Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Schlagwort: geschichte Seite 7 von 8

Ein Stöckchen

Micha­el Schma­len­stroer warf mir (und @JW_Fr) ein Stöck­chen zu – dann wol­len wir doch mal wei­ter­ma­chen damit und schön brav hüpfen:

1.) Wer bist Du auf Twit­ter? Seit wann bist Du auf Twit­ter? Nutzt Du Twit­ter vor­wie­gend pri­vat und/​oder beruflich?

Bei Twit­ter bin ich ganz ein­falls- und ideen­los sowie aus sehr nahe­lie­gen­den Grün­den @matthias_mader – und das seit Novem­ber 2008. Außer­dem bin ich auch noch @taeglichlaeufer. Bei­des rein pri­vat (wenn man als Stu­dent so etwas sagen kann), @taeglichlaeufer nur für Sport- und Outdoorkrams.

2.) Zu wel­chen The­men ver­öf­fent­lichst Du Dei­ne Tweets?

Quer­beet. Vie­le Links zu inter­es­san­ten Tex­ten, net­te Zitat­schnip­sel und so wei­ter – das übli­che halt ;-)

3.) Wie viel Zeit pro Woche nimmst Du Dir für Twitter?

Kaum zu sagen. An man­chen Tagen ist es viel, manch­mal bin ich auch ein paar Tage qua­si off­line (was Twit­ter angeht zumin­dest). Pas­siv bzw. rezi­pie­rend läuft Twit­ter aber oft qua­si im Hin­ter­grund mit.

4.) Auf wel­chen wei­te­ren Social-Media-Kanä­len bist Du aktiv?

G+ etwas, vor allem fol­gen­den. App​.net seit eini­ger Zeit mehr oder weni­ger par­al­lel zu Twit­ter. Dane­ben noch ein paar Foren, viel (wirk­lich viel!) RSS-Feeds (das ist eigent­lich mei­ne wich­tigs­te Infor­ma­ti­ons­quel­le). Und seit kur­zem auch ein biss­chen reddit.

5.) Wel­che Posi­ti­on nimmt Twit­ter für Dei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on in all Dei­nen Social-Media-Kanä­len ein?

Ist schon wich­tig, gehört zu mei­nen Hauptkanälen.

6.) Orga­ni­sierst Du Tweet­ups bzw. nimmst Du dar­an teil?

Nein.

7.) Wofür ver­wen­dest Du Twit­ter vorwiegend?

Infor­ma­ti­on-Gathe­ring and ‑Redis­tri­bu­ting. Mit Twit­ter am Puls blei­ben – klingt zwar blöd, aber man kriegt vie­les schon mal in den Grund­zü­gen mit. Und kann ein paar inter­es­san­te Beob­ach­tun­gen und so weitergeben.

8.) Wel­che Gesamt­no­te von 1 – 6 wür­dest Du Twit­ter geben und wieso?

3–4. Ist aber wirk­lich schwie­rig. Eigent­lich mag ich App​.net inzwi­schen lie­ber – aber da feh­len mir noch eini­ge aus der Fol­lower-Lis­te, auf die ich ungern ver­zich­ten möch­te. Die Twit­ter-Home­page kann man ja glück­li­cher­wei­se auch nach dem Abschal­ten der alten Twit­ter-API noch weit­ge­hend vermeiden.

9.) Wel­che Tools nutzt Du mit wel­cher Hard­ware für Dei­ne Akti­vi­tä­ten auf Twitter?

Am PC (Ubun­tu 13.04): Tweet­Deck im Chro­mi­um-Brow­ser (bis letz­te Woche Hotot als Cli­ent, der hat den Wech­sel der API aber nicht über­lebt). Außer­dem buf​fe​rapp​.com zum ein­fa­che­ren Pos­ten, auch auf App​.net.
Mit dem Smart­phone (Gala­xy Nexus mit Para­no­id-Android): Tweet­La­nes (in eini­gen Din­gen der bes­te Twit­ter­cli­ent, v.a. weil er auch App.net-beherrscht). Und eben­falls die Buf­fe­rapp-App zum Pos­ten (manch­mal).

Und ich wer­fe das Stöck­chen mal wei­ter in die Main­zer Nach­bar­schaft, an @ClioMZ.

Aus-Lese #5

Mat­thi­as Becher: Karl der Gro­ße. 5. Auf­la­ge. Mün­chen: Beck 2007. 128 Seiten.

Eine Bio­gra­phie, die kei­ne Bio­gra­phie sein will. Und vor allem kei­ne sein kann: Denn die im eigent­li­chen Sin­ne bio­gra­phi­schen Zeug­nis­se über Karl den Gro­ßen sind extrem rar gesät. Becher greift des­halb recht weit aus, bis zu den Anfän­gen der Mero­win­gern – deren Geschich­te wird auf weni­gen Sei­ten ganz dicht erzählt. Nah an den Quel­len, aber mir ange­neh­mer Distanz zum (angeb­li­chen) Kron­zeu­gen Ein­hard beschreibt Becher das Leben und die Leis­tun­gen Karl des Gro­ßen wohl­tu­end nüch­tern und aus­ge­wo­gen, aller­dings in man­chen Din­gen zwangs­läu­fig auch sehr knapp, v.a. was die Orga­ni­sa­ti­on des Fran­ken­rei­ches und ins­be­son­de­re die „kul­tu­rel­le“ Sei­te sei­ner Herr­schaft angeht.

U. D. Bau­er: O.T.. Ber­lin: Die Ande­re Biblio­thek 2013. 245 Seiten.

Ein schö­nes Spiel: Ein Buch – ein Roman? – der aus­schließ­lich eine Mon­ta­ge ist: Die „Autorin“ reiht 2857 Zita­te anein­an­der und macht dar­aus so etwas wie einen Text. Also ein Spiel mit post­mo­der­nen Theo­rien von Inter­tex­tua­li­tät und Autoren­funk­ti­on. Aber eigent­lich ein recht plat­tes, sozu­sa­gen die Dum­my-Ver­si­on der Theo­rien: Denn gera­de durch das Aus­stel­len des Zitat­cha­rak­ters – das Buch ist so gedruckt, das sich das Mon­tie­ren als Kle­ben von Zettelchen/​Textschnipseln ver­mit­telt – und vor allem durch den peni­blen Nach­weis der Zita­te und ihrer Fund­stel­len wird natür­lich die eigent­li­che Idee der Inter­tex­tua­li­tät, des „il n’y a pas de hors-tex­te“, des Ver­schwin­dens des Autors gleich wie­der kon­ter­ka­riert und ad absur­dum geführt. Also eher eine Kurio­si­tät als irgend etwas wirk­lich überzeugendes …
Der Leser (zumin­dest ich) bleibt auf Distanz, das stän­di­ge Wech­seln der Zita­te und Sti­le sorgt dafür schon allei­ne. Wenn man etwas bewun­dern kann, dann ist es wohl haupt­säch­lich die Fleiß­ar­beit, die in dem Buch steckt – und die Pass­ge­nau­ig­keit, mit der U. D. Bau­er die Zita­te mon­tiert. Eine schö­ne Idee, deren Umset­zung mir aber etwas ent­lar­vend und etwas banal oder schlicht scheint.

Ins Netz gegangen (10.6.)

Ins Netz gegan­gen (7.6.–10.6.):

  • Tage­buch­sei­ten von Hit­lers Chef-Ideo­lo­gen Rosen­berg gefun­den – Süddeutsche.de – Offen­bar sind wei­te­re Tei­le des Tage­buchs von Alfred Rosen­berg auf­ge­taucht – aber nichts genau­es weiß man nicht:

    Nun, fast 67 Jah­re nach Rosen­bergs Hin­rich­tung, tau­chen wei­te­re Papie­re auf: Wie die Nach­rich­ten­agen­tur Reu­ters berich­tet, lie­gen dem United Staa­tes Holo­caust Memo­ri­al Muse­um 400 Sei­ten vor. Mög­li­cher­wei­se stam­men die nun auf­ge­tauch­ten Papie­re von Kemp­ner oder aus dem Bestand von Kemp­ners Sekre­tär. Es soll sich um eine lose Samm­lung von Tage­buch­no­ti­zen han­deln, die Rosen­berg zwi­schen 1936 und 1944 abge­fasst hat.

  • Vene­dig – Venice, as ren­de­red by Otto­man admi­ral and car­to­grapher Piri Reis in his Kitab‑i Bah­ri­ye, a book of por­to­lan charts and sai­ling direc­tions pro­du­ced in the ear­ly 16th century
  • The Last Conundrum—Geek&Poke
  • Sibyl­le Berg zur Sprach­re­form an der Uni Leip­zig – SPIEGEL ONLINE -

    Das Abend­land geht in Deutsch­land immer sofort und irr­sin­nig schnell unter, wenn man eine Neue­rung wagt, etwas gegen das Gewohn­heits­recht unternimmt.

  • Ber­li­ner Stadt­schloss: Deut­sche Selbst­fei­er | ZEIT ONLINE – Armin Nas­sehi über den „Bau“ des „Ber­li­ner Schlosses“:

    Her­aus­ge­kom­men aber ist nun his­to­ri­sie­ren­der natio­na­ler Kleinmut

Ins Netz gegangen (27.5.)

Ins Netz gegan­gen (25.5. – 27.5.):

  • 08. Michon und die Fak­ti­zi­tät des Fik­tio­na­len | Geschich­te wird gemacht – Achim Land­wehr denkt über die Fak­ti­zi­tät des Fik­tio­na­len nach – und über das „Pro­blem“ der Tren­nung die­ser bei­den Bereiche:

    Die Wahr­heit der Fik­ti­on ist abso­lut. Ein sol­cher Grad an Wirk­lich­keits­ver­dich­tung lässt sich nicht ein­mal in der tota­li­tärs­ten aller Dik­ta­tu­ren errei­chen. … Die Fra­ge danach, wer oder was denn nun Geschich­te macht, lässt sich erwar­tungs­ge­mäß auch nicht mit Blick auf die Fik­ti­on letzt­gül­tig beant­wor­ten. Aber wie auch immer die Ant­wort aus­fal­len soll­te, die fik­ti­ven Geschich­ten und Figu­ren dür­fen dabei nicht ver­ges­sen werden. 

    Inter­es­sant wird es dann, wenn die unter­schied­li­chen Sphä­ren der Wirk­lich­keit, die fak­ti­schen und die fik­tio­na­len, mit­ein­an­der in Kon­takt tre­ten und sich über­schnei­den. Denn die Fik­tio­nen sind bestän­dig dabei, unse­re Wirk­lich­keit zu ver­än­dern und zu infi­zie­ren: Nicht nur kommt die nicht-fik­tio­na­le Welt in der fik­tio­na­len vor, eben­so wer­den fik­tio­na­le Deu­tungs­an­ge­bo­te in unse­re außer­fik­tio­na­len Lebens- und Welt­ent­wür­fe importiert.

  • Lie­be in Wag­ners Opern: Was weiß Brünn­hil­de? | ZEIT ONLINE – Sla­voj Zizek zu Wag­ners Opern, mit einer inter­es­san­ten Theo­rie (bei der ich mir nicht sicher bin, ob sie nicht doch eini­ges zu viel außen vor lässt, um stim­mig sein zu können …):

    So para­dox dies klin­gen mag, soll­te man folg­lich die übli­che Sicht­wei­se, beim Ring hand­le es sich um ein Epos des heroi­schen Hei­den­tums (da sei­ne Göt­ter nor­disch-heid­ni­sche sind), wäh­rend der Par­si­fal für Wag­ners Chris­tia­ni­sie­rung stün­de, für sei­nen Knie­fall vorm Kreuz (um mit Nietz­sche zu spre­chen), umkeh­ren: Es ist viel­mehr der Ring, in dem Wag­ner dem christ­li­chen Glau­ben am nächs­ten kommt, wäh­rend Par­si­fal, höchst unchrist­lich, eine obs­zö­ne Rück­über­set­zung des Chris­ten­tums in das heid­ni­sche Ritu­al einer zykli­schen Erneue­rung der Frucht­bar­keit durch die Wie­der­erlan­gung des Königs insze­niert. Oft wird der – viel­leicht ja all­zu offen­sicht­li­che – Umstand über­se­hen, dass Wag­ners Ring das ulti­ma­ti­ve pau­li­ni­sche Kunst­werk dar­stellt: Sein zen­tra­les The­ma ist das Schei­tern der Herr­schaft des Geset­zes; und die Ver­la­ge­rung, die die inne­re Spann­wei­te des Rings am bes­ten zum Aus­druck bringt, ist die Ver­la­ge­rung vom Gesetz auf die Liebe.

    Gegen Ende der Göt­ter­däm­me­rung geschieht mit­hin Fol­gen­des: Wag­ner über­win­det sei­ne eige­ne, „heidnisch“-feuerbachsche Ideo­lo­gie der (hetero-)sexuellen Paa­res­lie­be als des Para­dig­mas der Lie­be. Brünn­hil­des letz­te Ver­wand­lung ist die von Eros zu Aga­pe, von der ero­ti­schen Lie­be zur poli­ti­schen Lie­be. Der Eros kann das Gesetz nicht wirk­lich über­win­den: Er kann ledig­lich in punk­tu­el­ler Hef­tig­keit ent­flam­men, als die momen­ta­ne Über­schrei­tung des Geset­zes, Sieg­munds und Sieg­lin­des Feu­er gleich, das sich sofort selbst ver­zehrt. Aga­pe hin­ge­gen ist das, was bleibt, nach­dem wir die Kon­se­quen­zen aus dem Schei­tern des Eros gezo­gen haben.

Netzfunde vom 7.5.

Mei­ne Netz­fun­de vom 7.5.:

Netzfunde der letzten Tage (18.4.–21.4.)

Mei­ne Netz­fun­de für die Zeit vom 18.4. zum 21.4.:

Netzfunde der letzten Tage (15.4.–17.4.)

Mei­ne Netz­fun­de für die Zeit vom 15.4. zum 17.4.:

Erinnerung

„Die Erin­ne­rung gibt (in all ihrer Unzu­ver­läs­sig­keit) Indi­zi­en, die eine Geschich­te ent­ste­hen las­sen, wo bis­her alles ver­bor­gen oder ohne Geheim­nis schien“ (Katha­ri­na Hacker, Eine Dorf­ge­schich­te, 109)

Haftung

„In der Geschich­te haf­ten die Kin­der für ihre Eltern.“ (Hen­ning Rit­ter, Notiz­hef­te, 122)

immer wieder oktober: peter kurzeck liest in mainz

Da sitzt er also, ver­schwin­det fast hin­ter sei­nem Buch mit dem auf­fäl­li­gen oran­ge­far­be­nen Umschlag, wirkt noch klei­ner und zer­brech­li­cher als sonst. Aber sei­ne Stim­me, die dringt mühe­los über das Publi­kum hin­weg bis in die letz­te Rei­he und füllt das Anti­qua­ri­at am Ball­platz ganz und gar aus. Peter Kurz­eck, der aus Böh­men stam­men­de, bei Gie­ßen auf­ge­wach­se­ne, lan­ge in Frank­furt leben­de und nun in Süd­frank­reich schrei­ben­de Meis­ter der Erin­ne­rung und der Ver­ge­gen­wär­ti­gung liest aus sei­nem letz­ten Buch, „Okto­ber und wer wir selbst sind“. Die Lesun­gen Kurz­ecks sind immer ein Fest für sei­ne Leser und Fans, von denen es in Mainz inzwi­schen eine gan­ze Men­ge gibt – die Stüh­le im Anti­qua­ri­at reich­ten gar nicht für alle, eine schö­ner Erfolg für den Ver­an­stal­ter, das Lite­ra­tur­bü­ro Mainz. Denn Peter Kurz­eck liest nicht nur ein­fachr, was er mal, vor eini­gen Jah­ren, irgend­wann auf­ge­schrie­ben hat. Nein, er trägt es wirk­lich vor. Mit schwe­ben­den Beto­nun­gen, manch­mal fast sin­gend. Und immer mit gro­ßem, bei­na­he kind­li­chem Erstau­nen über die­sen Text, den er da vor sich lie­gen hat. Die­ses Erstau­nen, das ist eine ech­te Kurz­eck­sche Qua­li­tät. Es fin­det sich näm­lich schon im Buch selbst: Als Stau­nen über die Welt, die den Erzäh­ler umgibt. In „Okto­ber und wer wir selbst sind“ ist es das Frank­furt im Herbst 1983, die Woh­nung in Bocken­heim, die Wege in der Stadt und an ihren Rän­dern, mit Frau und Kind, zum Ein­kau­fen und zum Kin­der­la­den, im ver­gan­ge­nen Som­mer und begin­nen­den Herbst. Und natür­lich das Schrei­ben selbst – der Erzäh­ler hat gera­de sein drit­tes Buch begon­nen. Kurz­eck liest in Mainz aus den bei­den ers­ten Kapi­teln von „Okto­ber“, die genau den Moment beschrei­ben, in dem der Som­mer end­gü­lig vor­über ist. Aber in dem zugleich auch der Herbst schon da ist, schon etwas Neu­es begon­nen hat. Das klingt alles furcht­bar banal. Und ist es eigent­lich auch. Nicht aber für Peter Kurz­eck. Er ver­zau­bert das näm­lich: Durch die Erin­ne­rung an den All­tag, das übli­che und das unge­wöhn­li­che, das bana­le und außer­or­dent­li­che Gesche­hen wird das alles schon wie­der ganz anders und beson­ders. Und durch sei­nen fei­nen, prä­zi­sen, ver­knapp­ten und doch bered­ten Stil, der ihn schon so lan­ge zu einer ganz außer­ge­wöhn­li­chen Erschei­nung der deut­schen Gegen­warts­li­te­ra­tur macht, wird es gera­de­zu über­höht. Das Ergeb­nis, sein Buch und sei­ne Lesung, ist berüh­rend. Und mäch­ti­ger, auch dau­er­haf­ter als der klei­ne, unschein­ba­re Mann, der sie geschaf­fen hat.

(geschrie­ben für die main­zer rhein-zeitung)

Seite 7 von 8

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén