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Schlagwort: gesellschaft Seite 7 von 10

Ins Netz gegangen (19.8.)

Ins Netz gegan­gen am 19.8.:

  • Inter­na­tio­na­les Olym­pi­sches Komi­tee: Der ent­mün­dig­te Ath­let ist das Ziel | ZEIT ONLINE – Ich wer­de wohl mei­nen Boy­kott des Unter­neh­mens „Spit­zen­sport“ fort­set­zen müs­sen. Und wahr­schein­lich wer­den die Zei­tun­gen auch nächs­tes Jahr wie­der auf der Titel­sei­te über irgend­ei­ne Gold­me­dail­le berich­ten anstatt über z.B. den Beginn eines Bür­ger­krie­ges wie jetzt in Ägypten.

    In den USA und Groß­bri­tan­ni­en zieht man eine Par­al­le­le, die für deut­sche Betrach­tun­gen zu den Spie­len des 21. Jahr­hun­derts wohl eher als ver­min­tes Gelän­de gilt: die zu Olym­pia 1936 und dem geschei­ter­ten Pro­test gegen die Dis­kri­mi­nie­rung der Juden. Das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Régime, wird da nüch­tern fest­ge­stellt, habe dem IOC mehr Zuge­ständ­nis­se gemacht als Mos­kau heute. 

    In min­des­tens einer Hin­sicht ist der Ver­gleich ange­bracht: Die Pro­pa­gan­da­büh­ne, die das IOC 1936 den Natio­nal­so­zia­lis­ten berei­tet hat, war kein Betriebs­un­fall. Der Pri­vat­zir­kel der Sport­füh­rer von heu­te unter­schei­det sich nicht von dem der Alt­vor­de­ren. Es bie­tet sich an, sol­che Über­le­gun­gen ein­zu­be­zie­hen, bevor man deut­sche Ver­tre­ter im Olymp mit Elo­gen bedenkt.

  • Jour­na­list Green­wald: Ein­schüch­te­rung statt Auf­klä­rung in der NSA-Affä­re | ZEIT ONLINE – Die „Zeit“ zur Frei­heits­be­rau­bung & Befragund David Mirandas:

    Die­se kal­te Will­kür und die Nei­gung zur Sip­pen­haft, bei der Fami­li­en­mit­glie­der, Lebens­ge­fähr­ten oder enge Freun­de bedroht wer­den, um miss­lie­bi­ge Jour­na­lis­ten mund­tot zu machen, las­sen an Dik­ta­tu­ren denken.

  • “Es blei­ben lei­der lee­re, bedeu­tungs­lo­se Wor­te” » Stö­rungs­mel­der – Das Stö­rungs­mel­der-Blog der „Zeit“ zu Mer­kels Auf­ruf zum zivil­cou­ra­gier­ten Kampf gegen Rechtsextremismus:

    Wenn Mer­kel es ernst meint mit dem Kampf gegen den Rechts­extre­mis­mus in ganz Euro­pa und dem Auf­ruf zu mehr Zivil­cou­ra­ge, dann ist die Bun­des­re­gie­rung zunächst ein­mal gefragt, der akti­ven Zivil­ge­sell­schaft – die die bedeu­tends­te Rol­le im Kampf gegen Rechts ein­nimmt – die Stei­ne aus dem Weg zu räu­men und sie end­lich effek­tiv, ohne Gene­ral­ver­dacht, zu för­dern. Das wäre ein ers­ter Schritt – neben vie­len wei­te­ren natür­lich. Erst wenn sich in die­se Rich­tung etwas bewegt, kann man anfan­gen, die Wor­te von Ange­la Mer­kel ernst zu nehmen.

Ins Netz gegangen (9.8.)

Ins Netz gegan­gen am 9.8.:

Ins Netz gegangen (19.7.)

Ins Netz gegan­gen (19.7.):

  • Gesell­schafts­kri­tik: Über Pro­mi-Schlag­zei­len | ZEIT ONLINE – Hei­ke Fal­ler über die Kunst der Schlagzeilen:

    Die per­fek­te Über­schrift bringt also etwas auf den Punkt, bei dem ande­re gan­ze Leit­ar­ti­kel brau­chen, es zu umkrei­sen, um es dann am Ende doch nicht zu tref­fen: Wir sind Papst! war so ein Satz, unver­gäng­lich wie Atom­müll und lei­der genau­so ner­vig, weil nicht zu entsorgen.

  • Euro Hawk: Papier erschüt­tert de Mai­ziè­res Glaub­wür­dig­keit – Süddeutsche.de – Die SZ hat schon wie­der Unter­la­gen bekom­men, die mehr als nahe­le­gen, dass de Mai­ziè­re gelo­gen hat:

    In der Euro Hawk-Affä­re gibt es einen wei­te­ren Beleg dafür, dass Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) frü­her als ange­ge­ben Kennt­nis vom Aus­maß der Pro­ble­me hat­te. In einem der Süd­deut­schen Zei­tung vor­lie­gen­den Doku­ment zur Vor­be­rei­tung auf ein Gespräch mit Abge­ord­ne­ten der Regie­rungs­frak­tio­nen heißt es, die Zulas­sung der Droh­ne gestal­te sich „als extrem schwie­rig und risi­ko­be­haf­tet“. Es trägt das Datum 6. März 2013, der Minis­ter hat es am 12. März abgezeichnet.

  • not inva­ded – RT @Amazing_Maps: A map show­ing the 22 count­ries that Gre­at Bri­tain has not inva­ded (yet).
  • Blei II on Vimeo – schön: Robert Platz war zu Besuch in der „Dru­ckerey“ von Mar­tin Z. Schrö­der – und hat „Blei II“ mitgebracht >

Fortschritt und Wahrheiten

Wenn einen mal wie­der die Ver­zweif­lung packt ob der vie­len Into­le­ran­zen und Unge­rech­tig­kei­ten unse­rer Gesell­schaft heu­te, hilft es manch­mal ein biss­chen in die Ver­gan­gen­heit zu schau­en. Nicht um zu resi­gnie­ren und das Ziel der Gleich­heit und Gerech­tig­keit aus den Augen zu ver­lie­ren (nach dem Mot­to: Frü­her war es ja noch viel schlim­mer), aber um zwi­schen­durch mal wie­der zu rea­li­sie­ren, wie sehr sich die bun­des­re­pu­bli­ka­ni­sche Gesell­schaft in ihrem Bestehen doch gewan­delt hat und immer wie­der und wei­ter wan­delt. Mir ist das gera­de wie­der auf­ge­fal­len, als ich eini­ge frü­he Jahr­gän­ge der Zeit­schrift „Die Neue Poli­zei“ durch­blät­ter­te – ein bay­ri­sches (spä­ter süd­west­deut­sches) Maga­zin für die Ange­hö­ri­gen der Poli­zei­kräf­te. Neben aller­lei tech­ni­schen Kurio­si­tä­ten fällt da näm­lich immer wie­der auf, wie unge­hemmt in den 1950ern noch aus­ge­grenzt wur­de. Viel­leicht – man­ches deu­tet dar­auf hin – sind die Bay­ern dabei beson­ders stark, und sicher­lich spie­gelt eine Poli­zis­ten-Zeit­schrift auch nicht unbe­dingt immer die Mehr­heit der Gesell­schaft wie­der. Aber vie­les ist ein­fach erschre­ckend. Zum Bei­spiel, wie stark sich der Dis­kurs über „Zigeu­ner“ und „Fah­ren­des Volk“ noch aus den Argu­men­ten der 1920er und 1930er – aus der Zeit stamm­ten auch die ent­spre­chen­den Geset­ze – her­lei­tet. Und wie die Autoren über­haupt nicht sehen, dass die­se „Son­der­be­hand­lung“ gan­zer Grup­pen viel­leicht nicht so ganz im Ein­klang mit dem Grund­ge­setz ste­hen könn­te … Wie die „Abwei­chung“ von der „Norm“ auch kei­ne Pri­vat­sa­che bleibt, son­dern kri­mi­na­li­siert wird. Und sei es nur auf Umwegen.

die Zunahme der weiblichen Homosexualität (Die Neue Polizei, 1/1950)

Die Zunah­me der weib­li­chen Homo­se­xua­li­tät (Die Neue Poli­zei, 1/​1950)

Das soll­te eben eigent­lich nur eine kur­ze Ein­lei­tung für die­sen Arti­kel sein, der mich selbst in die­sem eben geschil­der­ten Umfeld etwas ver­wun­dert hat. Auf der ande­ren Sei­te ist das natür­lich wenig ver­wun­der­lich: Wie­so sol­len Argu­men­te und Dis­kur­se von heu­te auf mor­gen sich ändern, nur weil ein Krieg ver­lo­ren wur­de, ein Staat unter­ging, Besat­zer neue Regeln for­cie­ren und gera­de ein neu­er Staat ent­stan­den ist? Denn alle Argu­men­te, die hier auf­tau­chen, sind natür­lich über­haupt nicht neu und in keins­ter Wei­se ori­gi­nell. Sol­che Phä­no­me­ne zu beob­ach­ten, zu erken­nen und zu ver­fol­gen, ist ein Pri­vi­leg, dass His­to­ri­ker haben. Und das wich­ti­ge dar­an: Es macht mir immer wie­der klar, dass genau das­sel­be auch für das „heu­te“ unse­rer Gegen­wart gilt, dass zukünf­ti­ge His­to­ri­ker sich ziem­lich sicher über Bor­niert­hei­ten und unver­ständ­li­che, fast ata­vis­tisch erschei­nen­de Relik­te unse­rer Zeit genau­so wun­dern wer­den wie ich es in die­sem Fall über die 1950er getan habe. Und wenn man das mal ver­in­ner­licht hat, ist einem ziem­lich sicher klar gewor­den, wie wenig abso­lu­te und dau­er­haf­te Wahr­heit es (noch) gibt (wenn es über­haupt wel­che gibt). Und natür­lich auch, wie frag­wür­dig die Idee eines/​des „Fort­schritts“ ist und sein muss.

Netzfunde der letzten Tage (26.4.–29.4.)

Mei­ne Netz­fun­de für die Zeit vom 26.4. zum 29.4.:

  • Franz­obel: War­um wir die Arbeit abschaf­fen sol­len – Ich fra­ge mich … – der​Stan​dard​.at › Kul­tur – Franz­obel, der über­bor­den­de Phan­tast der öster­rei­chi­schen Lite­ra­tur, schlägt vor, die Arbeit end­lich abzu­schaf­fen und PANDA, die „Par­tei der Nicht­ar­beit“ zu gründen:

    Arbeit, das sind wir – und sonst nichts mehr. Aber Arbeit ermü­det, und wir sind nicht dafür geschaffen.

  • Eph­emera – Der Fro­met-und-Moses-Men­dels­sohn-Platz oder die Angst des Feuil­le­to­nis­ten vor dem Weib­li­chen – Ana­tol Ste­fa­no­witsch über die merk­wür­di­gen Reak­tio­nen der Feuil­le­ton anläss­lich des Vor­schlags für einen „Fro­met-und-Moses-Men­dels­sohn-Patz“ in Berlin:

    [Moses Men­dels­sohn] wäre sicher dank­bar für den Beschluss der grü­nen Bezirks­re­gie­rung in Fried­richs­hain-Kreuz­berg, neu­en oder neu zu benen­nen­den Stra­ßen solan­ge die Namen von Frau­en zu geben, bis fünf­zig Pro­zent aller Stra­ßen im Bezirk nach Frau­en benannt sind. Denn sei­en wir ehr­lich, ohne einen sol­chen Beschluss wäre nie­mand auf die Idee gekom­men, sei­ne Frau mit in den Stra­ßen­na­men aufzunehmen.

  • The next gene­ra­ti­on of Insta­pa­per – Mar​co​.org – Mar­co Arment ver­kauft Instapaper:

    I’m hap­py to announ­ce that I’ve sold a majo­ri­ty sta­ke in Insta­pa­per to Beta­works. We’ve struc­tu­red the deal with Instapaper’s health and lon­ge­vi­ty as the top prio­ri­ty, with incen­ti­ves to keep it going well into the future. I will con­ti­nue advi­sing the pro­ject inde­fi­ni­te­ly, while Beta­works will take over its ope­ra­ti­ons, expand its staff, and deve­lop it further.

Netzfunde der letzten Tage (11.4.–13.4.)

Mei­ne Netz­fun­de für die Zeit vom 11.4. zum 13.4.:

  • „Neger­kö­nig“ oder „Süd­see­kö­nig“ – Über Kin­der­bü­cher und Spra­che | Poli­ti­sches Feuil­le­ton | Deutsch­land­ra­dio Kul­tur – Der Kin­der­li­te­ra­tur-Spe­zia­list Hans-Hei­no Ewers noch ein­mal zu dem „Pro­blem“ „Kin­der­bü­cher und Sprache“:

    Zur Pfle­ge eines lite­ra­ri­schen Oeu­vres durch Ver­la­ge gehört es nicht zuletzt auch, für Lese­rin­nen und Leser zu sor­gen. Das ist kei­ne leich­te Auf­ga­be bei einem Lese­pu­bli­kum, das his­to­ri­sche Tex­te noch nicht als sol­che, son­dern nur naiv zu rezi­pie­ren ver­mag. Was geht ver­lo­ren, wenn es nicht mehr „Neger­kö­nig“, son­dern „Süd­see­kö­nig“ heißt und man dadurch neue Leser­ge­ne­ra­tio­nen gewinnt? 

  • Im Enten­teich – Der Medi­en­wan­del als inter­ne Revo­lu­ti­on – Thier­ry Cher­vel nimmt die Kün­di­gung der bei­den Spie­gel-Chef­re­dak­teu­re zum Anlass für eini­ge Gedan­ken über den Cha­rak­ter des momen­ta­nen Medi­en­wan­dels und sei­ne Kon­se­quen­zen für die Medienhäuser:

    Eigent­lich gibt es nur noch online. Die eigent­li­che Struk­tur der Öffent­lich­keit ist heu­te das Inter­net. Was nicht im Netz ist, ist nicht öffent­lich, kann nicht zir­ku­lie­ren, nicht auf Face­book dis­ku­tiert wer­den. Print ist eine der abge­lei­te­ten For­men, in denen Inhal­te auf­be­rei­tet wer­den kön­nen, TV eine ande­re. Eine Ein­sicht, die seit über fünf­zehn Jah­ren im Raum steht, lässt sich nun auch insti­tu­tio­nell nicht mehr abweh­ren: Alle Medi­en müs­sen von der neu­en Struk­tur der Öffent­lich­keit her gedacht wer­den. Die Angst­tech­nik der Medi­en­kon­zer­ne, die Online an die alten Insti­tu­te anbau­ten, statt die neu­en Leu­te von vorn­herei­en als inte­gra­len Bestand­teil des Unter­neh­mens zu inte­grie­ren, rächt sich heu­te. Die Abtei­lun­gen sind getrennt – die Medi­en haben aber allen­falls dann eine Über­le­bens­chan­ce, wenn sie sich als ein Gesam­tes denken.

  • Fir­ma Hal­de­mann: 70 Jah­re und kein biss­chen wei­se: Der klei­ne Prinz – Chris­ti­an Gott­schalk teilt mei­ne Ablehnung/​Abneigung gegen­über der Ver­göt­te­rung des ach-so-tol­len „Klei­nen Prinzen“:

    Ansons­ten: Wenn man will, dass Kin­der ver­blö­den und einen schlech­ten Lite­ra­tur­ge­schmack ent­wi­ckeln, dann lese man ihnen den klei­nen Prin­zen vor.

    Auch sehr schön: sei­ne Inhaltsangabe: 

    Der Inhalt: Ein nied­lich gemal­ter Jun­ge hält einen in der Wüs­te abge­stürz­ten Pilo­ten durch die Abson­de­rung von Poe­sie­al­bums­weis­hei­ten davon ab sein Flug­zeug zu reparieren. 

  • Dekan­tie­ren am Abgrund – Digital/​Pausen – Hans Ulrich Gum­brecht ist die­se Woche in Hoch­form und ver­dient des­halb ein aus­führ­li­ches Zitat:

    End­lich wird der kost­ba­re Trop­fen (den natür­lich seit den Rhein­wein-seli­gen Zei­ten von Kon­rad Ade­nau­er nie­mand mehr so nennt) ein­ge­schenkt, “wer mag pro­bie­ren,” sagt der Som­me­lier aus­nahms­wei­se leut­se­lig, und zu ant­wor­ten “die Dame!” gilt weni­ger als ein Zei­chen galan­ter Per­fek­ti­on denn als straf­wür­di­ges Des­in­ter­es­se (weil man sich bei jeder Stu­fe der Zere­mo­nie das Recht ver­die­nen muss, die teu­re Sor­te bestellt zu haben). In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten mehr noch als in Euro­pa, ist es wich­tig, zunächst mit leich­tem Druck auf das unte­re Ende des Gla­ses den Wein, als sei man ein wenig unge­dul­dig, in leicht krei­sen­de Bewe­gung zu schwen­ken. Man fasst die Flüs­sig­keit respekt­voll-ernst ins Auge, hebt das Glas unter die Nase, riecht, ohne das Rie­chen in ein Geräusch umschla­gen zu las­sen, führt es end­lich zum Mund – und nippt. Danach der stil­le Moment der Refle­xi­on, beglei­tet von einer ver­hal­te­nen Mund­be­we­gung. Schief­ge­hen kann nicht mehr viel. Jetzt aller­dings zu sagen, dass der Wein “korkt,” ent­spricht einem will­fäh­ri­gen Lösen der Not­brem­se im ICE – alle kom­men aus dem Rhyth­mus, sind frus­triert und kön­nen doch erst­mal nichts dage­gen tun. Pein­li­cher sind auch hier Aus­ru­fe aus dem Regis­ter der Ade­nau­er-Zeit wie “kost­ba­res Tröpf­chen” oder, prot­zig statt lau­schig: “ganz vor­züg­lich” und “Don­ner­wet­ter!” Als zuläs­sig gel­ten allein Seman­ti­ken (die­ses Plu­ral in ihr Lexi­kon auf­zu­neh­men, emp­feh­le ich den wah­ren Wein­ken­nern) des Sub­li­men – oder bered­te Sprach­lo­sig­keit. “Mein Gott,” “nicht zu fas­sen,” alter­na­tiv ein ein­ver­nehm­li­ches aber nur leich­tes Nicken hin zum Som­me­lier, die beglück­te Sekun­de in den Augen der Gat­tin oder ein Aus­druck fas­sungs­lo­sen Trans­fi­gu­riert-Seins (das den meis­ten Gäs­ten eher schwer fällt).

  • Vom Ver­such, Krie­ge zu quan­ti­fi­zie­ren – Deus ex Machi­na – Vom Ver­such, Krie­ge zu quan­ti­fi­zie­ren (via Published articles)

Netzfunde vom 2. & 3.4.

Mei­ne Netz­fun­de vom 2. & 3.4.:

  • Der Club der coo­len Stoi­ker – „ganz klar: Att­wen­ger sind coo­ler als der Tod.“ – Pico Be in der „skug“ über Att­wen­gers neue CD/​DVD „Clubs“
  • Hugo Rey setzt Mass­stä­be mit sei­nen Stre­cken­plä­nen « run​ning​.COACH Blog – Der Schwei­zer Kar­to­graf Hugo Rey ist zum Spe­zia­lis­ten für Kar­ten und Stre­cken­plä­ne von Sport­ver­an­stal­tun­gen gewor­den. Hier erzählt er, wie er arbeitet.
  • Bun­des­tags­wahl: Fremd im eige­nen Land | Poli­tik | ZEIT ONLINE -

    Eine Demo­kra­tie ist kein Ort, sie lässt sich nicht berei­sen wie eine Insel in den Tro­pen, sie ist nicht sta­tisch, „ein Ort des Über­gangs, nicht des Blei­bens“, hat der fran­zö­si­sche Eth­no­lo­ge Clau­de Lévi-Strauss im bra­si­lia­ni­schen Goiâ­nia ein­mal bemerkt, und viel­leicht erklärt das, war­um die Demo­kra­tie einem wenig hei­misch erscheint, wenn sie nur als abs­trak­te Insti­tu­ti­on gedacht wird und nicht auch als ein Netz aus Begeg­nun­gen und Gesprä­chen, aus dem, was erzählt und was erfun­den wird, aus dem, was gezeigt und was ver­bor­gen wird, aus den Gren­zen, die gezo­gen, und denen, die über­spielt wer­den, aus der Logik der Inklu­si­on und Exklu­si­on, aus den Grup­pen und Indi­vi­du­en, die dazu­ge­hö­ren, und den „Sub­al­ter­nen“, wie Anto­nio Gramsci sie nann­te, denen am Rand, die ihre Zuge­hö­rig­keit immer wie­der ein­kla­gen müs­sen. Eine Demo­kra­tie besteht aus all die­sen dis­kur­si­ven und nicht dis­kur­si­ven Prak­ti­ken und Über­zeu­gun­gen, die sich nur ver­ste­hen las­sen, wenn man im Modus des Suchen­den bleibt.

    Caro­lin Emcke, Spe­zia­lis­tin für Aus­lands­re­por­ta­gen, wird für die ZEIT den Bun­des­tags­wahl­kampf beob­ach­ten und beglei­ten. Hier fängt sie schon mal mit den ers­ten Pro­ble­men an …

  • Sili­con Val­ley: Ket­zer des Net­zes | Kul­tur | ZEIT ONLINE – Maxi­mi­li­an Probst hat sich mit Evge­ny Morozov unter­hal­ten, der offen­bar gemerkt hat, dass das Inter­net nicht die Lösung aller Pro­ble­me sein kann & darf …

    Solu­tio­nis­mus nennt Morozov die­se Geis­tes­hal­tung in sei­nem gera­de auf Eng­lisch im Ver­lag Publi­cAf­fairs erschie­ne­nen Buch To Save Ever­y­thing Click Here (»Wenn Sie alles ret­ten wol­len, kli­cken Sie hier!«). Ihre schöns­ten Blü­ten treibt sie im kali­for­ni­schen Sili­con Val­ley, jenem High­tech-Mek­ka, das im Ruf steht, zu den glo­bals­ten Orten welt­weit zu gehö­ren. Morozov hält das Sili­con Val­ley dage­gen für pro­vin­zi­ell (er kommt selbst aus der Pro­vinz, aus dem tiefs­ten Weiß­russ­land, und weiß, wovon er spricht). Er hält das Sili­con Val­ley für pro­vin­zi­ell, weil es in sei­ner Tech­nik- und Inter­net-Eupho­rie kei­nen Begriff habe von der Kom­ple­xi­tät der Welt.

  • Im Enten­teich – Ber­li­ner Zei­tung lässt Arti­kel ver­schwin­den – Unfein: Die FR und die BZ kür­zen einen Text nach der Ver­öf­fent­li­chung ohne Kenn­zeich­nung um eine kri­ti­sche Stelle:

    Die ver­le­ger­kri­ti­sche Pas­sa­ge in Arno Wid­manns Kolum­ne „Vom Nacht­tisch geräumt“ ist von bei­den Redak­tio­nen still­schwei­gend ent­fernt wor­den. Ein sol­cher tie­fer nach­träg­li­cher Ein­griff in einen online gestell­ten Arti­kel ohne jede Kenn­zeich­nung wider­spricht der „Neti­ket­te“.

Netzfunde vom 6.1. bis zum 11.1.

Mei­ne Netz­fun­de für die Zeit vom 6.1. zum 15.1.:

  • Mal Rosa, mal Hell­blau, meis­tens Mauve | Das Nuf Advan­ced -

    Seit Wochen mischen sich unter­schied­li­che Gedan­ken zum The­ma Spra­che, Femi­nis­mus und Pol­ti­cal Cor­rect­ness und ich hät­te ger­ne einen Arti­kel ver­fasst, der alles ord­net, viel­leicht mit einer Pri­se Humor abrun­det – lei­der bin ich an die­sem Wunsch geschei­tert und schrei­be des­we­gen alles ver­hält­nis­mä­ßig unge­ord­net zusammen.

    Trotz­dem sehr lesenswert

  • Die Hoff­nun­gen ruhen auf den Bio-Imkern » Deli­nat-Blog – Die Hoff­nun­gen ruhen auf den Bio-Imkern (via Published articles)
  • De:Bug Maga­zin » Rück­blick 2012: Das Jahr des Rai­nald Goetz – Rück­blick 2012: Das Jahr des Rai­nald Goetz

    Neu­lich im Hass Semi­nar. 2012 zeig­te die Goetz’sche Hau-drauf-Poe­to­lo­gie mehr denn je, dass text­li­cher Gro­bia­nis­mus erkennt­nis­för­dernd wirkt.

  • Friedrich’s Law: Ein Vor­schlag | the boy in the bubble -

    Ich schla­ge des­halb ana­log zu Godwin’s Law hier­mit Friedrich’s Law vor:
    Wer als Ver­tre­ter des Staa­tes in einer Ver­hand­lung vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt argu­men­tiert, die Bür­ger soll­ten dar­auf ver­trau­en, der Staat wer­de das ange­grif­fe­ne Gesetz nicht in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se nut­zen, der hat die Ver­hand­lung mit sofor­ti­ger Wir­kung verloren.

  • Der Umblät­te­rer: »Welt­mül­ler« für alle -

    Nun hat sich end­lich ein Anlass gefun­den! Am 5. Janu­ar 2013 fei­ern ein paar Leu­te 60 Jah­re »War­ten auf Godot« on stage. Und da fei­ern wir mit und schi­cken den berühm­tes­ten Godot-Dar­stel­ler aller Zei­ten mit einer Crea­ti­ve Com­mons-Lizenz ins Netz

  • Rund­funk­bei­trag bald fast so schlimm wie Hit­ler « Ste­fan Nig­ge­mei­er -

    Es gibt allem Anschein nach nichts, was dem »Han­dels­blatt« zu falsch oder zu dumm ist, um es im Kampf gegen ARD und ZDF zu ver­wen­den. Den vor­läu­fi­gen (und schwer zu unter­tref­fen­den) Tief­punkt mar­kiert ein Gast­bei­trag der frü­he­ren CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Vera Lengs­feld, den die Zei­tung ges­tern auf ihrer Inter­net­sei­te veröffentlichte.

  • Shun the Plug­in: 100 Word­Press Code Snip­pets from Across the Net

Heimlich vergessen und bewusst werden

Angelika Meier, Heimlich, heimlich mich vergiss

Ange­li­ka Mei­er, Heim­lich, heim­lich mich vergiss

Heim­lich, heim­lich mich ver­giss ist ein Traum­ro­man, ein wun­der­ba­rer und oft auch wun­der­li­cher Text. Ich will hier gar nicht eine Deu­tung die­ses Buches ver­su­chen. Der Witz an Ange­li­ka Mei­ers Roman ist ja in mei­nen Augen gera­de, dass er sich ein­deu­ti­gen Les­ar­ten ein­deu­tig ver­schließt: Alles – und wirk­lich so ziem­lich alles, vom Anfang bis Ende – kann, darf und soll man (also der Leser) immer auch anders ver­ste­hen. Gleich unge­heu­er begeis­tert hat mich schon unmit­tel­bar wäh­rend der Lek­tü­re die Art, wie Mei­er hier die Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­lung gestal­tet. Sie stopft näm­lich nicht alles lehr­buch­mä­ßig in die Expo­si­ti­on, son­dern ver­teilt wesent­li­che Mit­tei­lun­gen zu Figu­ren, Kon­stel­la­tio­nen, Umstän­den, Set­ting und Hand­lung wun­der­bar öko­no­misch und qua­si-natür­lich über die gan­zen 300 Sei­ten. Oder eben auch nicht: Die Autorin unter­liegt näm­lich nicht dem Wahn, alles zu sagen und erklä­ren zu müs­sen, der die aktu­el­le Bel­le­tris­tik oft so lang­wei­lig macht. Hier ist der Leser/​die Lese­rin noch selbst gefragt. Solch ein Text hat natur­ge­mäß vie­le offe­ne Stel­len, die man – den­ke ich – ein­fach mal so ste­hen las­sen und aus­hal­ten muss. Oder als Leser selbst füllt.

Aber wor­um geht es hier eigent­lich? Das ist eine Fra­ge, die über­haupt nicht ein­fach und abschlie­ßend zu beant­wor­ten ist. Klar wird aber: Wir befin­den uns in einer zukünf­ti­gen Gesell­schaft, die wesent­lich auf der Unter­schei­dung gesund vs. krank auf­baut. Im Mit­tel­punkt des Tex­tes steht so etwas wie ein Arzt, der aller­dings eine Art Mensch-Maschi­ne ist, ohne Herz am rech­ten Fleck (das Herz wird mit dem Solar­ple­xus irgend­wie ope­ra­tiv ver­ei­nigt bei den Ärz­ten), dafür mit zusätz­li­chen Hirn­ka­pa­zi­tä­ten und einer Art zwei­ten, kon­trol­lie­ren­den Per­sön­lich­keit, dem Media­tor. Die­ser Arzt arbei­tet in einem Art Sana­to­ri­um, gegen das jenes aus dem Zau­ber­berg ein Kin­der­spiel ist – hier kommt nie­mand rein und raus, es gibt kei­ne Ein- oder Aus­gän­ge. Aber dann taucht doch irgend­wie eine ambu­lan­te Pati­en­tin auf, die sich als ehe­ma­li­ge Ehe­frau des Arz­tes ent­puppt, die ihn und sei­nen Sohn – der als Wai­se auch in die­sem Institut/​Komplex/​Geflecht lebt – dazu bringt, eine Art „Aus­bruch“ zu ver­su­chen, der aber irgend­wie auch wie­der schei­tert und im Phan­tas­ma endet – wie man über­haupt den gan­zen Text als eine Art Traum lesen kann, des­sen Traum­cha­rak­ter mit fort­schrei­ten­der Sei­ten­zahl deut­li­cher wird, ohne jedoch je expli­zit als sol­cher iden­ti­fi­zier­bar zu wer­den. Klar ist aber bald: Das ist kei­ne Rea­li­tät, die hier beschrie­ben wird. Der Traum­cha­rak­ter wird aber erst ganz kurz vor Schluss auf­ge­löst, mit dem Auf­wa­chen. Und davor gibt es auch nur weni­ge direk­te Hin­wei­se – vor allem die Unwirk­lich­keit des Erzähl­ten selbst drängt mei­ne Lek­tü­re in die­se Richtung …

Das schlägt sich auch in der Spra­che wie­der – zunächst hielt ich das für Manie­ris­mus, der Wech­sel zwi­schen Innen- und Außen­per­spek­ti­ve der Haupt­fi­gur zwi­schen zwei Sät­zen hin und her – aber das hat dann doch alles sei­nen guten Grund in der Instanz des „Media­tors“. Und auch die Klar­heit, ja Unkom­pli­ziert­heit der Syn­tax ist ein schö­ner Gegen­satz zur Fremd­heit der erzähl­ten Welt (die auch nicht wirk­lich ver­traut wird – nicht wer­den kann und soll – hoffentlich ) …

Ich kann mei­ne Fas­zi­na­ti­on hier gera­de nur schwer begrün­den und/​oder in Wor­te fas­sen – viel­leicht auch, weil mir erst im Lau­fe der Lek­tü­re auf­ge­gan­gen ist, wie gut das eigent­lich ist. Wahr­schein­lich müss­te ich es gleich noch ein­mal lesen. Die Kri­ti­ker – die das meis­tens auch (recht) gut fan­den – sind sich auch nicht so ganz einig, wor­um es in „Heim­lich, heim­lich mich ver­giss“ eigent­lich geht. Und das ist oft ein gutes Zei­chen (denn wer will schon Bücher lesen, die von Anfang an allen klar sind und alles klar machen? – Das sind in der Regel die lang­wei­li­gen Tex­te …). Oli­ver Jun­gen kon­sta­tiert zum Bei­spiel in der FAZ:

Das Zen­tral­the­ma Mei­ers ist die Neu­for­ma­tie­rung des psy­chi­schen Sys­tems, wodurch auch Ver­gan­gen­heit und Zukunft, nichts als dis­kur­si­ve Kon­struk­te, neu auf­ge­setzt wer­den. Ob sich die ver­schie­de­nen Bewusst­seins­ebe­nen, wel­che dem Leser prä­sen­tiert wer­den, in erkennt­nis­theo­re­ti­scher Hin­sicht hier­ar­chi­sie­ren las­sen, ob also ein Zustand der Wahr­heit ent­spricht oder ob es gar kein Außen gibt, bleibt selbst­re­dend offen (Oli­ver Jun­gen, FAZ)

Ulrich Rüde­nau­er in der Zeit setzt ande­re Schwerpunkte:

Die Kör­per sind hier zu Dis­kurs­ge­gen­stän­den gewor­den, aus­ge­la­ger­te Objek­te, über die in einem fremd anmu­ten­den Jar­gon gere­det, gerich­tet wird. Hier, in die­ser zukünf­ti­gen Kli­nik, die natür­lich auf unse­re immer trans­pa­ren­te­re, ver­wal­te­te Gegen­wart ver­weist, hat alles sei­ne Ordnung.

Ange­li­ka Mei­er jeden­falls hat eine hoch­kom­ple­xe lite­ra­ri­sche Welt ent­wor­fen, eine künst­li­che, vom Erzäh­ler mög­li­cher­wei­se nur fan­ta­sier­te Par­al­lel­ord­nung, die des­halb gespens­tisch und ver­wir­rend wirkt, weil sie so fern von unse­ren eige­nen Zukunfts­ängs­ten gar nicht ist. (Ulrich Rüde­nau­er, Zeit)

Ange­li­ka Mei­er: Heim­lich, heim­lich mich ver­giss. Ber­lin: Dia­pha­nes 2012. 336 Sei­ten. ISBN 978−3−03734−184−1. 22,90 Euro.

Verhängnis

„Es wal­tet ein Ver­häng­nis über die­sem Land und ich weiß genau, daß es nicht nur der Kapi­ta­lis­mus ist. Daß die­ser bes­tia­lisch wer­den kann, hat kei­nes­wegs öko­no­mi­sche Grün­de allein. […]Ich erken­ne nur ein all­ge­mei­nes Schla­mas­sel, und bei­na­he wäre mir am liebs­ten, es könn­te noch so fort­ge­wurs­telt wer­den.“ (Sieg­fried Kra­cau­er an Theo­dor W. Ador­no, 28.8.1930)

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