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Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Erfinden

„Ich will kei­ne Geschich­te und kei­ne Geschich­ten erzäh­len. Um zu sagen, was ich zu sagen habe, brau­che ich kei­ne Figu­ren­zu erfin­den. Erfin­det man nicht ohne­hin nur Figu­ren, die einem ähneln? Ich wer­de nie­man­den erfin­den, denn ich ber­ge die Welt.“ (Anne Weber, Este Per­son, 10)

Verstecke

„Die bes­ten Ver­ste­cke in die­ser Welt lie­fern uns die gram­ma­tis­hen Per­so­nen.“ (Anne Weber, Este Per­son, 7)

Dirigenten

Die Diri­gen­ten Furtwäng­ler, Böhm und Kara­jan sit­zen auf einer Wol­ke. Furtwäng­ler: „Mei­ne Her­ren, es steht wohl fest, dass ich der Größ­te von uns bin.“ Dar­auf ant­wor­tet Böhm: „Nun, mir hat Gott gesagt, ich sei der Größ­te.“ Kara­jan: „Bit­te, was soll ich gesagt haben?“

Konservative Tugenden: Lügen, Täuschen, Betrügen

Gus­tav Seibt hat für das heu­ti­ge Feuil­le­ton der Süd­deut­schen Zei­tung eine wun­der­ba­re klei­ne Abhand­lung geschrie­ben, in der er Gut­ten­bergs unsäg­li­che Ver­su­che, die kon­ser­va­ti­ven Tugen­den­den des Lügen, des Anpas­sen von Regeln und Wer­ten (des Staa­tes vor allem) den eige­nem Gut­dün­ken unter­zu­ord­nen, auf die Wis­sen­schaft aus­zu­deh­nen, in eine his­to­ri­sche Kon­ti­nui­tät stellt und auf eine Nähe die­ses „put­schis­ti­schen Regel­ver­sto­ßes“ zum ver­fas­sungs- und geset­zes­ver­ach­ten­den Ver­hal­ten Ber­lus­co­nis hin­weist. Und den Schluss muss ich ein­fach hier noch ein­mal zitie­ren, das ist zu gut und zu treffend:

Und es ist schon toll, dass wir nun, zehn Jah­re nach Casi­mir, Kan­ther und Kohl, schon wie­der ein Vir­tuo­sen­stück die­ser gum­mi­ar­tig beweg­li­chen und zugleich wet­ter­fest tan­nen­haf­ten aris­to­kra­ti­schen Prin­zi­pi­en­stär­ke anstau­nen dür­fen. Nach der bru­talst­mög­li­chen Auf­klä­rung kam die mühe­volls­te Klein­ar­beit elek­tro­nisch gestütz­ter Text­ge­ne­se, mit der min­des­tens zwei Grund­re­geln wis­sen­schaft­li­chen Anstan­des ver­letzt wur­den: das Urhe­ber­recht und die ehren­wört­li­che Ver­si­che­rung selb­stän­di­ger Her­stel­lung einer wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­ons­schrift. Dazu kommt jener dreis­te Mut zur Unwahr­heit gegen­über der Öffent­lich­keit, der die bald ein­deu­tig beleg­ten Ver­feh­lun­gen zunächst als „abstrus“ und dann als unab­sicht­lich hin­stellt. Mög­li­cher­wei­se kommt durch die Ver­wen­dung wis­sen­schaft­li­cher Zuar­bei­ten aus dem Bun­des­tag noch Amts­miss­brauch hinzu.

Gekrönt wird das Ver­hal­tens­mus­ter des put­schis­ti­schen Regel­ver­sto­ßes dadurch, dass der so über­führ­te Edel­mann sich nach­träg­lich zum Her­ren des Pro­mo­ti­ons­ver­fah­rens macht und sei­nen Dok­tor­ti­tel von sich aus ablegt. Der Gro­ße steht dabei im Sturm des Bei­falls einer Men­ge, die, wie Pro­fes­sor Baring weiß, beim Wort „Fuß­no­ten“ fragt: Ach, wer­den jetzt auch Füße beno­tet? Dage­gen wir­ken ein Uni­ver­si­täts­kanz­ler und ein in Urlaub gegan­ge­ner Dok­tor­va­ter mit ihren tüdeli­gen Prü­fungs­ver­fah­ren nur bür­ger­lich-grau und glanz­los. Das Ste­hen­de der Insti­tu­ti­on und ihres Ethos ver­dampft unter der Son­ne stän­di­schen Glan­zes. Der Bei­fallum­tos­te mag kurz wackeln, aber vor­erst steht er fest, weil jede und jeder, der ihm den ent­schei­den­den Stoß ver­set­zen wür­de, der wüten­den Men­ge um ihn zum Opfer fal­len müss­te. Viel­leicht ist die­se geschicht­li­che Anpas­sungs­fä­hig­keit an Zeit­um­stän­de das eigent­li­che Geheim­nis acht­hun­dert­jäh­ri­ger Familiengeschichten.

Aber was unter­schei­det sol­che Durch­hal­te­kraft eigent­lich noch von der Zähig­keit eines Sil­vio Berlusconi?

Der gan­ze Text mit der Über­schrift „Der Herr des Ver­fah­rens“ steht sogar online.

Auf einem Ski in Arosa

Das dies­jäh­ri­ge Tref­fen der Mono­ski­fah­rer begann für mich am Don­ners­tag: Vor­mit­tags schnell noch mein Kram fer­tig gepackt – eine gro­ße Tasche voll­ge­stopft mit Schu­hen (zum Ski­fah­ren und Lau­fen), jeder Men­ge Kla­mot­ten und ein paar Müs­li­rie­geln. Dann den Ski unter den Arm geklemmt und ab zum Bahn­hof – der Zug brach­te mich näm­lich nach Schif­fer­stadt, zu Tilo. Der war noch nicht ganz so weit, aber das war nicht wei­ter schlimm, weil sich auch bei Andre­as die Abfahrt etwas ver­zö­gert hat­te. Gegen 17 Uhr waren wir dann unter­wegs: Andre­as mit Toch­ter Aria­ne, Tilo und ich – so ging es nach Aro­sa. Die Fahrt ver­lief denn auch ohne Pro­ble­me, beson­ders das letz­te Stück von Chur, die 360 Kur­ven, auf die Aro­sa so stolz ist (und für die man sogar eine Paten­schaft erwer­ben kann …), sogar in aus­ge­spro­chen rasan­tem Tem­po. Nur in Aro­sa brauch­ten wir einen Moment, unse­re Unter­kunft für die ers­te Nacht zu fin­den: Das Back­pa­ckers Moun­tain­lodge. Das ist offen­bar ein ehe­ma­li­ges San­to­ri­um. Zumin­dest sehen die Räu­me – klei­ne Zim­mer mit Jugend­her­bergs­ein­rich­tung inklu­si­ve Stock­bet­ten – die Flu­re und die Bal­kons sehr danach aus. Da es mitt­ler­wei­le schon 22.15 Uhr war, fan­den wir nur noch eine unbe­setz­te Rezep­ti­on vor – aber immer­hin mit einem Zet­tel, wel­che Zim­mer unse­re waren. Die waren schnell bezo­gen, die Bet­ten gemacht – und das war’s dann auch schon eigent­lich, die Nacht­ru­he rief. Das Moun­tain­lodge war zwar recht ordent­lich und sehr sau­ber, aber über den Preis kann man geteil­ter Mei­nung sein. Für Leu­te aus dem Euro-Gebiet wie uns war das – ange­sichts des beschei­de­nen Kom­forts und der ein­fa­chen Ver­pfle­ge­gung – eigentlch unver­schämt teu­er. Obwohl die bei­den Back­pa­ckers – von den Berg­bah­nen betrie­ben – die bil­ligs­ten Unter­künf­te in Aro­sa sind: Preis­güns­tig sind sie keineswegs …

Denn am Frei­tag soll­te es rich­tig los­ge­hen. Trotz des zei­ti­gen Auf­ste­hens hat zwar nicht das Früh­stü­cken, aber doch das Bezah­len, Auto packen und Aus­che­cken eine gute Wei­le gedau­ert. Auf dem Weg zur Seil­bahn-Tal­sta­ti­on tra­fen wir dann gleich die Leu­te von Duret sowie Remy und Otto. Aller­dings muss­ten wir noch das Auto los­wer­den – in Aro­sa nie eine ein­fa­che Sache, dies­mal bedeu­te­te es einen ordent­li­chen Fuß­marsch für Andre­as. Gegen 10 Uhr war dann aber alles erle­digt und wir oben auf dem Berg. Und das heißt wirk­lich, oben: Auf der Spit­ze des Weiß­horns, wo uns die gro­ße Gon­deln der Sei­bahn (eine ziem­lich zeit­auf­wän­di­ge Fahrt) hin­be­för­der­ten. Zum Ein­fah­ren muss­te erst ein­mal die rote Abfahrt zur Mit­tel­sta­ti­on her­hal­ten (die schwar­ze von oben muss­te ja nicht gleich bei den ers­ten Schwün­gen die­ses Win­ters sein …). Und dann ging es vor allem auf die Pis­ten am Hörn­li – da waren wir einen Groß­teil die­ser drei Tage unter­wegs, die Pis­ten dort, die der eine Vie­rer-Ses­sel bedient, bie­ten wun­der­ba­re Mög­lich­kei­ten: Rote und Schwar­ze glei­cher­ma­ßen, sol­che mit eher gleich­mä­ßi­gem Gefäl­le und wel­che mit schö­nen Absät­zen und Stu­fen – vor allem vie­le Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­kei­ten … Sehr schö­ne Mög­lich­kei­ten bot aber auch der Car­men­na-Ses­sel­lift (natür­lich von ganz oben, nicht schon ab der Mit­tel­sta­ti­on): Ent­we­der über die schwar­ze Pis­te, die vom Weiss­horn her­un­ter kommt oder direkt am Lift hin­un­ter: Das beginnt gleich rich­tig steil – und weil oben am Ein­stieg eine Schnee­ka­no­ne in Betrieb war, waren gera­de die ers­ten Meter davon ziem­lich hef­tig. Aber dann ging es rich­tig schön hin­un­ter – auch eine klas­se Pis­te. Nur unten viel­leicht einen Tick langweilig.

Der Schnee in Aro­sa: Aus­rei­chend, aber uralt (letz­ter Neu­schnee im Janu­ar, da hat’s den gan­zen Monat aber auch nur 30 Zen­ti­me­ter geschneit) und ent­spre­chend hart. Neben der Pis­te – vor allem am Weiss­horn – war schon fast kein Schnee mehr. Und wo noch mehr oder weni­ger genü­gend war, war er der­ma­ßen stein­hart, dass es kaum fahr­bar war – wir haben es am Hörn­li natür­lich sofort aus­pro­biert. Zumin­dest Spaß macht das Abseits­fah­ren bei sol­chem Schnee nicht.

Abge­schlos­sen haben wir den Ski­tag mit einer gemein­sa­men Tal­ab­fahrt – nach­dem wir alle auf der rich­ti­gen Pis­te waren, war das auch ganz nett und noch erstaun­lich gut zu fah­ren. Danach ging es dann erst ein­mal in die neue Unter­kunft, das ande­re Back­pa­ckers in Aro­sa, Down­town genannt, weil es im Gegen­satz zum Moun­tain­lodge nicht am Orts­rand bei der Pis­te liegt, son­dern mit­ten in der unte­ren Hälf­te des Ortes. Ansons­ten unter­schied es sich nicht groß vom ers­ten Back­pa­ckers – die An- und Abmel­dung ist bei bei­den furcht­bar kom­pli­ziert, auf­wän­dig und umständ­lich gewe­sen. Irgend­wann war das aber alles erle­digt und wir waren auf unse­ren Zim­mern. Inzwi­schen schon reich­lich spät, denn für 17 Uhr war ein ers­tes offi­zi­el­les Tref­fen im nahe­ge­le­ge­nen Sun­star-Hotel ange­setzt. Ich ging aber erst ein­mal wenigs­tens ein biss­chen Lau­fen – viel war es nicht, ich und mei­ne Bei­ne waren müde. Und in Aro­sa gibt es noch weni­ger Mög­lich­kei­ten, ohne gro­ße Stei­gun­gen zu lau­fen, als in ande­ren Ski­or­ten. Mein Forerun­ner hat­te sich dum­mer­wei­se in der Tasche irgend­wann von selbst ange­schal­tet und war des­halb inzwi­schen ohne Strom. Geschätzt war ich ca. 20 Minu­ten für unge­fähr drei Kilo­me­ter unter­wegs, in Rich­tung Hörn­li, ab dem Cam­ping­platz auf der „Pis­te“ Nr. 1.

Nach dem Begrü­ßungs­tref­fen gin­ge wir dann gemein­sam (fast) alle zum Abend­essen ins Cha­man­na – sehr nett und lecker, aber wie alles in die­sem Ort nicht gera­de preis­wert … Das hat sei­ne Zeit gedau­ert – erst gegen 23 Uhr waren wir zurück im Back­pa­ckers und hör­ten auf den Ruf der Betten …

Der Sams­tag begrüß­te uns schon mor­gens mit herr­li­chem Wet­ter: Blau­er Him­mel ohne das kleins­te Wölk­chen. Heu­te beschlos­sen wir, das Auto ste­hen zu las­sen und zu Fuß zur Berg­bahn zu mar­schie­ren. Das war dann doch etwas län­ger als gedacht, zum Glück hat­ten wir die Ski­schu­he noch nicht an. Tilo und ich waren etwas frü­her auf­ge­bro­chen, er woll­te den Duret-Leu­ten hel­fen beim Auf­bau­en des Test­stan­des für deren Mono­skier an der Mit­tel­sta­ti­on. Da ange­kom­men, tra­fen wir zufäl­lig auf Bru­no, Kurt und Rodol­fo. Mit denen war ich dann fast den gan­zen Tag unter­wegs – und wie. Die hatten’s näm­lich ziem­lich eilig. Und man merkt, dass sie öfters auf dem Ski ste­hen als ich – mit­hal­ten konn­te ich, mit etwas Mühe, gera­de so. Das hohe Tem­po mach­te aber wirk­lich irr­sin­nig Spaß: Die Son­ne schien strah­lend, der Schnee war okay, die Pis­ten gut prä­pa­riert. Da mach­te es auch wenig, dass ich schon auf der ers­ten Abfahrt mei­ne rech­te Kon­takt­lin­se ver­lor – die war wohl nicht rich­tig drin. Sehr selt­sam war das, wie ich wäh­rend dem Fah­ren merk­te, dass sie aus dem Auge rutsch­te, im Augen­win­kel hän­gen­blieb und vom Fahrt­wind dann end­gül­tig her­aus­ge­drückt wur­de und auf Nim­mer­wie­der­sehn ver­schwand. Gegen Mit­tag wur­de es zwar etwas vol­ler, aber dafür, dass ganz Aro­sa aus­ge­bucht sein soll­te, war noch erstaun­lich viel Platz auf den Pis­ten. Gut, am Hörn­li-Ses­sel­lift muss­te man zwi­schen­durch mal (ganz) kurz anste­hen – aber auf der Pis­te war das immer noch in Ord­nung mit dem Betrieb. Unter­des­sen lief wie­der – wie sich das für ein Mono­ski­tref­fen gehört – der gro­ße Ski­tausch: Die Durets (und eini­ge ande­re, wie das Monobla­de, der Mono­cross, das Yama­tool/​Coda) wur­den eif­rig pro­biert – von mir aller­dings nicht, ich blieb die­se drei Tage lie­ber bei mei­nem mir ver­trau­ten TT Ham­mer. Die Grup­pen wech­sel­ten über den Tag öfter, der Spaß blieb der­sel­be. So war es ruck­zuck schon 16.30 Uhr, als ich mit Bru­no die letz­te Abfahrt vom Weiss­horn anging. Dann saßen wir noch kurz alle bei der Schirm­bar an der Mit­tel­sta­ti­on (Hüt­ten- & Apré­ski-tech­nisch ist Aro­sa übri­gens extrem zurück­hal­tend), bevor wir die gemein­sa­me Talbafahrt antra­ten. Bis wir dann end­lich wie­der auf unse­rem Zim­mer waren, zeig­te die Uhr schon sechs an – und ich ging erst spät lau­fen. Dies­mal ging es etwas wei­ter, zwar ähn­lich wie am Frei­tag (wie­der auf die „Pis­te“), aber mit eini­gen klei­nen Schlei­fen zusätz­lich: ca. vier Kilo­me­ter in einer hal­ben Stun­de). Nach dem Duschen wid­me­te ich mich noch kurz mei­nem Mono: Vor allem am Nach­mit­tag hat­te ich auf den har­ten Pis­ten gemerkt, dass mei­ne Kan­ten etwas nach­lie­ßen – das wur­de schnell beho­ben. Und dann war es auch schon Zeit für das gro­ße Fon­due Chi­noi­se, wie­der im Cha­man­na, das ja prak­ti­scher­wei­se recht nahe lag – gut vor allem für Andre­as, der nach sei­nem Sturz am Frei­tag mit­tag doch beim Lau­fen sehr gehan­di­capt war.

Am Sonn­tag war wie­der alles anders. Schon beim Auf­wa­chen wur­de klar: Das schö­ne Wet­ter war ver­schwun­den, die ein­zel­nen dunk­len Wol­ken vom Sams­tag abend waren nicht mehr allein, son­dern hin­gen dicht über dem Ort und also voll im Ski­ge­biet den gan­zen Him­mel bede­ckend. Also lie­ßen wir uns mit dem Früh­stück etwas mehr Zeit – es war ja auch Sonn­tag … Weil wir nach dem Ski­fah­ren sofort nach Hau­se woll­ten, war ich extra schon um 7 Uhr auf­ge­stan­den, um vor dem Früh­stück einen klei­nen Lauf zu absol­vie­ren. Die­ses Mal blieb ich auf der Stra­ße, das war am ein­fachs­ten. Bei gera­de ein­mal 0 °C war ich wie­der eine knap­pe hal­be Stun­de unter­wegs – mit schreck­lich stei­fen Beinen …

Auf der Pis­te war es heu­te zwar aus­ge­spro­chen leer, aber auch etwas schwie­rig. Ich brauch­te ein bis zwei Abfahr­ten, mich dar­an zu gewöh­nen: Durch die dich­te Bewöl­kung und den leicht grie­se­li­gen Schnee­fall war das Licht zu dif­fus, das man nicht sah, wo die Pis­te auf- oder abging und ent­spre­chend etwas vor­sich­ti­ger und zurück­hal­ten­der unter­wegs sein soll­te. Mit der Zeit und der Gewöh­nung nahm aber unser Tem­po auch wie­der zu. Bald war ich näm­lich wie­der mit den schnel­len Flit­zern Bru­no, Kurt und Rodol­fo unter­wegs. Und die Pis­ten am Hörn­li kann­ten wir ja inzwi­schen. Tat­säch­lich kam am spä­ten Vor­mit­tag auch für kur­ze Zeit etwas Bes­se­rung auf: Die Wol­ken­de­cke dünn­te stel­len­wei­se etwas aus, so dass die Son­ne etwas stär­ker hin­durch kam – und sofort mach­te das Fah­ren mit deut­lich mehr Sicht erheb­lich mehr Spaß. Mit­tags tra­fen wir uns alle an der Mit­tel­sta­ti­on für eine kur­ze Pau­se. Und dann ging es noch mal in der gro­ßen Grup­pe aufs Weiss­horn. Peter woll­te ja auch noch den Ki-Mono-Car-Ver pro­bie­ren – und tat das gleich auf der lan­gen Abfahrt. Weit kam er damit aller­dings nicht, die­ser Mini­ski ist wohl doch sehr spe­zi­ell. Auf­grund der momen­tan extrem schlech­ten Sicht war die­se Abfahrt aller­dings für den Rest der Grup­pe auch nicht sehr leicht- dafür hat­ten wir die kom­plet­te Pis­te für uns. Heu­te war eh’ kaum jemand utner­wegs, nur so ein paar Unent­weg­te wie wir. Und ein ein­hei­mi­scher Mono­ski­fah­rer, Vik­tor, der seit Jahr­zehn­ten sei­nem Mono­turm treu geblie­ben ist. Nach­mit­tags waren wir dann wie­der in ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen (mit eigent­lich fast allen noch fah­ren­den Teil­neh­mern) am Hörn­li unter­wegs – aller­dings auch nicht mehr beson­ders lan­ge. Andre­as und Aria­ne mach­ten bald Schluss, ich hing noch zwei schnel­le Abfahr­ten an, bevor ich ihnen eben­falls folg­te – und bei der letz­ten Tal­ab­fahrt noch eine fal­sche Abzwei­gung mach­te, die mich – auf dem Weg zur Hörn­li-Express-Tal­sta­ti­on, wo das Auto stand – auf die Pis­te 1 führ­te: Eine Kata­stro­phe, das Ende die­ser Pis­te ist ein Weg, der zum Schluss noch berg­auf führt und bei gutem Schnee viel­leicht gera­de noch so fahr­bar ist, bei lang­sa­men Bedin­gun­gen wie an die­sem Tag aber Fuß­weg bedeutet …

Genau um 16 Uhr hat­ten wir dann im Schnee­trei­ben das Auto gepackt und star­te­ten in Rich­tung Hei­mat. Die Fahrt ver­lief wie­der sehr glatt, bis Chur brauch­ten wir unge­fähr eine Stun­de und dann für den Rest nach Schif­fer­stadt noch­mal vier – genau um 21 Uhr waren wir am Bahn­hof, wo ich mei­nen Zug noch wun­der­bar bequem erreich­te und kurz nach zehn dann wie­der in Mainz war – müde und erschöpft, aber zufrieden.

Denn die Orga­ni­sa­tio­ren Remy und Tilo haben sich wie­der viel Mühe gege­ben – auch wenn wir nicht immer alles mit­ge­macht haben, was sie sich aus­ge­dacht haben. Vor allem auf das Mond­schein­fah­ren am Frei­tag (auf unbe­leuch­te­ter Pis­te bei Voll­mond) hat­te irgend­wie kei­ner Lust, alle waren den gan­zen Tag gefah­ren und ent­spre­chend ausgepowert …
Aro­sa selbst fand ich ganz nett, für mich aller­dings auch aus­ge­spro­chen teu­er. Das Ski­ge­biet ist nicht super anspruchs­voll (wirk­lich ein­fa­che Pis­ten gibt es aber auch fast kei­ne), und fällt auch sonst nicht beson­ders auf: Alles sehr ordent­lich, aber irgend­wie nichts her­aus­ra­gen­des. Aber eini­ge Pis­ten – vor allem die rote 3 am Hörn­li, aber auch die schwar­ze 8 am Weiss­horn, mach­ten eine Men­ge Spaß – gera­de weil sie nicht zu anspruchs­voll und schwie­rig waren, konn­te man/​ich sie wun­der­bar aus­fah­ren und auch mal ordent­lich Tem­po ris­kie­ren. Für die eher über­schau­ba­re Grö­ße (eigent­lich sind es ja nur zwei Ber­ge) gibt es recht vie­le geschickt ange­leg­te Abfahr­ten, aller­dings auch erstaun­lich vie­le Wege, die zudem sehr oft aus­ge­spro­chen flach waren und dem Mono daher nicht so sehr ent­ge­gen­ka­men. Lei­der waren die Pis­ten am Brüg­ger­horn, dem soge­nann­ten „Ent­span­nungs­berg“ nicht offen – bei ver­nünf­ti­gem Schnee hät­te das wohl eini­ge schö­ne Vari­an­ten gege­ben. Über­haupt lässt die Topo­gra­phie erah­nen, dass bei aus­rei­chen­dem Schnee in Aro­sa viel neben der Pis­te mög­lich ist – da hat­ten wir halt ein­fach Pech mit dem Wet­ter in die­sem Win­ter – wobei die Berg­bah­nen den weni­gen Schnee gut im Griff hat­ten und ordent­lich prä­pa­rier­ten. Also, wie­der ein­mal ein schö­ne Tref­fen der mono​-ski​.org: Ein­fach drei schö­ne Tage des Ski­fah­rens – wie immer, wenn sich die Mono­ski­fah­rer treffen …

Wissen

„Nichts wirk­lich wis­sen: ein Merk­mal des His­to­ri­kers.“ (Paul Valé­ry, 1915/​16)

Wissen

„Nichts wirk­lich wis­sen: ein Merk­mal des His­to­ri­kers.“ (Paul Valé­ry, 1915/​16)

Anfangs war der Faust noch ziemlich komisch

… meint zumin­dest das Thea­ter hautnah:

Da steht er nun also, der arme Tor, und ist genau­so klug wie zuvor. Zwar steht er die­ses Mal nicht auf den Bret­tern, die die Welt bedeu­ten, son­dern im Altar­raum der Alt­müns­ter­kir­che. Aber auch der hei­li­ge Raum bringt Faust kei­ne beson­de­re Erleuchtung.

Zumin­dest nicht in der Insze­nie­rung des haut­nah-Thea­ters. Die Trup­pe gas­tiert gera­de mit ihrem „Urfaust” in Mainz – und bringt eine Men­ge Leben in die Kir­che. Denn Regis­seur Rolf Bidin­ger hat den Urfaust, die ers­te Ver­si­on des Faust­dra­mas aus der Feder Goe­thes, stark kon­zen­triert und deut­lich auf die komi­sche Sei­te der Ver­wick­lun­gen zwi­schen Faust und Goe­the fokus­siert. Sei­ne Insze­nie­rung und die fast über­deut­li­che Aktio­nen der haut­nah-Schau­spie­ler sor­gen des­halb für eine Men­ge Lacher und viel Hei­ter­keit. Und das nicht ohne Grund – der Text des Wei­ma­rer Dich­ters hat durch­aus sei­ne Komik, oft genug in einer recht der­ben und hand­fes­ten Variante. 

Zugleich ist er aber auch – durch­aus schon im Urfaust – mehr als eine tra­gi­ko­mi­sche Lie­bes­ge­schich­te. Schließ­lich lau­ert der Teu­fel von Anbe­ginn im Hin­ter­grund, schon beim Vor­spiel ist er immer prä­sent und war­tet auf sei­ne Gele­gen­heit. Und er bleibt es fast die gan­ze Zeit – der Teu­fel ist in der Alt­müns­ter­kir­che fast zen­tra­ler als Faust oder sein Gret­chen. Das liegt auch an Dani­el Kröh­nert, der den Mephis­to mit läs­si­ger Ele­ganz, süf­fi­san­tem Sar­kas­mus und gro­ßer Prä­senz aus­füllt und ver­kör­pert. Dage­gen bleibt der Faust von Jan Schuba etwas bläss­lich – anfangs, im Zim­mer des Gelehr­ten vor allem, trifft er sei­ne Rol­le sehr gut. Aber je kon­kre­ter und direk­ter sei­ne Lie­be zu Gre­te wird, des­to unwahr­schein­li­cher wirkt sei­ne Darstellung.
Gre­te dage­gen macht eine sehr glaub­haf­te Wand­lung durch: Vom keck-koket­ten Mäd­chen (das frei­lich bei Goe­the die Reli­gi­on viel erns­ter nimmt als hier) zur gefal­le­nen Dir­ne und Kinds­mör­de­rin, die im Gefäng­nis vor Ver­zweif­lung irr wird, ver­leiht Dana Kröh­nert ihrem Gret­chen eine sehr leben­di­ge und plas­ti­sche Gestalt.

Abge­run­det und ergänzt wird das Spiel des haut­nah-Thea­ters durch die Kan­to­rei von St. Johan­nis. Unter Vol­ker Ellen­ber­ger tritt sie wie ein klas­si­scher Thea­ter­chor kom­men­tie­rend, war­nend und vor­aus­schau­end auf: Mit dem Cho­ral „Ach wie flüch­tig, ach wie nich­tig” kom­men­tiert der Chor das Gesche­hen im Wirts­haus, mit „Es ist ein Schnit­ter, heißt der Tod” warnt er Gre­te vor dem ver­füh­re­ri­schen Faust und ergänzt und über­höht so das thea­tra­li­sche Gesche­hen, ohne direkt in die Hand­lung ein­zu­grei­fen – die haben die Schau­spie­ler voll im Griff. 

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zeitung.)

Ideologie, Bildung, Leistung

Das sind so die Schlag­wor­te, die hier in Rhein­land-Pfalz gera­de von den Bil­dungs­po­li­ti­kern (oder denen, die es ger­ne wer­den möch­ten) in die Dis­kus­si­on gewor­fen wer­den. Und das Ergeb­nis ist schreck­lich und schau­rig. Man muss sich nur mal den Text der CDU-Sei­te, ver­tre­ten durch den His­to­ri­ker Andre­as Röd­der (des­sen Leh­re ich auch schon mehr oder weni­ger genos­sen haben), anschau­en: Das ist ein schlim­mer Rück­fall in Zei­ten und Mus­ter, die ich längst für erle­digt hielt. Schon wenn man sich Wort­wahl, Rhe­to­rik und Argu­men­ta­ti­ons­struk­tur des Bei­tra­ges in der Rhein-Zei­tung anschaut, wird jedem ver­nünf­ti­gen Men­schen hof­fent­lich schlecht: Allen, die ande­re Ideen von Bil­dung ver­tre­ten als der CDU-„Experte“, wird wie­der­holt und pene­trant „Ideo­lo­gie“ unter­stellt und vor­ge­wor­fen. Natür­lich gar­niert mit dem bösen, bösen Wort „Ein­heits­schu­le“ (wenn ich mich recht ent­sin­ne, ver­sucht das ja auch auf die Schu­le der DDR anzu­spie­len [aber damit kann ich­auch irren]). Röd­der benö­tigt sowie­so den meis­ten Raum sei­ner Aus­füh­run­gen dazu, den SPD-Poli­ti­kern Ver­sa­gen, Unehr­lich­keit („durch die Hin­ter­tür“) und Feh­ler vor­zu­wer­fen. Was er dem ent­ge­gen­set­zen will, bleibt dann – um es höf­lich aus­zu­drü­cken – blass. Viel mehr als „Leis­tung“ steht da nicht. Die wird vor allem und bevor­zugt mit dem Gym­na­si­um in Ver­bin­dung gebracht, das wie­der zur Eli­ten­schu­le ver­gan­ge­ner Jahr­hun­der­te wer­den soll. Und sol­che kuschel­päd­ago­gi­schen Kon­zep­te (das Wort fällt nicht, ist aber ziem­lich offen­sicht­lich mit­ge­dacht) wie Bin­nen­dif­fe­ren­zie­rung oder indi­vi­du­el­le Beur­tei­lungs­maß­stä­be oder – Gott behü­te – die Erset­zung der nume­ri­schen Zen­su­ren durch ver­ba­le (schrift­li­che) Beur­tei­lun­gen über die zwei­te Klas­se hin­aus wer­den – übri­gens so ziem­lich kom­plett gegen den in die­sen Belan­gen rela­tiv ein­deu­ti­gen bil­dungs­wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­stand – als böse, unge­nü­gend und vor allem die ange­be­te­te Leis­tung ver-/be­hin­dernd dar­ge­stellt. Auf so einen Blöd­sinn muss man auch erst ein­mal kommen. 

Wie eigent­lich immer bei den Leis­tungs­a­po­lo­ge­ten spielt auch nur die Spit­ze eine Rol­le [wäre man böse, könn­te man ein­fü­gen: der Autor hat es dahin ja auch nicht geschafft, son­dern ist an so einer mit­tel­mä­ßi­gen Uni­ver­si­tät wie der Main­zer hän­gen geblie­ben], was mit den ande­ren – im Gym­na­si­um selbst und vor allem außer­halb bzw. hier eben deut­lich unter­halb des­sen – pas­sie­en soll, das ist kei­ner Über­le­gung wert. War­um auch, die haben ja ein­fach nicht genug geleistet …

Bei Doris Ahnen von der SPD kom­men immer­hin sol­che Prin­zi­pi­en wie „Viel­falt“ und „sozia­le Gerech­tig­keit“ als Leit­fä­den einer Bil­dungs­po­li­tik, die nicht nur in die Geschich­te schaut, son­dern sich bemüht, auf die Ände­run­gen und Her­aus­for­de­run­gen der Gegen­wart zumin­dest ein­mal zu reagie­ren (wenn nicht sogar gestal­tend ein­zu­grei­fen), vor. Dass Ahnen auch nur wenig kon­kre­te Pro­jek­te und Zie­le nennt, son­dern vor allem die Erfol­ge der letz­ten Jah­re her­an­zi­tiert, bleibt frei­lich auch ent­täu­schend. Aber immer­hin, inter­essnt ist es schon, dass aus­ge­rech­net jetzt, nach­dem in den letz­ten Jah­ren eigent­lich etwas Ent­span­nung in die auf­ge­la­de­ne Bil­dungs- und Schul­dis­kus­si­on gera­ten war, das wie­der so stark auf die alten Gegen­sät­ze pola­ri­siert wird. Ob es dem Gegen­stand gut tut? Ich bezweif­le es …

Redlichkeit und so weiter

Dass es der lie­be Herr zu Gut­ten­berg manch­mal nicht all­zu genau nimmt, merkt man sei­ner Poli­tik ja durch­aus an. Dass er damit aber schon vor­her ange­fan­gen hat, ist dann doch neu. Und beschäf­tigt heu­te vie­le: Mei­ne Blogroll ist voll von kur­zen und weni­ger kur­zen, detail­lier­ten und grund­sätz­li­chen, bösen und abwä­gen­den Über­le­gun­gen und Kom­men­ta­ren zum Pla­gi­ats­dok­tor und sei­ner Dissertation.

Doku­men­ta­tio­nen der gehei­men Abschreiberei:

da müss­te man eigent­lich gar nichts mehr sagen müssen …

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