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Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Taglied 20.5.2012

weil ich das vor­hin bei einem Tauf­got­tes­dienst spie­len durfte/​musste (und weil das Deutsch von Phil Coll­ins so wun­der­bar schau­rig ist): 

Phil Coll­ins – Dir gehört mein Herz

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Taglied 18.5.2012

Heu­te ist klar, was hier kom­men muss: Diet­rich Fischer-Die­skau.
Zum Bei­spiel hier mit einer Auf­nah­me des „Lei­er­mann“, am Kla­vier Mur­ray Perahia:
https://web.archive.org/web/20130323030052/http://www.youtube.com/watch?v=WA1AQxuRtOI
oder Schu­manns unver­gleich­li­che „Mond­nacht“:

Diet­rich Fischer-Die­skau „Mond­nacht“ Schumann

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Weltmüller und andere Fast-Reportagen

Das ist ein wun­der­ba­res net­tes klei­nes Buch, die­ser Welt­mül­ler von Frank Fischer.1 Der hat sich ja – zumb Bei­spiel in der eben­falls amü­san­ten „Zer­stö­rung der Leip­zi­ger Stadt­bi­blio­thek im Jahr 2003“ – schon öfters an kon­tra­fak­ti­schen Repor­ta­gen ver­sucht. Das ist nicht unbe­dingt wahn­sin­nig gehalt­voll und tief­schür­fend, aber hoch­tra­bend unter­halt­sam. Dass wahr­schein­lich kein Publi­kum der Welt den „Ham­let“ so genau kennt, dass es genau fol­gen kann, wenn statt Men­schen Hun­de auf der Büh­ne ste­hen und ent­spre­chend kein ein­zi­ges Wort gespro­chen wird – geschenkt. Dass Godot in einer bahn­bre­chen­den Insze­nie­rung zwar mit „dem bes­ten deutsch­spra­chi­gen“ Schau­spie­ler besetzt wird, aber natur­ge­mäß nicht auf­taucht, nicht ein­mal zum Schluss­ap­plaus, ist natür­lich an sich eine blas­se Poin­te. Aber dar­um allei­ne geht es Fischer ja nicht. Son­dern um die Mit­tel und Mög­lich­kei­ten, sol­che (Nicht-)Ereignisse des Kul­tur­le­bens zu beschrei­ben. Und das kann er rich­tig gut – ein­fach prä­zi­se unter­hal­tend näm­lich, in einer genau durch­ge­führ­ten Stil­par­odie. Mehr ist das gan­ze Büch­lein auch kaum. Aber das ist ja schon nicht wenig.

Der Witz bei den Erzäh­lun­gen hier ist natür­lich, dass sie zwar einer­seits absurd erschei­nen, ande­rer­seits als (fast?) rea­lis­tisch gel­ten müs­sen: Ohne Pro­ble­me kann man sich eine Godot-Insze­nie­rung vor­stel­len, bei der ein Godot besetzt wird. Selbst­ver­ständ­lich liegt es nicht außer­halb des Mög­li­chen, das ein Kunst­werk qua­si im Moment des Ent­ste­hens ver­waist, weil sein vor­geb­li­cher Schöp­fer jede Betei­li­gung leug­net und so eine „seman­ti­sche Zeit­bom­be“ im öffent­li­chen Raum hin­ter­lässt – denn wenn nicht bekannt ist, wer das Kunst­werk (das spricht dem Pro­jekt übri­gens bei Fischer fast nie­mand ab) geschaf­fen hat, ist es auch nicht deut­bar.2 Schließ­lich muss der ima­gi­nä­re Jour­na­list Fischers resü­mie­ren: „Man lässt das Werk nun doch ein­fach gewäh­ren.“ (81)

Das Chan­gie­ren zwi­schen unse­rer „Rea­li­tät“ und kon­tra­fak­ti­schen Situa­tio­nen, denk­ba­ren Ereig­nis­sen in mög­li­chen Wel­ten zieht sei­nen Witz genau dar­aus, dass nicht immer auf den ers­ten Blick erkenn­bar ist, was Rea­li­tät ist oder sein kann und was nur eine mög­li­che Vor­stel­lung dar­stellt. Wer außer­dem noch Freu­de an Meta­spiel­chen (aber ganz unauf­ge­regt, ohne gro­ßes Theo­re­ti­sie­ren) und Schlüs­sel­er­zäh­lun­gen aus dem Kul­tur­be­trieb hat und sich an den vor­ge­führ­ten Hohl­hei­ten von man­nig­fal­ti­gen Wort­hül­sen aus die­sem Sek­tor delek­tie­ren kann, der wird hier sicher­lich eine oder zwei ver­gnüg­li­che Stun­den haben (übri­gens gibt es „Welt­mül­ler“ auch als preis­wer­tes E‑Book).

Frank Fischer: Welt­mül­ler. Ber­lin: Sukul­tur 2012. 120 Sei­ten. ISBN 978−3−941592−32−2.

Show 2 footnotes

  1. Auf­merk­sam gewor­den bin ich dar­auf im „Text & Blog“-Blog (hier), dann auch beim Begleit­schrei­ben: klick.
  2. das ist natür­lich Quatsch … – aber weit ver­brei­ter Blöd­sinn und des­halb hier glaub­wür­dig

Taglied 17.5.2012

Schön: Hila­ry Hahn & Haus­ch­ka, Sil­f­ra. Gibt es bei NPR kom­plett zu hören. Oder hier einen Teil davon:
http://web.archive.org/web/20120517133248/http://www.youtube.com/watch?v=JQUO1r6RBG0&gl=US&hl=en
(via Song des Tages)
und noch das Pro­mo-Erklär-Video dazu:

Hila­ry Hahn – Sil­f­ra – Haus­ch­ka (Trai­ler)

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Die Eisler-Familie

Via Adress­comp­toir bin ich gera­de auf die­ses gut gemach­te, inter­es­san­te Fea­ture über die Eis­ler-Fami­lie (d.h. Hanns Eis­ler, Ger­hart Eis­ler & Ruth Fischer) beim Ö1 gesto­ßen, das noch 7 Tage online gehört wer­den kann: Unbe­dingt zu emp­feh­len, für alle, die sich auch nur etwas für die Geschich­te des 20. Jahr­hun­derts inter­es­sie­ren. Viel typi­sches pas­siert mit den drei Geschwis­tern Hanns Eis­ler als Musi­ker, Ger­hart Eis­lerRuth Fischer vor allem als Poli­ti­ker des lin­ken Spek­trums, in Deutsch­land, Öster­reich, den USA, der Sowjet­uni­on und anders­wo. Immer wie­der berüh­ren mich die Eis­ler­schen Musi­ken, der unbe­ding­te Ernst und der fes­te Glau­be an die his­to­ri­sche Mis­si­on des Kom­mu­nis­mus, die aus sei­ner Musik immer wie­der spricht – ob es nun um Mär­sche geht, um Lie­der, Musik­thea­ter oder Orches­ter­wer­ke. Das Fea­ture von Hen­ry Bern­hard erzählt die gan­zen Ver­knüp­fun­gen, die Ver­su­che und Feh­ler und natür­lich auch ganz stark die Tra­gik die­ser Leben: 

Der Karl Marx der Musik, die Denun­zi­an­ten-Lady und der gefähr­lichs­te Ter­ro­rist der Welt. Die Eis­lers – eine Aus­nah­me­fa­mi­lie. Wie poli­ti­sche Gesin­nung die Geschwis­ter Ger­hart Eis­ler, Hanns Eis­ler und Ruth Fischer entzweit.

„In der Fami­lie Eis­ler herr­schen ver­wandt­schaft­li­che Bezie­hun­gen wie in den Shakespeare’schen Königs­dra­men“, hat­te Char­lie Chap­lin über die Geschwis­ter Eis­ler gesagt. Er hat­te allen Grund dazu. Stand der älte­re Ger­hart Eis­ler 1947 in New York als Ange­klag­ter vor Gericht, so tra­ten sein jün­ge­rer Bru­der Hanns als Zeu­ge der Ver­tei­di­gung und die Schwes­ter Ruth Fischer als Zeu­gin der Ankla­ge auf.

Ger­hart gilt zeit­wei­se als „Staats­feind Nr. 1“ in den USA; der Kom­mu­nist soll ein Auf­wieg­ler, Ter­ro­rist und Agent der Kom­in­tern gewe­sen sein – dies mein­te auch und gera­de sei­ne Schwes­ter. Und wenn sich die Geschwis­ter auch nicht gegen­sei­tig umbrach­ten, so kamen ihre Ver­leum­dun­gen doch Ruf­mor­den gleich. […] 

Die Revo­lu­ti­on hat ihre Kin­der gefres­sen – außer­or­dent­lich begab­te Kin­der, die an ihren ver­ra­te­nen Hoff­nun­gen zer­bro­chen sind.

Bauwesen

„Es thut mir leid daß Sie vom nahen Bau­we­sen so viel dul­den. Es ist ein böses Lei­den und dabei ein rei­zen­der Zeit­ver­derb, in sei­ner Nähe arbei­ten­de Hand­wer­ker zu haben.“

Goe­the an Schil­ler, 17.5.1797

Taglied 16.5.2012

noch ein­mal Rebec­ca Saun­ders, hier mit „Behind the vel­vet curtain“, gespielt von der musikFabrik

https://​www​.you​tube​.com/​w​a​t​c​h​?​&​v​=​l​7​g​B​1​C​e​j​AYU

… es kommt ein Gedicht …

‚Kay. Brau­chen wir einen Absatz für eine Zeile.
Oder? Ruf ich ein Wort, und es kommt ein Gedicht,
steht beläm­mert her­um wie Ril­kes Zombiemädchen,
wie die einst Geru­fe­nen noch immer, mit karolisch
lang­sa­men Bär­ten Redak­ti­ons­ge­sän­ge durchsegeln,
wie das nied­li­che Gestampf in der Bar, die gern unse­re wäre,
so haben alle recht, denn die Tem­pe­ra­tu­ren sind da,
„10 Der­ri­da“, sagt man zuein­an­der, und noch mal,
denn der Witz ist scharf genug für ne gan­ze Zeile.

— Ann Cot­ten, Das Pferd, 14</div)

Kontrastdramaturgie: Bach & Strawinsky

Es ist ein stän­di­ges Kom­men und Gehen. Beim ach­ten Sin­fo­nie­kon­zert ist auf der Büh­ne des Gro­ßen Hau­ses viel Bewe­gung – kaum eine hal­be Stun­de ver­geht, ohne dass die Beset­zung des Phil­har­mo­ni­schen Orches­ters sich ändert und klei­ne­re Umbau­ten anste­hen. Dabei sind nur zwei Kom­po­nis­ten zu hören: Johann Sebas­ti­an Bach und Igor Stra­win­sky. Bei­de aller­dings mit meh­re­ren Wer­ken – und jedes Werk ver­langt ein ande­res Orches­ter: Mal sind es nur ein knap­pes Dut­zend Strei­cher, mal ein kom­plet­tes Streich­or­ches­ter, mal mit und mal ohne Bläser.
Kon­trast­dra­ma­tur­gik heißt das im Pro­gramm­heft: Zwi­schen Orches­ter­mu­sik von Bach – zwei Sui­ten und dem drit­ten Bran­den­bur­gi­schen Kon­zert – ste­hen noch zwei Kom­po­si­tio­nen von Stra­win­sky: Die Dan­ses con­cer­tan­tes und das Con­cer­to in D. Das hat einen guten Sinn, denn der Neo­klas­si­zist Stra­win­sky klingt zwar ein biss­chen anders als Bach, bezieht sich aber ger­ne und oft auf baro­cke For­men, wie sie eben auch bei Bach vorkommen.

Im Staats­thea­ter merkt man das vor allem dem spä­ten Con­cer­to an, das Andre­as Spe­ring wun­der­bar diri­gier­te. Und bei dem das Orches­ter beson­ders klang­schön arbei­te­te: Wei­che, run­de Strei­cher­har­mo­nien wech­seln mit kan­ti­gen Ein­wür­fen. Quick­le­ben­dig inter­pre­tier­te Spe­ring das – bei die­sem Werk, das ger­ne etwas sprö­de daher kommt, ein gro­ßes Ver­dienst. Sei­ne Prä­zi­si­on und natür­lich die des Phil­har­mo­ni­schen Orches­ters ent­fa­chen nicht nur unzäh­li­ge Atta­cken, son­dern beherr­schen alle Stim­mung, auch die zar­ten, fast ver­ges­se­nen anmu­ten­den Schwär­me­rei­en des Mittelsatzes.
Über­haupt gelingt Andre­as Spe­ring in die­sem Kon­zert der Abwechs­lung und der Schnit­te etwas sel­te­nes: Eine kon­stan­te Stei­ge­rung vom etwas betu­li­chen Beginn zu einem gro­ßen Finale.
Denn auch in der abschlie­ßen­den vier­ten Suite von Bacht betont Sper­ling ger­ne die gro­ße Band­brei­te der musi­ka­li­schen Cha­rak­ter und Emo­tio­nen. Die Rän­der sind es, die ihn an die­sem Spek­trum beson­ders gelin­gen – dazwi­schen bleibt es durch­aus auch mal soli­des Mit­tel­maß. Aber im Gan­zen ist das doch ein packend inten­si­ves Orches­ter­fest und ein wun­der­ba­rer gemein­sa­mer Abschluss nach so viel Besetzungswechseln.

(geschrie­ben für die Main­zer Rhein-Zeitung.) 

Bücher

gewagt. aber reiz­voll – wie aller books­helf­porn:
gestapelte bücher

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