»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Erschöpfung

Eine ande­re Form von Müdig­keit: die der »Stel­lung«, des »Ver­hält­nis­ses zu«: »Wie ste­hen Sie zum Mar­xis­mus, zum Freu­dia­nis­mus, zu x, zu y?«, »Wel­che Hal­tung neh­men Sie in die­ser Fra­ge ein?« Ermü­dung: die Fra­ge nach der Posi­ti­on. Die heu­ti­ge Welt ist voll davon (Wort­mel­dun­gen, Mani­fes­te, Unter­schrif­ten usw.), und des­halb ist sie ermü­dend: Schwie­rig­keit, frei zu flot­tie­ren, den Platz zu wech­seln. (Schwe­ben heißt dage­gen einen Raum bewoh­nen, ohne sich an einen Platz fest zu bin­den = erhol­sams­te Kör­per­hal­tung: Bad, Schiff.)Roland Bar­thes, Das Neu­trum, 52

(Das stimmt heu­te viel­leicht noch mehr als vor knapp 40 Jah­ren (1978), als Bar­thes das so beobachtete …)

Aus-Lese #43

Doris Knecht: Wald. Ber­lin: Rowohlt Ber­lin 2015. 270 Seiten.

knecht, waldMan könn­te Doris Knechts Wald als „Stre­eru­witz für Anfän­ger“ bezeich­nen: Ein dezi­diert femi­nis­ti­scher Roman, der auf aktu­el­le Gege­ben­hei­ten reagiert. Für „Anfän­ger“ des­halb – das ist nicht abwer­tend gemeint -, weil Knecht die Radi­ka­li­tät und Här­te, auch im sti­lis­ti­schen, von Stre­eru­witz fehlt. Das macht Wald zunächst mal ein­fa­cher les­bar. Die naht­los wech­seln­den, fast inein­an­der glei­ten­den ver­schie­de­nen Stil­la­gen und das beschwö­ren­de, fern an Tho­mas Bern­hard erin­nern­de (oder sind das nur die Aus­tria­zis­men?) insis­tie­ren­de Wie­der­ho­len bestimm­ter (Schlüssel-)Begriffe ver­lei­hen dem Text einen ganz eige­nen, inter­es­san­ten und oft fes­seln­den Klang.

Es geht hier um ein Reak­ti­on auf die letz­te Welt­wirt­schafts­kri­se – die ganz spe­zi­el­le der Luxus-Mode-Desi­gne­rin Mari­an, die sich mit der Erwei­te­rung ihres exklu­si­ven Geschäf­tes ver­spe­ku­liert hat und, um der dro­hen­den Pri­vat­in­sol­venz zu ent­ge­hen, aus ihrem Leben, der Stadt und der Gesell­schaft flieht in ein dörf­li­ches Haus im Fami­li­en­be­sitz, wo sie nun ver­sucht, ohne Geld in einer Art Sub­sis­tenz­wirt­schaft zu über­le­ben. Das klappt natür­lich nicht so ganz, da sind ein paar Hüh­ner­dieb­stäh­le eben­so not­wen­dig wie eine Art Pro­sti­tu­ti­on mit dem im Dorf resi­die­ren­den Großbauern/​Gutsbesitzer.

In der radi­kal weib­li­chen Per­spek­ti­ve kris­tal­li­siert sich das und die Hin­ter­grund­ge­schich­te Mari­an in der von Knecht sehr klug und har­mo­nisch gestal­te­ten Infor­ma­ti­ons­ver­ga­be erst sehr all­mäh­lich und Stück für Stück her­aus. Gut gefal­len hat mir, wie Knecht hier auf die Labi­li­tät des mor­der­nen Wohl­stand­le­bens hin­weist und die neue Archa­ik unter den Bedin­gun­gen der abso­lu­ten Exis­tenz­si­che­rung auf ein­mal jede Roman­tik ver­liert. Wenn man Mari­an dann als Exem­pel liest, ent­wi­ckelt Wald also eine all­ge­mei­ne Dys­to­pie: Die moder­ne kapi­ta­lis­ti­sche Gesell­schaft ist nur eine sehr dün­ne Hül­le. Und es gibt wenig Mög­lich­kei­ten, sich dem zu ent­zie­hen – auch im Wald bleibt Mari­an ja im Sys­tem gefan­gen, die Bezie­hung zu Franz, ihrem „Gön­ner“ unter­schei­det sich eigent­lich nur in einem Punkt zu ihrem bis­he­ri­gen Leben im Markt­ka­pi­ta­lis­mus: Die Abhän­gig­keit, das Aus­ge­lie­fert Sein ist nun direkt, liegt für alle Betei­lig­ten (und die Zuschau­en­den der Dorf­ge­mein­schaft) offen, im Gegen­satz zu der ver­deckt-indi­rek­ten Abhän­gig­keit von weni­gen wohl­ha­ben­den Käu­fe­rin­nen zuvor. Einen Aus­weg gibt es also nicht – auch das etwas lie­to-fine-mäßi­ge Hap­py-End führt aus dem Sys­tem nicht her­aus, son­dern sta­bi­li­siert nur die Abhängigkeiten.

Sie hat­te nicht im Auge gehabt, dass die Welt­wirt­schafts­kri­se die Zei­ten und Gege­ben­hei­ten viel radi­ka­ler ver­än­der­te, als es auf den ers­ten Blick, ihren Blick, schien: dass die Zei­ten näm­lich für alle unüber­sicht­lich gewor­den waren, auch für die ganz Smar­ten. (59)

Mara Gen­schel: Refe­renz­flä­che #5. 2016

Zu den Refe­renz­flä­chen von Mara Gen­schel etwas klu­ges oder auch nur halb­wegs ver­nünf­ti­ges zu schrei­ben fällt mir sehr schwer. Des­we­gen hier nur so viel: Auch die fünf­te Aus­ga­be hat mich (wie­der) fas­zi­niert. Sie beginnt – etwas über­ra­schend – zunächst fast mir einer rich­ti­gen Sto­ry: Der Zer­stö­rung (die an Pierre Bou­lez’ Auf­for­de­rung, die Opern­häu­ser in die Luft zu spren­gen, erin­nert) des Wies­ba­de­ner Lite­ra­tur­hau­ses Vil­la Cle­men­ti­ne. Aber das, was zer­stört wird, ist natür­lich wie­der nur der Text der Vil­la Cle­men­ti­ne. Bil­der wer­den zu Tex­ten: ein mit Tesa­film ein­ge­kleb­ter Zet­tel „Tür­knauf“ reprä­sen­tiert im Bild­rah­men die Reprä­sen­ta­ti­on des reprä­sen­ta­ti­ven Bau­werks der reprä­sen­ta­ti­ven Kunst (oder so ähn­lich). Die­ses Spiel mit den Eben von Text und außer­text­li­cher Welt, die Auf­he­bung der tra­di­tio­nel­len strik­ten Unter­schei­dung die­ser Signi­fi­ka­ti­ons­be­rei­che ist ja das, was mir an Gen­schels Refe­renz­flä­chen so viel Freu­de berei­tet. Und das funk­tio­niert auch hier wie­der: Der Text ist Text ist Wirk­lich­keit, ist aber schon als Text nicht mehr nur Text, son­dern auch Bild und Mon­ta­ge (ein­ge­kleb­te und ein­ge­schrie­be­ne Tex­te), ist aber auch als Text schon zer­stört durch Über­schrei­bun­gen, ver­rutsch­te Zei­len und Durch­strei­chun­gen etc. Und er wird in sei­ner Mate­ria­li­tät ad absur­dum geführt (?), wenn lee­re Sei­ten einen Rah­men erhal­ten, auf dem ein ein­ge­kleb­tes „Blatt 3“ die Lee­re reprä­sen­tiert und natür­lich zugleich wie­der zer­stört. In die­sem ewi­gen sic-et-non, die­sem ver­spiel­ten hier-und-da muss man wohl den Raum der Refe­renz­flä­che sehen und schätzen.

Danie­la Danz: V. Göt­tin­gen: Wall­stein 2014. 80 Seiten.

Und wo das Vater­land anfängt
ist ein dunk­ler Ort
wie Schnee
der die Umris­se zeigt
wie alles was auf­hört (49)

danz, v„Gedich­te“ ver­heißt V im Unter­ti­tel. Und doch beginnt es nach dem Auf­takt im pri­ni­ci­pi­um nach dem weit zurück­grei­fen­den Zitat aus Zed­lers Uni­ver­sal­le­xi­kon zum Begriff „Vater­land“ erst ein­mal mit Pro­sa (mit dun­kel fun­keln­der, die mich etwas an Klaus Hof­fers Bie­resch-Roma­ne erin­nert), die neue Mythen erzählt. Oder: Kur­ze Pro­sa, die Beob­ach­tun­gen als mythi­sche erzählt, leicht melan­cho­lisch ange­haucht. Immer schwingt da auch ein biss­chen Ver­fall und Nie­der­gang mit.

Schon hier, noch viel stär­ker dann aber in den fol­gen­den Gedich­ten, ist Hei­mat bei Danz immer ein pro­ble­ma­ti­scher Begriff: Gera­de wie selbst­ver­ständ­lich ist er immer gefähr­det und immer im Wan­del – einem Wan­del, der nicht Ver­bes­se­rung, son­dern in der Regel eher Ver­schlech­te­rung und Ver­fall bringt und Pro­ble­me offen­legt, Pro­ble­me auch im Ver­hält­nis des lyri­schen Ichs zu Hei­mat und Vater­land. Schon der Anfang zeigt das schwierige/​problematische Ver­hält­nis der Autorin/​Erzählerin zur „Hei­mat“ sehr deut­lich auf. Der Band setzt mit den Zei­len ein: „Das ist das Land von dem man sagt /​das alles hier auf­hört und alles anfängt“. Das ers­te Gedicht endet dann am Ende der ers­ten Sei­te mit dem Vers: „aber du woll­test umkeh­ren“ – also die Rück­kehr (?) in die Hei­mat wird pro­ble­ma­ti­siert, sie geschieht nicht (ganz) frei­wil­lig, sie bleibt mit Wider­stän­den verbunden.

V lebt immer schon im distan­zier­ten, kri­ti­schen Ver­hält­nis zum Vater­land und zur Hei­mat: aus der (auch emo­tio­na­len) Span­nung zwi­schen die­sen bei­den Begrif­fen, auch zwi­schen Natur/​Landschaft und Menschen/​Politik (der Natio­nal­staa­ten) zie­hen die meis­ten Tex­te ihre Poten­ti­al. Die sind oft lako­nisch, immer genau und manch­mal schmerz­haft. Vor allem im „Exemplum“-Teil wird dann die poli­ti­sche Kom­po­nen­te von Hei­mat (auch von Land­schaft!) beson­ders deut­lich, aber auch die „ech­te“ Poli­tik – und der Mythos (auch der neu erfun­de­ne, selbst gemach­te – vgl. die Pro­sa­stü­cke des Beginns) – spie­len hier eine gro­ße Rol­le. Im Gan­zen ist Veine manch­mal selt­sa­me Mischung aus roman­tisch (?) ver­träum­ter Emp­fin­dungs- und Gefühls­ly­rik und har­ter Rea­li­täts­auf­nah­me der Gegen­wart der Post­mo­der­ne (und der natio­nal­staat­li­chen Poli­tik), zusätz­lich gekop­pelt und auf­ge­la­den mit mytho­lo­gi­schen Aspek­ten – der Clash die­ser bei­den Bli­cke wird im letz­ten Gedicht sehr deut­lich vorgeführt.

Ein Band mit anre­gen­der, oft fes­seln­der Kurz­pro­sa und Lyrik (aber die­se tei­len­de Unter­schei­dung wird ja gera­de sowie­so zuneh­mend brü­chig, von bei­den Sei­ten gibt es Auf­lö­sungs­er­schei­nun­gen) also, der for­mal zwar kei­ne Gren­zen aus­tes­tet, es mir aber durch sei­ne Viel­falt in Form und Inhalt (und der mei­ner sehr nahe­ste­hen­den Posi­ti­on zu „Hei­mat“) sehr ange­tan hat.

Die schnel­len Zügen hal­ten kaum in unse­rer Gegend
wer sieht den Weg schon hier das Feld umfassen
seit­lich so als hiel­te er allein es davon ab
das Korn mit einer Husche in die Fur­chen zu verstreuen
so wie die Män­ner hier auf Rädern sich begrüßen
es nichts bedarf als eines Nickens anerkennend
um zu sagen: ich seh du lebst
vom Zug aus ist das alles immer schon in rechts
und links geschie­den bleibt die Land­schaft nur ein Anblick
[…] (23, Hier)

Leon­hard Frank: Der Mensch ist gut. Zürich, Leip­zig: Max Rascher 1918. 209 Sei­ten. (Euro­päi­sche Bücher)

Eigent­lich unvor­stell­bar, dass so etwas heu­te geschrie­ben wer­den könn­te: Nicht nur wegen des Pazi­fis­mus (der ja aus dem gesell­schaft­li­chen Dis­kurs ziem­lich radi­kal ver­drängt wur­de von den „Real­po­li­ti­kern“ …), son­dern gera­de auch wegen des unge­heu­ren Opti­mis­mus, der aus allen Zei­len die­ser mit­ten im größ­ten Schlach­ten aller Zei­ten ver­fass­ten Erzäh­lun­gen spricht, ja eigent­lich sogar schreit, wirkt Der Mensch ist gut von Leon­hard Frank total unzeit­ge­mäß. Dabei steht die­ses mal als das „lei­den­schaft­lichs­te Buch gegen den Krieg […], das die Welt­li­te­ra­tur“ auf­wei­se bezeich­ne­te Werk in sei­ner Zeit – es erschien erst­mals 1918, als der Ers­te Welt­krieg noch tob­te – gar nicht mal allein. Heu­te mag vie­les naiv anmu­tend: Der Glau­be an eine kom­men­de Revo­lu­ti­on, die Fähig­keit der (Nächsten-)Liebe, alles Böse (und den Krieg) zu über­win­den – das ist heu­te etwas fremd. Aber so radi­kal Franks „Lösung“ – er spricht sogar von einem „Revo­lu­ti­ons­zug der Lie­be“ (111) – ist, so radi­kal und erschüt­ternd ist auch sei­ne Schil­de­rung der blu­tigs­ten Grau­sam­kei­ten des „Gro­ßen Krie­ges“, des sinn­lo­sen Stel­lungs­krie­ges und des Unsinns des Fal­lens auf dem soge­nann­ten „Feld der Ehre“ – die Lee­re die­ses Topos the­ma­ti­sie­ren die Novel­len von Frank immer wieder. 

So hehr Über­zeu­gung und Ziel Franks sind – sein hier uner­schütt­li­cher Glau­be an das Gute in den Men­schen, das alles Böse über­win­den und ver­drän­gen wird – ästhe­tisch ist das mit hun­dert Jah­ren Abstand doch etwas dünn. Nicht nur die vie­len Wie­der­ho­lun­gen, die feh­len­de Vari­anz, son­dern gera­de die For­mel­haf­tig­keit des Tex­tes und sei­nes Inhal­tes schwä­chen Der Mensch ist gut deut­lich. Ich kann das nur noch als eine Art Zeit­zeug­nis lesen: Das war ja kei­nes­wegs eine total absei­ti­ge Posi­ti­on, die Frank hier ein­nimmt – Der Mensch ist gut war ein unge­heu­er erfolg­rei­ches Buch. (Und doch blieb er, schaut man auf den wei­te­ren Ver­lauf der Geschich­te, im gro­ßen und gan­zen wirkungslos …)

»Wir wol­len nicht das Unmög­li­che ver­su­chen: die Gewalt mit Gewalt aus­zu­rot­ten. Wir wol­len nicht töten. Aber von die­ser Sekun­de an soll alle Arbeit ruhen. Denn alle Arbeit wür­de noch im Diens­te die­ses Zeit­al­ters des orga­ni­sier­ten Mor­des ste­hen. Das Zeit­al­ter des Ego­is­mus und des Gel­des, der orga­ni­sier­ten Gewalt und der Lüge hat in die­ser wei­ßen Sekun­de, hat in uns eben sein Ende erreicht. Zwi­schen zwei Zeit­al­ter schiebt sich eine Pau­se ein. Alles ruht. Die Zeit steht. Und wir wol­len über die Erde, durch die Städ­te, durch die Stra­ßen gehen und im Geis­te des kom­men­den neu­en Zeit­al­ters, des Zeit­al­ters der Lie­be, das eben begon­nen hat, jedem sagen: ‚Wir sind Brü­der. Der Mensch ist gut.‘ Das sei unser ein­zi­ges Han­deln in der Pau­se zwi­schen den Zeit­al­tern. Wir wol­len mit solch über­zeu­gen­der Kraft des Glau­bens sagen: ‚Der Mensch ist gut‘, daß auch der von uns Ange­spro­che­ne das tief in ihm ver­schüt­te­te Gefühl ‚der Mensch ist gut‘, unter hel­len Schau­ern emp­fin­det und uns bit­tet: ‚Mein Haus ist dein Haus, mein Brot ist dein Brot.‘ Eine Wel­le der Lie­be wird die Her­zen der Men­schen öff­nen im Ange­sich­te der unge­heu­er­lichs­ten Mensch­heits­schän­dung.« (64)

Hans Thill: in riso /​der dür­re Vogel Bin /​käl­ter als /​Dun­lop. Ber­lin, Hei­del­berg, Edenk­o­ben, Sant­ia­go de Chi­le, Schupf­art: rough­books 2016 (rough­book 035). 102 Seiten.

thill, dunlopDas ist ein rough­book, mit dem ich gar nichts anfan­gen konn­te. Thill nutzt hier Gedich­te von Petrar­ca, John Don­ne, Robert Her­rick, Paul Fle­ming, Höl­der­lin, Tra­kl, Dani­el Hein­si­us, Gün­ter Ples­sow, Pablo Neru­da und ande­ren – also quer durch die Zei­ten und Spra­chen – als eine Art Vor­la­ge oder erwei­ter­te Inspi­ra­ti­on für sei­ne eige­nen Ver­se. Die ste­hen dann in klei­nen Grup­pen – meist um die zehn Ver­se – direkt unter einem im Ori­gi­nal zitier­ten Vers der Vor­la­ge. Mal las­sen sie sich sprach­lich direkt dar­auf bezie­hen, wenn Thill etwa ein ein­zel­nes Wort, eine Wort­grup­pe nutzt, um es zu vari­ie­ren, der Bedeu­tung asso­zi­ie­rend nach­zu­for­schen. Mal ist der Bezug auch eher inhalt­lich. Und mal – sogar gar nicht so sel­ten – ist der Bezug auch sehr opak, nur irgend­wie (?) asso­zie­rend, inspi­rie­rend. Mir ist dabei eigent­lich immer unklar geblie­ben, was die Metho­de will und/​oder was Thills eige­ne Tex­te dann wol­len. Viel­leicht war ich auch ein­fach nicht in der Stim­mung – aber bei meh­re­ren Ver­su­chen hat mich da, von eini­gen klei­nen fei­nen Ideen, nichts fas­zi­niert oder irgend­wie gepackt. Und, wie gesagt, ich kapie­re den Zusam­men­hang zwi­schen Vor­la­ge und Neu­schöp­fung ein­fach nicht. 

Die Stand stand auf Krü­cken (Fach­werk)
als sie sich zeigte
mit dem Gang einer Erwach­se­nen, der auf den
Stei­nen kei­ne Spur hin­ter­läßt (4)

Trau­gott Xaveri­us Unruh: Von der Sor­ber­wen­den Wesen­heit und Her­kom­men. Her­aus­ge­ge­ben von Edu­ard Wer­ner. Leip­zig: Rei­ne­cke & Voß 2015. 60 Seiten. 

Zu der sehr amü­san­ten und geschickt ange­fer­tig­ten neu­en Edi­ti­on einer auf­klä­re­ri­schen sprach‑, kul­tur- und brauch­tums­ge­schicht­lich­ten Unter­su­chung der Sor­ber­wen­den habe ich in einem sepa­ra­ten Bei­trag schon genü­gend geschrie­ben

Micha­el W. Aus­tin, Peter Rei­chen­bach (Hrsg.): Die Phi­lo­so­phie des Lau­fens. Ham­burg: mai­risch 2015. 197 Seiten. 

Auch zu die­sem trotz des ver­hei­ßungs­vol­len Titels eher ent­täu­schen­den Buch gibt es neben­an im Bewe­gungs­blog schon aus­rei­chen­de Aus­füh­run­gen, die ich hier nicht noch ein­mal wie­der­ho­len muss.

außer­dem gelesen: 

  • Katha­ri­na Schul­tens: Geld. Eine Abrech­nung mit pri­va­ten Res­sour­cen. Ber­lin: Ver­lags­haus Ber­lin 2015 (Edi­ti­on Poe­ti­con 11). 48 Seiten.
  • Poet #20
  • Edit #68
  • SpritZ #217
  • Schreib­heft #68
  • Müt­ze #11

Sprechen

Alles, was man sagen kann, kann man auch bei­läu­fig sagen.Elfrie­de Gerstl

Ins Netz gegangen (7.4.)

Ins Netz gegan­gen am 7.4.:

  • Täter geschützt, Opfer ent­wür­digt | taz – der korps­geist deut­scher poli­zis­ten und staats­an­wäl­te scheint zu funk­tio­nie­ren: die taz berich­tet über die – von außen sehr selt­sa­me – ent­schei­dung der staats­an­walt­schaft han­no­ver, einen ehe­ma­li­gen bun­des­po­li­zis­ten, der mit der fol­ter eines flücht­lichgs geprahlt hat, dafür nicht anzu­kla­gen (neben­bei: der anwalt des neben­klä­gers hat nach fast einem jahr noch kei­ne akten­ein­sicht erhal­ten) – so funk­tio­niert das in deutschland
  • Opti­mier­te Kin­der: Kör­per­hass will gelernt sein | Spie­gel Online – schö­ne kolum­ne von mar­ga­re­te sto­kow­ski, die ein bild vom linz-mara­thon zum anlass nimmt, über die erzie­hung zu einem ver­nünf­ti­gen (!) umgang mit unse­ren kör­pern zu schreiben
  • Ver­kehrs­un­fall­sta­tis­tik – jedes Jahr die glei­che Pro­ze­dur und es ver­bes­sert sich doch nichts… | it star­ted with a fight – anläss­lich der neu­en ver­kehrs­un­fall­sta­tis­tik – im zwei­ten jahr in fol­ge stie­gen in deutsch­land die toten durch ver­kehr, auf mitt­ler­wei­le 3475 – hat tho­mas ber­ger hier einen inter­es­san­ten 10-punk­te-plan, der unter ande­rem deut­li­che geschwin­dig­keits­re­du­zie­run­gen und deren über­wa­chun­gen sowie ande­re (tech­ni­sche) hil­fen for­dert, um die unfall­zah­len – und damit gera­de auch die zahl der toten, die wir jedes jahr ein­fach so in kauf neh­men – end­lich zu senken
  • Integra­tion war nie. Über ein irrefüh­rendes Kon­zept | Geschich­te der Gegen­wart – phil­ipp sara­sin über den begriff der „inte­gra­ti­on“ und war­um er (gera­de heu­te) eigent­lich reich­lich untaug­lich ist

    Gesell­schaften der westli­chen Moder­ne bzw. Postmo­derne zeich­nen sich neben ihren Klassen­dif­fe­renzen aber auch dadurch aus, dass sich jede inhalt­lich irgend­wie bestimm­te, posi­tiv ausweis­bare Vorstel­lung davon, wie ‚man‘ in ihnen zu leben und sich zu ver­hal­ten habe, in meh­re­ren kultur­re­vo­lu­tio­nären Schü­ben aufge­löst hat. Die­se histo­risch einzig­ar­tige Plura­li­sie­rung der Lebens­stile hat sich seit dem Ende der 1960er Jah­re so sehr ver­stärkt, dass sie heu­te gar als har­te Norm gegen­über Migran­tinnen und Migran­ten erscheint („Wie wür­den Sie reagie­ren, wenn Ihr Sohn Ihnen sagt, er sei schwul?“ Ach­tung: Toleranz­falle!). Es geht nicht dar­um, dass Migran­ten ‚sich an die Geset­ze hal­ten‘ (das tun die aller­meisten von ihnen, so wie die aller­meisten ande­ren das auch tun), ob sie die Spra­che der Mehrheits­ge­sell­schaft ler­nen (sie tun es in aller Regel), oder ob sie in den Arbeits­markt inte­griert wer­den (dito). Die Fra­ge ist ein­zig, ob die west­li­che, ohne­hin hetero­gene Mehrheits­ge­sell­schaft die zusätz­liche, neue Diffe­renz akzep­tiert, die die Zuzü­ger in unse­re Gesell­schaften einbringen.

    und er schließt (ich kann ihm da nur zustimmen …):

    Es wird daher Zeit, den Begriff ‚Integra­tion‘ ganz aus dem politi­schen Voka­bu­lar zu strei­chen. Die Chan­ce, dass er im öffent­li­chen Gebrauch posi­tiv als ‚Schaf­fung eines neu­en Gan­zen‘ begrif­fen wer­den könn­te, ist gering. Zu mäch­tig sind jene, die den Begriff als Waf­fe ver­wen­den, mit dem sie von den Zuwan­de­rern Unter­wer­fung einfor­dern. Wir brau­chen die­ses durch und durch unbe­stimm­te Wort nicht mehr. Wir alle leben vergleichs­weise fried­lich, aber auch herr­lich anonym in unse­ren hetero­genen Gesell­schaften, ohne dass uns stän­dig jemand auffor­dern müss­te, uns gefäl­ligst zu ‚inte­grie­ren‘.

  • The pro­blem with a tech­no­lo­gy revo­lu­ti­on desi­gned pri­ma­ri­ly for men – Quartz -

    What the rese­ar­chers dis­co­ver­ed, unfort­u­na­te­ly, was a gap in covera­ge that betrays a dis­pi­ri­tingly com­mon pro­blem in tech­no­lo­gi­cal inno­va­ti­on: how to make sure women’s needs don’t beco­me an afterthought.

    – ein stu­die unter­such­te, wie gut siri, cort­a­na & co. bei medi­zi­ni­schen pro­ble­men hel­fen – und fand, dass sie das für „män­ner-pro­ble­me“ wesent­lich bes­ser tun als für „frau­en-not­fäl­le“

  • Lyrik­kri­tik Dis­kurs | Fix­poet­ry – bei den „signa­tu­ren“ und auf „fix­poet­ry“ tob­te (?) ende märz eine dis­kus­si­on (naja, ein schlag­ab­tausch zumin­dest) über (den zustand der|die mög­lich­kei­ten der|die anfor­de­run­gen an|die vor­aus­set­zun­gen der) lyrik­kri­tik (kri­tik der kri­tik ist ja sowie­so eine belieb­te spie­le­rei unter lite­ra­ten, bei lyri­kern aber nicht so ganz häu­fig (viel­leicht man­gels masse …))
    aus­ge­löst übri­gens von einer kri­ti­schen bespre­chung der „lyrik von jetzt 3“-anthologie (die bei mir immer noch unge­le­sen herumliegt …)
  • Mehr Daten als Tore – Poli­zei sam­melt flei­ßig, aber oft unrecht­mä­ßig | netz​po​li​tik​.org – unschulds­ver­mu­tung, daten­schutz – lau­ter fremd­wör­ter für die deut­sche poli­zei, die flei­ßig (und ger­ne auch ille­gal) daten sammelt

Spaß mit (bei) den Sorberwenden

unruh, sorberwendenIch habe mir die Lek­tü­re die­ses klei­nen Bänd­chens extra für den ers­ten April auf­ge­ho­ben. Denn was Trau­gott Xaveri­us Unruh in dem von Edu­ard Wer­ner her­aus­ge­ge­be­nem Von der Sor­ber­wen­den Wesen­heit und Her­kom­men treibt, das ist bes­te Unter­hal­tung und ein ziem­lich gro­ßer Spaß.

Ein Spaß, der schon auf den ers­ten Sei­ten beginnt. In den bei­den Vor­re­den wird näm­lich die Enste­hung und Über­lie­fe­rung des fol­gen­den Tex­tes erklärt: Geschrie­ben von einem Trau­gott Xaveri­us Unruh in Gör­litz am „4. Juni­us, im Jah­res des Her­ren 1784“, von sei­nem unge­nann­te Uren­kel dann „mehr als fünf­zig Jah­re“ spä­ter in einer zwei­ten, unver­än­der­ten Aus­ga­be ver­öf­fent­licht und nun – als Frag­ment – mit fast 20 Sei­ten Anmer­kun­gen von Edu­ard Wer­ner im Ver­lag Rei­ne­cke & Voß ediert. 

Der eigent­li­che Text beginnt mit dem Kapi­tel „Vom Ursprun­ge der Sor­ber­wen­den Spra­che“, das dann noch ergänzt wird um Anmer­kun­gen und Erläu­te­run­gen zur Luft­fahrt der Sor­ber­wen­den, ihren Tie­ren und ihren Bräu­chen und so wei­ter. Ent­wi­ckelt wird hier eine in ihrer Absur­di­tät amü­san­te Sprach­ge­schich­te als Stam­mes­ge­schich­te. Damit führt Wer­ner durch Unruhs Feder wis­sen­schaft­li­che Ten­den­zen des 18. Jahr­hun­derts schön ad absur­dum. Das funk­tio­niert vor allem über die Beob­ach­tung (und mit­un­ter recht rabia­te Her­stel­lung) von „simi­li­tu­di­nes“, die dann dazu füh­ren, dass das Sor­ber­wen­di­sche auf unge­ahn­te Wei­se dem Japa­ni­schen unheim­lich ähn­lich ist bzw. eher sein soll. Da der Ver­fas­ser ein Meis­ter der so weit wie mög­lich her­ge­hol­ten Ana­lo­gie ist, kommt er „per sci­en­ti­am et logi­cam“ gera­de­zu zwangs­läu­fig zu für uns erstaun­li­chen Ergeb­nis­sen, die mich immer wie­der laut auf­la­chen lie­ßen. Und er kommt zu dem Schluss: Die Sor­ben müs­sen in alter Zeit von Japan her migriert sein. Kon­zi­lant gesteht er ihnen aber zu, den Weg nicht in einem zurück­ge­legt zu haben und dabei durch­aus auch mal Pau­sen gemacht zu haben …

Ich mag sol­che (Meta-)Spielereien mit Tex­ten und Wissenschaft(en) ja sehr. Der Spaß ist zwar schnell durch­sich­tig. Der Witz ist aber, dass der Text von Edu­ard Wer­ner (den gibt es tat­säch­lich, im Gegen­satz zum fik­ti­ven Autor) auch dann noch unter­halt­sam bleibt, wenn man das Kon­struk­ti­ons­prin­zip durch­schaut hat (und das ging bei mir doch recht flott ;-) …), weil Wer­ner eine geschick­te sprach­li­che Mime­sis betreibt, die – so mei­ne ich – aber ihre Moder­ni­tät (also ihre Mime­sis) nicht ver­schlei­ert und eine apar­te Mischung aus modern und alt(ertümelnd) ergibt. So bleibt ein schma­les Bänd­chen voll Esprit und Raf­fi­nes­se – ein rich­tig wit­zi­ge Unterhaltung.

Trau­gott Xaveri­us Unruh: Von der Sor­ber­wen­den Wesen­heit und Her­kom­men. Her­aus­ge­ge­ben von Edu­ard Wer­ner. Leip­zig: Rei­ne­cke & Voß 2015. 60 Sei­ten. ISBN 9783942901123

Lesen und Kritik

Jan Kuhl­brodt, der einen der bes­se­ren Bei­trä­ge zur Lyrik­kri­tik­de­bat­te der letz­ten Woche(n) – eine Über­sicht der ein­zel­nen Wort­mel­dun­gen (die im Ping-Pong zwi­schen „Signa­tu­ren“ und „Fix­poet­ry“ nur sehr zurück­hal­tend wirk­lich auf ein­an­der ein­ge­hen) gibt es bei fix­poet­ry – schrieb, ver­fasst da auch die­se klu­ge tref­fen­de Bemerkung/​These/​Wahrheit:

Ein Leser, der nicht zugleich Kri­ti­ker ist, ist eigent­lich auch kein Leser, son­dern ein Blät­te­rer, unab­hän­gig davon, ob er sei­ne Kri­tik for­mu­liert und schrift­lich fixiert oder nicht. 

Recht hat er, das gilt auch unab­hän­gig vom kon­kre­ten Enste­hungs- & Dis­kur­zu­sam­men­hang. Übri­gens liegt Kuhl­brodt auch mit den ande­ren sei­ner 11 Antworten/​Sätze zur Debat­te rich­tig, die sehr auf mei­ner eige­nen Linie liegen …
Der Rest der „Debat­te“ ist für mich in wei­ten Tei­len nur so mit­tel­mä­ßig erkennt­nis­för­dernd, aber immer­hin ein guter Anlass zur Selbst­ver­ge­wis­se­rung der eige­nen Posi­ti­on (so schei­nen das auch die meis­ten Teil­neh­mer zu ver­ste­hen – ich sehe nicht, dass sich jemand von jeman­dem von irgend etwas hät­te über­zeu­gen lassen …).

PS: Bert­ram Rei­ne­cke legt noch ein­mal (sehr umfas­send) sortierend/​abschließend bei der lyrik­zei­tung nach …: „Jeder wird ohne­hin so wei­ter­re­zen­sie­ren, wie sein Furor es ihm gebietet.“

Twitterlieblinge März 2016

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Ins Netz gegangen (30.3.)

Ins Netz gegan­gen am 30.3.:

  • Wel­che Ursa­chen das Töten im Namen Got­tes hat | FAZ – ein sehr guter gast­bei­trag von fried­rich wil­helm graf (der ja meis­tens sehr klu­ge din­ge sagt …) in der „faz“ über ursa­chen des reli­giö­sen terrors

    Es dient nicht der Ent­schul­di­gung der der­zeit im Namen Allahs aus­ge­üb­ten Ver­bre­chen, mög­li­che his­to­ri­sche Par­al­le­len sicht­bar und auf die Gewalt­po­ten­tia­le in allen Reli­gio­nen auf­merk­sam zu machen. Aber es ver­hin­dert eine fal­sche, essen­tia­lis­ti­sche Sicht auf den Islam, den es so wenig wie das Chris­ten­tum gibt. Die mus­li­mi­schen Reli­gi­ons­kul­tu­ren in Euro­pa sind in sich höchst viel­fäl­tig und durch ganz unter­schied­li­che kol­lek­ti­ve Erfah­run­gen geprägt. Mus­li­me in Kreuz­berg, deren Eltern oder Groß­el­tern einst aus der Tür­kei kamen, tei­len nicht die trau­ma­ti­sie­ren­den Erin­ne­run­gen an kolo­nia­le Fremd­herr­schaft, die für vie­le fran­zö­si­sche, noch vom Alge­ri­en-Krieg gepräg­te Mus­li­me kenn­zeich­nend sind.

    Nach den Anschlä­gen von Paris und nun auch Brüs­sel ließ sich im poli­ti­schen Betrieb eine Reak­ti­on beob­ach­ten, die nur als fal­sches seman­ti­sches Invest­ment bezeich­net wer­den kann: Staats­prä­si­den­ten, Regie­rungs­chefs und Par­tei­vor­sit­zen­de beschwo­ren ein­hel­lig „die Wer­te Euro­pas“ oder „des Wes­tens“, die man gegen alle ter­ro­ris­ti­schen Angrif­fe ver­tei­di­gen werde.
    […] Aber mit Wer­te-Rhe­to­rik ist nie­man­dem geholfen.

    „Wert“ war ursprüng­lich ein Begriff der öko­no­mi­schen Spra­che, und sei­ne Ein­wan­de­rung in ethi­sche Debat­ten und juris­ti­sche Dis­kur­se hat nur dazu geführt, die frei­heits­dien­li­che Unter­schei­dung von gesetz­lich kodi­fi­zier­ten Rechts­nor­men und mora­li­schen Ver­bind­lich­kei­ten zu unter­lau­fen. Des­halb ist es fatal, wenn Ver­tre­ter des Rechts­staa­tes die­sen im Kampf gegen den Ter­ro­ris­mus nun als eine „Wer­te­ge­mein­schaft“ deuten.

    für einen theo­lo­gen auch fast über­ra­schend, aber natür­lich abso­lut rich­tig und ein punkt, der immer wie­der gestärkt und ver­deut­licht wer­den muss (weil er so ger­ne ver­ges­sen wird): 

    Für wirk­lich alle gilt allein das Recht, und des­halb sind Rechts­bre­cher zu ver­fol­gen und zu bestrafen.

  • Aus dem Tage­buch eines Bene­dik­ti­ner­pa­ters: Wie man 1684 im Dom in Mainz den Oster­sonn­tags­got­tes­dienst fei­er­te | All­ge­mei­ne Zei­tung – die main­zer „all­ge­mei­ne zei­tung“ bringt eine moder­ni­sier­te fas­sung eines tage­buch­be­richts über die oster­fei­er 1684 in mainz, ver­fasst von einem rei­sen­den bene­dik­ti­ner­pa­ter joseph diet­rich aus dem klos­ter ein­sie­deln in der schweiz
  • My Heroic and Lazy Stand Against IFTTT | Pin­board Blog – der pin­board-grün­der/­be­trei­ber maciej cegłow­ski erklärt, war­um es sei­nen (übri­gens sehr emp­feh­lens­wer­ten) ser­vice nicht mehr bei ifttt gibt. die kurz­fas­sung: deren unver­schäm­ten, erpres­se­ri­schen bedin­gun­gen für entwickler
  • Wer­bung – für 6 Euro | Über­me­di­en – peter breu­er blät­tert sich auf „über­me­di­en“ durch die vogue – und ist wenig angetan

    Das The­ma der „Vogue“ ist: „Lan­ge­wei­le“. Sowohl in den Anzei­gen als auch in der Foto­stre­cke. „Komm Baby, stell Dich mal so hin und schau so pikiert, als wür­dest Du an einen völ­lig ver­koch­ten Grün­kohl den­ken.“ Die Mäd­chen sind dünn, die Gesich­ter leer, die Kla­mot­ten teu­er. In den Sech­zi­gern gab es einen Dr. Oet­ker-Spot, in dem eine Frau am Herd steht, ein Fer­tig­ge­richt zau­bert und ein Spre­cher sagt: „Eine Frau hat zwei Lebens­fra­gen: Was soll ich anzie­hen? Und was soll ich kochen?“ Die Frau­en der „Vogue“ haben sogar nur eine Lebens­fra­ge, und selbst die macht ihnen offen­sicht­lich kei­nen Spaß.

  • Inge­borg Bach­mann: „In mir ist die Höl­le los“ | ZEIT ONLINE – der ger­ma­nist Joseph McV­eigh durf­te frü­he brie­fe von inge­borg bach­mann benut­zen und zitie­ren und ist nun sicher, dass man das werk der autorin nur bio­gra­phisch ver­ste­hen kann. zum glück ist die „zeit“ gegen­über sol­chem metho­di­schen unsinn etwas skeptischer …

    „Ich habe kei­ne Matrat­zen­schnüf­fe­lei betrei­ben wol­len“, sagt Bio­graf McV­eigh, „aber wenn man die zer­stö­re­ri­sche Wir­kung der bei­den kata­stro­phal geschei­ter­ten Bezie­hun­gen auf das Leben von Inge­borg Bach­mann nicht berück­sich­tigt, kann man ihr spä­te­res Werk kaum verstehen.“

  • Pres­se­mit­tei­lun­gen als Gen­re: Ein-Blick in die uni­ver­si­tä­re Akten­kun­de der Neu­zeit | Uni­BloggT – was eine sehr knap­pe und schnö­de pres­se­mit­tei­lung einer uni­ver­si­tät dem akten­kund­lich ver­sier­ten his­to­ri­ker alles ver­ra­ten kann …

Taglied 23.3.2016

End­lich gibt es auch zum wun­der­bar pathe­ti­schen „Fes­tung“ von May­be­bop ein Video:

Fes­tung – MAYBEBOP (2016)

Beim Kli­cken auf das und beim Abspie­len des von You­Tube ein­ge­bet­te­ten Vide­os wer­den (u. U. per­so­nen­be­zo­ge­ne) Daten wie die IP-Adres­se an You­Tube übertragen.

Ins Netz gegangen (21.3.)

Ins Netz gegan­gen am 21.3.:

  • Buch­markt : Zwi­schen Müt­ter­as­ke­se und Flat­ter­haf­tig­keit | ZEIT ONLINE – erhard schütz geht der fra­ge nach, war­um sich „wie­der­ent­de­ckun­gen“ und neu­auf­la­gen gera­de von roma­nen aus der wei­ma­rer repu­blik so gro­ßer (und meist sehr kurz­le­bi­ger) beliebt­heit freuen

    Den­noch sind gera­de klei­ne­re Ver­la­ge uner­müd­lich damit beschäf­tigt, Ver­gan­ge­nes, Ver­dräng­tes, Ver­ges­se­nes aus­zu­gra­ben. Inzwi­schen sind es auch die fünf­zi­ger bis sieb­zi­ger Jah­re des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts, die vor allem auf damals Unver­stan­de­nes, Skan­da­lö­ses oder ver­meint­lich zu Schwie­ri­ges, Anspruchs­vol­les durch­sucht wer­den. Aber noch immer ist es die Wei­ma­rer Repu­blik, die die meis­ten Neu­auf­la­gen lie­fert. Zum einen mag die Fas­zi­na­ti­on an der fre­chen Leich­tig­keit der Lie­bes- und All­tags­ver­hält­nis­se, an der ver­que­ren Lust am Kon­sum und am Unglück­lich­sein der Grund hier­für sein. Häu­fig sind es Roma­ne von Frau­en, in deren Tra­di­ti­on all die heu­ti­gen Stern­schnup­pen ste­hen, die eine Sai­son lang best­sel­lern. Zum ande­ren ist es die schar­fe Kri­tik, die noch immer reizt, sei es in den Anti­kriegs­tex­ten, die aus gege­be­nem Anlass gera­de wie­der neu­auf­ge­legt wer­den – der apo­kry­phe Elek­tri­sche Ver­lag z.B. bie­tet da eine gan­ze Rei­he auf –, sei es in der Kri­tik poli­ti­scher und sozia­ler Verhältnisse. 

  • Armut: „Wer unten ist, bleibt unten“ | ZEIT – inter­view mit dem öko­nom mar­cel fratz­scher über gesell­schaft­li­che & öko­no­mi­sche ungleich­heit, umver­tei­lung und auf­stiegs­mög­lich­kei­ten in deutschland
  • Lek­to­ren: Der gute Geist | Tages­spie­gel -

    Der Gärt­ner ist immer der Mör­der, und der Lek­tor ist immer schuld. Ein fal­scher Name, ein schie­fes Bild, his­to­ri­sche Irr­tü­mer, Stil­blü­ten, Lang­at­mig­keit und Recht­schreib­feh­ler – was immer an einem Buch nicht stimmt: Der Lek­tor ist’s gewe­sen. Wird er in Rezen­sio­nen erwähnt, ist „schlam­pig“ das Attri­but, das man ihm am liebs­ten anklebt. Nie wird man in einer Bespre­chung lesen: Das hat er aber fein gemacht. Denn was der Lek­tor getan hat, weiß der Kri­ti­ker nicht.

  • E‑Book-Kolum­ne „E‑Lektüren“: Ein Lyrik-Code als Anreiz | FAZ – elke hei­ne­mann über neue lyrik als/​fürs ebook – offen­bar nicht so wahn­sinng über­zeu­gend, was da bis­her vor­liegt – aller­dings aus ästhe­ti­schen, nicht aus tech­ni­schen gründen
  • I stay­ed in a hotel with Android lights­wit­ches and it was just as bad as you’d ima­gi­ne – war­um es nicht immer eine gute idee ist, ein­fa­che (mecha­ni­sche) funk­tio­nen durch com­pu­ter­steue­run­gen zu erset­zen – hier am bei­spiel einer hotel­zim­mer­licht­steue­rung ohne zugriffs­si­che­run­gen … – via wir​res​.net
  • Autor Micha­el Scha­rang lehnt Ehrung des Lan­des Wien ab | Die​Pres​se​.com – ein mann mit haltung …

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