»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Ins Netz gegangen (9.5.)

Ins Netz gegan­gen am 9.5.:

  • re:publica 2016 – Richard Sen­nett: The City as an Open Sys­tem → richard sen­nett sprach bei der re:publica sehr gut über open & smart cities, stadt­ent­wick­lung, gren­zen und begegnungen
  • Last Week Tonight with John Oli­ver: Sci­en­ti­fic Stu­dies (HBO) → John Oli­ver erklärt wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en und (Wissenschafts-)Journalismus
  • Rad­we­ge: Jetzt geht es rund | ZEIT ONLINE → sehr schö­ner text über die absur­di­tät und gewollt fak­ten-igno­rie­ren­de und ‑ver­dre­hen­de dis­kus­si­on um die för­de­rung von rad­ver­kehr in hamburg

    Kaum eine Debat­te wird so emo­tio­nal geführt wie die um Rad­we­ge. In einer Stra­ße in Wands­bek zeigt sich nun die gesam­te Absur­di­tät des Konflikts. 

  • The Absurd Pri­ma­cy of the Auto­mo­bi­le in Ame­ri­can Life | The Atlan­tic → auch wenn’s (v.a. bei den zah­len) pri­mär um die usa geht, gilt das im wesent­li­chen natür­lich für alle ent­wi­ckel­ten länder

    But con­ve­ni­ence, along with Ame­ri­can histo­ry, cul­tu­re, ritu­als, and man-machi­ne affec­tion, hide the true cost and natu­re of cars. And what is that natu­re? Sim­ply this: In almost every way ima­gi­nable, the car, as it is deploy­ed and used today, is insane.

  • Lite­ra­tur und Kapi­ta­lis­mus­kri­tik: Das Geld ver­schlingt uns | NZZ → björn hay­er in der nzz über die lite­ra­tur (d.h. über vier tex­te) und den kapi­ta­lis­mus bzw. des­sen kri­tik – er sieht da vor allem abs­trak­te schuld und schwarz­ma­le­rei, ihm fehlt sozu­sa­gen das positive …

    Die Schrift­stel­ler neh­men also ihre klas­si­sche Posi­ti­on als Mah­ner und Wäch­ter der Moral ein. Doch wo sind die Akteu­re, die sie zu adres­sie­ren sich bemü­hen, in einem nebu­lö­sen Sys­tem noch aufzuspüren?
    […] Sie ver­har­ren aber allein in Dia­gno­sen, die Schuld­fra­gen ins Nir­gend­wo ver­la­gern und das Sub­jekt zur macht­lo­sen Mario­net­te degradieren.

    Ihre Lite­ra­tur arran­giert sich mit einem gemüt­li­chen Feind­bild, das sie wei­ter aufbläst.

  • Sel­ec­ted Stock­hausen Scores → Bei­spiel­sei­ten/-aus­schnit­te aus Stock­hausens Partituren

Zeitgenossenschaft

Ich wünsch­te, eini­ge Zeit­ge­nos­sen wären genau das: Genos­sen, aus der Zeit.Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten, Vox popu­li (Grund­stueck)

Bücherleben

– –Dann müßtn Sie auch noch auf die-Bücher auf­pas­sen. – Erwi­der­te ich im sel­ben Ton. –Denn Bücher leben. Und was lebt, das will – sich behaup­ten.Rein­hard Jirgl, Oben das Feu­er, unten der Berg, 232

Maiwind

Der Mai­wind kost die Buchen.
Die Son­nen­fleck schwanken.
Ich brau­che nicht zu suchen,
Und wie die Blät­ter wanken,
Ver­wehn die Qualgedanken.
[…] Wil­helm Leh­mann, Früch­te (1943)

Twitterlieblinge April 2016

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Ins Netz gegangen (28.4.)

Ins Netz gegan­gen am 28.4.:

  • Sexu­al­straf­recht: Wäre die Vagi­na doch ein Auto | Spie­gel → mara­ge­re­te sto­kow­ski in ihrer kolum­ne über die erbärm­li­chen ver­su­che des jus­tiz­mi­nis­ters maas & der gro­ßen koali­ti­on, ein zeit­ge­mä­ßes sexu­al­straf­recht zu schaffen

    Ach, wär die Vagi­na doch ein Auto, sie wär jetzt schon in Deutsch­land ange­nehm sicher. 

  • „Alles hand­schrift­lich und auf Papier“ – Lek­to­ren lieben’s ana­log – pubiz :: Home Redaktion/​Lektorat → kath­rin pas­sig über arbeits­pro­zes­se in verlagen:

    Die für mich als Autorin sicht­ba­ren Arbeits­pro­zes­se in den mir bekann­ten Ver­la­gen sind auf dem Stand der frü­hen 90er Jah­re. Ich wun­de­re mich über die­ses feh­len­de Inter­es­se an den Werk­zeu­gen der Text­ver­ar­bei­tung in einer Bran­che, in der der Text doch eini­ger­ma­ßen zen­tral ist. 

    ich bin mir frei­lich nicht sicher, ob digi­tal immer auto­ma­tisch bes­ser als ana­log ist (was pas­sig durch­aus impliziert)

  • big chan­ges: I am lea­ving own­Cloud, Inc. today → frank kar­lit­schek ver­lässt sei­ne fir­ma, die own­cloud inc., bleibt dem pro­jekt aber erhalten:

    The com­mu­ni­ty has grown tre­men­dous­ly, with con­tri­bu­ti­ons by almost 1000 peo­p­le over the last 6 years, over 80 every sin­gle month. Not­hing is per­fect, the com­pa­ny could have done a bet­ter job reco­gni­zing the achie­ve­ments of the com­mu­ni­ty. It some­ti­mes has a ten­den­cy to con­trol the work too clo­se­ly and dis­cus things intern­al­ly. But over­all, the balan­ce was not too bad.

    da selbst ich das „knir­schen“ mit­be­kom­men habe, muss es da doch eini­ge ver­wer­fun­gen gege­ben haben … mal sehen, wie es mit own­cloud weitergeht

  • Kunst in der DDR → eher zufäl­lig ent­deckt: das ziem­lich coo­le pro­jekt des „Bild­at­las: Kunst in der DDR“ mit bil­dern und sehr, sehr vie­len beglei­ten­den materialien

    Der­zeit sind 20.400 Wer­ke aus 162 Samm­lun­gen erfasst. Neben den bekann­ten Wer­ken der „Kunst in der DDR“ befin­det sich dar­un­ter auch eine Viel­zahl von Wer­ken, die bis­lang weit­ge­hend unbe­kannt waren oder als ver­schol­len gal­ten. In den betei­lig­ten For­schungs­teams wer­den neben der Doku­men­ta­ti­on der Samm­lun­gen eben­so die For­men des Bild­trans­fers, die „Wege der Bil­der“ in die öffent­li­chen Samm­lun­gen, ana­ly­siert. So waren in der DDR statt musea­ler Eige­n­erwer­bun­gen staat­lich finan­zier­te Ankäu­fe und kul­tur­po­li­tisch inten­dier­te „Über­eig­nun­gen“ ent­schei­dend. Durch das Ver­bund­pro­jekt wird nun neben der Samm­lungs­do­ku­men­ta­ti­on auch eine Ver­net­zung der Bestands­da­ten der Muse­en und wei­te­rer Samm­lun­gen erreicht, die für eine zukünf­ti­ge Erschlie­ßung und Nut­zung der Wer­ke sowie für eine Neu­be­fra­gung der Küns­te in der DDR unum­gäng­lich ist.

    Die For­schungs­er­geb­nis­se wer­den in einem gedruck­ten „Bild­at­las“ sowie durch eine inter­net­ba­sier­te Daten­bank öffent­lich zugäng­lich gemacht. Die Koope­ra­ti­on mit den außer­mu­sea­len und musea­len Ein­rich­tun­gen – von klei­nen Hei­mat­mu­se­en über die stadt- und kul­tur­ge­schicht­li­chen Muse­en bis hin zu den gro­ßen Kunst­mu­se­en in Leip­zig, Dres­den, Schwe­rin, Frankfurt/​Oder und Ber­lin – ermög­licht es, bis­lang im Depot ver­wahr­te und nicht ver­öf­fent­lich­te Wer­ke wie­der „sicht­bar“ zu machen. Die gro­ße Aus­stel­lung „Abschied von Ika­rus. Bild­wel­ten in der DDR – neu gese­hen“ in Koope­ra­ti­on mit der Klas­sik Stif­tung Wei­mar prä­sen­tiert die Ergeb­nis­se des Ver­bun­des im Neu­en Muse­um Weimar.

  • Schö­ner Ver­le­gen – mit dem Geld ande­rer Leu­te | Über­me­di­en → ste­fan nig­ge­mei­er sehr gut & rich­tig zu den ein­sei­tig hyper­ven­ti­lie­ren­den medi­en­re­ak­tio­nen auf das vg-wort-urteil:

    Wenn jetzt wirk­lich das gro­ße Ver­lags­ster­ben ein­setz­te, wäre das eine bemer­kens­wer­te Iro­nie: Es wür­de bedeu­ten, dass das gan­ze schö­ne Geschäft über vie­le Jah­re nur funk­tio­nier­te, weil Ver­la­ge rechts­wid­rig Geld kas­sier­ten, das eigent­lich den Urhe­bern zuge­stan­den hätte. 

  • Müll­ent­sor­ger in Sozia­len Netz­wer­ken „Sie berich­ten von Depres­sio­nen“ | taz → Tau­sen­de Phil­ip­pi­ner sor­tie­ren aus, was uns im Inter­net an Bil­dern nicht begeg­nen soll. Der Ber­li­ner Thea­ter­re­gis­seur Moritz Rie­se­wieck hat dort recherchiert.

    Was wir in Mani­la sehen, ist die Pas­si­ons­ge­schich­te des Internetzeitalters.

Lyrikkritik, nächste Runde

Die Debat­te um den Zustand der Lyrik­kri­tik geht in die nächs­te Run­de. Nun sind – mit eini­ger Ver­zö­ge­rung – die Meta­bei­trä­ge dran: Jan Drees schreibt in sei­nem Blog eine gute Zusam­men­fas­sung der wesent­li­chen & wich­tigs­ten Bei­trä­ge. Und Gui­do Graf weist beim Deutsch­land­funk auf ein wei­te­res Spe­zi­fi­kum die­ser inzwi­schen ja eigent­lich ein­ge­schla­fe­nen Debat­te hin: Der Streit, der sich unter ande­rem ja auch um das Pro­blem der (zu) engen und inti­men Ver­knüp­fun­gen zwi­schen Lyri­ke­rin­nen und Kri­ti­ke­rin­nen dreht und dabei nach den kri­ti­schen Stan­dards und den Zie­len einer mög­lichst (in ver­schie­de­nen Sin­nen) wirk­sa­men Lyrik­kri­tik fragt, fin­det selbst in einem sehr engen, über­schau­ba­ren Zir­kel (oder, wie man heu­te sagen wür­de, inner­halb der „Sze­ne“) statt und scheint außer bei den mehr oder weni­ger direkt Betei­lig­ten auf über­haupt kei­ne Reso­nanz zu stoßen:

Inter­es­sant ist eben auch, wo die­se aktu­el­le Debat­te aus­ge­tra­gen wird und wo nicht. Ins­be­son­de­re dann, wenn man sie mit der letzt­jäh­ri­gen über die Lite­ra­tur­kri­tik ver­gleicht, wie sie – auch online – haupt­säch­lich im Per­len­tau­cher statt­ge­fun­den hat. 

[…]

Signa­tu­ren, Fix­poet­ry, Lyrik­zei­tung und immer wie­der Face­book: Das sind die Orte, an denen debat­tiert wird. In den Feuil­le­tons der Tages­zei­tun­gen, auf deren Online-Platt­for­men oder im Radio dazu kein Wort. Auch eine kun­di­ge Lyrik-Lese­rin wie Marie-Lui­se Knott ver­liert in ihrer Online-Kolum­ne beim Per­len­tau­cher kein Wort über die aktu­el­le Debat­te. Berüh­rungs­los zie­hen die Dich­ter und ihre wech­sel­sei­ti­gen Selbst­be­ob­ach­tun­gen ihre Kreise.

Das ist in der Tat rich­tig beob­ach­tet – und auch aus­ge­spro­chen scha­de. Man muss ja nicht unbe­dingt erwar­ten, dass die „gro­ßen“ Feuil­le­tons der Debat­te selbst viel Platz ein­räu­men. Dazu ist der Kreis der dar­an Inter­es­sier­ten wohl ein­fach zu über­schau­bar. Aber dass sie die Exis­tenz der Debat­te – die ja schließ­lich auch ihr Métier, ihren Gegen­stand (inso­fern sie über­haupt noch Lyrik bespre­chen …) betrifft – gera­de­zu ver­schwei­gen, ist schon bedau­er­lich und sagt viel­leicht mehr zum angenommenen/​wahrgenommenen Zustand der Lyrik und ihrer Rele­vanz aus als alle Debat­ten. Gui­do Graf schlägt dann in sei­nem Schluss­satz als eine Art Lösung vor, „die Nischen­gren­zen zu ver­schie­ben“. Wie das zu errei­chen ist, ver­rät er aber lei­der nicht – das hät­te mich schon interessiert …

Ins Netz gegangen (25.4.)

Ins Netz gegan­gen am 25.4.:

  • Ori­gi­nal­ma­nu­skript zu Arthur Koest­lers Son­nen­fins­ter­nis ent­deckt | FAZ → inter­es­san­ter bericht über den zufäl­li­gen fund des typo­skripts von arthur koest­lers „son­nen­fins­ter­nis“ – und was das für den text und sei­ne rezep­ti­on bedeu­ten könnte
  • Wem gehört das Geld der VG Wort? | Wolf­gang Mich­al → die ein­zi­ge gute, tref­fen­de und rich­ti­ge ein­schät­zung und erklä­rung des vg-wort-urteils, die ich bis­her gele­sen habe – die zei­tun­gen etc. schla­gen sich ja anschei­nend alle auf die sei­te der ver­la­ge, die jetzt ihren recht­mä­ßig erhal­te­nen gel­dern nachjammern
  • War­um die „Reform“ des Sexu­al­straf­rechts kei­ne ist | Ver­fas­sungs­blog → ulri­ke lembke erklärt im ver­fas­sungs­blog, war­um die straf­rechts­re­form der bun­des­re­gie­rung so schlecht und vor allem unzu­rei­chend ist

    Die Bun­des­re­gie­rung ver­passt die Chan­ce, den min­de­ren straf­recht­li­chen Schutz der sexu­el­len Selbst­be­stim­mung und die fak­ti­sche Straf­lo­sig­keit sexu­el­ler Über­grif­fe in Deutsch­land durch einen gro­ßen Wurf zu been­den. Erfor­der­lich ist ein Grund­tat­be­stand der „nicht ein­ver­ständ­li­chen sexu­el­len Hand­lun­gen“, wel­cher sich zur Ver­ge­wal­ti­gung so ver­hält wie Dieb­stahl zu Raub, denn die sexu­el­le Selbst­be­stim­mung ver­dient den glei­chen Schutz wie das Eigen­tum. Im Rechts­staat zählt nicht, wer am schnells­ten zurück­schlägt. Und in der Sexua­li­tät zählt seit lan­gem eine Ver­hand­lungs­mo­ral, die beid­sei­ti­ges Ein­ver­ständ­nis zur Bedin­gung gemein­sa­mer Lust macht. Auch dahin­ter soll­te der straf­recht­li­che Schutz nicht zurückbleiben.

  • Gericht: Haut­far­be darf bei Kon­trol­le kei­ne Rol­le spie­len | law blog → udo vet­ter weist auf ein urteil des ovg rhein­land-pfalz hin, dass die hür­den für eine dis­kri­mi­nie­rungs­freie poli­zei­kon­trol­le aus­rei­chend hoch hängt – die haut­far­be darf näm­lich danach nicht wesent­li­ches teil des „motiv­bün­dels“ sein. mal sehen, ob das bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt das auch so sieht – ich kann mir nicht vor­stel­len, dass die bun­des­po­li­zei das auf sich sit­zen lässt (und revi­si­on ist zugelassen)
  • Kei­ne Ver­le­ger­be­tei­li­gung: VG Wort erlei­det Nie­der­la­ge in Karls­ru­he | Bör­sen­blatt → das bgh macht mit der far­ce schluss, dass die vg wort mit dem geld der autorin­nen & autoren ver­la­ge suben­tio­niert (für die ist das natür­lich ein bit­te­rer einnahmeverlust …)

Ins Netz gegangen (20.4.)

Ins Netz gegan­gen am 20.4.:

  • The Stran­ge Tale of Social Auto­psy, the Anti-Harass­ment Start-up That Des­cen­ded Into Gamer­ga­te Truthe­rism | NYMag → tol­le geschich­te über ein kick­star­ter-pro­jekt, das auf omi­nö­se wei­se hate-speech & cyber­bul­ling bekämp­fen woll­te und dann ganz schnell sich selbst in gamer­ga­te-ver­schwö­run­gen ver­strick­te – weil die initia­to­rin offen­bar kei­ne ahnung hat(te), was im inter­net der jetzt­zeit so alles pas­siert …: „So over­all, Social Autopsy’s Kick­star­ter roll­out has not been wit­hout its hiccups.“
  • Infor­ma­tio­nel­le Selbst­zer­trüm­me­rung | ctrl+verlust → inter­es­san­te über­le­gun­gen von mspro: hin­dert das kon­zept der infor­ma­tio­nel­len selbst­be­stim­mung nicht eigent­lich einen effek­ti­ven daten­schutz oder einen schutz der indi­vi­du­en vor miss­bräuch­li­cher nut­zung ihrer daten?

    Man kann das noch wei­ter­spin­nen, wie ich es ja bereits seit eini­gen Jah­ren tue 4: Wenn wir 1. nicht mehr kon­trol­lie­ren kön­nen, wel­che Daten über uns an wel­chen Stel­len gesam­melt wer­den, weil wir die gan­ze Welt mit immer mehr und immer unsicht­ba­re­ren Sen­so­ren ausstatten;
    Wenn wir 2. die Kapa­zi­tä­ten von Lei­tun­gen und Daten­trä­gern immer wei­ter erhö­hen, so dass Daten in immer grö­ße­rem Umfang immer pro­blem­lo­ser von A nach B kopiert wer­den können;
    Wenn wir 3. immer bes­se­re Metho­den und Soft­ware zur Daten­aus­wer­tung bereit­stel­len, die noch aus den unschul­digs­ten Daten kom­ple­xe Pro­fil­bil­dun­gen und unvor­her­ge­se­he­ne Erkennt­nis­se erlauben;
    Wenn wir also den infor­ma­tio­nel­len Kon­troll­ver­lust auf den Ebe­nen der Samm­lung, Spei­che­rung und Aus­wer­tung erle­ben, wie kön­nen wir dann über­haupt noch – egal wo – von einer „infor­mier­ten Ein­wil­li­gung“ spre­chen, ohne uns in die eige­ne Tasche zu lügen?

  • Klei­ne Kri­tik am digi­ta­len Dis­kurs | Bob Blu­me → bob blu­me ist vom „digi­ta­len dis­kurs“ etwas des­il­lu­sio­niert und über­legt, was digi­ta­le bil­dung in der schu­le soll/​kann/​muss … – auch die kom­men­ta­re steu­ern inter­es­san­te über­le­gun­gen bei
  • Kli­ma­wan­del: Wir Umwelt­ver­wal­ter | Zeit → guter text über die ent­wick­lung der umwelt­be­we­gung und ‑poli­tik in der schweiz

    Wir Schwei­zer sind gute Umwelt­ver­wal­ter, sehen uns gern als Vor­bil­der und sind manch­mal ganz gern auch Umwelt­träu­mer, und wo Umwelt­schutz kos­tet, haben wir das Geld dafür. Sobald es aber um Ver­hal­tens­wei­sen oder gar um Macht­struk­tu­ren geht, las­sen wir lie­ber alles beim Alten.

    Für die anste­hen­den gro­ßen Umwelt­pro­ble­me vom Kul­tur­land­ver­lust über das Arten­ster­ben bis zum Kli­ma­wan­del wird das nicht genügen. 

  • HIS­TO­di­gi­ta­LE → oer-platt­form der leip­zi­ger uni für das fach geschich­te, mit schwer­punkt auf leipzig-themen
  • „Lie­ber Papa“ – Toch­ter bit­tet Ihren Vater um ein Gefal­len – You­Tube
  • Old man yells at cloud | Cof­fee And TV → auch nerds seh­nen sich nach der guten, alten zeit – nur begrün­den sie es halt mit einem douglas-adams-zitat
    (im grun­de trifft lukas aber einen punkt, den ich ähn­lich emp­fin­de, was die ver­füg­bar­keit von musik, bil­dern, tex­ten angeht …)
  • The cult of memo­ry: when histo­ry does more harm than good | The Guar­di­an → sehr gute über­le­gun­gen (mit vie­len bei­spie­len) von david rieff über den „kult der erin­ne­rung“, das unbe­ding­te „nie ver­ges­sen“ und die pro­ble­me, die das (gesell­schaft­lich) her­vor­ru­fen kann

    The con­se­quence of this is that remem­brance as a spe­ci­es of mora­li­ty has beco­me one of the more unas­sailable pie­ties of the age. Today, most socie­ties all but vene­ra­te the impe­ra­ti­ve to remem­ber. We have been taught to belie­ve that the remem­be­ring of the past and its corol­la­ry, the memo­ri­a­li­sing of coll­ec­ti­ve his­to­ri­cal memo­ry, has beco­me one of humanity’s hig­hest moral obligations.

    But what if this is wrong, if not always, then at least part of the time? What if coll­ec­ti­ve his­to­ri­cal memo­ry, as it is actual­ly employ­ed by com­mu­ni­ties and nati­ons, has led far too often to war rather than peace, to ran­cour and resent­ment rather than recon­ci­lia­ti­on, and the deter­mi­na­ti­on to exact reven­ge for inju­ries both real and ima­gi­ned, rather than to com­mit to the hard work of forgiveness?

    […]

    The­re is also too much remem­be­ring, and in the ear­ly 21st cen­tu­ry, when peo­p­le throug­hout the world are, in the words of the his­to­ri­an Tzve­tan Todo­rov, “obses­sed by a new cult, that of memo­ry”, the lat­ter seems to have beco­me a far grea­ter risk than the former.

Ins Netz gegangen (14.4.)

Ins Netz gegan­gen am 14.4.:

  • Farm to Fable | Tam­pa Bay Times → ein inter­es­san­ter und auf­wen­dig recher­chier­ter, aber sehr lan­ger (und bis­wei­len arg lang­at­mi­ger) text der restau­rant­kri­ti­ke­rin der „tam­pa bay times“ in flo­ri­da über die lügen der gas­tro­no­mie, was „local“ (in deutsch­land eher: regio­nal) zuta­ten (und her­kunfts­an­ga­ben über­haupt) angeht. auf den punkt gebracht:

    If you eat food, you are being lied to every day.

    (es gibt aber auch posi­ti­ve beispiele …)

  • Bil­ler unread | der Frei­tag → micha­el ange­le vom „frei­tag“ schreibt eine sam­mel­re­zen­sen­si­on der kri­ti­ken von bil­lers „bio­gra­fie“

    So bil­de­te sich mir beim Lesen ein eige­ner klei­ner Roman über einen Kri­ti­ker, was will man mehr.

  • Exit-Stra­te­gie: Herrn­dorfs Revol­ver | FAS → julia encke hat sich im lite­ra­tur­ar­chiv mar­bach die waf­fe von wolf­gang herrn­dorf zei­gen las­sen und erzählt für die „fas“ die geschich­te, wie sie dort­hin kam

    Doch ist die eigent­li­che Poin­te viel­leicht eine ganz ande­re. Denn von Wolf­gang Herrn­dorf liegt hier in Mar­bach jetzt nur der Revol­ver und kein Manu­skript, kei­ne Skiz­ze, kei­ne hand­schrift­li­chen Noti­zen. Nur die Reli­quie sozu­sa­gen, aber nicht die Schrift. Wer „Arbeit und Struk­tur“ liest – die­ses über­wäl­ti­gen­de Buch mit zwei Prot­ago­nis­ten: Wolf­gang Herrn­dorf und sei­ne Waf­fe -, der kennt auch die Pas­sa­gen, in denen der Autor sei­ne Abnei­gung gegen­über Ger­ma­nis­ten ziem­lich deut­lich zum Aus­druck bringt. Dass die Ger­ma­nis­ten jetzt nur das Werk­zeug der Been­di­gung des Schrei­bens in die Hän­de bekom­men und nicht den Text selbst, das hät­te ihm mög­li­cher­wei­se gefal­len. Es passt jeden­falls zu der Art von Scher­zen, die Wolf­gang Herrn­dorf mochte.

  • Unge­wöhn­li­cher Klang­po­et: Zum Tod des Kom­po­nis­ten Josef Anton Riedl | BR-Klas­sik → heu­te erst erfah­ren: josef anton riedl ist gestor­ben. für br-klas­sik hat hel­mut rohm einen guten nach­ruf geschrieben.

    Sein eige­nes mul­ti­me­dia­les, Gat­tungs­gren­zen spren­gen­des Schaf­fen aber lässt sich kaum auf den Punkt brin­gen. Jeden­falls hat er – wie sein Freund Die­ter Schne­bel es tref­fend sag­te – nie „nor­ma­le“ Musik geschrieben. 

  • Aldis final Dis­count­down | Kraut­re­por­ter → peer scha­der über den „stra­te­gie­wech­sel“ bei aldi und die damit ein­her­ge­hen­den pro­ble­me für händ­ler, her­stel­ler und kunden
  • A Smart Black­let­ter Font: 7 Ques­ti­ons for Ger­rit Ans­mann | Typo​gra​phy​.Guru → war­um – und vor allem wie – ein deut­scher phy­si­ker eine frak­tur-schrift für das 21. jahr­hun­dert aufbereitet/​aktualisiert
  • How an inter­net map­ping glitch tur­ned a ran­dom Kan­sas farm into a digi­tal hell | Fusi­on → cra­zy sto­ry, was pas­siert, wenn eine/​mehrere ip-loca­ti­ons-fir­ma beschlie­ßen, ips, deren adres­se sie nicht genau ken­nen, der „mit­te“ eines lan­des zuord­nen – da wohnt unter umstän­den näm­lich jemand …
  • Natur­schutz: Was ist nur aus uns gewor­den? | Zeit → haral wel­zer ist etwas rat­los – all das grü­ne leben, das bemü­hen um nach­hal­tig­keit und öko­lo­gie – es scheint nichts zu nut­zen, weil das „immer mehr“ aus dem kapi­ta­lis­ten sys­tem offen­bar nicht weg­zu­be­kom­men ist …

    Der Preis für das so per­fekt funk­tio­nie­ren­de Bünd­nis zwi­schen Öko­be­sorg­nis und Nor­mal­wirt­schaft ist hoch: Nicht nur klafft heu­te zwi­schen der aus­ge­bau­ten Exper­to­kra­tie in Minis­te­ri­en, Uni­ver­si­tä­ten, Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen und Umwelt­ver­bän­den und ‑räten aller Art und der bun­ten, aber eher staats­fer­nen und ent­po­li­ti­sier­ten Gras­wur­zel­ak­ti­vis­ten-Sze­ne eine gro­ße gesell­schafts­po­li­ti­sche Lücke, auch ist den Grü­nen ihr Mar­ken­kern abhan­den­ge­kom­men, seit die gan­ze Gesell­schaft sym­bo­lisch ergrünt ist.

    Das wirkt sich umso dra­ma­ti­scher aus, als die Fol­gen einer fort­ge­setz­ten Natur­zer­stö­rung heu­te immer deut­li­cher wer­den – bis hin zu den sozia­len Fol­gen in Gestalt von Flucht und Ver­trei­bung. Eine Wei­le lang hat die Öko­be­we­gung als Moder­ni­sie­rungs­im­puls für eine moder­ne Gesell­schaft gewirkt, die so etwas regel­mä­ßig braucht, um neue Märk­te, Pro­duk­te und Bedürf­nis­se zu erschlie­ßen. Aber in die­ser Moder­ni­sie­rung hat sie sich selbst weit­ge­hend ver­lo­ren. Ivan Illich hat­te auf Selbst­be­gren­zung bestan­den, weil es kei­ner noch so effi­zi­enz­ge­schärf­ten Pro­duk­ti­vi­tät jemals gelin­gen kön­ne, „die nach Belie­ben geschaf­fe­nen und mul­ti­pli­zier­ten Bedürf­nis­se zu befrie­di­gen“. Wohl wahr. Aber Selbst­be­gren­zung ist einem Sys­tem wesens­fremd, des­sen Erfolgs­re­zept gera­de dar­in liegt, unab­läs­sig natür­li­che Gren­zen zu überschreiten.

  • wör­ter­buch­kri­tik an einer wer­be­an­zei­ge | lexi­ko­gra­phieb­log → schön: wer sei­ne anzei­ge als lexi­kon­ein­trag gestal­tet, muss auch damit rech­nen, dass ein lexi­ko­graph sie lexi­ko­gra­phisch kritisiert …

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