Gedichte ohne Studienabschluß zielen
Auf deutsche Widmungssprache, kalkulierte.
Totalausfälle, die ich stets verneinte.
—Thomas Kunst, Wie Heidelberg dahinten artig glitzert

Gedichte ohne Studienabschluß zielen
Auf deutsche Widmungssprache, kalkulierte.
Totalausfälle, die ich stets verneinte.
—Thomas Kunst, Wie Heidelberg dahinten artig glitzert
Ins Netz gegangen am 18.4.:
Wenn die soziale Gerechtigkeit am Ende doch parteiisch gedacht war. Die Moral zerbricht an so einem Widerspruch. Das kam wohl auch daher, dass diese Generation von kritischen Söhnen sich auf einem Olymp der Moralität wähnten und dort bleiben wollten. Aber ungestört. Statt also den Olymp zu demokratisieren, wurde die deutsche Kultur zu einem der vielen old boys clubs, wie sie die Welt immer schon beherrschten. Solche Personen haben viel verändert und am Ende dann wieder gar nicht so viel.
Diese sozialen und ökonomischen Dissonanzen müssen sich in der Literatur niederschlagen, die monströse Asymmetrie des Lebens, Momente der Schönheit neben Ausbrüchen atavistischer Grausamkeit, die Verstrickungen des einzelnen im großen Ganzen, gerade wenn er oder sie sich herauszuhalten sucht. Die Literatur muss sagen, was Sache ist, muss dokumentieren, nachhaltig aufbewahren und damit anklagen, welche Verheerungen sich ereignet haben und wer die Verursacher sind
Effectively, we’ve lost equal access to the public roadways unless we’re willing and able to foot the hefty bill for a car. Instead, what we have is an infrastructure optimized for private vehicles and a nation of subsidized drivers who balk at the idea of subsidizing any other form of transit, and who react to a parking ticket as though they’ve been crucified.
Die Römer hielten Gladiatorenkämpfe, also das, was wir heute Barbarei nennen, für Spiele. In einer späteren Zivilisation wird man womöglich auf uns zurückblicken und sich fragen, warum wir die Barbarei auf unseren Straßen für Sport gehalten haben.
Brinkmann wollte die ungefilterte Wirklichkeit darstellen, einen unvermittelten, ersten Eindruck der Dinge wiedererlangen und sprachlich formulieren.[…] Brinkmann ist als Poet, dessen großes Thema Entfremdungserfahrungen, die Wahrnehmung und das Bewusstsein waren, noch immer aktuell: Die Mediatisierung ist vorangeschritten; die Erfahrungen sind noch weniger als zu Brinkmanns Zeiten unmittelbare. Mehr noch: Die mediale Verwertung des Augenblicks muss heute stets mitgedacht werden, erst das Selfie dient dazu, uns unserer selbst zu versichern. Und auch sein Strampeln und Schlagen „gegen die Subjektverdrängung“ (Handke), gegen die Verdinglichung und den Verlust natürlicher Lebenswelten spiegelt stets aktuelle menschliche Grundkonflikte oder fortlaufende Prozesse.
Hier sind nach wie vor die Befürworter der Speicherung in der Pflicht nachzuweisen, dass eine Einschränkung der Bürger- und Freiheitsrechte überhaupt einen Nutzen bringt, der den weiteren Ausverkauf des Grundgesetzes und europäischer Wertestandards verschmerzbar erscheinen lässt.
Wenn ich schon Verzicht üben und künftig in einem anderen Staat leben soll, der mich als potenziell Verdächtigen behanelt, dann möge man mir bitte plausibel erklären, warum.
Ins Netz gegangen am 15.4.:
Und dann bleibt da noch die Haltung, die sich in dem Vorhaben zeigt. Das Grundgesetz wurde in dem Wissen geschaffen, dass die Exekutive prinzipiell übergriffig ist, dass sie immer versuchen wird, ihre Bürger stärker zu überwachen. Das Grundgesetz soll die Bürger davor schützen, soll den Staat im Zaum halten. Diverse Gerichte haben das angesichts der vielen, vielen Überwachungsinstrumente, die es längst gibt, immer wieder betont, bekräftigt, daran erinnert. Überwachung trotzdem ausdehnen zu wollen, ist geschichtsvergessen und ignorant gegenüber der Verfassung.
Ihm war nicht zu helfen. In seinem kurzen Leben schuf er unter enormem Druck einige größere Werke. […] Seine gesamte Prosa hatte ohnehin mit Pop nichts zu tun und nur ein kleiner Teil seiner Gedichte war davon angeregt. Gerade auch die jüngeren Studien aus der Forschung legen darauf Wert. Pop steht nicht nur in der Literatur bis heute für ein positives Weltverhältnis, für einen spielerischen Umgang mit der Realität und – vielleicht am wichtigsten – für das Hinnehmen von Konsum und Kommerz. Nichts davon passt auf Brinkmann. […] Sein Werk steht vielmehr im Zeichen der nachholenden Moderne.
Auch hat sich der Diskurs fragmentiert und in verschiedene Zuständigkeitsbereiche aufgeteilt. Hier die Politik, da die Kunst, sprechen Sie, wenn Sie aufgefordert werden und für den Rest gilt: Ruhe, setzen. Ein Weisungsmonopol, wie es Grass innehatte, kann heute kein Intellektueller mehr für sich beanspruchen und es scheint auch nicht mehr erwünscht. Die Frage ist, ob zu viel Stille irgendwann taub macht.
Wir gefährden die Demokratie, wenn wir die Grenzen zwischen öffentlich und privat aufheben, sei es mutwillig oder nachlässig.
sehr schönes gespräch mit harald welzer über privatheit, den nutzen und die gefahren von innovationen, auch digitalen techniken, und die möglichkeiten, sich dem entgegenzustellen, das zu ändern …
maybebop, ich seh dich (im pop-mix, von der neuen cd „das darf man nicht“ – die übrigens auch sehr schön geworden ist):
Kammerflimmer Kollektief, Zurück zum Beton:
Ins Netz gegangen am 7.4.:
Die digitale Edition der Tagebücher des reformierten Fürsten Christian II. von Anhalt-Bernburg (1599–1656) aus dem Zeitraum von 1621 bis 1656 erschließt einen quantitativ wie qualitativ ganz einzigartigen Brennspiegel der deutschen und europäischen Geschichte sowie der vielfältigsten Diskurse während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Darüber hinaus weist die Quelle einen außergewöhnlich hohen Anteil an verbalisierter zeitgenössischer Subjektivität auf, der dem Text stellenweise sogar literarische Qualität verleiht. Die transdisziplinäre Bedeutung des Werkes bettet sich in eine Vielzahl von Forschungsinteressen und ‑kontexten ein. Dazu zählen nicht nur die jüngsten Untersuchungen zur klassischen Politik- und Militärgeschichte, zu frühneuzeitlichen Selbstzeugnissen, zur Sozial‑, Alltags- und Geschlechtergeschichte, zur Konfessionalisierung, zu verschiedenen Aspekten des Dreißigjährigen Krieges, zur Hof- und Adelsforschung oder zur Sprach‑, Literatur- und allgemeinen Kulturgeschichte, sondern auch zu Themen wie der Geschichte der Emotionen und des Traumes in jener Epoche. Als eine den gegenwärtigen wissenschaftlichen Standards entsprechende digitale Edition wird sie den verschiedensten Forschungsperspektiven eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten bieten können.
Das in quantitativer wie qualitativer Hinsicht unübertroffene, im Landeshauptarchiv Dessau-Roßlau aufbewahrte Diarium besteht aus 23 Bänden mit ungefähr 17.400 größtenteils eigenhändig in deutscher (ca. 87%), französischer (ca. 11%), italienischer (ca. 1%), lateinischer, spanischer und niederländischer Sprache beschriebenen Seiten.
das ist ein ziemlich aufwendiges, großes und langes projekt:
Das auf 12 Jahre angelegte DFG-Projekt beginnt mit einer dreijährigen Pilotphase, innerhalb welcher zunächst die knapp 1.500 Seiten umfassende Periode vom Januar 1635 bis August 1637 transkribiert und veröffentlicht wird. Deren besonders dichte und vielseitige Niederschriften stellen ein geeignetes Feld zur Bewährung und Justierung der editorischen Grundsatzentscheidungen hinsichtlich der Wiedergabe und Kommentierungstiefe der Texte in den Grenzen des zeitlich Möglichen dar. Außerdem versprechen sie einen Ertrag, der paradigmatisch die wissenschaftliche Bedeutung des gesamten Fürstentagebuches zeigt.
bruckner-online.at ist ein umfangreich angelegtes Anton Bruckner-Internetportal (Webarchiv), in dem neben der elektronischen Dokumentation handschriftlicher Quellen auch Kompositionen, relevante Personen und Orte enthalten sind. Zudem werden von allen Handschriften, Erstdrucken und der Alten Gesamtausgabe vollständige Digitalisate zur Verfügung gestellt.
David Garrett will endlich wieder als seriöser Musiker verstanden werden und geht mit den Violinsonaten von Johannes Brahms auf Tournee
sehr amüsant auch die leserinnenstimmen – unter den fanboys und ‑girls finden sich so ziemlich alle pseudoargumente gegen kritik, die seit jahrhunderten widerlegt sind … (und viel hass auf jemanden, der ihr idol nicht vergöttert) – sehr amüsant …
Politische Institutionen sind niemals einfach technisch, aber die hierzulande weitgehend unkritische Darstellung der Troika-Institutionen als solche, die einfach nur die Einhaltung von bereits ausgehandelten Verträgen überwachen sorgt dafür, dass jeder ihr Widersprechende automatisch als Vertragsbrecher wahrgenommen werden muss. Das ist es, was viele Medien mit der neuen griechischen Regierung machen: Um eine Diskussion um ihre Politik zu vermeiden, ziehen sie die Diskussion ins Unpolitische, ins Technische: Verträge sind einzuhalten; Die Regierung ist inkompetent (was man politisch ja kaum sein kann); Sie wollen “Reformen zurückdrehen”.
Die Wahrheit ist eine andere: Die Troika hat eine Politik vertreten, eine Ideologie, die in Wahrheit nirgends in Europa eine Mehrheit hat. Es gibt auch in Deutschland keine neoliberale Mehrheit. Es sind zwei unterschiedliche Dinge, ob man auf die Einhaltung von Verträgen pocht, oder ob man einem anderen Land eine Politik aufzwingt, und dann eine, die ganz explizit von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt wird. Mit dem Mythos der rein technischen Eingriffe wird die Abschaffung der Demokratie verschleiert.
Fefe ist mehr als der Mensch, es ist mehr als das Blog. Zusammen mit seinem Lesermob ist es eine Hassmaschine. Diese Shitstormkultur gegen alles, was ihnen Fremd ist, ist kaum noch ohne Godwingepulle zu beschreiben.[…] Die Nerdszene leidet extrem unter dem Fefismus. Es wird Zeit, dass es in ihr zu einer Form der Selbstaufklärung kommt. Ne…
Geht nun Heim, bewahrt den Traum
den wir alle hatten:
Erde gibt für viele Raum,
so für Mensch und Tier und Baum,
Friede ist kein Schatten.
—Gerd Semmer, Abendlied zu Ostern (1965[?])
es gilt das gebloggte wort.
— felix schwenzel (@diplix) March 1, 2015
http://twitter.com/Wondergirl/status/572459949428776962
So viel Ich-Überschuss. Man könnte über ein adäquates Pfandsystem nachdenken.
— Nils Markwardt (@FJ_Murau) March 9, 2015
Bei jeder Naturkatastrophe installiert Gott vermutlich nur eine neue Schriftart.
— Haus Ohne Fenster (@HausOhneFenster) March 13, 2015
http://twitter.com/edmorrish/status/575285436094017536
http://twitter.com/guenterhack/status/576483412271304705
Sartre ist FSK 18. pic.twitter.com/saHcrA2sI3
— Goldregenpfeife (@Goldregenpfeife) March 13, 2015
http://twitter.com/guenterhack/status/577458783485632512
Der Begriff des Normalen ist vermutlich das tyrannischste und fatalste Produkt des Geistes. Normalität bedeutet immer Unterdrückung.
— Hans-Georg Gadamer (@Gadamer_Tweets) March 16, 2015
„Der Kapitalismus ist ein gutes System, aber er wurde noch nie richtig verwirklicht.“
— Ahoi Polloi (@ahoi_polloi) March 16, 2015
http://twitter.com/guenterhack/status/578899581867524096
Heute ist #EqualPayDay . Wenn mich mein kleines Latinum nicht täuscht, soll man heute sein Pferd bezahlen.
— Friedemann Weise (@FriedemannWeise) March 20, 2015
http://twitter.com/Wondergirl/status/579760751893749760
Ihr könnt die Zeit umstellen, aber die Entropie werdet ihr nicht aufhalten.
— Anatol Stefanowitsch (@astefanowitsch) March 28, 2015
„Ich kenne doch meine Horkheimer“
— David Hugendick (@davidhug) March 31, 2015
auszüge aus einer sehr schönen cd: rudi fischerlehner & olaf rupp, live at lydfestival aarhus:
Ins Netz gegangen am 26.3.:
Ein Beispiel für missglückte Gesetzgebung und institutionalisierte Verantwortungslosigkeit – und ein Aufruf zur Reparatur
Hätte der massive Antisemitismus des Philosophen Martin Heidegger früher belegt werden können? Das fragt sich mittlerweile auch der Verlag der umstrittenen Gesamtausgabe und verlangt jetzt den Herausgebern Rechenschaft ab.
Boulez, der an diesem Donnerstag seinen 90.Geburtstag feiert, ist der vollkommene Musiker. Er ist Komponist, Dirigent, Forscher, Intellektueller, Provokateur, Pädagoge, Ensemble- und Institutsgründer in Personalunion. Und das alles nicht nur im Neben‑, sondern im Hauptberuf. Damit steht er heute zwar allein da, er knüpft aber an ein bis in die Romantik durchaus gängiges Berufsbild an, das Musiker nur gelten lässt, wenn sie möglichst all diese Tätigkeiten gleicherweise ausüben.
Boulez ist von Anfang an ein Praktiker gewesen. Aber einer, der sich nie seine Träume durch die Einschränkungen und faulen Kompromisse der Praxis korrumpieren ließ.
Boulez hat dem Musikbetrieb einen gewaltigen Stoß versetzt und ihm viel von seiner Gedankenleere ausgetrieben. Die Langzeitfolgen sind unüberhörbar.
Die Familienvorlesung war unterhaltsam. Lehrreich war sie insofern, dass sie ein paar Vorstellungen auf den Punkt brachte:
Ein Professor ist ein Star.
Eine Vorlesung ist eine eindrucksvolle Schau.
Verstehen, worum es bei einer Vorlesung geht, tut man wenn überhaupt außerhalb des Hörsaals.
Auf allen Kanälen wurden Schriftsteller wieder über ihr Schriftstellertum befragt, und sie gaben mit schiefgelegtem Kopf Auskunft. Warum Leute, die schreiben, auch noch reden müssen, ist unklar. Aber sie tun es. Es wird erwartet. Da muss irgendein Anspruch befriedigt werden, von wem auch immer. Da muss es wabern, tief und kapriziös sein. Das muss sein, denn das Schreiben ist so ein ungemein tiefer Beruf, dass jeder gerne ein wenig von der leidenden tiefen Tiefe spüren mag.
(das beste kann ich nicht zitieren, das muss man selbst lesen …)
Häuser werden streng rasiert geliefert, oben alles ab. Das alte Spiel mit Trapez- und Treppengiebeln, mit Walm‑, Sattel- oder Mansarddächern, ein Spiel, das Häusern etwas Gemütvolles verleiht, auch etwas Behütendes, scheint die meisten Architekten kaum zu interessieren. Es regiert die kalte Logik des Funktionalismus, sie macht aus dem Wohnen eine Ware. Und da kann ma…
Jenen „Fragebogen“, auf dessen Beantwortung die Bundesregierung angeblich so gedrungen hat, erachteten die Amerikaner jedenfalls „als beantwortet“, teilte das Auswärtige Amt jüngst auf Fragen der Linkspartei-Abgeordneten Andrej Hunko und Niema Movassat mit. Man sehe die Angelegenheit damit als „geklärt“ an, schrieb eine Staatssekretärin. Die Fragen bleiben also weitgehend unbeantwortet. Und die Bundesregierung nimmt das einfach so hin. „Das Auswärtige Amt will keine Aufklärung, inwiefern US-Standorte in Deutschland am tödlichen Drohnenkrieg der US-Armee in Afrika und Asien beteiligt sind“, kritisieren die Parlamentarier Hunko und Movassat. „Das ist nicht nur undemokratisch, sondern es erfüllt den Tatbestand der Strafvereitelung.“
Das Abendland ist ein deutscher Sonderweg von Kultur, Geist, Stolz, Volk und Weinerlichkeit. Warum dieses Geisterreich der Gefühle nicht totzukriegen ist. Eine Polemik
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