CO2-Bilanz 2016: Deutschland macht einen Schritt zurück | Deutsche Welle → 2016 war für Deutschlands Klimaschutz ein schlechtes Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr wurde sogar wieder mehr CO2 in die Luft geblasen. Für die Klimaziele reicht das Tempo der Energiewende bisher nicht. So wird das – wie in den letzten Jahren und Jahrzehnten – wieder nichts, trotz hehrer Ziele: Wenn es an die konkrete Umsetzung geht, gelten offenbar auf einmal andere Prioritäten …
Die postfaktische Universität | Zeit → bernhard pörksen über das „postfaktische“ zeitalter, die probleme dieser diagnose und möglichkeiten der abhilfe – ich bin mir nicht sicher, ob er mit allem recht hat (z.b. scheint mir ein unterschied zw. ideologischer weltsicht und bullshit/post-truth zu bestehen), aber er hat durchaus einige bedenkenswerte argumente und beobachtungen
Postfaktisch ist, darin besteht das Problem, ein sachlich falscher Verbalaufreger, ein Symptomwort des Pauschalismus. […] Das demokratische Prinzip lebt elementar vom Ideal der Aufklärung und von der Idee des mündigen Bürgers – bis zum absolut endgültigen Beweis des Gegenteils. Und eine paternalistisch regierte Wahrheitswelt kann sich bei allem Erschrecken über das gegenwärtige Kommunikationsklima niemand wünschen. Was für liberal gesinnte Geister bleibt, ist die manchmal beglückende und manchmal schreckliche Sisyphusarbeit des Diskurses, die nun überall stattfinden muss.
Seit dem 1. Januar gelten für Radfahrer an Kreuzungen keine Fußgänger-Signalgeber mehr, Radfahrer müssen und dürfen an vielen Kreuzungen plötzlich die Fahrbahn-Signalgeber beachten. Dumm nur, dass die Straßenverkehrsbehörden davon nichts wissen: Die Fahrbahn-Signalgeber sind teilweise gar nicht für Radfahrer sichtbar, während an anderen Kreuzungen abbiegende Kraftfahrer gar nicht mehr mit geradeausfahrenden Radfahrern rechnen.
Man darf nur hoffen, dass nicht allzu viele Radfahrer diese Änderung bemerken und nach wie vor artig bei roter Fußgängerampel stehenbleiben.
[Luther] ist uns als erstes als Fremder darzustellen. Sehen Sie, in dieser Zeit war es so, dass die Allzuständigkeit von Religion, Allzuständigkeit des Christentums nicht nur für das Jenseits – das ist uns ja sowieso abhandengekommen – aber auch für das Diesseits konstitutiv war für diese Gesellschaft, für diese Kultur. Das existiert für uns heute nicht mehr. Weder diese Vorstellung, ein jenseitiges Leben bereits jetzt vorbereiten zu müssen im Sinne einer totalen Ausrichtung des diesseitigen Lebens auf das jenseitige, das ist uns abhandengekommen.
Da ist eben die große Schwelle, die Aufklärung – das ausklingende 18. und das frühe 19. Jahrhundert, in dem das passiert, was wir Säkularisierung nennen. Das setzt vorher ein – sehr wichtig die Regelungen des Westfälischen Friedens, dass Religion und Politik getrennt wird, dass die Allzuständigkeit von Religion aufgegeben wird. Das macht die ganz andere Situation heute aus.
Von daher sind zwei Dinge wichtig. Wir können einerseits Luther nicht von oben herab beurteilen. Da gibt es so einige Aussagen: Naja, der hat ja an Hexen geglaubt, der hat die Frauen unterdrückt. Ich pflege dann zu sagen: Naja, der Mann konnte nicht mal Auto fahren. So ein lächerlicher Mensch ist das und auf den wollen wir uns nach 500 Jahren besinnen.
und mit einem schönen satz am schluss:
Der Historiker hat dafür zu sorgen, dass nichts verschleiert wird, sondern im Guten wie im Bösen – und hier geht es natürlich um das Böse, das ist völlig klar – die Dinge genauestens sachgerecht identifiziert werden.
Aus der durchhöhlten Rübe springt die Maus. Der reife Wind zwingt das Holunderblatt zu tagelangem Purzelbaum - Die leere Rübenbacke klafft, Die Tauben peitscht der Wind ans Haus.
Den Bauernpferden wächst das Haar wie Moos so dicht. Das Jahr geht hin. Kein Anfang ist und Ende nicht. Die Eichel fällt – die Einsamkeit erschrickt, und Öde schluckt den Ton. Sie schluckt auch meiner Sohle Lärmen, sie vergaß mich schon. Wilhelm Lehmann, Altjahresabend (1928)
ÖPNV der Herzen | fairkehr → das magazin des vcd stellt möglichkeiten vor, den öpnv in deutschland attraktiver zu machen (es gibt schon eine erstaunliche menge pilotprojekte dazu, die aber anscheinend alle isoliert vor sich hin wurschteln …)
Emil Staiger hatte die Universität, die Bühne des städtischen Theaters und auch das Feuilleton als die letzten Bollwerke einer Kunst bewahren wollen, die unberührt von den Erscheinungen veränderter Lebenswelten und Zeiten, aber im Zeichen ewiger Werte stehen sollte. Mit seiner Rede jedoch brachen die Dämme, die er eigentlich zu errichten beabsichtigt hatte.
Ein für alle Mal hatte er die Frage klären wollen, welche Kunst allein Bestand habe und welches ihre Aufgabe nur sein könne. Seine Dankesrede aber entfachte diese Kontroversen erst richtig.
Dies ganzen „Was wir wissen“-Listen und ‑Live-Blogs der Qualitätsmedien sind doch eine einzige erbärmliche Bankrotterklärung – auch wenn sie für „das Beste, was uns einfällt“ gehalten werden. Erstens: Wäre es nicht das Ziel guten Journalismus, überhaupt immer (nur) das zu schreiben, was man (oder eben, wenn man unbedingt emotional manipulieren will, wir) weiß? Zweitens: Wäre es, wenn schon der erste Punkt nur ein Wunsch, eine Zielvorstellung ist, erstrebenswert, wenigstens in diesen „Was wir wissen“-Texten sich auf Wissen zu beschränken – und zwar journalistisch abgesichertes Wissen (also zum Beispiel: ordentliche Quellen, von einander unabhängig Quellen (und der Plural ist da wichtig))? Stefan Niggemeier hat das bei „Übermedien“ schon gut aufgezeigt. Und drittens: Wäre es nicht sowieso viel sinnvoller, mal ein bis drei Gänge zurückzuschalten bei solchen Ereignissen? Denn: Wie relevant ist die permanente Flutung mit (Eil-)Meldungen für die Bevölkerung in Deutschland den wirklich, insbesondere in den Stunden direkt nach der Tat? Selbst „Zeit“ und „Süddeutsche“ „unterhalten“ ihr Publikum den ganzen Tag mit einem konstanten Strom an Quasinachrichten. Nur: Ändert sich für die Menschen denn wirklich so viel? Klar, wenn es Hinweise gäbe, dass es keine Einzeltat war – dann soll und muss natürlich entsprechend gewarnt werden. Aber sonst? Kann man die Polizei nicht wenigstens zunächst mal ihre Arbeit machen lassen und vernünftige Ermittlungen durchführen lassen? (Ich bin bisher gut damit gefahren, nach solchen Ereignissen mir selbst sozusagen eine kurzzeitige „Medienquarantäne“ zu verordnen. Was über Twitter reinkommt, ist schon mehr als genug, da muss ich nicht noch als Klickvieh dienen … Und tatsächlich ist das – auch wenn’s etwas hart klingt – für mein psychosoziales Empfinden/Wohlbefinden ausgesprochen dienlich.) Natürlich kann – und muss! – diese Arbeit auch journalistisch begleitet und hinterfragt werden. Das heißt aber auch nicht, dass man alles nachplappert, was irgendein Polizei- oder Politfunktionär, der mit dem konkreten Fall nichts zu tun hat, gerade für mitteilenswert hält.
Das alles, was ich eigentlich ganz banal unter „journalistisches Handwerk“ subsumieren möchte, hätte nicht nur einen qualitativen Vorteil für die Medien. Sondern auch für die Menschen: Sie müssten sich nicht unnötig ängstigen – und dann auch nicht von den gleichen Medien, die Panik und Furcht verbreiten (um des Geschäftes willen, offensichtlich) ermahnt zu werden, der Angst keinen Raum zu geben …
Eine kleine Intakt-Auslese aus dem zweiten Halbjahr – dank des vortrefflichen Abonnements bekomme ich ja immer alle Veröffentlichungen postwendend geliefert:
Musikalische Monster
Die Musical Monsters sind eigentlich gar keine neue Musik. Aufgenommen wurde das nämlich schon 1980 bein Jazzfestival Willisau. Dessen Chef Niklaus Troxler hat die Bänder gut aufgehoben. Und Intakt konnte sie jetzt, nach umständlicher Rechteabklärung, endlich veröffentlichen. Zu hören ist ein Quintett mit großen Namen: Don Cherry, Irène Schweizer, Pierre Favre, John Tchicai und Léon Francioli, das es so sonst nicht zu hören gibt. Am erstaunlichsten fand ich, wie wenig man die 36 Jahre, die die Aufnahme alt ist, der Musik anhört. Die vier großformatigen, größtenteils freien Improvisationen – es gibt ein paar melodisch fixierte Ankerpunkte, die als festgelegte Scharniere zwischen Solo- und Kollektivimprosiationen dienen – klingen erstaunlich frisch, ja fast zeitlos: Die intuitive Spontaneität und Intensität ist ziemlich fesselnd. Vor allem, weil sie von allem etwas bietet – verspielte Faxen, intime Momente, packende Energien … Und weil die fünf ziemlich gleichwertige, gleichermaßen faszinierende Musikerinnen sind, die sich immer wieder zu großen Momenten innerer Stärke aufschwingen, die in erstaunlicher Dichte aufeinander folgen und zuweilen sogar echtes Pathos erzeugen. Besonders faszinierend fand ich das in der zweiten Improvisation, mit über zwanzig Minuten auch die längste, in der sich großartige Soli (vor allem Tchicai sticht hier hervor) und spannende, in ihrer fragenden Offenheit ungemein fesselnde Gruppenimprovisationen ballen.
Don Cherry, John Tchicai, Irène Schweizer, Léon Francioli, Pierre Favre: Musical Monsters. Intakt Records CD 269, 2016. 59:28 Minuten.
Tiefe Gedächtnismusik
Für Deep Memory hat sich Barry Guy, der die CD im Trio mit Marilyn Crispell und Paul Lytton aufnahm, von den Bildern Hughie O’ Donoghues zu Kompositionen anregen lassen. Die sieben Stücke tragen die Titel der Bilder: Sleeper, Dark Days, Fallen Angeld oder Silenced Music heißen sie etwa. Das sind aber keine musikalischen Ekphrasen, sondern eher Kompositionen, die sich von dem Bild – seinen Farben, seiner Gestalt und vor allem vielleicht: seiner Stimmung – zu akustischen Eindrücken inspirieren lassen. Vieles davon lässt sich in weiten Bögen, oft verträumt-versponnen und/oder nachdenklich, tragen und speist sich nicht unwesentlich aus dem intimen Zusammenspiel des Trios, das ja schon seit gefühlten Ewigkeiten immer wieder miteinander musiziert und der Effekthascherei ausgesprochen abhold ist. Und das auch auf Deep Memory vor allem durch seine kammermusikalische Dichte und Intensität der farbenprächtigen, tendenziell melancholischen Klangmalerei gefällt. Die befinden sich, so hört es sich an, eigentlich immer auf der gleichen Wellenlänge, um dieses strapazierte, hier aber sehr passende Bild zu benutzen.
Barry Guy, Marilyn Crispell, Paul Lytton: Deep Memory. Intakt Records CD 273, 2016. 52:07 Minuten.
Am großen Rad drehen
Big Wheel Live ist die zweite CD von Christopher Irniger Pilgrim, wie der spannende Saxofonist, Komponist & Bandleader Irniger sein Quintett mit Stefan Aeby, Davie Gisler, Raffaele Bossard und Michi Stulz nennt. Auch wenn das „Live“ wirklich auf Live-Aufnahmen (in Berlin, Ratzeburg und Altenburg) zurückgeht, klingt die CD richtig gut. Und das ist in sofern besonders schön, weil gerade Aeby ein sehr klangsinniger Pianist ist. Die ganze Musik auf Big Wheel Live zeichnet sich meines Erachtens nicht nur durch ihren kraftvollen Sound aus, sondern vor allem durch ihre Räumlichkeit und Tiefe. Oft ist das nur lose verbunden, nur locker gewebt, gibt so den Fünfen aber viel Chancen zum ausgreifenden Erforschen. Und der Freiraum zum Erkunden, die Öffnung in alle Himmelsrichtungen wird weidlich genutzt: Man hört eigentlich immer eine permanente Suchbewegung, die stets fortschreitet, die beim schönen Augenblick verweilt, sondern immer weiter will – wie es gute improvisierte Musik eben (fast) immer tut. Neben Aeby, der sich immer mehr zu einem sehr interessanten Pianist entwickeln zu scheint, hat mir hier vor allem die oft sehr spannende, überraschende Spielweise des Schlagzeugers Michi Stulz gefallen. Gitarrist Dave Gisler und Irnigers Saxophon umspielen sich oft sehr eng. Entscheidend aber in allen sechs Titeln: Das bleibt immer im Fluss, die Ideen versanden eigentlich nie, sondern finden immer neue Pfade und Wege.
Christoph Irniger Pilgrim: Big Wheel Live. Intakt Records CD 271, 2016. 62:44 Minuten.
Das unsterbliche Trio
Vielleicht ist es das europäische Jazztrio schlechthin, sicherlich wohl das am längsten amtierende: Alexander von Schlippenbach, Evan Parker und Paul Lovens sind das Schlippenbach-Trio. Und zwar schon ewig. Und jedes Jahr sind wie wieder unterwegs (die schöne Film-Dokumentation Aber das Wort Hund bellt ja nicht hat die jährliche „Winterreise“ des Trios ja sehr anschaulich gemacht), immer wieder in der gleichen Besetzung mit immer anderer Musik – nicht ohne Selbstironie nennt Schlippenbach das im Begleitheft deshalb „das unsterbliche Trio“. Erstaunlich daran ist vor allem, dass es nicht langweilig wird, dass diese große Vertrautheit miteinander nicht in Belanglosigkeiten mündet. Auch das Warsaw Concert ist wieder eine aufnahmetechnisch und musikalisch gut gelungene Live-Aufnahme vom Oktober 2015. Und beim Schlippenbach-Trio heißt das: Eine einzige lange Improvisation ohne Pausen oder Unterbrechungen, ohne Verabredungen und ohne Komposition – knapp 52 Minuten sind das (dazu kommt noch eine kurze, fast humoristische Zugabe). Der erste Eindruck: Nette Musik – das funktioniert einfach, das passt. Und das ist wirklich Musik der Freiheit: Weil sie sich (und dem Publikum) nichts (mehr) beweisen müssen. Und: Weil sie viel können, enorm viel, sowohl alleine mit ihren Instrumenten als auch zusammen als Trio. Deshalb schöpften sie mit lockerer Hand auch in Warschau eine Vielfalt der Stimmungen. Vieles klingt vielleicht etwas altersmilde in der Klarheit und dem lyrischen Ausdruck (wenn man das so deuten möchte), stellenweise aber durchaus auch bohrend und insistierend. Das ist einfach ausgezeichneter, gelungener, „klassischer“ Free Jazz, den man gerne wiederholt anhört und versucht nachzuvollziehen.
Schlippenbach Trio: Warsaw Concert. Intakt Records CD 275, 2016. 56:36 Minuten.
Zur Erleuchtung
Stefan Aeby war ja auch schon im Christoph Irniger Pilgrim vertreten, hier ist nun noch einmal als „Chef“ mit seinem eigenen Trio zu hören, das aber mit Michi Stulz am Schlagzeug noch eine weitere Person mit dem Pilgrim-Ensemble teilt. To the Light ist eine Musik des Klanges: Ich höre hier nicht so sehr rhythmisch und/oder harmonische Strukturen, sondern vor allem Klänge. Klänge, die sich immer wieder zu kleinen Szenen und imaginären Bildern formen. Das Trio passt da in dieser Hinsicht ausgezeichnet zusammen: Nicht nur Stefan Aeby am Klavier ist ein bisschen ein Klangmagier, auch der Bass von André Pousaz hat erstaunliche Qualitäten (besonders schön im Titelstück wahrzunehmen, das sowieso eine ziemlich großartige Sache ist). Und Michi Stulz, mit halligen Becken und eng klingenden Toms zaubert für einen Schlagzeuger erstaunlich flächige Klänge. Das ist ein poetischer Sound, eine weiche und wandelbare Klanggestalt, die mir ausgezeichnet gefällt. Vieles ist (mindestens tendenziell) leicht verträumt und klingt mit romantisch-impressionistischem Einschlag, ist dabei aber keineswegs schwindsüchtig, sondern durchaus mit gesunder Kraft und Potenz musiziert, die aber nie auftrumpfend ausgespielt wird: So klingen Musiker, die sich nichts beweisen müssen, möchte ich vermuten. Die Musiker muss man sich wohl immer als lauschende Instrumentalisten vorstellen: Vielleicht ist es ja sowieso gerade das (Zu-)Hören, das gute Improvisatorinnen (oder Jazzer) ausmacht. Oder, wie es Florian Keller im Begleittext sehr treffend formuliert: „Eine Musik, die die Figur des Lauschers entstehen lässt. Und diesem viel Raum für seine Fantasie gewährt.“
Stefan Aeby Trio: To the Light. Intakt Records CD 274, 2016. xx:28 Minuten.
Am letzten Samstag war ich – am Vorabend des dritten Advents – zur Eröffnung des Weihnachtsmarkt im Sensbachtal, genauer gesagt: in der Dorfkirche Unter-Sensbach. Da der Männergesangverein sang, hatte ich nicht so arg viel tun … Die Kirche, ein Neubau von 1961, hat eine etwas ungewöhnliche bauliche Lösung für die 1963 erbaute Orgel (an der sich dem Anschein nach seit damals nichts geändert hat, noch nicht einmal der Motorschlüssel …): Die steht in einer Nische neben dem Altar, an der Rückwand der Kirche – so hat man als Organist leider sehr wenig Kontakt zur Gemeinde.
Kommentar: Adblocker| Kuketz IT-Security Blog → mike kuketz nennt adblocker nicht ohne grund „digitale selbstverteidigung“ – die sind nämlich der beste weg, die verbreitung von malware einzudämmen.
Frankreich: Wenn der Notstand zur Normalität wird | Netzpolitik → seit über einem jahr herrscht nun schon in frankreich der ausnahmezustand, der wichtige rechtsstaatliche garantien außer kraft setzt – und ein ende ist nicht abzusehen. und von außen ist das schon lange nicht mehr grenzwertig, sondern eben eines demokratischen rechtsstaates ausgesprochen unwürdig …
Der Begriff neue Musik sagt nichts. Denn gleich, wie man zu den Produktionen stilistisch, ideologisch oder geschmacklich steht, ein gerade komponiertes, aufgeführtes improvisiertes, installierstes „Werk“ ist immer neu, per definitionem. Der Begriff neue Musik ist irreführend, denn er unterstellt, dass etwas, was kürzlich aus der Taufe gehoben wurde, auch etwas Neues bringe. Das ist meistens nicht der Fall. Und dass dieses Neue auch die Wichtigkeit begründe. Das ist ebenfalls meistens nicht der Fall. Die Neuheit kommt sozusagen frei Haus, garantiert, ohne Anstrengung und – schlimmer noch – ohne Hinterfragung. Der Begriff neue Musik ist ein Armutszeugnis. […] Die (im weitesten Sinne) komponierte Musik von heute, die in der GEMA als E‑Musik gehandelt wird, ist somit Kunstmusik, die aus der Gegenwart kommt. Sie müsste somit Gegenwartskunstmusik heißen. Oder abgekürzt: Gegenwartsmusik. Das ist der Begriff, der mir noch am geeignetsten erscheint.
Die Digitalcharta – und was wir stattdessen brauchen | irights.info → der anwalt marc pütz-poulalion mit meines erachtens guten argumenten gegen die digitalcharta und vorschläge, was stattdessen nötig wäre (im grunde: durchsetzung und weiterentwicklung des einfachen rechtes anstatt nebulöser grundrechte …)
Frage zum Schluss: Ob es auch Dinge auf dem Schlagzeug gebe, die er explizit anders habe machen wollen als all die anderen Schlagzeuger, die er als Kind in Stavanger gehört habe? Nein, das könne man so nicht sagen. Er habe eher alles in sich aufgesaugt und seine eigene Sache daraus gemacht. Musik geht eben durch den ganzen Körper. Besonders die des Schlagzeugs.
Netterweise sagen die fünf Jungs von Basta gleich dazu, was sie machen: Gute-Laune-Musik. Das ist nicht nur ein Songtitel auf dem neuen Album „Freizeichen“, sondern auch die beste Art, das Quintett und ihre Musik zu charakterisieren. Gute Laune quillt nämlich sozusagen aus allen akustischen Poren ihrer achten CD, die sie in einem Wohnzimmer auf dem Land vor den Toren Kölns aufgenommen haben. Die entspannte Atmosphäre bei der Entstehung hat sich hörbar niedergeschlagen. Man hat unweigerlich immer fünf nett lächelnde junge Männer vor dem inneren Auge – manchmal geht das Lächeln etwas mehr ins Schelmische, manchmal wird es eher ironisch. So klingt’s auch: Basta bedient sich hier und da, lässt sogar mal ein bisschen Bossa-Nova-Feeling aufkommen. Die Hauptsache aber ist: Es klingt immer schön eingängig, leicht und zugänglich. Und manchmal schreit das geradezu nach Live-Aufführung: „Ich Bass“ zum Beispiel, bei dem Arndt Schmöle zeigen kann, was so ein Bass drauf hat, aber auch „Nachkommen“ sind Songs, die auf der CD ihr Potenzial nur andeuten können.
Anderes zündet dagegen auch hier. „Gute-Laune-Musik“ nimmt die einfachen Pop-Hit-Rezepte mit stampfendem Beat und um jeden Preis eingängigen Refrains schön aufs Korn. „Ein kleines bisschen Hass“ ist eine schöne Pophymne gegen das Unterdrücken eigener Gefühle. Und mit „Buhne 4“ ist auch eine richtig schwärmerisch-sehnsüchtige Liebesballade als „Sehnsuchtssinfonie“, wie es im Text heißt, mit dabei. Es geht dann auch immer wieder leicht zeit- und kulturkritisch zu – schon gleich beim Opener „Offline“, der das Offline-Gehen als das „letzte Abenteuer“ gegen die Onlinesucht stellt, oder beim musikalisch sehr mitreißendem „Sodom und Gomera“, das die Auswüchse des Pauschaltourismus mit frecher Zunge vorführt.
Basta sind eben ganz schön ausgefuchst, routiniert und smart. William Wahl, der mit ein wenig Hilfe bei den Arrangements von Oliver Gies, fast alleine für Texte und Musik zuständig ist, hat sich viele nette Details einfallen lassen. Insgesamt wirkt „Freizeichen“ aber etwas atemlos, Schlag auf Schlag folgt hier immer mehr von fast dem Gleichen. Das ist alles ohne Frage auf gleichem, hohen Niveau. Aber kaum ein Song sticht wirklich heraus. Alle sind sie zweifellos gut gemacht, haben nette Ideen und feinen Witz, geschickte Arrangements und werden ausgezeichnet gesungen.
So klingt das ganze „Freizeichen“ ausgesprochen geschmeidig, bleibt dabei aber auch etwas oberflächlich. Das ist alles so eingängig, dass man sich bei jedem Song sofort zu Hause fühlt. Aber leider sind sie auch schnell wieder aus den Ohren und aus dem Sinn. Basta macht auf „Freizeichen“ eigentlich nichts verkehrt, technisch und sängerisch sowieso nicht. Aber dennoch gibt es eher wenig, was so richtig voll begeistert und Zustimmung erzwingt. Aber immerhin hat Basta damit viel Material für großartige Live-Konzerte.
Basta: Freizeichen. The Record Company 2016. Spielzeit: 47:42.