»Nächstens mehr.«

Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Über Lieder von Liebe und Schmerz: Ian Bostridge erklärt Schuberts Winterreise

Es ist nicht mehr als ein klei­ner Aus­schnitt der fort­dau­ern­den Erkun­dung des kom­ple­xen und schö­nen Net­zes von Bedeu­tun­gen – musi­ka­li­sche und lite­ra­ri­sche, tex­tu­el­le und meta­tex­tu­el­le –, inner­halb des­sen die Win­ter­rei­se ihren Zau­ber her­vor­bringt.S. 396

bostridge, schuberts winterreise (cover)– Mit die­sem Schluss endet der bri­ti­sche Tenor Ian Bostridge (übri­gens ein aus­ge­bil­de­ter His­to­ri­ker) sein gro­ßes, fas­zi­nie­ren­des und in sei­ner berei­chern­den Klug­heit aus­ge­spro­chen lesens­wer­tes Buch über Schu­berts Win­ter­rei­se. Aber es ist ein Satz, der das, was auf den knapp vier­hun­dert Sei­ten zuvor pas­siert ist, sehr gut auf den Punkt bringt. Lie­der von Lie­be und Schmerz hat der deut­sche Ver­lag Bostridges Buch im Unter­ti­tel benannt. Das eng­li­sche Ori­gi­nal fin­de ich pas­sen­der: Ana­to­my of an Obses­si­on. Denn bei­des, das sezie­ren­de Unter­su­chen als auch die obses­si­ve Beschäf­ti­gung mit dem Kunst­werk, bringt das Ver­hält­nis von Bostridge zur Win­ter­rei­se sehr gut auf den Punkt. Und bei­des, die Ana­ly­se und die emo­tio­na­le Bin­dung, merkt man dem Text eigent­lich auf jeder Sei­te an: Jede Sei­te die­ses groß­ar­ti­gen Buches, das Lied für Lied die Win­ter­rei­se unter die Lupe nimmt, lässt die obses­si­ve Lie­be und die jahr­zehn­te­lan­ge Beschäf­ti­gung mit Musik und Text, mit Dich­ter und Kom­po­nist, mit Hin­ter­grün­den und Bedeu­tun­gen spüren.

Lied für Lied – die­se Glie­de­rung greift das gut gemach­te (ich habe – abge­se­hen von der prin­zi­pi­ell etwas unsin­ni­gen Über­set­zung eng­li­scher Über­set­zun­gen deut­scher Tex­te – nur einen Über­set­zungs­feh­ler bemerkt – der ist aller­dings etwas pein­lich, weil er das eng­li­sche b‑minor mit b‑moll statt h‑moll über­setzt und auf der sel­ben Sei­te auch noch rich­tig vor­kommt …) und schön aus­ge­stat­te­te Buch auch äußer­lich auf. Bostridge folgt damit zwar der Dra­ma­tur­gie Schu­berts (die ja, wie er mehr­fach dar­legt, von der Rei­hen­fol­ge Mül­lers abweicht), gestat­tet sich aber auch Frei­hei­ten: Man­che Kapi­tel sind auf­fal­lend kurz, ande­re etwas aus­schwei­fend. Man­che bie­ten eine sehr kon­zen­trier­te Ana­ly­se von Text und Musik, ande­re lie­fern vor allem geschicht­li­che, poli­ti­sche, wirt­schaft­li­che, sozio­lo­gi­sche Hin­ter­grün­de. Wie er prin­zi­pi­el­le Beob­ach­tun­gen und Anmer­kun­gen über die ein­zel­nen Lied­ka­pi­tel ver­teilt, das ist sehr geschickt. Die sind dadurch näm­lich immer mehr als blo­ße Kom­men­ta­re oder Erläu­te­run­gen, das Buch wird nicht zu einer seri­ell-sche­ma­ti­schen Ana­ly­se, son­dern zu einem gro­ßen Gan­zen: Alles in allem ist das eine groß­ar­ti­ge Samm­lung von Wis­sen aus allen Berei­chen zu den 1820er Jah­ren. Da liegt aber auch schon eines der Pro­ble­me, die ich damit hat­te (neben der meist feh­len­den Refe­ren­zie­rung des ange­sam­mel­ten Wis­sens): Bei Bostridge wer­den die 1820er in Tech­nik, Öko­no­mie, Gesell­schaft und Poli­tik zu einem frü­hen Höhe­punkt der Moder­ni­sie­rung. Ich bin mir nicht so recht sicher, ob das stimmt (und ob es hilf­reich wäre). Für ein end­gül­ti­ges Urteil fehlt mir da frei­lich etwas Wis­sen, mir schei­nen die­se Jah­re aber doch mehr Durch­gang als Gip­fel zu sein.

Ein ande­rer Punkt, bei dem ich Bostridge immer wie­der wider­spre­chen möch­te, ist die Iro­nie. Die fin­det er in der Win­ter­rei­se näm­lich wesent­lich häu­fi­ger und stär­ker als ich das immer nach­voll­zie­hen kann. Ähn­lich geht es mir mit der poli­ti­schen Dimen­si­on von Text und Musik. In bei­den Fäl­len möch­te ich Bostridges Deu­tun­gen gar nicht von vorn­her­ein ver­wer­fen, sie schei­nen mir in die­sen Aspek­ten aber etwas über­spitzt. Deut­lich wird das etwa bei sei­nen Aus­füh­run­gen zum „Köh­ler“, der (bzw. des­sen Hüt­te, er selbst ja gera­de nicht) in der Win­ter­rei­se genau ein­mal vor­kommt: Das kann man als mög­li­che poli­ti­sche Chif­fre lesen, so zwin­gend, wie Bostridge das dar­stellt, ist die­se Les­art aber mei­nes Erach­tens nicht. Über­haupt hat mich sei­ne poli­ti­sche Les­art vie­ler Lie­der (bzw. eigent­lich nur ihrer Tex­te, in die­sem Deu­tungs­zu­sam­men­hang spielt die Musik kei­ne Rol­le) nicht so sehr befrie­digt, zumal sie ja doch erstaun­lich indif­fe­rent bleibt. Ähn­lich ist es übri­gens um Schu­bert selbst hier bestellt: Zum einen wird er als poli­ti­scher Künst­ler, der extrem unter den har­ten Bedin­gun­gen der vor­märz­li­chen Zen­sur litt, dar­ge­stellt. Zugleich ist er für Bostridge aber auch ein Kom­po­nist, der ganz unbe­dingt ein Ide­al des rei­nen, tran­szen­den­ten Künst­ler­tums ver­folgt – zwei Les­ar­ten, die hier fast naht­los inein­an­der über­ge­hen, die ich aber nicht so recht zusam­men bekomme.

Das alles macht aber wenig bis nicht. Denn Bostridge zu lesen, ja eigent­lich: zu schmö­kern, ist auf jeden Fall ein gro­ßer Gewinn. Zumal das Buch auch, ich sag­te es schon, ein­fach schön ist und auch mit Abbil­dun­gen nicht geizt. Scha­de fand ich aller­dings, um das Lob gleich wie­der ein biss­chen ein­zu­schrän­ken, dass Bostridge so wenig über die Musik und ihre Details spricht. Mein Ein­druck war da, dass die­ses Ele­ment in der Fül­le der Zugän­ge und Mate­ria­li­en, die er zur Win­ter­rei­se zusam­men­ge­tra­gen hat, etwas unter­geht. Von einem Sän­ger hät­te ich mir gera­de auf die­sem Gebiet mehr musi­ko­lo­gi­sche Ana­ly­se und Beschrei­bung gewünscht. Aber das wäre dann viel­leicht ein ande­res Buch geworden. 

Es ist näm­lich wirk­lich selt­sam mit die­sem Buch: Als Gan­zes fin­de ich es immer noch ziem­lich groß­ar­tig, es ist ein (über)reiches Buch, das dem Ver­ständ­nis der Win­ter­rei­se auf jeden Fall in gro­ßem Maße dient und das Hören (oder Musi­zie­ren) unge­mein berei­chern kann. Im Detail fin­de ich aber vie­les frag­wür­dig und wür­de oft wider­spre­chen. Ein paar klei­ne, fast will­kür­li­che Bei­spie­le: Den Natio­nal­so­zia­lis­mus und den Zwei­ten Welt­krieg aus einer typisch deut­schen „roman­ti­schen Todes­be­ses­sen­heit“ (118) zu erklä­ren wol­len – das ist ein­fach Quatsch. Oder wenn ein Fer­ma­ten­zei­chen zu einem „alles­se­hen­den Auge“ (178) wird. Manch­mal ist es auch vor allem eine gro­ße Fleiß­leis­tung, wenn er etwa zum „Früh­lings­traum“ über meh­re­re Sei­ten das Vor­kom­men von Eis­blu­men in der Kunst- und Lite­ra­tur­ge­schich­te refe­riert, was aber weder mit Mül­ler noch mit Schu­bert in Ver­bin­dung steht. Da erschließt sich mir dann nicht so ganz der Zweck, den das für eine Ana­ly­se oder Inter­pre­ta­ti­on die­ses Kunst­wer­kes haben soll. 

Aber: Die Welt von Schu­berts Win­ter­rei­se kann der über­aus gebil­de­te Bostridge mit sei­nem gesam­mel­tem Wis­sen und sei­nen genau­en, viel­fäl­ti­gen, empha­ti­schen Beob­ach­tun­gen eben doch ganz toll ent­fal­ten und wun­der­bar ver­mit­teln. Es ist übri­gens kein Ver­se­hen, wenn ich von Schu­berts Win­ter­rei­se sprach: Der Schwer­punkt sei­ner Betrach­tun­gen liegt auf Schu­bert und sei­ner Musik, auch wenn der Text und sein Autor, Wil­helm Mül­ler, nicht ganz außen vor blei­ben. Auch die Rezep­ti­on der Win­ter­rei­se wird nicht ver­ges­sen. Und sei­ne inti­me Ver­traut­heit en detail & en gros mit dem Werk sowie sei­ne dop­pel­te Auto­ri­tät als aus­üben­der Sän­ger und for­schen­der His­to­ri­ker tun dem Buch sehr gut: Er weiß, wovon er redet. Und nach der Lek­tü­re sei­ne Buches weiß man auch, was man da eigent­lich hört (oder: hören kann!), wenn man der Win­ter­rei­se lauscht.

Ian Bostridge: Schu­berts Win­ter­rei­se. Lie­der von Lie­be und Schmerz. 2. Auf­la­ge. Mün­chen: Beck 2015. 405 Sei­ten. ISBN 978−3−406−68248−3.

Ins Netz gegangen (10.6.)

Ins Netz gegan­gen am 10.6.:

  • Debat­te um Ver­gü­tung: Wenig Fair­ness im Umgang mit Autoren | Deutsch­land­ra­dio → hen­ry stein­hau über die bezie­hung zwi­schen ver­la­gen und autorinnen:

    Ver­la­ge soll­ten ihre Kräf­te dar­auf ver­wen­den, trag­fä­hi­ge Geschäfts­mo­del­le zu ent­wi­ckeln. Und zwar sol­che, die nicht dar­auf ange­wie­sen sind, den Autoren eine Betei­li­gung an Ver­gü­tun­gen abzuringen.

  • Der #öffentliche_​Raum ist immer poli­tisch. Ein Gespräch mit Chris­toph Haer­le (Teil 1) | Geschich­te der Gegen­wart → phil­ipp sara­sin hat sich mit dem archi­tek­ten, stadt­pla­ner und künst­ler chris­toph haer­le über den öffent­li­chen raum unter­hal­ten. im ers­ten teil geht es vor allem um die geschich­te des öffent­li­chen raums bis ins 19. jahr­hun­dert – sehr spannend.
  • Der post­mo­der­ne #öffentliche_​Raum. Ein Gespräch mit Chris­toph Haer­le (Teil 2) | Geschich­te der Gegen­wart → der zwei­te teil des gesprächs von phil­ipp sara­sin mit chris­toph haer­le, nun zu den öffent­li­chen räu­men des 20. jahr­hun­derts und der gegen­wart – und deren pro­ble­men und gefährdungen.
  • Mein Vater, der bekann­te Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker | Broad­ly → die toch­ter eines ein­fluss­rei­chen ver­schwö­rungs­theo­re­ti­kers („truther“) erzählt

    Gera­de weil Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker immun gegen jedes noch so ver­nünf­ti­ge Argu­ment aus der „Main­stream-Welt“ sind, sehe ich die­se Bewe­gung als äußerst gefähr­lich an. Wie vie­le sub­ver­si­ve Grup­pen aus dem rech­ten Lager, holen sich die Truther meis­tens Leu­te aus schwie­ri­gen sozia­len Ver­hält­nis­sen ins Boot. Men­schen, die froh über Sün­den­bö­cke sind und in elo­quen­ten Per­sön­lich­kei­ten Füh­rung suchen. Die Truther bestrei­ten eine Zuge­hö­rig­keit zum rech­ten Lager zwar vehe­ment, jedoch spre­chen mei­ne per­sön­li­chen Erfah­run­gen für sich. Sexis­mus, Homo­pho­bie und Ras­sis­mus sind genau­so ver­brei­tet, wie eine fehl­ge­lei­te­te Vor­stel­lung von Kul­tur und Heimatliebe.

  • Was darf die Sati­re? – Kurt Tuchol­sky, Jan Böh­mer­mann und die Fol­gen | lite​ra​tur​kri​tik​.de → ste­fan neu­haus über sati­re von tuchol­sky und böh­mer­mann, unter beson­de­rer berück­sich­ti­gung ihrer ästhe­ti­schen und poli­ti­schen impli­ka­tio­nen in deutschland
  • Ver­fas­sungs­recht­ler über die AfD: „Unver­ein­bar mit dem Grund­ge­setz“ | taz​.de → jurist joa­chim wie­land im taz-inter­view über das grund­satz­pro­gramm der afd:

    Aus mei­ner Sicht ver­sucht die AfD, die Gren­ze, die die Ver­fas­sung zulässt, bis ins Äußers­te aus­zu­tes­ten. Dabei arbei­tet sie mit unkla­ren Begrif­fen, damit sie, wenn sie zur Rede gestellt wird, sagen kann: So war das gar nicht gemeint. In eini­gen Punk­ten sehe ich den Men­schen­rechts­kern des Grund­ge­set­zes ver­letzt. Das könn­te die AfD, selbst wenn sie ent­spre­chen­de Mehr­hei­ten hät­te, nicht umset­zen, ohne dass es zu einer ein­deu­ti­gen Ver­fas­sungs­ver­let­zung käme. Man muss also sagen: Die AfD bewegt sich in vie­lem an der Gren­ze zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit und in man­chem hat sie die­se Gren­ze bereits überschritten.

  • EBooks vs Papier-Bücher: Vom Kul­tur­wan­del und not­wen­di­gen Lern­pro­zes­sen (in der Schu­le) | herrlar​big​.de → herr lar­big denkt dar­über nach, was eigent­lich den unter­schied zwi­schen papier­buch und ebook ausmacht

    Wäh­rend wir das ana­lo­ge Buch aus Papier nach wie vor gut im Rah­men der von uns erlern­ten (hart­nä­cki­gen) Mus­ter des Lesens auf­zu­neh­men und zu bear­bei­ten wis­sen, ver­langt das digi­ta­le Buch von uns, in einen Lern- und Gewöh­nungs­pro­zess einzutreten.

    Es muss gelernt wer­den, wie man mit den ver­än­der­ten Mög­lich­kei­ten des Daten­trä­gers zu arbei­ten ver­mag und man muss sich gleich­zei­tig dar­an gewöh­nen, dass Tex­te die Dimen­si­on der Tie­fe im Sin­ne von Sei­ten­zah­len »ver­lie­ren«. – Dies ist aller­dings viel mehr als eine Fra­ge der Haptik.

Volkslieder 2.0

volkslieder 2.0 (cover)Das Volks­lied taucht in den letz­ten Jah­ren immer mehr aus der Ver­sen­kung wie­der auf – Pro­jek­te wie das Carus/S­WR-Lie­der­pro­jekt oder S.O.S. – Save Our Songs von Sin­ger Pur sind nur Teil und Zei­chen eines grö­ße­ren rück­be­sin­nen­den Revi­vals. Das, was das SWR Vokal­ensem­ble Stutt­gart und die SWR Big Band unter der Lei­tung von Mor­ten Schuldt-Jen­sen mit Volks­lie­der 2.0 vor­le­gen, ist frei­lich etwas ande­res. Denn für ihre ers­te Zusam­men­ar­beit gehen die bei­den SWR-Klang­kör­per einen Schritt wei­ter und in eine ande­re Richtung. 

Der Kom­po­nist und Arran­geur Ralf Schmid warf dafür einen Blick auf die nor­we­gi­sche Tra­di­ti­on, wäh­rend der Nor­we­ger Hel­ge Sun­de umge­kehrt deut­sche Volks­lie­der bear­bei­te­te. Dabei steht für bei­de nicht das Volks­lied an sich im Zen­trum, son­dern des­sen künst­le­ri­sche Potenz ohne natio­na­lis­ti­schen Bal­last. Und viel­leicht ist es ganz fol­ge­rich­tig, dass Schmid sich ohne Volks­lie­der direkt mit Peer Gynt aus­ein­an­der­setzt, mit Griegs tra­di­tio­nel­ler Musik und Ibsens Text. Trotz aller Nähe zu ein­zel­nen Sät­zen wie der „Mor­gen­stim­mung” oder „Solv­eigs Lied“ ver­leiht er Peer Gynt eine sehr eigen­stän­di­ge Prä­gung, bringt etwa die Mor­gen­stim­mung als „toast på coast“ locker-beschwingt zum Tan­zen und nutzt die Fusi­ons­en­er­gie aus der voka­len Kraft und der eher metal­li­schen Ener­gie der Big-Band in fein abge­stimm­ten Arrangements.

Über­haupt gibt die Koope­ra­ti­on zwei­er so her­aus­ra­gen­der Ensem­bles den Kom­po­nis­ten rei­che Mög­lich­kei­ten an die Hand. Die nut­zen das zurück­hal­tend, aber sub­til und geschickt. Die Viel­falt der Klang­far­ben ist phä­no­me­nal: Vom grel­len Schmet­tern bis zum gehauch­ten Laut, von zackig-prä­zi­ser Kraft über expres­si­ves Par­lan­do bis zu den weich flie­ßen­den Melo­dien, von fili­gra­nen poly­pho­nen Struk­tu­ren bis zu kraft­vol­len cho­ri­schen Klang­flä­chen – man merkt, dass das den Musi­kern sozu­sa­gen auf den Leib oder in die Stim­me geschrie­ben wurde.

Der Nor­we­ger Hel­ge Sun­de steu­ert einen fas­zi­nie­ren­den Blick auf vier deut­sche Volks­lie­der bei: Das eigent­lich so harm­lo­se Schlaf­lied­chen wird ihm zu einem Thril­ler – einem leben­dig und detail­liert nach­zu­hö­ren­den Kampf zwi­schen Kind und Schlaf, zwi­schen Traum und Unge­heu­er, der gera­de so noch die Kur­ve bekommt und im fried­li­chen Schlaf endet. Auch „Auf einem Baum“ erfährt eine Ver­wand­lung: Der Kuckuck sitzt nicht ein­fach nur rum, man kann ihn in den agi­len Stim­men des Vokal­ensem­bles tän­zeln und flat­tern hören – und auch vom Baum fal­len, nach­dem der Jäger ihn abge­schos­sen hat. Und wäh­rend „Wenn ich ein Vög­lein wär“ zu einer ast­rei­nen Jazz­bal­la­de wird, kracht die „Lore-Ley“ aus­ge­spro­chen fun­kig und rockig. Über­haupt haben Sun­des Bear­bei­tungs­kom­po­si­tio­nen etwas sehr ver­spiel­tes: Wie ein Kind, das im Spiel­wa­ren­la­den freie Aus­wahl hat, legt sich Sun­de kaum Zurück­hal­tung auf – das offen­sicht­lichs­te mei­det er meis­tens, aber die vokal-instru­me­na­len und klang­li­chen Fähig­kei­ten bei­der Ensem­bles nutzt er weid­lich aus. Die Avant­gar­de-Spe­zia­lis­ten des Stutt­gar­ter Vokal­ensem­bles sin­gen das prä­zi­se, blei­ben aber immer ganz ent­spannt, ganz egal, ob sie nun gera­de sanft säu­seln oder wie in der „Lore-Ley“ selbst zu einem Teil der Big Band wer­den. Und da gibt es immer wie­der bun­tes und abwechs­lungs­rei­ches zu hören – bei­de Grup­pen fan­gen die Stim­mun­gen der Lie­der sehr geschickt auf und machen sie sehr deut­lich ver­nehm­bar. Das bes­te ist aber: Alles wirkt voll­kom­men natür­lich, unge­zwun­gen und har­mo­nisch – weil sowohl Schmid als auch Sun­de bei­den Ensem­bles ihren Raum las­sen. Auch wenn die­se viel­schich­tig-ver­track­te Musik so sicher nicht selbst zu Volks­mu­sik wer­den wird – man wünscht ihr, mög­lichst oft gespielt, gesun­gen und gehört zu werden.

Ralf Schmid, Hel­ge Sun­de: Volks­lie­der 2.0. SWR Big Band, SWR Vokal­ensem­ble, Mor­ten Schuldt-Jen­sen. SWR­mu­sic 2016.

(In einer etwas kür­ze­ren Fas­sung zuerst erschie­nen in »Chor­zeit – Das Vokal­ma­ga­zin« No. 28, Juni 2016.)

Typographische Langeweile

In JPod lässt Dou­glas Cou­p­land (der im Buch als er selbst auch immer wie­der auf­taucht) sei­nen Ich-Erzäh­ler Ethan beob­ach­ten und sagen: 

I’ve come to the con­clu­si­on that docu­ments are thir­ty-four per­cent more bor­ing when pre­sen­ted in the Cou­rier font.

Und, wie in die­sem Text nicht anders zu erwar­ten (der ger­ne mit typo­gra­phi­schen Mus­tern spielt und das tra­di­tio­nel­le Erzäh­len reich­lich aus­reizt), folgt gleich ein Bei­spiel. Das sieht in mei­ner Aus­ga­be (Bloomsbu­ry Paper­back, 2007) so aus:
douglas coupland, jpod, seite 243

Ins Netz gegangen (6.6.)

Ins Netz gegan­gen am 6.6.:

  • Faking it – the gre­at unmen­tionable of orches­tral play­ing | the strad → Given today’s high stan­dards of musi­ci­an­ship, you might think top orches­tral string play­ers can play any­thing, but the­re are times when the best they can do is give the impres­si­on of play­ing every note as written
  • Igor Levit: „Es ist so unheim­lich geil“ | ZEIT ONLINE → der groß­ar­ti­ge igor levit lässt sich von moritz von uslar fra­gen zu beet­ho­ven stel­len und hat ein paar coo­le ant­wor­ten auf teil­wei­se etwas dümm­li­che fra­gen (die sich uslar nicht mal selbst über­le­gen konnte …)
    krank aller­dings ist der angeb­li­che anlass: das beet­ho­ven-jubi­lä­um 2020 – sind ja nur noch vier jah­re, aber was soll’s, damit war die „zeit“ bestimmt das ers­te medi­um, das das jubi­lä­um ein­ge­läu­tet hat …
  • Aaron Sor­kin Con­ju­res a Mee­ting of Oba­ma and Bart­let – The New York Times → erst jetzt gefun­den: aaron sor­kin hat sich für die NYTi­mes ein tref­fen von oba­ma und dem west-wing-prä­si­dent bart­lett 2008 ausgemalt.
  • Koh­le­aus­stieg ver­tagt | kli​ma​ret​ter​.info → aus kurz­fris­ti­gen poli­ti­schen über­le­gun­gen (und angst) ver­gei­gen die regie­run­gen deutsch­lands die ener­gie­wen­de immer mehr, schie­ben sie immer wei­ter in die zukunft und hin­ter­las­sen immer grö­ße­re probleme
  • Kli­ma­wan­del: Der unglaub­li­che Eier­tanz der Meteo­ro­lo­gen | FAZ → joa­chim mül­ler-jung hat genug vom eier­tanz der meterologen:

    Aber wie lan­ge sol­len sich Meteo­ro­lo­gen, die wie kaum eine zwei­te For­scher­gil­de öffent­lich Gehör fin­den, hin­ter einem omi­nö­sen sta­tis­ti­schen Rau­schen ver­ste­cken, nur weil sie das Offen­kun­di­ge – den beschleu­nig­ten Kli­ma­wan­del – als poli­ti­sche Kor­rekt­heit und des­we­gen als unan­ge­mes­se­ne wis­sen­schaft­li­che Inter­pre­ta­ti­on betrach­ten? Die meteo­ro­lo­gi­sche Exper­ti­se steckt selbst in einem Tief­druck­sumpf. Sie täte auch des­halb gut dar­an, ihre ver­quas­ten kli­ma­to­lo­gi­schen Sprach­re­gu­la­ri­en auf­zu­ge­ben, weil sie mit zwei­deu­ti­gen Aus­flüch­ten die anti­wis­sen­schaft­li­chen Res­sen­ti­ments nur mehr schürt.

  • „Vor 10.000 Jah­ren waren die Euro­pä­er schwarz“ – Johan­nes Krau­se im Gespräch | Migra­ti­on → sehr inter­es­san­tes und span­nen­des inter­view mit dem paläo­ge­ne­ti­ker johan­nes krau­se über migra­tio­nen, aus­se­hen etc.

    Vor der Eis­zeit hat­ten die bis­her unter­such­ten Men­schen in Euro­pa alle brau­ne Augen, nach der Eis­zeit waren die Augen blau. Die Ureu­ro­pä­er, die vor zehn­tau­sen­den Jah­ren in Euro­pa leb­ten, hat­ten eine dunk­le Haut­far­be. Das ent­spricht nicht dem übli­chen Bild. Wenn ich ins Muse­um gehe, sind die Jäger und Samm­ler von vor 10.000 Jah­ren meist weiß dar­ge­stellt – dabei waren sie schwarz und hat­ten blaue Augen. Sie wie­sen kei­nes der Gene auf, die heu­te eine hel­le Haut­far­be ver­ur­sa­chen. Die heu­ti­ge hel­le Haut hat sich erst in der Bron­ze­zeit in Euro­pa aus­ge­brei­tet, also vor zir­ka 5.000 Jahren.

  • Read more blogs | Seth’s blog → seth godin:

    rea­ding more blogs is one of the best ways to beco­me smar­ter, more effec­ti­ve and more enga­ged in what’s going on. The last gre­at online bargain. 

    – sehr rich­tig. und wirk­lich so ein­fach umzu­set­zen. rss und sei­ne rea­der sind mei­nes erach­tens immer noch die am meis­ten unter­schätz­te tech­nik im internet

Taglied 5.6.2016

Level­ele­ven mit der „Nor­dic Polka“:

LEVELELEVEN – Nor­dic Pol­ska – The Real Group & Rajaton

Beim Kli­cken auf das und beim Abspie­len des von You­Tube ein­ge­bet­te­ten Vide­os wer­den (u. U. per­so­nen­be­zo­ge­ne) Daten wie die IP-Adres­se an You­Tube übertragen.

Twitterlieblinge Mai 2016


https://​twit​ter​.com/​G​o​g​a​n​z​e​l​i​/​s​t​a​t​u​s​/​7​2​7​8​5​0​7​0​7​1​8​5​9​7​1​200
https://​twit​ter​.com/​e​p​e​n​s​c​h​m​i​e​d​/​s​t​a​t​u​s​/​7​2​7​9​2​2​0​0​4​3​4​7​7​1​9​680


https://​twit​ter​.com/​r​y​a​n​h​u​b​e​r​/​s​t​a​t​u​s​/​7​3​3​7​1​0​2​7​3​0​1​8​7​8​9​888
https://​twit​ter​.com/​e​l​l​e​b​i​l​/​s​t​a​t​u​s​/​7​3​4​0​8​0​4​8​8​9​8​2​3​6​8​256

https://​twit​ter​.com/​C​u​b​a​_​L​i​b​r​e​_​J​r​/​s​t​a​t​u​s​/​7​3​5​3​7​2​5​8​8​2​6​4​8​9​4​465
https://​twit​ter​.com/​g​u​e​n​t​e​r​h​a​c​k​/​s​t​a​t​u​s​/​7​3​7​5​6​1​2​7​1​0​0​4​8​5​6​320

Ins Netz gegangen (30.5.)

Ins Netz gegan­gen am 30.5.:

  • Kleist-Edi­ti­on: Ein trau­ri­ges Ende | Süd­deut­sche → kleist-exper­te und ‑her­aus­ge­ber klaus mül­ler-sal­get berich­tet vom sehr unrühm­li­chen umgang des han­ser-ver­la­ges mit der offen­bar grot­ten­schlech­ten, aber als ulti­ma­ti­ven ange­prie­se­nen kleist-lese­aus­ga­be von roland reuß und peter staeng­le – nach­dem der ver­lag eine revi­si­on ver­sprach, die feh­ler­haf­te aus­ga­be aber mun­ter wei­ter ver­kauf­te, stellt er sie nun gänz­lich ein (das sind übri­gens die ver­la­ge, die über die vg wort geld von den urhe­bern haben wol­len – für ihre uner­setz­li­chen leistungen …)
  • re:publica 2016 – Thors­ten Schrö­der & Frank Rie­ger: Ad-Wars → span­nen­der vor­trag von frank rie­ger & thors­ten schrö­der über adblo­cker, mal­wa­re und gefah­ren­ab­wehr im netz (mit lösungvorschlägen!)
  • Muse­ums­di­rek­tor Köh­ne im Gespräch: Wir müs­sen es wagen! | FAZ → eck­art kröh­ne, direk­tor des badi­schen lan­des­mu­se­ums, will sein muse­um öff­nen – die faz spricht im inter­view von einer „revo­lu­ti­on von unten“:

    Muse­en sind eigent­lich so ange­legt, dass sie die wis­sen­schaft­lich fach­li­che Deu­tungs­ho­heit für ihre Inhal­te haben. Wir ver­su­chen, neben die­sem kura­to­ri­schen Strang einen zwei­ten Strang zu ent­wi­ckeln, bei dem wir sel­ber nicht mehr deu­ten, son­dern die Nut­zer und Nut­ze­rin­nen des Muse­ums das tun.

  • Kri­se des Libe­ra­lis­mus: Ein auto­ri­tä­res Ange­bot | Zeit → tho­mas ass­heu­ser ver­sucht sich in der „zeit“ an einer ana­ly­se der situa­ti­on des libe­ra­lis­mus – und so viel er rich­tig beob­ach­tet, fra­ge ich mich doch, ob sein aus­gangs­punkt – dass näm­lich „unse­re“ moder­ne libe­ra­le gesell­schaft so eng mit dem libe­ra­lis­mus zusam­men­hängt, wirk­lich rich­tig ist. ich ten­die­re ja eher zur annah­me, dass die poli­tik der letz­ten jahre/​jahrzehnte genau das – näm­lich den libe­ra­lis­mus – ver­lo­ren hat, auch ohne in das auto­ri­tä­re geham­pel der rech­ten zu verfallen.

    Man kann sich leicht aus­ma­len, welch kleb­ri­ge Attrak­ti­vi­tät eine sol­che Apart­heid­ge­sell­schaft ent­wi­ckelt, wenn Bür­ger das Gefühl haben, sie sei­en Moder­ni­sie­rungs­ver­lie­rer und könn­ten sich für ihre libe­ra­le Frei­heit nichts kau­fen. Die rech­te Alter­na­ti­ve ver­spricht dage­gen die Befrei­ung von der Befrei­ung und den Abschied von Euro­pa sowie­so. Sie malt die Nati­on als gute Stu­be mit Hirsch­ge­weih und kugel­si­che­ren But­zen­schei­ben, als Trutz­burg gegen Ter­ror, Kli­ma­ka­ta­stro­phe und Flücht­lin­ge, kurz: als wet­ter­fes­ten Herr­gotts­win­kel für Men­schen mit apo­ka­lyp­ti­schen Vor­ge­füh­len, die nicht zu Unrecht fürch­ten, die „Welt drau­ßen“ kön­ne über ihren Köp­fen zusam­men­bre­chen. Das auto­ri­tä­re Ange­bot verfängt.

  • Exzel­lenz­in­itia­ti­ve: Pri­vat ein Las­ter, öffent­lich eine Tugend | FAZ → jochen hörisch über den „dou­ble­speak“ in bezug auf die exzellenziniative,die auch vie­le (betei­lig­te) wis­sen­schaft­ler für sub­op­ti­mal bis unsinn hal­ten, das aber selten/​kaum öffent­lich sagen

    Man muss kein appro­bier­ter Medi­en- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler sein, um die all­täg­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on an den Uni­ver­si­tä­ten über die alte wie die neu auf­ge­leg­te Exzel­lenz­in­itia­ti­ve auf­fal­lend und ana­ly­se­be­dürf­tig zu fin­den. Denn immer wie­der macht sich ein pro­fa­nes Dilem­ma bemerk­bar. Im ältes­ten Medi­um, der face-to-face-com­mu­ni­ca­ti­on, wird noch sehr viel stär­ker als sonst gänz­lich anders über die Exzel­lenz­in­itia­ti­ve gespro­chen als in der publi­zier­ten Schrift­form. Antrags­pro­sa oder Ver­laut­ba­run­gen von offi­ziö­sen Uni­ver­si­täts­zeit­schrif­ten begrü­ßen die Erneue­rung der Exzel­lenz­in­itia­ti­ve, ansons­ten aber hört man zumeist läs­ter­li­che Reden.

  • Corporate’s Child | text­dump → zur lage der poli­tik eini­ge schar­fe beob­ach­tun­gen und anmer­kun­gen in guen­ter hacks textdump:

    Der Staat gibt vor, alles sehen zu kön­nen (sie­he Punkt 2), wenn er aber han­deln soll, tut er so, als sei­en ihm die Hän­de gebun­den, von der bösen EU, durch inter­na­tio­na­le Ver­trä­ge, durch Res­sour­cen­man­gel, durch die all­ge­mei­ne Wirt­schafts­lo­gik, die halt nun mal so ist. Wenn der Staat agiert, dann nur mit noch mehr Repres­si­on nach unten, weil das halt ein­fa­cher ist, als Steu­ern von Ama­zon zu ver­lan­gen. Die­se Dis­kre­panz führt zu einer Art Theo­di­zeege­fühl, die schon ziem­lich mas­si­ve Welt­re­li­gio­nen hat abschmel­zen lassen. 

    Die neo­na­tio­na­lis­ti­schen Par­tei­en sind nicht des­we­gen so erfolg­reich, weil sie dis­rup­tiv wären, son­dern weil sie bestehen­de Leit­li­ni­en der Main­stream-Poli­tik der letz­ten 30 Jah­re kon­se­quen­ter und skru­pel­lo­ser wei­ter­den­ken als die Cor­po­ra­te-Poli­ti­ker selbst.

Lyrik und Freiheit

Lyrik han­delt von Struk­tu­ren, die Cha­rak­te­ren zugrun­de­lie­gen. Sie muss sich nicht den Per­sön­lich­kei­ten und ihren Ent­wick­lun­gen zuwen­den, denn sie inter­es­siert sich vor allem für die Struk­tu­ren von Welt und Den­ken, die die Spra­che in unse­rem Bewusst­sein geschaf­fen hat.Moni­ka Rinck, Wir. Phä­no­me­ne im Plu­ral (2015), 26

Es gibt aber eine gewis­se Frei­heit. Die bewahrt man sich, indem man nur gute Fra­gen beant­wor­tet, schlech­te Fra­gen ablehnt oder schwei­gend quit­tiert und unge­woll­te Ver­ein­nah­mun­gen durch dis­rup­ti­ve Hand­lun­gen erschwert. Im Zwei­fels­fall ist es hilf­reich, immer mal wie­der zu sagen: »Ich nicht« – ganz gleich, ob der Kon­text das her­gibt oder nicht. Und Gedich­te zu lesen, um sich ein­zu­üben in die Aus­lo­cke­rung der Pro­no­men – denn wir, das könn­ten jeder­zeit auch die ande­ren sein. Moni­ka Rinck, Wir. Phä­no­me­ne im Plu­ral (2015), 40

rinck, wir (cover)

Ins Netz gegangen (24.5.)

Ins Netz gegan­gen am 24.5.:

  • War­um wäh­len jun­ge Män­ner so ger­ne rechts? | jetzt​.de → der sozio­lo­ge bern­hard heinz­l­mai­er spricht tachelese:

    Der unge­bil­de­te Mann sieht sich als Opfer der Ver­hält­nis­se, weil er nicht mehr machen darf, was er will: zu schnell Auto fah­ren, besof­fen Auto fah­ren. Statt­des­sen muss er sich um den Haus­halt küm­mern. Das irri­tiert die ver­blö­de­ten Män­ner. Des­we­gen fol­gen sie einer Par­tei, die sich sys­te­ma­tisch als Opfer inszeniert
    […] Und die unge­bil­de­ten jun­gen Män­ner fol­gen einer Macht, die besin­nungs­los gegen alles los­schlägt, was Mensch­lich­keit heißt.
    […] Es ist ja so: Nicht ein­mal die Rechts­po­pu­lis­ten sind von ihren Ideen über­zeugt. Das sind gewis­sen­lo­se Betrü­ger, die in der Regie­rungs­ver­ant­wor­tung dann prag­ma­tisch wer­den. Und plötz­lich ganz anders agie­ren, als sie vor­her ange­kün­digt haben; eine huma­ne Außen­po­li­tik machen oder sich für Homo­se­xu­el­len­rech­te ein­set­zen. Die glau­ben, bis auf ein paar Pro­zent Voll­idio­ten, gar nicht an ihre eige­ne Idee. Die sind nur an der Macht inter­es­siert. Dar­in pas­sen sie zu ihren Wählern. 

  • Neue Musik: Kre­nek + Zem­lin­sky + Korn­gold = A – 300 | ZEIT ONLINE → vol­ker hage­dorn hat sich ein biss­chen umge­schaut, wie „normale“/„klassische“ orches­ter in deutsch­land gera­de so mit der neu­en musik (oder der alten neu­en musik) umgehen
  • Jen­seits von Gut und Böse? Die Sprach­po­li­tik der deut­schen Leit­me­di­en | Über­me­di­en → ste­fan nig­ge­mei­er hat sich sprach­re­ge­lun­gen deut­scher medi­en & pres­se­agen­tu­ren angeschaut

    Die Wahl der Begrif­fe ent­hält eine Posi­tio­nie­rung. Ändert sich die Posi­tio­nie­rung, ändern sich auch die Begriffe.

  • Der zwei­te Ver­such → Ingo Zam­pe­ro­ni über die (Vor-)Wahl in den USA und Hil­la­ry Clinton

    Rea­dy for Hil­la­ry? Schafft es Hil­la­ry Clin­ton im zwei­ten Anlauf nach 2008, Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin der Demo­kra­ten zu wer­den – oder sogar ins Wei­ße Haus ein­zu­zie­hen? ARD-Kor­re­spon­dent Ingo Zam­pe­ro­ni wid­met sich den Pros und Con­tras in die­ser Frage.

  • „Schwei­zer Art ist Bau­ern­art“. War­um wir die Bau­ern so lie­ben. | Geschich­te der Gegen­wart → instruk­ti­ver text von phil­ipp sara­sin über die grün­de, war­um die schwei­zer (städ­ter) die bau­ern so lie­ben. und seit wann.

    Es war der Bas­ler Bürger­sohn, ETH-Pro­fes­sor und Bauern­ver­bands­se­kretär Ernst Laur (der „Bauern­hei­land“), hat in der Zwischen­kriegs­zeit den Schwei­ze­ri­schen Bauern­ver­band (SBV) zu einer schlag­kräf­tigen und einfluss­rei­chen Lobby­or­ga­ni­sa­tion aufge­baut und er präg­te vor allem jenen Slo­gan, der bis heu­te offen­bar unaus­lösch­lich im iden­ti­ty-code vie­ler Schwei­ze­rinnen und Schwei­zern veran­kert ist, obwohl sie seit schon bald nicht mehr erinner­baren Genera­tionen in Städ­ten leben: „Schwei­zer Art ist Bau­ern­art“. Zusam­men mit sei­nem gleich­na­migen Sohn hat er im Rah­men der Geis­ti­gen Landes­ver­tei­di­gung der 1930er Jahr das neu erfun­den, was angeb­lich der „fru­me edle pur“ der alten Eidge­nos­sen­schaft gewe­sen sein soll: Laur juni­or beauf­tragte in den 1930er Jah­ren meh­re­re Textil­de­si­gner, um die heu­te bekann­ten Schwei­zer Trach­ten ent­wer­fen zu las­sen. Dabei passt ins Bild, dass schon an der Wen­de zum 20. Jahrhun­dert in der Unter­hal­tungs­szene des Zür­cher Nieder­dorfs die Länd­ler-Musik kre­iert wor­den ist, und dass eben­falls zu Beginn des 20. Jh. der städ­tisch-bür­ger­li­che Heimat­schutz die von der Moder­ne „bedroh­te“ bäuer­liche Kul­tur und die Viel­falt der Schwei­zer Bauern­häuser zu „schüt­zen“ sich zur Auf­ga­be mach­te. „Der“ Schwei­zer Bau­er ist eine städti­sche Erfin­dung; die „Bauernart“-Ideologie war, noch bevor sie Laur auf den Begriff brach­te, eine Reak­ti­on auf die Moderne.

  • taz-Streit zum Fahr­rad-Volks­ent­scheid „Da geht bei mir der Puls hoch“ | taz → Braucht Ber­lin den „Volks­ent­scheid Fahr­rad“? Initia­tor Hein­rich Strö­ßen­reu­ther und Staat­s­e­kre­tär Chris­ti­an Gaeb­ler (SPD) sind unter­schied­li­cher Meinung.

Seite 33 von 208

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén