Lesen. Hören. Und ein bisschen schreiben.

Kategorie: laufen Seite 6 von 9

die ersten 1000 km sind geschafft

mit dem lauf von bin­gen nach mainz habe ich heu­te die gren­ze über­schrit­ten: die ers­ten 1000 km sind in die­sem jahr gelau­fen. trotz des etwas ver­hal­te­nen beginns ist das gar nicht so schlecht: 2,5 mona­te. wenn ich so wei­ter mache, dürf­te das mit den 5000 km in 2008 (eines mei­ner eher locke­ren zie­le für die­ses jahr) sogar klap­pen – wenn nichts dazwi­schen kommt.

der ultramarathonmann

als vor­be­rei­tung auf den renn­steig-super­ma­ra­thon sozu­sa­gen schon ein­mal pas­sen­de lek­tü­re: dean kar­na­zes’ ultra­ma­ra­thon­man. aus dem leben eines 24-stun­den-läu­fers (riva 2008). eini­ge beein­dru­cken­de lauf­schil­de­run­gen ver­sam­melt er dort, vor allem die erfah­rung sei­nes ers­ten offi­zi­el­len ultras, des 100 mei­len-lau­fes wes­tern sta­tes endu­rance. danach wird’s dann etwas, nun­ja, ver­rückt: bad­wa­ter hal­te ich ja schon für grenz­wer­tig, aber einen mara­thon zum süd­pol – das ist schon etwas selt­sam. und es hat ja selbst für sol­che läu­fer nur mit bie­gen und bre­chen funk­tio­niert. ansons­ten ganz net­tes büch­lein (lei­der nicht sehr inspie­rend über­setzt – höhen­an­ga­ben in fuß hel­fen mir nicht sehr viel …), das immer wie­der um den gedan­ken kreist, war­um men­schen eigent­lich sol­che extre­me din­ge tun. und das vor allem so ehr­lich ist, dar­auf kei­ne wirk­li­che ant­wort zu haben. ange­nehm auch, dass er rein auf sich selbst fixiert bleibt: plat­zie­run­gen und ergeb­nis­se spie­len (fast) gar kei­ne rol­le: hier – zumin­dest in dem buch – geht es kar­na­zes um das erleb­nis des lau­fens, die erfah­rung der über­win­dung aller mög­li­chen schmerzen …

so eini­ges wah­res steht da drin: „Lau­fen bedeu­te­te in ers­ter Linie: raus­ge­hen und Erfah­run­gen sam­meln. Ich sah, wie Gebäu­de ent­stan­den, wie die Vögel nach Süden zogen, un ich Wech­sel der Jah­res­zei­ten sah ich die Blät­ter fal­len und die Tage kür­zer wer­den“ (s. 30) – es ist im prin­zip banal und so ziem­lich jeder läu­fer hat dies wohl schon bemerkt. aber es stimmt. naja, von der art gibt es eine men­ge beob­ach­tun­gen und mei­nun­gen hier.

mein schlimmster lauf

… war heu­te der Long-Jog. Mein Trai­nings­plan sah vor: 39 km @ 5:13. Eine schö­ne Rou­te hat­te ich mir auch schon aus­ge­dacht und woll­te dabei gleich mein neu­es Gar­min Etrex auf die Pro­be stel­len: Den Anfang habe ich näm­lich vor eini­gen Wochen schon ein­mal lau­fen wol­len und mich dabei ziem­lich bös ver­franzt … Nun­ja, der Sonn­tag war also frei, ordent­lich gefrüh­stückt hat­te ich auch. Was aber nicht mit­spiel­te, war das Wet­ter: Seit Frei­tag hat­te es im Oden­wald ziem­lich hef­tig gereg­net und am Sams­tag auch noch gestürmt. Von der War­nung vor dem Betre­ten der Wäl­der habe ich mcih aber nicht abhal­ten las­sen. Um es gleich zu sagen: Die Sturm­schä­den waren auch – viel war es auch gar nicht – über­haupt kein gro­ßes Pro­blem: Eini­ge Bäu­me zum drü­ber­klet­tern, paar mal unten durch­ge­schlüpft – alles kei­ne gro­ße Sache. Schlim­mer war das Was­ser. Das kam näm­lich nach den ers­ten 15 Minu­ten fast durch­ge­hend. Und es kam aus allen Rich­tun­gen: Von oben, von unten, von der Sei­te, von vorn und hin­ten. Das hat mich doch zuneh­mend zer­mürbt. Irgend­wann waren mei­ne Kla­mot­ten dann näm­lich drei­mal so schwer wie im Nor­mal­fall, selbst die Ein­le­ge­soh­len der Lauf­schu­he hat­ten dop­pel­tes Gewicht. Noch ner­vi­ger war aber, dass es ja schon drei Tage aus­ge­spro­chen hef­tig reg­ne­te. Und die Weg sahen ent­spre­chend aus: Stel­len­wei­se waren das eher Bäche als gang­ba­re Wege. Und wo das Was­ser nicht in Strö­men floss, war ent­we­der der hal­be Weg schon abge­schwemmt oder die gan­ze Brei­te der­ma­ßen auf­ge­weicht, dass jeder Abdruck zu einem sehr aus­drucks­star­ken Bewe­gungs­vor­gang führ­te: Mit Hän­den und Füßen in allen Rich­tun­gen her­umei­ern, um den Sturz zu ver­mei­den und das Gleich­ge­wicht wie­der zu find­ne. Ok, das ist jetzt ein klein wenig über­trie­ben ;-). Aber so wid­ri­ge Bedin­gun­gen hat­te ich tat­säch­lich noch bei kei­nem Lauf. Zumin­dest nicht über gut 3,5 Stun­den. Und ihr könnt mich jetzt für total ver­rückt hal­ten: Irgend­wie war es am Ende dann doch wie­der gro­ße Klas­se. Denn jetzt bin ich mir sicher, dass mich kaum noch etwas schre­cken kann. Und ich weiß, das ich auch bei ech­tem Mist­wet­ter noch ganz ordent­li­che Zei­ten lau­fen kann. Es gehört zwar eini­ge gehö­ri­ge Por­ti­on Idio­tie dazu, so etwas zu machen – aber stolz dar­auf, es tat­säch­lich durch­ge­zo­gen zu haben und den viel­fäl­ti­gen Ver­su­chen, auf­zu­ge­ben und vom nächs­ten Bahn­hof aus mit dem Zug wei­ter­zu­fah­ren, wider­stan­den zu haben, bin ich schon. Jetzt kann mich der Renn­steig auch nicht mehr schrecken …

laufen und skifahren

oder bes­ser gesagt umge­kehrt: ski­fah­ren und lau­fen. das ist eine anstren­gen­de kom­bi­na­ti­on. das habe ich die­ses jahr in gal­tür wie­der sehr gemerkt: nach sie­ben stun­den auch nicht gera­de purer ent­span­nung auf den ski­ern noch gut andert­halb stun­den lau­fen zu gehen – und das in den alpen – ist kein leich­tes unter­fan­gen. nach drei tagen hat­te ich mich aber so halb­wegs dar­an gewöhnt. ich mein­te frei­lich, den ein­fluss der höhen­luft bereits zu spü­ren (gestar­tet bin ich auf ca. 1600 m, es ging hin­auf bis knapp 2000 m): ich kam öfters ganz schön ins hecheln und der puls war viel zu schnell viel zu weit oben – da bin ich dann doch lie­ber vor­sich­tig gewor­den. unter­wegs war ich vor allem auf der sil­vret­ta-hoch­al­pen­stra­ßen, die von wirl aus durch das klein­ver­munt-tal zur bie­ler höhe (wo der sil­vret­ta-stau­see liegt) hin­auf­führt. die wird ja nicht geräumt, son­dern nur von pis­ten­bul­lys und scoo­tern ver­dich­tet. den­noch lässt es sich dar­auf ziem­lich gut lau­fen. weni­ger gut war die ande­re idee, der ver­such, das jamt­al hin­auf zu lau­fen: dort hat­te die pis­ten­walz den schnee so weich gelo­ckert, dass ich unent­wegt ein­sank und beim absto­ßen kei­nen fes­ten halt hat­te, also unend­lich viel kraft benö­tig­te. des­halb beließ ich es dann bei dem einen ver­such, obwohl auch die­es sei­ten­tal sehr sehr schön ist. über­haupt ist die trai­nings­wir­kung die­ser läu­fe so eine sache: ich mei­ne zu beob­ach­ten, dass ich enorm an geschwin­dig­keit und schnell­kraft ver­lo­ren habe. dafür aber auch noch eine erheb­li­che por­ti­on aus­dau­er dazu­ge­won­nen habe. naja, schaun mer mal, wie sich das jetzt wei­ter entwickelt …

Monoskitreffen in Galtür

ein wahn­sin­ni­ger spaß war es wie­der, das dies­jäh­ri­ge tref­fen der mono­is­ten von mono​-ski​.org in galtür.

sonn­tags war mei­ne anrei­se – zum haus val­lü­la, fast unmit­tel­bar neben dem hotel cassa­da, wo die meis­ten ande­ren logier­ten. sehr bequem, sonn­tags sind die züge näm­lich ziem­lich leer – und ich hat­te eine direkt­ver­bin­dung von mainz nach lan­deck-zams, wo ich in den bus nach gal­tür umstieg.

am mon­tag ging es dann end­lich los: ski­fahrn!! gleich vorm haus traf ich auf kal­le & eve­lyn. zusam­men sind wir dann schon kurz vor neun an den lif­ten gewe­sen. und es war ein ein­stieg bei traum­wet­ter: son­ne pur. lee­re pis­ten, herr­li­che fahr­ten – so muss ein ski­ur­laub begin­nen. spä­ter stie­ßen dann noch peter und bir­git sowie her­bert und gabrie­le dazu. spä­ter sam­mel­ten wir dann auch noch tilo und ste­fan ein. kreuz und quer jag­ten wir so durch’s ja eigent­lich recht über­schau­ba­re gal­tü­re ski­ge­biet peter zog mich gleich am ers­ten tag mit in die vari­an­ten – aber es lief auch sehr gut, ich muss­te mich eigent­lich über­haupt nicht ein­ge­wöh­nen. irgend­wann am nach­mit­tag stieg peter dann auf sei­nen abge­säg­ten mini-mono­ski um – und bau­te ihn ziem­lich schnell im tief­schnee-hang zum falt­mo­no um: bei einem sturz nach vor­ne schaff­te er es, den ski vor der bin­dung abzu­kni­cken. da er das nicht merk­te, ging es danach natür­lich auch nicht beson­ders gut wei­ter. er ver­such­te dann zwar noch ganz tap­fer, mit dem lädier­ten ski zum lift zu kom­men, gab aber doch bei der nächs­ten hüt­te erschöpft auf und ließ sich von kal­le einen ersatz­ski brin­gen. immer­hin kam er so zum drop­man-award – und es gibt sogar video­auf­nah­men davon!. den abschluss such­ten wir neben der pis­te an der breit­spitz­bahn – erstaun­lich, wie die ande­ren sich durch die bäu­me schlängelten …

auch am diens­tag herrsch­te von mor­gens an immer noch herr­lichs­ter son­nen­schein. wie­der waren wir früh auf der pis­te und viel und aus­ge­spro­chen zügig unter­wegs. mit­tags habe ich dann kal­les geschoss, den moun­tain gun, aus­pro­biert: ein ver­dammt schnel­ler ski, der gera­de bei hohen tem­pi aber wie auf schie­nen läuft, unge­heu­er sicher zu fah­ren ist. da kam ich dann rich­tig in einen geschwin­dig­keits­rausch … nach kur­zer rück­ge­wöh­nung an den tt ham­mer ging es dann mit kal­le in die ski­rou­te 1, eine böse buckel­pis­te. gera­de in den wirk­lich stei­len pas­sa­gen wur­de ich aber nicht so recht glück­lich. nach­mit­tags tum­mel­ten wir uns dann wie­der an der breit­spitz­bahn – auf und neben den pisten.

am mitt­woch – noch ein­mal son­ne pur, mei­ne nasen­spit­ze hat’s nicht so gefreut, den rest von mir aber umso mehr – wur­de es dann lang­sam voll. ralf und berit kamen noch hin­zu, fred und anne­ma­rie und patric und auch – lei­der nur kurz – jür­gen. vor­mit­tags waren die pis­ten nicht so klas­se wie am diens­tag, dafür haben wir dann so eini­ge vide­os gedreht. lei­der hat­te kal­les helm­ka­me­ra einen aus­set­zer, sonst hät­ten wir schö­nes mate­ri­al mit geschwin­dig­kei­ten von über 80 km/​h (gps-mes­sung) gehabt … nach­mit­tags muss­te dann noch eine fol­ge für dropman’s world mit einem do-it-yours­elf-mono gedreht und noch schnell kurz vor schluss an der breit­spitz­bahn den klas­si­schen nach­mit­tags­ab­schluss gefah­ren. am abend ging es dann wie­der wei­ter: von 19.30 an star­te­te der nach­ski­lauf – dies­mal recht gut besucht, was sich aber auch all­mäh­lich rela­ti­vier­te. spaß gemacht hat es aber auf jeden fall wie­der eine menge.

am don­ners­tag war das wet­ter lei­der schlecht bzw. vor allem die sicht: mor­gens fiel noch ein wenig nas­ser schnee, der wind blies recht ordent­lich bei durch­aus war­men tem­pe­ra­tu­ren. lei­der war mei­ne lieb­lings­pis­te, die schwar­ze 1, nicht prä­pa­riert wor­den – das war dann doch nicht so lus­tig. all­mäh­lich klar­te es aber auf und wir sind noch ein wenig in die buckel­pis­te gefah­ren. mit dem mako von berit ging das doch ein wenig leich­ter – lei­der hat­ten wir beim umstel­len nur ver­ges­sen, den z‑wert anzu­pas­sen. das führ­te dann zu dem blö­den fall, dass er auf ein­mal fast vom fuß fiel und ein gutes stück den berg hin­ab rat­ter­te. durch die vie­len ski­wech­sel war der tag etwas chao­tisch – stän­dig wur­de irgend­wo geschraubt und ange­passt. es waren eben so eini­ge poly­ga­me mono­is­ten da. gefah­ren bin ich: snow­shark von mako, andre­as’ duret moun­tain sl 177 (ein tol­ler, leich­ter all­round-ski), kal­les moun­tain gun (ein 1,94 lan­ges geschoss von snow­shark), noch ein wenig nor­dic­board und dann das yama­tool. abge­schlos­sen haben wir dann mit den höl­lisch schwe­ren mono­ski-prü­fun­gen für dropman’s world im skikindergarten.

am frei­tag lief es sehr rund – ein schö­ner ski­tag bei mit­tel­mä­ßi­gem wet­ter. dafür war der sams­tag dann noch ein­mal so rich­tig klas­se: mit franz und andre­as sowie tilo vor allem über die pis­ten gebret­tert. und dann haben wir auch noch die lift­tras­se der birk­hahn­bahn unter die ski­er genom­men. das war schon ziem­lich geil: dicker, tie­fer wei­cher schnee, der auch im steils­ten hang noch sehr gut hielt und das gan­ze etwas ver­lang­sam­te – was mir sehr ent­ge­gen­kam … etwas blöd und unan­ge­nehm war nur, dass eine gewal­ti­ge ladung bus­tou­ris­ten ange­kom­men war: allein 8 bus­se aus offen­burg in schwa­ben, von irgend einem radio­sen­der. das hat das publi­kum auf der pis­te total ver­än­dert: nicht nur, dass dadurch auf­fäl­lig vie­le mit­tel­mä­ßi­ge und schlech­te ski­fah­rer als leben­dende (und gemüt­lich sich bewe­gen­de) sla­lom­stan­gen unter­wegs waren. natür­lich waren das auch sol­che grüpp­chen, die mor­gens um halb zehn vor der ers­ten lift­fahrt erst mal den gro­ßen flach­mann aus der tasche kram­ten – da krieg’ ich ja schon immer genug. denn schließ­lich ist ski­fah­ren sport – auch wenn man es viel­leicht nicht so for­dernd betreibt wie wir. aber das ver­ges­sen ja immer wie­der vie­le. kein wun­der war es dann auch, dass der kran­ken­wa­gen mehr­mals benö­tigt wur­de. und auch die hub­schrau­ber hat­ten am sams­tag viel zu tun (wenn auch nicht in galtür)

daz­tu kam dann natür­lich noch jeden nach­mit­tag – nach kur­zem ein­kehr­schwung – das lau­fen (doch dazu habe ich einen eige­nen ein­trag geschrie­ben): meist auf der sil­vret­ta-hoch­al­pen­stra­ße (d.h. auf fes­tem schnee­grund). dadurch war ich dann fast gar nicht in mei­nem zim­mer – denn abends haben wir uns natür­lich auch noch ein­mal zusam­men­ge­setzt. das gehört näm­lich unbe­dingt dazu beim mono­ski­tref­fen: das gemüt­li­che zusam­men­sit­zen mit mehr oder min­der hit­zi­gen dis­kus­sio­nen und gesprä­chen rund um den mono oder auch nicht … mit so viel net­ten leu­ten zusam­men macht das fast so viel spaß wie das ski­fah­ren tagsüber …

schnee und matsch allerorten

end­lich! der ers­te lauf im schnee! zumin­dest fast. denn in erbach war am sonn­tag mit­tag der meis­te schnee von sams­tag vor­mit­tag schon wie­der ver­schwun­den – geschmol­zen von der kräf­ti­gen son­ne und den zu hohen tem­pe­ra­tu­ren. doch auf dem weg nach bull­au wur­de die schnee­de­cke immer dich­ter und höher. und als ich dann am was­ser­werk aus dem wald kam, belohn­te mich ein wun­der­ba­rer blick (das wet­ter war ja auch herr­lich: strah­len­der son­nen­schein) über die ver­schnei­te bullau­er ebe­ne für den lan­gen und recht zähen (die waden fühl­ten sich sehr hart an die­ses mal) auf­stieg. das hat mich so beflü­gelt, dass ich viel zu schnell übers bullau­er bild zum jäger­tor und nach würz­berg gedüst bin. auch die würz­ber­ger ebe­ne war wun­der­schön mit dem schnee und der vie­len son­ne. des­halb waren wahr­schein­lich auch so wahn­sin­nig vie­le spa­zier­gän­ger mit ihren autos ange­reist … vor­bei am fried­hof ging es vor zur man­gel­bach – kurz davor war auch das ers­te stück im wald, das mich rich­tig for­der­te: der schma­le weg, der schnee, die tief hän­gen­den zwei­ge – ein rich­ti­ger hin­der­nis­par­cour. durch die man­gels­bach ging es dann wei­ter recht flott vor­bei am loch­brun­nen und hin­ab ins loch­brun­nen­tal. dem folg­te ich bis fast an die hains­ter­müh­le. dort geht dann der etwas ver­steck­te weg ab hin­un­ter zum bäch­lein, der den anschluss an das box­brun­ner wege­netz sichert. da hat­te ich dann gut 22 kilo­me­ter in den bei­nen. und mich erwar­te­te noch ein ziem­lich hef­ti­ger auf­stieg: der weg nach box­brunn war doch eini­ges stei­ler und auch etwas län­ger als ich nach dem kar­ten­stu­di­um ver­mu­tet hat­te (da mer­ke ich immer wie­der mei­ne man­geln­de kar­ten­er­fah­rung …) aber irgend­wann hat­te ich mich dann keu­chend den berg hoch­ge­quält und war in box­brunn ange­langt. dort ging es schnell über die b 47 und wie­der in den wald, um mit eini­gen win­dun­gen und kur­ven den bogen nach eul­bach zu schla­gen. hier wur­de es rich­tig win­ter­lich: kalt und weiß. der schnee lag hier ziem­lich hoch, gut 15 zen­ti­me­ter feins­tes pul­ver. und bald traf ich auch – das ers­te mal an die­sem tag – auf qua­si jung­fräu­li­che wege: außer ein oder zwei rehen hat­te noch kein lebe­we­sen die schnee­de­cke durch­bro­chen. hier, in dem immer ziem­lich sump­fi­gen wald­stück, geschah mir dann auch noch ein klei­nes, ziem­lich blö­des unge­schick: ich stand auf ein­mal bis über den knö­chel mit dem rech­ten fuß in einem was­ser­loch. das war dann eine gan­ze wei­le ver­dammt kalt – so knapp zwan­zig minu­ten hat es gedau­ert, bis der fuß wie­der betriebs­tem­pe­ra­tur hat­te. da war ich dann inzwi­schen schon durch eul­bach hin­durch und auf dem weg zum haber­manns­kreuz hin­un­ter. inzwi­schen mach­te sich auch das hohe tem­po ab bull­au bemerk­bar: obwohl es ste­tig berg­ab ging, wur­de es doch all­mäh­lich recht anstren­gend. und ab dem haber­manns­kreuz kam dann noch eine gewal­ti­ge schlamm­schlacht hin­zu: der weg war der­ma­ßen glit­schig und rut­schig, dass ich eigent­lich nur von einer sei­ter zur ande­ren getau­melt bin. aber irgend­wie ging’s dann doch noch vor­wärts und der grä­sig rück­te immer näher. von dort ist es dann ja nur noch ein kat­zen­sprung nach hau­se – so lang­sam hat es mir aber auch gereicht. zumal es, nach­dem die son­ne jetzt ver­schwun­den war, doch ziem­lich kühl wur­de. das waren dann inge­samt ziem­lich genau 35 kilo­me­ter, die ich in 3:15:45 hin­ter mich brachte.

und weil das wet­ter so schön war, hat­te ich sogar mal den foto dabei: 

laufen. und laufen. oder doch lieber laufen?

du läufst.

irgend­wann fängst du an, die tage zu zäh­len: 10, 20, 50, 100 – da ist schon das ers­te vier­tel­jahr geschafft.

du läufst durch den pras­seln­den hagel und den lei­se nie­der­rie­seln­den schnee. du freust dich über die wei­ße pracht. das lau­fen durch ver­schnei­te wäl­der am frü­hen nach­mit­tag. du holst die stirn­lam­pe her­vor und rennst sogar im dun­keln durch den wald und scheuchst dabei das spär­li­che wild und des­sen jäger auf. du lässt dich für ver­rückt erklä­ren, weil du nach einem lan­gen ski­tag auch noch die lauf­schu­he her­vor­kramst. du stol­perst über wur­zeln und stei­ne. du rutscht auf eis­plat­ten aus und schlägst dir die hän­de blu­tig. du beob­ach­test, wie der schnee schwin­det und auch die letz­ten schat­ten­lö­cher wie­der braun und grün werden.

du siehst, wie die säma­schi­nen über die äcker rum­peln. wie die ers­ten wei­zen­keim­lin­ge sprie­ßen. du siehst den mais wach­sen. das gras grü­nen und wie­der welk wer­den. du ziehst immer weni­ger zum lau­fen an. du nimmst immer mehr was­ser mit. du wirst braun wie ein neger – aber nur an armen und bei­nen. du zer­läufst in der hit­ze der hunds­ta­ge. aber du läufst.

du lauschst den trop­fen auf dem blät­ter­dach und dem mur­meln des bäch­leins, dass sich durch die wie­sen und wei­den schlän­gelt. du lässt dich von den kühen, scha­fen, zie­gen und pfer­den teil­nahms­los anglotzen.

du sieht die mäh­dre­scher und bald auch die rüben­voll­ern­ter übers land zie­hen. du ärgerst dich über die staub­fah­nen, die von den aus­ge­trock­ne­ten fel­dern über dich wehen. du freust dich über jedes laue lüft­chen. du siehst die wäl­der gelb und rot wer­den und ent­zückst dich an dem son­nen­licht, das durch den bun­ten herbst­wald strahlt. du beob­ach­test, wie der wein gele­sen wird. du siehst die blät­ter fal­len und eine wun­der­bar rut­schi­ge schicht auf den wald­we­gen bil­den. du spürst die herbst­win­de wehen. du merkst, wie selbst der rhein aus­trock­net und die kies­bän­ke aus den flu­ten auf­tau­chen. und du siehst immer wie­der die schif­fe vor­bei­zie­hen – man­che über­holst du, vie­le zie­hen an dir vorbei.

du lässt dich auch von dem regel­mä­ßi­gen knir­schen dei­ner eige­nen füße auf dem sand­weg nicht ver­rückt machen, son­dern fin­dest nach zehn oder zwan­zig kilo­me­tern einen ganz neu­en schwe­be­zu­stand der wahr­neh­mung. du gou­tierst sogar das stun­den­lan­ge getrap­pel von meh­re­ren dut­zend füßen auf asphalt, dass dich am sonn­tag­mor­gen begleitet.

du freust dich über die nebel­schwa­den am rhein. du merkst auf ein­mal, dass der herbst schon fast vor­über ist, wenn du die lan­gen lauf­ho­sen aus dem schrank kramst. du hörst sams­tags die motor­sä­gen im wald heu­len und die äxte klir­rend auf die spalt­kei­le tref­fen. du riechst den wun­der­ba­ren geruch des frisch geschla­ge­nen holzes.

du läufst mor­gens, mit­tags und abends. und manch­mal auch mit­ten in der nacht. du bist bei voll­mond unter­wegs und in den düs­te­ren tagen des neu­monds. du läufst unter kla­rem him­mel und bewun­derst immer wie­der die wei­te des ster­nen­him­mels. du siehst, wie sich der mond im teich spie­gelt und freust dich, dass außer dir nie­mand die ruhe der nacht stört. du freust dich auch über einen sanf­ten früh­som­mer­schau­er und ärgerst dich schon wie­der über den ers­ten herbsthagel.

du siehst rehe, füch­se, eich­hörn­chen, mäu­se und fasa­ne, eichel­hä­her, raben und krä­hen. du machst respekt­voll einen bogen um die wild­schwei­ne. du stol­perst über die stadt­tau­ben, die dich schon so gut ken­nen, dass sie dir über­haupt nicht mehr aus­wei­chen. die pfer­de stie­ben davon, wenn sie dich schnau­fend um die ecke lau­fen bemer­ken. die wei­der­in­der las­sen sich beim wie­der­käu­en nicht stö­ren. du rech­nest immer noch bei jedem frei lau­fen­den hund mit dem schlimmsten.

du über­holst (nor­dic) wal­ker, spa­zier­gän­ger und wan­de­rer. du ziehst an rad­fah­rern und inline-ska­tern vor­bei und lässt rei­ter und kut­schen hin­ter dir. mit den moun­tain­bi­kern lie­ferst du dir hei­ße kämp­fe, wer den hügel schnel­ler hin­auf kommt – und nicht immer gibst du dich geschla­gen. du schlän­gelst dich durch die fuß­gän­ger­zo­ne und irrst über die feld­we­ge. du kämpfst dich durch längst ver­wach­se­ne und ver­ges­se­ne wald­we­ge und suchst immer neue pfa­de durch dein revier. du ent­deckst selbst dort, wo du schon zwan­zig jah­re unter­wegs bist, neue wege. du erin­nerst dich an alte pfa­de aus frü­hen zei­ten. du fin­dest nie­mand mehr, der mit dir lau­fen mag. aber du läufst.

du ärgerst dich über die forst­ar­bei­ter, die mit ihren rie­sen­ma­schi­nen jeden weg in eine schlamm­pis­te ver­wan­deln und hal­be bäu­me auf dei­nen lauf­rou­ten hin­ter­las­sen. und zugleich freust du dich über die her­aus­for­de­rung, die­se etap­pe in der nächs­ten woche ein wenig flot­ter und ele­gan­ter zu meis­tern. du springst über baum­stäm­me und kriechst unter ästen hin­durch, win­dest dich auch ohne weg durch den unge­pfleg­ten dämm­ri­gen wald. du regst dich über jäger auf, die mit fünf­zig sachen auf dem weg zu ihrem hoch­sitz an dir vor­beib­rau­sen und dei­ne hacken nur um haa­res­brei­te verfehlen.

du wun­derst dich über ang­ler, die stun­den­lang nahe­zu bewe­guns­los vor ihrer angel sit­zen, in den fluss star­ren und das gan­ze sport nen­nen. du durch­brichst ganz unbe­wusst und aus ver­se­hen zum ers­ten mal die schall­mau­er der 100-wochen­ki­lo­me­ter. und weil du gera­de beim lau­fen bist, hängst du noch so eine woche hin­ten­dran. und noch eine. denn du läufst. täglich.

du fängst irgend­wann an, einen trai­nings­plan zu suchen. und du läufst dann wie ein irrer eine stun­de im kreis auf der fin­nen- und tar­tan­bahn. du keuchst und stöhnst über die ver­rück­te idee, nach einem lan­gen tag in den engen und sti­cki­gen hör­sä­len noch ein inter­vall­trai­ning machen zu wol­len. aber du merkst, wie du immer fit­ter und schnel­ler wirst. du läufst dei­nen ers­ten mara­thon und kannst dich vor begeis­te­rung kaum noch einkriegen.

du sam­melst schu­he. du wirst zum exper­ten für gps-auf­zeich­nun­gen und puls­fre­quen­zen. du fängst sogar an, über dei­ne ernäh­rung nach­zu­den­ken. und du liest von wild­frem­den leu­ten lan­ge berich­te über beson­ders schö­ne und span­nen­de läufe.

oder du stehst mit­ten in der nacht auf, um vor einem lan­gen tag im rei­se­bus wenigs­tens noch drei kilo­me­ter abzu­spu­len und bist trotz­dem als ers­ter beim früh­stück. du nervst dei­ne freun­de, weil du immer am über­le­gen bist, wo und wie du am bes­ten lau­fen gehst – selbst im urlaub. du lässt auch dei­ne gedan­ken lau­fen, du gehst den ver­gan­ge­nen tag noch ein­mal durch und über­legst, was noch auf dich zukom­men wird in den nächs­ten stun­den. du pro­bierst sät­ze und argu­men­te, du wälzt pro­ble­me und ersinnst lösun­gen. du rennst dir den frust aus dem leib. du schwebst vor lau­ter eupho­rie über die wege. du spulst kilo­me­ter um kilo­me­ter ab und kommst doch nicht vom fleck. aber du läufst.

du wirst tole­ran­ter: die ver­rück­tes­ten spin­ner erschei­nen dir auf ein­mal ganz nor­mal. denn du läufst immer noch. jeden tag. selbst wenn das heißt, dass du dei­ne lauf­schu­he ins boot packen musst. oder dass du bar­fuß los­rennst, damit dei­ne bla­se end­lich mal ein paar tage ruhe zum hei­len hat.

und end­lich lernst du dei­nen weg lie­ben wie sisy­phos sei­nen stein (auch wenn es bei lan­gen trai­nings­läu­fen manch­mal schwer fällt, jeman­dem zu erklä­ren, war­um du dir das antus): camus hat­te recht. und du läufst und läufst und läufst.

ganz ein­fach.

jeden tag

heute ist wieder so ein tag

es war klar, dass es ein stres­si­ger tag wer­den wür­de: ab acht uhr an der uni (zu spät kom­men geht heu­te nicht, sonst bekommt man kei­nen sitz­platz mehr), nach­mit­tags dann frü­her aus der übung und direkt zum bahn­hof, um in den oden­wald zu fah­ren (was trotz lok­füh­rer-streik klap­pen soll­te), dort wie­der direkt vom bahn­hof zum auf­tritt und danach irgend­wann in der nacht nach hau­se kom­men. also war klar: lau­fen muss ich mor­gens – denn jetzt, so kurz vor dem errei­chen der 365 tage des täg­li­chen lau­fens, woll­te ich die serie nicht rei­ßen las­sen. schon gar nicht wegen so einer lap­pa­lie. also stell­te ich den wecher auf vier­tel nach sechs. gut, bis ich dann aus dem war­men bett gekro­chen und in die lauf­sa­chen geschlüpft war, war es schon halb sie­ben. und ich ver­fluch­te mich mal wie­der für die schnaps­idee mit dem unbe­ding­ten täg­li­chen lau­fen … drau­ßen war es zwar nach dämm­rig und nach der kla­ren nacht ver­dammt kalt (so 0 °C sind in mainz schon fast extrem ;-)). aber sobald ich am rhein war, wur­de es doch wie­der rich­tig schön: der son­nen­auf­gang sorg­te für herr­li­ches mor­gen­rot, dass sich ganz aus­ge­zeich­net in den blass­blau­grau­en him­mel ver­lief, in dem sich auch noch ganz male­risch ein­zel­ne ver­wisch­te wölk­chen her­um­trie­ben – ein­fach herr­lich. also immer­hin eine klei­ne ent­schä­di­gung dafür, dass ich so tap­fer war, zu die­ser unchrist­li­chen zeit mei­ne klei­ne haus­run­de zu absol­vie­ren. gemei­ner als die frü­he stun­de war aller­dings der umstand, dass mein mit­be­woh­ner sich offen­bar heu­te mor­gen nach der rück­kehr von sei­ner par­ty­tour noch ein paar eier gebra­ten hat – zumin­dest roch das so. und das ist auf lee­rem magen eine gemein­heit. nach­dem ich also schön eine gute hal­be stun­de getrabt war, gedehnt und geduscht, war es auch schon fast zeit, an die uni zu fah­ren. dort war­te­te dann die ers­te unage­neh­me über­ra­schung: die mor­gen-vor­le­sung fällt aus. na super. da ich danach sowie­so freie zeit hat­te, bin ich halt wie­der heim geti­gert. und kam immer­hin dazu, dass hier zu schrei­ben. mal sehen, wie der tag sich noch so entwickelt …

20. arque-lauf 2007: gemeinsam zum ziel

das wet­ter hat in die­sem jahr nicht so ganz mit­ge­spielt. der 20. arque-lauf von kelk­heim nach mainz war aber trotz­dem eine schö­ne sache. gut, petrus schickt unfreund­li­ches feucht-kal­tes wet­ter. aber eigent­lich war es gar nicht so sehr kalt, nur ein sehr fie­ser, schnei­den­der wind von beträcht­li­cher geschwin­dig­keit in böen, der einen dann doch zum frie­ren brach­te – vor dem start und auch unter­wegs so eini­ge male. vor allem auf den brü­cken blies der wind – natür­lich immer von vorn oder wenigs­tens schräg von vor­ne. vor hoch­heim ver­sucht die son­ne, die wol­ken bei­sei­te zu schie­ben, hat­te damit aber nur sehr momen­tan ein wenig erfolg. na ja, das ist alles nicht so schlimm – es ist schließ­lich novem­ber. und rich­tig gereg­net hat es erst, als wir auf dem main­zer dom­platz hin­ter dem ziel unse­re geträn­ke tank­ten … da wur­de es dann lei­der ziem­lich unge­müt­lich, wes­halb ich bald ab nach hau­se bin – wie vie­le ande­re auch.

die stre­cke des arque-laufs hat eine etwas selt­sa­me län­ge: 17.248 €meter = 33.735 Meter, denn ein euro­me­ter ist logi­scher­wei­se 1,95583 Meter lang. das sind 80% eines mara­thons. zum ers­ten mal gab es die­se jahr auch die mög­lich­keit, kür­ze­re teil­stre­cken zu lau­fen und ent­spre­chend spä­ter ein­zu­stei­gen. das waren dann noch 10.848 €m = 21.218 Meter (sprint l genannt), 6.948 €m = 13.590 Meter (sprint m) und 4.048 €m = 7.918 Meter (sprint s). so arg vie­le habe ich da aber nicht gese­hen. das geschah jeweils an den ver­pfle­gungs­stel­len, wo es reich­lich bana­nen, war­men tee, und bei den spä­te­ren auch cola, was­ser etc. gab. gelau­fen wer­den alle stre­cken in fes­ten grup­pen, die von pace­ma­kern in einem kilo­me­ter-schnitt von 4:30 auf­wärts in abstän­den von 30 sekun­den geführt wer­den und zeit­ver­setzt star­ten. etwas unsi­cher war ich vor­her nur, wie ich die ver­pfle­gungs­stel­len über­ste­hen wür­den. denn hier hält die grup­pe geschlos­sen an und macht sozu­sa­gen rast – aber zum glück ging es immer zügig wei­ter. und obwohl ich sonst eigent­lich lie­ber durch­lau­fe, ging das wie­der anlau­fen ohne pro­blem vonstatten.

der lauf führt von zwei start­plät­zen in kelk­heim (ich star­te­te vom sport­ge­län­de reis aus, weil der dom-shut­tle nur dort­hin fuhr) zunächst hin­un­ter in den ort, wo wir uns mit den weni­gen läu­fern der grup­pe b des ande­ren start­plat­zes ver­ei­nig­ten und dann wie­der den berg hin­auf – immer­hin ist kelk­heim schon tau­nus ;-) – sehr schön fand ich dann das stück durch den gun­del­hard-wald hin­un­ter nach hof­heim. von dort führt die stre­cke auf der stra­ße nach marx­heim (zur ers­ten ver­pfle­gungs­stel­le) und wei­ter über die a66 nach weil­bach. dann geht es noch über die a3 und nun wei­ter auf feld­we­gen ober­halb von flörs­heim vor­bei. kurz vor hoch­heim trifft die stre­cke dann auf den main (ich hat­te mir aus irgend­ei­nem grund ein­ge­bil­det, das gesche­he schon viel frü­her und die gan­ze zeit dar­auf gewar­tet) und folgt die­sem bis kurz vor die mün­dung in den rhein, biegt dort aber ab und geht durch kost­heim über die theo­dor-heuss-brü­cke nach mainz. dort haben wir die ver­spreng­ten fast­nach­ter und die paar weni­gen main­zer noch gehö­rig mit unse­ren sprech­chö­ren – „erbar­men! zu spät! die hes­se kom­me!” – ver­schreckt und sind dann mit die­sem schlacht­ruf auch über den lieb­frau­en­platz um den dom bis ins ziel auf den dom­platz gebret­tert (die letz­ten ver­su­che der pace­ma­ker, das tem­po zu dros­seln, waren zum schei­tern ver­ur­teilt – vor allem, weil sie selbst ein­fach nicht lang­sa­mer wur­den), den wir nach 2 stun­den und 47 minu­ten (rei­ne lauf­zeit, ohne die pau­sen) erreichten.

der arque-lauf hat wirk­lich eine aus­ge­spro­chen schö­ne stre­cken­füh­rung. vie­le wald- und feld­we­ge (die in deutsch­land ja dum­mer­wei­se fast alle asphal­tiert sind), er führt durch die aus­läu­fer des tau­nus und die wein­ber­ge am main (und knapp vor­bei am tor zum rhein­gau). bei schö­nem wet­ter ist das bestimmt eine herr­li­che tour. wir wur­den dabei fast stän­dig von poli­zei und kran­ken­wa­gen (der lei­der auch ein­mal zum ein­satz kam) beglei­tet, die für einen wirk­lich rei­bungs­lo­sen ablauf sorg­ten – so müss­te man immer lau­fen kön­nen: die auto­fah­rer müs­sen war­ten, bis man über die kreu­zung ist und man hat die gan­ze stra­ße für sich allein.

und es gibt hier gute tem­po­ma­cher: klei­ne schwan­kun­gen sind natür­lich dabei, aber alles in allem fand ich das vor­ge­ge­be­ne tem­po ange­nehm kon­stant und auch an den auf- und abstie­gen gut zu lau­fen. sehr schön, das lau­fen mit tem­po­mat – auch eine neue erfah­rung für mich. mei­ne beden­ken, ob ein 5er-schnitt auf die­ser stre­cke nicht zu schnell sei, waren da bald ver­flo­gen. gut, die ers­ten kilo­me­ter lie­fen noch etwas holp­rig – ich war halt wie­der zu faul, mich ein­zu­lau­fen. um kilo­me­ter 22–25 etwa ging’s auch mal etwas zäher. aber danach lief es wie­der ganz und gar pro­blem­los. denn ganz aus­ge­powert war ich jetzt immer nicht – woh­lig erschöpft schon … die grup­pe ist auch erstaun­lich gut zusam­men geblie­ben – das hät­te ich nicht so erwar­tet. erst recht spät zog sie sich etwas aus­ein­an­der. und ich muss sagen, mit so einem vor­ge­ge­be­nen tem­po und in der grup­pe läuft es sich doch aus­ge­spro­chen ange­nehm und leicht. das tem­po war nie ein pro­blem für mich – obwohl ich mir auf der län­ge im moment nicht so beson­ders viel mehr zutraue. den 4:49er-schnitt, den mir mein trai­nings­plan vic­sys­tem vor­schlug, hät­te ich – wäre ich das als wett­kampf gelau­fen – viel­leicht noch geschafft. aber viel mehr sicher­lich nicht.

auch sonst fand ich die orga­ni­sa­ti­on ein­fach wun­der­bar – da kann man wirk­lich nichts sagen. und dass am start­platz reis nur zwei toi­let­ten zur ver­fü­gung ste­hen, lässt sich auch ver­schmer­zen. mei­ne start­num­mer – die gab es in die­sem jahr zum ers­ten mal auch – konn­te ich aller­dings nicht befes­ti­gen, weil ich in mei­ner tüte kei­ne sicher­heits­na­deln fand und selbst kei­ne dabei hat­te. aber die brauch­te man eigent­lich auch nur, um sei­nen klei­der­beu­tel im ziel wie­der­zu­fin­den. doch 9899 kann ich mir sogar beim lau­fen 3 stun­den mer­ken. und ich war nicht der ein­zi­ge ohne num­mer: in mei­ner grup­pe lief tat­säch­lich einer mit nack­tem ober­kör­per (bei knapp 10 °C) und kur­zen hosen. dafür aber mit son­nen­bril­le (ich fra­ge mich aller­dings, wie so jemand im som­mer bei 30 °C läuft – noch weni­ger kann er ja kaum anzie­hen, ohne anstoss zu erregen).

und etwas gutes tut man auch noch: das start­geld von 27 euro (mit groß­zü­gi­ger ver­pfle­gung an drei sta­tio­nen und t‑shirt, das man sogar anzie­hen kann, ohne augen­krebs zu bekom­men) ist eine spen­de für die namens­ge­ben­de arque, die „die Inter­es­sen von Men­schen mit ange­bo­re­ner Quer­schnitt­läh­mung (Spi­na bifi­da) und Stö­rung des Gehirn­was­ser­kreis­lau­fes (Hydro­ze­pha­lus)” ver­tritt. und es gibt außer­dem auch noch bus­trans­fers – sogar vom ziel zum start mor­gens, für mich sehr prak­tisch. da muss man zwar früh auf­ste­hen, denn abfahrt ist schon um 7.15. aber das ist wun­der­bar bequem. nach dem lauf dann noch die drei minu­ten heim spa­ziert und die herr­lich hei­ße dusche genos­sen. und weil’s mir so gut gefal­len hat, habe ich mir den nächs­ten arque-lauf schon wie­der fest vorgenommen.

und so sieht sie aus (nicht von den pfei­len ver­wir­ren las­sen, die hat sport­tracks dies­mal sehr selt­sam gesetzt):

strecke des arque-lauf

invasion der led-lampen

jetzt sind sie wie­der unter­wegs. spä­tes­tens seit der umstel­lung auf die nor­ma­le zeit am wochen­en­de tre­ten sie wie­der gehäuft auf: läu­fer, die aus­ge­stat­tet sind wie wan­deln­de lich­ter­bäu­me. da blitzt und blinkt und glit­zert es an allen enden. beson­ders schön sind aber die­je­ni­gen, die unbe­dingt eine kopf­lam­pe brau­chen. komisch, als es noch kei­ne leds gab, ging es auch ohne. jetzt aber anschei­nend über­haupt nicht mehr. dabei ist es gera­de auf der drei­brü­cken­run­de, die ich heu­te lief, fast alles beleuch­tet. und der rest ist auch noch so hell, dass man das eigent­lich immer ohne lam­pe lau­fen kann. mal davon abge­se­hen, dass der weg sowie­so so gut ist, dass auch dun­kel­heit kein hin­der­nis ist. aber der größ­te witz sind ja die läu­fer, die ihre tol­len lam­pen ca. 50 cm vor ihre füße rich­ten – die bekom­men über­haupt nichts mehr mit. heu­te hät­ten mich zwei bei­na­he umge­rannt … und geblen­det haben sie mich natür­lich auch mit ihren scheinwerfer …

um kei­ne miss­ver­ständ­nis­se auf­kom­men zu las­sen: ich habe auch eine stirn­lam­pe. aber ich benut­ze sie halt nur, wenn es nötig ist: bei neu­mond. bei bewölk­tem him­mel. auf unbe­kann­ten wegen. im wald. auf schlech­ten oder nicht vor­han­de­nen wegen. und man kann die din­ger natür­lich auch aus­schal­ten. ohne ist das lau­fen viel schö­ner und ange­neh­mer und erlebnisreicher …

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