„Ich will keine Geschichte und keine Geschichten erzählen. Um zu sagen, was ich zu sagen habe, brauche ich keine Figurenzu erfinden. Erfindet man nicht ohnehin nur Figuren, die einem ähneln? Ich werde niemanden erfinden, denn ich berge die Welt.“ (Anne Weber, Este Person, 10)
„Die besten Verstecke in dieser Welt liefern uns die grammatishen Personen.“ (Anne Weber, Este Person, 7)
Die Dirigenten Furtwängler, Böhm und Karajan sitzen auf einer Wolke. Furtwängler: „Meine Herren, es steht wohl fest, dass ich der Größte von uns bin.“ Darauf antwortet Böhm: „Nun, mir hat Gott gesagt, ich sei der Größte.“ Karajan: „Bitte, was soll ich gesagt haben?“
Gustav Seibt hat für das heutige Feuilleton der Süddeutschen Zeitung eine wunderbare kleine Abhandlung geschrieben, in der er Guttenbergs unsägliche Versuche, die konservativen Tugendenden des Lügen, des Anpassen von Regeln und Werten (des Staates vor allem) den eigenem Gutdünken unterzuordnen, auf die Wissenschaft auszudehnen, in eine historische Kontinuität stellt und auf eine Nähe dieses „putschistischen Regelverstoßes“ zum verfassungs- und gesetzesverachtenden Verhalten Berlusconis hinweist. Und den Schluss muss ich einfach hier noch einmal zitieren, das ist zu gut und zu treffend:
Und es ist schon toll, dass wir nun, zehn Jahre nach Casimir, Kanther und Kohl, schon wieder ein Virtuosenstück dieser gummiartig beweglichen und zugleich wetterfest tannenhaften aristokratischen Prinzipienstärke anstaunen dürfen. Nach der brutalstmöglichen Aufklärung kam die mühevollste Kleinarbeit elektronisch gestützter Textgenese, mit der mindestens zwei Grundregeln wissenschaftlichen Anstandes verletzt wurden: das Urheberrecht und die ehrenwörtliche Versicherung selbständiger Herstellung einer wissenschaftlichen Qualifikationsschrift. Dazu kommt jener dreiste Mut zur Unwahrheit gegenüber der Öffentlichkeit, der die bald eindeutig belegten Verfehlungen zunächst als „abstrus“ und dann als unabsichtlich hinstellt. Möglicherweise kommt durch die Verwendung wissenschaftlicher Zuarbeiten aus dem Bundestag noch Amtsmissbrauch hinzu.
Gekrönt wird das Verhaltensmuster des putschistischen Regelverstoßes dadurch, dass der so überführte Edelmann sich nachträglich zum Herren des Promotionsverfahrens macht und seinen Doktortitel von sich aus ablegt. Der Große steht dabei im Sturm des Beifalls einer Menge, die, wie Professor Baring weiß, beim Wort „Fußnoten“ fragt: Ach, werden jetzt auch Füße benotet? Dagegen wirken ein Universitätskanzler und ein in Urlaub gegangener Doktorvater mit ihren tüdeligen Prüfungsverfahren nur bürgerlich-grau und glanzlos. Das Stehende der Institution und ihres Ethos verdampft unter der Sonne ständischen Glanzes. Der Beifallumtoste mag kurz wackeln, aber vorerst steht er fest, weil jede und jeder, der ihm den entscheidenden Stoß versetzen würde, der wütenden Menge um ihn zum Opfer fallen müsste. Vielleicht ist diese geschichtliche Anpassungsfähigkeit an Zeitumstände das eigentliche Geheimnis achthundertjähriger Familiengeschichten.
Aber was unterscheidet solche Durchhaltekraft eigentlich noch von der Zähigkeit eines Silvio Berlusconi?
Der ganze Text mit der Überschrift „Der Herr des Verfahrens“ steht sogar online.
Das diesjährige Treffen der Monoskifahrer begann für mich am Donnerstag: Vormittags schnell noch mein Kram fertig gepackt – eine große Tasche vollgestopft mit Schuhen (zum Skifahren und Laufen), jeder Menge Klamotten und ein paar Müsliriegeln. Dann den Ski unter den Arm geklemmt und ab zum Bahnhof – der Zug brachte mich nämlich nach Schifferstadt, zu Tilo. Der war noch nicht ganz so weit, aber das war nicht weiter schlimm, weil sich auch bei Andreas die Abfahrt etwas verzögert hatte. Gegen 17 Uhr waren wir dann unterwegs: Andreas mit Tochter Ariane, Tilo und ich – so ging es nach Arosa. Die Fahrt verlief denn auch ohne Probleme, besonders das letzte Stück von Chur, die 360 Kurven, auf die Arosa so stolz ist (und für die man sogar eine Patenschaft erwerben kann …), sogar in ausgesprochen rasantem Tempo. Nur in Arosa brauchten wir einen Moment, unsere Unterkunft für die erste Nacht zu finden: Das Backpackers Mountainlodge. Das ist offenbar ein ehemaliges Santorium. Zumindest sehen die Räume – kleine Zimmer mit Jugendherbergseinrichtung inklusive Stockbetten – die Flure und die Balkons sehr danach aus. Da es mittlerweile schon 22.15 Uhr war, fanden wir nur noch eine unbesetzte Rezeption vor – aber immerhin mit einem Zettel, welche Zimmer unsere waren. Die waren schnell bezogen, die Betten gemacht – und das war’s dann auch schon eigentlich, die Nachtruhe rief. Das Mountainlodge war zwar recht ordentlich und sehr sauber, aber über den Preis kann man geteilter Meinung sein. Für Leute aus dem Euro-Gebiet wie uns war das – angesichts des bescheidenen Komforts und der einfachen Verpflegegung – eigentlch unverschämt teuer. Obwohl die beiden Backpackers – von den Bergbahnen betrieben – die billigsten Unterkünfte in Arosa sind: Preisgünstig sind sie keineswegs …
Denn am Freitag sollte es richtig losgehen. Trotz des zeitigen Aufstehens hat zwar nicht das Frühstücken, aber doch das Bezahlen, Auto packen und Auschecken eine gute Weile gedauert. Auf dem Weg zur Seilbahn-Talstation trafen wir dann gleich die Leute von Duret sowie Remy und Otto. Allerdings mussten wir noch das Auto loswerden – in Arosa nie eine einfache Sache, diesmal bedeutete es einen ordentlichen Fußmarsch für Andreas. Gegen 10 Uhr war dann aber alles erledigt und wir oben auf dem Berg. Und das heißt wirklich, oben: Auf der Spitze des Weißhorns, wo uns die große Gondeln der Seibahn (eine ziemlich zeitaufwändige Fahrt) hinbeförderten. Zum Einfahren musste erst einmal die rote Abfahrt zur Mittelstation herhalten (die schwarze von oben musste ja nicht gleich bei den ersten Schwüngen dieses Winters sein …). Und dann ging es vor allem auf die Pisten am Hörnli – da waren wir einen Großteil dieser drei Tage unterwegs, die Pisten dort, die der eine Vierer-Sessel bedient, bieten wunderbare Möglichkeiten: Rote und Schwarze gleichermaßen, solche mit eher gleichmäßigem Gefälle und welche mit schönen Absätzen und Stufen – vor allem viele Kombinationsmöglichkeiten … Sehr schöne Möglichkeiten bot aber auch der Carmenna-Sessellift (natürlich von ganz oben, nicht schon ab der Mittelstation): Entweder über die schwarze Piste, die vom Weisshorn herunter kommt oder direkt am Lift hinunter: Das beginnt gleich richtig steil – und weil oben am Einstieg eine Schneekanone in Betrieb war, waren gerade die ersten Meter davon ziemlich heftig. Aber dann ging es richtig schön hinunter – auch eine klasse Piste. Nur unten vielleicht einen Tick langweilig.
Der Schnee in Arosa: Ausreichend, aber uralt (letzter Neuschnee im Januar, da hat’s den ganzen Monat aber auch nur 30 Zentimeter geschneit) und entsprechend hart. Neben der Piste – vor allem am Weisshorn – war schon fast kein Schnee mehr. Und wo noch mehr oder weniger genügend war, war er dermaßen steinhart, dass es kaum fahrbar war – wir haben es am Hörnli natürlich sofort ausprobiert. Zumindest Spaß macht das Abseitsfahren bei solchem Schnee nicht.
Abgeschlossen haben wir den Skitag mit einer gemeinsamen Talabfahrt – nachdem wir alle auf der richtigen Piste waren, war das auch ganz nett und noch erstaunlich gut zu fahren. Danach ging es dann erst einmal in die neue Unterkunft, das andere Backpackers in Arosa, Downtown genannt, weil es im Gegensatz zum Mountainlodge nicht am Ortsrand bei der Piste liegt, sondern mitten in der unteren Hälfte des Ortes. Ansonsten unterschied es sich nicht groß vom ersten Backpackers – die An- und Abmeldung ist bei beiden furchtbar kompliziert, aufwändig und umständlich gewesen. Irgendwann war das aber alles erledigt und wir waren auf unseren Zimmern. Inzwischen schon reichlich spät, denn für 17 Uhr war ein erstes offizielles Treffen im nahegelegenen Sunstar-Hotel angesetzt. Ich ging aber erst einmal wenigstens ein bisschen Laufen – viel war es nicht, ich und meine Beine waren müde. Und in Arosa gibt es noch weniger Möglichkeiten, ohne große Steigungen zu laufen, als in anderen Skiorten. Mein Forerunner hatte sich dummerweise in der Tasche irgendwann von selbst angeschaltet und war deshalb inzwischen ohne Strom. Geschätzt war ich ca. 20 Minuten für ungefähr drei Kilometer unterwegs, in Richtung Hörnli, ab dem Campingplatz auf der „Piste“ Nr. 1.
Nach dem Begrüßungstreffen ginge wir dann gemeinsam (fast) alle zum Abendessen ins Chamanna – sehr nett und lecker, aber wie alles in diesem Ort nicht gerade preiswert … Das hat seine Zeit gedauert – erst gegen 23 Uhr waren wir zurück im Backpackers und hörten auf den Ruf der Betten …
Der Samstag begrüßte uns schon morgens mit herrlichem Wetter: Blauer Himmel ohne das kleinste Wölkchen. Heute beschlossen wir, das Auto stehen zu lassen und zu Fuß zur Bergbahn zu marschieren. Das war dann doch etwas länger als gedacht, zum Glück hatten wir die Skischuhe noch nicht an. Tilo und ich waren etwas früher aufgebrochen, er wollte den Duret-Leuten helfen beim Aufbauen des Teststandes für deren Monoskier an der Mittelstation. Da angekommen, trafen wir zufällig auf Bruno, Kurt und Rodolfo. Mit denen war ich dann fast den ganzen Tag unterwegs – und wie. Die hatten’s nämlich ziemlich eilig. Und man merkt, dass sie öfters auf dem Ski stehen als ich – mithalten konnte ich, mit etwas Mühe, gerade so. Das hohe Tempo machte aber wirklich irrsinnig Spaß: Die Sonne schien strahlend, der Schnee war okay, die Pisten gut präpariert. Da machte es auch wenig, dass ich schon auf der ersten Abfahrt meine rechte Kontaktlinse verlor – die war wohl nicht richtig drin. Sehr seltsam war das, wie ich während dem Fahren merkte, dass sie aus dem Auge rutschte, im Augenwinkel hängenblieb und vom Fahrtwind dann endgültig herausgedrückt wurde und auf Nimmerwiedersehn verschwand. Gegen Mittag wurde es zwar etwas voller, aber dafür, dass ganz Arosa ausgebucht sein sollte, war noch erstaunlich viel Platz auf den Pisten. Gut, am Hörnli-Sessellift musste man zwischendurch mal (ganz) kurz anstehen – aber auf der Piste war das immer noch in Ordnung mit dem Betrieb. Unterdessen lief wieder – wie sich das für ein Monoskitreffen gehört – der große Skitausch: Die Durets (und einige andere, wie das Monoblade, der Monocross, das Yamatool/Coda) wurden eifrig probiert – von mir allerdings nicht, ich blieb diese drei Tage lieber bei meinem mir vertrauten TT Hammer. Die Gruppen wechselten über den Tag öfter, der Spaß blieb derselbe. So war es ruckzuck schon 16.30 Uhr, als ich mit Bruno die letzte Abfahrt vom Weisshorn anging. Dann saßen wir noch kurz alle bei der Schirmbar an der Mittelstation (Hütten- & Apréski-technisch ist Arosa übrigens extrem zurückhaltend), bevor wir die gemeinsame Talbafahrt antraten. Bis wir dann endlich wieder auf unserem Zimmer waren, zeigte die Uhr schon sechs an – und ich ging erst spät laufen. Diesmal ging es etwas weiter, zwar ähnlich wie am Freitag (wieder auf die „Piste“), aber mit einigen kleinen Schleifen zusätzlich: ca. vier Kilometer in einer halben Stunde). Nach dem Duschen widmete ich mich noch kurz meinem Mono: Vor allem am Nachmittag hatte ich auf den harten Pisten gemerkt, dass meine Kanten etwas nachließen – das wurde schnell behoben. Und dann war es auch schon Zeit für das große Fondue Chinoise, wieder im Chamanna, das ja praktischerweise recht nahe lag – gut vor allem für Andreas, der nach seinem Sturz am Freitag mittag doch beim Laufen sehr gehandicapt war.
Am Sonntag war wieder alles anders. Schon beim Aufwachen wurde klar: Das schöne Wetter war verschwunden, die einzelnen dunklen Wolken vom Samstag abend waren nicht mehr allein, sondern hingen dicht über dem Ort und also voll im Skigebiet den ganzen Himmel bedeckend. Also ließen wir uns mit dem Frühstück etwas mehr Zeit – es war ja auch Sonntag … Weil wir nach dem Skifahren sofort nach Hause wollten, war ich extra schon um 7 Uhr aufgestanden, um vor dem Frühstück einen kleinen Lauf zu absolvieren. Dieses Mal blieb ich auf der Straße, das war am einfachsten. Bei gerade einmal 0 °C war ich wieder eine knappe halbe Stunde unterwegs – mit schrecklich steifen Beinen …
Auf der Piste war es heute zwar ausgesprochen leer, aber auch etwas schwierig. Ich brauchte ein bis zwei Abfahrten, mich daran zu gewöhnen: Durch die dichte Bewölkung und den leicht grieseligen Schneefall war das Licht zu diffus, das man nicht sah, wo die Piste auf- oder abging und entsprechend etwas vorsichtiger und zurückhaltender unterwegs sein sollte. Mit der Zeit und der Gewöhnung nahm aber unser Tempo auch wieder zu. Bald war ich nämlich wieder mit den schnellen Flitzern Bruno, Kurt und Rodolfo unterwegs. Und die Pisten am Hörnli kannten wir ja inzwischen. Tatsächlich kam am späten Vormittag auch für kurze Zeit etwas Besserung auf: Die Wolkendecke dünnte stellenweise etwas aus, so dass die Sonne etwas stärker hindurch kam – und sofort machte das Fahren mit deutlich mehr Sicht erheblich mehr Spaß. Mittags trafen wir uns alle an der Mittelstation für eine kurze Pause. Und dann ging es noch mal in der großen Gruppe aufs Weisshorn. Peter wollte ja auch noch den Ki-Mono-Car-Ver probieren – und tat das gleich auf der langen Abfahrt. Weit kam er damit allerdings nicht, dieser Miniski ist wohl doch sehr speziell. Aufgrund der momentan extrem schlechten Sicht war diese Abfahrt allerdings für den Rest der Gruppe auch nicht sehr leicht- dafür hatten wir die komplette Piste für uns. Heute war eh’ kaum jemand utnerwegs, nur so ein paar Unentwegte wie wir. Und ein einheimischer Monoskifahrer, Viktor, der seit Jahrzehnten seinem Monoturm treu geblieben ist. Nachmittags waren wir dann wieder in verschiedenen Gruppierungen (mit eigentlich fast allen noch fahrenden Teilnehmern) am Hörnli unterwegs – allerdings auch nicht mehr besonders lange. Andreas und Ariane machten bald Schluss, ich hing noch zwei schnelle Abfahrten an, bevor ich ihnen ebenfalls folgte – und bei der letzten Talabfahrt noch eine falsche Abzweigung machte, die mich – auf dem Weg zur Hörnli-Express-Talstation, wo das Auto stand – auf die Piste 1 führte: Eine Katastrophe, das Ende dieser Piste ist ein Weg, der zum Schluss noch bergauf führt und bei gutem Schnee vielleicht gerade noch so fahrbar ist, bei langsamen Bedingungen wie an diesem Tag aber Fußweg bedeutet …
Genau um 16 Uhr hatten wir dann im Schneetreiben das Auto gepackt und starteten in Richtung Heimat. Die Fahrt verlief wieder sehr glatt, bis Chur brauchten wir ungefähr eine Stunde und dann für den Rest nach Schifferstadt nochmal vier – genau um 21 Uhr waren wir am Bahnhof, wo ich meinen Zug noch wunderbar bequem erreichte und kurz nach zehn dann wieder in Mainz war – müde und erschöpft, aber zufrieden.
Denn die Organisatioren Remy und Tilo haben sich wieder viel Mühe gegeben – auch wenn wir nicht immer alles mitgemacht haben, was sie sich ausgedacht haben. Vor allem auf das Mondscheinfahren am Freitag (auf unbeleuchteter Piste bei Vollmond) hatte irgendwie keiner Lust, alle waren den ganzen Tag gefahren und entsprechend ausgepowert …
Arosa selbst fand ich ganz nett, für mich allerdings auch ausgesprochen teuer. Das Skigebiet ist nicht super anspruchsvoll (wirklich einfache Pisten gibt es aber auch fast keine), und fällt auch sonst nicht besonders auf: Alles sehr ordentlich, aber irgendwie nichts herausragendes. Aber einige Pisten – vor allem die rote 3 am Hörnli, aber auch die schwarze 8 am Weisshorn, machten eine Menge Spaß – gerade weil sie nicht zu anspruchsvoll und schwierig waren, konnte man/ich sie wunderbar ausfahren und auch mal ordentlich Tempo riskieren. Für die eher überschaubare Größe (eigentlich sind es ja nur zwei Berge) gibt es recht viele geschickt angelegte Abfahrten, allerdings auch erstaunlich viele Wege, die zudem sehr oft ausgesprochen flach waren und dem Mono daher nicht so sehr entgegenkamen. Leider waren die Pisten am Brüggerhorn, dem sogenannten „Entspannungsberg“ nicht offen – bei vernünftigem Schnee hätte das wohl einige schöne Varianten gegeben. Überhaupt lässt die Topographie erahnen, dass bei ausreichendem Schnee in Arosa viel neben der Piste möglich ist – da hatten wir halt einfach Pech mit dem Wetter in diesem Winter – wobei die Bergbahnen den wenigen Schnee gut im Griff hatten und ordentlich präparierten. Also, wieder einmal ein schöne Treffen der mono-ski.org: Einfach drei schöne Tage des Skifahrens – wie immer, wenn sich die Monoskifahrer treffen …
„Nichts wirklich wissen: ein Merkmal des Historikers.“ (Paul Valéry, 1915/16)
„Nichts wirklich wissen: ein Merkmal des Historikers.“ (Paul Valéry, 1915/16)
… meint zumindest das Theater hautnah:
Da steht er nun also, der arme Tor, und ist genauso klug wie zuvor. Zwar steht er dieses Mal nicht auf den Brettern, die die Welt bedeuten, sondern im Altarraum der Altmünsterkirche. Aber auch der heilige Raum bringt Faust keine besondere Erleuchtung.
Zumindest nicht in der Inszenierung des hautnah-Theaters. Die Truppe gastiert gerade mit ihrem „Urfaust” in Mainz – und bringt eine Menge Leben in die Kirche. Denn Regisseur Rolf Bidinger hat den Urfaust, die erste Version des Faustdramas aus der Feder Goethes, stark konzentriert und deutlich auf die komische Seite der Verwicklungen zwischen Faust und Goethe fokussiert. Seine Inszenierung und die fast überdeutliche Aktionen der hautnah-Schauspieler sorgen deshalb für eine Menge Lacher und viel Heiterkeit. Und das nicht ohne Grund – der Text des Weimarer Dichters hat durchaus seine Komik, oft genug in einer recht derben und handfesten Variante.
Zugleich ist er aber auch – durchaus schon im Urfaust – mehr als eine tragikomische Liebesgeschichte. Schließlich lauert der Teufel von Anbeginn im Hintergrund, schon beim Vorspiel ist er immer präsent und wartet auf seine Gelegenheit. Und er bleibt es fast die ganze Zeit – der Teufel ist in der Altmünsterkirche fast zentraler als Faust oder sein Gretchen. Das liegt auch an Daniel Kröhnert, der den Mephisto mit lässiger Eleganz, süffisantem Sarkasmus und großer Präsenz ausfüllt und verkörpert. Dagegen bleibt der Faust von Jan Schuba etwas blässlich – anfangs, im Zimmer des Gelehrten vor allem, trifft er seine Rolle sehr gut. Aber je konkreter und direkter seine Liebe zu Grete wird, desto unwahrscheinlicher wirkt seine Darstellung.
Grete dagegen macht eine sehr glaubhafte Wandlung durch: Vom keck-koketten Mädchen (das freilich bei Goethe die Religion viel ernster nimmt als hier) zur gefallenen Dirne und Kindsmörderin, die im Gefängnis vor Verzweiflung irr wird, verleiht Dana Kröhnert ihrem Gretchen eine sehr lebendige und plastische Gestalt.
Abgerundet und ergänzt wird das Spiel des hautnah-Theaters durch die Kantorei von St. Johannis. Unter Volker Ellenberger tritt sie wie ein klassischer Theaterchor kommentierend, warnend und vorausschauend auf: Mit dem Choral „Ach wie flüchtig, ach wie nichtig” kommentiert der Chor das Geschehen im Wirtshaus, mit „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod” warnt er Grete vor dem verführerischen Faust und ergänzt und überhöht so das theatralische Geschehen, ohne direkt in die Handlung einzugreifen – die haben die Schauspieler voll im Griff.
(geschrieben für die Mainzer Rhein-Zeitung.)
Das sind so die Schlagworte, die hier in Rheinland-Pfalz gerade von den Bildungspolitikern (oder denen, die es gerne werden möchten) in die Diskussion geworfen werden. Und das Ergebnis ist schrecklich und schaurig. Man muss sich nur mal den Text der CDU-Seite, vertreten durch den Historiker Andreas Rödder (dessen Lehre ich auch schon mehr oder weniger genossen haben), anschauen: Das ist ein schlimmer Rückfall in Zeiten und Muster, die ich längst für erledigt hielt. Schon wenn man sich Wortwahl, Rhetorik und Argumentationsstruktur des Beitrages in der Rhein-Zeitung anschaut, wird jedem vernünftigen Menschen hoffentlich schlecht: Allen, die andere Ideen von Bildung vertreten als der CDU-„Experte“, wird wiederholt und penetrant „Ideologie“ unterstellt und vorgeworfen. Natürlich garniert mit dem bösen, bösen Wort „Einheitsschule“ (wenn ich mich recht entsinne, versucht das ja auch auf die Schule der DDR anzuspielen [aber damit kann ichauch irren]). Rödder benötigt sowieso den meisten Raum seiner Ausführungen dazu, den SPD-Politikern Versagen, Unehrlichkeit („durch die Hintertür“) und Fehler vorzuwerfen. Was er dem entgegensetzen will, bleibt dann – um es höflich auszudrücken – blass. Viel mehr als „Leistung“ steht da nicht. Die wird vor allem und bevorzugt mit dem Gymnasium in Verbindung gebracht, das wieder zur Elitenschule vergangener Jahrhunderte werden soll. Und solche kuschelpädagogischen Konzepte (das Wort fällt nicht, ist aber ziemlich offensichtlich mitgedacht) wie Binnendifferenzierung oder individuelle Beurteilungsmaßstäbe oder – Gott behüte – die Ersetzung der numerischen Zensuren durch verbale (schriftliche) Beurteilungen über die zweite Klasse hinaus werden – übrigens so ziemlich komplett gegen den in diesen Belangen relativ eindeutigen bildungswissenschaftlichen Erkenntnisstand – als böse, ungenügend und vor allem die angebetete Leistung ver-/behindernd dargestellt. Auf so einen Blödsinn muss man auch erst einmal kommen.
Wie eigentlich immer bei den Leistungsapologeten spielt auch nur die Spitze eine Rolle [wäre man böse, könnte man einfügen: der Autor hat es dahin ja auch nicht geschafft, sondern ist an so einer mittelmäßigen Universität wie der Mainzer hängen geblieben], was mit den anderen – im Gymnasium selbst und vor allem außerhalb bzw. hier eben deutlich unterhalb dessen – passieen soll, das ist keiner Überlegung wert. Warum auch, die haben ja einfach nicht genug geleistet …
Bei Doris Ahnen von der SPD kommen immerhin solche Prinzipien wie „Vielfalt“ und „soziale Gerechtigkeit“ als Leitfäden einer Bildungspolitik, die nicht nur in die Geschichte schaut, sondern sich bemüht, auf die Änderungen und Herausforderungen der Gegenwart zumindest einmal zu reagieren (wenn nicht sogar gestaltend einzugreifen), vor. Dass Ahnen auch nur wenig konkrete Projekte und Ziele nennt, sondern vor allem die Erfolge der letzten Jahre heranzitiert, bleibt freilich auch enttäuschend. Aber immerhin, interessnt ist es schon, dass ausgerechnet jetzt, nachdem in den letzten Jahren eigentlich etwas Entspannung in die aufgeladene Bildungs- und Schuldiskussion geraten war, das wieder so stark auf die alten Gegensätze polarisiert wird. Ob es dem Gegenstand gut tut? Ich bezweifle es …
Dass es der liebe Herr zu Guttenberg manchmal nicht allzu genau nimmt, merkt man seiner Politik ja durchaus an. Dass er damit aber schon vorher angefangen hat, ist dann doch neu. Und beschäftigt heute viele: Meine Blogroll ist voll von kurzen und weniger kurzen, detaillierten und grundsätzlichen, bösen und abwägenden Überlegungen und Kommentaren zum Plagiatsdoktor und seiner Dissertation.
Dokumentationen der geheimen Abschreiberei:
- Guttenberg & Zehnpfennig
- Anfang bei F.A.Z. abgeschrieben (hat die FAZ selbst gemerkt)
- und natürlich bei der Süddeutschen Zeitung, die das heute ja auch schon groß im Blatt hatte.
da müsste man eigentlich gar nichts mehr sagen müssen …
