war?

  • Sehn­sucht nach Retro­topia | Zeit → ein kluger essay von nils mark­wardt über “Poli­tisierung der Nos­tal­gie” und die “Fetis­chisierung von Geschichte unter Aus­blendung von Geschichtlichkeit”:

    Im Angesicht der aktuellen Retro­ma­nia beste­ht die Auf­gabe darin, Geschichte als gle­icher­maßen bewussten wie pro­gres­siv­en Wieder­hol­ung­sprozess, nicht als bloßes Abstauben der Ver­gan­gen­heit zu ver­ste­hen.

  • Da läuft etwas ganz schief | Forschung & Lehre → der erziehungswis­senschaftler volk­er laden­thin hat genug von den man­gel­nden fähigkeit­en und ken­nt­nis­sen der aktuellen studieren­den (ich bin mir nicht sich­er, ob das in die kat­e­gorie “früher war alles bess­er” fällt oder ob es wirk­lich die real­ität trifft)

    Die Studieren­den sind über­aus fre­undlich und kom­mu­nika­tiv, im Zwiege­spräch sehr geschickt. Eben­so sind sie fleißig, gutwillig und kon­struk­tiv: Aber es lässt sich ein entwick­lungspsy­chol­o­gis­ches Prob­lem fest­stellen. Auf Grund der kog­ni­tiv­en Entwick­lung scheinen die Studieren­den in den Anfangsse­mes­tern mehrheitlich nicht in der Lage, kom­plexe, antin­o­mis­che und mul­ti­kausale Prozesse, wie sie heute in allen Wis­senschaften üblicher­weise beschrieben wer­den, angemessen aufzunehmen und Vorgänge streng aspek­t­ge­bun­den oder mul­ti­per­spek­tivisch zu betra­cht­en.

netzstruktur auf blauem hintergrund (vernetzungsgraph)

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  • Der neue Berlin­er Feiertag muss der Europatag am 9. Mai wer­den! | Der (europäis­che) Föder­al­ist → manuel müller schlägt vor, einen feiertag für eruopa/die europäis­che einigung/befriedung einzuführen

    In Erin­nerung an die Schu­man-Erk­lärung bege­ht die Europäis­che Union den 9. Mai bere­its seit vie­len Jahren als Europatag. Europaweit find­en heute Feste und Ver­anstal­tun­gen statt, um die europäis­che Idee, die Errun­gen­schaften der europäis­chen Inte­gra­tion und das bürg­er­schaftliche Engage­ment für län­derüber­greifend­en Aus­tausch und Ver­ständi­gung zu feiern.

    Nur eines ist der Europatag noch nicht: ein geset­zlich­er Feiertag. Das Land Berlin hat jet­zt die Chance, das zu ändern.

  • Im Korsett des Tur­bokap­i­tal­is­mus | SZ → im gegen­satz zu ger­hard mätzigs etwas herumeiern­den sowohl-als-auch-artikel fordert lau­ra weiss­müller einen guten punkt, bevor man über die ange­blich bessere leis­tung der nachge­baut­en pseu­do-alt­stadt in frank­furt disku­tiert:

    Und genau deswe­gen macht es keinen Sinn, das neue Frank­furter Alt­stadtquarti­er in Stel­lung gegen eine Architek­tur zu brin­gen, die ver­sucht, auf die Prob­leme unser­er Zeit zu reagieren. Wer die Qual­itäten bei­der Rich­tun­gen — hier die Baut­en der Alt­stadt­fre­unde, dort die der Avant­gardis­ten — ern­sthaft ver­gle­ichen möchte, müsste erst mit der­sel­ben Sorgfalt, Detail­freude und Unter­stützung der Baube­hörde ein ähn­lich dicht­es Stück Stadt, und zwar in gle­ich­er zen­traler Lage, in zeit­genös­sis­chem Gewand bauen lassen. Anson­sten ist es unlauter, eine Architek­tur für ihre Unbe­haus­theit ver­ant­wortlich zu machen, wenn man sie aus Kosten­grün­den genau in dieses Korsett zwingt.

  • Ein Reisender auf dem Ozean der Texte: Gérard Genette ist tot | NZZ → milo rau schreibt einen gut informierten nachruf auf den großen lit­er­atur­the­o­retik­er gérard genette, der let­zte woche ver­starb:

    Der­art zahlre­ich sind die Bezüge ausser­halb und inner­halb sein­er Diszi­plin, der­art vielfältig ist Genettes Ein­fluss auf die Geis­teswis­senschaften ins­ge­samt, dass es let­ztlich wohl diese total­isierende Unab­hängigkeit von Schulen und Denkrich­tun­gen ist, die sein Werk ausze­ich­net.

spinnennetz mit tautropfen

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  • Oh-ranien­platz, Ih-ranien­platz | taz → roland berg über die fehlende schöne/ästhetische gestal­tung von baut­en in der stadt heute:

    Und stets ori­en­tiert man sich dabei an der ver­meintlich „schö­nen“ Ver­gan­gen­heit. Zeit­genös­sisch-verbindliche Vorstel­lun­gen über das Schöne scheinen zu fehlen. Also das, was Immanuel Kant sein­erzeit „Gemeinsinn“ nan­nte. Heute scheint das Vor­mod­erne aus der Geschichte als einzige Norm für die Gegen­wart als verbindlich. Und selt­samer­weise wird – zumin­d­est in ästhetis­ch­er Hin­sicht – von den meis­ten das Frühere dem Heuti­gen vorge­zo­gen. […] Ret­ro­spek­tive Ästhetik und Rekon­struk­tion von (Alt‑)Bauten und ganz­er Stadträume bis hin zu Wieder­aufer­ste­hung des abgeris­se­nen Berlin­er Schloss­es füllen die Leere, die der Ver­lust des Gemeinsinns für das Schöne in der Gegen­wart mit sich gebracht hat.

  • Wer Gedichte liest, weiss mehr über das Leben | NZZ → die nzz doku­men­tiert leicht gekürzt die dankesrede von michael brauch für den alfred-kerr-preis

    Bei der Beschäf­ti­gung mit der Frage, warum sich ein­er wie ich mit Gedicht­en befasst und Rezen­sio­nen zu Gedicht­bän­den schreibt, gelangt man zu ähn­lichen Ein­sicht­en, wie sie Nico­las Born 1970 for­muliert hat: Es hat mit dem eige­nen Existieren zu tun, mit dem Ver­such, dem Rät­sel des eige­nen Daseins auf die Spur zu kom­men. Beim Lesen von Gedicht­en ist man fast immer mit den Fra­gen nach den let­zten Din­gen kon­fron­tiert, wir wer­den unmit­tel­bar und ohne schützende Ein­leitung in medias res gewor­fen. Die Verse der Gedichte, die wir lesen, ver­mit­teln uns das «punk­tuelle Zün­den der Welt im Sub­jecte», wie es ein Schüler des Philosophen Hegel for­mulierte. […] Beim Lesen von Gedicht­en wird ein Riss sicht­bar in dem Welt­ge­bäude, das uns eben noch ver­traut schien. Ein Riss wird sicht­bar im Welt­ge­bäude, und – so sagt es ein­mal der rus­sis­che Welt­po­et Ossip Man­del­stam – die poet­is­che Rede weckt uns mit­ten im Wort auf. Gedichte sprechen von dem skan­dalösen Fak­tum, dass wir geboren wor­den sind und dass wir in noch nicht vorstell­bar­er, aber doch nicht allzu fern­er Zukun­ft ster­ben wer­den.

  • Über ein richtiges Lehrer-Leben im falschen Schul­sys­tem | Bil­dungslück­en → schreibt über kri­tik an schule und ihrem sys­tem und möglichkeit­en der verbesserung und verän­derung, auch auf indi­vidu­eller ebene

    Denn unser Schul­sys­tem hat so viele grundle­gende Män­gel, dass ich mir oft die Frage stelle, ob es das über­haupt geben kann: ein richtiges Lehrerleben im falschen Schul­sys­tem. Im Laufe der Zeit habe ich einige (Über-)Lebensstrategien entwick­elt.

  • Secu­ri­ty | Ohne Text singt kein Men­sch mit

    Die Change-Man­age­ment-Fachkraft ein­er großen Unternehmens­ber­atung und ein Stu­dent im dun­klen Kapuzen­pul­li leg­en in der Schlange nacheinan­der ihre Gür­tel, die Geld­börsen und ihre Lap­tops in die Durch­leuch­tungs-Schalen auf das Band der Sicher­heit­skon­trolle. Sie schauen sich kurz lächel­nd an, weil bei­de das­selbe Lap­top-Mod­ell aus ihren Handgepäck-Reise­taschen nesteln.

  • Rad­fahren in Kopen­hagen und Berlin: Vom Paradies in die Vorhölle| Deutsch­land­funk Kul­tur → die über­schrift sagt eigentlich schon alles — ein kurz­er, sub­jek­tiv­er ver­gle­ich der rad­fahrmöglichkeit­en in den bei­den städten

    Lieber über gute Rad­wege ohne Helm als über schlechte mit.

  • Jüdisch, ehren­hal­ber | FAZ → claudius sei­dl sehr richtig zu dem blödsin­ni­gen geschwätz von “jüdisch-christlich­er prä­gung”:

    Insofern schließt die Rede von der „jüdisch-christlichen Prä­gung“ nicht nur den Islam aus – was ja der eigentliche Zweck dieser Behaup­tung ist. Auch Aufk­lärung und Athe­is­mus, auch die, ger­ade in der deutschen Lit­er­aturgeschichte, so wichtige Sehn­sucht nach jen­em heit­er­eren Him­mel, in welchem die men­schlicheren Göt­ter der Griechen wohnen, wer­den von dieser Rede, wenn nicht aus­geschlossen, dann doch zu den Apokryphen ein­er Tra­di­tion, deren Kanon ange­blich jüdisch-christlich ist (man möchte die Namen all der­er, die diese Rede zu Frem­den macht in der deutschen Kul­tur, gar nicht aufzählen müssen).

  • Wun­der­bar­er Eigensinn| Faust Kul­tur → ein wun­der­bares, kluges gespräch mit dem lyrikkri­tik­er michael braun, den ich immer wieder gerne lese (auch wenn ich nicht in allem mit ihm übere­in­stimme …):

    Ich würde für mich sagen: Es muss eine Störung der geläu­fi­gen Sprach­struk­turen erfol­gen, wir müssen beim Sprechen und Schreiben die Ver­trautheit ver­lieren – auch in unserem Ver­ste­hen -, wir müssen aus­ge­he­belt wer­den beim Lesen solch­er Verse, son­st kann kein gutes Gedicht entste­hen. […] Das poet­is­che Selb­st­ge­spräch ver­mag manch­mal eben doch andere zu erre­ichen. Und ob das nun 17 oder 97 oder 1.354 sind, spielt keine Rolle. Also, 1.354, diese berühmte Enzens­berg­er­sche Kon­stante, ist ja noch zu opti­mistisch angelegt. Nicht 1.354 Men­schen pro Pop­u­la­tion, ob in Island oder den USA, greifen zu Gedicht­bän­den, son­dern nur 135,4 Lyrik­leser! Also die Enzens­berg­er­sche Kon­stante müsste durch 10 geteilt wer­den. 135,4 Rezip­i­en­ten pro Gedicht­band ist die neue Kon­stante für öffentliche Aufmerk­samkeit auf Gedichte.

fischnetz

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Ins Netz gegan­gen am 16.11.:

  • Verblendung, Ver­schleierung, Ver­drän­gung | Uber­me­di­en → ein sehr ein­dringlich­er appell von ralf hut­ter an die medi­en, den kli­mawan­del und die zer­störung der umwelt doch endlich mal ernst zu nehmen und entsprechend zu the­ma­tisieren …
  • Bibi, Tina, der Führer und wir | epd → georg seeßlen sehr pointiert über den neuen ufa-film und seine ästhetis­chen und (im weitesten sinne) sozi­ol­o­gis­chen verir­run­gen
  • “Aut­o­fahren ist schlim­mer als eine Sucht” | Deutsch­land­funk → sehr gutes gespräch mit her­man knoflach­er, der klare worte über die irra­tionale anhänglichkeit an und abhängigkeit vom auto der deutschen (und ander­er …) find­et

    Es ist wahrschein­lich aus der Indi­vid­u­al­sicht immer noch zweck­mäßig, aber vor allem hat das Auto ja eine Welt für Autos gemacht und nicht für Kinder. Hät­ten wir eine Welt für Kinder und wür­den wir als Men­schen und nicht als Aut­o­fahrer leben, dann würde sie ganz anders auss­chauen. […] Das heißt, hier zeigt sich, was den Men­schen wichtiger und lieber ist – die Kinder oder das Auto. Und wären die Eltern Men­schen, dann wür­den sie die Umwelt nicht auto­gerecht machen, aber sie sind Aut­o­fahrer. Das Auto ist dem Men­schen immer näher als jed­er zweite andere Men­sch. Das klingt zwar etwas sozusagen hart, aber es ist die Real­ität.

    Das heißt: Wären die Kinder den Eltern näher als das Auto, dann wür­den sie den Leben­sraum der Kinder vertei­di­gen. Dann wür­den sie dafür sor­gen, dass die Kinder so aufwach­sen, wie es in der Men­schheit, auch in der urba­nen Gesellschaft seit zumin­d­est zehn­tausend Jahren immer der Fall war, dass der öffentliche Raum in erster Lin­ie den Men­schen vor­be­hal­ten ist. Das hat sich geän­dert, nach­dem das Auto aus dem tief­sten Stammhirn sozusagen her­aus befiehlt, was zu geschehen hat.

  • Ger­many Is a Coal-Burn­ing, Gas-Guz­zling Cli­mate Change Hyp­ocrite | For­eign Pol­i­cy → ein ziem­lich scho­nungslos­er amerikanis­ch­er blick auf das unglaubliche ver­sagen der deutschen poli­tik in sachen kli­maschutz in den let­ztn jahren

    Germany’s shame­ful record over the last four years is large­ly attrib­ut­able to the gov­ern­ing grand coali­tion: the Chris­t­ian Democ­rats and the Social Democ­rats pay plen­ty of lip ser­vice to envi­ron­men­tal issues, but when push comes to shove they always bat­tle for the inter­ests of the coal and car indus­tries.

  • Das Kli­ma dreht sich gegen das Kli­ma | SZ → ziem­lich großar­tiges (langes) inter­view mit dem sehr klu­gen und reflek­tieren kli­ma­ex­perten ottmar eden­hofer über her­aus­forderun­gen, änderun­gen und bewahrung, zukun­ft und poli­tik

    Es fehlt die Vision und es fehlt die Debat­te. Anstatt über ein Ver­falls­da­tum für den Ver­bren­nungsmo­tor zu disku­tieren, wäre es wichtiger, über die Stadt der Zukun­ft zu reden. Mit dem Kohleausstieg wird auch nicht die Axt an den Indus­tri­e­s­tandort Deutsch­land gelegt. Und die Autoin­dus­trie in Deutsch­land wird sich neu erfind­en müssen, wenn sie über­leben will. Ger­ade weil in Kali­fornien und in Chi­na mit neuen selb­st­fahren­den Elek­troau­tos exper­i­men­tiert wird. Die Reg­ulier­er haben in Kali­fornien der lokalen Luftver­schmutzung durch den Autoverkehr den Kampf ange­sagt. Es ist erstaunlich, mit welchem Selb­st­be­wusst­sein und welch­er Energie die ihre Auf­gabe anpack­en. Das sind doch die großen Her­aus­forderun­gen und nicht die Vertei­di­gung dessen, was bald im Indus­triemu­se­um lan­den wird.

web (unsplash.com)

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  • Auf den Spuren der Rev­o­lu­tionärIn­nen | Skug → ein schön­er fotoes­say von anton tant­ner.

    Langsam bemächtigt sich hier die Natur der nur sel­ten mit Blu­men geschmück­ten Gräber, die Denkmäler von Rotarmis­ten und Strom­mas­ten rot­ten vor sich hin, an den roten Ster­nen, so sie denn noch vorhan­den sind, blät­tert die Farbe ab. Das Zeug­nis ver­gan­gener Sow­jet­macht liegt bewusst dem Ver­fall preis­gegeben, und doch, all dem Mod­er und Rost zum Trotz: Vere­inzelt bren­nt eine Kerze – als ob sich Karl Liebknechts pathetis­che Ankündi­gung, die Leichen der hinge­morde­ten Kämpfer wür­den wieder aufer­ste­hen, dere­inst erfüllen werde, als ob den Toten bes­timmt sei, in ein­er kom­mu­nis­tis­chen Zukun­ft aufer­weckt zu wer­den.

  • Durch­set­zung von Verkehrsregeln | Zukun­ft Mobil­ität → mar­tin ran­del­hoff begin­nt eine serie über die gestal­tung der mobil­itätswende mit einem plä­doy­er für eine bessere durch­set­zung der verkehrsregeln, vor allem zum schutz schwächer­er verk­er­steil­nehmer wie etwa den fußgängern
  • Die Sache mit dem Leser­schwund | BR → knut cord­sen denkt über den buch­markt und seine verän­derun­gen nach — nicht völ­lig pes­simistisch, aber doch in ziem­lich grauen far­ben — allerd­ings v.a. aus ein­er ökonomis­chen per­spek­tive
  • Das gefährliche Raunen | Zeit → bern­hard pörk­sen mit einem (auch eher pauschalen) text zur gefahr der pauschalen, sich anscheinend ver­bre­i­t­en­den kri­tik an den medi­en (ins­ge­samt):

    Gemein­sam ist ihnen die Annahme, die etablierten Medi­en in Deutsch­land seien ein im Grunde autoritäres Regime, eine Anstalt zur Pro­duk­tion geisti­gen Anpasser­tums. Gemein­sam ist ihnen auch die Behaup­tung, man selb­st gehöre zu ein­er bedro­ht­en Mei­n­ungs­min­der­heit, die im Zweifel ver­fol­gt und bru­tal geächtet werde. […] Die gegen­wär­tig kur­sieren­den The­o­rien der Ent­mündi­gung und der Manip­u­la­tion, Chiffren eines antilib­eralen Denkens und ein­er heim­lichen Sehn­sucht nach der Revolte, helfen nie­mand. Und sie ruinieren das Ver­trauen­skli­ma, das guter Jour­nal­is­mus bräuchte, ger­ade jet­zt und ger­ade heute.

  • Das Muster der Ver­schwörung | FAZ → dur­chaus inter­es­sant, auch wenn ich immer noch etwas fas­sun­g­los bin: eine ehe­ma­lige anhän­gerin chem­trail und anderen ver­schwörungs­the­o­rien erzählt
  • Luther­land ist abge­bran­nt | Mein Jahr mit Luther → achim landwehrs unbe­d­ingt lesenswerte “abrech­nung” mit dem refor­ma­tion­sju­biläum 2017 und über­legun­gen, was daraus für jubiläen udn unsere geschicht­skul­tur über­haupt fol­gt:

    was bleibt da vom Refor­ma­tion­sju­biläum? Es bleibt eine große Leere – eine Leere, die sich aber nicht bre­it­macht, weil das Jubiläum nun zu Ende gegan­gen ist. Diese Leere ist durch das Refor­ma­tion­sju­biläum selb­st pro­duziert wor­den. […] Fast zwangsläu­fig hängt diese inhaltliche Aushöh­lung mit dem Ver­such zur nahezu hem­mungslosen wirtschaftlichen Ver­w­er­tung des Jubiläums zusam­men. Die Feier zu 500 Jahren Ref­or­ma­tion fand sich eingek­lemmt zwis­chen Kirche und Kom­merz, zwis­chen Ökumene und Ökonomie. Nein, falsch. Das Refor­ma­tion­sju­biläum war nicht eingek­lemmt. Es hat ver­sucht, sich dort bequem einzuricht­en. […] Der Leer­lauf des Jubiläums­geschehens ergab sich nicht, weil es ein Zuviel an Ref­or­ma­tion gegeben hätte, son­dern weil zu wenig Ref­or­ma­tion in diesem Jubiläum war. Und der Man­gel an Ref­or­ma­tion kam dadurch zus­tande, dass man das his­torische Ereig­nis mit­samt seinen konkreten Umstän­den nur in recht homöopathis­chen Dosen zum The­ma machte. […] Unter dem Zwang zur Aktu­al­isierung ver­schwand die Indi­vid­u­al­ität und das his­torisch Spez­i­fis­che bis zu Unken­ntlichkeit. […] Wom­it wir es hier zu tun haben, hört auf den Namen ‚flache Geschichte‘: der möglichst geräuscharme, hin­dern­isfreie und vor allem unkom­plizierte Gebrauch (oder eher Miss­brauch) von Ver­gan­genem für gegen­wär­tige Zwecke. Flache Geschichte wird allen­thal­ben ver­wen­det. Es ist das ver­meintlich his­torische Stammtis­char­gu­ment, das zur Erk­lärung heutiger Zustände her­hal­ten muss, es ist die knapp erzählte Vorgeschichte, die Ver­gan­ge­nes genau soweit zurichtet, dass es sich in eine lin­eare Kausal­ität einord­net, und es ist das kurze Auf­blitzen eines Relik­ts aus dem Vorgestern, vielle­icht ein Bild, ein Zitat, ein Fil­mauss­chnitt oder ein bekan­nter Name, mit denen Ver­trautheit hergestellt und die Sicher­heit evoziert wer­den soll, dass es genau­so war. Flache Geschichte zielt drauf ab, sich der Mühen der Kom­plex­ität zu entledi­gen, die Gebirge der Zeit­en in aller Eile abzu­tra­gen, um freie Sicht auf die Ver­gan­gen­heit zu erhal­ten.

  • Wikipedia baut ab, oder: Was von „open“ übrig bleibt II | alba­tros → jür­gen fenn über die neg­a­tiv­en auswirkun­gen der entwick­lung des webs auf die (offene) organ­i­sa­tion von wis­sen:

    Es bedarf kein­er Erörterung, dass sich dies auch noch weit­er auf die herge­bracht­en Mit­mach­pro­jek­te des Web 2.0 auswirken wird. Wer an diese Tech­nik aus Apps plus Endgeräte gewöh­nt ist und damit aufwächst, wird nie auf die Idee kom­men, an einem Massen­pro­jekt wie Wikipedia teilzunehmen, weil er sich so etwas gar nicht mehr vorstellen kann. Nor­mal ist, dass man auf riesige Datenbestände zugreift, die automa­tisiert erstellt oder jeden­falls automa­tisiert aus­gewählt wor­den sind, aber nicht, dass man sie als Autor eigen­händig mit schreibt, kuratiert, pflegt und kollek­tiv ver­wal­tet. Das liegt alles zen­tral bei der Fir­ma, die es anbi­etet. Top-down, also nicht in den Hän­den ein­er Com­mu­ni­ty, bot­tom-up.

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Ins Netz gegangen (8.6.)

Ins Netz gegan­gen am 8.6.:

  • Der Hype um die Smart City| taz → julia manske mag dem trend zur “smart city” nicht vor­be­halt­los zus­tim­men — mit guten argu­menten

    Dafür zu plädieren, dass die Bürg­er bre­it­flächig ihre Dat­en in der ver­net­zten Stadt teilen sollen, nur weil dies in anderen Län­dern geschieht, ist ein Fehler. Vieles ist heute mit Dat­en möglich, eben­so wie vieles im Bio-Engi­neer­ing-Bere­ich möglich ist. Den­noch haben wir uns darauf geeinigt, nicht alles zuzu­lassen. Wir soll­ten Ideen entwick­eln, wie der Schutz der Pri­vat­sphäre Teil der zukün­ftig ver­net­zten Stadt wer­den kann.

  • On Walk­a­bil­i­ty: An Inter­view with Jeff Speck| park­si­fy → inter­es­santes inter­view mit dem amerikanis­chen stadt­plan­er speck über das konzept “walk­a­bil­i­ty” und die förderung der fußgänger­fre­undlichkeit von städten
  • Dom des Apos­tels der Deutschen ent­deckt | Welt → sven felix keller­hoff nur ein biss­chen reißerisch über die kirchenaus­grabung in mainz (unter st. johan­nis) — nichts wesentlich­es neues, aber ganz nett geschrieben (aber: dass die “welt” die weite, stra­paz­iöse anreise nach mainz nicht mehr selb­st finanzieren kann — ganz schön erbärm­lich …)
  • Smart Homes erin­nern immer mehr an Strafvol­lzug | SZ → adri­an lobe mit einem daten­schutzkri­tis­chen ein­wurf zum “smart home”

  • Ken Vandermark’s Inde­fati­ga­ble Dri­ve and Avant-Garde Vision | band­camp
    → inter­es­san­ter inter­view-text mit dem großar­ti­gen ken van­der­mark über musik, kol­lab­o­ra­tio­nen, labels und den ver­trieb abseit­iger (exper­i­menteller) impro­visiert­er musik …
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Ins Netz gegangen (13.4.)

Ins Netz gegan­gen am 13.4.:

  • Märchen­stunde am Main | NZZ → jür­gen tietz spart nicht mit deut­lichen Worten über den Unsinn ein­er (schein­baren) Rekon­struk­tion ein­er his­torischen Alt­stadt

    Dort, wo nach den Bombe­nan­grif­f­en des Zweit­en Weltkriegs nur noch rauchende Trüm­mer lagen, man­i­festiert sich heute ein gebauter Auf­schrei nach ver­loren­er Heimeligkeit und ein­stiger städtis­ch­er Bedeu­tung. Dafür musste das zu Beginn der siebziger Jahre gebaute Tech­nis­che Rathaus ver­schwinden, nach nur 35 Jahren. So kurzat­mig ist die hes­sis­che Geschichte. Was aber ist der Sinn dieser gebaut­en Frank­furter Märchen­welt? Leis­tet sie einen Beitrag, um die drän­gen­den Fra­gen der Zukun­ft der Städte zu lösen? Wohl kaum, denn auf dem his­torisieren­den neuen Herzstück Frank­furts entste­ht ger­ade ein­mal die beschei­dene Zahl von sechzig Woh­nun­gen – mit ein­er Fläche von ins­ge­samt 7000 Quadrat­metern. Son­st gibt sich das Quarti­er als architek­tonisch verdichtete See­len­mas­sage, ein Gegen­mod­ell zu den Hochhäusern der glob­al­isierten Stadt.

    Der grosse Irrtum ein­er der­art fik­tionalen Stadtar­chitek­tur ist es, dass sie wie eine gebaute Zeit­mas­chine wirkt. Doch sie ist nur ein Abziehbild ein­er deutschen See­len­land­schaft, in der die Ver­wun­dun­gen der Kriegs- und Nachkriegszeit bis in die nach-nach­fol­gende Gen­er­a­tion andauern. So entste­ht eine wein­er­liche Mis­chung aus Ver­lust und Ver­drän­gung, aus roman­tis­ch­er Sehn­sucht und ein­er Unfähigkeit zu trauern.

  • Wer­ben mit Google: Ist die taz Schmud­delkram? | taz-haus­blog → die taz nut googles adsense und berichtet hier von schwierigkeit­en bei der “richtlinien”-einhaltung und kom­mu­nika­tion mit dem unternehmen
  • Wollen alle Autoren sein? Alles schreibt, kein­er liest | NZZ → jochen hörisch über das sich verän­dernde ver­ständ­nis von schreiben und lesen, den zusam­men­hang von sein und schreiben, welt und text

    Alles schreibt, aber kaum ein­er liest mehr so gründlich, konzen­tri­ert und hinge­bungsvoll wie der Leser in Rilkes gle­ich­namigem Gedicht oder der Buch-Enthu­si­ast in Michael Endes «Unendlich­er Geschichte». … Es ist offen­bar, dass Gott nicht im Sinne logis­ch­er Evi­denz offen­bar ist, dass auch er ein schwächel­nder Autor ist, der die Kluft, die die Welt von den Worten tren­nt, nicht ein für alle Mal über­winden kann. … Das Wort wird Fleisch, Bits wer­den Atome, die Idee der Transsub­stan­ti­a­tion ist heute mehr als ein faszinieren­des religiös­es Phan­tas­ma, näm­lich ein Schreibpro­gramm für ambi­tion­ierte Inge­nieure. Wer diese Wand­lung von Lese- in Schreibpro­gramme im Blick hat, wird sowohl das Come­back mil­i­tan­ter Reli­giosität als auch die Infla­tion der Schreiblust heute mit anderen Augen sehen. … Man ver­gisst gerne, dass die verpflich­t­ende Alpha­betisierung ein kul­tureller Son­der­weg ein­er selt­samen Wel­tecke in ein­er exzen­trischen Epoche ist bzw. war. Heute kön­nen, wenn sie denn Zugriff auf Zauber­w­erke der Inge­nieurs- und Infor­matik­erkun­st haben, alle lesen und schreiben – para­dox­er­weise eben auch diejeni­gen, die nicht lesen und schreiben kön­nen. Gemein­sam ist ihnen der Wun­sch, nicht nur ein Wort mitzure­den, son­dern Autoren zu wer­den, die von der Pflicht dis­pen­siert sind, lesen zu müssen.

  • NS-Filme: Vor­be­haltsvor­be­halte| Fre­itag → dirk alt und friede­mann bey­er über die zunehmend unnötige, aus der zeit gefal­l­ene “vorbehalts”-lösung, die ns-pro­pa­gandafilme (bzw. manche davon) unter hal­b­ver­schluss hält

    Vor diesem Hin­ter­grund mutet die hiesige Kon­tro­verse um eine offizielle Zugänglich­machung der Vor­be­halts­filme kurios an, zumal sie nicht nur die längst unwider­ru­fliche Ver­füg­barkeit der Filme ignori­ert, son­dern darüber hin­aus von Dämon­isierung und reflexar­tiger Betrof­fen­heit geprägt ist.

  • Index, A cel­e­bra­tion of the | TLS → ein lob der indices und ihres klugheit/ihres wis­sens, anlässlich des sechzigjähri­gen beste­hens der “Soci­ety of Index­ers”
  • a href=“http://blogs.faz.net/pop-anthologie/2017/03/18/alte-mythen-in-honig-351/”>Genesis: „The Musi­cal Box“ | Pop-Antholo­gie → her­vor­ra­gende würdi­gung des großar­ti­gen “the musi­cal box” (auf “nurs­ery cryme”) von gen­e­sis in der pop-antholo­gie der faz:

    Dass die Kar­ri­eren von Collins und Ruther­ford in Hits wie „Dance Into the Light“ oder „All I Need is a Mir­a­cle“ gipfel­ten, die von ein­er erschüt­tern­den Belan­glosigkeit sind, ist das trau­rige Ende dieser Entwick­lung. „The Musi­cal Box“ aber darf nicht im Kuriositätenk­abi­nett der Musikgeschichte abgelegt wer­den. Es gehört zum Kanon der besten britis­chen Pop­musik.

Berliner Fernsehtum hinterm Netz

Ins Netz gegangen (11.4.)

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