Basta ist selbstbewusst: „Oh, wir haben so viel Niveau“ singen sie, auch wenn’s „nur a‑cappella ist“, wie es an anderer Stelle heißt. Und sie können sich das durchaus erlauben. Ihre Texte sind zwar nicht immer ganz geschmackssicher, aber die Musik bringts garantiert auf den Punkt: „Basta“ macht einfach gute Laune – basta.
Die fünf Männer aus Köln haben ihre Vorbilder oder Konkurrenz jedenfalls hörbar gut studiert – nicht zufällig greift Oliver Gies von Maybebop dem Basta-Tenor William Wahl, der sonst hauptsächlich für Musik und Arrangements verantwortlich ist, bei einigen Songs unter die Arme.
Egal von wem, allen Stücken des „Domino“ betitelten Albums sind die lebendigen, durchweg sehr bewegt und gezielt abwechslungsreich gebauten Arrangements eigen, die ein Ohr und Gespür für die Details des Hintergrunds verraten. Dass „Basta“ aber gerade einen der schwächsten Songs zum Titel der CD befördert hat, ist schade. Denn das mittlerweile siebte Album der seit 2000 aktiven Band hat viel mehr und vor allem viel besseres zu bieten als eben die kitschige, halblustige Spielerei mit Wort und Klang liturgischer Gesänge, die „Basta“ im Song „Domino“ betreibt.
Sonst geht es ihnen viel um das Singen selbst, die Existenz des Quintetts als Boygroup und vor allem als A‑Cappella-Ensemble. Die wird vor allem in dem durchaus als Werbung für diese Musik geeigneten „Es ist nur a cappella, doch ich mag es“ besungen. Aber auch ganz wunderbar tragisch kann die Musik beteiligt sein, wie „Der Mann, der keine Beatbox konnte“ zeigt – so eine erbärmlich schlechte, grausige Beatbox-Imitation muss man erst einmal hinbekommen! Überhaupt die Imitationen: Auch Reinhard Mey wird von „Basta“ geschickt nachgeahmt. Dabei – und das ist ein wenig das Handicap von „Domino“ – ist nicht alles gleichermaßen niveauvoll: Inspirierte und intelligente Unterhaltung steht hier immer wieder neben schwachem Abklatsch. Eines der besseren Lieder ist etwa ihre Version der „Schöpfung“. Nein, das hat nichts mit Haydn zu tun und auch nur ein bisschen mit der Bibel. Denn ihre „Schöpfung“ erzählt musikalisch sehr geschickt und, nunja, theologisch etwas eigenwillig, von Gottes erstem Versuch mit der Welt, den er längst als Fehler sich selbst – und der FDP – überlassen hat. Nicht nur hier bricht sich immer wieder ihre Tendenz zur großen (musikalischen) Geste Bahn: Immer wieder setzt „Basta“ auf große Steigerungen, immer wieder kulminieren ihre Songs im großen Finale, immer wieder loten sie die Grenzen des Quintetts klanglich aus. Manchmal gelingt das so schön wie beim „Wellenreiter“, manchmal bleibt es aber auch etwas aufgesetzt wie etwa bei „Bevor ich bei dir war“. Ein gemischter Eindruck also – jeder darf und soll hier etwas finden, jeder wird andere Lieblinge haben.
Ich bin unterwältigt. Aber es ist für mich schwierig, zu Jan Wagners Gedichten eine kohärente Position zu finden. Seinen ersten Band, Probebohrung im Himmel, habe ich mit großem Vergnügen gelesen und sehr gemocht. Bei Australien war ich schon nicht mehr so sicher, ob das Lyrik ist, die mir zusagt. Bei den Regentonnenvariationen bin ich jetzt ziemlich sicher: Das ist Lyrik, mit der ich nur wenig anfangen kann.
Das heißt aber auf keinen Fall, dass sie „schlecht“ ist. Denn ein Könner ist Jan Wagner sicherlich. Ihm gelingen immer wieder, auch in den Regentonnenvariationen, einfach wunderschöne Gedichte, die faszinierende Beobachtungen versprachlichen. Aber, und das ist für mich als Leser ein ziemlich großes Aber, das war’s dann auch schon. Denn trotz der Schönheit der Gedichte einerseits verspüre ich beim Lesen andererseits vor allem eines: Langeweile, gähnende Langeweile.
Woran liegt es, dass ich mich zu keinem echten Lob verführen lassen kann? Ich glaube, es hängt mit der Position des Autors, die sich in den Gedichten zeigt, zusammen – mit seiner Stellung zur Welt, die sich in den Gedichten immer wieder ausdrückt. Da geht es vor allem um die Schönheit der Umwelt. Aber das bietet mir zu viel Glätte und zu wenig Überraschung und Verblüffung. Manches scheint mir fast peinlich banal, wie etwa „laken“ oder „melde“ (die auch noch aufeinander folgen), die sich beide (wie leider viele andere Gedichte auch) im Bestätigen des Bestehenden erschöpfen. Das wird zwar durch schöne Sprache an der Oberfläche aufgehübscht, verrät aber eben einen gesättigten Blick auf die Welt: Da stört nichts, da ist irgendwie schon alles so in Ordnung, wie es ist – und es ist auch alles gut so, wie es ist und wie man es sehen und beschreiben kann. Man muss also nur richtig hinschauen, um die Schönheit der Dinge, Tiere, Pflanzen und Landschaften zu erkennen. Denn darum geht es Wagner offenbar: Um die Poetisierung der Welt (man könnte meinen, er hätte sich den Slogan des J.-Frank-Verlages ausgeliehen …). Das ist aber eben fast immer auch eine poetische Verklärung der Tiere und Pflanzen und Dinge, die ich oft als leichte Melancholie, als eine zumindest unterschwellige Sehnsucht nach Vergangenem lese (wie etwa in „der letzte von zanigrad“). Anderthalb Verse von Seite 69 scheinen mir das ganz gut auf den Punkt zu bringen:
wieder geht dein blick zurück zu dem detail
Und da bleiben der Blick und seine Sprache dann meistens auch: Im Detail – das heißt, in der Beobachtung eines kleinsten Ausschnittes der Welt, der mit dem Rest nicht in Verbindung kommt (und auch nicht mit dem Beobachter, dessen Rolle zu selten reflektiert wird).
Vieles lese ich dabei – und möglicherweise bin ich da zu einseitig – als zumindest tendenzielle Verklärung des Rückzugs, eines Rückzgs ins Private, in sich selbst, in den Kokon der Vergangenheit oder überhaupt in die Idylle … Deutlich wird dieser Innerlichkeitsgestus an vielen Stellen, exemplarisch etwa in den Schlussversen von „portafortuna“ (Seite 48):
doch da war ein moment und das gefühl, daß etwas sich im innersten verband,
mich ahnen ließ, was mir für alle tage erhalten bleibt, was ich stets in mir trage.
Das ist poetischer Eskapismus, ein Rückzug in die Gemütlichkeit des trauten Heims (mit seinem Garten und dem entsprechenden Gekreuche und Gefleuche) – und deshalb langweilig.
Auch anderes erschloss sich mir nicht so recht. Die Vorliebe Wagners für Sonette (und einige andere traditionelle Formen) etwa: Die sind hier zwar als Form erkennbar, aber eben doch leer (und auch ohne Reim und Metrum, eigentlich ist vom Sonett nur die Anzahl und Anordnung der Versgruppen (4+4+3+3) übrig geblieben): Dass er sich dieser Form bedient, scheint mir eher Zufall zu sein, oder ein Verweis auf Kenntnisse und Fähigkeiten des Dichters, aber nicht im Gedicht motiviert. Man darf das als Leser erkennen – aber was macht man dann damit? Mir ist keine vernünftige, weiterführende Deutung oder Erklärung eingefallen, warum etwa der „giersch“ oder der „nagel“ gerade in Sonetten gepriesen werden.
Auffallend ist ja auch, dass nur ganz wenig Menschen auftauchen: In einigen Gedichten gibt es ein sehr unspezifisches „wir“, fast nie aber andere Personen als den Beobachter/die Beobachterin, die dadurch eine Gott-ähnliche Stellung in diesem Universum der unbelebten und belebten Dinge hat: Beseeltes gibt es außer ihr (um das etwas auf die Spitze zu treiben) offenbar nicht.
Vielleicht liegt meine eher ablehende Lektüre auch darin begründet, dass ich in letzter Zeit offenbar Lyrik bevorzuge, die stärker mit den Eigenheiten der Sprache als Zeichen- und Bedeutungssystem arbeitet, die ihre eigene Grundlage in der Sprache hinterfragt und damit experimentiert und spielt. Das kann man Wagner natürlich nicht vorwerfen, sein „Dichtungsanlass“, um das mal so geschwollen auszudrücken, ist offenbar ein anderer. Aber wenn ich dann Gedichte wie das „requiem für einen friseur“ lese, merke ich sehr deutlich, dass diese Literatur meine Sache nicht ist. Das fängt so an:
weil montags alles ruht, nun alles montag bleibt, verhängt die spiegel. nehmt der schere ihren schneid.
und mäandert sich dann eine Weile durch den verlassenen Friseursalon und die dort früher ausgeübten Tätigkeiten (mit der „große[n] orgel aus fönen“), um dann tatsächlich so zu schließen:
[…] und wer innehält nicht länger weis, was es zu finden gilt, wonach zu suchen, nur daß die haare weiter wachsen, weiter wuchern.
Das klingt jetzt alles ablehender und negativer, als ich es eigentlich haben wollte. Aber das liegt wohl daran, dass die Gedichte der Regentonnenvariationen mich einfach nicht (genug) berühren – und dann fallen mir eher die Probleme auf, dich ich beim Lesen damit habe, als die schönen und gelungenen Momente, die es freilich genauso gibt: Schlecht ist das nicht alles, nur oft falsch. Aber nun ja, da lese ich dann doch lieber noch ein bisschen in Elke Erbs neuestem roughbook …
Jan Wagner: Regentonnenvariationen. Gedichte. München: Hanser Berlin 2014. 103 Seiten. ISBN 9783446246461
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In diesem Jahre gab es am Tag der sel. Märtyrer Johannes und Paulus am Freitag eine Sonnenfinsternis, die von der ersten Stunde bis zur dritten dauerte. Als das geschehen war, wurden die Körner und Samen aller Bodenpflanzen, die vorher in gutem Zustand waren, sichtbar verkleinert. Es folgten große Überschwemmungen an den Flüssen, die auf den Feldern, in den Städten, an den Mauern und Dörfern großen Schaden anrichteten.
so heißt es unter der Überschrift „Das Jahr des Herrn 1321. Von der Handlungsweise König Johanns und von anderem“ in der Königsaaler Chronik. Etwas später, immer noch im 10. Kapitel des zweiten Buches der Chronik, wird dann berichtet:
Es soll allen, die bei Gott an Christus glauben, bekannt werden, dass im Jahr des Herrn 1321, am Freitag nach der Geburt des heiligen Johannes des Täufers, in der Grafschaft Anjou und Touraine eine schreckliche Sonnenfinsternis stattfand, sodass bald über vier Stunden dieses Tages die Sonne glühend und blutrot war, und in der Nacht desselben Tages war der Mond verunstaltet und verdunkelt wie ein Sack, sodass die Einwohner des Landesglaubten, es sei das jüngste Ende der Welt. Und am selben Tag war ein unglaublicher Donner zu hören und unaussprechliche Blitze zu sehen, sodass viele sahen, dass sehr viele Feuergloben vom Himmel auf die Erde und auf Häuser fielen, sodass die Dächer, die mit Stroh gedeckt waren, an einigen Orten verbrannten, und es war ein schrecklicher Drache in der Luft zu sehen, durch dessen Atem und übelriechendes Geschnaube nicht wenige Menschen ausgelöscht wurden. Darüber hinaus gab es an einigen Orten und anderen ein Erdbeben, sodass die ganze Erde zitterte, sodass durch dieses Zittern viele Gebäude, die jenseits des englischen Meeres gelegen waren, einstürzten.
Mal sehen, was heute noch so alles auf uns zukommt …
Klaus Wagenbach (Hrsg.): Störung im Betriebsablauf. 77 kurze Geschichten für den öffenlichen Nahverkehr. Berlin: Wagenbach 2014. 143 Seiten.
Eine lustige Edition ist das, die mir zufällig im Buchladen in die Augen und Hände gefallen ist: Klaus Wagenbach hat kleine Texte gesammelt, für die Lektüre unterwegs im ÖPNV. Der Zweck bestimmt auch die Ordnung der Texte nach Anlass und Länge: Kurzstrecken, Bahnhof, Zwei Stationen etc. sind die Kapitel überschrieben. Hinter der witzigen und sympathischen Idee steckt aber vor allem eine schöne und vielfältige Sammlung größtenteils großartiger Kurzprosa: Kurzgeschichten, Parabeln, Anekdoten, Fabeln und vieles mehr. Wagenbachs Auswahl beweist ein sehr hohes Qualitätsniveau ohne Ausreißer: Das ist einfach gut ausgesucht. Und vieles Bekanntes ist dabei, natürlich – aber auch einiges Überraschendes, Unerwartetes. Und auch beim Wiederlesen entwickelt so manches in diesem Zusammenhang neue Aspekte. Das kleine Bändchen ist wirklich eine vortreffliche Lektüre für die Zeit des Bewegt-Werdens – da wünscht man sich manchmal beinahe eine tatsächliche „Störung im Betriebsablauf“ …
Ulrike Almut Sandig: Buch gegen das Verschwinden. Geschichten. Frankfurt am Main: Schöffling 2015. 207 Seiten.
„Es ist so leicht zu verschwinden.“ (35) Das ist das ganze Problem. Denn wir Menschen sind tatsächlich kaum mehr als ein Gras im Wind – einmal hier, bald wieder weg. Und darum geht es in diesem Geschichten-Band (ausdrücklich nicht Erzählungen!): Um das Verschwinden, um das Vergessen. Und darum, wie sich das (vielleicht) doch verhindern oder aufschieben lässt – mit dem Erzählen zum Beispiel. Aber wer sagt dann, dass das Erzählte was mit der vergangenen/verschwundenen Realität zu tun hat? Doch: Das ist keine philosophische Abhandlung, kein Essay – und will es auch gar nicht sein. Sondern eine Feier des Erzählens. Denn Sandig ist eine großartige Erzählerin, deren breites stilistisches Repertoire und deren Sprache ich sehr mag (das war auch schon bei den Flamingos so!). Ich zitiere aus Faulheit mal die Verlagswebseite:
Ein junger Journalist versucht inmitten der Unruhen um den Istanbuler Gezi-Park die Erwartungen seiner Mutter abzuschütteln, die nach dem Mauerfall 1989 das Reisefieber gepackt hat. Ein Wanderer geht während eines Schneesturms in den uralten verwunschenen Wäldern des Engadin verloren. Ein kleines Mädchen wird zum nächsten Venusdurchgang von der Großmutter ans Ende der Welt geflogen. Wohin ihre Spuren führen, ist eines der vielen Rätsel dieser Geschichten.
Rätsel weisen Sandigs Geschichten immer wieder auf. Aber keine Spannungs- oder Krimi-Rätsel, sondern Rätsel, die auf die Frage nach der Wahrheit, der Wirklichkeit der Vergangenheit und der Erinnerung verweisen. Mir ist dann die eigentlich Geschichte oft gar nicht so wichtig – ob es nun um einen Witwer geht, der sich und seine Einsamkeit sowie seine fortschreitende Demenz beobachtet, um einen jungen Journalisten, die Wanderer im Engadin, die den mythisch-verklärten Tamangur-Wald entdecken wollen – die Hauptsache ist immer wieder das Erzählen selbst.
Ja, an diesem Tag und in dieser Minute findet sie plötzlich, dass sie sich diese Geschichte immer wieder anhören könnte und immer wieder in der jeweils aktuellen Version, und jeder Version würde sie Glauben schenken, wohl wissend, dass wir, jede Einzelne von uns, die Erzählerinnen unserer eigenen Geschichten sind und dass es nicht darauf ankommt, was in Wirklichkeit passiert ist, solange wir eine Version haben, die uns das Leben und alle, die darin verschwinden, erträglicher macht. (36f.)
Es gibt auch ein nett gemachtes „Video zum Buch“ von Harald Opel:
Ulrike Almut Sandig – Buch gegen das Verschwinden
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Joachim Zelter: Wiedersehen. Tübingen: Klöpfer und Meyer 2015. 126 Seiten.
Offiziell als „Novelle“ betitelt – und das haut auch hin. Ein kurzer Text für zwischendurch (die 126 Seiten sind recht großzügig gesetzt), mit hohem Spaßfaktor: Der Lieblingsschüler Arnold Litten trifft nach zwanzig Jahren wieder auf seinen immer schon etwas kauzigen Lieblingslehrer Thorsten Korthausen, der ihn, der mittlerweile zum Germanistik-Professor (vermutlich …) geworden ist, damals im Fach Deutsch unterrichtet und für die Literatur begeistert hat. Im Rückblick tauchen die sehr ungewöhnlichen Lehrmethoden Korthausens noch einmal auf (die jeder Ordnung, Vergleichbarkeit oder Planmäßigkeit spotten, aber natürlich höchst genial waren und alle Schülerinnen und Schüler enorm begeisterten …). Jetzt also das Wiedersehen, auf einer von Korthausen extra dafür ausgerichteten Party, bei der Litten auch noch ohne Vorwarnung einen Vortrag halten soll. Das alles geht, fast erwartungsgemäß, fürchterlich schief und gibt allen, vor allem aber Litten selbst, gründlich Gelegenheit, sich selbst, ihre Stellung und ihrer (Lebens-)Ziele, aber auch die gemeinsame Vergangenheit, noch einmal gründlich zu überdenken. Das ist alles sehr liebevoll geschildert, mit wunderbaren Typen (gerade die Nebenfiguren sind herrlich). Die konfrontative Situation steigert sich immer mehr, bis das Ganze schließlich in eine ziemlich wilde Groteske umkippt. Kurz vor dem Schluss (der noch einmal eine absolut unnötige „überraschende Wendung“ bietet) heißt es dann:
Er hätte niemals hierherkommen dürfen. […] Dass es ein Fehler sei, einen Menschen wie Korthausen nach über zwanzig Jahren einfach wiederzusehen. Dass man dabei nur verlieren kann, zuerste einen geliebten Lehrer udn dann sich selbst. Dass man sich dadurch seiner grundlegensten Ebenen beraubt. Und seiner schönsten Bilder. (125)
„Gedichte“ stimmt hier gerade so – es sind nämlich genau zwei Langgedichte, die in diesem kleinen Bänchen zu finden sind: „Werichbin“ (das scheint die bevorzugte Schreibweise des Titels zu sein) und „Über das Zusammenfügen von Teilen“. Beide sind wieder typische Böhmer-Schöpfungen: Auf Mittelachse stehen diese Texttürme, ohne Reim oder festes Metrum, sind sie fortlaufende Ketten von Einfällen und Assoziationen. Formgebend ist beim Titelgedicht „Wer ich bin“ zum Beispiel das „Wie“ – „So“ und „Daß“ am Beginn der einzelnen Versgruppen in den drei Teilen des Titelgedichts.
Wer diesen (Vor-)Namen trägt, muss vielleicht so schreiben: voller Bildgewalt, voller Wissen, immer alles wollend und auch alles sagen wollend, Texte voller Welthaltigkeit (oder vielleicht auch Weltallhaltigkeit?) und Sprachbeherrschung produzierend. Auch „Werichbin“ überwältigt mit dieser Vielfalt, wie immer bei Böhmer ist das alles kaum fassbar. Seine Gedichte hinterlassen bei mir den Eindruck von Größe und auch Erhabenheit (das mag mit dem hymnischen Ton seiner Lyrik zusammenhängen), von Sprachgewalt und wissender Klugheit, die den Leser emporzuheben scheint (auch wenn ich nicht unbedingt sagen könnte, wohin – oder was ich daraus „gelernt“ hätte): Man kann – und das behaupte ich ja gerne von guten Kunstwerken – das nicht lesen (bzw. sehen oder hören), ohne danach ein anderer Mensch zu sein. Und hat immer etwas von permanenter Überforderung: Ich habe beim Lesen immer das Gefühl, dass mir viel entgeht – zugleich aber auch den Eindruck, dass ich ganz viel davon habe, das jetzt zu lesen. Michael Braun hat in seiner Rezension wohl nicht ganz zu Unrecht darauf hingewiesen, dass Böhmers Lyrik als „Überfluss-Produktion“ funktioniere. Das macht sie aber eben schwierig und faszinierend zugleich … Das kleine Bändchen – sozusagen Böhmer für Einsteiger (Kaddish ist da allein wegen seines Umfangs ja schon abschreckender …) – enthält außer den beiden Gedichten noch ein kurzes Nachwort (das mir wenig brachte) und drei Collagen – eine bunte vom Autor auf dem Umschlag, eine schwarz-weiße von ihm im Vorsatz und eine weitere von Lydia Böhmer zu Beginn von „Über das Zusammenfügen von Teilen“.
Marc Degens: Fuckin Sushi. Köln: DuMont 2014. 320 Seiten.
Ein tolles Buch übers Erwachsenwerden in Bonn, die Musik (und den Alkohol), das Leben und den ganzen Rest: intelligent ausgedacht, schnell und flott geschrieben und auch zügig gelesen – und zudem gibt es einereichhaltigecrossmedialeBegleitung für die, die so etwas mögen – die fängt übrigens mit Playlists des Protagonisten (u.a. sein erster Ipod mit „langer“ Musik) schon im Buch selbst an. Mehr zu dieser Leseempfehlung gibt es in einem eigenen Text, nämlich hier.
Ulrich Lappenküper & Ulf Morgenstern (Hrsg.): Dem Otto sein Leben von Bismarck. Die besten Anekdoten über den Eisernen Kanzler. München: Beck 2015. 128 Seiten.
Der Titel ist natürlich selten dämlich. Wieso sich der Beck-Verlag zu so einem Unsinn hinreißen lassen hat, verstehe ich nicht. Denn das Büchlein hat ja durchaus einen hohen Anspruch. Sicher, es geht um Anekdoten. Aber die sollen viel leisten, wie die beiden Herausgeber in der Einleitung betonen:
[…] hegen die Herausgeber die Hoffnung, mitels der hier versammelten Äußerungen von und über Bismarck seiner Persönlichkeit näher zu kommen, als es manch tiefgründige historische Darstellung vermag. (8)
Ich halte das prinzipiell für gewagt und im Falle dieser kleinen Sammlung auch für nicht erfüllt. So viel also zum Negativen. Was bleibt dann? Eine kuriose Sammlung von mehr oder minder amüsanten Begegnungen, Begebenheiten und Erinnerungen Bismarcks und seines Umfeldes. Die ersten Jahre sind naturgemäß schwach vertreten und gerade dort bleibt der Protagonist auch blass, wenn auch seine Genialität natürlich (schließlich wurden die Anekdoten alle Jahrzehnte später niedergeschrieben) schon allen Verständigen sichtbar war. Überhaupt entsteht hier das Bild eines Bismarck, der nicht so sehr „Eiserner Kanzler“ war, sondern vor allem ein gewitzter Draufgänger. Das liegt natürlich (auch) in der Natur der hier versammelten Quellen begründet – wie wahr das ist, kann ich nicht wirklich beurteilen. Feststellen lässt sich aber auch ohne detaillierte Bismarck-Kenntnisse die Neigung zur frühen und ziemlich vollständigen (Selbst-)Stilisierung.
Daneben werden aber durchaus auch schöne Begebenheiten hier berichtet. Zum Beispiel über die Rolle des Rauchens im Frankfuter Bundestag, das schnell als Rangmerkmal, als Statussymbol entdeckt wird (wer darf in den Sitzungen rauchen?) und das fast genauso schnell seine Untauglichkeit dafür erweist, weil schließlich (nahezu) alle rauchen, selbst wenn sie, d.h. die Gesandten, es nur unter größtem persönlichem Widerwillen tun. Auch schön: Bismarcks etwas dämlicher Feldzug gegen die Antiqua-Drucke und sein Bestehen auf Fraktur-Schriften für den Dienstgebrauch. Und hier darf natürlich nicht fehlen: Sein Widerstand gegen die Einführung einer neuen Rechtschreibung (1876). Dazu heißt es in diesem Bändchen, das alles in allem doch eine nette Lektüre für zwischendurch ist:
Er sprach mit wahrem Ingrimm über die Versuche, eine neue Orthographie einzuführen. Er werde jeden Diplomaten in eine Ordnungsstrafe nehmen, welcher sich derselben bediene. Man mute dem Menschen zu, sich an neue Maße, Gewichte, Münzen zu gewöhnen, verwirre alle gewohnten Begriffe, und nun wolle man auch noch eine Sprachkonfusion einführen. Das sei unerträglich. Beim Lesen auch noch Zeit zu verlieren, um sich zu besinnen, welchen Begriff das Zeichen ausdrücke, sei eine unerhörte Zumutung. Ebenso sei es Unsinn, Deutsch mit lateinischen Lettern zu schreiben und zu drucken, was er sich in seinen dienstlichen Beziehungen verbitten werde, solange er noch etwas zu sagen habe. (79)
Bertolt Brecht: Der gute Mensch von Sezuan. Parabelstück. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1964. 144. Seiten.
Gottfried Immanuel Wenzel: Verbrechen aus Infamie. Eine theatralische Menschenschilderung für Richter und Psichologen in drei Akten. Mit einem Nachwort herausgegeben von Alexander Kosenina. Hannover: Wehrhahn 2014 [1788] (Theatertexte, Bd. 43). 64 Seiten.
Die zwölf Arbeiten des Verlegers | Edit – jan wenzel charakerisiert die tätigkeit des verlegens in 12 arbeiten und beginnt mit dem „einkreisen der gegenwart“, bevor er sich eher prosaischen arbeiten widmet
Die Arbeit des Verlegers ist vor allem eine Suche. […] Der Wunsch, die flüchtige Gegenwart lesbar zu machen, ist sein Antrieb. Die Spur seiner Suchbewegung sind die Bücher, die entstehen. Jetzt und jetzt und jetzt.
Vorschläge für eine bessere Opernwelt. | Bad Blog Of Musick – moritz eggert macht – ziemlich einfache – vorschläge, wie die opernwelt deutschlands besser (und vor allem: aktueller) werden könnte: einfach mehr neue opern spielen – und zwar nicht nur uraufführungen, sondern auch nach-inszenierungen …
Gäbe es aber viel Neues, Verrücktes und Experimentelles in den Opernhäusern zu sehen, so würde man sich auch gerne mal eine Mozartoper anschauen, die ohne sinnlosen Schnickschnack auskommt und in der sich niemand anpissen muss. Das wäre dann auch nicht spießig, sondern lebendige Tradition in Kommunikation mit dem Neuen. Wenn ich mir die “Mona Lisa” anschaue, so ist es halt die “Mona Lisa”, und das ist auch in Ordnung so. Ein Dokument einer bestimmten Zeit, einer bestimmten Sicht auf die Dinge. Ich muss das nicht zerstören, sondern kann es auch so mal stehen lassen. Es wäre alles so einfach. Wenn sich nur jemand mal endlich trauen würde, etwas dauerhaft zu ändern.
Doch der Rektor der Universität Freiburg versteht die ganze Aufregung nicht. Wir glauben ihm. Er versteht es einfach nicht, aber genau das ist ja das Problem. An deutschen Universitäten, die dauernd Exzellenz beschwören und nach Stanford schauen, gibt es zu viel Spitzenpersonal, das einfach nicht versteht, wenn sich andere über die Phrasen aufregen, mit denen es seine merkwürdigen Entscheidungen dekoriert.
Darum aber, die Arbeit der Polizei bequemer zu machen, darf es nicht gehen. Sicherheit ist nicht das oberste Ziel eines Staates, auch wenn Innenminister das gerne behaupten. Wäre es das, würde dieser Staat bald all seine Bürger vollständig überwachen. Genau um das zu verhindern, gibt es das Grundgesetz, es ist eine Sammlung von Abwehrrechten, mit denen sich die Bürger den Staat vom Leib halten sollen. Und dort steht, die Würde der Menschen zu schützen und zu erhalten, sei die erste Regel. […] Kein Anschlag der vergangenen Jahre war im Nachhinein eine Überraschung, alle Täter waren bereits zuvor aufgefallen. Für diese Erkenntnisse brauchte es keine gesetzliche Vorratsdatenspeicherung.
Als Engstler 1986 mit dem Bücherverlegen begann, hatte er keinerlei Finanzkapital im Hintergrund. Das ist bis heute so. Sein Einmannbetrieb rechnet sich marktwirtschaftlich nicht. Engstlers Bücher, nunmehr knapp 200 und fast alle noch lieferbar, sind Nischenprodukte: Lyrik, experimentelle Prosa. […] Engstler ist ein Beispiel dafür, dass doch ein richtiges Leben im falschen möglich ist. Ein glücklicher Rebell, dem nichts mangelt. […] Was immer da abläuft, es ist unbezahlbar.
Das ist – man muss es so direkt sagen – ein grandioses Buch. Vielleicht liegt das gerade an seiner Unscheinbarkeit. Denn eigentlich erzählt Marc Degens etwas, das man so ähnlich schon tausendmal (und in letzter Zeit auch gehäuft) lesen konnte: Das Erwachsenwerden in der Provinz. Nun gut, Provinz ist für Bonn vielleicht zu bösartig, aber es trifft das Gefühl des Protagonisten Niels. Der ist 17 Jahre alt, gerade mit seinen Eltern (von denen wir sehr wenig erfahren) von Gelsenkirchen nach Bonn umgesiedelt und widmet sich zunehmend der Musik. Zunächst vor allem hörend – und zwar nur lange Lieder, keine kurzen (Hit-)Songs -, bald aber auch, zusammen mit seinem Freund René bzw. R@ selbst musizierend. Die starten, das wird nicht so ganz klar, entweder als Genies oder als eine Art „Geniale Dilletanten“ mit einer Mischung aus Konzert, Performance und Happening vor dem Café, das Heino gehört. Daraus entwickelt sich dann schnell großes, nämlich „Fuckin Sushi“, zunächst als Trio, dann als Quartett, und am Schluss wieder als Trio – dann aber ohne Niels. Dazwischen steht ein mehrmonatiger Rausch an und mit der Musik (und jede Menge Alkohol und Zigaretten …). „Fuckin Sushi“ landet mehr oder weniger zufällig einen You-Tube-Hit, tingelt kurz durch Deutschland, zerstreitet sich, zerfällt an Querelen und der Uneinigkeit über die Ausrichtung der Band. Niels verkraftet den Ausschluss nicht so gut, unternimmt auch einen Pseudo-Selbstmordversuch im Hochwasser des Rheins, gammelt lange vor sich hin und findet sich schließlich – wiederum mit Hilfe einer Frau – in New York, wo er sich als Schriftsteller neu erfindet, der Fuckin Sushi niederschreibt.
Das klingt, so erzählt, banal und langweilig. Das Entscheidende am Roman von Marc Degens ist aber das Wie des Erzählens, vor allem seine Sprache: Die ist direkt und unverfälscht – sie lässt den Leser in den Rausch und die Glückseligkeit des Musikmachens sehr unmittelbar eintauchen. Und sie lässt ihn auch die Schwierigkeiten des Älter- oder Erwachsenwerdens von Niels sozusagen hautnah miterleben. Dass Fuckin Sushi nebenbei auch noch eine ziemlich realistische Schilderung der BRD am Anfang des 21. Jahrhunderts, insbesondere Bonns und Umgebung, ist, kann man als nette Zugabe verbuchen. Wichtiger ist aber das Tempo, der Drive und der Witz, mit dem Degens erzählt. Der Kritiker der „taz“, Jens Uthoff, hat das sehr gut auf den Punkt gebracht: „Über weite Strecken ist Fuckin Sushi eine spannend geschriebene Hommage an das Unreglementierte, das Unreflektierte, das Jungfräuliche der Jugend – wobei auch diesbezüglich die Zwischentöne, ein heute anders erlebtes „No future“, stimmen.“
So laut die Band „Fuckin Sushi“ ist, so leise kommt – und doch ziemlich erwartbar – das Ende: Es kommt, wie es kommen muss, die Band zerstreitet sich, Niels wird rausgeworfen, weil, das klang vorher schon immer wieder an, die Band sich stärker an Hits und Rezipienten orientiert und die Begeisterung und das empathische Aufgehen im Akt des Musizierens in den Hintergrund gerät. Damit – und mit den Depressionen Niels’ – gerät allerdings auch das zentrale Prinzip von „Fuckin Sushi“ in Bedrängnis: Mit dem „Abrentnern“ ist es sowohl bei der Band als auch bei Niels nicht mehr so weit her. Dabei klang das vorher doch noch nach so einer tollen Idee: „Weltfrieden und Abrentnern sofort“ ist nicht nur der Slogan der Band, sondern auch ein Ideal ihrer Protagonisten, zumindest von Niels. Der formuliert einmal sehr treffend:
»Abrentern ist gut«, sagte ich warnend. »Aber man darf auf keinen Fall veradenauern.« (269)
Nach der begeisterten Begleitschreiben-Rezension musste ich das auch lesen. Und ich kann Gregor Keuschnig ziemlich vollkommen zustimmen, deswegen brauche ich das hier nicht noch mal alles auszubreiten: Das ist ein guter Roman. Sicher, Degens fokussiert das sehr stark auf seinen Protagonisten Niels. Das hat etwas vom Tunnelblick: alles, was nicht mit ihm, R@ und vor allem eben der Musik, also in erster Linie „Fuckin Sushi“, zu tun hat, wird ziemlich radikal ausgeblendet oder zumindest an den Rand gedrängt. Es geht dem Rest der Figuren (und auch des Lebens Niels) dabei ein bisschen so wie den Band-Mitgliedern im Müll-Tower, ihrem ziemlich abgefuckten Proberaum: Nur sie sind zu erkennen, die Decke – das heißt die Umwelt – bleibt im undurchdringlichen Dunkel verborgen. Und im Müll-Tower wird es ja, ganz furchtbar symbolisch, auch immer dunkler und kälter, je weiter sich Niels und der Rest der Band von einander entfernen (diese etwas platte Symbolik ist nicht das stärkste Moment, aber andererseits auch nicht übermäßig aufdringlich) … Warum es aber diese seltsamen, halbherzigen Versuche gibt, dieses Dunkel zu durchbrechen, mit ziemlich aufwendigen Vorbereitungen und Einkäufen von extrastarken Taschenlampen (aber eben immer nur Taschenlampen, nie Scheinwerfern, obwohl Strom ja da wäre und für die Band-Instrumente ja auch nötig ist …) und so weiter, und zwar sowohl von Niels als auch von Lloyd, die aber beide damit irgendwie sehr vorhersehbar scheitern und diese Ausleuchtungsversuche dann auch nicht weiter verfolgen, bleibt mir recht unklar. Doch das nur nebenbei … Denn der Witz von Fuckin Sushi ist ja eher, dass es sich gar nicht übermäßig um tiefere Bedeutung, große Zusammenhänge, hohen Sinn bemüht, sondern genau die Suche eines jungen Erwachsenen, eines erwachsen werdenden Jugendlichen, nach diesen Zusammenhängen, nach einem Standpunkt, einer Deutung des Lebens, der Welt und des ganzen Rests genau und mitfühlend beschreibt, ohne sentimental oder flach zu werden. Darin liegt die große Stärke und nicht zuletzt das große Vergnügen von Degens’ Roman.
Bonn war eine schöne, alte Frau, in deren Gesicht an manchen Stellen der Schädel durchschien. Nicht durch die Prachtbauten wurde die Stadt veredelt, sondern durch den Schmutz und den Dreck. Die Fixer und Stricher am Hauptbahnhof waren das Geilste an Bonn. Sie schürten die Angst und die Angst war der Motor unserer Musik. Ohne Musik aber gab es nur noch Angst. (292)
Marc Degens: Fuckin Sushi. Köln: DuMont 2015. 320 Seiten. ISBN 9783832197476.[/su_box]
When you’re privileged you don’t even know you’re privileged When you’re not, you know
so bringt my brightest diamond eines der großen probleme unserer zeit und gesellschaft mit den ersten zeilen eines popsongs ganz treffend und klar auf den punkt – noch dazu in einem auch sonst sehr guten song: high low middle heißt der und klingt so:
der text des 2011 auf all things will unwind erschienenen songs geht übrigens so weiter:
When you’re happy you don’t even know you’re happy When you’re not, you know
Righteous heathen Blinded and seeing You’re next you’re before You’re pompous you are poor You’re hungry yet strangely You’re working like crazy Selling buying Laughing and crying
High low middle High low middle High low middle Keep yourself low, but not too low
Saving wasting Dying for a tasting Banging for a buck And you’re shit and out of luck
Are you fat or are you eating up your hat Are you fat Are you
High low middle High low middle High low middle Keep yourself low, but not too low
Lord help you when you’re growing old Lord help you when you’re tired and cold Lord help you when the dealings done Lord help you when the gettin’s gone
delta‑q hat eine sehr schöne version der beethovenschen „ode an die freude“ aufgenommen (und auch das video dazu hat seine guten seiten …):
Delta Q – Ode (An die Freude)
Beim Klicken auf das und beim Abspielen des von YouTube eingebetteten Videos werden (u. U. personenbezogene) Daten wie die IP-Adresse an YouTube übertragen.
Sorgen kann man sich um vieles. Aber wo kämen wir hin, wenn jede Sorge zu einem vorsorglichen Verbot des mutmaßlichen Sorgenanlasses führen würde? Der öffentliche Raum ist kein klinischer Bezirk, der nach der Metapher der Keimvermeidung zu denken wäre. Auch für die bekenntnisoffene Gemeinschaftsschule gilt, dass sie Spiegel der religiös-pluralistischen Gesellschaft ist, heißt es in dem Beschluss, den der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts am Freitag veröffentlichte.
Penny will einen anderen Feminismus. Einen Feminismus, der sich nicht ausschließlich für das Idealbild der Karrieretraumfrau einsetzt, ein Feminismus für Homosexuelle, Hässliche, Arme, Schwarze, Männer. […] Penny hat keine Antwort auf die Frage, wie alles anders werden kann, aber das ist auch nicht ihr Job. Sie formuliert nur mit absoluter Radikalität, dass es anders werden muss. Für Frauen, Männer, für alle. Und dabei gelingen der rasend klugen Penny dann Beobachtungen und Analysen, für die man sie küssen möchte
Laurie Penny: Lebe wild und frei! | ZEIT ONLINE – marie schmidt hat sich mit laurie penny getroffen und einen zwischen übermäßiger personalisierung und theorie schwankenden text aus boston mitgebracht. laurie penny:
„Ich glaube, die Idee einer Zukunft, in der Geschlechterrollen ganz aufgegeben werden, ist ganz erschreckend für Männer, denn ihr Selbstwertgefühl stammt aus einer Welt, die es nie wirklich gab, in der sie die Mächtigen waren, das Geld verdienten und die Abenteuer bestanden“, sagt sie, bevor sie im Café Diesel nicht mehr still sitzen kann und wir atemlos über den verschneiten Campus rennen.
Kandidat für Leipziger Buchpreis: Dichter am Erfolg – taz.de – luise checchin hat sich in der lyrikszene umgehört und rekationen auf die/einschätzungen der nominierung von jan wagners „regentonnenvariationen“ für den preis der leipziger buchmesse gesammelt
Der Klassenzimmer-Club der toten Dichter Das kann ja wohl nicht wahr sein: Der modernste Autor, der in Berliner Schulen gelesen wird, ist seit fast sechzig Jahren tot. Zur Lage der zeitgenössischen Literatur in deutschen Oberstufen.
Bitte malt mir kein Schaf! | – anne schüssler über die missbräuchliche nutzung des „kleinen prinzen“ (ich bin aber doch der meinung, dass schon der „kleine prinz“ eigentlich ziemlich schrottig ist und den missbrauch geradezu herausfordert …)
Ich mochte meine Grundschullehrerin wie jedes normale Grundschulkind seine Lehrerin mag, aber im Nachhinein muss man vielleicht sagen, dass sie eben auch Unfug gemacht hat. Gesellschaftlich anerkannten Unfug zwar, aber trotzdem Unfug.