mit dem lauf von bingen nach mainz habe ich heute die grenze überschritten: die ersten 1000 km sind in diesem jahr gelaufen. trotz des etwas verhaltenen beginns ist das gar nicht so schlecht: 2,5 monate. wenn ich so weiter mache, dürfte das mit den 5000 km in 2008 (eines meiner eher lockeren ziele für dieses jahr) sogar klappen – wenn nichts dazwischen kommt.
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als vorbereitung auf den rennsteig-supermarathon sozusagen schon einmal passende lektüre: dean karnazes’ ultramarathonman. aus dem leben eines 24-stunden-läufers (riva 2008). einige beeindruckende laufschilderungen versammelt er dort, vor allem die erfahrung seines ersten offiziellen ultras, des 100 meilen-laufes western states endurance. danach wird’s dann etwas, nunja, verrückt: badwater halte ich ja schon für grenzwertig, aber einen marathon zum südpol – das ist schon etwas seltsam. und es hat ja selbst für solche läufer nur mit biegen und brechen funktioniert. ansonsten ganz nettes büchlein (leider nicht sehr inspierend übersetzt – höhenangaben in fuß helfen mir nicht sehr viel …), das immer wieder um den gedanken kreist, warum menschen eigentlich solche extreme dinge tun. und das vor allem so ehrlich ist, darauf keine wirkliche antwort zu haben. angenehm auch, dass er rein auf sich selbst fixiert bleibt: platzierungen und ergebnisse spielen (fast) gar keine rolle: hier – zumindest in dem buch – geht es karnazes um das erlebnis des laufens, die erfahrung der überwindung aller möglichen schmerzen …
so einiges wahres steht da drin: „Laufen bedeutete in erster Linie: rausgehen und Erfahrungen sammeln. Ich sah, wie Gebäude entstanden, wie die Vögel nach Süden zogen, un ich Wechsel der Jahreszeiten sah ich die Blätter fallen und die Tage kürzer werden“ (s. 30) – es ist im prinzip banal und so ziemlich jeder läufer hat dies wohl schon bemerkt. aber es stimmt. naja, von der art gibt es eine menge beobachtungen und meinungen hier.
… war heute der Long-Jog. Mein Trainingsplan sah vor: 39 km @ 5:13. Eine schöne Route hatte ich mir auch schon ausgedacht und wollte dabei gleich mein neues Garmin Etrex auf die Probe stellen: Den Anfang habe ich nämlich vor einigen Wochen schon einmal laufen wollen und mich dabei ziemlich bös verfranzt … Nunja, der Sonntag war also frei, ordentlich gefrühstückt hatte ich auch. Was aber nicht mitspielte, war das Wetter: Seit Freitag hatte es im Odenwald ziemlich heftig geregnet und am Samstag auch noch gestürmt. Von der Warnung vor dem Betreten der Wälder habe ich mcih aber nicht abhalten lassen. Um es gleich zu sagen: Die Sturmschäden waren auch – viel war es auch gar nicht – überhaupt kein großes Problem: Einige Bäume zum drüberklettern, paar mal unten durchgeschlüpft – alles keine große Sache. Schlimmer war das Wasser. Das kam nämlich nach den ersten 15 Minuten fast durchgehend. Und es kam aus allen Richtungen: Von oben, von unten, von der Seite, von vorn und hinten. Das hat mich doch zunehmend zermürbt. Irgendwann waren meine Klamotten dann nämlich dreimal so schwer wie im Normalfall, selbst die Einlegesohlen der Laufschuhe hatten doppeltes Gewicht. Noch nerviger war aber, dass es ja schon drei Tage ausgesprochen heftig regnete. Und die Weg sahen entsprechend aus: Stellenweise waren das eher Bäche als gangbare Wege. Und wo das Wasser nicht in Strömen floss, war entweder der halbe Weg schon abgeschwemmt oder die ganze Breite dermaßen aufgeweicht, dass jeder Abdruck zu einem sehr ausdrucksstarken Bewegungsvorgang führte: Mit Händen und Füßen in allen Richtungen herumeiern, um den Sturz zu vermeiden und das Gleichgewicht wieder zu findne. Ok, das ist jetzt ein klein wenig übertrieben ;-). Aber so widrige Bedingungen hatte ich tatsächlich noch bei keinem Lauf. Zumindest nicht über gut 3,5 Stunden. Und ihr könnt mich jetzt für total verrückt halten: Irgendwie war es am Ende dann doch wieder große Klasse. Denn jetzt bin ich mir sicher, dass mich kaum noch etwas schrecken kann. Und ich weiß, das ich auch bei echtem Mistwetter noch ganz ordentliche Zeiten laufen kann. Es gehört zwar einige gehörige Portion Idiotie dazu, so etwas zu machen – aber stolz darauf, es tatsächlich durchgezogen zu haben und den vielfältigen Versuchen, aufzugeben und vom nächsten Bahnhof aus mit dem Zug weiterzufahren, widerstanden zu haben, bin ich schon. Jetzt kann mich der Rennsteig auch nicht mehr schrecken …
oder besser gesagt umgekehrt: skifahren und laufen. das ist eine anstrengende kombination. das habe ich dieses jahr in galtür wieder sehr gemerkt: nach sieben stunden auch nicht gerade purer entspannung auf den skiern noch gut anderthalb stunden laufen zu gehen – und das in den alpen – ist kein leichtes unterfangen. nach drei tagen hatte ich mich aber so halbwegs daran gewöhnt. ich meinte freilich, den einfluss der höhenluft bereits zu spüren (gestartet bin ich auf ca. 1600 m, es ging hinauf bis knapp 2000 m): ich kam öfters ganz schön ins hecheln und der puls war viel zu schnell viel zu weit oben – da bin ich dann doch lieber vorsichtig geworden. unterwegs war ich vor allem auf der silvretta-hochalpenstraßen, die von wirl aus durch das kleinvermunt-tal zur bieler höhe (wo der silvretta-stausee liegt) hinaufführt. die wird ja nicht geräumt, sondern nur von pistenbullys und scootern verdichtet. dennoch lässt es sich darauf ziemlich gut laufen. weniger gut war die andere idee, der versuch, das jamtal hinauf zu laufen: dort hatte die pistenwalz den schnee so weich gelockert, dass ich unentwegt einsank und beim abstoßen keinen festen halt hatte, also unendlich viel kraft benötigte. deshalb beließ ich es dann bei dem einen versuch, obwohl auch diees seitental sehr sehr schön ist. überhaupt ist die trainingswirkung dieser läufe so eine sache: ich meine zu beobachten, dass ich enorm an geschwindigkeit und schnellkraft verloren habe. dafür aber auch noch eine erhebliche portion ausdauer dazugewonnen habe. naja, schaun mer mal, wie sich das jetzt weiter entwickelt …
ein wahnsinniger spaß war es wieder, das diesjährige treffen der monoisten von mono-ski.org in galtür.
sonntags war meine anreise – zum haus vallüla, fast unmittelbar neben dem hotel cassada, wo die meisten anderen logierten. sehr bequem, sonntags sind die züge nämlich ziemlich leer – und ich hatte eine direktverbindung von mainz nach landeck-zams, wo ich in den bus nach galtür umstieg.
am montag ging es dann endlich los: skifahrn!! gleich vorm haus traf ich auf kalle & evelyn. zusammen sind wir dann schon kurz vor neun an den liften gewesen. und es war ein einstieg bei traumwetter: sonne pur. leere pisten, herrliche fahrten – so muss ein skiurlaub beginnen. später stießen dann noch peter und birgit sowie herbert und gabriele dazu. später sammelten wir dann auch noch tilo und stefan ein. kreuz und quer jagten wir so durch’s ja eigentlich recht überschaubare galtüre skigebiet peter zog mich gleich am ersten tag mit in die varianten – aber es lief auch sehr gut, ich musste mich eigentlich überhaupt nicht eingewöhnen. irgendwann am nachmittag stieg peter dann auf seinen abgesägten mini-monoski um – und baute ihn ziemlich schnell im tiefschnee-hang zum faltmono um: bei einem sturz nach vorne schaffte er es, den ski vor der bindung abzuknicken. da er das nicht merkte, ging es danach natürlich auch nicht besonders gut weiter. er versuchte dann zwar noch ganz tapfer, mit dem lädierten ski zum lift zu kommen, gab aber doch bei der nächsten hütte erschöpft auf und ließ sich von kalle einen ersatzski bringen. immerhin kam er so zum dropman-award – und es gibt sogar videoaufnahmen davon!. den abschluss suchten wir neben der piste an der breitspitzbahn – erstaunlich, wie die anderen sich durch die bäume schlängelten …
auch am dienstag herrschte von morgens an immer noch herrlichster sonnenschein. wieder waren wir früh auf der piste und viel und ausgesprochen zügig unterwegs. mittags habe ich dann kalles geschoss, den mountain gun, ausprobiert: ein verdammt schneller ski, der gerade bei hohen tempi aber wie auf schienen läuft, ungeheuer sicher zu fahren ist. da kam ich dann richtig in einen geschwindigkeitsrausch … nach kurzer rückgewöhnung an den tt hammer ging es dann mit kalle in die skiroute 1, eine böse buckelpiste. gerade in den wirklich steilen passagen wurde ich aber nicht so recht glücklich. nachmittags tummelten wir uns dann wieder an der breitspitzbahn – auf und neben den pisten.
am mittwoch – noch einmal sonne pur, meine nasenspitze hat’s nicht so gefreut, den rest von mir aber umso mehr – wurde es dann langsam voll. ralf und berit kamen noch hinzu, fred und annemarie und patric und auch – leider nur kurz – jürgen. vormittags waren die pisten nicht so klasse wie am dienstag, dafür haben wir dann so einige videos gedreht. leider hatte kalles helmkamera einen aussetzer, sonst hätten wir schönes material mit geschwindigkeiten von über 80 km/h (gps-messung) gehabt … nachmittags musste dann noch eine folge für dropman’s world mit einem do-it-yourself-mono gedreht und noch schnell kurz vor schluss an der breitspitzbahn den klassischen nachmittagsabschluss gefahren. am abend ging es dann wieder weiter: von 19.30 an startete der nachskilauf – diesmal recht gut besucht, was sich aber auch allmählich relativierte. spaß gemacht hat es aber auf jeden fall wieder eine menge.
am donnerstag war das wetter leider schlecht bzw. vor allem die sicht: morgens fiel noch ein wenig nasser schnee, der wind blies recht ordentlich bei durchaus warmen temperaturen. leider war meine lieblingspiste, die schwarze 1, nicht präpariert worden – das war dann doch nicht so lustig. allmählich klarte es aber auf und wir sind noch ein wenig in die buckelpiste gefahren. mit dem mako von berit ging das doch ein wenig leichter – leider hatten wir beim umstellen nur vergessen, den z‑wert anzupassen. das führte dann zu dem blöden fall, dass er auf einmal fast vom fuß fiel und ein gutes stück den berg hinab ratterte. durch die vielen skiwechsel war der tag etwas chaotisch – ständig wurde irgendwo geschraubt und angepasst. es waren eben so einige polygame monoisten da. gefahren bin ich: snowshark von mako, andreas’ duret mountain sl 177 (ein toller, leichter allround-ski), kalles mountain gun (ein 1,94 langes geschoss von snowshark), noch ein wenig nordicboard und dann das yamatool. abgeschlossen haben wir dann mit den höllisch schweren monoski-prüfungen für dropman’s world im skikindergarten.
am freitag lief es sehr rund – ein schöner skitag bei mittelmäßigem wetter. dafür war der samstag dann noch einmal so richtig klasse: mit franz und andreas sowie tilo vor allem über die pisten gebrettert. und dann haben wir auch noch die lifttrasse der birkhahnbahn unter die skier genommen. das war schon ziemlich geil: dicker, tiefer weicher schnee, der auch im steilsten hang noch sehr gut hielt und das ganze etwas verlangsamte – was mir sehr entgegenkam … etwas blöd und unangenehm war nur, dass eine gewaltige ladung bustouristen angekommen war: allein 8 busse aus offenburg in schwaben, von irgend einem radiosender. das hat das publikum auf der piste total verändert: nicht nur, dass dadurch auffällig viele mittelmäßige und schlechte skifahrer als lebendende (und gemütlich sich bewegende) slalomstangen unterwegs waren. natürlich waren das auch solche grüppchen, die morgens um halb zehn vor der ersten liftfahrt erst mal den großen flachmann aus der tasche kramten – da krieg’ ich ja schon immer genug. denn schließlich ist skifahren sport – auch wenn man es vielleicht nicht so fordernd betreibt wie wir. aber das vergessen ja immer wieder viele. kein wunder war es dann auch, dass der krankenwagen mehrmals benötigt wurde. und auch die hubschrauber hatten am samstag viel zu tun (wenn auch nicht in galtür)
daztu kam dann natürlich noch jeden nachmittag – nach kurzem einkehrschwung – das laufen (doch dazu habe ich einen eigenen eintrag geschrieben): meist auf der silvretta-hochalpenstraße (d.h. auf festem schneegrund). dadurch war ich dann fast gar nicht in meinem zimmer – denn abends haben wir uns natürlich auch noch einmal zusammengesetzt. das gehört nämlich unbedingt dazu beim monoskitreffen: das gemütliche zusammensitzen mit mehr oder minder hitzigen diskussionen und gesprächen rund um den mono oder auch nicht … mit so viel netten leuten zusammen macht das fast so viel spaß wie das skifahren tagsüber …
endlich! der erste lauf im schnee! zumindest fast. denn in erbach war am sonntag mittag der meiste schnee von samstag vormittag schon wieder verschwunden – geschmolzen von der kräftigen sonne und den zu hohen temperaturen. doch auf dem weg nach bullau wurde die schneedecke immer dichter und höher. und als ich dann am wasserwerk aus dem wald kam, belohnte mich ein wunderbarer blick (das wetter war ja auch herrlich: strahlender sonnenschein) über die verschneite bullauer ebene für den langen und recht zähen (die waden fühlten sich sehr hart an dieses mal) aufstieg. das hat mich so beflügelt, dass ich viel zu schnell übers bullauer bild zum jägertor und nach würzberg gedüst bin. auch die würzberger ebene war wunderschön mit dem schnee und der vielen sonne. deshalb waren wahrscheinlich auch so wahnsinnig viele spaziergänger mit ihren autos angereist … vorbei am friedhof ging es vor zur mangelbach – kurz davor war auch das erste stück im wald, das mich richtig forderte: der schmale weg, der schnee, die tief hängenden zweige – ein richtiger hindernisparcour. durch die mangelsbach ging es dann weiter recht flott vorbei am lochbrunnen und hinab ins lochbrunnental. dem folgte ich bis fast an die hainstermühle. dort geht dann der etwas versteckte weg ab hinunter zum bächlein, der den anschluss an das boxbrunner wegenetz sichert. da hatte ich dann gut 22 kilometer in den beinen. und mich erwartete noch ein ziemlich heftiger aufstieg: der weg nach boxbrunn war doch einiges steiler und auch etwas länger als ich nach dem kartenstudium vermutet hatte (da merke ich immer wieder meine mangelnde kartenerfahrung …) aber irgendwann hatte ich mich dann keuchend den berg hochgequält und war in boxbrunn angelangt. dort ging es schnell über die b 47 und wieder in den wald, um mit einigen windungen und kurven den bogen nach eulbach zu schlagen. hier wurde es richtig winterlich: kalt und weiß. der schnee lag hier ziemlich hoch, gut 15 zentimeter feinstes pulver. und bald traf ich auch – das erste mal an diesem tag – auf quasi jungfräuliche wege: außer ein oder zwei rehen hatte noch kein lebewesen die schneedecke durchbrochen. hier, in dem immer ziemlich sumpfigen waldstück, geschah mir dann auch noch ein kleines, ziemlich blödes ungeschick: ich stand auf einmal bis über den knöchel mit dem rechten fuß in einem wasserloch. das war dann eine ganze weile verdammt kalt – so knapp zwanzig minuten hat es gedauert, bis der fuß wieder betriebstemperatur hatte. da war ich dann inzwischen schon durch eulbach hindurch und auf dem weg zum habermannskreuz hinunter. inzwischen machte sich auch das hohe tempo ab bullau bemerkbar: obwohl es stetig bergab ging, wurde es doch allmählich recht anstrengend. und ab dem habermannskreuz kam dann noch eine gewaltige schlammschlacht hinzu: der weg war dermaßen glitschig und rutschig, dass ich eigentlich nur von einer seiter zur anderen getaumelt bin. aber irgendwie ging’s dann doch noch vorwärts und der gräsig rückte immer näher. von dort ist es dann ja nur noch ein katzensprung nach hause – so langsam hat es mir aber auch gereicht. zumal es, nachdem die sonne jetzt verschwunden war, doch ziemlich kühl wurde. das waren dann ingesamt ziemlich genau 35 kilometer, die ich in 3:15:45 hinter mich brachte.
und weil das wetter so schön war, hatte ich sogar mal den foto dabei:
du läufst.
irgendwann fängst du an, die tage zu zählen: 10, 20, 50, 100 – da ist schon das erste vierteljahr geschafft.
du läufst durch den prasselnden hagel und den leise niederrieselnden schnee. du freust dich über die weiße pracht. das laufen durch verschneite wälder am frühen nachmittag. du holst die stirnlampe hervor und rennst sogar im dunkeln durch den wald und scheuchst dabei das spärliche wild und dessen jäger auf. du lässt dich für verrückt erklären, weil du nach einem langen skitag auch noch die laufschuhe hervorkramst. du stolperst über wurzeln und steine. du rutscht auf eisplatten aus und schlägst dir die hände blutig. du beobachtest, wie der schnee schwindet und auch die letzten schattenlöcher wieder braun und grün werden.
du siehst, wie die sämaschinen über die äcker rumpeln. wie die ersten weizenkeimlinge sprießen. du siehst den mais wachsen. das gras grünen und wieder welk werden. du ziehst immer weniger zum laufen an. du nimmst immer mehr wasser mit. du wirst braun wie ein neger – aber nur an armen und beinen. du zerläufst in der hitze der hundstage. aber du läufst.
du lauschst den tropfen auf dem blätterdach und dem murmeln des bächleins, dass sich durch die wiesen und weiden schlängelt. du lässt dich von den kühen, schafen, ziegen und pferden teilnahmslos anglotzen.
du sieht die mähdrescher und bald auch die rübenvollernter übers land ziehen. du ärgerst dich über die staubfahnen, die von den ausgetrockneten feldern über dich wehen. du freust dich über jedes laue lüftchen. du siehst die wälder gelb und rot werden und entzückst dich an dem sonnenlicht, das durch den bunten herbstwald strahlt. du beobachtest, wie der wein gelesen wird. du siehst die blätter fallen und eine wunderbar rutschige schicht auf den waldwegen bilden. du spürst die herbstwinde wehen. du merkst, wie selbst der rhein austrocknet und die kiesbänke aus den fluten auftauchen. und du siehst immer wieder die schiffe vorbeiziehen – manche überholst du, viele ziehen an dir vorbei.
du lässt dich auch von dem regelmäßigen knirschen deiner eigenen füße auf dem sandweg nicht verrückt machen, sondern findest nach zehn oder zwanzig kilometern einen ganz neuen schwebezustand der wahrnehmung. du goutierst sogar das stundenlange getrappel von mehreren dutzend füßen auf asphalt, dass dich am sonntagmorgen begleitet.
du freust dich über die nebelschwaden am rhein. du merkst auf einmal, dass der herbst schon fast vorüber ist, wenn du die langen laufhosen aus dem schrank kramst. du hörst samstags die motorsägen im wald heulen und die äxte klirrend auf die spaltkeile treffen. du riechst den wunderbaren geruch des frisch geschlagenen holzes.
du läufst morgens, mittags und abends. und manchmal auch mitten in der nacht. du bist bei vollmond unterwegs und in den düsteren tagen des neumonds. du läufst unter klarem himmel und bewunderst immer wieder die weite des sternenhimmels. du siehst, wie sich der mond im teich spiegelt und freust dich, dass außer dir niemand die ruhe der nacht stört. du freust dich auch über einen sanften frühsommerschauer und ärgerst dich schon wieder über den ersten herbsthagel.
du siehst rehe, füchse, eichhörnchen, mäuse und fasane, eichelhäher, raben und krähen. du machst respektvoll einen bogen um die wildschweine. du stolperst über die stadttauben, die dich schon so gut kennen, dass sie dir überhaupt nicht mehr ausweichen. die pferde stieben davon, wenn sie dich schnaufend um die ecke laufen bemerken. die weiderinder lassen sich beim wiederkäuen nicht stören. du rechnest immer noch bei jedem frei laufenden hund mit dem schlimmsten.
du überholst (nordic) walker, spaziergänger und wanderer. du ziehst an radfahrern und inline-skatern vorbei und lässt reiter und kutschen hinter dir. mit den mountainbikern lieferst du dir heiße kämpfe, wer den hügel schneller hinauf kommt – und nicht immer gibst du dich geschlagen. du schlängelst dich durch die fußgängerzone und irrst über die feldwege. du kämpfst dich durch längst verwachsene und vergessene waldwege und suchst immer neue pfade durch dein revier. du entdeckst selbst dort, wo du schon zwanzig jahre unterwegs bist, neue wege. du erinnerst dich an alte pfade aus frühen zeiten. du findest niemand mehr, der mit dir laufen mag. aber du läufst.
du ärgerst dich über die forstarbeiter, die mit ihren riesenmaschinen jeden weg in eine schlammpiste verwandeln und halbe bäume auf deinen laufrouten hinterlassen. und zugleich freust du dich über die herausforderung, diese etappe in der nächsten woche ein wenig flotter und eleganter zu meistern. du springst über baumstämme und kriechst unter ästen hindurch, windest dich auch ohne weg durch den ungepflegten dämmrigen wald. du regst dich über jäger auf, die mit fünfzig sachen auf dem weg zu ihrem hochsitz an dir vorbeibrausen und deine hacken nur um haaresbreite verfehlen.
du wunderst dich über angler, die stundenlang nahezu bewegunslos vor ihrer angel sitzen, in den fluss starren und das ganze sport nennen. du durchbrichst ganz unbewusst und aus versehen zum ersten mal die schallmauer der 100-wochenkilometer. und weil du gerade beim laufen bist, hängst du noch so eine woche hintendran. und noch eine. denn du läufst. täglich.
du fängst irgendwann an, einen trainingsplan zu suchen. und du läufst dann wie ein irrer eine stunde im kreis auf der finnen- und tartanbahn. du keuchst und stöhnst über die verrückte idee, nach einem langen tag in den engen und stickigen hörsälen noch ein intervalltraining machen zu wollen. aber du merkst, wie du immer fitter und schneller wirst. du läufst deinen ersten marathon und kannst dich vor begeisterung kaum noch einkriegen.
du sammelst schuhe. du wirst zum experten für gps-aufzeichnungen und pulsfrequenzen. du fängst sogar an, über deine ernährung nachzudenken. und du liest von wildfremden leuten lange berichte über besonders schöne und spannende läufe.
oder du stehst mitten in der nacht auf, um vor einem langen tag im reisebus wenigstens noch drei kilometer abzuspulen und bist trotzdem als erster beim frühstück. du nervst deine freunde, weil du immer am überlegen bist, wo und wie du am besten laufen gehst – selbst im urlaub. du lässt auch deine gedanken laufen, du gehst den vergangenen tag noch einmal durch und überlegst, was noch auf dich zukommen wird in den nächsten stunden. du probierst sätze und argumente, du wälzt probleme und ersinnst lösungen. du rennst dir den frust aus dem leib. du schwebst vor lauter euphorie über die wege. du spulst kilometer um kilometer ab und kommst doch nicht vom fleck. aber du läufst.
du wirst toleranter: die verrücktesten spinner erscheinen dir auf einmal ganz normal. denn du läufst immer noch. jeden tag. selbst wenn das heißt, dass du deine laufschuhe ins boot packen musst. oder dass du barfuß losrennst, damit deine blase endlich mal ein paar tage ruhe zum heilen hat.
und endlich lernst du deinen weg lieben wie sisyphos seinen stein (auch wenn es bei langen trainingsläufen manchmal schwer fällt, jemandem zu erklären, warum du dir das antus): camus hatte recht. und du läufst und läufst und läufst.
ganz einfach.
jeden tag
es war klar, dass es ein stressiger tag werden würde: ab acht uhr an der uni (zu spät kommen geht heute nicht, sonst bekommt man keinen sitzplatz mehr), nachmittags dann früher aus der übung und direkt zum bahnhof, um in den odenwald zu fahren (was trotz lokführer-streik klappen sollte), dort wieder direkt vom bahnhof zum auftritt und danach irgendwann in der nacht nach hause kommen. also war klar: laufen muss ich morgens – denn jetzt, so kurz vor dem erreichen der 365 tage des täglichen laufens, wollte ich die serie nicht reißen lassen. schon gar nicht wegen so einer lappalie. also stellte ich den wecher auf viertel nach sechs. gut, bis ich dann aus dem warmen bett gekrochen und in die laufsachen geschlüpft war, war es schon halb sieben. und ich verfluchte mich mal wieder für die schnapsidee mit dem unbedingten täglichen laufen … draußen war es zwar nach dämmrig und nach der klaren nacht verdammt kalt (so 0 °C sind in mainz schon fast extrem ;-)). aber sobald ich am rhein war, wurde es doch wieder richtig schön: der sonnenaufgang sorgte für herrliches morgenrot, dass sich ganz ausgezeichnet in den blassblaugrauen himmel verlief, in dem sich auch noch ganz malerisch einzelne verwischte wölkchen herumtrieben – einfach herrlich. also immerhin eine kleine entschädigung dafür, dass ich so tapfer war, zu dieser unchristlichen zeit meine kleine hausrunde zu absolvieren. gemeiner als die frühe stunde war allerdings der umstand, dass mein mitbewohner sich offenbar heute morgen nach der rückkehr von seiner partytour noch ein paar eier gebraten hat – zumindest roch das so. und das ist auf leerem magen eine gemeinheit. nachdem ich also schön eine gute halbe stunde getrabt war, gedehnt und geduscht, war es auch schon fast zeit, an die uni zu fahren. dort wartete dann die erste unagenehme überraschung: die morgen-vorlesung fällt aus. na super. da ich danach sowieso freie zeit hatte, bin ich halt wieder heim getigert. und kam immerhin dazu, dass hier zu schreiben. mal sehen, wie der tag sich noch so entwickelt …
das wetter hat in diesem jahr nicht so ganz mitgespielt. der 20. arque-lauf von kelkheim nach mainz war aber trotzdem eine schöne sache. gut, petrus schickt unfreundliches feucht-kaltes wetter. aber eigentlich war es gar nicht so sehr kalt, nur ein sehr fieser, schneidender wind von beträchtlicher geschwindigkeit in böen, der einen dann doch zum frieren brachte – vor dem start und auch unterwegs so einige male. vor allem auf den brücken blies der wind – natürlich immer von vorn oder wenigstens schräg von vorne. vor hochheim versucht die sonne, die wolken beiseite zu schieben, hatte damit aber nur sehr momentan ein wenig erfolg. na ja, das ist alles nicht so schlimm – es ist schließlich november. und richtig geregnet hat es erst, als wir auf dem mainzer domplatz hinter dem ziel unsere getränke tankten … da wurde es dann leider ziemlich ungemütlich, weshalb ich bald ab nach hause bin – wie viele andere auch.
die strecke des arque-laufs hat eine etwas seltsame länge: 17.248 €meter = 33.735 Meter, denn ein eurometer ist logischerweise 1,95583 Meter lang. das sind 80% eines marathons. zum ersten mal gab es diese jahr auch die möglichkeit, kürzere teilstrecken zu laufen und entsprechend später einzusteigen. das waren dann noch 10.848 €m = 21.218 Meter (sprint l genannt), 6.948 €m = 13.590 Meter (sprint m) und 4.048 €m = 7.918 Meter (sprint s). so arg viele habe ich da aber nicht gesehen. das geschah jeweils an den verpflegungsstellen, wo es reichlich bananen, warmen tee, und bei den späteren auch cola, wasser etc. gab. gelaufen werden alle strecken in festen gruppen, die von pacemakern in einem kilometer-schnitt von 4:30 aufwärts in abständen von 30 sekunden geführt werden und zeitversetzt starten. etwas unsicher war ich vorher nur, wie ich die verpflegungsstellen überstehen würden. denn hier hält die gruppe geschlossen an und macht sozusagen rast – aber zum glück ging es immer zügig weiter. und obwohl ich sonst eigentlich lieber durchlaufe, ging das wieder anlaufen ohne problem vonstatten.
der lauf führt von zwei startplätzen in kelkheim (ich startete vom sportgelände reis aus, weil der dom-shuttle nur dorthin fuhr) zunächst hinunter in den ort, wo wir uns mit den wenigen läufern der gruppe b des anderen startplatzes vereinigten und dann wieder den berg hinauf – immerhin ist kelkheim schon taunus ;-) – sehr schön fand ich dann das stück durch den gundelhard-wald hinunter nach hofheim. von dort führt die strecke auf der straße nach marxheim (zur ersten verpflegungsstelle) und weiter über die a66 nach weilbach. dann geht es noch über die a3 und nun weiter auf feldwegen oberhalb von flörsheim vorbei. kurz vor hochheim trifft die strecke dann auf den main (ich hatte mir aus irgendeinem grund eingebildet, das geschehe schon viel früher und die ganze zeit darauf gewartet) und folgt diesem bis kurz vor die mündung in den rhein, biegt dort aber ab und geht durch kostheim über die theodor-heuss-brücke nach mainz. dort haben wir die versprengten fastnachter und die paar wenigen mainzer noch gehörig mit unseren sprechchören – „erbarmen! zu spät! die hesse komme!” – verschreckt und sind dann mit diesem schlachtruf auch über den liebfrauenplatz um den dom bis ins ziel auf den domplatz gebrettert (die letzten versuche der pacemaker, das tempo zu drosseln, waren zum scheitern verurteilt – vor allem, weil sie selbst einfach nicht langsamer wurden), den wir nach 2 stunden und 47 minuten (reine laufzeit, ohne die pausen) erreichten.
der arque-lauf hat wirklich eine ausgesprochen schöne streckenführung. viele wald- und feldwege (die in deutschland ja dummerweise fast alle asphaltiert sind), er führt durch die ausläufer des taunus und die weinberge am main (und knapp vorbei am tor zum rheingau). bei schönem wetter ist das bestimmt eine herrliche tour. wir wurden dabei fast ständig von polizei und krankenwagen (der leider auch einmal zum einsatz kam) begleitet, die für einen wirklich reibungslosen ablauf sorgten – so müsste man immer laufen können: die autofahrer müssen warten, bis man über die kreuzung ist und man hat die ganze straße für sich allein.
und es gibt hier gute tempomacher: kleine schwankungen sind natürlich dabei, aber alles in allem fand ich das vorgegebene tempo angenehm konstant und auch an den auf- und abstiegen gut zu laufen. sehr schön, das laufen mit tempomat – auch eine neue erfahrung für mich. meine bedenken, ob ein 5er-schnitt auf dieser strecke nicht zu schnell sei, waren da bald verflogen. gut, die ersten kilometer liefen noch etwas holprig – ich war halt wieder zu faul, mich einzulaufen. um kilometer 22–25 etwa ging’s auch mal etwas zäher. aber danach lief es wieder ganz und gar problemlos. denn ganz ausgepowert war ich jetzt immer nicht – wohlig erschöpft schon … die gruppe ist auch erstaunlich gut zusammen geblieben – das hätte ich nicht so erwartet. erst recht spät zog sie sich etwas auseinander. und ich muss sagen, mit so einem vorgegebenen tempo und in der gruppe läuft es sich doch ausgesprochen angenehm und leicht. das tempo war nie ein problem für mich – obwohl ich mir auf der länge im moment nicht so besonders viel mehr zutraue. den 4:49er-schnitt, den mir mein trainingsplan vicsystem vorschlug, hätte ich – wäre ich das als wettkampf gelaufen – vielleicht noch geschafft. aber viel mehr sicherlich nicht.
auch sonst fand ich die organisation einfach wunderbar – da kann man wirklich nichts sagen. und dass am startplatz reis nur zwei toiletten zur verfügung stehen, lässt sich auch verschmerzen. meine startnummer – die gab es in diesem jahr zum ersten mal auch – konnte ich allerdings nicht befestigen, weil ich in meiner tüte keine sicherheitsnadeln fand und selbst keine dabei hatte. aber die brauchte man eigentlich auch nur, um seinen kleiderbeutel im ziel wiederzufinden. doch 9899 kann ich mir sogar beim laufen 3 stunden merken. und ich war nicht der einzige ohne nummer: in meiner gruppe lief tatsächlich einer mit nacktem oberkörper (bei knapp 10 °C) und kurzen hosen. dafür aber mit sonnenbrille (ich frage mich allerdings, wie so jemand im sommer bei 30 °C läuft – noch weniger kann er ja kaum anziehen, ohne anstoss zu erregen).
und etwas gutes tut man auch noch: das startgeld von 27 euro (mit großzügiger verpflegung an drei stationen und t‑shirt, das man sogar anziehen kann, ohne augenkrebs zu bekommen) ist eine spende für die namensgebende arque, die „die Interessen von Menschen mit angeborener Querschnittlähmung (Spina bifida) und Störung des Gehirnwasserkreislaufes (Hydrozephalus)” vertritt. und es gibt außerdem auch noch bustransfers – sogar vom ziel zum start morgens, für mich sehr praktisch. da muss man zwar früh aufstehen, denn abfahrt ist schon um 7.15. aber das ist wunderbar bequem. nach dem lauf dann noch die drei minuten heim spaziert und die herrlich heiße dusche genossen. und weil’s mir so gut gefallen hat, habe ich mir den nächsten arque-lauf schon wieder fest vorgenommen.
und so sieht sie aus (nicht von den pfeilen verwirren lassen, die hat sporttracks diesmal sehr seltsam gesetzt):

jetzt sind sie wieder unterwegs. spätestens seit der umstellung auf die normale zeit am wochenende treten sie wieder gehäuft auf: läufer, die ausgestattet sind wie wandelnde lichterbäume. da blitzt und blinkt und glitzert es an allen enden. besonders schön sind aber diejenigen, die unbedingt eine kopflampe brauchen. komisch, als es noch keine leds gab, ging es auch ohne. jetzt aber anscheinend überhaupt nicht mehr. dabei ist es gerade auf der dreibrückenrunde, die ich heute lief, fast alles beleuchtet. und der rest ist auch noch so hell, dass man das eigentlich immer ohne lampe laufen kann. mal davon abgesehen, dass der weg sowieso so gut ist, dass auch dunkelheit kein hindernis ist. aber der größte witz sind ja die läufer, die ihre tollen lampen ca. 50 cm vor ihre füße richten – die bekommen überhaupt nichts mehr mit. heute hätten mich zwei beinahe umgerannt … und geblendet haben sie mich natürlich auch mit ihren scheinwerfer …
um keine missverständnisse aufkommen zu lassen: ich habe auch eine stirnlampe. aber ich benutze sie halt nur, wenn es nötig ist: bei neumond. bei bewölktem himmel. auf unbekannten wegen. im wald. auf schlechten oder nicht vorhandenen wegen. und man kann die dinger natürlich auch ausschalten. ohne ist das laufen viel schöner und angenehmer und erlebnisreicher …
